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-er Wachsamkeit und Schlagkraft der deutschen Wehrmacht gerechnet, deren rascher Zugriff dem englisch-französischen Lagdungsplan um knapp zehn Stunden zuvorkam. Die deutschen Gegenmaßnahmen zum Schutz der Neutralität Dänemarks und Norwegens wurden am 9. April von starken Einheiten des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe unter dem Oberbefehl des Generals der Infanterie von Falkenhorst, von Seeftreitkräften unter dem Befehl des Generaladmirals Saalwächter und des Admirals Carls und von Verbänden der Luftwaffe unter Führung des Generalleutnants Geißler durchgeführt. Motorisierte Truppen und Panzerkräfte unter Führung des Generals der Flieger K a u p i f ch überschritten am frühen Morgen des 9. April die deutsch-dänische Grenze und besetzten in schnellem Vormarsch Jütland. Gleichzeitig landeten deutsche Truppen auf den dänischen Inseln; auch Kopenhagen wurde in den frühen Morgenstunden besetzt.
Der dänischen und der norwegischen Regierung wurde ein deutsches Memorandum überreicht, das die Notwendigkeit dieses militärischen Vorgehens begründete und die politische Unabhängigkeit der beiden Staaten verbürgte. Während die dänische Regierung den Schutz der deutschen Wehrmacht annahm, leisteten die norwegischen Truppen auf Geheiß ihrer englandhörigen Regierung Widerstand. Für immer werden die Heldentaten, die unsere Wehrmacht auf diesem sich über Tausende von Kilometern hinziehenden Kriegsschauplatz vollbracht hat, mit ehernen Lettern in dem Buch der deutschen Geschichte vermerkt sein, galt es doch, nicht nur eines sich zäh und erbittert wehrenden Gegners Herr zu werden, der außerdem durch Truppen der Alliierten verstärkt war, sondern die Unbilden der Witterung und die außerordentlichen Schwierigkeiten des Geländes zu überwinden. Ob es Gebirgsjäger des Generals Dietl, die Zerstörer unter Kommodore Bonte/ der bei Narvik einen ruhmvollen Heldentod starb, die Besatzungen der Kriegsschiffe, die eingesetzten Teile des Heeres oder der Fliegerverbände waren, sie alle haben gewetteifert, um dem Befehl des Führers getreu, die Pläne der Gegner zuschanden werden zu lassen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Leistung der deutschen Kriegsmarine, die sich zum erstenmal vor eine große Aufgabe gestellt sah und sie im Geiste von Skagerrak glänzend löste. Die Deckung der Transporte und Landungsunternehmungen gegen weit überlegene feindliche Seestreitkräfte und heftige Luftangriffe war eine hervorragende Leistung, an der vor allem Admiral L ü t j e n s Anteil hatte, der ein Jahr später mit dem Schlachtschiff „Bismarck" den Heldentod gefunden hat. Auch das Niederringen der norwegischen Küstenverteidigungen namentlich im Oslo-Fjord wird immer ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Kriegsmarine bleiben. In dem Jubiläumsband des „N a u t i c u s" (Jahrbuch für Deutschlands Seegeltung) gibt Korvettenkapitän Hans Erdmenger eine ausgezeichnete Darstellung der Operationen unserer Seestreitkräfte bei der Besetzung Dänemarks und Norwegens. Wir erfahren eine Fülle bisher unbekannter Einzelheiten, die erst die ganze Kühnheit des Unternehmens und den Schneid, mit dem es durchgeführt wurde, erkennen lassen.
Zwei Jahre sind seit diesen Kämpfen ins Land gegangen, eine Zeitspanne, in der nun auch das norwegische Volk sehend geworden ist und erkannt hat, daß seine Zukunft nur dann gesichert sein kann, wenn die engste Zusammenarbeit mit Großdeutschland gewährleistet ist. Die innerpolitische Umwandlung, die sich in Norwegen vollzogen hat, ist die Gewähr dafür, daß der nun eingeschlagene Kurs auch weiterhin eingehalten werden wird. Dem stammverwandten norwegischen Volk werden daraus nur Vorteile erwachsen.
