Oelfrage, die er nicht mehr kontrollieren kann: „Wenn meine pessimistischen Voraussetzungen eintreffen, werden die Achsenmächte .bie Herren der Welt mit Ausnahme vielleicht des Oels des amerikanischen Festlandes."
Das Papier, auf dem alle diese Äußerungen gedruckt wurden, war noch nicht gong trocken geworden, als die furchtbaren Schläge fielen: Ämder- meldung aus dem Führerhauptquartier: Krasnodar — das' alte Jekaterinburg —, die Hauptstätte der sowjetischen Rüstungsproduktion im Kaukasusgebiet, genommen, kurz darauf: Maikop, das Zentrum des bedeutenden Oelgebietes am Kaukasus, erstürmt! Also ist Stalins Befehl: „Keinen Schritt weiter zurück, da jeder weitere Rückzug die Sowjets wichtig- tigster Gebiete beraube und „gleichbedeutend mit Untergang" sei, vergeblich gewesen. Die gepanzerte Faust unserer Stürmer, der Stukas, die alle Ab- wchrvorbereitungen der Sowjets zerschlugen, ist stärker gewesen als die Anordnung Stalins, die bolschewistischen Heeresmassen vor den Maschinengewehren von Einpeitschdivisionen in die Schlacht zu jagen oder diese Massen zu morden. Im schattenlosen tropischen Sonnenbrand, unter ungeheuren Mühen, die eine neue Heldenepopöe bilden, sind unsere Truppen marschiert und marschiert, sie haben im Sturm auf Krasnodar und Maikop in dreizehn Tagen allein 280 Kilometer zurückgelegt, die Ver- teWgungsstellungen der Sowjets über den Haufen gerannt, wissend, daß der zusammengeballten An- griffsgewolt und der Genialität der deutschen Führung niemand zu. wiederstehen vermag. „Dies illa“ für unsere Feinde, die diesen Krieg herbeisehnten und nun verzagen!
Und dazu der Schlag bei den Salomon-Inseln! Seit Wochen hatten die Pankees und Briten von einer großen Offensive im Pazifik gefaselt, die die Japaner aus ihrer Umklammerung Australiens, aus
Burma und Singapur, aus Hongkong und aus den Philippinen werfen sollte. Als die ersten nichtssagenden amerikanischen Berichte über eine Offen- siobewegung der amerikanisch-englischen Flotte bekannt wurden, wiegte man sich in Siegesträumen, bis — das bittere Ende kam. Unsere Verbündeten in Ostasien haben über diese Seeschlacht Berichte veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß sie geradezu eine Katastrophe für den Rest der amerikanisch- englischen Seegeltung im australischen Seegebiet bedeutet. Japans Kriegsschiffe und Seeslugzeuge haben über 100 000 Tonnen feindlicher Kriegsschiffe versenkt, dazu zehn Truppentransporter. Jlnb noch ist die Seeschlacht nicht zu Ende. Sie wird von den Japanern als die größte seit Pearl Harbour bezeichnet und dürfte den Phantasien Roosevelts und Churchills ein Ende mit Schrecken bereiten. Die USA.- Marineleituna hüllt sich noch in betroffenes Stillschweigen, aber der Sonderbevichterstattor eines Londoner Büros im Hauptquartier des Reklame- aenerals Mac Arthur berichtet bereits, die USA.- Berluste seien sehr hoch, und im übrigen hätten sich die verschiedenen Einheiten der Roosevelt-Flotte ,-in dichte künstliche Nebelwolken gehüllt". Wer um die Technik des Wortemochens der englischen Nachrichtenagenturen weiß, erkennt, was das zu bedeuten hat. Die Japaner sind ober bereits in der Lage, genaue Einzelheiten über ihren Sieg zu berichten, die Freude darüber, daß es ihren Streitkräften gelungen ist, endlich wieder die feindliche Flotte zu stellen und zu vernichten, spricht aus jedem Wort.
Fürwahr, Tage, „die die Well zur Asche wandeln", sind hereingebrochen über die Clique, die diesen Krieg entfesselte und die nunmehr von diesem Krieg so geschüttelt wird, daß ihr Hören und Sehen vergeht. E. S.
