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Aus bet Stad« Gießen.

Ein Wort vom Warten.

Sj?r ?Aönsten Zeiten des Jahres ist die Zeit vor Weihnachten. Frohe Erwartung liegt in diesen Wochen über den Hausern unserer Dörfer und Stabte, eine geheimnisvolle Stimmung, die sich nur schwer m Worte fassen läßt. Es scheint uns Deut­schen m besonderem Maße gegeben, alles- mit unse- rem Gemüt zu durchdringen, um es aus dem All­täglichen herauszuheben. So machen wir es auch mit dem Warten in den oft so trüben und sonnen- losen Tagen des frühen Winters fehlt es drau­ßen an Licht und Wärme, so müssen beide von innen kommen.

Das Warten spielt eine große Rolle im mensch- lichen Dasein. Man hat immer einen Wunsch, man macht Plane, man verfolgt ein Ziel und nur selten gibt es sich, daß die Erfüllung unmittelbar dem Wunsche folgt, und das Ziel gleich mit dem ge- faßten Entschluß erreicht ist. Meist liegt eine größere oder kleinere Spanne zwischen beiden, und es ist nicht immer leicht, die Zwischenzeit mit Geduld zu überbrücken, zumal Unvorhergesehenes alle Berech- nungen und Erwartungen hinfällig machen kann. Sollen wir da versuchen, die Entwicklung zu beschleu- nigen, um die Wartezeit abzukürzen? Wenn das mur immer so einfach wäre! Aber die Natur geht ihren Gang ohne Rücksicht auf unsere Wünsche oder Pläne und läßt uns meist keine andere Möglichkeit als eben zu warten, bis ihr Wollen mit unserem Willen zusammentrifft. Wartenkönnen ist eine Kunst eigner Art. Daß er nicht warten konnte, hat schon manchem Menschen Verwirrung oder Zerstörung in sein ,'Leben gebracht.«Das Wartenkönnen gibt dem Land­mann die Ruhe und innere Sicherheit. Wochen und /Monate, selbst Jahre liegen bei ihm zwischen Wunsch und Ziel, zwischen Arbeit und Lohn. Es hätte keinen Wert, wenn er auf den Acker hinausginge und unge­duldig an der jungen Saat zupfte, damit sie schneller wachse er muß warten, bis das in allem Ge-

i schaffenen wirksame Gesetz sich erfüllt. Und er kann warten, denn er weiß, daß er das Seine getan hat, und er ist stark genug, das, was nicht das'Seine ist, I das Wachsen- und Reifenlassen, in den Willen des ' Schicksals zu stellen.

Im Krieg wird das Warten noch größer geschrie­ben als sonst. Wir müssen manchen Wunsch auf später zurückstellen, und auch die Ausführung man­ches Gewohnten hat oft einen langsameren Ablauf. Wir warten länger auf die Straßenbahn, wir mar­kten länger auf Ausbe^serungsarbeiten im Haushalt,, wir warten länger auf die Lieferung dieser und jener Gebrauchsgegenstände. Bei andern greift das Warten noch tiefer: sie warten mit Sehnsucht auf einen Brief von draußen oder warten mit noch größerer Sehnsucht auf den Urlaub des Gatten oder Ides Vaters oder des Sohnes. Und über all diesem »Warten steht das große Warten auf den Frieden, I ber alle die Männer, die am Feind stehen, den I Ihrigen zurückgibt und unserem Erdteil nach soviel r Unruhe und Kampf sein Recht, Freiheit und Brot r bringt. Da brauch? es oft ein starkes Herz, um über I die Stunden der Müdigkeit und Verzagtheit, der I Sorge und der Sehnsucht Herr zu werden!

