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Ein Mann rechnet ab

Roman von Horst Biemath

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Du bleibst zur Nacht selbstverständlich bei uns, Malte!" Und ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich an Karen:Geh bitte, Kleine, sag Eosebia, daß sie für Malte das Zimmer oben Her­richten soll. Und sie soll nicht vergessen, die Mos- kitos gründlich zu vertilgen!"

Das werde ich lieber selbst besorgen." Karen entfernte sich. Orgassa blickte ihr zärtlich nach.

Ein prächtiges Mädel", flüsterte er stolz.Na, du wirst ja Gelegenheit haben, sie kennenzulernen. Sie hat sich schon selbständig gemacht, die Kleine, was sagst du dazu? Ist Sportlehrerin an der deut­schen Schule in Puebla. Ihren Urlaub verbringt sie immer bei mir, trotz des Höllenklimas hier unten. Sie erinnert mich so an Margareta. Findest du nicht auch, daß sie ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist? Sie hat Margaretas Stimme, und genau so bewegte sich Margareta, als sie jung war ..."

Brackmann unterbrach ihn schroff:Wo ist Gon­zales? Und wo steckt Ciquita Perano?" Er stieß die Fragen hastig hervor, und in seinen Augen war ein Ausdruck der Furcht, als habe er Sorge, die beiden Personen, denen seine Erkundigung galt, könnten inzwischen gestorben oder für ihn unerreich­bar geworden fein.

Orgassa fuhr erschreckt zusammen.Sei still", flüsterte er,man hört in den Nachbarhäusern jedes Wort, das hier gesprochen wird." Er führte Brackmann zur Veranda und von dort durch einen klirrenden Vorhang von Glasperlenschnüren in ein dunkles Zimmer.Wart' einen Augenblick ...!"

Brackmann stand sekundenlang reglos in der Finsternis. Orgassa bewegte sich mit sicheren Schrit­ten durch den Raum, ohne irgendwo anzustoßen.

Dann flammte unter dem Pergamentschirm einer Stehlampe eine Birne auf und warf einen schmalen Lichtkegel auf einen Rauchtisch mit einer ziselierten Metallplatte, um den ein paar Rohrsessel herum­standen. Orgassa lug Brackmann mit einer" Hand­bewegung zum Näherkommen ein.

Da, setz dich, mein Lieber, mach es dir be­quem und steck dir eine Zigarette an. Und was willst du trinken? Einen Begrüßungsschluck will ich dir zu Ehren riskieren, obwohl ich es eigent­lich nicht vertrage. Das Herz, weißt du, das Herz ... Das Klima mordet mich. Also was soll es sein? Whisky? Kognak-Soda ober ein Schluck Bier?"

Brackmann stützte sich auf die Rückenlehne eines Sessels.Ich will nichts!" fuhr er, verstimmt über das Geschwätz, Orgassa gereizt an.Geh mit deinen Zigarren und deinem Schnaps meinetwegen zum Teufel! Ich will jetzt wissen, wo ich Gonzales und die Perano finde, hast du verstanden!"

Orgassa wischte sich mit dem Aermel feines Schlafanzuges über die feuchte Stirn. Er starrte Brackmann ängstlich ins Gesicht und sah in dessen Augen ein gefährliches, kaltes Glitzern.Was haft du mit ihnen vor? Um Himmels willen, Malte, du verwickelst dich nur in neues Unglück ..."

Ueberlaß das mir!" unterbrach ihn Brackmann kühl.

Orgassa ließ sich ächzend in einen Sessel fallen. -Mit Gewalt kommst du bei den beiden nicht zum Ziel, dazu sind sie zu schlau, und dazu sitzen sie zu sicher im Sattel ..."

Ich bitte dich zum zweitenmal, diese Dinge mir Zu überlassen!" unterbrach Brackmann ungeduldig. Wenn du mir die gewünschte Auskunft nicht geben kannst oder nicht geben willst, bann werde ich mich an jemand anders wenden."

Orgassa senkte den Kopf, er machte den Eindruck eines müden und alten Mannes: nicht den Jahren nach, aber das Klima hatte feine Kraft unterhöhlt und ihn frühzeitig gebrochen.

