20./21. JuniW
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Nr. 142 Zweites Blatt
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(Nachdruck verboten.)
12. Fortsetzung.
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Briefe in Bareiros Hand
Roman von Anna Elisabet Weirauch
Rechte durch Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
Der Kinobesucher, der sich an der Kasse eine Eintrittskarte kauft und sich damit befriedigt und erwartungsvoll auf seinen Platz setzt, macht sich in der Regel wenig Gedanken darüber, wie das, was er zu sehen und zu hören kriegt, zustande kommt. Wir meinen damit nicht: wie ein Spielfilm gedreht wird oder die Wochenschaubilder ausgenommen werden, wovon ja die meisten Leute auch nur eine unvollkommene, aber immerhin ungefähre Vorstellung haben; sondern wie der fertige Film „läuft", das heißt also auf der weißen Fläche erscheint, die volkstümlich, wenn auch nicht ganz zutreffend, als die Leinwand bezeichnet wird. Es ist sehr lehrreich, sich das einmal anzufehen — von einer Stelle, die der Besucher im allgemeinen nicht betreten darf, näm- sich vom Bildwerferraum aus. Im Gloria-Palast in Gießen ist das, wie wir gleich feststellen können, ein durch Größe und Uebersichtlichkeit des komplizierten technischen Apparates ausgezeichneter, ganz modern eingerichteter Raum, wie man ihn nur in wenigen, neu erbauten Filmtheatern unseres Gaugebietes antreffen wird.
Hier oben ist der Arbeitsplatz des Filmvorführers, der technisch höchst verfeinerte Kommandostand, von dem aus der gesamte Ablauf des Programms reibungslos gelenkt und beständig überwacht wird. Das Rohmaterial für die Vorführung ist der Filmstreifen, die sogenannte Kopie. Die Kopien wurden bis vor kurzem von der Ufa, der Terry, der Tobis, der Bavaria oder den Bezirksverleihern geliefert. Seit dem l.Juni sind die großen Verleihfirmen in der Deutschen Filmvertriebsgesellschaft zusammengeschlossen. Die Kopie kommt also jetzt entweder von der Auslieferung des Vertriebes m Frankfurt, oder auch von einem „Vorspieler", also etwa von einem Filmtheater in Fulda, Mainz, Mannheim oder irgend einer anderen Stadt. Das geschieht im Nachtversand; Filme werden bevorzugt als Expreßgut befördert.
Die Kopie ist auf großen Spulen yufgewickelt, deren jede im Durchschnitt etwa 600 Meter Filmband faßt; für einen Spielfilm von 3000 Meter Länge benötigt man also fünf Spulen. Die Spulen laufen auf zwei Projektionsapparaten ab, die einander im Betrieb ablösen, damit ein ununterbrochener Ablauf gewährleistet ist. Die Laufgeschwindigkeit der Apparate ist so genormt, daß in der Sekunde 24 Bilder erscheinen. Der Filmstreifen läuft im Projektionsapparat von der oberen Abwicklungs- trommel, in welche die Spule eingesetzt wurde, in die un^re Aufwicklungstrommel —: am Objektiv vorbei, wo die Belichtung die Helligkeit und zugleich die Vergrößerung des Bildes auf der Vorführungsfläche (dem sog. Bildschirm) bewirkt. Dann läuft der Streifen weiter über die Photozelle; durch eine Tonlampe wird die Photozelle erregt und erzeugt im Takte der Sprache wieder Sprechwechselströme, die dann verstärkt zum Lautsprecher gehen. Die Lautsprecheranlage befindet sich auf der Bühne hinter dem Bildschirm, der aus einem perforierten Leinen-Gummistoff besteht. Der durchgelaufene Filmstreifen wird unten in der Aufwicklungstrom-