Wie ist es da nun? Können wir diese Wartefrist I abkürzen? Subjektiv, d. h. dem Empfinden nach, I ganz bestimmt. Wie machen es denn die Kinder mit liber scheinbar so langen Wartezeit vor Weihnachten? [.Sie verkürzen sie mit allen möglichen Arbeiten, sie k-beschäftigen sich mit Vorbereitungen auf das Fest, imit denen sie den Ihrigen eine Freude machen »wollen. So vergeht die Zeit schneller, und so wer- Eben auch dem, der feine Arbeit tut, die Wochen und «Monate des Krieges schneller vergehen als dem, Mer die Zeit nur beseufzt. Aber auch objektiv, d. h. [ latsächlich, können wir mit unterem Einsatz, mit I unserer Arbeit, mit unserer Leistung die Frist bis »um Frieden abkürzen. Der Krieg ist zu einem guten Teil eine Sache der Produktion. Die Front weiß das und der Feind auch. Vergessen wir daher nicht: je größer die Leistung, desto näher ber Sieg! W.F.

llirversitätsprofeff or Or. jur. Äünther t

Nach kurzer Krankheit ist der Universitätsprofessor i R. Dr. jur. Dr. phil. h. c. Louis G ün t her in hießen im Ältet von 84 Jahren verstorben. Der Entschlafene stammte aus Harburg (Elbe), wo er im April 1859 als Sohn eines Großkaufmanns ge­lten wurde. Von 1880 bis 1883 studierte er an den Unioerfitäten Leipzig, Berlin und Straßburg Rechts­wissenschaften, dann bestand er in Göttingen das irste juristische Staatsexamen. Im Juni 1884 pro-1 Monierte er an der Universität Erlangen zum Dr. jur Seit 1889, wo er sich an der Universität ließen für das FachStrafrecht und Strafprozeß' tabititierte, gehörte er der Universität Gießen an Äjier wurde im November 1891 fein Aufgabengebiet M Vorlesungen über das Zivilprozeßrecht ausge­dehnt. Im Dezember 1892 wurde er zum außer- ordentlichen Professor, im April 1900 zum orbent- lchen Honorarprofessor ernannt. Neben seiner Leyr- titiqteit war Professor Dr. Gimther aucy als Fachschriftsteller tätig, aus dessen Feder eme Reihe tin Veröffentlichungen hervorgegangen sind, Sabre 1923 trat er nach 34jährigem Wirken an Der Universität Gießen in den Ruhestand. Seinen Le- hnsabenb verbrachte der Gelehrte, der sich über bn Kreis der Universität hinaus großer Wert- hiihung erfreute, in Gießen. Sein Andenken wiro her in guter Erinnerung bleiben.

Musikschulen der Stadl Gießen und der Hitler-Jugend.

Mit Wirkung vom 1. Dezember d. I. ist die bisher o?n der NSG.Kraft durch Freude" ms Leben ge- Mene und von Mufiklehrer B l a ß m vorbi dlicher &ei|e aufgebaute und geleitete Musikschule für -Tugend und Volk" unter dem NamenJugend- Musikschule" in die Hände der Stadt Gießen uno !>ir Hitler-Jugend des Bannes 116 ubergegangen. Gleichzeitig tritt die Hitler-Jugend im Sinne Der '^sprechenden Anweisung des Führers in die Lei- ung der ebenfalls feit über einem Zahre hier ve- It'hendenStädtischen Musik- und Orchesterschule

Beide Schulen erhalten somit eme gemeinsame Ehrung und tragen den TitelMusikschulen der ^iDerfitätsftabt Gießen und der Hitler-JugenD.

Orchesterschule, B. Jugend-Musikschule. Die Lel- J'ig beider Musikschulen übernimmt Professor Dr. ^emesDärn So ist ein enges Einvernehmen uno natürlicher Kräfteaustausch gewährleistet. Unter ü) jedoch bleiben die beiden Schulen grundsätzlich ^schieden. Die Orchesterschule bildet als qualih- to-te Berufs schule nur solche Schuler aus, die Meftermufifer werden wollen, während die Ju- ^dmusikschuls eint ErziehunHsstätte für lugenolutzs

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Die erst fin- von an

bürg über den Fleischextrakt: Briefe an den Heidel- foerger Verleger Winter, an Freunde und Schü­ler wie A. W. von Ho f m-a n n, Fehling, Kopp und viele andere.

