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Ze n t r a l k a u k a s u s erstreckt sich vom Elbrus (5630 m) bis zum Kasbek (5043 m). Beides sind drloschene Vulkane, deren Gipfel von ausgeworfe­nen Laoa-GesteinsmassLN bedeckt sind. Für die im Innern noch wirksamen vulkanischen Kräfte spre­chen die vielen Badeorte mit Mineralquellen. Der O st k a u k a s u s ist waldarm und trocken. Trotz zahlreicher Erhebungen über 4000 m läßt die Gletscherwirkung infolge geringerer Niederschläge und höherer Sonnenstrahlung nach. Die Felsen sind brüchig, die Gipfel schroff, die Täler tief einge­schnitten. Infolge ungünstiger Boden- und Klima­verhältnisse ist das Gebirge auf weite Strecken oft völlig kahl.

Die Derkehrsoerhältnifse sind im West- kaukasus am besten. Hier führen auch die einzigen Bahnen von Norden zum Schwarzen Meer über Krasnodar nach Noworossijsk und von Armavir nach Tuapse. Sonst finden sich nur Saumpfade» als Uebergänge, von denen der wichtigste der Kl u k o r- Paß Mischen Nikojan Schachar nach Suchum ist. Die Ueberschreitung des Zentralkaukasus ist schwie­rig. Hier findet sich als einzige, neuerdings als Fahrweg aus-gebaute Route die O s s e t i n i s ch e H e e r st r a ß e, die von Alagir den Ardon auf­wärts über den Mamisson-Paß in vielen Windun­gen nach Kutaissi absteigt. Alle anderen Uebergänge, die lediglich Saumpfade sind, haben nur lokale Be­deutung. Die Hauptstraße über den Ostkaukasus ist die Grusinische Heerstraße, die in 214 Kilometer Länge über den 2345 Meter hohen Kre- stowy-Paß von Ordschonikidse nach Tiflis führt und im Sommer für Autoverkehr geeignet ist.

Bewegungen größerer Truppenverbände im Kau­kasus sind auf die wenigen Straßen und Wege an­gewiesen, die in die Haupttäler hineinführen, meist aber zu schmalen Pfaden und Steigen werden, be­vor sic den Haupttamm erreichen. Die Pässe sind im Sommer schneefrei. Nur im Zentralkapkasus sind die Pässe fast ausnahmslos verschneit und ver­gletschert und ermöglichen ein Vorrücken nur im Einzelgang. Wasser findet sich in allen größeren Tälern, Verpflegung muß von der Truppe mitge- sührt werden, da das Land nur geringe Versor­gungsmöglichkeiten hat. Es wird nur wenig Gerste (ingebaut, Kartoffeln und Gemüse kaum, doch sind Schafe, Ziegen und Rinder in größeren Herden vor­handen, die eine reichliche Auswertung von Milch­erzeugnissen gestatten.

Ethnographisch bietet Kaukasien ein außerordent­lich buntes Bild. Die Araber; nennen den Kaukasus nicht umsonst denBerg der Sprachen". Auf dem Bazar in Tiflis soll man 60 Sprachen reden hören. Das ganze nördliche Vorland ist überwiegend ukrai­nisches, zum kleinen Teil russisches Siedlungsgebiet geworden. In Transkaukasien gibt es drei bedeu­tendere politische Gemeinwesen: Georgien oder Grusien, mit 70 OOOqkm, etwa so groß wie Bayern, mit 3,4 Millionen Einwohnern: Armenien, mit 30 000 qkm und 1,3 Millionen Einwohnern; A s e r- b e i d s ch a n mit 86 000 qkm und 3,2 Millionen Einwohnern. Georgien und Armenien sind altchrist­liche Länder. Aserbeidschap ist überwiegend von mohammedanischen Tataren bewohnt. Einige Hun­derttausend -Armenier sind auch in Georgien und Aserbeidschan ansässig. Die beiden größten Städte Kaukasiens sind Baku, die Hauptstadt von Aser­beidschan, mit über 800 000, und Tiflis mit über 500 000 Einwohnern.