Die Versenkung norwegischer Schiffe.
Berlin, 8. April. (DNB.) Das OKW. teilt zu der im heutigen Wehrmachtbericht gemeldeten Versenkung norwegischer Schiffe noch folgende Einzelheiten mit: Die i m H a ften von Goeteborg liegenden Schiffe versuchten den Durchbruch n a ch E n g la n d.' Sie wurden außerhalb der schwedischen Hoheitsgewässer von Vorpostenbochen in Skagerrak gestellt. Diese versenkten den Tanker „Storsten" (5343 BRT.) und den Dampfer „Guüvang" (1469 BRT.) im Artilleriegefecht. Der Walkocher „Skytteren" (12 358 BRT.), der Tanker „Bucaneer" (6222 BRT.) sowie der Dampfer „Charente" (1282 BRT.) entzogen sich der prisenrechtlichen Anhaltung durch Selbstversenkung. Die Dampfer „Dicto" und „Lionel" zogen sich in die schwedischen Hoheitsgewässer zurück, um wieder in Goeteborg einzulaufen. Der Tanker „Rigmor" (6305 BRT.) wurde durch die Luftwaffe versenkt. Der mit zwei Geschützen und MGs. bewaffnete Tanker „B. P. Newton" (15 324 BRT.) entkam nach einem Bombentreffer. Von den B e - s a tz u n g e n der Schiffe, die vorwiegend aus
Berlin, 8. April. (DNB.) Von dem Berliner Sondergericht wurde mit dem Tode bestraft der schon wiederholt vorbestrafte Schweinehändler Friedrich Deutsch, der in seinem Betrieb geradezu eine „Zentrale für Schwarzschlachtungen" eingerichtet und 62 Schweine, zwei Kühe und zwei Rinder bei- seitegeschafst hatte. Vielfach wurden die Schlachtungen so unsachgemäß ausgeführt, daß erhebliche Fleischmengen verdarben. Drei weitere Angeklagte erhielten schwere Zuchthausstrafen. Auch Abnehmer erhielten Zuchthausstrafen, Kleinabnehmer kamen noch einmal mit Gefängnisstrafen davon.
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Das Sondergericht Dortmund verurteilte den Paul Vollmer aus Hamm zum Tode. Das Urteil wurde inzwischen vollstreckt. Ohne im Besitz einer Gewerbeberechtigung zu sein, hatte er Unmengen von Mangelwaren bei sich angehäuft und mit diesen einen schwunghaften Schleichhandel betrieben. Polizeibeamte entdeckten ein Hamsterlager, das einen geradezu unvorstellbaren Umfang hatte. Große Mengen Lebensmittel waren schon verdorben. In einem Bett befanden sich 250 Eier, die fast sämtlich angefault waren, auf den Kleiderschränken standen Kisten mit getrocknetem Mischobst, das voller Maden war. Packungen mit Pralinen, Feigen, Datteln, Keks und Waffeln waren von Mäusen und Maden zerfressen. Ein Schinken von etwa neun Kilogramm sowie Speck von etwa 6 Kilogramm war zur Hälfte von Mäusen aufgefressen. Im Badezimmer hing ein zweiter Schinken von etwa 10 Kilogramm, der voller Maden war. Bezeichnend für die Persönlichkeit des Angeklagten war es, daß er sich fälschlich ,^Herr Direktor" oder ,^)err Hauptmann" titulieren ließ. Steuererklärungen gab er nicht ab und weigerte sich auch, Steuern zu zahlen und ließ es vielfach darauf ankommen, zur Leistung des Offenbarungseides vorgeladen zu werden.
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Zwölf Jahre Zuchthaus erhielt der 31jährige Ignatz Kurylo aus Nauen. Er leitete die Filiale
Briten bestanden, wurden von den deutschen Seestreitkräften 235 Mann gerettet und gefangen- genommen. Der Erfolg gegen die bewaffneten norwegischen Dampfer ist dem tapferen Einsatz der Vorpostenboote des Befehlshabers der Sicherung der Ostsee und der guten Zusammenarbeit mit den Flugzeugen des Führers der Seeluftstreitkräfte sowie anderen Verbänden der Luftwaffe zu verdanken.