Die fachkundigen Gäste, die am Tage der Liebig- Feier unserer Universität die Räume des Museums betreten, werden sich wie alle künftigen Besucher gelehrte und ungelehrte, auswärtige und ein­heimische, wenn sie die Stätten von Liebigs einstiger Wirksamkeit in Augenschein nehmen, mit Dankbarkeit des Manne» erinnern, der der Stadt Gießen dieses Denkmal wissenschaftlichen Ruhmes errichtet hat: sie werden aber auch, mit Staunen und Bewunderung, der unscheinbaren, ja kümmer­lichen Anfänge gedenken, aus denen sich an dieser Stelle, dank dem Ingenium und der Beharrlichkeit Liebigs, ein Zentrum der chemischen Wissenschaft entwickelt hat.

lehensgewährung der Geburtstag an die Stelle des Tages der Eheschließung. Ist die Ehe erst im Kriege geschlossen oder das Kind erst im Kriege geboren wobden, so kann bis auf weiteres ein Darlehen unabhängig von dem Zeitablauf feit der Eheschlie­ßung oder der Geburt des Kindes gewährt werden. Die Anordnungen gelten auch für die Gewährung von Einrichtungsdarlehen und -zuschüstem für Die Landbevölkerung. Eine Unterbrechung bef\ Tätig­keit auf dem Lande durch den WehrdienstXbleibt außer Bettacht. \

(Siebener Dochenmarllpretse.

* Gießen, 12. Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., MatteM Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, 5 kg 53, Wirsing, Vi kg 10, Weißkraut 7, Rotkraut

verdunkeluugszeit:

12. Dezember von 17.08 bis 7.54 Uhr.

13. Dezember von 17.08 bis 7.55 Uhr.

10, rote Rüden 8, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 6, Rosenkohl 20, Feldsalat, Vio 10, Lauch, % kg Sellerie 16, Oberkohlrabi, das Stück 10 Rpf.

3m Zeichen Justus von Liebigs.

Aus der Geschichte und von den Schätzen des Gießener Liebig-Museums.'

Außer den wieder auf gebauten Herden befindet sich im ältesten Teil des Museums eine Anzahl von Stichen, welche die Formen der ältesten» chemischen Herde seit dem Mittelalter veranschaulichen. Es würde begreiflicherweise zu weit führen, wollte man in diesem Zusammenhänge auch nur im Ueberblick eine Dorstelluna von den reichen Schätzen vermit­teln, die im Gießener Liebig-Museum und ... allem durch Geheimrat Sommers Spürsinn und Initiative im Laufe der Jahrzehnte zusammenge» tragen werden konnten; sie sind gleichermaßen be­deutsam als Zeugnisse der Gießener Lehrtätigkeit und Forschungsarbeit Justus von Liebigs wie als geschichtliche Dokumente der deutschen chemischen Wissenschaft überhaupt. Wenn wir in diesem Zu­sammenhänge einiges herausgreifen wollen, so mag etwa auf die gewiß auch Den Laien fesselnde Sammlung von Bildnissen der Schüler Liebigs hin- gewiesen werden, die in diesem Raume, im später entstandenen Neubau ober noch später in München mit ihm zusammen gearbeitet haben; zu ihnen ge­hören Heinrich Will, Liebigs Nachfolger auf Dem Gießener chemischen Lehrstuhl, A. W. von Hof­mann, Liebigs Assistent und späterer Leiter der Annalen", ferner Fresenius, Kekule, Kopp, Fehling und C l e m m.

