technischen Beschwerden gewesen. Was hier an stillem Heldentum, an todesmutiger Tapferkeit und Einsatzbereitschaft die langen Wintermonate hindurch von unzähligen deutschen Infanteristen geleistet wurde und noch immer geleistet wird, das kann mit Worten allein nicht ausgedrückt, noch weniger aewürdigt werden.
Wie war es doch in jenen November- und Dezembertagen des Vorwinters, als zuerst tiefer Mora st und Schlamm alle Wege grundlos werden ließ, als dann tiefer Schnee und eisige Kälte alle Bewegungen hemnzte? An manchen Stellen der Front waren es taktische Gründe, die das Beziehen einer rückwärts gelegenen Stellung erforderten, um mit verkürzter Front bessere Verteidigungsmöglichkeiten für den Winter zu schaffen. Der deutsche Infanterist, der nur tm Angriffsgeist erzogen, hier einmal rückläufige Bewegungen durchführen mußte, hat in diesen Tagen wohl die härtesten Proben soldatischer Gefechtsdisziplin bestanden.
In unserer Erinnerung stehen die selbsterlebten Bilder dieses Abwehrkampfes wieder auf. Da liegt an einem halbzerschossenen Gehöft eine Gruppe von sechs Infanteristen als Nachhut einer bereits nach rückwärts abgesetzten Kompanie. Ringsum krachen die Einschläge sowjetischer Artillerie, zischen die Infanteriegeschosse. Dreck spritzt auf. Ganz auf sich allein gestellt sehen sich die tapferen Sechs den von allen Seiten nachdrängenden Sowjets gegenüber. Wieder jagt der Maschinengewehrschütze einen wohlgezielten Feuerstoß in die angreifenden Wellen des Feindes.
Da kommt plötzlich der erschreckte Ruf: „Ladehemmung!" Mit Pistole und Gewehr wird bis zur letzten Patrone weitergeschossen. Aber immer näher pirscht sich der Gegner in eine nur schlecht einzusehende Mulde an die Stellung heran. Der Gruppenführer läßt Handgranaten fer- »en. Auf Kommando werden sie dem bereits rräh" anstürmenden Feind entgegengeschleudert. Lautes Krachen erfüllt die Luft, dichte Rauchschwaden verhindern die Sicht. .
In kurzen Sprüngen arbeitet sich die Gruppe nun von Deckung zu Deckung zurück und erreicht den schützenden Wald.
Einer ist vorn geblieben. Kopfschuß! Ein zweiter Infanterist, am Arm getroffen und von den Kameraden notdürftig verbunden, hat sich mit letzter Kraft zurückgeschleppt. Der Auftrag dieser Soldaten aber ist erfüllt. Unter ihrem Schutz war es der Kompanie möglich, ihre Waffen zu neuem nachhaltigen Widerstand aufzubauen.
Wir haben dieses Erlebnis zähen Verteidigungsgeistes deutscher Infanterie in der Winterschlacht nicht nur einmal gehabt. Von allen Stellten der weitgespannten Ostfront liegen die gleichen Meldungen vor, die verschieden in der Darstellung des Ablaufs des einzelnen Geschehens, doch gleich sind in der Schilderung der soldatischen Tugenden unserer Infanterie.
Ein Spähtrupp ist angesetzt, um festzustellen, ob der Feind vor dem eigenen Abschnitt der Winterstellungen Angriffsvorbereitungen trifft. Unter Führung eines in drei Feldzügen kampferprobten Obergefreiten ist es den Infanteristen des Spähtrupps gelungen, unbemerkt vom Feind einen Bachsteg zu überschreiten und dadurch in den Rücken einer von den Sowjets besetzten Ortschaft zu gelangen. Starke Kräfte haben die Bolschepisten dort massiert, wie die Soldaten des Spähtrupps auf den ersten Blick erkennen. Auch Artillerie kann festgestellt werden.