Der größte Schätz des Nordkaukasusgebiets sind die Petroleum lager von Grosnys, un­weit des Terek. Sie sind durch eine gegabelte Röh- rcnleitung sowohl mit Rostow» am Don als auch mit dem Hafen Tuapse am Schwarzen Meer ver­bunden. Bedeutender als Handelsplatz an der Schwarzmeerküste ist N o w o r o s f i j s f, das für die Ausfuhr des Getreides aus dem Kubangebiet gegründet wurde und auch einige Festungswerke hat. Die Mineralreichtümer Transkaukasiens find bedeutend. Vor allem handelt es sich um die Erdöl­lager von Baku, die nach mehr als sechs Jahrzehw tcn dauernder Ausbeutung noch keine Anzeichen von Erschöpfung aufweisen. Die Mcmganerzlager von Tschiaturi in Georgien mit fast 50 v. H. Man­gan geh alt gelten als die reichsten der Welt. Nicht weit davon, bei Tkwibuli, liegt Kohle, bei Keda- beg, weiter östlich hier besaß die Firma Siemens lange Jahre ein wertvolles Bergwerk und an anderen Stellen liegt Kupfer. Berühmt ist der Wein von Kachetien, einem Seitental, das sich gegen den Kur öffnet. Auch am Araxes, einem Nebenfluß des Kur, der Armenien durchströmt, wachsen herrliche Trauben. Manche meinen, daß in der Vorzeit hier zuerst auf der Welt der Weinstock angebaut und Wein gekeltert worden sei. Eine Bahnlinie verbindet Baku über die georgische

Hauptstadt Tiflis mit Batum, dem Haupt­hasen Kaukasiens am Schwarzen Meer. Ihr pa­rallel geht die Erdölleitung, durch die das Oel in die Tankstadt von Batum fließt. Wichtitz ist die Bahnverbindung, die.von Tiflis nach L e n i n a k a n (früher Alexandropol) an der' türkischen Grenze führt. Von hier besteht Schienenverbindung einer­seits über Kars nach Erze rum und An­kara, anderseits über die armenische Hauptstadt Eriwan nach Täbris in Iran. Die Fort­setzung bis Teheran ist noch unvollendet.

Gprengstoffanschlag

auf eine norwegische Polizeistation.

Oslo, 24. Aug. (Europapreß.) In den Büro räumen der norwegischen Polizei wurde ein Sprengstofsonschlag verübt, wobei ein norwegischer Polizeibeamter getötet und zwei verletzt wurden. Die Ermittlungen der deutschen Sicherheitspolizei ergaben, daß es sich bei den Tätern um Mitglieder einer kommunisti sch e n Terrorgruppe handelte. Sie sind zum größten Teil bereits fest­

genommen und als britische Agenten fest- gestellt worden. Für die Ergreifung der zwei noch flüchtigen MittäterMeier Norweger wurden Belohnungen von je 50 000 Kronen ausgesetzt.

Der Reichsverkehrsminister in Mainz.

NSG. .Reichsverkehrsminist^r Dr. h. c. Dorfi­rn ü l l e r weilte am Montag in Mainz, um der Gefolgschaft der Reichsbahn für ihr umsichtiges und tapferes Verhalten Dank und Anerkennung auszu­sprechen. Im Beisein von Gauleiter und Reichsstatt­halter Sprenger, der zuvor Reichsverkehrs- mirtifter Dr. Dorpmüller im Gau begrüßt hatte, wurden alsdann Angehörigen der Reichsbahn, die sich besonders ausgezeichnet hatten, Kriegsverdienst­kreuze verliehen. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger besuchte am Vormittag im Mainzer Städtischen Krankenhaus die Verletzten des britischen Terrorangriffes. Im Namen der Volks­gemeinschaft brachte er feine Anteilnahme zum Ausdruck und wünschte den Verletzten die baldige Wiederherstellung ihrer Gesundheit.

Neubesetzung des Reichsjustizlninistenums.

Besondere Vollmachten für Reichsjustizminister Dr. Thierack.