Das sog. Wägezimmer war in Liebigs ersten Gießener Jahren nicht einmal heizbar; wer sich im Winter darin aufhielt, fror erbärmlich. Der heutige Besucher kann sich, zumal gegenwärtig, einen Begriff davon machen, unter wie unwürdigen und ungesun­den Verhältnissen hier einmal hatte gearbeitet wer­den müsfen. Das Zimmer des Famulus beherbergt eine bemerkenswerte Sammlung von Erinnerungen an Liebig, besonders aus Gießen und Darmstadt. Interessant ist auch ein Besuch von Liebigs Privat­wohnung im ersten Stock und seines Privatlabora- toriums, in dem Professor Sommer eine ganze Reihe der alten Einrichtungen erneuern konnte. In Liebigs Arbeitszimmer findet man eine umfassende Sammlung von Bildnifsen Liebigs aus Den ver­schiedenen Lebensaltern, auch vortreffliche Porträt- Plastiken und ein reiches Material zur Familien­geschichte Liebigs, die Stammbäume feiner Fa­milie, feine Ahnentafel, seine Totenmaske. Professor Sommer, der stets mit besonderer Vorliebe auch familiengeschichtlichen Fragen nachging, hat seiner­zeit darauf hingewiefen, ein wie reiches, für den Familienforscher wie Den Physiognoyüker gleicher­maßen anziehendes und ergiebiges Material hier vereinigt werden konnte.

40 Jahre Bahnhof Kirchgöns.

Am kommenden Dienstag, 15. Dezember 1942, kann die Gemeinde K i r ch g ö n s auf das 40jährige Bestehen ihres Bahnhofs zurückblicken. In Erfül- hing zahlreicher Wünsche der Gemeinde Kirchgöns, die von dem damaligen Hessischen Landtag unter­stützt wurde, hatte die Eisenbahnoerwaltung die Er­richtung des Bahnhofs Kirchgöns genehmigt. Der am 15. Dezember 1902 in Betrieb genommen wurde. Einer der Eisenbahner, Die damals zuerst auf dem Bahnhof Kirchgöns Dienst taten, war Der feiner- Zeitige junge Beamtenanwärter Karl Luh, Der letzt als Reichsbahnoberinfpektor unb stellv. Vor­stand Des Bahnhofs Gießen i» unserem Gießener Bahnhof tätig ist.

Die Eröffnung des Bahnhofs Kirchgöns am 15. Dezember 1902 fand um die Mittagsstunde auf dem Gelände des neuen Bahnhofs statt. Zu der Feier waren Vertreter der Eisenbahndirektion Frank­furt a. M., der hessischen Regierung, der zuständigen Elsenbahnämter in Gießen, die Bevölkerung von Kirchgöns und zahlreiche Gäste sowie eine Musik­kapelle erschienen. Die Behördenvertreter hielten Ansprachen. Die Mädchen von Kirchgöns, die da­mals noch ihre schmucke Hüttenberger Tracht trugen, warteten mit Körben voll Brezeln, Flaschenwein usw» auf. Das Lokomotiv- und Zugperfonal der Züge, die in Der Feierstunde zum erstenmal auf Dem neuen Bahnhof hielten, mürben mit je einer Flasche Wein, die mit Bändern in Den Hüttenberger Trachten- farben geschmückt waren, und Brezeln erfreut. Nach Der Eröffnungsfeier auf dem BahnhofsgelänDe fand im GasthausZum Löwen" in Kirchgöns die Schluß- feier bei gutem Esten, Konzert und Tanz statt. Dis Kirchgonfer Bevölkerung hatte den Ort fefllich ge« schmückt und beging den Tag als Feier- und Ruhe­tag. Die Eröffnung dieses Bahnhofs bedeutete für Kirchgöns und die Nachbarorte Pohlgöns und Nie* ' derkleen einen hervoragenden Wendepunkt, denn eit jenem Tage stand ihnen für den regen täglichen Reiseverkehr Der nahegelegene Bahnhof Kirchgöns zur Verfügung, unD Damit kam Der erheblich weitere Weg zum unb vom Bahnhof Lang-Göns in Fortfall» Die Kirchgönfer Bevölkerung wirb sich am kommen­den Dienstag bantbar jener Männer erinnern, bereit Wirken Die Schaffung Des Bahnhofs Kirchgöns zu Derbanfen ist. z

Landkreis Gießen.

