Nr. U5 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
16./17. MaiM2
©olöüfcnöruft rum gemeistert. Niemand soll den deutschen Frauen nach-
up )UIII WlUlItl luy sagen können, daß sie des Werks ihrer Männer
Von Kriegsberichter Horst Bree.
Bäuerinnen — die Mütter Deutschlands
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Seine Frau, Helene von Mecklenburg-Schwerin,
konnte als Protestantin nicht in derselben Krypta einen hellen Strahl deutschen Wesens nach Frank- ihre letzte Ruhe finden. So baute man für sie eine,! reich trug, vor hundert Jahren ,i5
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Der Welt älteste totocdemisW^aM
seitliche kleine Kapelle, von der allgemeinen Gruft durch eine' Arkade von schlanken Säulen getrennt. Ein wenig erhöht steht ihr Sarkophag neben dem ihres Gatten, getrennt und doch durch zwei Fensteröffnungen mit ihm vereint.
Als eine zarte Frau mit schmerzlich schönen Augen hat der Künstler, der ihr Bild in Marmor meißelte, sie dargestellt. Auf weichen Kissen ruht sie; die Augen geschlossen, eine knospende Rose in der Linken. Ein weiches faltiges Gewand verhüllt feine, schlanke Glieder. Der Schleier, der das weiche Haupthaar, in der Mitte gescheitelt, bedeckte, ist herabgesunken und liegt auf dem Kissen, weil die Schlafende sich seitwärts nach rechts wandte, dem toten Gatten zu.
Ihre rechte Hand aber hängt locker, ganz gelöst hinunter; durch die Fensteröffnung hindurch, scheint sie die linke des Herzogs fast zu berühren.
Eine unendlich zarte, beredte Sprache spricht diese Hand, die der schmale Ehereif ziert. Sehnsucht drückt die Geste aus und tiefe Verbundenheit. Etwas Mütterliches hat diese Hand, die sich wie zu einer behutsamen Liebkosung leicht gekrümmt hat, als wollten die weichen Spitzen mit hauchzarter Berührung noch einmal liebend streicheln.
Wenn Hände Liebe gestehen können, diese Hand tut es mit fast scheuer Gebärde, tut es mehr als der geschlossene Mund, der leicht zu lächeln scheint, mehr als die geschlossenen Augen, über die noch ein Schein verklärter Freude schimmert.
Hier ist die Liebe in Stein gemeißelt, die unend? liche Liebe, die stille mütterliche Hingabe einer deutschen Frau, der in ihrer zarten Treue die Krone des Lebens wurde, wie ihr und ihrem ältesten Sohne die Krone Frankreichs versagt blieb.
Hier hat ein Franzose einer Deutschen ein Denkmal gesetzt, das zum Herzen spricht, das mit Stolz und Rührung erfüllt uns, die wir mit schlagendem Herzen an dieser Gruft stehen.
Die Bäuerinnen sind die Mütter Deutschlands, wenn man auch allgemein glaubt, daß sich in Deutschland die stärksten Menschenzusammenbal- lungen -ereignen, und daß es infolgedessen nach der oberflächlichen Folgerung in den Städten die mei- ten Kinder geben müsse, weil dort auch die meisten Menschen seien. Diese Vorstellung ist aber durchaus irrig. Der Sog der Großstadt zieht Jahr für Jahr sausende von Menschen des platten Landes an — von ihr wieder herausgegeben wird aber mir ein Bruchteil davon! Daher der große Mangel an Arbeitskräften auf dem Land; denn der Menschenverlust der Landwirtschaft seit 1933 beträgt 1069 000 männliche und 398 000 weibliche Personen. Aus die= fen Zahlen ist gleichfalls ersichtlich, in wie starkem
nicht würdig wären, daß -fie nicht auch einmal7 allein ihrer Aufgabe daheim gerecht werden könnten.
