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192. Jahrgang Nr. Y3 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags

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vrühlscheUniverfitStrdruckerei H. £a«ge General-Anzeiger für Oberheffen Siehen, Schulftrahe 7-9

/Sonntag JZ.lfiai 1942

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Unmittelbar vor Kertsch.

Der Wehrmachibericht.

DNV. Aus dem Aührerhaupkquarkier. 15. Mai. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Krim flehen die deutsch-rumänischen Verfolgungskolonnen unmittelbar vor Kertsch, nachdem sie feindlichen Widerstand auf den höhen vor dieser Stadt gebrochen habend

Die Kämpfe im Abschnitt von Charkow dau­ern an. 3n ihrem Verlaufe wurden bisher 14 5 feindliche Panzer abgeschossen. Starke

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Kampf, und Sturzkampfverbände zerschlugen Pan­zeransammlungen, Artilleriestellungen und Nach­schubkolonnen der Sowjets.

An der W o l ch o w - I r o n t wurde eine Kräfle- gruppe des Feindes in mehrtägigen Kämpfen durch Verbände des Heeres und der Waffen-^ einge- fchlosten und vernichtet, hierbei verloren die Sow­jets 1 0 0 0 Gefangene, mehr als 3500 Tote, 6 Panzer, 119 Granatwerfer, 2 0 2 217a- fchinengewehre und zahlreiches anderes Kriegsmaterial.

Deutsche und ungarische Truppen so­wie Polizeiverbände haben in den letzten

Tagen im rückwärtigen Gebiet mehrere stark be­waffnete bolschewistische Banden angegriffen und aufgerieben.

Eine an der L i s m e e r k ü st e gelandete sow­jetrussische Marinebrigade wurde in mehrtägigen harten Kämpfen trotz starker Schneestürme zer­schlagen und zum Rückzug über das Meer gezwun­gen. Der Gegner ließ über 2000 Tole und eine große Anzahl leichter und schwerer Waffen zurück.

An der Ostfront wurden gestern 6 5 feind­liche Flugzeuge vernichtet.

Auf Malta wurden Flugstützpunkte und andere militärische Ziele wirksam mit Bomben schweren Kalibers belegt. Deutsche und italienische Jäger schossen über der Insel 8 britische Jagdflugzeuge ab.

Im Kampf gegen ein amerikanifches Ge­schwader hat die deutsche Luftwaffe gestern zwi­schen Nordkap und Spitzbergen einen Kreuzer derPensacola"-Klasse von 9100 Ton­nen, sowie einen Zerstörer versenkt. Ferner wurden ein Eisbrecher von 3000 BRT. und ein Handelsschiff von 2000 BRT. vernichtet. Ein Frachter von 10 000 BRT. wurde so schwer getroffen, daß er vom Bug bis zum Heck brannte.

Außerdem vernichteten tiefftiegende leichte deutsche Kampfflugzeuge in den gestrigen Abendstunden un­geachtet der Ballonsperren und des heftigen Flak­feuers in einem Hafen der englischen Süd- küfte vier Handelsschiffe mit zusammen 7500 BRT.

Die Sturmgeschühabteilung 2 44 hat bei den Kämpfen im Osten am 14. Mai 3 6 feindliche Panzer vernichtet. Von diesen Panzern hat der Oberfeldwebel Banse allein 13 abgeschossen.

In den gestrigen Luftkämpfen an der Ostfront errang Leutnant Graf seinen 98. bis 104., Leut­nant Dickfeld seinen 82. bis 90. Luftsieg.

in den Gewässern zwischen Nordkap und (Eismeer ist in der jetzigen Jahreszeit nichts Außergewöhn­liches, deutet aber auf die Schwierigkeiten hin, die auch von der Witterungsseite her den amerikani­schen Zufuhren für die Sowjets engegenstehen. Vor wenigen Tagen verlor hier die britische Flotte einen 10 000-Tonnen-Kreuzer durch deutsche U-Voot-Tor- pedos. Außerdem wurden in diesem Seetreffen drei Handelsschiffe mit 18 500 BRT. durch leichte deutsche Seestreitkräfte versenkt, während drei andere Frach­ter mit zusammen 19 000 BRT. durch deutsche Kampfflugzeuge schwer beschädigt wurden.

