voll ausgewirkt, bis die USA. sich und einer verwirrten Welt als Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder gar als Mythus erschienen: veraytwor- tungsloses Spekulantentum, dem keine Volksgüter heilig sind, oberflächliches Wissen besonders von Europa, schreiende Geschäftsreklame, vergiftende politische Propaganda, volksfeindliches Finanzwesen und Korruption in der großen und kleinen Politik!
In dem Essay über den Erfolg bekämpft Emerson das sittliche Versagen seiner ganzen Zeit, zuerst den „seichten Amerikanismus". Und im Hinblick auf Europa kommt das geradezu erstaunliche Emerson- wort: „Die ersten Menschen sahen den Himmel und die Erde, wir sehen Eisenbahnen, Banken und Fabriken; die Schaffenskraft war damals die gleiche wie heute, nur daß sie sich damals mit Himmelskörpern beschäftigte und nicht mit Wasserklosetts — jeder sieht das, mit dem er sich abgibt." Also Idealismus gegen Materialismus, bodenständige Kultur gegen Zivilisation, Innerlichkeit gegen bloßen Komfort, schärfer konnte der Unterschied zwischen Europa und Amerika gar nicht bezeichnet werden.
Wie die amerikanische Kultur ihren Anfang in Europa hatte, so teilte sie auch dessen alte und neue Geschichte als ihre Vergangenheit und ihr Miterleben. Es gibt bis heute keine europäische Entwicklung, die sich nicht irgendwann und in irgendeiner Form in oer Neuen Welt wiederfindet. Zwischen beiden Kulturen finden ständige Berührungen statt, wobei noch im Jahre 1942 Amerika bei weitem mehr Europa schuldet als umgekehrt. Natürlich wandelte sich das meiste Europäische auf dem Wege über den Atlantik. Kolonial- und „Grenzer"- Zustände, angelsächsischer Moralismus, neuenglischer Puritanismus und der ebenso echt amerikanische Pragmatismus begrenzten und amerikanisierten den möglichen Einfluß. Sehr oft wirkten auch nicht die tiefsten europäischen Gedanken, sondern bequemere oder leichtere Uebertragungen, auch falsche Nach- ahmungen. Vielfach vermassigte sich Europäisches sofort in Amerika.
Manches Große haben die Amerikaner zweifellos erreicht, aber ebenso ist in ihnen auch wertvolles Europäisches entartet. Sie haben ihre Neigung, alles im Leben ins Extreme zu führen, nicht oft gezügelt. Sie haben ebenso mit europäischen Gedanken wie mit europäischen Menschen Raubbau betrieben. Im 20. Jahrhundert hat Amerika seinen bestimmten Platz, soweit die Erstarrung seiner Gleichheits- und Freiheitsideologie und seine reaktionäre Gesinnung das zulassen.
Der einzelnen Belege für tiefgehende europäische Einwirkungen auf Amerika ist hier lein Ende. Ausgeklügelt klassisch gibt sich z. B. das ganze Regierungsviertel in 'Washington mit seinen mächtigen Bürobauten. Jefferson, der erste Demokrat der Union, in dem die klassische Kultur zum vollsten Ausdruck kam, entnahm für seine „römischen" Bauten seine entscheidenden Anregungen aus dem Mai- son Carrcke in Nimes (Südfrankreich). Der einzige geschichtliche Stil Amerikas, der colonial style, verdankte mindestens soviel deutscher und holländischer Sachlichkeit wie englischem Barock. Seit dem 19. Jahrhundert lebt bis heute eine regelrechte Mischarchitektur als Nachahmung verschiedener europäischer Stile: mächtige Tempelfronten mit Vorliebe für Banken und Bahnhöfe, die merkwürdigste Gotik für Kirchen und Schulen, die französische Renaissance immer noch für die Neureichen, und in den 1920er Jahren sogar „neudeutsche" Vorbilder für Hochhäuser. Die Idee und Einrichtung der Forschungsuniversität kam aus Deutschland, aber Wissenschaft wurde vielfach nur durch bloßen „Betrieb" ersetzt.
