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Samstag, 10. / Sonntag, 11. Januar 1942

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Gießener Anzeiger

3m Kampfgebiet von Malakka

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Rur noch zwei Tage Frist, um Deine Wollsachen und Skier der Front zu geben!

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Tokio, 9. Ian. (DNB.) Das kaiserliche Haupt­quartier gab am Freitag um 16.30 Uhr japanischer Zeit bekannt, daß die japanischen Streitkräfte, die an der Westküst.e der Malaien-Halbin- f e I in südlicher Richtung vorgehen, nach einer Um- klammerungsbewequng und vernichtenden Schlägen gegen die feindlichen motorisierten Truppen f e st e Stellungen nördlich von Trolak (im äußersten Süden von Perak) etwa 90 Kilometer von Kuala Lumpur eingenommen haben. Voraus­abteilungen sind am 8. Januar über Tangjong Malim an der Grenze zwischen den Sultanaten Pe­rak und Selangor hinaus vorgestoßen. Tangjong Malim liegt ungefähr 80 Kilometer nördlich von Kuala Lumpur.' Rach Berichten von der Front ziehen sich die Briten in allgemeiner Verwirrung aus dem nördlichen und südlichen Abschnitt von Selangor zurück, wobei sie Brücken und Straßen auf ihrem Rückzug zerstören, um die japanische Ver­folgung aufzuhalten.

Mit Unterstützung schwerer Tanks haben die Ja­paner die britischen Truppen h i n t e.r d e n S l i m - Fluß zurückgedrängt. Nunmehr ist nur noch der Selangor-Fluß etwa 30 Kilometer nörd­lich der Stadt die letzte natürliche Verteidigungs­linie. Weiter westlich verläuft die britische Front nördlich von Kuala Selangor, das nörd­lich des Selangor-Flusses an der Küste gelegen ist. Die Kämpfe der beiden letzten Tage waren äußerst erbittert. Die Japaner wurden durch Kampfwagen und Stukas wirksam unterstützt.

Im Verlauf der bisherigen Kämpfe spiegelt sich eine überlegene Kampfmoral der einheitlich ausge­richteten und ausgebildeten japanischen Truppen ge­genüber den aus Engländern, Indern, Malaien und Chinesen zusammengesetzten Empire-Streitkräften wider. Einer sich ebenfalls deutlich abzeichnenden Uneinheitlichkeit der britischen Führung steht die zielbewußte japanische gegenüber, die es immer wie­der verstand, unter Ausnutzung der bereits errunge­nen See- und Luftherrschaft, ohne daß die britische Führung dies verhindern konnte, hinter neu errich­teten Verteidigungsstellungen Truppenlandungen vorzunehmen und die englischen Widerstandslinien so in die Zange zu fassen. Eine entscheidende Rolle für die Erzwingung des Sieges auf Malakka spielt der Besitz zahlreicher Flugstützpunkte. Don diesen starten japanische Bomber zu ununterbrochenen Tief­angriffen auf britische Stellungen und zu operati­ven Unternehmungen auf das britische Hinterland. Don japanischer Seite wird hervorgehoben, daß sich die Japaner gerade im Dschungelkampf ihren Gegnern überlegen gezeigt hätten, obwohl sie oft auf zahlenmäßig stärkere feindliche Einheiten stie­ßen. Die japanische Bewaffnung sei den Eigenarten

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im Seeqebiet von Polynesien von einem japani­schen Unterseeboot versenkt. Das 11050 Tonnen große, aus einem ehemaligen Kohlendampfer um­gebaute Flugzeugmutterschiff hotte eine Geschwin­digkeit von 15 Knoten, war mit vier 12,7-cm-Ge- schützen bestückt und faßte 16 Wasserflugzeuge, die durch Flugzeugschleuder gestartet werden konnten.

Brand rm Tokioter Auhenamt

Tokio, 9. Januar. (DNB.) Ein Brand im Außenamt brach kurz vor 3 Uhr nachts durch einen Unalücksfall aus, und zwar im Rordostflugel, wo die'erste Abteilung des Ermittlungsburos unter ge­bracht ist. Don dort aus sprangen die Flammen aus die Handelsabteilung, das Archiv und die Rech­nungsabteilung, da es sich bei den meisten Gebäu­den ' des Außenamtes um Holzkonstruktionen han­delt. Feuerwehren konnten den Brand gegen 5 .Ihr morgens löschen. Glücklicherweise konnten die wich­tigsten Gebäude vor dem Uebergreifen der Flam­men bewahrt bleiben. Immerhin ist fast die Hälfte des Gebäudekomplepes dem Feuer zum Opfer ge­fallen Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Die zerstörten Gebäudeteile entstammten der neu­eren 3eit, während der architektonisch wertvolle hi» storische Torbau des Nordflügels unbeschädigt ge­blieben ist. Dieser Torbau ist eines der wenigen . noch erhaltenen Beispiele der früheren japanischen Adclshäuser. Die Ursache des Brandes ist noch nicht völlig geklärt.