Vielleicht hat die Mutter auch heute wieder so einen bunten Strauß von Gartenblumen vor sich, den ihr die Jüngsten gebracht haben. Eine stille Freude leuchtet dann aus ihren Augen, ein feiertäglicher Glanz, den die Kleinen noch nicht verstehen. Aber wir Männer, wir wissen darum, und hier draußen können wir es erst recht nicht vergessen. Die Mütter sind stolz darauf, daß sie den Männern jetzt beweisen können, wie das Leben daheim auch ohne sie für eine Zeit weitergeht. Mag es sie auch noch härter anpacken — die Mütter Zeigen sich ihm gewachsen, sie klagen nicht, und immer behalten sie den Stopf hoch.
Dafür ihnen allen zu danken, ist uns heute ein inniges Bedürfnis. Keine Blumen können wir euch heute barbringen, ihr Mütter. Wir bringen euch dafür unsere Herzen, wie wir es immer getan haben, wenn wir mit unserem bunten Gruß vor euch hintraten. Möge euch dieser Tag ein rechter Feiertag, ein Tag voller Sonne fein. Laßt
Diese Zahlen beweisen eindeutig, welche Verlagerung sich tn der Bevölkerung vom Land nach der Stadt in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat, sc> daß man schoy deshalb mit Recht die Bäuerinnen als die Mütter Deutschlands bezeichnen kann. Noch stärker tritt diese Berechtigung Zulage, wenn man die Zahl der Mutterkreuzträge- rinrien, insbesondere der an Landfrauen verliehenen goldenen Ehren kreuze betrachtet. So wurden beispielsweise allein in dem Bereich der Landesbauernschaft Südmark 2764 goldene, 1914 silberne und 2173 bronzene Ehrenzeichen für die deutsche Mutter verliehen. Aus der Landesbauernschaft Niedersachsen liegen Zahlen vor, nach denen 47 bäuerliche Mütter insgesamt 760 Kindern das Leben gaben, d. h. so vielen Menschen, wie em mittleres Dors Einwohner zählt! So erscheint es auch verständlich, daß der Geburtenüberschuß mit 5,7 v. H. in den ländlichen Gemeinden unter 2000 Einwohnern am größten ist, während er in den Großstädten auf 2,4 v. H. absinkt.
Sind diese rein biologischen Leistungen der Landfrauen für die Erneuerung unseres Blutstroms und des Fortbestehen unseres Volkes schon an und für sich sehr groß, so gewinnen sie noch an Wert, wenn man berücksichtigt, unter welch schwierigen Verhältnissen sie vollbracht werden. Fällt doch der Landfrau, insbesondere der Bäuerin, schon in Friedenszeiten infolge des Arbeitskräftemangels auf dem Lande ein außergewöhnlich großes Maß ajr Arbeit zu. Ihre Tätigkeit beschränkt sich ja nicht allein auf Hauswirtschaft und Familie, sondern sie umfaßt schon in normalen Zeiten gleichzeitig den Garten, die Jungviehaufzucht, die Milch- und die Geflugelwirtschast. Jetzt im Krieg müssen viele Bauerinnen außerdem noch den Betriebsführer ersetzen, weil ihre Männer an der Front ihre Pflicht erfüllen und auch die übrigen männlichen gelernten Arbeitskräfte den grauen Rock tragen. So müssen sie sich um Saat und Ernte kümmern und dafür sorgen, daß Arbeitskräfte und Geräte sinnvoll eingesetzt werden, daß die Ablieferungspflicht rechtzeitig erfüllt wird und Buchführung sowie sonstige schriftliche Arbeiten glatt weiterlaufen.
So ist auf allen möglichen Gebieten durch die Kriegsnotwendigkeiten für die Landfrauen ein erhöhter Arbeitsaufwand nötig geworden, den sie vermeiden würden, wenn sie nur im Interesse ihres eigenen Hofes zu wirtschaften brauchten und sich nicht im Rahmen der Erzeugungsschlacht mit ihrer Wirtschaft der Allgemeinheit verpflichtet fühlten. Alle diese Aufgaben erfordern von den deutschen Säuerinnen und Landfrauen ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft, das fast die Grenze des Menschenmöglichen erreicht. Aber sie stehen in festem Glauben an den Sieg nach wie vor an ihrem Platz und tun in stiller Selbstverständlichkeit ihre Pflicht in dem Bewußtsein, in völkischer wie in ernährungswirtschaftlicher Hinsicht einen entscheidenden Beitrag zum Endsieg zu leisten.