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Moskau

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SttaleMe Zemwirklingen.

Von Erhard Wcgeli, Oberstleutnant a. D.

Auf ungeheuren Räumen, getrennt durch Ozeans vollzieht sich dieser größte aller Kriege, der in seinen Ausmaßen den ersten Weltkrieg noch übertrifft Vom Nordkap bis zur spanischen Grenze einerseits, bis zum Schwarzen Meer andererseits, auf beiden Seiten des östlichen Mittelmeerbeckens stehen Deutsch, land und seine europäischen Verbündeten teils inr Kampf, teils in steter Kampfbereitschaft. Deutschs und italienische Seestreitkräfte durchpflügen das 'Nördliche Eismeer, die Nordsee, den Atlantik in seiner ganzen gewaltigen Breite und das Mitteln meer. Unser japanischer Verbündeter kämpft zu! Lande in dem riesigen Raum Chinas, auf den Philippinen, Neu-Guinea, den Südsee-Jnseln und in Burma. Seine Seestreitkräfte streifen von der Westküste der USA. über die schier unermeßliche Wasserwüste des Pazifik bis tief in den Indischen Ozean. Seine Luftstreitkräfte beherrschen das ganze riesige Operationsgebiet bis nach Australien hin» Es möchte auf den ersten Blick scheinen, als ob es eine unlösbare Aufgabe fein müßte, die Operationen der Dreierpaktmächte in Zusammenhang zu bringen und ihre gemeinsame Einwirkung auf den Verlauf des Krieges zu erzielen. Das um so mehr, als zwi­schen dem Operationsgebiet der europäischen und der ostasiatischen Verbündeten der ganze eurasischs Kontinent liegt, jede Landoerbindung zwischen ihnen durch die russische Front, an die sich nach Süden \ die englische Front bis zum Persischen Meerbusen anschließt, unterbunden, ein gemeinsamer Oberbefehl über die Gesamtstreitkräfte undenkbar ist, Nachrich­ten und Abmachungen nur auf dem Funkwegs möglich sind. Die ganzen Schwierigkeiten eines Koalitionskrieges, die sich schon im ersten Weltkriege in dem nicht immer reibungslosen Zusammenwirken der deutschen, österreichischen, bulgarischen und tür­kischen Streitkräfte einerseits, noch mehr bei den Entente-Streitkräften andererseits zeigten, müßten.

Neuorientierung der französischen Wirtschaft.

Die Kämpfe bei Sharkow und am Wolchow.