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192. Jahrgang Nr. 8 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags

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des Kampfes in derartigem Gelände durchaus an­gemessen.

Oer Kampf am Eingang zur Manila-Bucht.

Tokio, 9. Jan. (Europapreß.) Der hartnäckige Widerstand der Nordamerikaner am Eingang zur Bucht von Manila stützt sich auf starke und seit Jahren vorbereitete Stellungen, wie die Frontberichterstatter der japanischen Presse melden. Die unterirdisch angelegten Befestigungen seien für zwei bis drei Jahre mit Proviant versehen und paßten sich geschickt den natürlichen Gegebenheiten des Geländes an. Auf der Westseite seien sie in der Flanke von steil abfallenden Klippen und auf der Ostseite von den Sümp­fen und Mooren des Ufers der Bucht gedeckt. Im Hafen von Marivales lägen 20 Schiffe der nordamerikanischen Verteidiger bereit, um die die Stellung haltenden Soldaten zu evakuieren. Aller­dings sei die Aussicht, die japanische Blockadelinie um die Philippinen zu durchbrechen, für die nord- amerikanischen Schiffe gering. Der Vertreter von Domiuri Schimborn" meldet, daß den USA.-Trup­pen durch den japanischen Angriff a u f d i e H a l b - insel Dataang jede Fluchmöglichkeit genom­men sei. Die nordamerikanischen Truppen würden keine Gelegenheit mehr haben, die in ihren Ver­teidigungsstellungen aufgespeicherten großen Lebens­mittelreserven anzugreifen. Sollten die Ueberrefte der 31. Division beabsichtigen, zu Schiffe zu ent­fliehen, so würden sie an der japanischen Blockade­linie von den japanischen Flotteneinheiten in Emp­fang genommen werden.

lieber welch weiten Raum die Japaner ihre Lufttätigkeit ausdehnen, geht daraus hervor, daß auch Ambon, eine der holländischen Molukken- Inseln nördlich der Banda-See, erneut bombardiert wurde. Wegen der Weiträumigkeit der Inselgruppen hat die niederländisch-indische Regierung A u st r a - H en gebeten, Flugzeuge zur Unterstützung nach K ö p a n g an der Südspitze von Timor und Ambon zu legen, um die auch für die australische Verteidigung wichtigen Zufahrtswege besser über­wachen zu tonnen.

Das USA-Flugzeugmutterschiff »Langley" versenkt.

Tokio, 9. Jan. (Europapreß.) Das nordameri­kanische FlugzeugmutterschiffLangley" wurde, wie das kaiserlich japanische Hauptquartier bekannt gibt, am Donnerstag südöstlich der Johnston-Jnftl

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Dor allem in London beginnt man sich über die Folgen dieser völligen Wandlung des. strategischen Bildes im Pazifik für die Gesamtkriegführung der Alliierten wie für die Existenz des britischen Em­pire überhaupt klar zu werden. Daß mit dem Fall Singapurs in absehbarer Zeit gerechnet werden muß, daß dann der Japaner die Sundastraße und damit den Zugang zum Indischen Ozean beherrscht, daß Rangoon, die Hauptadt Britisch-Burmgs, be­reits Tag für Tag den Angriffen der japanischen Luftwaffe ausgesetzt ist, womit die letzte Verbindung mit Tschungking bedroht wird, das läßt in Lon­don immer wieder die bange Frage laut werden: wo bleibt die amerikanische Flotte? Die Außerge- fechtsetzung des amerikanischen Hawai-Geschwaders durch den Luftangriff auf Pearl Harbour schon am Tage des Kriegsbeginnes und die Versenkung der beiden britischen Schlachtschiffe im Golf von Burma wenig später haben den Japanern erlaubt, ihren Feldzug gegen die feindlichen Besitzungen in der Südsee im wesentlichen als Landoperationen an­zulegen. Der Derteidigungsplan Manilas wie der Singapurs beruhte auf der Annahme, die Japaner würden von der See her angreifen. Beides war ein Irrtum. Im wesentlichen ungestört durch feind­liche Seestreitkräfte konnten sie sowohl auf den Philippinen wie auf Malakka an verschiedenen günstigen Stellen Truppen landen und den Angriff auf Manila wie auf Singapur von der Landseite her beginnen. Der Oberkommandierende der U -...» Armee auf den Philippinen, General Mac Ar­thur, der seit dem Jahre 1935 mit dem Aufbau .eines eigenen philippinischen Heeres beschäftigt war, da die Philippinen ja 1946 ihre politische Un­abhängigkeit erhalten sollten, kämpfte nach dem Schlag von Pearl Harbour, der Unterbrechung des