Als im Weltkrieg eine kulturelle Minderheit in der amerikanischen Jugend an Reformen des amerikanischen Lebens ging, etwa der Kreis upi die Zeitschrift „Seven Arts", da wurde europäischer Geist nicht zuletzt in Goethes Lebenshaltung beschworen. Und die bittere Selbstkritik im Schrifttum seit 1920 orientiert sich immer wieder an Europa, auch wenn man sich sonst anmaßlich antieuropäisch gibt. Was schon 1902 ein kluger Amerikaner seinen Landsleuten ins Stammbuch schrieb, gilt noch heute: „Bei all unserem Gerede über überwundenen Kolonialismus sind wir noch nie kolonialer gewesen als gerade jetzt, wenn wir es auch kosmopolitisch nennen."
Entwurzelte oder enteuropäisierte Europäer sind damit noch keine Amerikaner, und die ungeheure Dankesschuld der USA. gegen Europa ist noch nicht beglichen dadurch, daß smarte Pankees nunmehr ein „Amerikanisches Jahrhundert" verkünden, das Europa, nebenbei gesagt, mit seinen neuen Gedanken bereits längst überwunden hat. Wo sich heute Amerika verständnislos, ja gegnerisch, gegen Euro-
Von Tetnan nach Tanger.
Von unserem T.-Sonderberichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Tanger, im Dezember 1942.
Bon wilden Abenteuern kann ich nicht berichten, wie sie Kara Ben Remsi auf seiner Reise von Bagdad nach Stambul erlebte, ich habe auch nicht auf einem Kamel oder auf dem Ri, dem unübertrefflichen Araberhengst gesessen. Meine Reise machte ich nach moderner Art in einem Omnibus und da ich einen Platz 1. Klasse nicht mehr erhalten konnte, mußte ich mich mit der zweiten begnügen. Das heißt: ich ließ mich auf einer Bank mit all oen Halefs, Omars, Hatschis, Mohammeds, Achmeds und ihren Lieblingsfrauen — den Freunden aus der Jugentzlektüre — über die Berge nach Tanger schaukeln und hörte mir ihre Erzählungen an, die zum Teil sicher noch aus den Märchen von „Tausendundeiner Nacht" stammten.
Es war nicht leicht, in T e t u a n an den Wagen zu kommen. Ich befand mich plötzlich in einem bunten Knäuel von farbigen Turbanen, Haiks und roten Fezen mtt blauer Quaste und konnte weder vor noch zurück. Erst der Hüter des Gesetzes, ein dunkel- häutiger Sohn Mohammeds in blauer Litewka, den sackähnlichen Araberhosen und einem glänzenden Abzeichen an seinem roten Turbasch bahnte mir mit hocherhobenem Stocke und langen Reden eine Gasse bis zur Wagentür und zu meinem Platz. Wir hatten noch viel Zeit, denn im Lande der heißen Sonne kennt man keine Eile. Langsam füllte sich der Wagen, bis auch fein einziger Sitzplatz mehr frei war. Doch immer neue braune Gestalten drängten sich herein, immer enger schob ich mich an meine Nachbarin heran, von der ich nichts als eine weiße Hülle sah, aus der mich zwei braune Augen sonderbar anstierten. Nach menschlichem Ermessen war der Wagen nun voll, er neigte sich schon bedenklich nach der Seite der Tür hin, wo braune Glieder von weißem Linnen überdeckt sich zu Haufen ballten. Aber draußen standen wenigstens noch ein halbes Dutzend dunkelhäuttger Gesellen, die ihr Recht auf Beförderung aus einem bereits gelösten Billett herleiteten. Der stolze Polizist in feiner Uniform war
Zag-wild auf eiferner Fährte
Von Kriegsberichter Dieter Tiernann.
ton Road nach Chile. Ebenso fehlen Kohlentransportdampfer, die auf der Rückfahrt von Asien und Afrika Erz nach den Vereinigten Staaten bringen könnten. In den letzten 14 Tagen wurde kein neutraler Schiffsraum für solche Frachter angeboten, während für keinen der angeforderten amerikanischen oder englischen Frachter Fahrterlaubnis erteilt wurde.