^Berlin, 24.Aug. (DRV.) Amtlich wird mit- geteilt: Der Führer hat sich in Anbetracht der besonderen Bedeutung, die den Aufgaben der Rechts­pflege während des Krieges zukommt, entschlossen, den seit dem Ableben des Reichsministers Dr. G ü r f- ner unbesetzt gebliebenen Posten des Reichs- ministers der Justiz wieder zu besehen. Der Führer hat daher den Präsidenten des Volksgerichts­hofs Staatsminister a.D. Dr. Thierack, der nach der Machtergreifung bis zur Verreichlichung der Ju­stiz sächsischer Justizminister war, zum Reichsminister der Justiz ernannt. Gleichzeitig hat der Führer den mit dec Führung der Geschäfte des Reichsjustizmini­sters beauftragten Staatssekretär Professor Dr. Schlegelberger von diesem Auftrag entbun­den und ihn auf seinen Antrag in den Ruhe­stand verseht. Der Führer hat dem Staats­sekretär Dr. Schlegetberger in einem Handschreiben feinen Dank für die dem Deutschen Reich in jahr­zehntelanger aufopferungsvoller Arbeit geleisteten hervorragenden Dienste ausgesprochen, ihn hierauf ferner zur persönlichen Abmeldung im Führerhaupt­quartier empfangen. Zum Staatssekretär im Reichs- justizminisierium hat der Führer den Präsidenten des hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg, Senator Dr. Rothenberger, zupr Präsidenten des Volksgerichtshofes den Staatssekretär im Reichs­justizministerium Dr. Freister ernannt.

Der Führer hat dem neu ernannten, Reichs­minister der Justiz Dr. Thierack besondere

Vollmachten mit folgendem Erlaß erteilt: Zur Erfüllung der Aufgaben des Groß- deutschen Reiches ist eine starke Rechtspflege erfor­derlich. Ich beauftrage und ermächtige daher den Reichsminister der Justiz, nach meinen Richtlinien und Weisungen im Einvernehmen mit dem Reichs­minister und Ehef der Reichskanzlei und dem Lei­ter der Parteikanzlei eine nationalsozia­listische Rechtspflege aufzubauen und alle daher erforderlichen Maßnahmen zu treffen. ,Er kann hierbei vom bestehenden Recht abweichen.

Die Reichspressestelle der RSDAP. gibt dazu be­kannt: Der bisherige Führer des Nationalsoziali­stischen Rechtswahrerbundes, Präsident der Aka­demie für deutsches Recht und Leiter des Reichs­rechtsamtes der NSDAP., Dr. Frank, Hot den Führer gebeten, ihn von diesen Aemtern zu entbinden, um sich völlig seinen Aufgaben atz Generalgouverneur widmen zu können. Der Führer hat dieser BUte entsprochen und zum Präsidenten der Akademie für deutsches Recht sowie zum Leiter des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbundes den neuernannten Reichsminister der Justiz Dr. Thie­rack berufen. Das Reichsrechtsamt der NSDAP., die Gau- und Kreisrechtsämter hat der Führer auf­gelöst und die bisherigen Leiter der Gau- und Kreisrechtsämter in die Gau- und Kreisstabsämter eingegliedert. Die NS.-Rechtsbetreuungsstellen füh­ren im Rahmen dieser Aemter ihre Tätigkeit weiter.

Oie neuen Männer.

Reichsjustizminister Dr. Thierack.

Reichsjustizminister Dr. Thierack, geboren 1889 in Wurzen in Sachsen, entstammt einer alten nieder- lausitzer Dauern- und Bürgerfamilie. Dr. Thierack hat nach dem Besuch eines humanistischen Gym­nasiums Rechts- und Staats wissen schäft in Mqr- burg und Leipzig studiert, 1913 die 1. juristische

Staatsprüfung abgelegt und 1914 zum Dr. jur. promoviert. 1914 ist -er als Kriegsfreiwilliger ein- gerückt, wurde 1919 Leutnant der Reserve uckd er­warb sich das E. K. 1920 bestand Dr. Thierack das Assessorenexamen mit bestem Erfolg und wurde 1921 Staatsanwalt in Leipzig, 1926 beim Ober- landesgericht in Dresden und hat hier als politischer Staatsanwalt der Bewegung, der er auch vor der Machtergreifung beitrat, bereits wertvolle Dienste geleistet. 1935 wurde Dr. Thierack Vizepräsident des Reichsgerichts und 1936 Präsident des Volksgerichts­hofes.