ordentlich sprunghaften Zunahmen ihrer^Einwohnerzahlen niemals „aus eigener Kraft", sondern nur infolge des dauernd vom Land nach der Stadt fließenden gesunden Blutstroms möglich war, dann nimmt es nicht mehr wunder,, wenn man feftstellt, daß im Mittelalter 90 v. H. und noch 1816 rund 70 v.H. des deutschen Volkes auf dem Lande wohnten. Selbst 1871 betrug die ländliche noch 63,9 v. H. der Gesamtbevölkerung, so daß damals knapp jeder dritte Deutsche ein Städter war. 1933 jedoch ist dieses Verhältnis gerade umgekehrt; denn bei 32,9 v. H. ländlicher Bevölkerung lebt nur noch jeder dritte Deutsche auf d e ip Land! Beruflich gesehen ist dieses Zahlenverhältnis noch ungünstiger; denn nicht jeder auf dem Land Ansässige übt gleichzeitig einen ländlichen Beruf aus. So ergibt sich die Tatsache, daß heute jedem einzelnen, in der Landwirtschaft Beschäftigten die Aufgabe zufällt, vier Städter zu ernähren, während noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts zwei Städter von zwei Landbewohnern ernährt wurden.
Durch das Fenster, das von hinten die kleine Grabnische erhellt, fällt heller Lichtschein auf das Haupt der Ruhenden, gleitet ab, hat noch einen glänzenden Schimmer für die Königskrone, diö neben dem Haupt des Prinzen vom Haufe Orleans liegt, und verliert sich im steinernen Dämmer der weiten Gruft, in der auch eine Deutsche ruht, die
3n denkbar bester Betreuung.
Von Alice Rilke, Hauptabteilungsleiterin im Frauenamt der DAF.
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Wochengeld und Wochenlohn und eine Reihe anderer freiwilliger Leistungen der Betriebe zugunsten der Mütter werden nach wie vor gewährt.
Das alte Problem der Gleichzeitigkeit von betrieblicher und häuslicher Arbeit zeigt sich während der Kriegswirtschaft natürlich noch verstärkt. Die Arbeitsanforderung hat zugenommen und auch die häusliche Tätigkeit ist durch die notwendige Regulierung der Verbrauchswaren zeitlich anspruchsvoller geworden als früher. Zur Erleichterung für doppeltbelastete verheiratete Frauen wurden besondere Möglichkeiten geschaffen, die je nach den Anforderungen des Betriebes und den jeweiligen Bedürfnissen anwendbar sind. Oft besteht die M ö g- lichkei^ eines freien Werktages in bestimmten Abständen oder sonst einer mit der Betriebsarbeit zu vereinbarenden Freizeit. Allgemein ist bereits jetzt wieder die Erfahrung gemacht worden, daß Leistungsfähigkeit und Arbeitsbereitschaft der Frauen steigen, wenn auf ihre häuslichen Pflichten ausreichend Rücksicht genommen wird. Dazu gehört vor allem auch die Sorge um die Betreuung der Kinder. Sie kann durch die Einrichtung von Betriebskindergärten sehr erleichtert werden. Aber das ist nur eine Form der möglichen Maßnahmen. Hinzu kommen noch die NSV. - T a g e s ft ä tte n, in denen die Kinder in bester Pflege untergebracht sind.
Die Leistungsfähigkeit der Sozialen Betriebsarbeit, dieser wesentlichsten Einrichtung der DAF., für die soziale Betreuung der Frauen, wurde weiter verstärkt. Zur Zeit sind mehr als 2000 besonders ausgebildete Soziale Betriebsarbeiterinnen in Großbetrieben tätig. In kleineren Betrieben erfüllen Betriebsfrauenwalterinnen die gleichen Aufgaben. Sie nehmen sich der verheirateten Frauen und Mütter innerhalb der Gefolgschaft ganz besonders an. Dabei werden sie unterstützt von den Werkfrauengruppen, die durch kameradschaftliche gegenseitige Hilfeleistung gerade den werktätigen Müttern ihr doppeltes Tagewerk erleichtern.