Ein Bild aus Kuala Lumpur, der Hauptstadt der malaiischen Provinz Selangor. (Scherl-Archiv-M.)

Oer britische Rückzug auf Malakka.

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DieDerteidigung derSiidsee.

Japan hat bereits einen großen Teil seines ' Kriegsprogrammes verwirklicht." Das ist das Fa­zit, das selbst englische Blätter aus den ersten vier Wochen des Krieges im Pazifik ziehen. Durch den Luftangriff auf Pearl Harbour hat Japan die ihm in Verhandlungen seit zwanzig Jahren verweigerte Flottenparität mit den USA. mit einem Schlage hergestellt. Die schnelle Eroberung Hongkongs, die Besetzung der Philippinen und die lebensgefähr­liche Bedrohung Singapurs haben nach der blitz­artigen Wegnahme der pazifischen Brückenpfeiler Wake und Guam Japans seestrategische Stellung von Grund auf gewandelt. Sie haben aber nicht nur den militärischen Einkreisungsring, der nach der Absicht Roosevelts das japanische Jnselreich in weitem Bogen von Alaska über Ostsibirien, Tschungking-China, Burma und die Südseestütz- punkte umspannen sollte, an entscheidender Stelle durchbrochen, sondern auch die zur wirtschaftlichen Erdrosselung Japans eingefädelte Fernblockade illusorisch gemacht, denn Japan hat sich mit we. nigen wuchtigen Schlägen den ihm im Verhand­lungswege immer wieder verwehrten Zugang zu den bedeutendsten Rohstoffgebieten seiner Inter­essensphäre erkämpft und geht bereits daran, sie ur sich nutzbar zu machen. Die Errichtung einer mit Staatsgeldern ausgestatteten Bank zur wirt- chaftlichen Entwicklung der besetzten Gebiete zeigt, daß man in Tokio nicht einen Augenblick zögert, aus den schnellen und großen militärischen Erfol­gen die wirtschaftlichen Folgerungen zu ziehen. In Britisch-Nordborneo hat Japan die Hand auf ein höchst ergiebiges Erdölgebiet gelegt, auf den Phi» lippinen erhält es neben Chromerz wichtige Kolo­nialprodukte, vor allem Reis, Zucker und Manila­hanf, auf der Malayen-Halbinfel sind ihm bereits öie wichtigsten Zinngruben zugefallen, und es steht JS! begriff, sich durch den weiteren Vormarsch nach Süden auch die Hauptkautschukpflanzungen zu sichern. Wenn man in Washington und London feine provokatorische Politik gegenüber Japan vor allem auf die Meinung stützte, daß dieses gerade an­gesichts der empfindlichen Lücken in seiner Roh­stoffversorgung es niemals wagen würde, es zum Aeußersten kommen zu lassen, so hat die japanische Wehrmacht schon in den ersten vier Wochen dafür gesorgt, daß nicht nur dieser Mangel im wirt­schaftlichen Kriegspotential Japans voll ausgeglichen wird, sondern nur der Gegner selbst durch den Ver­lust wichtiger Rohstoffgebiete in seiner Rüstungspro­duktion erheblich geschwächt ist.

gerade mit den Mächten verbündet, die in der Ver­gangenheit den größten Anteil an den Ursachen der politischen Ohnmacht Chinas gehabt haben.