Staatssekretär Dr. Rothenberger, geboren 1896 zu Cuxhaven, trat 1914 als Kriegsfreiwilliger ein und kehrte 1918 als Leutnant, ausgezeichnet mit dem E. K. I und II aus dem Felde zurück. 1919 war er Zeitfreiwilliger bei der Niederwerfung des Kom­munistenausstandes. Er studierte Jura in Berlin, Kiel und Hamburg, bestand 1922 sein Assessor- Examen und war als Richter und Verwaltungs­beamter in Hamburg. Am 8. März 1933 wurde er von Reichsstatthalter Kaufmann, dem er seit 1931 bereits als Berater zur Verfügung stand, zum Führer der Landesjustizoerwaltung in Hamburg er­nannt. 1935 hat er die Justizverwaltung der nord­deutschen Länder in die Reichsjustizverwöltung über­geführt und wurde dann Präsident des Hanseattschen Oberlandesgerichts, Vorsitzer des Reichsoberseeamtes

©er Kranich Gaute.

Von Arnold Krieger.

Er gehörte zum Hof. Die Herrin hatte ihn mit­gebracht, als er noch klein und kindisch war und kükenchaft piepte. Beim Lausen stotterte er mit den Flügeln. Die Herrin wußte ihn gut zu zähmen. Sie gab ihm einen Namen. .Gaute wuchs heran. Seine Liebe zu der Herrin wuchs mit ihm. Er machte ihr den Hof, wenn sie aus dem Landhaus trat. Er ver­beugte sich gravitätisch. Er schritt seine unnachahm­lichen Tanzschritte. Er küßte ihr mit dem Schnabel die Hand. Puten standen dabei und glotzten und reg­ten sich auf. Sie schimpften im Falsett. Die Warzen auf den blauen Hälsen liefen dunkelrot an. Die Herrin war gut zu Gaute. Er stolzierte wie ein Junker. Der dicke Pfau brauste auf, flog wackelnd in Mannshöhe, thronte auf dem Jauchewagen und sah auf den stelzbeinigen Detter herab. Der hatte ihm ein Stück vom Schwanz ausgerissen. Er diente hinfort der alten Muhme im Gesindehaus als Flie­genwedel.

O dieser Gaute? Immer fiel ihm etwas Neues ein.

Der kose Vogel trieb für sein Leben gern Allo- trig. Den Dackel kniff er sachte in den Schwanz. Der Kleine war über die Maßen wütend. Mit den Rüden gab es Duelle. Im ganzen war Gaute fair. Tell zog mit einer Terz ab. Seitdem war kühle Freundschaft zwischen den beiden. Gaute war im Grunde nicht streitsüchtig. Necken, ja. Und geneckt werden. Balgereien unter dem Fe de molk schätzte er nicht. Vollends ungemütlich wurde er, wenn sich zwei Gackelhennen in die Wolle fuhren. Er packte sie nacheinander am Schopf, schwenkte sie lebhaft, so daß sie über sich selber den Kopf schütteln mußten.

Besuch kam, und er trompetete wie ein Herold. Einmal aber wurde er höllisch. Das war, als die beiden mächtigen Falken gebracht wurden, finstere Gesellen, die eine Kappe über den Augen trugen, weil sie zur Beize erzogen werden sollten. Gaute duckte sich zur Erde nieder, mit rund gebogenen Flügeln, dann stand er auf, reckte sich hoch, noch hoher und wirkte noch einmal so groß. Er rafaunte erregt. Sie Falken ließen nur ein Fauchen verneh­

men. Sie wurden in ein kleines abseitiges Haus gebracht. Dort faßen sie hinter einem Gitter auf hohen Klötzen. Gaute mied den Ort wie die Pest. Er suchte sich mit Spielen zu zerstreuen. Er warf kleine Hölzer und Steine hoch, sie mit dem Schnabel zu fangen. Er inspizierte die Diehställe, hatte mit dem Vorstehhund eine Auseinandersetzung. Er fühlte sich selber als Vorsteher des ganzen Etablissements. Dazwischen gluderte er immer wieder mit verdeck­ter Erregung zur Gefängniskammer hin. Sv sehr er sich freute, daß die Banditen dort eingesperrt wa­ren, so sehr befremdete es ihn, daß bie Herrin mit ihnen schöntat. Er pirschte näher heran. Mit allerlei Happen wurden sie kirre gemacht. Wahrhaftig, die Herrin sprach mit den Galgenvögeln nicht viel an­ders als sie mit ihm gesprochen.

