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Donnerstag, 17. September 1942

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Gießener Anzeiger

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92. Jahrgang Nr. 219

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General-Anzeiger für Oberhessen

Heftige Etraßenkämpfe in Stalingrad

5) enry Kaiser. (Porträt: Dehnen-Dienst.)

Heldenkamps deutscher Infanterie vor Stalingrad

ppgrarnm beendet hätten, was als Antwort auf die rvs Arründigung gelten darf, daß in den Vereinigten 'A Giaaten mehr als hundert Flugzeugträger tm Bau jJL- fti n. Washington verschwieg natürlich, daß es sich Ejy. ie diesemgigantischen" Bauprogramm in erster

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hiraide deutete vor einigen Tagen an, daß Japan 2743D bil USA. nicht Zeit lassen werde, bis sie ihr Bau­

der alliierten Strategie und gleichzeitig auf den langsamen aber zähen Raumgewinn der Japaner auf Reu-Guinea hinwies. Das war der Stich ins Wespennest, denn der amtierende Ministerpräsident Curtin mußte bei den aufgeregten Erörterungen sogar zugeben, daß er zugestimmt habe, einen Transport von Flugzeugen, der für Australien be­stimmt gewesen war, nach dem ägyptischen Kriegs­schauplatz umzuleiten. Auch die Streitereien über das einheitliche Oberkommando sind nicht dazu an­getan, nervenberuhigend zu wirken. Australien er­kennt mehr und mehr, daß es die Hauptlast der Bedrohung durch Japan allein tragen muß, da weder England noch die USA. in der Lage sind, eine wirklich nach strategischen Gesichtspunkten groß angelegte Offensive gegen die japanischen Stütz­punkte zu unternehmen. Aus der voreilig hervor­gerufenen Illusion, daß der Südwestpazifik durch die alliierten Kriegspläne von den Alliiertenbe­herrscht" würde, ist die düstere Erkenntnis hervor­gegangen, daß er noch niemals so gefährdet war wie gerade jetzt.

$|ue um den Umbau von Handelsdamp- fern handelt, einerWaffe", der man m japa- michen Marinekreifen mit Gelassenheit entgegensehen Airfte. Gleichzeitig machte Hiraide aber gewisse An- LeUungen auf Seeoperationen ö st l i ch Austra- lirns,von denen man zu gegebener Zell Horen

Oer Kaiser von Amerika.

D-D. Denersten Bauherrn der Nation" hak man ihn in USA. genannt, als Henry Kaiser vor dem Kriege seine Millionenprojekte im Tief- und Straßenbau mit jenem routinierten Tempo des Geschäftemachers handhabte, das ihn seit Jahrzehnten die Spitze aller Konkurrenten hal-> ten ließ. Henry Kaisers System war amerikanisch schlechthin, seine Bauzeit der Rekord der Rekorde.

Wo Kaiser ins Geschäft kam, hieß die Parole Ge­winn um jeden Preis. Er scheute keine Spekulation, kein Geld, keinen Bluff, keine Rücksichtslosigkeit, vor allem keine Nerven, um die Zahl seiner Auf­träge, Kontrakte und Verträge zu phantastischen Summen zu mehren.

Von Henry Kaisers Produktion im Schiffs­bau, in die er im Jahre 1940 einstieg, versprach man sich darum Wunderdinge in Amerika erst recht, als Roosevelt die Staaten in den Krieg ge­trieben hatte und die Frage des Kaiserscyen Ge­schäfts die Frage des amerikanischen Schiffs­potentials schlechthin geworden war. Im Jahre 1942 besitzt Henry Kaiser bereits acht große Werften. Was Roosevelt, Knox, Nelson oder Land an Ton­nage auf dem Papier errechnen, das soll Kaisers berühmtes Tempo zu einem guten Teil vom Stapel laufen lassen. Kaiser findet auch hierfür einenRe­kord" von angeblich 42 Tagen. Der Jobber Kaiser sieht seine große Zeit gekommen. Er geht an den Bau eines modernen Stahlwerkes und einer Mognesiumsabrik. Er propagiert schließlich die Schaffung einer riesigen Transportflotte aus Flugzeugen. Denn so schnell Henry Kai­sersRekorde", so schnell hat er dieses erkennen müssen: sein Tempo ist nichts gegen die Versen- kungskraft der deutschen U-Boot-Waffe. Sie schlägt