Das Ritterkreuz.
Berlin, 8.April. (DNB.) Der Führer verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Oberleutnant zur See Otto I t e s, der bisher als Kommandant eines Unterseebootes z. T. aus stark gesicherten Geleitzügen elf bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit 80 300 BRT. versenkte, darunter den Tanker „San Florentine" mit 12 800 BRT.
Der Führer verlieh ferner das Ritterkreuz an Hauptmann D u e s k o w, Abteilungskommandeur in einem Artillerie-Regiment, und Oberleutnant P l o f ch, Kompanieführer in einem Jnfanterte- Regiment. Hauptmann Dueskow hat von seiner 8-Stelle aus die Gefahr erkannt, als ein Infanterie- Bataillon von einem zahlenmäßig überlegenen Feind angegriffen wurde und nach Ausfall des Bataillons- Kommandeurs vor der feindlichen Uebermacht zurückwich. Es gelang ihm, die Bolschewisten im Gegenstoß wieder zurückzuwerfen. Oberleutnant Plosch hat seit Anfang März als Führer eines wichtigen Stützpunktes mehr als 20 durch Panzer, Flieger und Artillerie unterstützte starke bolschewistische Frontal- und Flankenangriffe unter größten Verlusten für den Feind abgewiesen.
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Der Träger des Ritterkreuzes Leutnant Meyer, Flugzeugführer in einem Zerstörergeschwader, ist in Erfüllung seines vorbildlichen Soldatenlebens an der Ostfront den Fliegertod gestorben. Er hatte 18 Gegner im Luftkampf abgeschossen und bei schneidigen Tiefangriffen 48 Flugzeuge am Boden zerstört, sowie zwölf Lokomotiven, fünf Eisenbahnzüge, zwei Panzer und zahlreiche Lastkraftwagen vernichtet. Im Kampf um Kreta hatte er den vorrückenden Fallschirmjägern wesentliche Unterstützung gebracht.
Kleine politische Nachrichten.
Reichsminister Dr. Goebbels hatte die Kriegsberichter der Propaganda-Kompanien, die zu einem propagandafachlichen Lehrgang in Berlin weilen, zu einem kameradschaftlichen Beisammensein geladen, und ließ sich von einer großen Anzahl der Erschienenen, die fast alle direkt aus dem Front
einer Berliner Lebensmittelgroßhandlung. Als „Stammkunden" ihn um die Abgabe zusätzlicher Lebensmittel angingen, ließ er sich dazu verleiten, gelegentlich Fett, E-rer, Käse, Butter, Wurst, Mehl, Zucker und Teigwaren ohne Marken zu verkaufen. Als dann auch andere Kunden an ihn herantraten, gab er aus Furcht, angezeigt zu werden, nun in weiteren Fällen Lebensmittel ohne Karten ab. Da ihm bald die Marken fehlten, verfälschte er die Men- genangoben auf den Groß-Bezugscheinen und beschaffte sich so viele Zentner Waren unrechtmäßigerweise, die er dann verkaufte.
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Im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den kürzlich als Volksschädling Hingerichteten Fritz Winkelmann hat das Sondergericht Berlin die Angestellten . einer Abrechnungs- bzw. Kartenstelle Tapper zu zehn Jahren, Tomaschek zu fünf Jahren und Stelter zu drei Jahren Zuchthaus wegen Ur- kundenbeseitigung und „Amtsunterschlagung verurteilt. Sie hatten Bestellscheine der Lebensmittelkarten und Punktabschnitte der Kleiderkarten in großem Umfange bei ihrer Dienststelle entwendet und dann an Händler und Personen, die sich als Vermittler bei diesen Schiebungen betätigten, veräußert.