Aehnlich sind die Verhältnisse am La Plata, wo es ebenfalls an Schiffsraum für den Abtransport von Getreide und Leinsamen für die Vereinigten Staaten fehlt, obgleich bereits 18 Dollar plus 35 v. H. Kriegsaufschlag für Frachten nach den Hajen am Golf von Mexiko geboten werden. Auch die Getreidelieferungen nach Callao (Peru) und Lissabon konnten nicht durchgeführt werden. Die Frachtsätze für diese Routen betragen 21 und 60 Dollar je Tonne. Dabei steht in Argentinien eine U e b e r p r o b u f t i o n von 4,6 Mill. Tonnnen Weizen und von 1,7 Mill. Tonnen Leinsamen zur Verfügung.
pas Kultur und Lebensinteressen stellt und damit die Wurzeln feiner Entwicklung und Kraft ableugnet, läßt sich vielleicht eine scharfe Feststellung des Franzosen A d e t von uns beherzigen, die er 1796 an seine Regierung berichtete: „Ein Amerikaner ist der geborene Feind aller europäischen Völker."
Ke n (Schiffsraum.
Völliges Stocken des Seefrachtverkehrs in Amerika.
S t o ck h o l m, 16. Dez. (DNB.) Nach Meldungen aus Neuyork ruht das Seefrachtengeschäft in Nordamerika fast vollständig. Es ist dicht möglich, auch nur für die wichtigen Zuckertransporte aus Kuba oder für Zeitungspapier aus Neufundland Schiffsraum zur Verfügung zu stellen. Die Kohlenvorräte in Hampton Road werden immer größer, da es in den letzten Wochen nicht möglich war, Transporte nach den Antillen und Südamerika durchzuführen. Der Frachtsatz beträgt 8,80 Dollar plus 81 v. H. Kriegsaufschlag von Baltimore oder Hamp-
Kleine politische Nachrichten.
Im ägyptischen Parlament wurde nach einer Stefan i-Meldung der Abgeordnete Fahtri Avbchnoir nach einer heftigen Anklagerede gegen Nahas Pascha, dessen Regierung alle Leiden verschuldet habe, die die englische Besatzung über das ägyptische Volk gebracht habe, von einem Unwohlsein befallen. Ein Arzt konnte nur noch den Tod des Abgeordneten feststellen. Da Fahtri Abdchnoir als ein unversöhn- licher Feind Englands galt, vermutet man in dem
die Maschine setzt zum Anflug an, drückt hinab und braust in 50 Meter Hohe über die aneinandergereihte Wagenschnur.---
„Habe zwei Probebomben geworfen. Lage und Wirkung verfolgen!" gibt der Beobachter an den Heckschützen durch. „Bomben liegen wenige Meter rechts vom Ziel", kommt es zurück. „Tadellos, neuer Anflug, jetzt hab' ich die Masche raus!" „Ich gehe auf 20 Meter runter, der Bursche hat ange- yalten, steht auf gerader Strecke, steht zum Anflug wie 'ne Eins! Jetzt nur nicht mit Bomben sparen." „Klar, alles raus, was wir drunter haben. Da kann ja gär nichts daneben gehen." „Ich gebe noch ein paar Brandbomben dazu." „Da ist er wieder! Achtung! Auf passen! Jetzt — Reihenwurf — die schwere auf die Lok! Bomben ... rrraus!!!" — „Da! Noch einmal, wieder! Mensch, herrlich! Da liegt eine besser als die andere! Er brennt lichterloh! Hurra!!! Pfundig, ganz groß, toll, einfach klassisch!!!"
Die Hörmuscheln in der Kopshaube schmerzen mir an den Ohren vor dem tosenden Freudentrubel der gesamten Besatzung, aber ich brülle selbst von einer Art Sportbegeisterung gepackt mit, denn da unten blitzt jetzt Explosion auf Explosion, da wüten rote, qualmige Brände und grelle Stichflammen lecken in langer Schlange von Wagen zu Wagen. Daß unser ganzer Bombenfegen so genau im Ziel lag, war schon ein schöner Erfolg, aber daß es auch noch e i n Sprit-Zug war, den wir geknackt hatten, das war einfach ttaunchaft.
„Das war ein Otto! Sagenhaft!" „Und wie human wir waren, daß wir erst den Zugführer durch Probewürfe zum Aussteigen veranlaßt haben." „Schade, daß ich den alten Knaben nicht wetzen feh'n konnte." „Den hafs hingehaut!" klohnt es noch ein Weilchen durch die Leitung und wird dann wieder rUhig.