Nun gilt es, das wichtige Aufklärungsergebnäs rechtzeitig zurückzubringen, um den Gegner bei seinem geplanten Angriff gebührend empfangen zu können. In kurzen Einzelsprüngen, zum Teil robbend und kriechend, geht es zur Bachmulde zurück. Der Steg über das Wasser aber kann nicht mehr benutzt werden, da er vom Gegner eingesehen wird und nun direkt im Schußbereich der sowjetischen Maschinengewehre liegt. Kurz entschlossen watet der Spähtruppführer — es ist Anfang Dezember — durch das brusttiefe, eiskalte Wasser.. Ihm folgen die anderen, Maschinengewehre, Gewehre und Patronenkästen werden mit letzter Anspannung hoch gehalten, um sie vor dem feuchten Element zu schützen. Triefend naß und zitternd vor. Kälte erreichen die Infanteristen das jenseitige Ufer.
Eine tiefe Quermulde nimmt sie auf und entzieht sie der Sicht des nunmehr scharf nachdrängenden Feindes. Wenige Schritte weiter findet sich ein ausgebauter Deckungsgraben, an dessen Rand der Spähtrupp trotz der Kälte und trotz der durchnäßten Uniformen alle Gewehre in Stellung bringt und mit wohlgezielten Schüssen den bereits am Bach-> arund angelangten Bolschewisten blutige Verluste beibringt. Erst dann setzen die Infanteristen den Rückmarsch zur Kompanie fort, wo sie dem Chef über das Aufklärungsergebnis Meldung erstatten,
so daß die Kompanie alarmbereit chre Stellungen bezieht.
Es kam die Zeit, da die Sowjets f a st täglich ihre massierten Angriffe gegen unsere Stellungen vertrugen und die Front einzurennen versuchten. Daß dies nicht gelang, und daß sich im Gegenteil die blutigen Verluste dös Feindes den ganzen Winter über bis zu einem kaum vorstellbaren Maße erhöhten, ist in erster Linie das Verdienst des deutschen Infanteristen, der . seine ihm zugewiesene Stellung mit todesmutiger Hingabe und beispielhafter Tapferkeit auch unter den widrigsten klimatischen Verhältnissen verteidigte. Welche Schwierigkeiten und Beschwernisse bot allein der Ausbau der Stellungen. Tag und Nacht arbeitete der Infanterist, unterstützt von den Pionieren,, mit Schaufel und Picke, mit Handgranate und Sprengpatrone, um sich in der steinhart gefrorenen Erde die notwendigen Deckungslöcher zu schaffen. Stunden vergingen, ehe man dem sonst so schmierigweichen, jetzt betonhart gefrorenen Boden nur ein fußtiefes Loch abringen konnte. Neben der Arbeit selbst aber durste die Sicherung des Stellungsbaus zu keiner Zeit unterbrochen werden und forderte erhöhte Wachsamkeit und stete Einsatzbereit--, schäft.
Bitter kalt sind oft die Nächte draußen in den Schützenlöchern der Winterstellung, wo im besten Falle eine kleine, in die Seitenwanck eingebaute Feuerstelle etwas Wärme verbreitet. Decken und Stroh müssen dem Infanteristen helfen, um die grimmige Kälte und den schneidenden Ostwind, die von oben in das niedrige Erdloch bringen, ab zu- halten. Nur weiter rückwärts war die Möglichkeit, geräumige Zug- und Kompaniebunker mit Ofen- hefzung zu errichten, um den Streifen- und Postenablösungen, den Reserven des Zug- und Kompanieführers eine Gelegenheit zum Aufwärmen zu geben.
Alles, was der vorn eingesetzte Infanterist zur leiblichen Versorgung braucht, kann nur nachts in die Stellung vorgebracht werden-. An erster Stelle aber steht dabei die Munition, die noch wichtiger ist als Essen und Trinken, noch wichtiger als K ä l t e s ch u tz u n d Feldpost. Langsam verrinnen die Stunden, die langen Nächte des russischen Winters wollen kein Ende nehmen. Mit andachtsvollem Genuß wird die Zigarette oder die Pfeife geraucht, zumal wenn der Vorrat knapp und dev Nachschub ungewiß ist. Ruhig und füll liegt die Front' zur mitternächtlichen Stunde, bis plötzlich da und dort der Lärm eines sowjetischen Angriffs aufbrandet und das Zischen der Geschosse, der Einschlag der Granaten für Stunden die Stille der Nacht ablöst.