Setz dich!" bat er leise. Sein Blick tastete for­schend über Brackmanns Gesicht. Er schloß sekun­

denlang erschüttert die Augen. Was hatten die sechs Jahre aus diesem heiteren, liebenswürdigen Jun­gen gemacht. Daß er sie überhaupt überstanden hatte, war ein Wunder.

Orgassa sah die ungeduldige Spannung, mit der Brackmann auf die Antwort wartete, und wußte plötzlich, daß Malte sechs Jahre lang nur um dieser Frage willen gelebt hatte, daß sie das einzige ge­wesen war, was ihn über die furchtbare Zeit hin­übergerettet hatte. Wohin? dachte er. Neuen Leiden entgegen. Aber mochte bas Schicksal seinen Lauf nehmen. Er konnte es nicht verhinbern.

Beibe leben in Verakruz", sagte er matt.Ci­quita Perano hat bort basEl Faro" gekauft, ein Kasino, bas hauptsächlich von amerikanischen Tou­risten aufgesucht wirb. Zuweilen tritt sie bort noch selber auf. Es liegt an ber Promenabe. Sie erwarb es ein Jahr nach deiner Verhaftung ..." Er zögerte und sah Brackmann von unten herauf an, als erwarte er eine Zwischenbemerkung, und tat­sächlich stieß Brackmann ein kurzes, heftiges Ge­lächter aus.

Das Geld für diesen Kauf hatte sie wohl erspart, wie?" fragte er höhnisch.

Orgassa zuckte mit den Schultern:Du und ich und die paar Leute, die deine Geschichte kennen, werden sich darüber einig sein, aus welchen Quellen das Geld stammt. Aber ein Beweis ist bas natür­lich nicht, und ..."

Brackmann unterbrach ihn mit einer ungeduldigen Handbewegung.Und Gonzales? Mein Freund Fernando Gonzales?" fragte er, und seine Stimme schwirrte durch den Raum wie eine Klinge.

Gonzales ist ein Jahr lang in den Vereinigten Staaten gewesen. Als er zurückkam, wurde er Chef der Oelleitung und des Hafens von Tepluan. Das wäre an sich kein bedeutender Posten. In Wirklich- keit ist Gonzales einer der mächtigsten Männer in der Gesellschaft geworden. Die Baxter Oil Com­panie hat sich in den vergangenen sechs Jahren zu der größten Gesellschaft des Südens entwickelt. Der Huislander-Camp war ihr erster Bissen. In­zwischen hat sie hier alles geschluckt, was nicht auf

Lange.

Wendest Willtie wurde ber Oeffentlichkeit vor zwei Jahren als Roosevelts Gegenkanbibat bei den letzten Präsidentenwahlen in USA. bekannt. Seither tritt er als Manager des Kriegspatriotismus in den Vereinigten Staaten auf. Ist er dabei unter die Fittiche Roosevelts gekrochen oder macht er die Roosevelt-Politik mit, um in der richtigen Stunde selbst den Rahm abzuschöpfen?

August W. H a l f e l d , dem wir ein gutes und temperamentvolles Buch über die Vereinigten Staa­ten verdankey, greift jetzt in den Schatz feiner in­timen Kenntnis der amerikanischen Hintergründe und erzählt in derNachtausgabe" ein erfrischendes Histörchen. Wendest Wistkie fand als Sohn und Nachfolger ejnes etwas anrüchigen Anwalts den Weg in dasgroße Geschäft", wenn es anfing ... brenzlich zu werden. Roosevelt wurde das ist noch in Erinnerung in der schwersten Krisenzeit der Vereinigten Staaten zum Präsidenten gewählt mit der nächsten Aufgabe, sein Land aus einem all­gemeinen Bankrott herauszuführen. Für den Ban­krott wurden auch die hohen Ueberpreise für elek­trischen Licht- und Kraftstrom verantwortlich ge­macht, die die industriellen Erzeugungskosten enorm verteuerten. Darum schrieb Roosevelt auf sein Wahl­programm die Errichtung eines Stauwerkes im Te- nessee-Tal, das billige Elektrizität liefern sollte. Auch sollte zum erstenmal in den Vereinigten Staaten der gemeinwirtschaftliche Gedanke in Der Elektrizi­tätsversorgung durchgesetzt werben, bie bisher aus­schließlich in den Händen eines trustartig zusam­mengeschlossenen Börsenkapitals lag.