Es hat sich angehört wie Beifalljubel eines ausgelassenen Fußballpublikums, und dabei hat doch jeder der. fünf Männer wieder einmal ehrlich seine Haut zu Markte getragen. Mancher Maschine hat bei einem solchen Angriff eine wütende Flakabwehr die Flächen zersiebt, daß sie gerade noch ihre Bomben ins Ziel bringen und sich mit knapper Not aus dem Feuer retten konnte, andere mußten hinab, und keiner weiß um ihr Schicksal, denn sie kämpften weit draußen über Feindesland.
Kalt, in unnahbarer Hoheit wölbt sich die dunkle Kuppel über Rußlands Steppenweitem Fahl und verloren flirrt" das Licht des bleichen Mondes. Irgendwo im Raume perlen rote Leuchtgran aten ket-^ ten empor, und blasse Scheinwerfer tasten im Dunkel, durchsuchen die Luft nach den nächtigen Todes- öögeln, die überall nach Raub gehen auf eiserner Fährte.
PK. Und wieder schweben wir spähend und suchend über das dunkel gleißende Land, wie in jeder Nacht, in der ein großer heller Mond uns zu lohnender Beute leuchtet. Der Einsatzbefehl hat uns kein fest begrenztes Ziel gegeben, sondern es ist freie Jagd befahlen worden, freie Jagd auf Eisenbahnzüge, die nach Süden rollen und von denen somit als gewiß gelten kann, daß sie wichtigsten Nachschub an Munition, Verpflegung und frischen Truppen für die feindliche Fropt im Südabschnitt geladen haben. Diese Zufuhr gilt es zu vernichten, um damit der verzweifelten Abwehr der Bolschewisten den letzten Rückhalt zu nehmen.
Damit ist unser Auftrag fest umgrenzt, aber die Schwierigkeit unserer Aufgabe beginnt bereits mit der durch das ungewisse, täuschende Licht des Mondes erschwerten Schaues nach der Bahnlinie. In direktem Kurs ftepern wir einen Fluß an, um über ihm entlangfliegend die Eisenbahnbrücke ausfindig zu machen. Es ist eine gute Flugstunde bis dorthin, eine Stunde im gleichtönenden Motorendröhnen, wachgehalten von steter Bereitschaft, fortwährender Aufmerksamkeit auf die Gefahr, die jäh in den funkensprühenden MG.-Garben feindlicher Jäger aus dem Dunkel brechen kann oder plötzlich das Flugzeug in das grellweiße Licht blendender Flakscheinwerfer taucht. Doch das sind für den alten Kampfflieger Dinge von allzu oft erlebter Selbstverständlichkeit, als daß sie ihn in irgend einer Weise beunruhigen könnten.
Wir haben den Fluß erreicht und folgen seinen schnörkelnden Schleifen aufwärts. Schräg vor uns hängt ein großer, bläulich bleicher Mond zwischen fernen weißen Sternen und bricht fein Licht in tanzenden Füttern in den runden Scheiben der Kanzel. Mattschimmernde Lachen fangen den huschenden Schein von der Erde und winken sekundenlang gleißend zu uns herauf, bis sie wieder im stumpfen Glanz versinken, und in dunstiger Ferne verirrt glimmern große Seen wie in müder Trauer.
Man möchte sich in die Größe des Anblicks verlieren, sich hingehend beugen vor der Majestät des Augenblicks. Da spannt sich verschwindend klein wie ein dunkler Strich die Brücke über den wegweisenden Fluß und rüttelt mit einem Schlage die träumenden Sinne wach. Wir haben die Fährte und wittern das Wild. Freilich, es ist eine schwierige Spur, die sorgsam bewacht werden will, denn gar zu leicht kann man den schmalen, in feiner Färbung nur wenig von der Umgebung unterschiedenen Strich wieder aus den Augen verlieren, zumal ihm viele Straßen und Wege gleichlaufen und ihn kreuzen, die sich selbst für geübte Augen kaum von der Bahnlinie unterscheiden lassen. Um jedoch ganz sicher zu gehen, kennzeichnen wir unseren Weg.