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der Luftwaffe bei den schweren Kämpfen der letzten Tage besonders ausgezeichnet. Eine Abteilung ver­nichtete allein an zwei Tagen 21 Panzerkampfwagen, zwei schwere und 15 leichte Geschütze, mehrere Bun­kerstellungen und Erdbefestigungen und ein Kraft­stofflager. Eine unter dem Befehl von Hauptmann Lutz stehende Sturmgeschützabteilung des Heeres vernichtete in drei Tagen 37 Panzerkampfwagen so­wie 15 schwere und 15 leichte Geschütze und zweq schwere Flakbatterien. 17 Bunker mit- Beton- und Panzerkuppeln wurden zerstört! Kampf- und Sturz­kampfflugzeuge bombardierten die zu starken Wider­standsnestern ausgebauten Häuser in der Stadtmitte. Schlacht- und Zerstörerflugzeuge bekämpften Bereit­stellungen der Bolschewisten um Ostrande Stalin­grads. Die Eisenbahnlinie noch Astrachan wurde mehrmals angegriffen.

Im Raum von Rschew versuchten die Bolsche­wisten nach stärkerer Artillerievorbereitung die deut­schen Stellungen zu durchbrechen. Sämtliche An­griffe brachen im Feuer der deutschen Waffen unter hohen Verlusten für den Feind zusammen. Nördlich von Rschew setzten die Bolschewisten mehrere An­griffe an, hie im Gegenstoß und harten Nahkämpfen abgewiesen wurden. Südlich des Ladogasees und an der Einschließungsfront von Leningrad ver­suchte der Feind an mehreren Stellen nach stärke­rem Artilletiefeuer und unterstützt von zahlreichen Panzerkampfwagen die deutschen Abwehrstellungen zu durchbrechen. Sämtliche Angriffe scheiterten. Feindliche Bereitstellungen südlich des Ladogasees wurden zerschlagen. An keiner Stelle konnte der Feind Geländevorteile erringen.

Blickpunkt Australien

Von unserem Wk.-Berichterstatter.

Von Kriegsberichter Oswald Zenkner.

Nfergebüsch ihre Abschüsse, Pak belfert von den gegen­überliegenden Höhen herüber, Panzer schießen aus der Flanke, Fliegerverbände überschütten uns mit Bomben und drehen vor den deutschem Jägern schnell wieder ab, Salvengeschütze schicken ihren Granathagel herüber, und dazwischen knallen die harten Einschläge der Granatwerfer.

Es ist eine Hölle: das andauernde Detonieren der Granaten aller Kaliber, das heulende Pfeifen der Geschosse in der Lust, der Regen der herunter­fliegenden Splitter, der Staub aufspritzender Erd­fontänen, die ständig bebende Erde, der beißende" und stinkende Puloerdampf und dazwischen der harte, fast pausenlose Mündungsknall der Abschüsse der deutschen Batterien, das Tacken der Maschinen- aewehre und Maschinenpistolen, die Abschüsse der Karabiner, der trockene Knall der leichten Infan­teriegeschütze dies alles klingt in diesem dröhnen­den Kriegskonzert nur wie das tändelnde Gezwit­scher leichter Pikkoloflöten. Und doch entscheiden diese leichten Infanteriewaffen und die Männer, die mit den Wafstn in der Hand kämpfen, die Schlacht. Sie müssen einen Bunker, einen Graben, ein Loch und eine Stellung nach der anderen ausräumen und einzeln nehmen. Denn drüben am Hang sitzen die sowjetischen Auffangbataillone, deren Maschinen­gewehre genau auf die eigenen Bunker und Stel­lungen eingeschossen sind und die rücksichtslos auf die eigenen Leute schießen, die den Kampf in der Sowjethölle aufgeben wollen.