(D Treis a. D. ß b a 11. Dez. Im Auftrage Der Deutschen Arbeitsfront sprach in der Wirtschaft von Will Studienrat Mager aus Friedberg über Volkskunst und Laienfchaffen". Der Redner schil­lerte die Entstehung und den Wert der Volkskunst oroie den Verfall, Der etwa um Die Wenbe Des vorigen JahrhunDerts einsetzte. AnknüpsenD an Das Brauchtum, welches sich größtenteils im Volksleben roch erhalten habe, zeigte er an zahlreichen Bei- pielen, wie Die Volkskunst unD das 23erftänDnis da- ür durch Laienarbeiten wieder geweckt werben 'onnen.

Kreis Alsfeld.

* Homberg (Ohm), 12. Dez. Der hiesige Lehrer unb Organist Lubwig Allenborfer kann am 15. Dezember in bester körperlicher unb geistiger Frische sein 7 0. Lebensjahr vollenben. Der Ju­bilar, ber im Jahre 1937 in ben Ruhestand getreten war, hat sich im August 1939 roieber für ben Schul­dienst zur Verfügung gestellt unb versieht neben ber Schule noch eine Anzahl Ehrenämter, in denen er zum Besten unserer Volksgemeinschaft wirkt. Dem Jubilar wirb weit über unsere Stabt hinaus groß- Wertschätzung entgegengebracht. Auch wir bringe* ihm unsere herzlichen Glückwünsche da»

Laien bleibt In ben Wirkungsbereich ber letzteren werben nunmehr auch sämlliche musikalischen Ein­heiten ber Hitler-Jugenb einbezogen, was eine er­hebliche Erweiterung bebeutet.

Oie Lebensmittelkarten für Kinder.

Vielfach bestehen im Publikum unb auch bei ein­zelnen Dienststellen noch Zweifel barüber, wann Kinber, die während einer Zuteilungsperiode die nächste Altersgruppe erreichen, die Lebensmittel­karten Der nächsthöheren Gruppe bekommen dürfen. Es fei Deshalb an einen Erlaß Des Reichsministers für Ernährung unb Lanbwirtfchaft erinnert, ber biefe Frage einbeutig unb rechtsverbinblich geklärt hat. In biefem heute noch gültigen Erlaß vom 15. Januar 1940 (IIC1 200) heißt es:Kinder, bie während einer Zuteilungsperiode ein Lebens­alter erreichen, durch das sie in eine andere Gruppe von Dersorgungsberechtigten gelangen, sind für die ganze Zuteilungsperiode die für das höhere Lebens­alter zustehenden Lebensmittelkarten auszuhänbigen; Kinber, die das höhere Lebensalter bis zum Ablauf der Zuteilungsperiode erreichen, erhallen also be­reits mit deren Beginn die Karten der nächsthöheren Altersgruppe."

Ehestandsdarlehen für Witwen und Verlobte von Gefallenen.

Die Finanzämter sind ermächttgt, den Witwen unb Verlobten von Gefallenen ober bei befonberem Einsatz Verstorbenen auch nach bem Tod des Ehe­manns ober bes Verlobten noch Ehestanbsbarlehen zu gewähren, wenn der Antrag vor dem Tode ge­stellt war, wenn ferner ein Kind vorhanden ist ober erwartet wirb unb eine eigene Wohnung ein­gerichtet werben soll. Der Reichsfinanzminister hat bie Finanzämter jetzt darüber hinaus ermächttgt, Ehestandsdarlehen unter den genannten Voraus­setzungen -auch bann zu gewähren, wenn Der An­trag erst nach Dem Tobe bes Ehemanns ober Ver­lobten gestellt wirb. Die allgemeinen (Ermächtigun­gen für Die Darlehensgewährung nach Der Ehe­schließung gellen auch für bie Anträge von Witwen. Lei Verlobten mit einem Kind tritt für drs Dar-