Er meinte fast vor Enttäuschung. Er brachte ihr weiter seine graziösen Sprünge und Kratzfüße dar. Aber er war tief traurig. So kam das Frühjahr. Gaute, der nie daran gedacht hatte, seine ungestutz­ten Fittiche zu brauchen, wurde von Unruhe befal­len. Diese stinkenden Falken machten ihm böses Blut. Sie durften auf der Wiese sitzen an der Leine zwar, aber, unter den Augen der Herrin. Gaute verspeiste trübselig einen zartgeschenkelten Frosch. Er begriff die Welt nicht mehr. Er blickte oft in die Höhe. Da rief es und lockte er wußte nicht was. Er wußte nichts mehr von dem nordi­schen Riedgras, den Sandbänken und Brüchen feiner Heimat. Aber jetzt war in ihm ein seufzendes Auf­wärtssinnen, ein zielloses Visieren.

Und eines Tages kam es über ihn, und er regte die schwerfälligen Schwingen. Aus dem First bei Scheune ruhte er aus. Dann ging es weiter. Jnst- leute unter ihm schrien. Die Herrin kam gelaufen. Er sah und hörte nichts mehr. Etwas zog ihn em­por. Er schwamm einen großen Vogen durch die feuchte Luft. Er landete im Erlengehölz. Er fühlte sich unsäglich wohl und weich und matt von Wieder­geburt. Und wieder spürte er einen Druck nach oben. Er eräugte den strengen Kiel feiner Artgenossen. Aber er konnte sie nicht einholen. Gerne wäre er äußerster Flügelmann geworden, hätte er nur mit« gedurft.

Da geschah eiües Tages das Furchtbare.

Gerade hatte er ein paar andere Kraniche gefun­den, die- sich noch hier herumtrieben. Er ruderte mit

ihnen vergnügt über eine weite Kleehalde. Plötz­lich bemerkte er, wie sich ihm zwei Falken näherten. Er erkannte sie sogleich. Seine Augen füllten sich mit Staunen, denn unten war die Herrin Und hetzte die beiden. Die großen Köpfe der Räuber tarnen näher. Ihre kurzen, dicken Hälse foppten vor Gier. Gaute fühlte, worum es ging. Die anderen Kraniche waren auf und davon. Er gab sich einen kräftigen Schwung, um höher zu gelangen. Aber die Falken folgten ihm. Wütend schlug er die Fittiche. Immer erregender wurde die hohe Jagd. Das war ein Wett­kampf auf Leben und Tod. Die Flieger schraubten sich von Höhe zu Höhe.

Jetzt waren die Feinde schon ganz nah. Auf den Schnäbeln hatten sie große, spitze Haken, und ihre Augen stachen bereits nach ihm. Noch einmal warf er sich höher. Vergebens. Die Luft wurde dünn. Gaute konnte sich kaum noch halten.

Da überhöhten ihn die beiden Teufel. Sie rüttel­ten über ihm. Er sah die graugrünen Bäuche, die quergestreiften Hosen der Luftpiraten. Er riß seinen Schnabel senkrecht hoch, um die Herabschnellenden aufzuspießen. Aber er traf nicht. Zwer wuchtige Klumpen stürzten auf ihn. Er schlug und krallte um sich. Hinab ging es in sausender Fahrt. Wilder Schmerz glühte im Rücken auf.

Die Erde stürzte ihm entgegen. Dort wollten ihn die Räuber rupfen und häuten. Seine Augen bra­chen fast, als er auf schlug. Doch der tapfere Schna­bel ^ieb_ wie ein Schwert drein. Federn stoben und kleine Schreie. Aist einmal war die Herrin da, mit heißem Gesicht. Sie ergriff seinen Schnabel, und jetzt geschah das-Schändliche: sie stieß ihn in die Erde, wie es Brauch war. Jetzt war er machtlos. Die Her­rin tätschelte die blutenden Falken, gab ihnen Kirr­brocken.