Zogen wir bisher hoch und ruhig über die schattende Erde, so reißen wir jetzt im rasenden lief- flug das Land unter uns, jagen mit dröhnenden, starken Motoren längs der schmalen Schienenspur und jubeln auf, als vor uns die weiße Rauchschleppe eines Zuges über der eisernen Fährte steht. Wie ein langer, dünner Gliederwurm krebst er da unten entlang, und schienengebunden kann er uns nicht entkommen. Vierzig oder fünfzig Güterwagen schleppt die Lokomotive nach Süden. Sie müssen voll beladen sein. Die Bombenklappen öffnen sich,
fassungslos. Was konnte hier wieder geschehen sein? Nach langem Nachdenken entschloß er sich dann, eine Fahrkartenkontrolle unter den bereits im Wag^n befindlichen „Fahrgästen" abzuhalten. Schon bei der Aeuherung seiner Absicht war die Wirkung verblüffend. Die ganze letzte Bank des Wagens, die mir wie ein einziges Stück in Weiß, allerdings mit zahlreichen Höckern, erschienen war, erhob sich und verließ umständlich den Wagen. Es waren sechs Araherfrsuen, die versucht hatten, einmal ohne Billett die Fahrt zu versuchen, befreites Aufatmen und merkliche Beruhigung der noch draußen Wartenden. Man war nicht böse auf diese ertappten Sünder, denn man hält es für selbstverständlich, daß man es zuerst mal ohne Fahrkarte wagt. Froh, nun doch nicht von der Reise ausgeschlossen zu fein, nahmen die Pillettinhaber Platz, und mit einer Stunde Verspätung (!) setzte sich der Omnibus langsam in Bewegung. Meine arabische Nachbarin hatte, wie ich nun sah, auch ein ungefähr zehnjähriges Mädchen mitgebracht, und da auf dem Schoße der Mutter nicht genügend Platz für das Kind war, legte es feine Beine vertrauensvoll auf meinen Schoß, tpas ich in Anbettacht der mir fremden Umgebung als arabische Ehrerweisung ansah und still quittierte.
Bei einer Polizeitontrolle auf der Landstraße erfuhren meine Mitreisenden, daß ich Deutscher war. Plötzlich stand ich im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses und hatte das Empfinden, daß mir von allen Plätzen die Sympathie wie eine Welle entgegenschlug. Vor mir drehte sich ein weiße Haube herum und die zwei mandelförmigen Augen, die mich so sonderbar ansahen, machten mich verlegen. Es ist ein eigenartiges Gefühl, nur in Augen sehen zu müssen, ohne den Ausdruck des ganzen Gesichtes zu kennen. Lächelte sie? Ich glaube es fast. Aus den beiden Augen und der breiten Nasenwurzel konnte ich es allerdings nicht erkennen. Mir war etwas unbequem in meiner Haut. Ein kleiner Araber zu meiner Rechten löste meine Befangenheit, indem er mich auf Spanisch ansprach. Ich glaubte fast, es sei der Hatschi Halef, der treue Freund und Begleiter des Kara Ben Nemsi, oder sein Sohn oder Enkel gewesen. Auch er trug einen grünen, allerdings stark verwaschenen Turban und aus seinem Gesicht lächelten mich zwei fteundliche, vielleicht auch listige Augen an. Wir waren von vornherein auf du
und du, nur daß er in der Anrede ein höfliches „Sidi" vernehmen ließ. Er erzähtte von seinen Erlebnissen im spanischen Bürgerkrieg, von' feinen Freunden aus der „Legion Condor". Es dauerte nicht lange, so war unsere Unterhaltung Allgemeingut aller Reisenden geworden. Ein jeder wußte etwas von den Deutschen zu berichten, und sie setzten ihren Stolz darin, nicht damit hinter dem Berge zurückzuhalten. Plötzlich fragt mich ein langer, hagerer, vielleicht zwei Meter großer Rifkabyle, warum die spanischen Araber nicht als Freiwillige in Rußland kämpfen dürften. Es würden sich nicht nur einzelne, sondern ganze Truppenteile melden. Was sollte ich darauf antworten, ohne politische Probleme zu wälzen? Schließlich rettete ich mich mit der furchtbaren russischen Kälte, die den Söhnen der heißen Sonne sicher nicht gut bekäme. Zweifelnde. Augen, vereinzelte Fragen, — doch dann schien man sich zufrieden zu geben, obwohl ich das Gefühl hatte, sie doch nicht ganz überzeugt zu haben. „Sidi" — so schloß ein letzter dieses Thema — „du kannst den kleinsten Jungen in den Bergen fragen, wen er in sein Herz geschlossen hat, und er wird dir antworten: den Alemany! (den Deutschen). Darum wirst du auch verstehen, daß wir gemeinsam mit euch kämpfen möchten."