Oie mütterliche Hand.
Gedanken zum Muttertag von Helmut Hölscher.
In Dreux, dieser Stadt, die eine Grenze ist zwischen der Normandie und der Ile de France, in ihrem leichten, gesprächigen Leben schon ganz der Mitte Frankreichs angehörend, lag einst das Stammschloß der Orleans, die viermal in der Geschichte den Franzosen Könige gaben.
Heute steht auf dem Berg, der an seinen Rändern noch die Befestigungen einer Zitadelle trägt, neben der letzten Turmruine der alten Burg eine . weitragenüe Kuppel, von goldener Krone überdacht; die Grabkapelle jenes Louis-Philippe, den man den Bürgerkönig oder den mit dem Regenschirm nennt, und seiner Nachkommen, deren jetzt Lebender als Graf von Paris noch immer die Krone Frankreichs beansprucht.
Die Frau jenes Philippe-Egalits, der mißtönend stimmte für den Tod seines königlichen Vetters Ludwig XVI., und dessen Haupt denn auch auf dem Schaffot fiel, ließ sie errichten. In der Mitte ' oer Krypta ruht ihr Sohn, eben jener erste Louis- Philippe, der in England, des Landes und der Krone verlustig, im Exil starb, nachdem ihn die Februarrevolution des Jahres 48 vom Throne gefeat hatte.
Aber nicht von seinem Grabmal, das ihn in Purpur und Hermelin neben feiner knienden Frau noch auf- gerichtet zeigt, soll hier die Rede sein, auch nicht von der schönen weinenden Frau Frankreichs, die als nackter Engel ihm im Rücken sitzend sein Wappen hält. Nicht die wundervollen Glasfenster, die in ihrer Pracht und im reichen Spiel ihrer Farben wohl einzigartig in Frankreich sein mögen, machen den Eindruck jener prunkenden Stätte des Todes aus.
Eine Geste ist es, die hier zu Herzen geht, von ihr soll erzählt werden.
Zu Seiten des Grabes seines Vaters ruht im Mantel, den Degen in der Faust, fein ältester Sohn, der Herzog von Orleans, Ferdinand-Philippe, der, 1810 geboren, 1842 bei einem Wagenunglück unfam.
Zeitschristen.
. ~ Das Maiheft der Zeitschrift „Neues Volk" (Blatter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Verlag Berlin SW 68) wird mit einer kurzen Betrachtung über das Thema „Ist Genie erblich?" von Martin Richard Möbius eingeleitet. Eine Anzahl Patfenber Bildwiedergaben illustriert den Beitrag ^Künstler an der Front", lieber den Sinn des Muttertages -schreibt Dr. Otto Muntendorf. Kulturgeschichtlich und ethnographisch lehrreiches Material bringen die Aufsätze „Weiße Sklaven" und „Das Bolk der Kroaten", beide mit interessanten Aufnahmen. Aus dem sonstigen Inhalt sei auf die ständige eparte „Völkische Lebensfragen" mit Gutachten des. Rassenpolitischen Amtes und auf den Beitrag „Wie vererbt sich die Augenfarbe?" aufmerksam gt- macht.
Maß sich infolge der stärkeren Abwanderung der Männer alle Arbeit auf die Schultern der Frauen oerfagert hat.
Dies erhellt noch deutlicher aus folgendem: Während 1933 zahlenmäßig eine gleiche Arbeitsverteilung bei Männern und Frauen in der Landwirtschaft vorhanden war, ergab sich schon vor dem Krieg 1939 die Tatsache, daß 5,938 Mill. Frauen nur 4,902 Mill.' Männern gegenüberftemben. Dieses Verhältnis hat sich naturgemäß feit Kriegsbeginn m zunehmendem Maß nach der Frauenarbeit hin verlagert. Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, daß alle unseren großen Städte sich erst im Verlauf der beiden letzten Jahrhunderte bis zu ihrer heu-, tigert Größe entwickeln ■ konnten, daß die außer-
Mutter und Kind.