Wie es in der Stadt selbst aussehen muß, das können wir in dieser Stunde vorerst nicht ahnen. Vor uns brennen die Gebäude am Südrande des Flugplatzes, die Kasernen und die Fliegerschule. Auf dem südlich liegenden Hang, auf dem sich die Bol­schewisten eingenistet haben, geht ein Haus nach dem anderen in Flammen auf. Gegen Mittag haben wir die vor uns liegende Hochfläche bewältigt und einen kleinen, in einer Mulde liegenden Vorort ge­nommen. Kaum eines der Holzhäuser ist ganz ge­blieben, die Dächer sind zerfetzt, die Balken stehen sparrig aus den Bauten, alle Fensterscheiben sind zertrümmert, und die wenigen Bewohner, die noch geblieben sind, hausen in Erd- und Kellerlöchern.

Das ist das erste Angriffsziel des Re­giments. Der Kommandeur befiehlt sofort Ge­fechtsstandwechsel. Es ist gar nicht daran zu denken, daß wir die zwei Kilometer bis zur Muße fahren können. Unser Wagen hat schon zwölf Einschüsse, aber der Motor läuft noch tadellos; das Fahrzeug muß geschont werden. Sprungweise kommen wir über die Hochfläche und den Hang, auf dem schweres sowjetisches Artilleriefeuer liegt. Das Gewitter der Salvenschüsse braust über uns hinweg, wir können uns gerade noch hinwerfen, mitten in eine Gruppe gefallener Sowjetarmisten. In das pfeifende Surren

paner gleichzeitig ihre Truppen und ihr Material auf Neu-Guinea ständig verstärken, also zu erken­nen geben, daß sie gewillt sind, ihre Strategie so­wohl vor Papua und vor Port Moresby in keiner Weise zu ändern oder die Taktik sich vom Gegner vorschreiben zu lassen. Schon darin liegt eine große UÜberlegenheit, die von den Briten und Yankees nur dadurch wettgemacht werden könnte, Saß sie ihre aus der Verteidigung vorgenommenen An­griffshandlungen so zu steigern vermögen, daß sie ihrerseits die Japaner in die Defensive zu drängen vermöchten. Dazu sind die Gegner Japans aber nicht stark genug, eine Erkenntnis, die in Australien ge­radezu eine Schockwirkung aus gelöst hat. Zu allem Ueberfluß hielt der frühere Ministerpräsident Hug­hes auch vor einigen Tagen noch eine Rede, in der er ausdrücklich auf diesen defensiven Charakter

DNB.-Funkspruch. 16. Sept. (PK.) Der schwere Kampf um Stalingrad neigt sich dem Ende zu. Morgens um 4.45 Uhr sind die Infanterie- Divisionen eines Armeekorps zum Sturm an- getreten. Vom Kommandierenden General bis zum Schützen Müller, der vorn im Loch die 75. Nacht feit Beginn der Offensive unter freiem Himmel schlief, weiß jeder Soldat,, daß es ein schwerer Kampftag werden wird. Die Bol­schewisten denken gar nicht daran, diese Stadt auf­zugeben, sie verteidigen sie mit Klauen und Zähnen und mit allen Waffen, die ihnen noch zur Verfügung stehen. Und wir denken noch weniger daran, uns kurz vor dem Ziel den Sieg entreißen zu lassen; wir greifen mit aller Kraft an. So tritt die große Schlacht in die letzte Phase eines erbitterten Rin­gens, das eine Zerreißprobe der Waffen, des Ma­terials, der Organisation des Nachschubs und vor allem aber der Menschen ist.