*
Die Soldaten der deutschen Infanterie sind auf der Wacht. Sie haben die bisherigen Erfolge nicht leicht errungen und sich in ungeahntem Ausmaß den ihnen gestellten Aufgaben gewachsen gezeigt und sich in Stunden ernsthaftester Entscheidungen bewährt. Kampf und Opfer sind die Stationen des erfolgreichen Kampfes in der Winterschlacht an der Ostfront. Ob im Sturmangriff oder in der Abwehr, der deutsche Infanterist tut seine Pflicht. Er liegt am dichtesten am Feind, an jener Front von Eis und Schnee, die-nur die besten Soldaten brauchen kann. 1 .
Jedermann soll es wissen und immer aufs neue sei es gesagt: „Ueber allem steht in seiner Leistung der deutsche Infanterist."
General der Flieger Bogaisch mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Berlin, 25. März. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe das Ritterkreuz an General der Flieger B o gats ch, General der Luftwaffe beim Oberkommando des Heeres. Er hat bereits im -Frieden die Verbände der Heeresflieger für ihre wichtige Aufgabe vorbereitet. Im Kriege hat er bei allen Operationen den Einsatz der dem Oberkommando des Heeres zugetell- ten Luftwaffenverbände geleitet. Seiner Einwirkung, Voraussicht und Tatkraft tft es zu. verdanken, daß die Ergebnisse der Luftaufklärung zu einem wertvollen zuverlässigen Führungsmittel ausgestaltet mürben und daß die dem Oberbefehlshaber des Heeres unterstehenden Flieger- und Flakartillerieverbände jederzeit den Anforderungen gerecht wurden, die an sie auch im Erdkampf gestellt werden.
Leutnant Gtrelyw
Berlin, 25. März. (DNB.) Der Führer verlieh, wie schon kurz gemeldet, Leutnant Strelow, Staffelkapitän in einem Jagdgeschwader, das Eichenlaub zum Ritterkreuz, nachdem er ihn erst vor sechs t Tagen mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet hatte. Der Reicksmarschall beglückwünschte Leutnant Strelow mit folgenden Worten: „Lieber Strelow) Ich habe mich über Ihren siegreichen Aufstieg als kühner Jagdflieger besonders gefreut und be
glückwünsche Sie zu der hohen Tapferkeitsaus zeichnung. Möge Ihnen das Soldatenglück so treu bleiben wie bisher." Der jetzt 20jährige ist bisher 66mal Sieger im Luftkampf geblieben. Er ist gebürtiger Berliner, Sohn eines Volksschullehrers. Die ersten Lustsiege errang er erst an der Ostfront. Im Oktober vergangenen Jahres erhielt er den Ehrenpokal des Reichsmarschalls für besondere Leistungen im Luftkrieg. Bis zum 8. Februar hatte er 36 Sowjetflugzeuge zum Absturz gebracht. Dann begann ein geradezu kometenhafter Aufstieg, mit elf Abschüssen in zwei Tagen zeigte er seine Tapferkeit. Am 19. März könnt er mit zwei Einsätzen an einem Tage sieben bolschewistische Flugzeuge bei freier Jagd im mittleren Frontabschnitt abschießen. Auch in Tiefangriffen auf Feldflugplätze und Nachschubwege der Sowjets zeichnete er sich aus. Mit über 200 Einsätzen trägt er schon eit geraumer Zeit die Goldene Frontflugspange für agbflieger. Seit einigen Wochen führt er als jüngster Flugzeugführer seines Geschwaders eini? Jagdstaffel.
