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die gleichzeitige Vorspiel des 3ßi

wertes.

Das große Orchester beherrscht Stärk souverän im Einsatz der Mittel; er bevorzugt die Sinnlichkeit und den Ausdruckswert des Klanges des Einzel­instrumentes wie auch in der Verbindung; stets klingt sein Orchestereinsatz, wenn auch die mensch­lichen Stimmen oft überschattend. Bemerkenswert ist '"je Kombination zweier Themen im

Theater der Universitätsstadt Gießen

Wilhelm Stärk:Das Herrenrecht".

Einblicke gewährend, voll lyrischer Weichheit und Verhaltenheit. So wird Las Seelendrama Albrecht- Marei zum musikalischen Kernpunkt der Oper.

Mit erstaunlicher Wendigkeit fängt Stärk das Milieu der Szene ein, stets auf das Wesentliche hinzielend, seien es die Saufbrüder in realistischer Trunkenheit (1. Akt) oder die Trink- und Karten­szenen und das trivial-freche Lautenlied im letzten Bild. Ungemein plastisch sind die Volksszenen im 2. Akt: einmal der Freudenjubel, ausstrahlend im stampfenden urwüchsigen Lebenswillen des Tanzes und dann mit der elementar aufbrechenüen Begeiste­rung des Freiheitskampfes, mit den fanatisch er­hitzten gegeneinander losbrechenden chorifchen Grup­pen. Höhepunkte, die vielleicht wegweisend für das künftige Schaffen Stärks werden können, weil er hier wirklich Eigenes gibt, und die das oben er-, wähnte Verebben der Handlung im letzten Bild be­dauern lassen.

Stärks Melodik ist schmiegsam geprägt, er trifft ebenso etwa den Ton des Puppenwiegenliedes wie des Gassenhauers und die Versonnenheit lyrischer Momente (Duett Marei-Jan). Nur ist seine Erfin­dung nicht immer frei von Anlebnung an weg­weisende Vorbilder bis etwa zum Gralsritterhaften des Jan im 2. Bild; hier wäre eine primitivere und damit unmittelbar packendere Sprache geboten gewesen, zumal im Hinblick auf die musikalische Ge­samthaltung dieses Aktes.

Die Spielleitung (Max Schwarze) wahrte, selbst bei der szenenfälligen Ausarbeitung der Buffo- szenen, stets den Einklang mit dem Musikalischen und erfüllte die Massenszenen im zweiten Bild mit stärk­ster Wucht. Die Tänze (Andreas V o l p e r t) waren unmittelbar rhythmisch durchpulst, die Chöre (C. W. Hahn) voll elementarem Schwung. Die Bühnen­bilder banden sich stilecht an den historischen Hinter­grund (K. Löffler) eng mit der Beleuchtung ver­knüpft (R. Kone n). Das Orchester unter Otto S ö l l n e r ließ das Ganze aus der Musik heraus lebendig werden und hielt engsten Kontakt mit der Bühne, akzentstark und wiederum voll Nachgiebig­keit. Trefflich waren die Einzelinstrumente in der Erfüllung der oft recht schwierigen und doch ge­meisterten Anforderungen.

Zweifellos allerstärksten Anteil an der Aufführung trug Hans L o t t als Graf Albrecht. Trotz der stellen­weise dicken Instrumentierung überstrahlte er immer glanzvoll die Aufwallungen des Orchesters mit klang- licher Kraft, Fülle und Umfang seines Organs; groß, ja erschütternd in dem Glaubhaft-Werden seiner inneren menschlich erfühlten Kämpfe. Ihm gegen­über ließ Gabriele Possinke als Marei ein Frauenschicksal in Größe erstehen, unmittelbar durch die stimmliche Modulationsfähigkeit. Bedeutungs­

Xitel der Oper bezeichnet zugleich Angelpunkt und Problem des Geschehens. Graf Albrecht ver­zichtet aus menschlichen Erwägungen heraus auf das Recht der ersten Nacht, läßt sich aber durch den Hohn ritterlicher Saufkumpane zum Wideruf be­wegen. Dadurch schlägt die Freude über den ersten Entschluß bei den hörigen Bauern in Haß und Auf­ruhr um und führt die Katastrophe herbei.

Zwei Lebenskreise und Weltanschauungen stehen sich gegenüber: das Rittertum (Ausgang des Mittel­alters), reif für den Verfall, das bedrückte Bauern­tum mit seinem immer mehr erstarkenden Lebens­willen im Selbstbesinnen. Graf Albrecht zeigt wohl Verstehen, ist aber dem Standesbewußtsein so ver­haftet, daß er die Ausübung des Rechtes der ersten Nacht als schicksalhaft bedingt ansieht. Seiner Un- beständigkeit, seinen wechselnden Entschlüssen steht in Marei, der Tochter des Bediensteten, der unum­stößliche Wille gegenüber, eher den Tod zu wählen als die Schande zu erleben, und nur brutale Ge­walt im Banne aufglühender Sinnlichkeit vermag sie zu zwingen. Diesen beiden maßgeblichen Ge­stalten wendet das Textbuch von Eva H e r m e ck e - Engelhardt stärkste Beteiligung zu; sie sind tief­gehend erschaut; zumal die Auseinandersetzung zwi­schen beiden wie auch das Ringen um die Ent­schlüsse, die mannigfachen Phasen im Werden ihres Zustandekommens sind klar und überzeugend moti­viert. Dagegen ist der Kreis der befreundeten Ritter derart gering in der Persönlichkeitswirkung, daß es unverständlich erscheint, warum Albrecht dem Drän­gen dieser Leute nachgibt, Jan, der junge Bauer und Zukünftige der Marei, mußte als Vertreter seines Standes härter und kerniger gezeichnet werden.