Das Sondergericht Stettin verurteilte den Dachdecker Duckert aus Greifenhagen, der den Versuch gemacht hatte, die Lieferung von Waren aus feinem Handwerksbetrieb von Gegenleistungen abhängig zu machen, zu einem Jahr Zuchthaus. Als ein Schmiedemeister ihn fragte, ob er Dachpappe bekommen könne, erwiderte er, wenn er Speck bekäme, würde er die Dachpappe abgeben. Einem anderen Kunden, der zu einer dringenden Reparatur Dachsteine benötigte, erklärte er, daß er dafür Schinken und Speck ober eine Gans zu bekommen hoffe. Als er sah, daß der Kunde nicht gewillt war, sich auf einen solchen Handel einzulassen, erklärte er, er könne die Steine nicht liefern.
einsatz kon)men, über ihre Kriegserlebnisse berichten. Dann wurden die Gäste im Theatersaal des Ministeriums durch eine bunte Stunde künstlerischer Truppenbetreuung erfreut.
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Durch Reichsgesundheitsführer Dr. Conti wurde die „Preußische Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene" in die „Reichsanstalt für Wasser- und Luftgüte" umgewandelt und ihr Arbeitsgebiet auf das Großdeutsche Reich ausgedehnt.
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Der Führer hat dem Maler Professor Walter Petersen in Düsseldorf aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres in Würdigung feiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Bildnismalerei die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
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Der Chef des Generalstabes der Armee der Vereinigten Staaten, General Marshall, ist mit Harry Hopkins, dem persönlichen Vertreter Roosevelts, in London eingetroffen. Churchill empfing beide zwei Stunden nach ihrer Ankunft. Marshall erklärte der PressA daß bei den Besprechungen in London vor allem Die allgemeine Lage erörtert werden würde.
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Nach einer Reutermeldung aus Kairo ist der frühere ägyptische Ministerpräsident Ali Mäher Pascha verhaftet worden. Die Festnahme soll aus Gründen der Staatssicherheit erfolgt sein.
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22 Todesopfer forderte eine Explosion, die sich in der Nähe von Suez ereignete, als ägyptische Arbeiter Munition auf einen Leichter luden. Etwa 80 Arbeiter werden vermißt. Unter den Toten befinden sich acht englische Soldaten.
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Am 7. April überreichte der neue japanische Botschafter bei der Sowjetunion, Sato, äem Vorsitzenden des Obersten Rates, Kalinin, sein Beglaubigungsschreiben.
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Nach Nachrichten aus Kapstadt wurde durch einen Bombenanschlag die Telephonleitung zwischen Jo- bannisburg und Pretoria in der Südafrikanischen Union zerstört.
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In Bolivien ist im Gebiet von Villazon eine Blatternepidemie ausgebrvchen. In vielen Fällen nahmen die Erkrankungen einen tödlichen Verlauf.
Kunst und Wissenschaft.
Hauptversammlung des Deutschen Schillerbundes.
In den Dftertagen hielt der Deutsche Schillerbmck» in Weimar seine Hauptversammlung ab. Kammerschauspieler Max Brock las aus Brieien Goethes an Gräfin Auguste von Bernsdorff, an Sulpice Boisseree, an Zelter und Wilhelm von Humboldt. Es folgten Aussprüche über sich selbst und Bekenntnisse aus dem „Faust". Professor Dr. Eduard Scheidemantel gab bann den Jahresbericht. Staatsrat Dr. Ziegler, der zweite Vorsitzende, gebachte des 80. Geburtstages Scheidemantels und gab die Gründung einer Eduard-Scheidemantel- spende bekannt. Die Spende, die bisher ein Kapi« tat von 15 000 RM. 'besitzt, soll es Scheibemantel ermöglichen, denjenigen Schulen eine Beihilfe zu gewähren, die es am schwersten haben, zu den Festspielen nach Weimar zu kommen.
Ein Schauspiel der Panzerwaffe.