Gerd kommt in den Klub, aufgeregt und stolz. Er hat am Nachmittag die Kette bei Grotjahn abgeholt, er hat sie bezahlt — ungefähr mit allem, was er besitzt — nun tastet er von Zeit zu Zeit nach der Brusttasche, die das Etui in ungebührlicher Weise aufbläht, und wartet auf Katta. Der bevorstehende feierliche Moment erfüllt ihn mit ungeheurer Spannung, und seine Gedanken formen und modeln fortwährend an den begleitenden Sätzen. Ganz sicher ist er seiner Sache nicht, und je näher der Augenblick heranrückt, desto mehr wächst seine Unsicherheit. Gestern war er noch überzeugt, daß
Preisaufgaben vornehmen. Anschließend wird der Vertreter der Wirtschaftslehre des Landbaues, Professor Dr. Rolfes, den Festvortrag über „Die Aufgaben der Wirtschaftswissenschaften des Landbaues beim Aufbau Europas" halten. Nach einem Chorgesang des Akademischen Gesangvereins wirh die Ansprache des Studentenführers folgen. Die
mel selbsttätig wieder aufgerollt. Die 600 Meter Filmband auf einer Spule haben eine Ablaufzeit
Guckfenster verfolgen kann, der Vorhang über dem letzten Bilde der Wochenschau. Die Kopie ist ausgelaufen und wird jetzt gleich. umgespult, damit hernach, für die nächste Vorstellung, der Anfang wieder vorn ist, sonst würden sich die Leute unten wundern. Während inzwischen der Spielfilm anläuft, zeigt uns der Vorführer, der eine sorgfältige Spezialausbildung genossen und diese vor der Zulassung zur Berufsausübung mit einer Prüfung abgeschlossen hat, wie eine gerissene Kopie wieder zusammengeklebt wird, so daß man während der Vorstellung den kleinen Betriebsunfall, der immer wieder einmal passieren kann, weder im Bild noch an der Tonwiedergabe gewahr wird.
Was gibt es hier oben sonst noch zu sehen? Die Verstärkeranlage, eine kompliziert ausgetüftelte technische Angelegenheit; neben den beiden Projektionsapparaten einen Bildwerfer für die Reklamebilder und den Schallplattentisch, denn hier oben wird auch die Musik gemacht, die nicht unmittelbar zum Film gehört. Im Nebenraum betrachten wir noch eine Filmkiste, die der Verpackung von Spielfilmen und Kulturfilmen dient: Gewicht mit vollem Inhalt etwa 30 Kilo. Wenn das Programm hier abgespielt ist, wird diese Kiste über Nacht als Expreßgut in eine andere Stadt reisen ... Wir werfen noch einen letzten Blick durchs Schaufenster und erleben eine aufregende Szene der „Tosco" als stummen Film, wie vor zwanzig Jahren. Mehr als eine Stunde ist vergangen, wir haben allerlei gesehen, gehört und gelernt. Während wir die schmale Hintertreppe hinuntersteigen, überlegen wir, daß man dem Kinobesucher, der sich kaum jemals in diese oberen Regionen verirrt — kein Zutritt! Rauchen verboten! — auch etwas davon abgeben
leisten kann, ich habe nur keine Ahnung, was man dafür verlangen kann."
Fünf Minuten später sitzen sie mit aneinandergelegten Köpfen bei einer eifrigen Berechnung. Es ist eine Spezialität von Fernando Bareiro, mit Bleistift und Papier Berechnungen aufzustellen, wenn die Stunde so und soviel einbringt, auch der Weg muß natürlich bezahlt werden, wenn sie ins Haus kommen soll — dann kann sie soviel am Tag verdienen und so viel im Monat, und wenn er 'dann auch noch etwas dazu verdient, er wird seine Ansprüche zurückstecken, er nimmt auch mit einem bescheidenen Posten vorlieb für den Anfang. Oh. er wird den Leuten, schon zeigen, was er kann! Mit seinen glänzenden Ideen \fann er ein ganzes Geschäft auf eine ungeahnte Höhe bringen! Er ist ganz durchglüht von großartigen Plänen und unerschütterlichen Vorsätzen. Er ist so mitreißend in seinem ungestümen Temperament, in seiner begeisternden Hoffnungsfreudigkeit, daß Concha alle Zweifel und Befürchtungen vergißt, wieder einmal vergißt.