Das Gewitter der Artillerie bricht los. Auf eng­stem Raum stehen die schweren Waffen in den Feuerstellungen und schießen in das Feftungskampf- feld vor der Stadt. Die Sturmgeschütze haben in den Kampf eingegriffen, und mehrere Batterien der Flak sind in der vordersten Linie in Stellung ge­gangen. Denn vor den deutschen Schützenlöchern sind wieder die sowjetischen Panzer aufgefahren, durchweg 26-Tonner des Musters T 34, die zuerst ausgeschaltet werden müssen. Sie stehen in Löchern, in gut gedeckten und getarnten Rampenstellungen und bepflastern die Hochebene, über die wir hinweg müssen, mit ihren Granaten. Es dauert Stunden, ehe auf engem Raum an die zwei Dutzend schwerer Sowjetpanzer niedergekämpft sind. Dazwischen häm­mern die leichten und schweren Batterien unserer Artillerie, bellen die harten Abschüsse der Flak und der Pak, zieht sich das vernichtende Gewitter der Kampf- und Schlachtflieger zusammen, die in rol­lenden Einsätzen ungeachtet der starken sowjettschen Flakabwehr und der ständigen Bedrohung durch feindliche Jagdverbände ein Ziel nach dem ande­ren angrerfen. Dor uns liegt auf einer Hochfläche derStalingxaderFlughafen. Seine Roll­bahn ist längst von der deutschen Luftwaffe umge- pflügt worden. Nun fällt der Bombenhagel in die Gebäudemassen der Kasernen und der Fliegerschule, aus denen die Bolschewisten herüberschießen. Schwere schwarze Rauchfahnen stehen kilometerhoch über der Stadt. Große Brände lodern, der Flug­hafen und seine Baulichkeiten verwandeln sich in ein einziges brennendes Trümmerfeld. Es ist alles zum Greifen nahe, und doch fin- wir n o ch la n g e nicht da.

Denn nun hat sich die sowjetische Artillerie em» geschaltet, mitten aus der Stadt schießen die Bat­terien, jenseits der Wolga sehen wir im dichten

Berlin, 16. Sept. (DNB.) Ostwärts und süd­lich von Noworossijsk wurden bolschewistische Gegen­angriffe abgewiesen. An der Terekfront tpar ein deutscher örtlicher Angriff erfolgreich, während mehrere feindliche Gegenstöße zerschlagen wurden. Im Kaukasusgebiet zeichneten sich bayerische und württembergische Gebirgsjäger besonders aus. Auf Höhen bis zu 3000 Meter stellen die Kämpfe an die selbständige Entschlußfähigkeit jedes einzelnen Ge­birgsjägers höchste Anforderungen. Weder zahlen­mäßige Ueberlegenheit noch genaue Kenntnis des Geländes nützt dem Gegner. Die oft mit Unter­stützung schwerer Infanterie-Waffen und Artillerie vorgetragenen Angriffe brachen unter blutigen Ver­lusten für den Gegner zusammen.

Im Feftungskampffelo von Stalingrad dauern die heftigen Straßenkampfe an. Alle ver­zweifelten Versuche der Bolschewisten, den Ein­schließungsring zu lockern oder zu durchbrechen, schei­tern unter schwersten blutigen Verlusten. Jedes Haus ist in ein verharrikatiertes Widerstandsnest verwandelt worden. Häuserblocks bilden festungs­artig ausgebaute Stützpunkte mit Infanteriewaffen, Artillerie und schweren Geschützen. Infanteristen und Pioniere brechen mit zäher Ausdauer Stück für Stück dieses Kampffeldes heraus und dringen weiter in die Stadt vor. Im südlichen Stadt­gebiet gelana es, eine weitere starke Stellung des Feindes zu durchbrechen und in erbittertem Stra­ßenkampf weiter Boden zu gewinnen Die harten Käinpfe dauern ununterbrochen an.

Unter persönlichem Einsatz ihres Divisionskom­mandeurs, Generalleutnant Hoffmann, haben sich die Flakartillerieabteilungen einer Flakdivision

der Granatsplitter und in den Gestank der abziehen­den Pulöerschwaden mischt sich das leise Summen tausender glitzernder Schmeißfliegen und der wider­lich süßliche Geruch verwesender Kadaver. Und mit­ten in diesem höllischen Krachen steht ein verwunde- tes Panjepferd, das zu schwach ist, sich vom Platz zu bewegen ein unvergeßliches Bild der hilflosen Kreatur in diesem Drama des Krieges.

Wir sind im Vorteil, unt) dieser Vorteil muß aus- aenutzt werden. Das Feuer der feindlichen Artillerie läßt nach, die Panzer sind ausgeschaltet, die Feld­stellungen auf den gegenüberliegenden Hängen wer- den von der eigenen Artillerie niedergehalten. Aber die Kämpfer brauchen auch eine kurze Pause, sie müssen wenigstens Atem holen, ein Stück Komißbrot kauen, einen Schluck Wasser trinken oder aus den zerstampften Gärten eine Tomate beißen können. Es ist gar nicht daran zu denken, daß die Essenholer vor dem Abend durchkommen.