Das Ritterkreuz
für den Befehlshaber der Schlachtschiffe
Berlin, 25. März. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Dizeädmiral Otto Ciliax, Befehlshaber der Schlachtschiffe, und Kapitän zur See Kurt Hoff
Vizeadmiral Ciliax (links) und Kapitän zur See Kurt Hoffmann (rechts). (Scherl-Bilderdienst-M.)
mann, Kommandant des Schlachtschiffes „Scharnhorst". Im Juni 1941 übernahm Vizeadmiral Ciliax als Befehlshaber der Schlachtschiffe das Kommando über die in Brest liegende deutsche Kampfgruppe, bestehend aus den Schlachtschiffen „Scharnhorst" und „Gneisenau" und dem Schweren Kreuzer „Prinz Eugen". Ihm wurde die Ausgabe gestellt, diesen Schiffsverband durch den Kanal zu führen. Er bereitete diese Unternehmung, die zu den kühnsten Taten der Seegeschichte gehört, umsichtig und mit Tatkraft vor und führte sie dann mit größtem Schneid durch. Er selbst legte dabei höchste persönliche Einsatzbereitschaft und außergewöhnliche Tapferkeit an den Tag. Kapitän zur See Kurt Hoffmann ist seit Kriegsausbruch Kommandant des Schlachtschiffes „Scharnhorst" und hat bei dem Marsch der Schlachtschiffe durch den Kanal erneut seine außerordentliche Einsatzbereitschaft und persönliche Unerschrockenheit bemtejen.
Lyiileions „produkiionsgeneralstab".
Stockholm, 24. März. (Europavreß.) Die Er- richtuna eines Produktionsgeneralstaoes wurde von Produktionsminister Lyttleton im.Unterhaus bekamrtgegeben. Mitglieder dieses neuen Gremiums werden außer Lyttleton selbst der bekannte Wirtschaftsfachmann Sir Walter Sagten, die stellvertretenden General st abschefs der drei Wehrmachtteile sowie die höchsten technischen Beamten der mit Produkttonsfragen befaßten Ministerien fein. Der Produktionsgeneralstab wird dem Reichsverteidigungsausschuß unterstellt. Er soll mit den anglo-amerikanischen Ausschüssen und mit den Do- minionregierungen arbeiten. Lyttleton sagte, seine Befugnisse gäben ihm die Kontrolle über die drei wichtigsten Faktoren der Produktion, nämlich Rohstoffe, Werkzeugmaschinen und Arbeiter. Das Schiffsbauprogramm der Admiralität sei insofern seiner Aufsicht unterstellt, als, die Zuteilung von Rohstoffen und Arbeitskräften ihm zustehe.
In England mehren sich die Stimmen der Unzufriedenheit mit den Leistungen der britischen Rü- stungsproduktton. „Financial News" nimmt die Aeußerung des britischen Schatzkanzlers, die Ausgaben in diesem Kriegsjahr würden Englands Kriegsausgaben des Jahres 1918 über ft eigen, zum Anlaß, die Atmosphäre der Selbstgefälligkeit scharf zu kritisieren. „Wir haben", so schreibt das Blatt, „wirklich keinen Grund, mit einer Ausgabenerhöhung um ihrer selbst willen zufrieden zu fein. Ausschlaggebend ist allein die Erhöhung der Waffen
produktton, die sie in sich schließt. Und gerade nt diesem Punkte muß man befürchten, daß ein wesent« licher Teil der Ausgabensteigerung gegenüber 1918 auf größere Koften joroie viele andere Gründe zm-ückzusühren ist. Diese und andere Faktoren ein« chließlich der Möglichkeit, daß Material und Men« chenkraft weniger wirtschaftlich e i n g e- e tz t werden, sind zu beachten, bevor man Schlüffe aus bloßen Ausgabeziffern herleitet. Vor allem ist es abwegig, als Vergleichsmaßftab das Pfund heranzuziehen, da der Goldwert des Pfundes sehr viel geringer ist als vor 24 Jahren, daß höhere Ausgabenzahlen nicht notwendigerweise eine entsprechende Produktionsvermehrung einfchließen. Ein solcher Vergleich dient nur dazu, die Selbstzufriedenheit zu fordern."
Cripps erste Fühlungnahme.