Während im ersten Akt die psychologisierende Durchdringung geboten ist, um Handeln und Ent­schlüsse zu verstehen, zerläuft das Geschehen im Lyrischen, ohne eine klare Schlußentscheidung über die mitschwingende Idee; denn ihre Vorkämpfer Albrecht, Marei und Jan finden den Untergang; über den Sieg der Bauern, der vom Rechtsempfin­den des Zuschauers erhofft wird, erfahren wir nichts.

W i l h e l m S t ä r k ist ein äußerst versierter und routinierter Musiker mit einem außerordentlichen satztechnischen Können, der wohl alle namhaften Entwicklungserscheinungen der Oper in den letzten hundert Jahren in sich ausgenommen, innerlich ver­arbeitet und ihre Ausdrucksmittel sich so zu eigen gemacht hat, daß sie ihm jeder Zeit willig zur Ver­fügung stehen. Die Anlage des Textbuches verwies auf die Form des Musikdramas. Schlaglichtartig folgt die Musik dem Text in seinen vielfältigen Ent­wicklungen, seine Gefühlswerte verschließend und im Klanglichen ausströmen lassend. Explosiv entzündet sie sich, aus der Situation oftmals raketenhaft auf­leuchtend, den dramatischen Kern erhellend. Je nach der Lage illustrierend, zeichnerisch, im Parlandoton, ausgeprägt in markanten Rhythmen, dann wieder sich breit entfaltend in weit geschwungener affektge­ladener Linie an Umfang und Stimmkraft des Letzt­mögliche herausholend; wiederum besinnlich nach­gebend in den Momenten der Jnnenschau, seelische

Aus der Stadt Gießen.

Der kluge Peter.

Geht man zur Nachtzeit an einer Bauernho freite vorbei, kann man mit Scherheit alsbald das Schnat­tern der Gänse hören, die genau wie ein Hund die nächtliche Störung melden. Schon mancher Bauer ist durch die Gänse geweckt worden, weil im Stall etwas nicht in Ordnung war, sich ein Stück Vieh losgemacht hatte usw. So hörte im Januar lfd.J. ein Bauer in Rheinhessen nachts eine Gans schnattern. Zu spät achtete er auf die Warnung, denn, als er endlich in den Stall kam, fand er seine vier Mastschweine im Gesamtgewicht von neun Zentner -erstickt vor. Kohlengase waren aus dem Kartoffeldämpfer eingedrungen, und das hatten die ebenfalls im Stall befindlichen Gänse pflichtgemäß gemeldet. Sie waren rechtzeitig, der Bauer aber nicht.

Selbstverständlich ist auch bei Gänsen, wie bei allen Tieren, sogar dem homo sapiens, die Jntel- S verschieden. Gegen die ihr fälschlich zur Last e Dummheit spricht u.a. ihr ausgezeichnetes Gedächtnis. Dafür ein Beispiel, das beweist, wie hoch die natürliche Intelligenz einer Gans unter besonderen Verhältnissen entwickelt werden kann.

In einem Dorfe der Wetterau hatte die Groß­mutter das schwächliche Nesthäkchen eines Geleges mit großer Mühe ausgepäppelt, so daß es nach eini-gen Monaten seine Geschwister an Stärke und Größe übertraf. Die Folge war, daß sich Peter, wie die Altbäuerin ihren Schützling genannt hatte, sehr bald mehr als seine Geschwister dünkte, von diesen sich fernhielt und ausschließlich mit seiner Pflegerin ,/verkehrte". Auf Schritt und Tritt folgte ihr der mit einem bunten Bändchen um den Hals gezierte Gänserich.

Ging die Oma ins Feld, so begleitete sie Peter selbst nach dem vier Kilometer entfernten Acker am Wald. Schlug die Bäuerin den Weg durch das Unterdorf ein, dann wußte er, daß es nach den eine halbe Stunde entfernten Pflanzenländern ging. Er hob sich nach dem Verlassen der letzten Häuser mit fröh­lichem Geschrei in die Höhe und flog voraus, um in dem an den Ländern vorbeifließenden Bach ein Bad zu nehmen. Bis die Großmutter ankam, saß er schon auf dem ihr gehörigen Land und gab seiner Freude des Wiedersehens durch Fliigelschlsgen Ausdruck.