Von Ernst Heyda.
Die Nacht ist hereingebrochen, unser Zug hat schon Verspätung, von draußen schlägt es an die Scheiben, die Menschen, die an den Stationen zusteigen, bringen einen Hauch von Nässe.mit ...
Vor mir, auf der anderen Bank, sitzt ein junges Ehepaar. Der Vater hat einen kleinen Jungen auf dem Schoß, der fest und mit tiefem Atem schläft. Die junge Mutter wiegt ein Mädchen auf den Armen. Ab und zu durchbricht ein klägliches Wimmern die Eintönigkeit unserer Fahrt, dann spricht die Mutter ein paar leise, zärtliche Worte, und das Kind beruhigt-sich wieder.
Die Lampe ist verdunkelt, ich habe schon lange mein Buch beiseite gelegt und döse wie die anderen vor mich hin. Nur auf den Stationen bricht ein Lichtstrahl ins Abteil und huscht über die müden Gesichter der Mitfahrenden. Eine Sekunde lang wird es lebhafter; aber wenn der Zug wieder in Bewegung ist, ist alles in Schwere und Trägheit .versunken.
Eine junge Frau ist zugestiegen, sie hat keinen Platz mehr gefunden, meine Aufforderung lehnt sie lächelnd ab.
Sie steht vor der jungen Mutter.
Ich sehe ein rührendes Lächeln über ihr Gesicht gehen, als sie das kleine Kind entdeckt, sie hebt ein wenig die Hand, als wolle sie es aufnehmen.
Das Mädchen ist munter geworden, irgendeiner hat die Luftklappe geöffnet, man kann wieder leicht atmen. Das Kind stellt sich auf den Schoß der Mutter, die winzigen Händchen greifen in der Gegend herum und finden die Hand der jungen Frau, die zwischen den Bänken steht.
Ein Kosewort entschlüpft den Lippen der Fremden, sehr zart nimmt sie die Hand des Kindes und streicht darüber.
„Wie alt ist es denn?" fragt sie flüsternd, um die anderen nicht zu stören.
„Acht Monate!" lächelt die Mutter stolz.
„Ach!" sagt die junge Frau.
Noch immer hält sie die Hand des Kindes, das aus dem Schoß der Mutter aufstrebt und mit großen Augen in einen dünnen Lichtstrahl blickt,
der aus einer winzigen schwachen Stelle der blaugestrichenen Lampe herausbricht.
Das Kind versucht an der Mutter emporzuklet- tern; mit beiden Händen greift es nun in das Haar der ach so geduldigen und alles ertragenden Mutter, fällt zurück und in die Hände der jungen Frau.
„Bitte, geben Sie es mir doch einen Augenblick!" fagt sie und nimmt das Kind zärtlich auf ihre Arme.
'.Ich habe auch ein Mädchen", sagt sie, „sieben Monate ... Ich habe es schon so lange nicht mehr auf dem Arm gehabt ..."
„Sehr lange?" fragt die Mutter bedauernd und erschrocken, denn sie fühlt ihre Verbundenheit mit der anderen Frau, mit der anderen Mutter.
"Zwei Tage schon nicht, ich war bei meiner Schwester ..."
Zwei Tage ... lächelt einer?
Ich sehe in die Gesichter der anderen, die zugehört haben. Nein, niemand lächelt, keiner, sie sehen in das klare Gesicht der jungen Frau, das nun den Ausdruck reiner Mütterlichkeit trägt und einer Verinnerlichung, die aus dem übervollen Herzen kommt, da ihre Hand mit leiser, fast hilfloser und dennoch bewußter Gebärde das Köpfchen des fremden Kindes streichelt.
Zwei Tage: ein Wehen, ein Pendelfchlag, ein , Richts in unserem Leben und dennoch eine Unendlichkeit im Herzen einer Mutter.