Schanghai, 26. März. (Europapreß.) Nach der ersten Besprechung des Präsidenten des All- indischen Kongresses, A z a d, mit Stafford Cripps empfing, der indische Kongreßführer Anhänger der indischen Nationalversammlung, darunter einen Sohn Gandhis, zu internen Besprechungen über die Vorschläge der britischen Regierung. Der Führer der indischen Mohammedaner, D j i n n a h, erklärte nach seinen Besprechungen mit Cripps, er werde die britischen Vorschläge den Delegierten der Mohammedaner auf einer Sonber- tagung am Freitag bekanntgeben. Nach der Zusammenkunft mit dem Präsidenten des Allindischen Kongresses empfing Cripps noch den Gouverneur von Bengalen, den britischen Oberbefehlshaber in Indien, General Wavell, und den Kommandeur der ßuftftreitträfte in Indien zu kurzen Besprechungen.
Cripps wirkliche Aufgabe.
Bangkok, 25. März. (DNB.) Der indische National-Ausschuß in Bangkok erklärte im Rundfunk, die Tatsache, daß Cripps im Palast des Vizekönigs abgestiegen sei und Besprechungen mit dem Vizekönig und General Wavell abhalten werde, zeige, daß Cripps als Vertreter des britisch-bolschewistischen Imperialismus und nichtals Freund Indiens gekommen fei- Ueberraschend sei auch Cripps Bekanntmachung, er werde sich nur zwei Wochen in Indien aufhalten, weil ihn dringende Geschäfte nach London zurückrufen. Man müsse sich wundern, wie Cripps erwarte, die indische Frage in 14 Tagen zu lösen, nachdem das indische Volk fast 100 Jahre für seine Freiheit gekämpft habe. Der wirkliche Grund für Cripps' kurzen Aufenthalt liege jedoch wahrscheinlich in seiner Aeußerung, er meroe den indischen Führern die Beschlüsse des englischen Kriegskabinetts bekanntgeben, an deren Grundsätzen nichts mehr geändert werden könne. Es handle sich also in Wirklichkeit ym ein eng« lisches Diktat, das dem indischen Volke aufge- 3mungen werden solle. Cripps' wirkliche Aufgabe sei, das indische Volk in einen Krieg für den briti* scheu Imperialismus zu stürzen, der Indiens Versklavung verlängern würde.
Eine Indien-Konferenz in Tokio.
Tokio, 26. März. (DNB.) Vertreter der tnbi* schen Unabhängigkeitsverbände in Hongkong, Ma- laya, Thailand, Schanghai und anderen Plätzen treten am 28.3. in Tokio zu Besprechungen zusammen, in deren Verlauf konkrete Maßnahmen zur Förderung der indischen Freiheitsbewegung beschlossen werden sollen. Die Konferenz wurde vom Hauptquartier der indischen Unabhängigkeitsbewegung in Tokio ange« sichts der zugunsten der Loslösung vom britifd)en Reich rapide wachsenden Stimmung in Indien einberufen.
Kleine politische Nachrichten.
Reichsminister Dr. Goebbels versammelte Vertreter des Berliner Kulturlebens im Thronsaal des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propa- ?anda und besprach mit ihnen aktuelle Fragen des ulturellen Schaffens der Reichshauptstadt. Der Minister gab bekannt, daß er für die besonderen kulturellen Kriegsbedürfnisse der Reichshauptstadt ein Generalreferat einrichten wolle, mit dessen Leitung er den Oberregierungsrat Scherler betraut habe.
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In Neapel hatte der Präsident der deutsch-italienischen Gesellschaft, Minister Pavolini, deutsche und italienische Verwundete zu einer So Übervorteilung in die Oper eingeladen. Zur Aufführung gelangte Puccinis Oper „Tosca", wobei auch Gigli ang. Der Kronprinz, der in der Uniform des Generalinspekteurs der italienischen Infanterie erschienen war, begrüßte mit dem Botschafter von Mackensen und dem deutschen Militärattache General von Rin« telen die Verwundeten einzeln.
Der feurige Ofen
Roman von Hans von hülfen
49. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie ging in ihr Schlafzimmer hinüber, um sich Stirn upd Schläfen mit Verneine zu waschen. Auf dem Nachttisch lag noch aufgeschlagen das Buch, in dem sie gestern gelesen hatte, um ihre Nerven zu beruhigen, bis das Veramon wirkte. Heute nacht wüwe sie wohl die doppelte Portion nehmen müssen ...