Zusammenhang der Fronten.
Bon unserem Py.-Korrespondenten.
Rom, August 1942.
„Wenn einmal die Geschichte dieses Krieges vom strategischen Gesichtspunkt aus geschrieben wird", so äußerte dieser Tage eine hohe militärische Persönlichkeit in Rom, „so werden diese Abhandlungen, von welcher Seite immer sie auch kommen mögen, an einem Grundfehler der englischen Kriegführung nicht vorübergehen können: an der Verkennung der gegenseitigen Bedingtheit der Fronten." Diese Auffassung vertritt man in Italien nicht zum erstenmal. Als unter dem Ansturm der Japaner der große Zusammenbruch im südlichen Pazifik begann, hat man in Rom mit Recht daraus hin gewiesen, daß diese Erfolge Japans ohne die Kämpfe in Afrika nicht möglich gewesen wären.
Don englischer Seite ist diese Auffassung damals in vollem Umfange bestätigt worden. Langsam sickerte etwas durch über die bitteren Auseina7Ü>er- setzungen im britischen Generalstab kn Kairo, und zwischen Australien und dem Mutterland über die von beiden Seiten für falsch erklärte Politik des Einsatzes der Machtmittel. Alle Teile mußten sich schließlich mit Churchills resigniertem Wort zufrieden geben, daß man eben nicht überall stark sein könne.
Der Fehler, so sagt man in Rom, lag schon damals anderswo und wiederholt sich auch heute: Man sieht weder in London noch m Washington die Zusammenhänge der Fronten und ihre Abhängigkeit untereinander. Man sieht jede Front als Ding an sich. Hinterher stellt man bann mit Verblüffung fest, daß ein Rückschlag an einer Front, der dort zwar ärgerlich, aber nicht von um- stürzender Bedeutung schien, plötzlich das volle Ausmaß seiner Größe erst durch die Rückwirkungen erhält, die er auf eine andere Front ausübt.
Ein Beispiel ist El Alamein. Zunächst hat man in London mit angehaltenem Atem die Lawine der Achsenoffensive nach Osten rollen sehen. Als sie bei El Alamein zum Stehen kam, traute man sich zunächst nur, wieder Luft zu holen. Als dann aber unter Einsatz aller verfügbaren Mittel Auchinlecks die Pause anhielt, begann man wie hypnotisiert auf diese Front zu starren, und bald begannen die ersten Andeutungen:' Auchinleck dürfe den Rückzug nicht auf sich sitzen lassen, er müsse zuschlagen. Die Klagelieder aus Moskau und Tschungking begann man mit heftigen Worten abzuschneiden: auf dem zentralen Kriegsschauplatz in Afrika würden sich bald
große Dinge ereignen. Die" Sowjetrussen wollten eine zweite Front? Aber hier sei sie doch!
Inzwischen rollte und schwamm nach Aegypten, was man in Bewegung fe^en konnte: Die 9. Armee, große Teile der 10., Material von Südafrika über Suez, Lebensmittel aus Syrien, Palästina und dem hungernden Aegypten. Auchinlecks Offensivversuche in Aegnpten begannen, einer am 9., der andere am 23. Juli. Der Erfolg „entsprach nicht den Erwartungen", wie sich die englische Presse zurückhaltend ausdrückte. Die Front der Achsentruppen stand bei El Alamein unerschütterlich, eine Front von Truppen, die eben erst eine tolle Jagd über Hunderte von Kilometern hinter sich hatten, deren Bestand an Panzern nach den englischen Meldungen längst bis aus das letzte Stück hätte aufgebrauchttsein muffen, die offenbar nur noch von der Luft lebten und ihre Kraftfahrzeuge und Flugzeuge mit Befehlen statt mit Benzin zum Laufen brachten.