Die Kriegsereignisse in Ostasien und im Pazifik haben rascher, als man es in Washington anneh­men wollte, weltweite Auswirkungen gehabt. Die Rohstoffbelieferung der USA. ist bereits in große Schwierigkeiten geraten, nachdem die Zinnerze, der Kautschuk und anb-ere Schätze Südost- astens in Japans Hänbe geraten finb. Die Be­herrschung weiter Flächen -es Pazifik, die Be­drohung des Indischen Ozeans durch Japans Flotte hat außerdem die Kriegsmateriall-iefe-

Afrika hindurch die Materiallieferung zu vollziehen. Damit würde also an die Stelle des Weges durch den Pazifik und den Indischen Ozean ber Weg über ben Atlantik treten.

In gewissem Umfang bestehen heute die Voraus­setzungen für einen solchen Querverkehr durch Afrika. Er benutzt in der Hauptsache Straßen, die von den Franzosen im Mandatsland Kame­run und in Aequatorialafvika angelegt worden sind. Die Franzosen haben in Kamerun 1940 eine Auto­straße vollendet, die anschließend an die Bahnstrecke DualaJaunde nordostwärts durch bas Sultanat Adamaua nach Fort Lamy in bie Gebiete am Tschadsee führt. Nach Osten hin ist diese Straße bis nach dem anglo-ägyptischen Sudan fortgesetzt worden. Hier findet sie Anschluß an die Autostraße nach el Obeid, den westlichen Endpunkt des suda­nischen Eisenbahnnetzes, das in Port Sudan einen Hafenplatz am Roten Meer hat. Außerdem führt von el Obeid auch eine Autostraße nach Chartum am Weißen Nil. Damit besteht in ber Tat eine über 4000 Kilometer lange Querverbindung durch Afrika hindurch, bie bei Normalwetter benutzbar fein- soll: sie kann in zwei bis drei Wochen zurückgelegt werden. Neben diesem nördlichen Weg gibt es noch einen zweiten, der w el t er s ü d li ch verläuft. Auch er geht von Jaunde in Kamerun aus. Er führt ost­wärts nach Bangidam Ubangi, dem großen Neben­fluß des Kongo. Auf dem Ubangi und seinem Nebenfluß Bomu erreicht dieser Verkehrsweg die Grenze, der anglo-ägyptischen Sudanprooinz. Eine

Japans Außenpolitik unverändert

Erklärungen des neuen Außenministers Tani.

r u n g en der USA. an England für den Aufbau feiner Fronten in Vorderafien und Nordafrika' und die Hilfssendungen für die Sowjets über Iran Persien schwierig, wenn nicht unmöglich gemacht. Darum sind die Männer um Roosevelt auf bie Suche nach neuen Verbindungen ge­gangen. Jetzt glauben sie das Problem gelöst zu haben: Afrika soll jetzt aushelfen. Und zwar denkt man daran, aus Afrika, vorwiegend aus dem Kongogebiet, die Rohstoffe zu holen und quer durch

Oie Etappenstraße durch Afrika

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Minute zu retten. Aber der deutsche Soldat hat sich in todesmutigem Einsatz auch dieser hinterhältigen Kampfesweise überlegen gezeigt. Der Infanterist, der Pionier und Panzergrenadier haben in diesem erbit­terten Ringen auf oft engstem Raum Mann gegen Mann von Hausecke zu Hausecke, von Kellerloch zu Kellerloch gegen einen mit dem Fanatismus der Ver­zweiflung sich wehrenden Feind ihre hervorragende Schulung auch im Einzelkampf, ihre Umsicht und

endest Wistkie, derClektrizitätsschießer

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Verantwortungsfreude auch in kleinsten Kampf­gruppen, ihre harte Entschlossenheit, ihren unbeug­samen Siegeswillen bezeugt. Der deutsche Soldat wird sich die Stadt Stalins, ben Siegespreis un­säglicher Mühen und Entbehrungen im heißen, ausdorrenden Steppenwind so vieler Marsch- und Kampftage, den Siegespreis schwerer Opfer in blu­tigem Ringen nicht entreißen lassen. Die deutsche Kriegführung aber erhält den Lohn für den Mut und Kühnheit fordernden Entschluß zur Konzentra­tion der Kräfte an dem als entscheidend erkannten Punkt. Sie hat sich auf der langen Front zwischen Wolgaknie und Ladogasee in dieser Zeit auf die Abwehr ber hier an verschiedenen Stellen mit äußerster Erbitterung und Zähigkeit geführten Ent­lastungsversuche der Sowjets beschränkt, wohl wissend, daß sie von den hier eingesetzten deutschen

Immer neue Llnruhen in Indien.