Schließlich kommt dann die große Gruppe der angelsächsischen Vasallen, die sich nur dadurch wieder unterscheiden, daß die dem amerika­nischen Einfluß unterworfenen Nationen noch über eigene Gebiete verfügen und daher wenigstens cheinbar Anspruch auf die Bezeichnung Nation erheben können. Die englischen Vasallen, deren Namen unter der Washingtoner Erklärung stehen, ind aber bloße Schattenexistenzen, Exilregierungen, die fern ihrem Heimatland in London ein seltsam unwirkliches Dasein führen, das sich an Könige ohne Thron, an geflohene Kriegsschiffe und an ein Häuf­lein Legionäre in britischen Diensten klammert. Was sie vereinigt, ist entweder der Haß gegen das nationalsozialistische Deutschland oder der Gehor- am gegen ihre angelsächsischen Herren. Was sie rennt, ist mehr, als hier gefaßt werden kann. Wenn die Wiederaufnahme des Bündnisses zwischen England und der Sowjetunion, zwischen China und den Vereinigten Staaten noch etwas von der tragi­schen Größe historischer Irrtümer in sich trägt, so ist die Tatsache des Bündnisses zwischen Costarica

Doch auch zwischen dem britischen Reich und den Vereinigten Staaten bestehen Gegen­sätze, die vielleicht manchmal durch die angel­sächsische Verwandtschaft überdeckt werden können, bereit Realität aber nicht verkannt werden kann. Der vor 50 Jahren erwachte und seither immer weiter ausgreifende nordamerikanische Imperialis­mus bedeutet eine Gefahr für die britische Herr­schaft, die auch in England stellenweise erkannt, aber gegenwärtig durch den Haß gegen den Natio­nalsozialismus überschattet wird. Schließlich ist auch das Empire selbst kein in sich von Wider­sprüchen freies Gebilde, sondern gerade die jüngste Entwicklung des Krieges hat gezeigt, daß selbst das britischste aller Dominien, Australien, seine eigenen Bündnisse und Wünsche hat, die sehr leicht mit den Interessen des Mutterlandes in Konflikt geraten können. Im übrigen hat man, teils um den Eifersüchteleien der Dominien zu begegnen, teils um die Summe der Verbündeten zu erhöhen, die Gliedstaaten des Empire einzeln aufgeführt und auch Indien als selbständige Nation gezählt. Als ob die indische Regierung eine andere Entscheidung treffen könnte als die Regierung in London!

Zu diesen drei Hauptmächten tritt dann eine zweite Gruppe von Staaten, die zwar nicht das gleiche Gewicht wie die drei anderen haben, aber doch wichtig genug sind, um von ihnen als beinahe gleichberechtigt behandelt zu werden. Bisher gehören zu dieser Gruppe nur China und Nieder- ländisch-Jndien. Hier zeigt sich schon wieder, wie fragwürdig die Behauptung von den 26 Natio­nen ist, da das China Tschiangkaischeks nur noch ein Teil der chinesischen Nation ist, während Niederländisch-Jndien ursprünglich nur Kolo­nialgebiet war und erst nach der Emigration der holländischen Regierung eine Art eigenen Staatslebens erhalten hat. Außerdem tritt aber auch hier wieder die Gegensätzlichkeit der Inter­essen zutage, da Chinas Nationalpolitik ob mit ober ohne Japan geführt jedenfalls immer auf eine Befreiung raumfremder Mächte abzielen muß, während sich die Regierung in Tschungking

und der Großherzogin von Luxemburg nur noch eine Travestie. Herr Benesch, der als Präsident der tschecho-slowakischen Republik die Welt aus den Angeln heben wollte, befindet sich heute wieder im Exil und als Verbündeter des Präsidenten der Negerrepublik von Haiti.

Noch aber sind die Urheber dieses neuen Bundes nicht zufrieden. Die Washingtoner Erklärung schließt mit der Feststellung, daß es niemandem genommen sei, durch seine Unterschrift dieser neuer 'Völkerliga b e i 3 u t r e t e n. Weitere Vasallen werden gesucht, und es ist nicht schwer, zu erraten, daß sich dieses Angebot an die drei großen iberoamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien und Chile vor allem richtet. Doch hoffen die Engländer vielleicht nicht weniger, daß auch noch ihre Gefolgschaft vergrößert werde durch den Beitritt nahöstlicher Länder.