Es sei in biefem Zusammenhänge auch auf bie Bücherei des Museums hingewiesen, in ber -bie Orrginalschriften Liebigs samt den verschiedenen Ausgaben der einzelnen Werke nahezu vollzählig vorhanden sind; ferner auf Den alten Hörsaal mit ben Originalmöbeln aus Liebigs Zeit und Liebigs Büste von W a g m ü 11 e r, endlich auf die sehr reich­haltige, mit vieler Mühe zusammengettagene Sammlung von Briefen Liebigs, Die ein höchst interessantes und aufschlußreiches Material zur schichte Der chemischen Wissenschaft enthalten, große Sammlung der Driginatbriefe konnte zum Teil geordnet und gesichtet werden. Man bet hier z. B. Die Sammlung aus Dem Besitz Medizinalrat Thiersch, Die Briese Liebigs seine Frau enthält; Den Briefwechsel mit Medizinal- rat Dr. Trapp aus Homburg, ber sich aus ber Analyse Des Homburger Elisabethenbrunnens ergab; Briefe an Schmiedlin über die Silberspiegel- herstellung, an Dr. von Schneider in Peters-

tober 1892, Anton Petti und Louis Petri II., gestorben 18. Januar 1919. Letzterer war lange Zeit Mitglied der Gießener Stadtverordnetenversamm­lung und starb mit dem TitelGewerberat" als Vorsitzender ber Berufsgenossenschaft. Damals waren also wohl bie meisten tzießener Weißbinder- geschäste im Besitz von Angehörigen Der Sippe Petri.

** Die neuen Raucherkarten weiden in Gießen vom fommenDen Montag ab ausgegeben.

** Di e Tabak-Kontrollabschnitte, Die bis zum 30. November beim Verkauf eingenommen würben, sind in biefen Tagen abzuliefern, wie ans ber heutigen Bekanntmachung bes Wirtschaftsamtes Der Stabt Gießen hervorgeht.

** Hunbe bei Verdunkelung nicht Herumlaufen lassen. Hunbe bürfen mit Be­ginn ber Derbunkelung nicht mehr frei umherlaufen, weil sie bie Passanten, bie ohnehin in ber Dunkel­heit stark aufzupassen haben, behinbem. Hunde, Die währenD Der Verdunkelung frei umherlaufen, wer­den von Den AuffichtsbehörDen getötet

** KleingärtnervereinL ahnta l" e. V. G i e ß e n. ImBurghof" ffanb bei sehr reger Be­teiligung die Novemver-Monatsverfammlung statt. Nach der Begrüßung Durch Den Vereinsführer Horst sprach DberftaDtgärtner Lange zu Den nachfolgenben Filmstreifen:Einlagerung von Obst unb Gemüse",Gemüseverwertung" unbObstver­wertung". Das Ergebnis feiner Ausführungen war: nur richtige Lagerung unb Verwertung von Obst unb Gemüse hilft uns über bie Zeit von März bis Mai hinweg, wo ihr Fehlen bie bekannten Vitamin­mangelerscheinungen heroorruft. Aussaat, Pflanz­zeit, richtige Sortenwahl, Behanblung im Winter unb noch vieles anbere waren weitere Gegenstänbe seines Vortrages, bie anschließenb überzeugenb be* legt würben burch Die von Gartengestalter Schwarz vorgeführten unb Herrn Lange erläu­terten Bilber. Dereinsführer Horst bankte ben Herren Schwarz unb Lange. Abschließend sprach noch Vereinsführer North vom Kleingärtnerver- em Post über bas Thema bes Abenbs. Die De- zemberversammlung fand ebenfalls imBurghof" ftatt. Dabei wurden bie FilmeBobenbearbeitung und Düngung",Kleingärtners Geräte" undAngo- rakaninchen" gezeigt. Zu den beiben ersten sprach mieber Herr Lange, währenb Herr Dörr bie Erklärungen zum Dritten Film gab. Nach Bespre­chung einiger Vereinsgngelegenheiten schloß Der- emsfuhrer Horst bie Versammlung in üblicher Weise.