(PK.) Es ist Maienzeit, und toenn meine Hand den kleinen Taschenkalender durchblättert, den mir em lieber Freund zum Weihnachtsfest sandte, bann Zeigt der dritte Sonntag dieses Monats ein Wort, das das Herz schneller schlagen läßt: Muttertag! Ich vergesse die Umgebung und sinne dorthin, von wo vor wenigen Monaten der kleine Kalender in meine Hand kam.
Muttertag! Zeit zum Zurückdenken und Besinnen. Die Gedanken werden jo ehrfürchtig und ftiü, wie wir es lange nicht nieyr gewöhnt waren. Oder doch? Ja, damals, als nach langer Pause der erste Brief von zu Hause kam, das erste Lebenszeichen nach vielen Wochen. Damals war es auch, als ob die Heimat unter uns träte, und alles ringsum wollte versinken und in Vergessenheit geraten. Und heute ist es wieder so, heute ist Muttertag.
Wir wollen doch nachher gleich einmal zur Wiese am Waldesrand schauen, ob sich da immer noch kein Blümchen sehen läßt. Ja, Blumen! In jedem Jahr waren sie an diesem Tag unsere Begleiter zu den Müttern. Als wir noch Kinder waren, konnte der Strauß nicht groß genug sein. Der Mutter brachten wir.einen Buschen, so bunt wie möglich, am liebsten aus dem Garten oder von der Wiese mit eigener Hand gepflückt. Und sie wäre auch mit dem kleinsten, bescheidensten Blümchen zufrieden gewesen, unsere Mutter, wenn sie nur sah, daß ihre Kinder an sie gedacht hatten. Später, als wir größer wurden, mußte es schon etwas „Besseres" sein. Wir sparten lange für diesen Tag, und nachher waren uns die teuersten Treibhausblumen des Gärtners kaum gut genug für die Mutter. Sie lächelte nur dankbar und strich uns leise über den Kopf. Wir ahnten vielleicht immer noch nicht, daß ein einziges Vergißmeinnicht es auch getan hätte. Wenn wir nur einmal im Jahr der Mutter dankten, daß sie stets für uns da war, so selbstverständlich und still, ohne viele Worte, aber auch ohne von uns mehr als diesen kleinen Dank am Muttertag zu erwarten.
Noch später, aber bas weiß jeder Mann selbst am besten, wie er der Mutter ferner eigenen Kinder an diesem Tage dankte. Ich brauche es nicht ZU sagen. Nun hatten die, denen es das Schicksal so vergönnte, zwei Mütter zu bedenken: die Frau, die uns selbst bas Leben geschenkt hatte, unb die, । die unsere Lebensgefährtin geworden war.
Ihrer alle gedenken wir heute, und dabei wissen wir, daß wir mehr Anlaß als je dazu haben. Was wir hier draußen tun, davon wollen wir nicht erst sprechen. Das ist Männerhandwerk und so selbstverständlich, daß es keiner Worte darüber bedarf. Was aber bie Frauen, bie Mütter zu Hause leisten, wie sie ihr Leben m e i ste r n müssen angesichts des Krieges, der nun schon zum drittenmal diesen Tag iiberschattet, das soll doch gerade heute einmal vor unserem inneren Auge ganz hell und klar werden.