„Ich werde auf die Anzeige antworten", sagt sie, brennend vor Eifer. „Sofort, eh sich ein anderer meldet, und du wirst deine alten Bekannten an- rufen — alle! Der Reihe nach! Und wirst fragen, ob sie dich nicht brauchen können, ganz gleich.
neue, herrliche Zukunft!
Und wie die Feuerzungen künden, daß wir bewahren deutsche Treu, so möge unser Sieg entzünden altdeutschen Heldenmut aufs neu! ...
Und heute?
Schon die ersten Kriegsmonate zeugten von Geist und Heldenmut, von der Tapferkeit und
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Im Rahmen der laufenden Vortragsreihe spricht am Dienstag, dem 23. 6. 42, 18.30 Uhr, im Großen Hörsaal der Ludwigs-Universität
Professor Dr. phil. hcms Rupp
vom Psychologischen Institut der Universität Berlin über
„Pädagogische und methodische Grundlagen der Arbeitserziehung."
Einzelkarten zu 3,— RM. sind in der Schanzenstraße 18, Zimmer 23, zu haben. 1962D
Vorsicht bei AufdewahruuqvonWaffen
Entflohene Kriegsgefangene haben sich bei ihrer Wiederergreifung wiederholt mit Waffengewalt zur Wehr gesetzt. Die Waffen hatten sie aus Jagdhütten, Wochenendhäusern und ähnlichen Gebäuden entwendet. Der Reichsminister des Innern hat daher durch eine Reichspolizeiverordnung, die am 24.6. 1942 in Kraft tritt, das Aufbewahren von Schuß-, Hieb- und Stichwaffen sowie von Munition in Gebäuden, die außerhalb einer geschlossenen Siedlung
Siegeszug unserer herrlichen Wehrmacht. Seitdem errangen sie Sieg auf Sieg an allen Fronten. Was unsere Jungen am brennenden Holzstoß einst gelobten, das vollbringen sie in heldenmütigem Kampf. Sie stehen ein für ihr Vaterland, sie schützen ihre Heimat.
So gedenken wir unserer tapferen Soldaten auch besonders an dieser Sonnwende. Sie stehen vor unserm geistigen Auge, unaufhörlich kämpfend, bis alle Feinde besiegt sind. Alle unsere Gedanken und gute Wünsche sind bei ihnen.
Die Gedanken unserer Soldaten aber werden an dem Tag der Sonnwende in der Heimat weilen, sie werden im Geiste die Feuer brennen sehen und mit neuem, unerschütterlichem Mut weiterkämpfen. Sie wissen, daß das ganze deutsche Volk, wir in der Heimat und sie in Feindesland, eine große Schicksalsgemeinschaft ist. und daß dieser Krieg die größte Bewährungsprobe darstellt. Uird diese wird bestanden werden! Das geloben alle bei dieser Sonnwende. —h.
Aus der Stadt Gießen.
Eommer-Sonnwende.
Wie war es in den Jahren vor dem Kriege? Da versammelten wir uns zur Sommer-Sonnwende um den brennenden Holzstoß. Die Flammen schlugen zum Himmel, Rauch und knisternde Funken erfüllten die Luft und beleuchteten grell die Gesichter. Und über uns in wunderbarer Schönheit der strahlende Sternenhimmel der Sommernacht. In solchen Augenblicken wurden unser Denken und Handeln emporgehoben, gleich der Flamme schlug die Begeisterung in uns hoch, Erinnerungen an vergangene Tage durchzogen unser Herz. So standen einst auch unsere Vorfahren um das lodernde Feuer. Sie, die noch enger mit der Natur verbunden und ihr auf Gedeih und Verderben ausgeliefert waren, beobachteten in viel größerem Maße die Welt ringsum, um daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Ihnen war die Sonne alles, ihnen war sie das Leben schlechthin. Auf der Höhe des Jahres brachten sie ihren Göttern die Opfer dar, zum Zeichen des Dankes und zugleich als Symbol des Abschiedes von der Sonne.