Stalin hat kürzlich In einer Vortragsreihe vor dem sowjetischen Oberkommando zu den kommenden Kampfhandlungen erklärt: Es wäre unverantwort­lich, wollte man die Stärke unterschätzen, die dem Gegner geblieben ist." Zu diesem Eingeständnis hat er sich veranlaßt gesehen angesichts der Erfahrungen, die die Sowjetarmee im nun abklingenden Winter­feldzug machen mußte. Die deutsche Abyiehrfront ist inzwischen sehr lebendig geworden. Auf der Krim sind die deutschen Truppen zum Angriff überge- gangen und stehen jetzt, sechs Tage nach Angrifss- 6 eg in n, auf den höhen von Kertsch. Damit ist diese ganze Landenge bis zu rund 100 Kilometer liefe, bis auf. einen schmalen Streifen vor der Ostküste der Halbinsel den Sowjets entrissen und das in monate­langer Arbeit ausgebaute tiefgegliederte Stellungs­system zerschlagen. Wie das Oberkommando der Wehrmacht ergänzend mitteilt, haben die deutschen und rumänischen Truppen die Verfolgung des geschlagenen und auf die Stadt Kertsch zurück- weichenden Feindes ohne Unterbrechung fortgesetzt. Die an diesen Verfolgungskämpfen beteiligten Ver­bände melden weiterhin anwachsende Ge­fangenen- und Beutezahlen. Vergeblich versuchten die Bolschewisten, auf den der Stadt Kertsch vorgelagerten höhen eine neue Widerstands­linie aufzubauen. Wo es dem Gegner gelang, sich vorübergehend zu setzen, wurde jeder Widerstand in schnellem Zupacken gebrochen. Die Luftwaffe ver­folgte im Zusammenwirken mit den heeresvevbän- den den weichenden Feind, der den pausenlos durch­geführten Tiefangriffen der deutschen Flieger nur noch geringen Widerstand entgegensetzte. Die ost­wärts von Kertsch in dichten Massen zusammenge­triebenen feindlichen Truppen erlitten durch wieder­holte Luftangriffe außerordentlich hohe Verluste. Die auf der überstürzten Flucht während der letzten Tage bis nach Kertsch gekommenen bolschewistischen Fahrzeugkolonnen wurden am Ostrand der Stadt gegenüber der Bucht von Tamanskaja zerschla­gen. Bei dem Versuch des Gegners, sich auf das jenseitige Ufer der Meerenae von Kertsch zu retten, erlitten die Bolschewisten ourch die unermüdlichen Tiefangriffe deutscher Schlacht- und Kampfflieger­verbände äußerst schwere Verluste.

Aus dem deutschen Wehrmachtbericht geht weiter hervor, daß auch an den übrigen Teilen der Ostfront verstärkte Kampftätigkeit herrscht,

wobei die deutschen Operationen große Erfolge zei­tigten. An der Wolchow-Front war es einer feindlichen Kampfgrupe gelungen, unter Ausnutzung des unübersichtlichen Geländes in die deutsche Stel­lung einzudringen. Diese Einbruchsstelle wurde im Zuge eines überaus kühnen, zäh vorgetragenen Ge­genangriffes geschlossen, die eingedrungenen feind­lichen. Kräfte von ihren Verbindungen abgeschnit- ten und eingefeffelt. Vergeblich versuchte der Feind, unterstützt durch Artillerie und Panzer, die umschlossene Kampfgruppe wieder zu entsetzen. In fast ununterbrochenen, vier Tage und Nächte dau­ernden schweren Kämpfen in versumpften Waldge­bieten wurden die sich mit äußerster Zähigkeit weh­renden Bolschewisten von Verbänden des Heeres und der Waffen-^ auf immer engeren Raum zufammengedrängt und schließlich vernichtet. Verbände der Luftwaffe unterstütz­ten die Angriffe des Heeres in unermüdlichem Ein­satz. Durch Sturzkampflugzeugangriffe entstand bei einer erstmalig in den Kampf tretenden bolschewi­stischen Schützendivision eine wilde Panik, wodurch sich die blutigen Verluste des Gegners noch weiter wesentlich erhöhten. Diese feindlichen Schüt­zendivisionen und die Masse zweier weiterer Kampf­verbände wurden in den Kämpfen aufgerieben. 3500 gefallene Bolschewisten bedeckten das Schlachtfeld. Rund 1000 Gefangene, ferner sechs Panzer, 119 Granatwerfer, 202 Maschinengewehre und zahlrei­ches weiteres Material wurden als Beute einge­bracht. Die auffallend hohe Zahl der erbeuteten schweren Infanteriewaffen weist nachdrücklich auf die Größe des errungenen Erfolges hin.

Die Sowjets haben vor allem im Raum östlich Charkow starke KräUe zu einem Angriff mit schwersten Waffen angesetzt. Die Vernichtung von 145 Feindpanzern durch die deutsche Abwehr lassen auf die Schwere des feindlichen Angriffs schließen. Ob es sich um eine Entlastungsoffensive für die Krim oder um Paralleloperationen handelt, die von sow­jetischer Seite zweifellos gemeinsam mit der bol­schewistischen Krimarmee durchgeführt werden soll­ten die inzwischen von den deutschen Angriffs­truppen zerschlagen wurde, ist noch nicht zu übersehen. Jedenfalls sind die Kämpfe im Osten in Form harter örtlicher Einzeloperationen auf der ganzen Linie neu entbrannt.