In dieser Lage wurde man sich in englischen Mili-, tärkreisen des Zusammenhanges zwischen den Kämpfen in Afrika und der deutschen Offensive in Rußland bewußt. Die Engländer spürten plötzlich ein unangenehmes Gefühl der Leere im Rücken! Nach dem Abzug von Truppen aus den Ländern des Vorderen Orients erhob sich die ernste Frage, was man gegen einen EinbrUch von Norden her einzusetzen habe. Gleichzeitig begannen wieder die unangenehmen Mahnungen aus Washington und Moskau, einen Teil der in England stehenden Millionenarmee entweder nach Afrika zu entfenhen oder für die Errichtung einer zweiten Front einzusetzen. In London wurde, hiergegen geltend gemacht, daß die Heimattnsel 'nicht von Streitkräften entblößt werden dürfe, weil die Gefahr einer Jn- vision nicht aufgehört habe. Immer noch sei England selbst die wichtigste Front. Wieder sah man die Teilfront, die noch nicht einmal zur Front geworden war, und vergaß die Zusammenhänge: Ohne den/ Kaukasus fein Oel, kein>Benzin für die Sowjetfront, aber ernste Gefahren für den arabischen Raum: ohne El Alamein kein Alexandria, kein Suezkanal und wieder ernste Gefahren für den arabischen Raum, für alles, was England noch im Mittelmeer zu halten vermocht hatte.
Und was bedeutet der Verlust des Suezkanals und der Landbrücke nach Asien und der Sowjetunion für Indien, für Autralien? Was würde das Freiwerden großer deutscher Kräfte von der Ostfront für England selbst bedeuten? Man kann sich vorstellen, daß es für die Verantwortlichen in der
Weizenernte.
Von Gerhart Pohl.
Im verwaschenen Blau des Himmels hängt die Sonne über der endlosen Weite der Niederung. Der mächttge Strom ist zu einem Flüßchen geschrumpft, dessen Spiegel Sandbänke zerfurchen. Altweibersommer läßt schon leine weißen Wimpel flattern. Die Schwalben gleiten durch die staub- satte Luft und durch die schwärmenden Heere der Mücken. Reglos stehn die Windmühlen im Gelände und die beladenen Apfelbäume längs der Straße.
Drüben auf/dem großen Acker des schlesischen Dominiums hat schon die Heimfuhr des Weizens begonnen. Noch stehn die Garben aufgemandelt in endlosen sauber gegliederten Reihen wie die Gewehrpyramiden eines rastenden Heeres. Nur eine winzige Lücke ist in das riesige Schachbrett gerissen: der erste Erntewagen hat seinen Weg begonnen. Noch stampfen die mächtigen gewölbten Rappen, deren Felle wie Ebenholz glän»?n, aus der übermütigen Kraft des Morgens mit den Husen. Das junge Mädchen, das ihre Seinen führt, hat eine Blume zwischen den Zähnen, die schneeweiß im gebräunten Gesicht glitzerf. Und schneeweiß sind Kopftuch und Bluse. Der verschlissene Rock ist hochgebunden und wulstet sich über dem Leib. Die nackten braunen Füße stecken in abgerissenen Schuhen.
Jetzt spuckt ein vierschrötiger Soldat auf Urlaub, der heben dem Wagen steht, in die Hände und faßt die Reichgabel fester. „Los geht's, Vater Hahn!" ruft er vergnügt. „Sprüche!" brummt aus verfilztem Graubart der Alte auf dem Wagen. In sich versunken hat er über die weiten Felder geschaut. Hinter dem Horizont da liegen neue Felder — hat er gedacht — überall Ernte, und diese hier ist meine vierzigste! Wieviel Wagen mag er beladen haben in diesen vierzig Jahren? Zur Erntezeit hat er stets' nur Wagen beladen, niemals gegabelt, niemals weitergerückt. Ihn umgibt der Mythos des großen Künstlers, der Erntewagen in fehlerlosem Gleichgewicht beladen kann.