Fremde Personen griff der Gänserich im Hofe ebenso an wie jede Katze oder Hund, die nicht ins Haus gehörten. Die grüßte Intelligenz aber zeigte er, wenn Kuchen ins Backhaus getragen wurden. Bekanntlich ist es aus dem Lände Sitte, daß die Kuchen mit einem Kennzeichen, einem bunten Stäb­chen oder dergl. versehen werden. Meistens sind diese Kennzeichen in den Familien seit- Jahren die gleichen und dem Bäcker bekannt.

Auch Peter hatte sich das Zeichen seines Hauses genau gemerkt und achtete mit größter Aufmerksam­keit in dem Backhaus darauf, daßseine Kuchen" auf das richtige Brett gesetzt wurden. Erlaubte sich der Bäcker eine Verwechslung, dann machte der Gänserich so lange Spektakel, bis die Ordnung witzderhergestellt war.

Wer will behaupten, daß dieser Peter dumm war?

volles gab Walter Cesy als Jan in den lyrischen Höhepunkten. Ottmar Mayr zeichnete den Kampf zwischen Dienerergebenheit und Vaterpflicht plastisch ab. Eine Kontrastfigur, ganz unberührt von den Widerwärtigkeiten der Umwelt, wurde in kindlicher Naivität und Innigkeit Lisel Schröter- Beckers. Ludwig Druschel (Graf Kunz), Kurt Bosny (Ritter Jörg), Berhard Schmitz (Ritter Rupp) waren jeder für sich individuell durchgebildet und pointiert in Spiel und Gesang. Das Haus lohnte mit starkem, berechtigtem Beifall.

Dr. Hermann Hering.

AS-GMinWsk M Kraft W Srenöe

Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen" jeden Donnerstag von 20 bis 21 Uhr Turnhalle Schillerschule, Schillerstraße. 1177D

Betriebsanlage-Guthaden und Warenbeschaffungs-Guthaben.

Gewerbliche Unternehmer mit ordnungsmäßiger Buchführung können bis zum 10. 4.1942 erneut Be­triebsanlage-Guthaben und Warenbeschaffungs-Gut­haben bilden. Die Bildung solcher Guthaben ist eine Vorsorge für die Zeit nach dem Krieg. Die Unterneh­mer legen die Mittel zurück, die sie nach Beendigung des Kriegs für die Neuanschaffung oder Instandsetzung

Heute beginnt unser neuer Roman

Warnung aus Stendal

von A. Lothar Philipp

von Betriebsanlagegütern und für die Auffüllung ihrer Warenlager brauchen. Sie sichern sich gleich­zeitig erhebliche steuerliche Vergünstigungen für die Zeit nach dem Krieg. Die Bildung von Betriebs­anlage-Guthaben und Warenbeschaffungsguthaben geschieht durch Einzahlung des entsprechenden Be­trages beim Finanzamt unter dem StichwortBe­triebsanlage-Guthaben April 1942" oderWarenbe­schaffungs-Guthaben April 1942". Der letzte Tag, den Betrag beim Finanzamt einzuzahlen, ist der 10. April 1942. Auskunft erteilen die Finanzämter.

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** Otto Söllner leitet das 8. Konzert des Konzertringes. Im heute stattfindenden 8. Konzert des Konzertringes bringt das Städtische Orchester Gießen unter der Leitung von Otto Söll­ner von Richard Wagner dasSiegfried-Idyll", von Robert Schumann das Klavierkonzert in a-moll (Solist Dr. Georg Kuhlmann) und von Johan­nes Brahms die Dritte Symphonie in F-dur zur Aufführung.

Verdunkelungszeit:

9. Aprll von 21.09 bis 6.08 Uhr.

Houptfchriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriflleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und Silber: Dr. Fr. W. Lange; für das Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtichaft und Sport: Ern'i Blumschein.

Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckere'. HL Lange K. G. Berlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hchnann: Anzeigenleiter: Hans Beck.

Anzeigenpreisliste Nr. 6.

m l!

sagt die Stenotypistin Annemarie Sch ... aus Berlin.

t^üeih Liebster ist im Feld. Wir wollen sofort nach Beendigung des Krieges heiraten. Wir wollen uns dann ein trautes Heim gestalten. Ich habe ein Monatsgehalt von 160 Reichs­mark. Ich lasse davon monatlich 26 Reichs­mark auf Eisernes Sparkonto überweisen. Da­für ermäßigen sich die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge jedesmal um rund 5V2 Reichsmark. Das lohnt sich. Nach einem

Jahr wird mein Eisernes Sparguthaben bereits 312 Reichsmark betragen. Dazu werden noch die Zinsen kommen.

Ich freue mich sehr, daß ich eine der ersten war, die in unserem Betrieb die Eiserne Spar­erklärung abgegeben hat. Je früher man mit dem Eisernen Sparen beginnt, um so größer wird, wenn man das Geld braucht, das Eiserne Sparguthaben sein.

Hast auch Du Deine Eiserne Sparerklärung schon abgegeben ?

Architekt tu Ingenieur suchen je möbliertes Wohn- und Schlafzimmer evtl. Wohn- und 2 Schlafzimmer. Schriftl. Angebote unter 01565 an den Gießener Anzeiger erbet.

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