Bei dem nun folgenben Thema hielt ich es für richtig, taube Ohren zu zeigen, denn man sprach von vergangenen Kämpfen, wobei auch der Name A b d - E1 - K r i m erwähnt wurde. Schließlich zog einer her Männer aus den Bergen eine lange, gerade Pfeife heraus, deren Kopf so klein war, daß ein gut ausgerauchler Zigarettenstummel gerade Platz darin gefunden hätte. Nachdem er sie mit viel Liebe gestopft und angezündet hatte, reichte er sie nach ein paar Zügen feinem Nachbar, der sie bald danach an den nächsten weitergab. Ich wußte bisher noch nicht, daß auch die Araber ihre „Friedenspfeife" rauchten und sah plötzlich ein Verhängnis aufsteigen, dem ich sicher nicht entgehen konnte, wenn ich meine mir liebgewordenen Begleiter nicht beleidigen wollte. Kurz entschlossen zog ich meine Zigarettendose, nahm mir eine heraus und verteilte die übrigen im Wagen. Nachdem ich sie angerauter hatte, begann ich mit meinem „Halef" umständlich, aber Iaut~ genug ein Gespräch über das Rauchen und erwähnte dabei so nebenher, daß ich nur Zigaretten rauchte, weil es mir nach der Pfeife so
In Blüchersruh bei Breslau
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burtstage des am 16. Dezember 1742 in
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(Mecklenburg) geborenen Marschalls Blücher im Auftrage des Führers der Kommandierende General der Kavallerie Kocherspach einen Kranz nieder,
ler, zur Entgegennahme eines von den deutschen Frauen im vorbildliche Arbeit.
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ebenso (Sauleiter Hanke für Schlesien und für deutsche Jugend der Gebietsführer Schlesien Hitler-Jugend.
Aus dem Reich.
Enge kriegswirtschaAiche Zusammenarbeit der Achse.
Die Vereinigte Bundesversammlung der Schweiz tritt am Donnerstag zusammen, um den Bundespräsidenten und den Vizepräsidenten des Bundesrats für das kommende Jahr zu wählen. Nach einem unbestrittenen Turnus werden diesmal Bundesrat C e l i o (Tessin) zum Bundespräsidenten und Bundesrat Stampfli (Solothurn) zum Vizepräsidenten gewählt werden.
Reichsminister Dr. Goebbels empfing im Bei- sein von (Sauleiter Bohle die Leiterin der auslands- deutschen Frauenschaft, Frau Gertrude 2) o erb
plötzlichen Ableben des Abgeordneten ein neueß Verbrechen Ler Engländer.
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In Vichy wird ein Dekret veröffentlicht, in de« dem Generalgouverneur B o i f f o n und dem General Bar rau die französische Nattonalität abgee sprachen und die Beschlagnahme ihres Besitzes vey fügt wird. Boisson, der seinen Sitz in Dakar hatten lieferte Französisch-Westafrika an die USA.-Imperialisten aus.
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. einer Berliner Tagung des deutschen . , italienischen Regierungsausschusses wurde das Pro- Gramm für den Warenverkehr zwischen den verbündeten Ländern im Jahre 1943 ausgestellt. Es sieht eine weitere Intensiv ierung der kriegswirtschaftlichen Zusammenarbeit vor. Deutschland und Italien werden sich in steigendem Umfange gegenseitig mit kriegswichtigen Rohstoffen und sonstigen Erzeugnissen versorgen. Die Bersin- barungen wurden vom Gesandten Clodius für Deutschland und vom Botschafter Ciannini für Italien unterzeichnet. An wichtigsten Beratungen nahm auch der italienische Staatssekretär für Rüstungen, General Favagrossa, teil. Botschafter Ciannini und General Favagrossa wurden auch von Reichsaußenminister von Ribbentrop empfangen.
Staatssekretär Rothenberger in.Darmstadt.