Jetzt packt der Alte die erste Garbe und legt sie zwischen die Leitern längs der beiden Bretter, die
Aehven nach außen. Die nächste fliegt ihm zu: er stößelt sie sauber ein. In diesem Augenblick hebt der Soldat die nächste, und wenn er die letzte einer Mandel aufnimmt, schlenkert das Mädchen die Seinen. Ihr „Hüyo" ist der erste Saut seit langem. Dann tönt das Klinkern der Deichselketten, das Schnaufen der Pferde, das Knarren des Wagens. Die Sprache der Menschen ist verklungen: die Sonne sengt, die Arbeit fordert alle Kraft
Allmählich türmt sich das Strohgebirge mit glatten Wänden, die weit über die Settern des Wagens hängen. „Noch zwei!" ruft der Alte von seinem heißen Berg herunter. Dann geht er knickebeinig, rechts und links das Gleichgewicht der La- dung prüfend, zum Ende des Wagens. Der Soldat hat 'irie Gabel auf halber Höhe in die Garben gestoßen. Der Alte tritt darauf wie auf die Sprosse einer Setter. Dann gleitet er auf die Erde herunter. „Mach, mach!" ruft er dem Soldaten zu, der einen Schluck aus feinem blauen Kaffeekännchen nimmt. „Wir müssen's Wetter nutzen!" Der nimmt die Seinen aus den Hände des Mädchens und die Pettsche von der Wagenrunge. Unter' seinem festen Griff straffen sich die Rappen. Sanft fächelt die Peitsche über die breiten Rücken der Pferde. Die Rappen springen an und taumeln zurück: ein kurzer Hieb, ein neuer Sprung: Geschirre und Achsen quietschen: die Räder heben sich langsam aus dem dornigen Erdreich: der getürmte Erntewagen schwankt über den Stoppelacker dem Wege zu. Unterdessen hat sich das Mädchen in den Schatten der nahen Windmühle gleiten lassen. Ihre Hände spielen über das ©ras; über ihre Sippen summen die Töne eines Sommerliedes. Der Alte steht an die einsame Pappel des Rains gelehnt, die Gabel hat er in einen Ast gehängt Den Hut zurückgeschoben, die Hände locker über dem Bauch,' so schaut er sinnend dem Erntewagen nach, der seine Masse durch die Säulen zweier Apfelbäume zwängt und bann auf der Landstraße Schritt für Schritt dem Dorfe zuschwankt.
Da geht am anderen Ende eine Staubwolke auf. Aus ihrem grauen Dunst traben zwei Falbe. Ein hemdärmeliger Bursche steht breitbeinig, die Peitsche schwingend, auf dem Gefährt. Der Alte nimmt die Gabel, das Mädchen springt aus dem Schattenkegel. Schon biegt der Wechselwagen m den Feldweg ein.
britischen Kriegführung fast wie eine Erlösung wirkt, wenn die akuten Ereignisse an irgendeiner Front ihnen eine Ausrede liefern, sich mit ihren Gedanken auf diese Front zu konzentrieren. Am verlockendsten für dieses Verfahren ist unstreitig die Atlantik- front, bei der es am einfachsten ist, die Verluste mit dem Hinweis darauf zu verschleiern, man dürfe dem Feind keine Hinweise geben.
Eine andere Versuchung ist die Unter- schätzung des Gegners, vor allem die Italiens. Man war in Italien darauf gefaßt, daß England als den für sich entscheidenden Kriegsschauplatz bas Mittelmeer wählen würde., England hat sich andere Kriegsschauplätze aufzwingen lassen, hat sie zum Teil selber gesucht — in Nor
wegen, in Belgien, in Frankreich, im Nahön und Fernen Osten. Inzwischen hat es auf dem Kriegsschauplatz, der ihm der wesentlichste hätte fein müssen, Schritt für Schritt Raum, Menschen und Material verloren, einen Verlust nach dem anderen bei der Mittelmeerflotte hingenommen, Griechenland und Jugoslawien nutzlos geopfert.
Man kann auch ein großes Bild so betrachten, daß man immer nur die Teile sieht und das Ganze nur auf den Teil bezieht, den man gerade im Auge hat. Vor diesem Fehler weiß man sich in Rom sicher und betrachtet mit dem Auge des wifsenschafllichen Experimentators, wie die Dinge verlaufen, wenn ein anderer diesen Fehler macht.
Weitere Ausdehnung der Unruhen in Indien.
Mit Bleiknüppel und Feuerwaffen gegen das indische Freiheitsstreben.—Einsatz von Truppen zur Verschärfung der Unterdrückungsmaßnahmen.