Amtsgericht Gießen.

Wegen Diebstahls hatte sich gestern die H. <5. aus Altenburg zu verantworten. Die Angeklagte hatte bei ihrem Arbeitgeber eine goldene Kette mit An­hänger, eine Nagelschere, eine Schürze und einen Regenschirm gestohlen. Das Gericht verurteilte sie -zu 6 Monaten Gefängnis. Sttaserschwerend wirkten eine einschlägige Vorstrafe, das hartnäckige Leugnen und ber grobe Vertrauensbruch, ben sich bie Diebin hatte zuschulben kommen lassen. In ber urfeilsbegrünbung würbe betont, baß bie Vorstrafe keinerlei Eindruck auf die Angeklagte aemacht habe, weshalb jetzt auf eine empfindliche Freiheitsstrafe habe erkannt werden müssen.

** Silberire Hochzeit. Reichsbahnsekretär Wilhelm Fink unb Frau Katharina, geb. Heller, Asterweg 72 wohnhaft, können am 15. Dezember bas Fest ber silbernen Hochzeit begehen. Dem Jubelpaar g'lt auch unser herzlicher Glückwunsch.

** 70 Jahre alt. Am morgigen Sonntag, 13. Dezember, kann ber Rentner Karl Strack, Schiffenberger Weg 36 wohnhaft, in körperlicher unb geistiger Rüstigkeit feinen 70. Geburtstag be­gehen. Dem Jubilar herzliche Glückwünsche.

** Noch brei W e i ß b i n b e r g e s ch ä f t e Petri. Zu unserem Aufsatz ,^)anbwerks-Trabi- tion in Gießener Familien" imGießener Anzeiger" Nr. 287 vom 5./6. Dezember 1942 wird uns von Sanitätsrat Dr. Retter in Dillenburg, Der zu ber Sippe ber Petri gehört, ergänzenb mitgeteill, baß Enbe des vorigen Jahrhunderts außer den in unse­rem Aufsatz angegebenen Pettis noch drei Weiß- binbergefchäfte in Gießen bestauben haben, bie auf ben Stammvater Hans Petti aus Dänemark zurück- ginflen, nämlich Christian Petti IIL. gestorben L Ofr

Die Justus-Liebig-Feier, welche die ßubroigs-Unioerfität Gießen am heutigen Tage veranstaltet, lenkt ben Blick mieber ein­mal auf einen ber größten beutschen Gelehr­ten, ber viele Jahre hinburch eine Zierde nu­ferer alma mater gewesen ist, unb auf bie Stätte feines Wirkens, das heutige ßie- big-Museum, seine wechselvolle Ge­schichte unb seine reichen Schätze.

Wer mit bem Namen ßiebigs etwa nut Die Vor­stellung seines Denkmals in Der Anlage, bie (Er­innerung an bie Erfiubung bes Fleischexttaktes unb womöglich an bie bunten ßiebig-Bilber verbindet, bie er in feinen Kindertagen gesammelt hat, wirb, wenn er bie ehrwürdigen Räume bes Museums durchwaubert, auch als ßaie einen Begriff bavon betommen, was die Gießener Universität und dar­über hinaus bie gefamfe Wissenschaft bem Wirken Des genialen Gelehrten zu verdanken hat, der im Zahre 1824, im Alter von erst 21 Jahren, als Professor der Chemie seine Tätigkeit in Gießen be­gann. Man wirb sich auch, wenn man die Räume oon ßiebigs Gießener Forschungs- und ßehrtätig- leit durchwandert, mit Dankbarkeit bes verstorbenen Geheimrats Professor Dr. Robert Sommer er­innern; seinem unermüdlichen Bemühen ist es zu verdanken, daß die Räume, in denen ßiebig einst gearbeitet hat, heute wirklich zu den Denk- und Sehenswürdigkeiten unserer Stabt gehören.