Bangkok, 18. Sept. (Europapreß.) Die zahl- reichen Meldungen über Unruhen m Indien lasten erkennen, daß die Widerstandsbewegung unvermin­dert weitergeht. In Bombay wurden Studenten- umzüqe von der Polizei auseinandergetrieben Eme Anzahl Studenten bewarf das UniversitätsgebauLe mit Steinen. In der Nähe von L a h o r e trug sich vor kurzem ein Eifenbahnunfall zu, bei Dem 7 J englische Soldaten getötet worden sind. Der Unfall war dadurch entstanden, daß drei Bomben in kurzen Abständen auf die Schienen gelegt worden waren. Das gesamte Personal Des Bahnhofs Lahore wurde verhaftet. Im Nordteil von Madras ist es der britischen Polizei gelungen, 43 Inder, die sich nach einer Freiheitskundgebung m einen Häuserblock zurückgezogen hatten, auszuräu­chern. Sie wurden von der brittschen Polizei auf der Stelle erscho ssen. Die Freiheitskund­gebung wurde von dem ehemaligen Bürgermeister von Madras geleitet. Durch das sinnlose Feuer der britischen Polizei wurde ein ganzes Stadtviertel zer­stört. Auch die große Textilwarenfabrik Rata ging in Flammen auf. Die Zahl der Toten betrug über 100.

Nach glaubwürdigen Berichten sind allein im Gangestal 700 Postämter, 500 Bahnhöfe und 10 000 Polizeistationen unbrauchbar gemacht worden. 350 Fabriken in allen.Landesteilen mußten in ben letz­ten Wochen ihren Betrieb einstellen. Nach Berichten aus britischer Quelle liegen in Ahmedabad 13 Fabri­ken, von Denen jede über 1000 Arbeiter zählt, seit 5 Wochen ohne Unterbrechung still, doch besteht Grund zu der Annahme, baß diese brittschen Schätzungen viel zu niedrig gegriffen sind.

Besonders wichtig ist es, daß es dem National­kongreß gelungen ist, bie Bauern in weiten Landesteilen aus ihrer traditionellen Lethargie zu erwecken und daß der allindische Bauernbund aktiv in den Freiheitkampf einzugreifen begonnen hat, wovon bisher zehn Bauernerhebungen in ver­schiedenen Landesteilen Zeugnis ablegen. Von noch größerer Bedeutung kann es werden, wenn die in Den letzten drei Wochen zutage tretende Unruhe in der inbi sch en Armee weiter um sich greift. Es liegen bereits Berichte über offene Revolten von indischen Truppen vor.

Gandhi erkrankt.

Mailand, 18. Sept. (Europapreß.)Corriere delle Sera" gibt Meldungen aus Delhi wieder, wo­nach Gaydhi erkrankt sei. Die Nachricht fei bisher von den englischen Behörden geheimgehalten worden. Sie habe in ganz Indien starken Eindruck hervorgerufen. Der Arzt des Mahatma erklärte. Die schwere Erschöpfung bringe das Leben Gandhis in Gefahr unD beruhe auf den Entbehrungen, bie Gandhi in der letzten Zeit erlitten habe. Firoze Gandhi, ein Sohn des Mahatma, wurde von den Briten in Allahabad zu einem Jahr Ge­fängnis und einer Geldstrafe verurteilt, weil er eine Versammlung geleitet hatte trotz des Versamm- lungsoerbotes. Da er sich weigerte, die Geldstrafe zu zahlen, wurde die Gefängnisstrafe um weitere sechs Monate erhöht.

der Auslandspropaganda und Sammlung ber Aus­landsinformationen verstärkt würde. Diese Lösung Dürfte um so allgemeineren Beifall finden, als bie Forderung nach verstärkter Auslands­propaganda gerade in den letzten Tagen in der Presse laut geworden war.