Plötzlich, während sie vor der großen, geschliffenen Spiegelscheibe über dem Waschbecken stand, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht, ein hauchzartes, beinahe listiges Lächeln. Sie wusch sich die Hände und ging eilends hinunter.
Der alte Diener richtete gerade den schwarzen Kaffee im Wintergarten.
„Danke, Fabian. Ich schenke schon selber ein. Bitte die Herren." Und als Fehr und sein Gast, die sich auf der Terrasse ein wenig ergangen hatten, hereinkamen, bot sie dem Vater die dünnwandige Tasse.
Fehr trank beinahe im Stehen. Er war etwas eilig und entschuldigte sich alsbald:
„Auf Wiedersehen, Herr von Brakel ... also um sechseinhalb oder spätestens sieben. Wenn die Leute mit ihrem Geschwätz nicht fertig sind, laufe ich ihnen davon! Wir essen dann hier noch gemütlich zur Nacht, nicht wahr? Und ich schicke Sie nachher in die Stadt!"
Wenige Minuten später hörte Marion den Wagen davonfahren.
. Warum hast du mir eigentlich verschwiegen, daß Abbeg hier in Schußweite ist?" fragte Brakel unvermittelt, sobald sie allein waren.
„Wie kannst du so fragen, Papa? Einfach darum, weil ick keine Lust habe, selber den Strick zu drehen, an dem ich aufgehängt werde!"
„Was heißt das?" Sein Gesicht war finster.
„Du hast es mir ja deutlich genug gesagt, was du mit Abbeg tun wirst, wenn ihr euch wieder trefft Du haft es mir geschrieben, und du hast es törichterweise auch an ihn geschrieben. Dieser Bries wäre eine schöne Waffe gegen dich, wenn ich ihn nicht zerrissen hätte. Was meinst du, würde solch ein Skandal für Folgen haben? Für dich und für mich? Unmöglich wäre ich hier ... Papa, ich bitte dich, laß doch das Vergangene vergangen fein! Du bist ja wieder oben auf der Wippe — was brauchst du in den alten Geschichten zu wühlen? Dieser Abbeg ist ohnehin das Kreuz meines Lebens!"
„Wieso?"
„Weil er alles weiß, von dir und von mir. Und weil ich ihm nicht eine Sekunde trauen kann, daß er den Mund hält, sobald man wider feinen Stachel lökt. Schon daß er dir von meiner Heirat geschrieben, gehört zu seinem System Er hat sich ja nur hierher gesetzt, um mich zu belagern — ach, Papa, für sich sieht das alles hier sehr rosig aus, aber es ist leider nicht jo, durch Abbegs Schuld!"
Brakel zerdrückte die Zigarette im Aschenbecher und klopfte sich ein paarmal mit der Hand auf den Mund, um ein Gähnen zu verbergen.
„Er stellt dir also nach? Er will wieder seine Lumpereien mit Mr anfangen? Na, das werde ich ihm gründlich austreiben! Ich rperde ihm «al sagen, was er ist ... Keine Angst, ich schieße ihn dir nicht gleich tot, obwohl er's verdient hätte! Und obwohl ich meinen Revolver in der Handtasche habe ... Aber ich werde ihm Dinge sagen, daß er ganz, ganz klein wird ... Ist es weit zu ihm?" Und, da Marion den Kopf schüttelte: „Halb vier — da habe ich noch Zeit. Weißt du, ich lege mich jetzt ein bißchen aufs Ohr. Bin plötzlich ganz schauderhaft müde, die Reise steckt mir in allen Gliedern, man ist eben nicht mehr der Jüngste. So um fünf Uhr knöpfe ich mir dann den Ehrenmann vor."
Marion sah, daß es nutzlos war, ihm zu widersprechen.
„Um fünf Uhr werden wir unseren Tee trinken.
nicht wahr?" sagte sie. „Und wenn du dann immer noch so rachsüchtig bist, kannst du ja hinübergehen —es ist nur eine Viertelstunde. Obgleich ich fürchte, es kommt nichts Gutes für dich dabei heraus."