Auf einmal schrie sie:Gaute!" Sie zog den Schnabel aus der Erde. Er richtete das braune Auge auf sie. Er hatte sie gleich erkannt! Sie strei­chelte ihn, sie klagte. Aber sie hatte auch feine Mör­der gestreichelt! Der kleine, kahle Schädel rutschte zur Seite. Ein roter Tropfen rollte herab. Und die Herrin meinte.

Im Garten grub sie ihm sein Bett. Im Sommer sproß darauf violetter Rittersporn. Eigentlich hätte sie eine Inschrift Hetzen wollen: Gaute, verzeih!

Starke Rechtspflege.

Von unserer Berliner Schristleitung.

Wenn die alten Römer behaupteten, im Krieg hätten die Gesetze zu schweigen, bann läßt sich dieser Satz nur aus der damaligen Kriegführung erklären. Heute ist es Sinn der Gesetzgebung, die Dinge wie- der in das natürliche Bett ihres Verlaufs zurück- zuleiten, aus der sie entweder Unwissenheit, volks­verderbende Politik oder gewaltige Erschütterungen revolutionärer Art wie dieser Krieg gerissen haben. Als die Weltanschauung des Führers zur Macht gelangte, war es klar, daß auch das Recht aus der Starrheit der Paragraphen gelöst und dem Volks­empfinden angepaßt werden würde. Der römische Historiker Tacitus hat einmal lakonisch bemerkt: In den oerborbenften Staaten gibt es bie meisten Gesetze." Dgs Uebermaß der Gesetze, unter dem wir litten, wurde bereits seit der Machtübernahme durch eine Neuordnung und Vereinfachung erheblich beschränkt. Der Krieg hat diesen Werbeprozeß noch belebt. Der Krieg mit seinen Folgeerscheinungen hat es notroenbig gemacht, auch Recht unb Gesetz darauf einzustellen und Gesetzesvorschriften wefenllich zu vereinfachen ober umzuänbern. Am 16. Mai 1942 wurde bie Zivilrechtspflege einfacher gestaltet. Am 13. August wurde bas Strafverfahren auf klarere und einfachere Grunbfätze gestellt, ebenso bas Pri- vatklageverfahren, und jetzt hat ber Führer den bisherigen Präsidenten bes Volksgerichtshofes, also den obersten Richter über Hoch- und Landesverrat, Dr. Thierack, zum Reichsjustizminister mit ber Weisung ernannt, eine nationalsozialistische Rechts­pflege aufzubauen unb starker Sachwalter eines volkstümlich einfachen Rechtes zu fein. Der bis­herige Staatssekretär im Reichsjustizministerium, Dr. Freister, ist an seiner Stelle Präsident bes Volksgerichtshofes geworden, nachdem er ebenso wie ber verstorbene Reichsjustizminister Dr. Gärt­ner und der jetzt in den Ruhestand tretende Staats­sekretär Dr. Schlegelberger höchst wertvolle Vorarbeit für bas Werden bes neuen national­sozialistischen Rechtes geleistet hat.

Der neue Reichsjustizminister hat -im Jahre 1939 über bas Wesen kräftiger Rechtspflege gesagt:Auch für den nationalsozialistischen Staat gilt ber Grund­satz, baß bas Recht die Grundlage bes Staates bil­det. Veraltete Formen, auch wenn sie dem einen ober anderen noch so stieb geworden sein mögen, müssen über Bord geworfen werden. Nicht Formen unb Formeln sind die Hauptsache, sondern bie Sicherung bes' ewigen Bestandes unseres Volkes." Daß die verschiedenen Instanzen ber Rechtspflege, die, um ein Wort Dr. Thieracks zu gebrauchen, nebenein« ander lagen wie Bausteine unb danach schrien, ein Haus zu werden, jetzt wirklich ein Haus werden, in dem der Bürger des nationalsozialistischen Staates sicher wohnt, ist nach dem Willen bes Führers Auf­gabe des neuen Reichsjustizministers, der nicht durch Fesseln unb Atavismen gehemmt sein soll, sondern vom Führer eigens mit ber Vollmacht ausgerüstet worden ist, bei seiner Aufbauarbeit auch vom be­stehenden Recht abzuweichen. Das Mandat bes Füh­rers laufet auf bie Schaffung einer starken Rechts­pflege. Dr. Thierack ist bas hat er als Präsident des Volksgerichtshofes bewiesen ber richtige Mann, diesem Mandat Form unb Inhalt zu geben.