Auch die Ernennung Aokis zum Staatsmmister wird mit großem Interesse verzeichnet. Es wird dar­auf hingewiesen, daß Aoki soeben aus Nan­king zurückkehrte, wo er die chinesische Nattonal- regierung in Finanzfragen beriet. Er gilt als einer Der bedeutendsten Finanzfachleute Japans und ver­fügt auch über genaue Kenntnis ber Wirtfchafts- fragen Oftasiens. Die Presse spricht offen aus, daß Aoki wahrscheinlich ausersehen ist, das neue Ministerium für g r o ß a s i a t i s ch e An­gelegenheiten zu übernehmen, für dessen Er­richtung bas Kabinett schon 13 Millionen Yen be­willigt hat. Auch Aokis Persönlichkeit verbürgt engste Zusammenarbeit mit dem übrigen Kabinett, Da er seit langem besonbers mit Staatsminister Suzuki, ber bas Planungsamt leitet, und mit dem Kabinettssekretär Hoshino, einem der engsten Vertrauensmänner des Premierministers Tojo in freundschaftlichen Beziehungen steht.

Was tat Wendell Willkie? Er mobilisierte die USA.-Gerichte im Namen des Privateigentums, wenn dasPrivateigentum" auch in diesem Fall nichts anderes als raffgieriges Finanzkapital war. Die ausschließlich formal urteilenden USA.-Gerichte gaben ihm nach dem Grundsatz Recht: Das ge­schriebene Recht wurde vollstreckt, auch wenn die Welt zugrunde geht. Roosevelt suchte diese juristische Opposition Willkies auszufchalten und Willkie selbst finanziel anzubinden. Er bot der von ihm vertrete­nen Eommonwealtb-ancl-Zouttiern-Elektrizitätsge- fellfchaft in höchst großzügiger Weise 55 Millionen Dollar als Abfindung. Willkie, der heute in der Welt als Bannerträger der demokratischen Ideale herum­reist und in diesen Tagen sehr zeitgemäß auch die Sowjetunion besucht, steigerte die Abfindungssumme um 23 auf insgesamt 78 Millionen Dollar. Aber Wendell Willkie hielt sich die Hände frei. Er nahm nur das Geld, von dem ein römischer Kaiser gesagt hat, baß es nicht stinkt. Nun war er der Mann aller USA.-Börsenhyänen alten Schlages. Die Fox-Film­gesellschaft berief ihn in ihren Aufsichtsrat, was ihm jährlich je nach dem Geschäftsergebnis 250 000 bis 500 000 Dollar abwirft. Und dieser fromme Zeit­genosse ist nun auf ber Fahrt nach Moskau, um Stalins Tränen über Stalingrad wegzuwischen. Das Paradies der Arbeiter und Ballern empfängt ehren­werten kongenialen Besuch. Die Sowjets schwärmen nicht umsonst von der Gigantomanie des Ameri­kanismus. Ist Wendell Willkip schon ein Schieber, so darf er von sich sagen, daß er ein gigantischer Schieber ist. Dr. Ho

Tokio, 18. Sept. (Europapreß.) Die Außen­politik Japans werde durch seine Ernennung keine Aenderung erfahren, erklärte Außenminister Tani japanischen Pressevertretern. Er werde bie Politik seines Vorgängers Togo im großen und ganzen fortsetzen, insbesondere wolle er eine noch engere Zusammenarbeit mit Deutschland und Italien pflegen.

Bei der Würdigung, ber Persönlichkeit Masayuki Danis betont bie jajpanische Presse, daß Tani als persönlicher Vertrauensmann des Ministerpräsidenten Tojo gilt. Seine Er­nennung wird daher unter dem besonderen Ge­sichtspunkt begrüßt, baß sie geeignet sei, ben ka­meradschaftlichen Zusammenhalt des Gesamtkabinetts zu verstärken. Ferner ge­währleiste seine frühere Tätigkeit als Leiter der Asienabteilung des Außenamtes, in ber er Gelegen­heit hatte, den engsten Kontakt des Außenamtes mit Der Armee zu pflegen, Die Harmonie zwischen Dem Kabinett, Dem Außenamt und Der Wehrmacht. Besonderes Interesse finDet bie Tatsache, Daß Tani Die Leitung Des Inform ationsmini st e- r i u m s beibehält, weil baDurch Die enge Zusam­menarbeit Der beiDen Ministerien bei Durchführung