Meistens kennen wir cs ja nur aus den Briefen, unb wenn wir es genau überdenken, dann wissen wir nur sehr wenig davon. Geht es nicht jedem Mann und Sohn so, daß er in den Heimatbriefen stets erst zwischen den Zeilen lesen muß, wenn er die wirklichen Sorgen der Frauen erforschen will? Unsere Mütter! Sie find so tapfer unb stark, baß sie uns nicht mit ihrem Kummer behelligen wollen. Sie wollen unsere Herzen frei machen für bie Aufgabe, bie uns gestellt ist unb bie ja auch in erster Linie ihnen selbst bient. Und doch wissen wir/ daß sie es nicht leicht haben. Die Väter und Männer und Söhne' fern — und doch muß alles im Lot bleiben. Die Kinder sollen genau so gut erzogen werden, als wäre der Vater dabei. Das Haus soll in Ordnung bleiben, wenn auch die starke männliche Hand fehlt. Die von den Männern verlassenen Arbeitsplätze müssen ausgefüllt werben. Der Acker soll feine Ernte tragen, mag es auch noch schwerfallen, ihn ohne Hilfe zu bestellen. Und außerdem ist heute — wir wissen das alle — bie Heimat mehr denn je zugleich auch Front. Aber alles wird mit Gleichmut, mit starkem Herzen und stolzem Sinn
einmal alle Sorge beiseite und träumt euch in eine Zeit, da die Söhne und Männer wieder bei euch sind! Ich weiß, das ist ein Gedanke, her euch heute bas Herz noch etwas schwermacht, benn ihr habt es nicht in ber Hanb, diesen Tag herbeizubringen, mögt ihr euch auch noch so sehr banach sehnen. Habt Vertrauen in bie Vorsehung, habt Glauben an den, der uns führt, unb dessen ganze Kraft dafür steht, daß ihr nicht mehr zu lange warten müßt! Unb vergeßt nicht, baß wir ja für euch hier draußen stehen, wir, benen ihr Mütter feib! Ihr sollt ruhig unb sicher im Schutze unserer Waffen euer Leben führen, sollt bas Bestehende bewahren, sollt für unser aller Zukunft bereit sein. Die Aufgabe, bie euch ber Krieg gestellt hat, erforbert eure ganze Kraft, wie sie von uns ben ganzen Einsatz verlangt. Denkt ihr so, bann wißt ihr, baß wir niemals von euch getrennt würben, baß wir immer an eurer Seite sind Das Schicksal unseres Volkes ist auch jebes einzelnen Schicksal unb hat uns inniger miteinander verbunden, als es die stärksten Bande des Blutes unb ber Familie tun können. Seid stark in dem Bewußtsein, daß wir mit euch sind, heute am Muttertag — unb für immer!
(NSK.) Der Muttertag war bisher ein Tag des Dankes an die Mutter für ihre aufopfernde stille Arbeit im Dienst der Familie. Heute stehen nun viele taufend Mütter ungeachtet ihrer häuslichen Pflicht als Schaffende in der deutschen Kriegswirtschaft. Immer' auf das Wohl und Glück ihrer Angehörigen, ihrer Kinder bedacht, helfen sie die Waffen schmieden, mit denen dem deutschen Volk und seiner Jugend eine Zeit des Friedens und ungestörten Wohlstandes erkämpft werden soll. Diesen Müttern gilt am Muttertag der besondere Dank der Nation.
Im gegenwärtigen Kriege zeigt sich die Unent- behrlicykeit der weiblichen Mitarbeit besonders deutlich. Die großen Leistungen der deutschen Rüstungsindustrie find nicht denkbar ohne die Einsatzbereitschaft und das hohe berufliche Können der Millionen schaffender Frauen. Nicht wenige unter den Tüchtigsten find Hausfrauen und Mütter, die mit selbstverständlicher Treue in ber Kriegswirtschaft ftehen unb außerdem noch für ihre Familie sorgen. Was vollbringen diese Frauen an Leistung und Opfer! Sie fragen und klagen nicht, sie ar bei- t e n. Viele von ihnen stauben schon währenb des Ersten Weltkrieges in den Betrieben unb arbeiten nun wieder mit ber gleichen Zuverlässigkeit in der Kriegswirtschaft.
Es ist selbstverständlich, daß die Betriebe im Zusammenwirken mit ber Partei alles tun, um nach Möglichkeit ben werktätigen Frauen, insbesondere aber den Hausfrauen und Müttern unter ihnen, die denkbar beste soziale Betreuung zu verschaffen. Daher ist die betriebliche Betreuung der Frauen auch in der Kriegswirtschaft durchweg aufrechterhalten morden und wirb auch in Zukunft niemals nachlassen. Daß Kriegswirtschaft erhoffte Leistungen verlangt, ist auch für bie Frauen selbstverständlich. Doch werden Zugeständnisse von Ausnahmen des Arbeitsschutzes immer von strengen Voraussetzungen abhängig gemacht. Insbesondere ist der bestehende Mutterschutz nicht gelockert worden. Auch die Differenzzahlung zwischen