NSG. Staatssekretär Dr. Rothenberger hatte am Dienstagvormittag bereits auf einem vom Oberlandesgerichtspräsidenten des Oberlandesgerichtsbezirks Darmstadt und der General« staatsanwaltschaft, in Gemeinschaft mit dem NS.» Rechtswahrerbund einberufenen Appell gesprochen. Oherlandesgerichtspräsident Dr. Scriba begrüßte hier den Staatssekretär. Mit Nachdruck betonte er den glücklichen Umstand, daß durch den Führer selbst die Ziele einer starken nationalsozialistischen Rechtspflege klargestellt wurden, und daß nunmehr die starke Richterpersönlichkeit, mit dem Herzen im Volk stehend, selbstlos dem Volke dienend zur Entfaltung kommen könne. Vor der Kundgebung in der Gau- hauptstadt, über die wir bereits berichtet haben, stattete der Staatssekretär dem Oberlandesgericht Frankfurt seinen offiziellen Besuch ab. Er wurde hier von Oberlandesgerichtspräsidenten Professor U n g e m i 11 e r und Generalstaatsanwalt Dr. Wackermann begrüßt.
Kunst und Wissenschaft.
„Die Verschwender.-
Das Landestheater Linz brachte als neues Werk des Dramatirers Friedrich Forster eine dramatische Dichtung heraus, die unter dem Titel „Die Ver- schwender" vier Einakter vereinigt. Das erste dieser dramatisierten Lebensbiwer, von einer düsteren, aber zugleich erhebenden Dramatik heißt „Wann- s e e" und gestaltet das unglückselige Ende Kleists und der Henriette Vogel. Ohne daß diese auftreten, wird durch die gut gezeichnete Figur des Gastwirtes, der als Kontrast zur idealen, die klein-bürgerlich- egoistische Welt verkörpert, das Geschehen mit furchtbar übet würde. MitleidigUelnde^Gesichter allerseits. Doch meine List war gelungen. Die Friedenspfeife kam nur bis zu meinem Nachbarn „Ha- lef" und kehrte dann wieder an ihren Ursprung Zurück, weil ich alle anderen mit Zigaretten versorgt hatte. Noch vieles, was Deutschland und den Krieg betraf, wollten die Männer vorn Rif wissen, und ich beantwortete es, so weit ich es konnte und durfte.
Dann waren wir, ohne daß es mir klar geworden roar bereits in Tanger. Drei Stunden waren wie im Fluge vergangen, und ich muh sagen, daß ich m dieser kurzen Zeit, quf meiner Fahrt von Tetuan nach Tanger, die Söhne Mohammeds in Marokko uebgewonnen habe.
In letzter Minute.
Ein gefährliches Abenteuer hatte vor kurzem ein Dachdeckermeister zu bestehen, der in einem Ähwet- 3er Dorf bei Bem beauftragt war, das Zifferblatt der Kirchturmuhr zu reinigen. Auf feinem luftigen «ltz rutschte er nämlich plötzlich aus und wäre unweigerlich tödlich abgestürzt, wenn es nicht gerade einige Minuten über 10 Uhr gewesen wäre. So verfing sich der Mann mit feinem Gürtel am großen Zeiger der Uhr und war vorerst gerettet, konnte sich jedoch nicht allein befreien und nur hoffen, daß ihm von den Dorfbewohnern Hilse gebracht würde. Aus Lelbeskräften schrie er um Hilfe. Schließlich wurde man auf den Unglücklichen aufmerksam, der hort oben zwischen Himmel und Erde hing. Jede Minute war kostbar, denn inzwischen war der Minutenzeiger bereits auf 10 Uhr 12 Minuten vorgerückt, und spätestens nach weiteren vier Minuten, wenn der Zeiger etwas nach unten wies, mußte der Dach-' decker abrutschen. In größter Eile wurde die Feuerwehr alarmiert. Mit Stricken und Stangen ausgerüstet, begannen die Männer nun den Wettlauf mit dem Tode. In fliegender Hast stürmten sie die steile Kirchturmstiege hinaus und ließen dem Ge^ fährdeten ein Seil hinunter, das dieser gerade noch in dem Augenblick ergreifen konnte, als der Zeiger mit einem Ruck von 10 Uhr 15 auf eine Minute nach Viertel vorrückte. Buchstäblich in letzter Minutt konnte so ein Menschenleben dem sicheren Tode entrissen werden.
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