und verbündeten Truppen, fei es bei Woronesch, bei Kaluqa, bei Rschew, südostwärts des Ilmensees oder am Wolchow, Das Höchste an aufopfernDer Einsatz­bereitschaft als Beitrag zum Siege auf Dem fer­nen Schauplatz Der Südfront verlangen mußte, um in Dem entscheidenden Augenblick auf diesem ent- scheidenden Kriegsschauplatz dem Feind mit über­legenen Kräften entgegentreten zu können. So haben Die Soldaten der Ostfront in zäher Abwehr und nie ermattendem Angriff in engstem Zu^m- menwirken unter der vorausschauenden, scharf durchdachten, sorgfältig planenden, kühn zupackenden und ihren Truppen im Angriffsschwung wie im Standhalten zutiefst vertrauenden Führung eines genialen Feldherrn auch auf ihrem Weg nach Sta­lingrad ben Sieg an ihre Fahnen geheftet

Dr. Fr. W. Lange.

62. Sowjetarmee, die in dieser stählernen Umflam* ! merung auf immer engeren Raum zusammenge- s preßt und vernichtet wurde. Eine Riegelstellung, | auf die Timofchenko die größten Hoffnungen ge- i setzt hatte, war zerschlagen. Das linke Donufer war | gewonnen, Die Bildung von Brückenköpfen konnte < der Feind nicht mehr verhindern. Wenn er auch Durch heftige Gegenangriffe Der Erweiterung dieser i Brückenköpfe entgegenzuwirken suchte, so gelang es : den deutschen Truppen doch, in zähem Festhalten ' sich die Basis zu sichern, aus der sich nun auf der : schmalen Landenge zwischen Don und Wolga der Frontalangriff gegen Stalingrad entwickeln konnte.

Den Ausbau Des zur Wolga ansteigenden, von Senkungen kleiner Flußtäler und sanften Höhen- zügen durchzogenen Geländes in weitem Bogen um Stalingrad zu einer Befestigungszone ersten Ranges kennen unsere Leser aus zahlreichen Erläuterungen zum Wehrmachtbericht und anschaulichen Schilde­rungen der PK.-Berichte. Ein dichtes Netz starker und durch Bepflanzung gut getarnter Betonbunker war offenbar schon im vergangenen Herbst vor die Stadt gelegt worden. Aber Timoschenko hatte Die knappe Zeitspanne, Die ihm Die Kämpfe im Dom bogen gewährtest, nicht ungenützt verstreichen lassen, vielmehr mit größter Schnelligkeit alle möglichen Mittel moderner Befestigungskunst angewandt, um einen waffenstarrenden Gürtel um die Stadt zu legen. Der Russe ist aus allen früheren Kriegen be­kannt als ein Meister der Erbbefestigungen. Als solcher hat er sich vor Stalingrad erneut erwiesen. Das hügelige Steppengelände war unter geschickter Ausnützung jeder Bodenfalte, jeder beherrschenden Anhöhe mit tiefgegliederten Feldstellungen, Lauf­gräben, unterirdischen Gängen, Mannschaftsunter- ftänben, Munitions- und Proviantkammern Durch­zogen worden. Mehrere hundert Panzer, noch ohne Anstrich und Motore aus Den Stalingrader Trak­torenfabriken herbeigeschafft, waren bis zur Kuppel und zum Geschützrohr als Bunker in die Erde ein­gegraben worden. Davor waren breite Panzergräben angelegt und die Steppe war mit Phosphorbomben abgebrannt worden, was den deutschen Vormarsch aufhalten sollte, tatsächlich aber dem Angreifer die feindlichen Erdbefestigungen entschleierte. Trotzdem war der Kampf noch hart genug, Denn Timoschenko hatte zahlreiche frische, gut ausgerüstete Verbände zur Verteidigung ber Stadt herangezogen und sie ohne jede Rücksicht auf Die furchtbaren Verluste, Die schon Die Deutsche Luftwaffe und Artillerie in ihren Bereitstellungen unter ihnen anrichtete, in gewal­tigen Massen eingesetzt.