Oer deutsche Lustsieg im Eismeer.

Der deutschen Luftwaffe hat der Frühling die Schwingen aus der winterlichen Erstarrung gelöst. Fast täglich meldete in den letzten Tagen der deutsche Wehrmachtbericht von rollenden Einsätzen gegen die feindlichen Stellungen und vor allem gegen wichtige Ziele hinter der östlichen Front. Einen besonderen Erfolg hatte sie abgesehen von ihrer Mitwirkung in der Durchbruchsschlacht von Kertsch am Don­nerstag im nördlichen Eismeer gegen ein ameri­kanisches Geschwader. Der Flottenverband war in den frühen Morgenstunden von deutschen Fernauf­klärern gesichtet worden. Als die deutschen Kampf­flugzeuge die feindlichen Kriegsschiffe gegen 19 Uhr angriffen, liefen diese mit hoher Fahrt auf west­lichen Kurs und versuchten die deutschen Kampf­flugzeuge durch heftiges Feuer leichter und schwerer Bordflak abzuwehren. An den in mehreren Wellen durchgeführten Angriffen waren deutsche Kampf­flugzeuge vom Muster Ju 88 und He 111 beteiligt. Trotz ungünstiger Witterung erhielt ein U S A. - Kreuzer derPensacola"-Klasse gleich bei den ersten Bombenabwürfen Treffer dicht hinter dem Schornstein. Im WbfTitg bco'v

achteten die Besatzungen der Ju 88, wie durch die Wucht der detonierenden Bomben Teile der Deckaufbauten durch die Luft geschleu­dert wurden. Eine Stunde nach diesem ersten An­griff trafen die He 111 den Kreuzer 300 Kilometer nördlich des Nordkaps bereits brennend an. Ein sofortiger erneuter Angriff führte zu der Ver­nichtung des bereits schwerbeschädigten Kriegs­schiffs. Nach abermaligen Treffern versank der bren­nende Kreuzer, um den sich die Zerstörer zu ersten Hilfeleistungen versammelt hatten. Die Ueberleben- dcn des Kreuzers waren in aller Eile von einem der Zerstörer übernommen worden. (Ein Zerstörer hatte ebenfalls von den Ju 88 vernichtende Bomben­treffer erhalten, während ein anderer von einem Volltreffer auf das Heck getroffen worden war. Die übrigen Zerstörer flüchteten nach dem Untergang des Kreuzers mit hoher Fahrt nach Westen.

Der starke Geleitzug deutet darauf hin, daß die deutsche Luftwaffe hier wieder auf einen .wertvollen amerikanischen Geleitzug stieß, der von Moskau sehnsüchtig erwartete Waffen für die Ostfront brin­gen fofPe. Die Anwesenheit eines Eisbrechers

Von unserem Dr.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, Mai 1942.

Die Wiederbetreuung Pierre Lavals mit der, Führuna der französischen Regierung bringt sicht­bar in Erscheinung, wie sich in Frankreich der Ge­danke durchsetzt, daß eine wirkliche Wiederaufrich­tung des Landes nur im Rahmen des neuen (Europa sich vollziehen kann. Es gewinnt immer mehr Gestalt, was vor anderthalb Jahren in Mon- toire begonnen wurde. Nach Lavals eigenen Wor­ten fanden hier die Besiegten einen Sieger, der Frankreich einen seiner Vergangenheit würdigen Platz in dem neuen Europa anbot. Daraus ergab sich in erster Linie eine Neuausrichtung der Politik des von Marschall Pstain geleiteten Landes. Nicht minder aber auch eine Neuorientierung der Wirtschaft. Das neue Europa ist eine Schick? falsgemeinfchäft, die auf der Zusammenfassung aller Kräfte beruht. Deshalb hat in ihm keine Wirtschafts­form mehr Raum, die wie kagm eine zweite in der Welt sich ausschließlich auf die liberalistische Denk­weise gründet, die man nach den Ereignissen.des letzten Jahrzehnts als endgültig überwunden an- fehen kann. Frankreichs Wirtschaft kann nicht mehr fragen: welches Verfahren ist am vorteilhaftesten?, vielmehr steht sie unter dem kategorischen Impe­rativ der Pflicht: was muß geschehen?