Diese Tage waren unseren Vorfahren heilige Zeit. Die Führer versammelten sich auf Bergeshöhen oder unter den heiligen Eichen, um Gericht zu halten oder ernste Beratung zu pflegen. Am Abend des Tages, wenn Frakken und Kinder zugegen waren, wurde die Sonnwendfeier festlich begangen. —
So feierten auch wir vor dem Kriege die Sonnwende, hoffend auf eine neue Zeit, hoffend auf Deutschlands Wiederaufstieg. Im Herzen unserer Jugend lebte dieses Sonnwendfeuer weiter, und es wurde von neuem zu heller Flamme entfacht. Auf der Bergeshöhe, beim flammenden Holzstoß, beim Feuerspruch und beim Sprung durch die Flammen brach der alte deutsche Glaube durch.
Solche Augenblicke vergißt man nicht. Wir gedenken der Vergangenheit, wir hoffen auf
Am Mittwoch, 1. Juli, 11 Uhr, findet Großen Aula der Ludwigs-Universität Gießen die 335. Jahresfeier statt. Nach dem Einmarsch des Senats und des Lehrkörpers wird zunächst der Rektor, Professor Dr. mect. H. W. K r a n z, eine Ansprache halten und die Preisoerteilung von den vorjährigen
liegen, grundsätzlich verboten und unter Strafe gestellt. In diesen Gebäuden dürfen Waffen und Munition nur noch verwahrt werden, wenn sie nicht länger als 24 Stunden unbewohnt sind oder wenn sie unter ständiger Bewachung stehen. Es ist daher jedem Volksgenossen dringend anzuraten, Schuß-, Hieb- und Stichwaffen sowie Munition, die er bisher in Jagdhütten, Wochenendhäusern, Sommervillen und ähnlichen Gebäuden, die außerhalb einer geschlossenen Siedlung liegen, in Verwahr hatte, unverzüglich anderweitig ünterzubringen.
335. Jahresfeier
der Ludwigs-Universität.
„Findest du mich noch schön?" Sie krallt plötz- lich beide Hände in seinen Aermel und halt ihn fest. „Findest du mich wirklich noch schön? Aber es wäre dir doch bequemer, mich loszuwerden ober9" Sie rüttelt an ihm, sie lacht mit naßen Augen. „Sag die Wahrheit! Wenn ich einen Reichen fände, der dumm genug wäre oder einen Dummen, der reich genug wäre, dann würdest du mit Freuden auf mich verzichten!"
„Ich würde niemals auf dich verzichten, und bestimmt nicht mit Freuden." Er fetzt sich auf hie Lehne des Sessels und seine Hande gleiten zärtlich über ihre Schultern. „O du, niemals, aber du kannst mich ja dann an deinem Reichtum teilhaben '“Ss Nimmst du zurück!" Mit einem Sprung steht sie vor ihm, bebend vor Zorn. „Ich will mchl, daß du so entsetzliche Dinge sagst, auch nichl im Schere *
„Ich nehme es zurück!" Er lacht belustigt Über ihre Erregung. „Wollen wir uns streiten über solche nichtoorhandenen Möglichkeiten' Erkläre mi lieber, auf welche Weise du sonst Geld zu verdienen gedenkst?" . v
„Ich habe eine Anzeige gefunden, es wird eine Dame gesucht, die Unterricht in spanischer Konversation erteilen kann, ich werde mich melden.
„Gedenkst du mit Sprachstunden reich zu werden * Das ist ein recht kärgliches Brot.
„Ich gedenke nicht reich zu werden, id) gedenke mir mein kärgliches Brot zu verdienen! Wenn man erst einen Schüler hat, kann man weiter empfohlen werden. Es ist zum mindesten eine Arbeit» die ich
24 Bilder in der Sekunde...
Oer $ilm im Biidwerferraum. — Was der Kinobesucher nicht sieht.
mit dem sie das Ding da vor ihr betrachtet, und noch weniger stößt sie einen Schrei des Entzückens aus.