Das Gießener ßiebig-Museum ist recht eigentlich Robert Sommers Werk, unb es ist immerhin be- merkenswert, baß biefes Werk ber Initiative eines Mannes entsprang, Der als Mebiziner bem engeren Fachgebiet von ßiebigs Wissenschaft zwar nahestanb, aber nicht angehörte. Seit ber Johrhunbertwenbe bat Sommer unablässig unb unverbrossen um feine ßiebtingsibee gekämpft: Die alte Arbeitsstätte ßie­bigs wieDerherzustellen und ber Nachwelt zu er­hallen. Es hätte damals nichf viel gefehlt, Daß Die ehemalige Kafernenhauptwache, in ber ßiebigs Ar­beitsstätte zunächst installiert wurde, ber Spitzhacke Uim Opfer gefallen märe. Im Anschluß an einen Dorttag im Oberhefsischen Geschichtsoerein, ben er itn Winter 1910/11 hielt, gelang es Sommer enblich, einen Arbeitsausschuß zur Erhaltung bes ßiebig» Laboratoriums ins Leben zu rufen, besten alsbalb aufgenommene Werbetätigkeit eine nicht unbeträcht­liche Summe freiwilliger Spenden aus Kreisen Der Jnbustrie und der Wissenschaft erbrachte. Aus dem Ausschuß entftanb Dann im Jahre 1911 die G e - sellschaft Liebig-Museum, welche die Ausgestallung Des ßiebig-ßaboratoriums zu einem Liebig-Museum tatkräftig in Angriff nahm; auch hier hat Geheimrat Sommer bis zu feinem Lebensende eine unermüdliche und von reichen Er­folgen gekrönte Tätigkeit im Dienste der Wissen­schaft, Der Universität unb Der Stabt Gießen ent­faltet.

Bevor man freilich an den Auf- und Ausbau bes Museums gehen konnte, war es notwendig gewesen. Das Gebäude selbst vor bem drohenben Verfall zu bewahren. Es mußten grünbliche Ausbesferungen am Dach, am Mauerwerk unb an ben Zimmerbecken vorgenommen werden. Daran schloß sich Die Wieber- herstellung ber chemischen Herbe, zunächst bes ältesten in Dem ursprünglichen Liebigschen Labora­torium in der alten Hauptwache, hierbei traten", so schreibt Prof. Sommer selbst,Die Beziehun­gen dieser ersten Anlage zu ben einfachsten Por- bilbern aus früherer Zeit hervor, ferner bie gerabe- zu erstaunliche Weiterentwickluna, bie sich in ber Bauart ber Herbe.vom ältesten Laboratorium über bas dahinter tiegenbe Privatlaboratorjum Liebigs bis zu ben weltberühmten Herben des 1842 gebauten analytischen Laboratoriums zeigt." Interessant ist auch, wie Sommer die Wände der alten Räumlich­keiten mit ber mebizinischen Perkussionsmethode un­tersucht, b. h. also mit bem Hammer abgeklopft, ab­gehorcht unb babei erstaunliche Ergebnisse erzielt hat: auf diese Weste würben näiylich an verscho­benen Stellen Hohlräume ernvttelt, in benen sich aus ber Geschichte ber Chemie bekannte Dinge wie ber alte Liebigsche Kaliumofen befanden. Die Re- konsttuktion der alten Herdanlagen, bie vom Stanb- punkt ber Chemiegeschichte naturgemäß zu ben wesentlichsten Bestanbteilen. bes Museums gehören, nahm Prof. Sommer unter Benutzung aller irgendwie erreichbaren Quellen mit Dem Gießener Architekten Hans Burg vor.