Am einschneidendsten macht sich dieses Gebot i n der Landwirtschaft bemerkbar. Es geht ein­fach nicht mehr, nach Neigung und Geschmack an­zubauen; die Lebensnotwendigkeiten sind zu befrie­digen. Wenn im vergangenen Jahr die Nahrunas- mitteldecke ungewöhnlich dürftig erschien, so rächte sich damit eine Mißwirtschaft, die schon feit Jahr­zehnten belieben wurde. Nach einmütigem Urteil in- und ausländischer Sachverständiger gehört Frank­reich zu den von der Natur hinsichtlich Boden- geftalt und Klima am besten ausgestatteten Agrar­ländern. Es wäre in der Lage, ohne Schwierigkeiten den Brotgetreidebedarf für 62,3 Millionen Menschen zu erstellen. Tatsächlich braucht es aber nur für knapp 40 Millionen Franzosen zu sorgen. Und das sollte doch wirklich zu erreichen sein, wenn der Wille aufgebracht wird, ein erheblich größeres Maß an Arbeit zu leisten. Denn darin gipfelt alles. I n - tenfiüierung der Landwirtschaft! ist daher die« Losung aller einsichtigen Franzosen für die kom­mende Zeit.

Es darf trotz größerer klimatischer Bevorzugung Frankreichs nicht so bleiben, daß Deutschland auf der ganzen Linie erheblich bessere Hektarerträge aufweist. Und das sogar in Feldfrüchten, die ihm von Natur wenig liegen! So beträgt das Spsn- nungsverhältnis während der letzten Friedensjahre für Mais in Doppelzentnern zwischen beiden Län­dern 21,2 :14,9, für Weizen 21,6 :16,0 und für Gerste 20,0:14,7. Nur bei der Zuckerrübe begegnen sich beide zwischen 283 und 273 Doppelzentner. Wie schon aus dem Zusammenhang hervorgeht, bedeutet die erste Ziffer den Hektarertrag in Deutschland.

Zur Intensivierung gehört in erster Linie auch die Erweiterung der Anbaufläche. Nach dem Weltkriege ist diese in erschreckender Weise zu­rückgegangen. Teils liegt das daran, daß von den 1 363 000 Gefallenen nicht weniger als 637 700, also 50 d. Sy, Landwirte waren. Wenn man zu diesem absoluten Verlust noch etwa 400 000 bis 500 000 landwirtschaftliche Arbeitskräfte rechnet, die infolge ihrer Verwundungen ihrem Beruf verloren gegangen sind, dann bedeutet der Ausfall von über einer Million Arbeitskräfte in der Landwirtschaft einen recht empfindlichen Verlust. Allein die Not­wendigkeit verlangt, daß dieser durch Mehrarbeil wettgemacht wird. Deshalb ist bereits vor länge­rer Zeit das Gesetz über die landwirtschaftliche D i e n st p f l i ch t erlassen worden, die den Einsatz der Arbeitskräfte reaelt. Zudem hofft man noch, eine größere Zahl belgischer Wanderarbeiter zu gewin­

nen, die man dort einsetzen kann, wo die Arbeiten sich infolge des auch in Frankreich mit reichlicher Verspätung eingekehrten Frühlings allzu sehr zu­sammendrängen würden.