Aus den Brückenköpfen am Don geht Der erste Stoß in südöstlicher Richtung. Deutsche Panzer durchbrechen die Bahn MoskauStalingrad und Damit auch schon Die breiten FelDbefestigungen Der äußeren Verteidigungslinie. Schon am folgern Den Tage Drehen Die Panzerverbände gegen Die StaDt selbst ab. Gleichzeitig aber entsteht zur Deckung Der deutschen Angriffsarmee eine Ver- teiDigungsfront, Die in zähem Kampfe die Ent- lastungsverfuche abwehren muß, Die Timoschenko mit von NorDen her herangeführten starken Kräften un­ternimmt, um womöglich von außen Die sich immer enger um StalingraD unD Das Wolgaknie schließende Umklammerung zu zerschlagen. Doch die deutsche Nordfront schirmt in erbittertem Ringen die von Westen und Süden vorgetragenen Angriffsopera­tionen ab gegen das verzweifelte Anrennen der Sowjets. So schloß sich, nachdem noch Ende August im Norden und am 10. September auch im Süden der Durchbruch zur Wolga gelungen war, der Ein­schließungsring halbbogenförmig um die Stadt. Gegen diese deutschen Riegelstellungen setzten Die Sowjets ihre Eliteregimenter zu wütenden Gegen­angriffen an. Aber enger unD enger wurde Der Ring. Deutsche Truppen trieben trotz erbitterter Gegenwehr ihre Stoßkeile durch die breite Feld­befestigungszone in die Vorstädte von Stalingrad vor und drangen schließlich m Den Stadtkern selbst ein. Aber auch bann gaben die Sowjets die Stadt noch nicht preis. Verbissen klammerten sie sich an jeden Häuserblock, an jeden Straßenzug, ja nach­dem Stukas und Schlachtflieger ihre furchtbare Vernichtungsarbeit getan hatten, an jeden Keller, an jeden Trümmerhaufen. Die Sowjets kennen den Häuferkampf in dem unübersichtlichen Straßengewirr der Großstadt aus Der Zeit Der Bürgerkriege zwischen Rot unD Weiß. Sie haben Dann noch einmal im spanischen Bürgerkrieg bei Der Verteidigung von MaDrid gegen Die Truppen Fran­cos Das gleiche Kampfprinzip verfolgt und hofften nun mit seiner Hilfe Stalingrad gleichsam in letzter

ganz festen Beinen stand. Und ich nehme an, daß Gonzales bei diesem Fischzug, Der übrigens immer noch anhält, eine wichtige Rolle als Mann am Netz spielt."

Orgassa schaute auf.Wie gesagt. Das nehme ich an!" wiederholte er betont.Ein ganzes Dutzend kleinerer Unternehmen ist hier im Laufe der letzten Jahre abgewürgt worden, und zweifellos hat Gon­zales Dabei feine Finger im Spiel gehckbt, aber be­weisen wirst Du ihm nichts, Dazu ist er zu geschickt."

Orgassa zerquetschte einen Moskito, Der sich auf seinem Schenkel nieDergelassen hatte. Es gab einen kleinen Dunkeln Fleck in dem weißen Streifen Der Pyjamahose.

Ich habe mir monatelang unD jahrelang Den Kopf zerbrochen, was man in Deiner Sache tun wie man Dir helfen könnte, Malte. Aber man kommt an Gonzales nicht heran. Und ich fürchte, auch du wirst nichts ausrichten. Nicht, weil es zu spät ist, sondern weil du es mit einem Gegner zu tun hast, Den man einfach nicht fassen kann."

Brackmann beugte sich vor.Ich werde ihn fassen", sagte er ruhig und sicher,verlaß dich darauf. Ich werde mit Gonzales und Ciquitcr Perano abrechnen, und es wird die einfachste Sache von Der Welt fein."

Orgaffa befeuchtete sich Die Lippen und zog den Kopf in Die Schultern.Du wirst * Gonzales töten murmelte er stockenD und beklommen.

Brackmann gab ihm keine Antwort. Er starrte auf seine braunen, narbigen HänDe, Deren Nägel zerbrochen unD fplifftg waren, als käme er aus Der Fron eines Granitbruchs oDer aus Den Sisalspin­nereien von Yukatan. In seinem Gesicht bewegte sich kein Muskel, es war wie erstarrt, aber Orgassa hatte Das Empfinden, unter Der Haut dieses Man­nes, der einmal fein Freund gewesen war, brenne bie kalte Glut eines unversöhnlichen Hasses, freffe Die ätzende Säure eines verzehrenden Rachedurstes und als sei in seiner Seele nichts zurückgeblieben als der tödliche Vergeltungswille.

(Fortsetzung folgt.)