Stockholm, 11.Aug. (DNB. Funkspruch.) Die am Dienstag früh aus englischer und amerikanischer Quelle vorliegenden Nachrichten aus Indien müssen eine weitere Ausbreit ung der Unruhen sowie das Aufflackern von Streikbewegungen zugeben, ferner den Einsatz von Truppen an einigen Stellen, wo der Polizeiknüppel nicht ausreicht, um die über die Verhaftung ihrer Führer erregten Volksmassen niederzuhalten. Angesichts der Tatsache, daß alle diese Berichte einer strengen Zensur unterliegen, muß auf eine w >eitere Zuspitzung der Sage durch die brutalen Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber jeder freiheitlichen Regung der Inder geschlossen werden. Für Bombay allein wurde die Zahl der Todesopfer bis Montag abend mit 19, die Zahl der Verwundeten mit 200 angegeben. Im einzelnen be- sagey die Berichte:
Saut Reuter meldet ein amtlicher Bericht der Provinzregierung in Bombay, daß Polizei und Militär bis 16 Uhr auf die in der Stadt „reooltrerenben" Menschenmassen das Feuer etwa zehnmal eröffnen mußten. Am schlimmsten betroffen seien die Gebiete von Du- g o n g unb ,2) ab a r. In diesen beiden Stabtoier- teln sowie in anderen Gebieten habe es zahlreiche Fälle von Gewalttaten gegeben. Bei den Unruhen am Sonntag seien im Stadtgebiet acht Tote und 169 Verwundete zu verzeichnen gewesen, unter letzteren 27 Polizisten.
Eine Reutermeldung aus Bombay besagt, daß die Unruhen im' nördlichen Stadtviertel am späten .Abend des Montag ernster wurden. An diesem Tag seien nahezu 60 Personen in Hospitäler eingeliefert worden, bauoM die meisten mit Schußwunden. Die Zahl der Toten habe sich auf'15 erhöht. Immer wieder habe die. Menge versucht, die Straßen und Gassen durch Ziegelsteine und Schutt zu blockieren. In der Textilindustrie und in anderen Industrien machten sich „gewisse Betriebsstörungen" bemerkbar. In Dadar habe die'Menge eine Tankstelle in Brand gesetzt. Durch studentische Demonstrationen sei der Vorortverkehr der indischen Zentraleisenbahn von Bombay nach Baroda lahmge- leat worden. Ein starker Verband britischer Truppen habe das Gebiet von Chau- pathie säubern müssen, wo Studenten Kundgebungen veranstalten wollten. Die Arbeitseinstellung habe am Montagnachmittag an Häufigkeit zu- genommen.
Der Sender Delhi berichtet, daß der Belagern n g s z u st a n d i m B o m b a y a uf weitere Gebiete ausgedehnt worden sei.
Ein Bericht des englischen Nachrichtendienstes besagt, daß die Hauptstörungen in Bombay unb Ahm ad ab ad zu verzeichnen seien. Truppen hätten an verschiedenen Stellen eingesetzt werden müssen. In einigen Stadtteilen sei der Verkehr unterbrochen. Bei dem Sturm der Menge auf die D ab ar - Ei s enbahnstatiön seien über 150 Personen verhaftet worden. 10 Verwundete hätten ins Hospital gebracht werden müssen. Die Polizei habe dabei 45 Verwundete gehabt, von denen inzwischen zwei peftorben seien. In Lucknow habe die Polizei gleichfalls auf Studenten schießen müssen, die versuchten, einen Umzug zu veranstalten. 13 Studenten seien in Hast genommen worden.
Eine weitere Meldung des Londoner Nachrichtendienstes meldet aus Poona, daß die Polizei auf eine Men sch en an s ammlun g feuerte, die sich in der Nähe von Gandhis Bungalow aufhielt. 14 Personen seien verwundet worden.
Ein Bericht des nordamerttanischen Nachrichten
dienstes stellt fest, daß die Menge in Bombay unb an anderen Orten immer wieder den Kugeln der Polizei getrotzt habe. In Bombay feien 19 Tote und mindestens 200 Verletzte zu verzeichnen. Dort seien überall reguläre Truppen zum Einsatz gekommen. In achtzehn Baumwollmühlen sei die Arbeit nieber gelegt worden. Auf sämtlichen Märkten habe der Handel eine Unterbrechung erlitten. Aus dem Tertilzentrum Ahmedabad werde gleichfalls über Streiks berichtet.