Zeigt sich schon bei diesen Maßnahmen der len­kende Einfluß der' Regierung, so erst recht bei der Zuteilung d e s S a a tg u t e s. Die Versorgung mit Saatgetreide, Oelsaaten und Zuckerrübensamen ist im allgemeinen sichergestellt, nur die Beschaffung von Saatkartoffeln und Gemüsesamen bereitet noch Sorge. Letzteres ist besonders wichtig, da Frankreich das klassische Land des Gemüseanbaus ist. Hauptsächlich liegt das an der Gunst des milden und feuchten Klimas, dann aber auch an dem perfön« l ich en Hang des Franzosen, der sich zum Gärtner berufen fühlt. Deshalb sind die Ergebnisse im Gar­tenbau längst nkcht in dem Maße zurückgegangen wie in der reinen Landwirtschaft. Trotzdem muß auch im Gartenbau auf Intensivierung gedrängt werden wie auf die Zurückstellung von Liev- habereien in bezug auf Frühgemüse. Hier heißt es auf die Einfuhr von Algier oder Spanien zu ver­zichten und mit dem Genuß des ersten Frühgemüses noch ein paar Wochen zu warten, bis es in Frank« reich selbst gereift ist. Im ganzen kann aber die Be­völkerung ihre Neigung für Gemüse durchaus bei­behalten, weil über diesen Weg die Ernährung Frankreichs am schnellsten und durchgreifendsten ge­sichert wird. Natürlich nicht ganz ohne Opfer auf anderen Gebieten!

Mit dem Nachlassen des Ackerbaus begann eilt Ansteigen der Viehzucht, besonders der Schafzucht. Diese trug den Kriegsverluften an Land* arbeitern Rechnung und kam zugleich dem Rentner« gebauten entgegen, der ja schön seit langem das französische Volk wie eine fixe Idee beherrscht. Be­merkenswert ist hier wieder der Vergleich mit Deutschland, Frankreich verfügte vor dem Kriege über 10 Millionen Schafe gegenüber nur 3,5 Mil­lionen im Reich. Klimatische Gründe liegen nur in den sommertrockenen Gebieten am Mittelmeer vor, sonst ist fast überall der Ackerbau gewinn­bringender. Diese Schafweiden sind die große Re­serve zur Auffüllung der Bedürfnisse nach Getreide- und Gartenland. Der Verlust an Wolle wird den Franzosen dabei wenig stören, denn auf diese legte er nie großes Gewicht. Wohl aber schmerzt ihn, daß die Hammelkeulen nun seltener auf den Tisch kommen als früher. Aber er wird sich mit der Ge­nugtuung trösten, daß nunmehr durch die Bestellung des früheren Weidelandes feine Gemüseversorgung und damit seine Hauptversorgung sichergestellt ist.

Mehr Sorge wird die Regierung noch mit de» Bannung der Jndu st rieflucht von Frankreich nach Nord- und Westafrika haben. Schon seit dem ersten Weltkriege sind eine Anzahl Industriezweige in die afrikanischen Kolo­nien gewandert, weil sie hier ihren Rohstoffen näher waren, und weil sie hier sich leichter Arbeitskräfte beschaffen konnten. Mit der selben Begründung sind ihnen in letzter Zeit andere gefolgt, besonders aus der französischen Oelmühlenindustrie. So haben sich die Oelausfuhren Westafrikas von 12 000 auf 45 000 Tonnen allein im letzten Jahr vermehrt. Die Textil­industrie schickt sich an, denselben Weg zu gehen. Es erscheint nur auffällig, daß bloß ein geringer Teil der afrikanischen Ausfuhr nach Frankreich geht. Hiernach müssen doch wohl politische Gründe für die Standortverlegung der Industrien mitbestim­mend gewesen sein, was niemals im Interesse des französischen Wiederaufstiegs liegen kann. Das groß­zügige Verhalten des deutschen Versicherungsgewer­bes bei dem Wiederaufbau des französischen sollte vielmehr allen noch zweifelnden Franzosen die Augen darüber öffnen, daß es klüger ist, sich einem verständnisvollen Partner anzuvertrauen als den Lockungen einesFreundes von gestern" zu folgern -er nur an jemen eigenen Vorteil denkt.