E. S.

unb des Seedisziplinarhofes, Präsident bes Prisen- hofes in Hamburg, Honorarprofessor an der Uni­versität Hamburg und deutscher Vertreter am In­ternationalen Schiebsgerichtshof.

Aus dem Reich.

Wissenschaft im Dienste ber Gozialordnung.

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley empfing Wis­senschaftler aller Fachsparten, bie im Arbeitswissen­schaftlichen Institut ber DAF. zu einer Aussprache über soziale Forschungsprobleme zusammengekom­men sind. Dabei hob Dr. Ley bie besondere Bedeu­tung ber Wissenschaft im Rahmen des national­sozialistischen Weltbildes hervor. Die Zersplitterung der völkischen Gesamtkultur in isolierte Teilwelten ber beruflichen und fachlichen Spezialisierung habe in den letzten Jahrhunderten die soziale Lage des Volkes trotz des gewaltigen naturwissenschaftlich- technischen Fortschritts immer drückender werden lassen. Die Höhepunkte der Kulturgeschichte die griechische Antike, bas Altgermanentum, das flau- fische Hochmittelalter, bie Renaissance, die Goethe- Zeit so führte Dr. Ley aus, waren Zeiten ge-

Oer erste Globus.

Wenn die Berichte unserer Wehrmacht bekannt- gegeben werden, so greift wohl jeder in der Heimat ZU seinem Globus ober einer Lanbkarte, um sich von den Bewegungen bes deutschen Heeres unb seiner Verbündeten sowie von den Jagdgebieten unserer U-Boote ein genaues Bild zu machen. Das Weltgeschehen unserer Tage unb die Weiträumig­keit der Fronten haben nun vor allem dem Globus wieder zu stärkerer Beachtung verhalfen. Sicherlich wissen nur die wenigsten unter uns, daß ber erste Globus in Deutschlanb geschaffen wurde, und zwar im Jahre 1492 also vor genau 450Jahren von dem Nürnberger Martin B e haim, dessen Werk sich noch heute im Besitz bes Germanischen Museums befindet. Martin Behaim entstammte einer alten angesehenen Familie ber freien Reichs­stadt Nürnberg. Als er nach langen Reisen, kreuz und quer über den Erdball, in seine Vaterstadt zurückkehrte, konnte er sich rühmen, ein Drittel der Welt gesehen zu haben. Kaiser Maximilian I. nannte ihn einmal mit Bewunderung denam weitesten gewanderten Bürger des Deutschen Reiches". Der Auftrag seiner Vaterstadt, einekünstliche drehbare Kugel als getreues Abbild ber Erdkugel zu fertigen, versehen mit allen neuen Landen, Meeren, Inseln unb sonstigem", konnte daher keinem Geeigneteren übergeben werden als Behaim. Zu diesem Zweck ließ er sich eine hölzerne Kugel von 54 cm Durch­messer drechseln unb mit Pergament überziehen. Diese Pergamentfläche bemalte er mit allen Ländern unb Inseln, bie er selbst gesehen hatte unb trug an­dere so ein, wie sie sich ihm nach Berichten anderer Entdecker barstellten. Daß sein Werk aus diesem Grunde selbst für damalige Zeiten große Fehler aufwies, ist daher leicht erklärlich. Besonders die fernen östlichen Länder wie Indien, China und Japan erfahren bei Behaim eine völlig falsche Dar­stellung. Interessant unb für uns heute ganz humor­voll sinb bie kleinen Anmerkungen, bie Behaim mit roter und schwarzer Tinte auf dem Globus ein­trug. So ist z. B. bei ber Insel Java die Notiz zu lesen:In Königreich Jambri haben die Leutt Man unb Frawen hinden Schwanz gleich die Hundt." Obwohl Behairns Erdkugel eine ganze An­zahl von großen Fehlern aufmies, bedeutete fein Globus doch den Beginn einer neuen Epoche in bec. .Geographie.

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