„Das verstehe ich nicht", sagt sie mit einem Kopfschütteln. „Was bedeutet das?"
„Erläuterung folgt!" lacht Gerd, und eifrig sucht er nach Worten, die sich in der Hast etwas über« stürzen. „Das ist nämlich nach einer Zeichnung von Detlev Nehl, wenn Ihnen der Name etwas sagt! Wissen Sie jetzt, was es bedeutet? Sie haben doch gesagt, daß Sie auch so eine Kette haben wollten, haben Sie das nicht gesagt? Oder so etwas Aehn« liches jedenfalls. Nun, da ist sie, jetzt haben Sie sie."
„Ich kann mich nicht besinnen, habe ich so etwas gesagt? Ich verstehe noch immer nicht ganz. Ist das die Kette Ihrer Frau Schwester?" Sie ist sonst nicht so förmlich, „Frau" Schwester zu sagen."
„3a ... nein, das ist sie natürlich nicht. Ich hatte Jhiren doch eine Überraschung versprochen, ein Mitbringsel, eine kleine Aufmerksamkeit, weiter ist es doch nichts."
„Es ist keine kleine Aufmerksamkeit, es ist eine große Unaufmerksamkeit!" sagt Katta streng. Ihre feinen Nasenflügel beben, es kann Zorn sein, aber man weiß nicht ganz genau, ob nicht ein heimliches Lachen dahinter steckt. „Wenn Sie nicht so außergewöhnlich unaufmerksam wären, dann müßten Sie mich jetzt schon einigermaßen kennen. Das Recht, mich zu beschenken, muß sehr mühsam erworben werden. Es wäre zum mindesten ungerecht von mir, es Ihnen einzuräumen. So. Und nun machen Sie diesen Kasten zu und stecken ihn m die Tasche. Es hat mich interessiert, den Entwurf von Detlev Nehl zu sehen, und ich danke Ihnen, daß Sie mir diesen Anblick verschafft haben."
„Aber, Katta ..." versucht Gerd, während eine heiße Röte in sein Gesicht steigt. „Ich habe Sie doch wahrhaftig nicht beleidigen wollen. Ich hatte es mir so nett gedacht. Was soll ich denn nun damit? Sie könnten mir wirklich den Gefallen tun,"
(Fortsetzung folgt.)
ihm Katta vor Freude um den Hals fallen würde. Er hatte es nicht unterlassen können, sie mit geheimnisvollen Andeutungen neugierig zu machen. Und mit einemmal war er nicht mehr so ganz gewiß, daß Katta sich auch wirklich freuen würde — und vor allem, ob sie das Geschenk überhaupt annehmen würde.
Katta erschien wirklich in der nächsten Minute, und zwar nicht, wie Gerd erwartet hatte, in der Begleitung von Detlev. Das schien ihm die Situation noch zu erschweren. Das Geschenk bekam dadurch etwas von Heimlichkeit, die es nicht haben sollte.
Und nun kam Katta allein, ihr Gesicht sah abgespannt und schlecht gelaunt aus.
„Abend Gerd!" nickte sie kurz.
„Guten Abend!" sttahlt er auf. „Fein früh sind Sie heute! Sie haben riesig schnell gemacht! Und jetzt steigt erst die Uederraschung! Oder haben Sie fürchterlichen Hunger?"
„Gar keinen." Sie schüttelt kurz den Kopf. „Und vor allem keine Lust, zu essen. Richtig, die große Uederraschung!" Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Die hatte ich schon ganz vergessen! Und dabei bin ich so schrecklich neugierig — ich habe sicher deshalb dic Nacht nicht schlafen können!"
„Sie müssen die Augen zumachen!" kommandiert Gerd.
„Und den Mund auf! Ist es etwas zum Eßen? Davor habe ich Angst! Das konnte ich schon als Kind nicht leiden."