„Im Gegenteil...!" Sollst mal sehen ... ganz im Gegenteil", antwortete Brakel und hielt wieder die Hand vor den Mund: „Also jetzt mal erst ins Körbchen!"
Marion begleitete ihn nach oben.
Sje ging in ihrem Zimmer wohl eine Viertelstunde rastlos auf und nieder, die Hände verkrampft.
Wirkte chre List? — Wenn sie nun aber nicht wirkte? — Ein Entschluß dämmerte in chr herauf.
Als die Glocke im Türmchen vier Uhr schlug, verließ sie das Haus. Sie ging durch den Park und schloß die Heckenpforte hinter sich.
Letztes Kapitel.
Landrat Ollendahl ging Fehr bis an die Schwelle seines Arbeitszimmers entgegen:
„Ja, lieber Baron, Sie kommen doch nicht etwa zur Sitzung? — Hat Sie denn meine Absage nicht mehr erreicht? Ich habe doch gestern ein Rundschreiben an die Herren hinausgegeben ...
„Keine Ahnung. Nichts bekommen."
„Na, da soll doch gleich dieser und jener ...!" Und der Landrat lief zum Schreibtisch und rief das Büro an. Mit der Rechten winkend, lud er inzwischen den Gast ein, Platz zu nehmen.
„3a, bebaure unendlich — kann nur ein Versehen fein", sagte er, indem er den Hörer wieder auf die Gabel legte und sich Fehr gegenübersetzte: „Ich höre, die Briefe sind sämtlich gestern abend bei Büroschluß aufgeliefert worden. Tut mir aufrichtig leid, daß Sie sich vergeblich bemüht haben. Die Sache ist die ... man beschäftigt sich im Ministerium mit neuen Richtlinien, und bis dahin soll die Anhörung der Herren Sachverständigen vertagt werden. —- Rauchen Sie? Bitte!"
Fehr zündete sich eine Zigarette am
„Sehr schade, daß ich das nicht rechtzeitia gewußt habe. Es paßte mir heute nämlich nicht besonders gut, wir hatten dem Besuch meines Sckwiegeri vaters. — Na, wenn ich mich gleich wieder ans Steuer setze, ist's ja nicht so schlimm."
„Da will ich Sie natürlich nicht aufhalten. Dbs gleich — ich hätte gern dies und das mit Ihnen besprochen!"
„Auch ick habe einiges auf dem Herzen, Herr Landwt", sagte Fehr — und fing sogleich an, bid Geschichte ber brutal auf bie Straße geworfenen Meister vorzutragen — er hatte sich bas unterwegs überlegt. „Wäre eigentlich toll, wenn man biefen kaltschnäuzigen Abbea in punkto sozialer Gesin^ nung nicht Mores lehren könnte", schloß er.
Der Landrat überlegte, indem er an der Zigaretts sog. Das aelbliche Licht ber Nachmittagssonne, das durch bie yohen Fenster fiel, lag auf seinem Prä« latengesicht. Er begann, einen Vortrag über bij verwaltungsmäßige Seite der Sache zu halten, M ziemlich lange dauerte, da er durch mehrere Telephonanrufe unterbrochen wurde. Zum Schluß hatte Fehr ihn doch so weit, daß er zufagte, einen Druck auf bie Direktion ber Sophienau ausüben zu wollen. — Das war ihm für heute genug. Er mußte sich noch einigen persönlichen Fragen stellen. Enb- lich konnte er sich verabschieben.
„Dumme Geschichte", dachte er, sich wieder hinter ben Volant setzend: „Am besten, ich telephoniere hinaus, baß ich schon roieber auf dem Rückweg bin, sonst machen die beiden womöglich gerade einen Spaziergang, und ich komme ins leere Nest!"
So fuhr er also zum Postamt und ließ sich einö Verbindung mit Schloß Lappersdorf geben.
Fabian war am Apparat. Fehr bat, Marion zu rufen. Er wartete eine lange Weile, bann kam der Diener zurück: bie Frau Baronin fei nicht auft zufinben.
„Nicht auszufinben? Was heißt bas?! Sie muß boch im Hause fein. Ist sie mit Herrn von Brakel ausgegangen?"
(Fortsetzung folgt)