Der' Regimentskommandeur dikttert in seinem Erdbunker dem Schreiber den neuen Regimentsbe- fehl. 12.30 Uhr tritt das verstärkte Infanterie-Regi­ment um Ang riff a u f das zweite Ta­gesziel an. Auf dem jenseitigen Hang stehen die Trockenhäuser einer Ziegelei, die noch genommen werden müssen, dann hat das Regiment die letzte Höhe vorderStadt erreicht. Ein junger Leut­nant wird zum Kommandeur befohlen. Der Offizier trägt das E. K. I und das Jnfanterie-Sturmabzeichen. Der Kommandeur befiehlt dem Leutant:Sie setzen sich an die Spitze des Bataillons, führen den Angriff und reißen durck ihr Beispiel der Tapfer­keit das ganze Bataillon mit. Die Häuser auf der Höhe müssen genommen werden, sonst war der ganze Angriff umsonst."

Um 15.15 Uhr hat nicht nur dieses Bataillon, son­dern das ganze Regiment seinzweitesTages- ziel erreicht: die letzte Höhe vor Stalingrad! Gleichzeitig ist das Nachbarregiment heranaekommen und damit der Anschluß nach rechts hergestellt. Ebenso hat die linke Nachbardivision den Süv- und Südostrand des Flugplatzes erreicht. 500 Meter weiter beginnt das Häusermeer der Stadt.

Die Stürmer graben sich ein, nachdem das Vor­gelände vom Feind gesäubert worden ist. Am fernen Horizont der weiten Donsteppe versinkt der Son­nenball hinter den Schleiern dichter Staubwolken. Das Abenlicht glüht rot und flammend und breitet sich dann wie ein feuriger Schleier aus, ehe die Dämmerung jäh und plötzlich hereinbricht. Die ersten Sterne schimmern, bann ziehen sich stahlgraue Wol­ken wie Batikmuster zusammen. Die zarte Sichel des zunehmenden Mondes schimmert wie ein Lichthauch aus Filigran. Beißender Qualm zieht über die Hänge, und rundum züngeln die Flammen glofender Brände wie riesige Wachtfeuer auf.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Tokio, im September 1942.

Die Strategie im pazifischen Raum folgt ihren cqenen Gesetzen. Als die Japaner Burma von der ditischen Herrschaft befreit hatten, orakelte man in i tr Weltöffentlichkeit darüber, ob als nächster i chritt der Angriff auf Indien erfolgen i ürde. Die Briten stellten sich in ihrer Agitation 1;rauf ein und versuchten, die Inder gegen die Ja- *ner aufzuhetzen, gleichzeitig aber mit allen Mit-

n, die von ihnen selbst .hetbeigeführten Gegen- tze skrupellos zu verschärfen. Nun, die Voraus- gen trogen. Die Japaner blieben an Iren grenzen stehen, eine Taktik, die nicht allein lrch die Anfang Oktober beendete Regen- 3?it geboten wurde, sondern bei der auch poli- Ische Ueberlegungen eine Rolle gespielt 1 den dürften; denn die führenden Männer in - jfio sind sicher sehr genau darüber im Bilde ge- 1 sten, welcher Zündstoff sich nach dem Besuche i n Cripps in Indien angesammelt hatte. Die e i t kann auch hier nur im Sinne der japanischen olitkk arbeiten.

Dor etwa einem Monat schien sich dagegen I r Schwerpunkt des kriegerischen Geschehens in J tasien nach bepi nördlichen Pazifik ver- ttgert zu haben. Damals standen die A l e u t e n in Blickpunkt des Interesses, so daß pon den poli- tschen Okakeln in Washington und London bereits »gebeutet würbe, Australien sei in bie Etappe ge- Mt. Auch hier hatte man sich zu Fehlschlüssen ttrleiten lassen, wobei sicherlich ber Wunsch ber­eiter des Gedankens war. Die Ereignisse bei den Ealomon-Jnseln dürften die USA.-Strategen fo^in belehrt haben, daß Japan es unter keinen Umständen duldet, in seiner Südostflanke in die 2>fensive gedrängt zu werden. Es liegt für Wa­ll ngton eine gewisse Zwangsläufigkeit in dem Ersuch, wenigstens die südliche Route an den Sa­tt non-Jnseln vorbei für große Transporte offen« zchalten, denn ber Weg über ben Norden ist ben Ixnfees burch bie Besetzung ber Aleuten-Jnseln Di:baut, während die Seeschlacht bei den Midways «chdrücklich darüber Aufschluß gab, daß ohne Guam Hd Wake ein Vorstoß direkt von Hawai nach $ pan unmöglich ist. Wenn man also in den USA. . im dem Angriff auf die Salomon-Jnfeln als von iner zweiten Frontzur Entlastung der Sowjets" spicht, so ist das eine ber typischen Ausreden, die lii die Verlegenheit auf der Gegenseite offenbaren.