Die Uraufführung des Schauspiels „Die ewige Klette" von Edgar Kahn errang im Theater der Hansestadt Bremen einen starken Publikumserfolg. Der Verfasser greift den an sich schon dankbaren Stoff auf, daß ein Mann nach einem schweren Unfall für eine bestimmte Zeit eine völlige Gedächtnislücke nachbehält. Hier ist es der Hauptmann Kolb, der nach einer Schädelverletzung in der ersten Panzerschlacht des Weltkrieges die Erinnerung an vierzehn entscheidende Tage verloren hat. In diesen Tagen nämlich hatte er als junger Leutnant ein Liebeserlebnis, dem ein Sohn entsprang. Dieser Sohn erfährt durch einen Zufall erst nach 20 Jahren, daß sein Vater noch lebt, und tritt nun als Panzerschütze dem Hauptmann der Panzerwaffe in der Nacht zum 10. Mai 1940 mit der bitteren Frage entgegen: Warum hast du meine Mutter verlassen? Denn das ist der zweite und sicher entscheidende Grund für die starke Publikumswirkung des Stückes: zu der dankbaren Fabel tritt das womöglich noch dankbarere soldatische Milieu der Panzerwaffe; der jugendliche Schwung dieser jungen Truppengattung wird in liebevoll und echt gesehenen Szenen von der friedensmäßigen Unterrichtsstunde bis zum kriegsmäßigen Alarm aulf die Bühne gestellt und vereinigt sich in der Person des Unteroffiziers Schwitzte, dem Hermann Speelmanns (als Gast), seine pralle, saftige Art gab, während Richard Dornsei ff als Spielleiter dem Schauspiel eine wirkungssichere szenische Fassung verlieh.
Friedrich Lindemann.
„Das Flügel-Roß."
Heinrich Zillich hat im Auftrag des Gauleiters Rainer das Erste Kunstjahrbuch des Reichsgaues Salzburg herausgegeben. Rund zwanzig Schriftsteller haben einen Querschnitt ihres Schaffens gegeben als Dank für die Einladung zum Salzburger Dichtertreffen von 1940. Das Flügelroß des Kaspar ;Gras, das im Mirabellengarten in Salzburg steht, hat dem Band den Namen gegeben, und Stadt und Landschaft, die so bedeutsam sind für die kulturelle Entwicklung Deutschlands, sind auch der Angelpunkt, um die sich die Arbeiten der Beiträger drehen.
Ein Dorfbrunnen im deutschen Osten.
Der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei Himmler hatte als Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums unter 30 großdeutschen Bildhauern einen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Dorfbrunnen im deutschen Osten ausgeschrieben. Als Motiv wurde die deutsche Mutter als Sinnbild allen Lebens gewählt. Das Preisgericht erkannte dem Trierer Bildhauer Paul S i e g e r t den 1. Preis zu. Den 2- Preis erhielt Ernst (9 orf emann , Bremen; den 3. Dore Friedrich-Gronau, Berlin; den 4. Herbert Garbe, Frankfurt a. M. und den 5. Paul Merling, Berlin.
Aus aller Wett.
Gewaltverbrecher erfchosien.
Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei teilt mit: Am 2.4.1942 wurde der Gewaltverbrecher Karl Schmidt erschossen.
Ein „beschränkter" Angeklagter.
Vor dem Amtsgericht in Wittenberg stand ein Angeklagter, der das heulende Elend spielte, weil er nun die Folgen feiner Straftaten tragen sollte. Er wollte ^dem Richter einreben, baß er „b e • schränkt" zurechnungsfähig fei. Er erklärte, das habe ihm sogar ein Amtsarzt bescheinigt, unb bie Bescheinigung liege beim Arbeitsamt. Wie das Gericht feststellte, steht in ber Bescheinigung „beschränkt tauglich", was der Angeklagte auf seine Geistesverfassung bezog. In Wirklichkeit ist er aber nur ein Bummler, ber schon wegen Landstreicherei vorbestraft ist unb seine Dienstverpflichtung nicht einhielt. Einem Polizei* beamten, der ihn unterwegs festnehmen wollte, leistete, er Widerstand. Das Gericht verurteilte ihn zu fünf Monaten unb fünfzehn Tagen Gefängnis.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
i.