„Nein, es ist viel zu groß, als daß es in Ihren kleinen Mund hineinginge." Das ist ein etwas mißglücktes Kompliment, denn Kattas Mund ist durchaus nicht so klein — allerdings könnte sie ihn kaum so weit öffnen, daß er ihr das Lederkästchen zwischen die Zähne schiebt — das Kästchen, das er jetzt schnell aus der Tasche zieht und geöffnet vor sie hinstellt. „So! Sie dürfen die Augen wieder aufmachen!"
Die langen Wimpern heben sich gehorsam, aber es blitzt keine Freude auf in dem langen Blich«
Nur noch heute und morgen!
Sie schaffen für Dich!
Zu Deinem Wohle Brot und Waffen viele fleißige Hände schaffen.
Schau drum nochmals in den Schrank. Deine Spende sei Dein Dank!
Die Annahmestellen der Gießener Ortsgruppen zur A l t k l e i d e r - und Spinn st offsamm- lun g sind wie folgt geöffnet:
Mitte: Marktstraße 25, werktags von 17 bis
19 Uhr. '
Nord: „Einhorn", Lindenplatz 1, Montag, Mitt- woch und Freitag von 17 bis 19 Uhr.
Oft: Licher Straße 19, Geschäftsstelle der DAF., werktags von 15 bis 18 Uhr.
Süd: Hofmannstraße 1, Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Liebigftraße 58 (Autogarage), Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Unterhof und Oberhof (Bergwerk), Mtttwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Klein-Linden: Steinstraße „Altes Backhaus , Mittwoch und Samstag von 19 bis 21 Uhr.
Wiefeck: Schulstraße 3, Mittwoch und Samstag von 18 bis 22 Uhr.
Alte Briefumschläge nicht fortwerfen.
Das Fachamt „Druck und Papier" in der Deut- schen Arbeitsfront, das auch die Briefumschlaghersteller betreut, hat mit dem zuständigen Stellen Vorschläge zur Doppelverwendung von gebrauchten Briefumschlägen ausgearbeitet. Größere Umschläge lassen sich leicht durch Aufkleben eines neuen Zettels verwenden, kleine durch Umwenden weiter benutzen. Es ist bei der notwendigen Umsicht möglich, außerordentlich viel Papier zu sparen. Diese Vorschrift soll nicht nur bei Großfirmen und Behörden Beachtung finden, sondern auch im Kleinbetrieb und im Haushalt nicht übersehen werden.
Gloria-palast:
„Oer verkauste Großvater.
Mancher wird sich vielleicht an die hanebüchene Geschichte von Meiseken erinnern, in der eine ge- gewinnsüchtige Familie mit einem seit langem verstorbenen Großvater betrügerische, aber einträgliche Nentengeschäfte macht. Der Großvater, den sich Philipp Lothar M a y r i n g und Joe Stöckel ausgedacht haben, ist in einer südlicheren Bauernlandschaft zu Hause und keineswegs verstorben, sondern für sein Alter noch bemerkenswert rüstig ay Leib und Seele. Der Handel, den zwei Bauern des Dorfes mit feiner werten Person abschließen, ist zwar so wenig glaubwürdig wie manches andere in diesem Film, aber er dient zum Anlaß, Szenen von teils schwankhafter, teils grimmig grotesker Komik heraufzubeschwören: der habgierige und betrügerische Bauer Haslinger nämlich, der den Großvater für bare tausend Mark auf seinen Hof nimmt, tut es nur, weil er auf ein baldiges Ende des Alten spekuliert, von dem er dann ein Haus und eine Mühle zu erben gedenkt; daß der Großvater in Wirklichkeit nur ein Vogelhaus und eine Kaffeemühle besitzt, wird der bösartige Haslinger erst gewahr, als der Großvater ihn und feine Familie durch eine unvermutete Haustyrannei zu ohnmächtiger Wut und an den Rand der Verzweiflung gebracht bat. Ueberbaupt wirkt der Großvater m diesem ländlichen Umkreise wie die ordnende und ausgleichende Gerechtigkeit: er sorgt nicht nur dafür, daß die jungen und älteren Liebesleute gehörig zueinander kommen, sondern auch dafür, daß die Has- lingersche Sippe den Hof und die Gegend verlassen müssen. Josef Eichheim, den man schon öfters in derartigen Rollen gesehen hat, gibt mit grinsendem Behagen den verschmitzten und unverwüsllichen Großvater'. Oskar Sima ist der Haslinger: rücksichtslos deutlich und zupackend, fast eine Charakterstudie im Schwankbereich. Unter Joe Stöckels Spielleitung sieht man ferner u. a. Erna Fentfch, Winnie Markus und Elise A ul in g er, Carl Wery , Erhard Siedel und Albert Ianscheck, der früher eine Zeitlang in Gießen engagiert war. — Im Beiprogramm laufen die Wochenschau und ein Kulturfilm „Nesthocker, Nestflüchter" mit hübschen und-seltenen Tierbildern. Hans Thyriot.