Wie groß diese Verlegenheit ist, geht am besten kraus hervor, daß man in Washington vergeblich erraten sucht, wohin die n ä ch st e n Schläge der Japaner fallen werden. Japan hat es von jeher in 6 fern Kriege verstanden, durch die Weitgespanntheit jener Unternehmungen den Gegner zu lähmen und zu verwirren. Die Gleichzeitigkeit seiner Operationen htt es weder den Briten noch den Nordamerikanern !ittet, ihre Kräfte an einem Punkt zu konzen- en. Als Java besetzt wurde, fiel gleichzeitig n g u n ; am gleichen Tage landeten aber auch nische Streitkräfte auf Neu-Guinea. Es ;n sich noch mehrere Beispiele anführen, so vor n die meisterhafte Tarnung ber Aleuten-Be- ng burch ben zur gleichen Zeit unternommenen stoß nach ben Mibway-Jnseln. Das Rätselraten Gegner Japans ist also berechtigt, beweist aber , in welchem Maße Japan bie strategischen Ia­in ber Hanb hält. Es ist nicht gewillt, sie bem

nerbe". .

I fon Australien selbst ist man seit der Schlacht bet ier Salomon-Inseln jäh seiner HUflosigkeit und LcAassenheit bewußt geworden. Die zähe Methodik ir japanischen Strategie, die genau immer die Gdmittpunfte der australischen Verbindungslinien ilgu treffen weiß, hat für Australien etwas Lahmen­de-. Von den USA. her gesehen ist der Vorstoß raf) ben Salomon-Inseln der Versuch, sich an de er entscheidenden Stelle festzusetzen und den Ja­panern zuvorzukommen, sie also in die Defensive j'zu zwingen. Sie haben sich aber nicht überraschen (o||en, denn sie wissen sehr wohl, baß die Be- > stwschung ber Salomon-Inseln zusammen mit der *ermäh-) ^uas/bas auf bem Wege nach ben Salomon- ' f Kein spitz in bas Korallenmeer hineinragt, aus- > st-iggebend für die Beherrschung Australiens ist. i ater gerade an diesen Punkten konzentriert sich der oinmerl8d Kampf der Japaner. Die gelandeten USA.-Truppen Maui ben Salomon-Inseln sind eingekreist, em ver- ,,2 lvrnes Häuschen in ber unendlichen Weite des ' M/? Pastfik. Der endgültige Besitz Papuas ist zwar noch uirtritten, aber für Australien bedeuten die Kämpfe 1! ein Alarmzeichen erster Ordnung, zumal bie Sage ''hei Port Moresby alles andere als beruhigend Pst unb bie Besetzung der Norbaustralien vorge- Icgtrten Inseln Aru Kei und Tanimber eine .peitere Voraussetzung für ben Angriff auf Austra­lier bißet.

1 2*ie australische Presse macht immer wieder mit demlichen Anzeichen heftiger Nervosität auf blese miralgischen Punkte aufmerksam, wobei ausschluß- nie) äst, daß die übertrieben optimistischen nord- ßÄ'5> afrikanischen Meldungen keineswegs zur Beruhl- giia beigetragen haben. Denn man übersieht in C M'tralien keineswegs, baß die USA. bei ben Sa- *61< lmvn-Jnseln zur Offensive übergegangen sind, weil ofstraße! st aus einer Defensivlage heraus nicht anders |Q jfmnten. Als Erschwerung kam hinzu, daß die Ja-