Von ber Postzentrale des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz war ein Brief an Kriminalrat Wenig gekommen, ben ber alte Kriminalsekretär Krähe in Empfang genommen hatte.
„K. K. Wenig, Berlin C 2, Alexanderplatz", las er laut die Anschrift und legte ben Brief auf bas Pult des Kriminalrats, „wenn die Post einen Empfänger am Alexandervlatz nicht findet, so bringt sie ben Bries zum Polizeipräsidium. Dort findet sich immer einer, der sich als Empfänger meldet, wenn nicht unter ben Beamten, bann unter den Kunden im Polizeigefängnis."
Kriminalassistent Neubauer, ber seit sechs Jahren mit Krähe beim Dezernat bes Kriminalrats Wenig war, beobachtete burch bie Tür ben Alten.
Herr Krähe witterte nämlich stets irgend etwas. Er war ein älterer, langaufgeschossener unb magerer Herr mit schmalem Gesicht unb verschmitzten Augen, einem dichten grauen Schnurrbart, steilauf- stehenden grauen Borsten oberhalb der Stirn und langen, abstehenden Ohren. Es war seine besondere Kunst, mit diesen Ohren zu wackeln, wenn irgend etwas sein Gemüt erregte und er diese Erregung nicht auf andere Weise äußern konnte und durfte. Aber in seiner Umgebung wußte man schon: wenn Krähe mit ben Ohren wackelte, bann hatte er irgend etwas gefunden, was sehr wichtig war.
Herr Krähe also stand am Schreibtisch des Kriminalrats und blickte auf den Brief herab.
„Du möchtest wohl gern wissen, was drinsteht, Krähe", rief Neubauer aus dem anderen Zimmer herüber, „nun, rate doch mal."
Krähe wandte sich um und sah, wie der Assistent von seinem Tisch aus durch den Türspalt hinein- blickte.
„Du Anfänger", sagte er verächtlich, „was so ein richtiger alter preußischer Kriminalsekretär ist, der rät nie. Der weiß entweder ober er weiß nicht, aber er rät nicht. Raten tun nur die jungen Anfänger unb bie höheren Beamten, deshalb heißen sie auch Kriminalräte, weil sie in Kriminalsachen immer raten —", er stutzte plötzlich, weil er sah, wie Neubauer einen roten Kops bekam und seinen Mund zu einem breiten Lachen verzog.
Inzwischen war nämlich ber Kriminalrat leise in das Nebenzimmer getreten unb hatte Kräh es Rede mit an ge hört. Jetzt trat er lachend hinter der Tür hervor unb sagte:
„Und weil sie raten, deshalb bekommen sie auch höheres Gehalt, müssen Sie noch hinzufügen, Krähe, denn das ist immer Ihr altes Lied, nicht wahr?"
Das war eine Kleinigkeit, bie Herrn Krähe nicht aus feinem Gleichgewicht bringen konnte.
„Guten Morgen, Herr Kriminalrat", sagte er freundlich, „hier ist ein Brief gekommen —"
„Ach, und nun • möchten Sie gern wissen, was drin steht, nicht wahr?"
Kriminalrat Wenig setzte sich hinter feinen Schreibtisch, riß den Umschlag des Briefes auf unb las ihn burch. Krähe beobachtete aufmerksam fein Gesicht unb sah, wie es erst befrembet auf den Brief blickte unb bann ein Lächeln annahm.
„Also doch von einem Kunden", sagte Krähe zu Neubauer, „ich dachte es mir schon. Ich hatte wieder mal recht."
Der Kriminalrat blickte auf.
„Hier, Krähe, lesen Sie mal vor", sagte er und reichte ihm ben Brief.
Der Alte stellte sich ans Fenster, um besser sehen zu können und las bie ersten drei Zeilen zunächst einmal stumm durch. Dann sah er zum Kriminalrat unb meinte:
„Na, so etwas, ber hätte sich sein Schulgeld wie- bergeben lassen sollen. Eine so schweinemäßige Orthographie ist mir auch noch nicht vorgekommen.