Seid fruchtbar...
NSG. „Seid fruchtbar und yiehret euch!" Es gibt einige Lebewesen, die sich diesen Befehl scheinbar besonders zu Herzen genommen haben. Denn einen geradezu irrsinnigen Ehrgeiz in dieser Beziehung entwickelt beispielsweise ein winziges Tier von etwa einem Zentimeter Länge, ein rundlicher Käfer mit schwarz-gelb gestreiften Flügeldecken. Er bzw. sein Weibchen bringt es in einem einzigen
____ ..eberblendung^zeichen auf der Kopie, das der ZusckMier untgt im Theater meist nicht bemerkt, gibt dem^Dorsührer das Signal, wann von einem Apparat auf den anderen umgeschaltet werden muß, damit keine Pause in der Vorführung entsteht. Während die letzten Meter der ersten Spule in dem einen Apparat ablaufen, sitzt im anderen schon die nächste Spule mit dem anschließenden Streifen der Kopie auf der oberen* Trommel startbereit. Der Wechsel erfolgt so fließend, daß der Zuschauer den Üebergang nicht bemerkt. Durch die schmalen Schauöffnungen kann der Vorführer überdies jederzeit den Bildablauf' kontrollieren, während ein Lautsprecher der Ueberwachung der Tonwiedergabe dient. Da dieser Lautsprecher hier oben nur hin und wieder angestellt wird, hat man beim Blick durch das kleine Schaufenster den wahrhaft Histörchen und beinah ein wenig unheimlichen Eindruck, als ob da vorn ein stummer Film liefe.
Vom Bildwerferraum aus wird übrigens auch die gesamte Saal- und Bühnenbeleuchtung reguliert; Gongschlag und Dorhangzüge werden ebenfalls von hier aus betätigt. Eben schließt sich, wie man durchs
Feier findet dann mit der Führerehrung und dem Ausmarsch des Senats und des Lehrkörpers ihren Abschluß.
Kalbfleisch auf den Tisch.
Aus markttechnischen Gründen mußte den Metzgereien, die ihren Schlachtviehbedarf bei der Dieh- verteilungsstelle in Gießen decken, für diese und für die nächste Woche eine größere Menge von Kälbern als sonst zugewiesen werden. Daraus ergibt sich, daß in unseren Metzgereien in dieser und in der kommenden Woche erheblich mehr Kalbfleisch als Schweine- oder Rindfleisch zum Verkauf steht. Unsere Hausfrauen werden diese Tatsache bei ihren Einkäufen in Betracht ziehen und diesmal für den Mittagstisch Kalbfleisch in den Vordergrund stellen müssen. Die Verwendungsmöglichkeit von Kalbfleisch zum Verzehr als Schnitzel, Kalbnierenbraten, Ragout, Gulasch, Kalbskotelett usw. ist so vielseitig, daß es sicherlich keiner Hausfrau schwer fallen wird, ein vortreffliches Mittagessen zu -bereiten, auch wenn es einmal nicht ein Stück Schweine- oder Ochsenfleisch ist.
Derduukelungszeit:
20. Juni von 22.48 bis 4.28 Uhr.
21. Juni von 22.49 bis 4.29 Uhr.