In einem weiteren amtlichen Bericht, der voll Reuter verbreitet wurde, heißt es, daß im Bom- bayer Stadtteil Baroda im Laufe des Montag- nachmittag Versuche unternommen wurden, Brände anzulegen. Auch fefen drei Po- lizeistationen in Brand gesteckt worden. Die Telephonleitungen wurden an vergebenen Stellen durchschnitten. Weiter wurden von der erregten Menge Straßenbahnwagen und Lastkraftwagen der Stadtverwaltung umgeworfen, aus den Gummireifen angehaltener Autobusse die Lust entfernt und Briefkästen heruntergerissen.
Aus einem^Bericht der Regierung der Vereinigten Provinzen ergibt sich, daß in Lucknow gleichfalls Militär e inges etzt werden mußte. Dort ist ein Streik a u5 geb roch en.
Laut Reuter wurde in Ahmedabad ein britisches Jnfanteriebataillon eingesetzt. Alle 23 er- b u n f e I u n g s b e ft i m fn u n'g e n seien dort für eine Woche aufgehoben worden, um die „Arbeit der Polizei zu erleichtern".
In Benares wurde laut, Reuter eine Studentenkundgebung von der Polizei mit Bleiknüppeln auseinandergetrieben. Es habe einige Verwundete gegeben.
Immer neue Verbote.
Stockholm, 11. Aug. <Europapreß.) Die Verbote und sonstigen Maßnahmen gegen die Kon- grehpartei in Indien nehmen ihren Fortgang. Nach den letzten Meldungen fhib allein in den Zentral- Provinzen 61 Komitees der Kongreßpartei verboten worden. In vielen Städten Indiens wurden die Büros der Partei untersucht. Das Gebällde des Landesausschusses des Allindischen Nationalkongresses in D e l h i wurde am Montag- morgen von britisch-indischer Polizei besetzt.
Die englischen Behörden fürchten, daß die Streikbewegung sich auf ganz Indien a u sdehnt. Mit den meisten Provinzen wurde der telegraphische und telephonische Verkehr unterbrochen. In allen Stadtteilen von Bombay sieht man zahlreiche Autobusse, die von ihren Fahrern verlassen wurden und teilweise ausgebrannt sind. Motorisierte Polizeistreifen durchfahren die Stadt, doch können sie nicht vermeiden, oaß sich immer neue Gruppen bilden, die öffentlich gegen ben, englisches Terror demonstrieren.
Zu den bemerkenswertesten Ereignissen des Montag gehört ein Versuch zahlreicher Inder, den P a« last des Vizek^jnigs in Neu-Delhi zu stürmen. Allerdings konnte nur ein Teil der erregten Menge bis zum Fuß des Hügels Vordringen, auf dem das Haus des Dizekönigs liegt. Sie wurden von einem starken Polizeiaufgebot gehindert, den Palast selbst zu erreichen.
In Kalkutta traten die Arbeiter einer Anzahl Jutespinnereien in den Strei k, während im Bezirk Dadar (Bombay) bereits 18 Fabriken stillgelegt sind. In Puna schoß die Polizei ebenfalls auf eine Menschenmenge, die zu einer Kundgebung versammelt war. Mehrere Personen wurden verletzt.
■■■! I Illi 1IW—BM—
In einer halben Stunde Mrd auch er beloben fein; eitt neuer Wechselwagen wird kommen unb' beloben werden. So wirb es den Tag hindurch gehen, viele Tage, bis der „Hungerrechen" die Felber abgekämmt hat und die letzte Nachreche ein- gefahren ist.
Kranz Graf Zedlwitz.
Gefallen am 22. Juni 1942.