Doch wie immer das Böse etwas Gutes wirkt, so läßt sich auch von bei Washingtoner Erklärung sagen, daß sie für eine letzte Klärung d e r Fronten gesorgt hat. Auf der einen Seite stehen die starken Völker Europas und Ostasiens, die ver­eint sind in dem Wunsch, die Sicherheit ihres Lebens in ihrem Raum für die künftigen Geschlechter zu er­kämpfen, und auf der anderen Seite finden wir den Bund des Hasses, dessen innerlicher Widersinn nicht besser kundgetan werden konnte, als durch den Klang der Weihnachtsglocken, deren frohe Botschaft in den Herzen der beiden Männer in der Kirche in Wa­shington keinen Widerhall fand.

Stockholm, Anfang Januar 1942.

Am Weihnachtstag des Jahres 1941 knieten nebeneinander in einer Kirche in Washington Franklin D. Roosevelt, zum dritten Male Prä­sident der Vereinigten Staaten von Amerika, und Churchill, Ministerpräsident von Großbritan­nien Während vom Altar her die Worte von der frohen Botschaft durch die Kirche hallten, bewegten diese beiden Männer in ihren Herzen andere Ge­danken. Nur eine kurze Unterbrechung bedeutete der Kirchgang in den Beratungen, um deren Willen England« Premierminister den Atlantik zum zwei­ten Male innerhalb von fünf Monaten überquert hatte, und nur als Geste für das Volk war der Besuch der Weihnachtsmesse gedacht. Gleichwohl war diese Stunde geeignet, in symbolischer Weise den Wiederbeginn der Arbeit zu verdeutlichen, die im Weißen Hause auf die Rückkehr der Kirchgänger wartete. _ .

Der Große Alliierte Kriegsrat, der Churchill seit Ausbruch dieses Krieges als Ziel seiner Wünsche oorschwebt, soll nun endlich Wirk­lichkeit werden. Nicht nur die wirtschaftlichen Hilfsquellen sollen in stärkerer Weise als bis­her gemeinsam und gegenseitig ausgenutzt werden, sondern die militärischen Operationen sollen miteinander in Beziehung gebracht und auf­einander abgestimmt werden. Schließlich soll auch so wird jedenfalls der Welt versichert die Grundlage für den künftigen Frieden geschaffen werden. Ein umfangreiches Programm, welches schon als solches nicht einfach durchzuführen ist und dessen Aussichten auf Verwirklichung sehr stark von der Art und Natur derjenigen abhängen müssen, die es in die Tat umsetzen wollen. Hieran mögen auch Churchill und Roosevelt gedacht haben, als sie in der Weihnachtsmesse knieten. Sie mögen gedacht haben, daß der gemeinsame Kirchgang bei vollständiger Besetzung des Kriegsrats nicht mehr möglich gewesen wäre, denn weder die gottlosen Bolschewisten, noch die buddhistischen Chinesen wür­den ihre Vertreter in die Weihnachtsmesse entsandt haben.

Und doch sind diese Verschiedenheiten in der Be­trachtung Gottes, so wichtig sie auch sind, hier nur ein Symbol der Tatsache, daß kaum jemals zuvor so unterschiedliche, ja w i d e r st r e i t e n d e Kr ä f t e zusammengeschweißt werden sollen zu einem Vor­haben, über dessen Aussichten keine Klarheit und über dessen Ziele keine Einigkeit besteht. Wer sind denn die Alliierten, die sich in dem Kriegsrat zu- lammenfinben sollen? Als erstes Ergebnis der Be­sprechungen in Washington wurde eine Erklä­rung von 26 Nationen unterzeichnet, die sich im Kampf gegen die Achse vereinigt haben. Selbst wenn man zugeben könnte, daß wirklich 26 Natio­nen unterzeichnet haben, so muß man sich doch j fragen, wer diese 26 sind und wie sie zu einander passen.

Da gibt es zunächst die drei Hauptmächte: die Bereinigten Staaten, das britische Empire und die Sowjetunion. Der Widerspruch, der zwischen den aus abendländischen Wurzeln gewachsenen angelsächsischen Mächten au der einen Seite und der Sowjetunion au

1 der anderen Seite klafft, ist so augenfällig, daß wir uns mit seiner Erwähnung begnügen könnten, wenn es der einzige Widerspruch zwischen diesen Mächten wäre. Tatsächlich ist aber die Sowjetunion, die ja nicht nur die staatliche Organisation des Bol­schewismus ist, sondern auch der Erbe russischer Machtpoljtik seit Generationen, der große Gegenspieler im Osten gewesen und wird

1 es auch bleiben, so lange die britische Herrschaft bis nach Dorderasien und Indien reicht.

vrühlsche Universitätsdruckerei 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Stehen, Zchulftrahe 7-9