Gros Zedtwitz ist gefallen!'Der dem heimlichen Blutstrom des Lebens in Moospplfter und Farnkraut nachspürte, der den Falken bescylich, ein kaum zur Welt gekommenes Rehkitz im dunklen Laubholz der heimatlichen Wälder belauschte, der Bahn des Wolfes folgte ober Freund Adebar, dell, Storch, auf feinem Fluge über bas blaue Mittelmeer und die heiligen Stätten Ägyptens begleitete, ist nicht mehr. Wie bie Wolken schatten am Himmel und die Wälder bei Sturmgebraus, wie die Gezeiten des Jahres ist er selbst nach uralten ehernen Gesetzen, die ein über Mensch, Tier unb Pflanze gleicherweise geheimnisvoll schwebendes Schicksal formt, über diese Erbe gewandert und von chr geschieden, ein stiller, aber mit sich und ben Problemen des Daseins leibenschaftlich ringender Kämpfer, ein Mann voll Kraft und Form, voll Echtheit und -innerer Wahrheit, ein sachlicher, aber stets nach der Musik wahrer Dichtung Ausschau Haltender und nach Schönheit Lechzender, eine prächtige Mischung von Jäger, Wissenschaftler und Künstler, wie man sie nur ganz selten in so idealer Zusammensetzung findet!
Als Sohn eines Offiziers der alten Donaumonarchie, zufällig in Wien, im Jahre 1906 geboren — er fühlte sich zeitlebens als Sitt»etenbeutfcher —, dachte er zuerst daran, Maler zu werden. Doch er studierte, Medizin, später Naturwissenschaften. Er promovierte, arbeitete auf der biologischen Station auf Helgoland und war Assistent am Berliner Zoo, bis er sich 1932 ganz der Schriftstellerei unb der Fotografie verschrieb. Seine Dierbücher sind lebens- echt und stark naturalistisch: nie gibt er den Tieren menschliche Gefühle, sondern er zeigt sie nur so, wie sie wirklich leben und den Kampf ums Dasein bestehen. Dennoch ist er ein Dichter, der den Chor der
mannigfachen Tierstimmen auf allen Kontinenten ebenso eindringlich beschwört wie die erhabene Stille der Sternstunden, die er auf abenteuerlichen Reisen überall in der weifen Wett in Feld und Wald, am Ozean und auf den einsamen Gipfeln der Bergrie- sen in sich aufnimmt.
Was er aber nicht mübe wurde zu suchen, was er studierte in Dorf unb Stadt, in allen Ländern, die er betrat, das war immer wieder der Mensch! Immer mehr lockerte er seine Bücher künstterisch auf, um zum größten Vorwurf, dem Menschen selbst, vorzudringen. Er hat diese Aufgabe mit eifernem Fleiß und prachtvoller Hingabe angepackt in den drei letzten Manuskripten, die er niederschrieb. Es tbaren durchweg Kämpf er naturen, die er .schilderte, Menschen mit starken Licht- und Schattenseiten^ niemals Durchschnittsmenschen. Sein letztes und vielleicht reifftes Werk aber war der Roman „Feld- m ü n st e r", in dem er Jugenberlebnisse in einem jesuitischen Internat verarbeitete. Ein oder mehrere Dramenentwürfe, unter ihnen wahrscheinlich auch fertige Arbeiten, müssen vorhanden fein: er hat oft mit mir über seine Bühnenpläne, die ihm sehr am Herzen lagen, gesprochen.
Graf Zedtwitz weilt nicht mehr auf unserem Stern. Das läßt Wehmut in uns aufsteigen. Froh aber und stolz sind wir doch, daß ihm der Lorbeer zufiel, nach dem er, ein Freiwilliger dieses'großen Krieges, als begeisterter Deutscher gegriffen hatte. Er hatte darauf gebrannt, an die Front zu kommen, und beftinbnt war er ein guter unb tapferer Soldat. Wie beneidenswert sinnvoll rundete sich sein Leben! Den gewaltigen Kampf um das Leben, den er so oft und gern geschildert hatte, hat er nun mutig gewagt, Heldentum unb Leidenschaft selbst daran gegeben und den Einsatz der eigenen Person für bas Vaterland mit dem Tode besiegelt. Ja, wir, seine Freunde, sind stolz auf ihn! Und wenn Sines großen Dichters Wort die Wahrhett tünbet und rechten Trost spendet, der auch uns beim Gedenken an Graf Zedtwitz ins Herz fallen mochte, fo rft es dieses, das auf ihn so ganz paßt:
Aus Ewigkeit wird jeder Mensch geboren und sinkt im Tod auch wiederum zurück in jenes Reich, das immer unverloren rm tiefsten bildet sein geheimes Glück.
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