Unb mit bem haben Sie Mollen getrunken? Na, ich danke."
Unb dann begann er laut: „Lieber Herr Wenig?
Aftmal' dänke ich an die Schobpen Bier, bie mir zu-sammeM getrunken gaben, und an die Molen, bie monn so hintergegasen hat. Wie geht es Ihnen? Ich tringe schon lange nichts mehr, weil ich mir dadurch die Niere roiniert habe, so daß ich vast gestorben wäre. Ube Ossttirn war ich im Berlin, konnte Sie aber nicht treffen, denn ich hatte am Kurfürendarnm zu tun, großes Geschäft. Ober dafür lies ich Jhnn schreiben. 143 Mark kriege ich jetzt, da ist nicht ber Rede wert. Sal ich Sie denn mal besucgen? Si brauchen nor zu schreiben, soford fahr ich nach Brlin. Mi gefällt . es hier so nicht, imer arbeiten unb kein Geld.
Aber man muß froh. sein, baß man Abeit hat un untergebrach ist. Benn Si mal scheiben, tann nach Stimbal, ba bin ich jetzt. Wenn ich wieder nach Berlin komme, hohl ich mir meinen Koffer ab, denn ich wil ja nicht, daß Sie mit bem Kofer noch Scherereien haben.
Mid Gruß
Ihr Karl."
Krähe hatte geendet und blickte mit tiefernster Miene, fast ein wenig vorwurfsvoll den Kriminalrat an.
„Ich würde mit so einem Menschen nicht Mollen trinken gehen", sagte er bann, „so was habe ich noch nicht gesehen. Das muß ein ganz bofer Hund sein ober er ist Ausländer."
„Ich kenne gar keinen Karl, ber eine solche Rechtschreibung schreibt", oerteibigte sich Wenig gegen ben Vorwurf, mit einem solchen Menschen Mollen getrunken zu haben, „unb einen Koffer habe ich auch nicht in Verwahrung. Wahrscheinlich ist der Brief gar nicht an mich."
Er besah sich ben Briefumschlag und musterte die Briefmarke.
Inzwischen hatte Krähe noch einmal ben Brief überflogen und fragte Neubaues bett Assistenten^.
„Wo liegt eigentlich dieses Stimbal?"
Neubauer trat näher.
„Stimbal? Keine Ahnung. Gibt es gar nicht."
„Sage das nicht, Neubauer, burch bie Ostmark unb Subetengau unb Memel finb so eine Menge neuer Orte hinzugekommen, baß schon Stimbal barunter sein kann. Sieh boch mal im Ortslexikon nach. Wir werben schon herausfinben, wer bas ist —" wanbte er sich bann an ben Kriminalrat, ber immer noch ben Umschlag betrachtete, „ich glaube, ich kann Ihnen versprechen, Herr Kriminalrat, baß wir noch bahinterkommen werben."
„Du lieber Gott, Krähe, was haben Sie mir nicht schon alles versprochen, Sie unb Neubauer. Ihr versprecht bas Blaue vom Himmel, unb bann muß ich boch alles selber machen. Wenn ich zu euch hereinkomme, bann komme ich mir vor wie in einem Versprecherkeller."
Der Assistent hatte inzwischen bas dicke Orts- lexikon geholt, legte es auf ben Schreibtisch und schlug den Buchstaben St auf.
„Steinsdorf — nein, weiter unten, hier: Stift Tepl, Stikelkamp, Sttllenhöfen, Sttllftied, Stimmstamm, Sttmpsach-Stinatz, Stinstedt, Stipshausen —"
„Halt", rief Krähe, „bas ist ja schon viel zu weit, Stimbal, wo kann benn Stimbal bloß sein —" unb bann blickte er überrascht auf den Kriminalrat, ber bas dicke Buch zuklappte unb lachenb sagte:
„Ihr beiben Versprecher, ihr braucht nur auf die Marke zu sehen, bann habt ihr ben Ort." Und dann warf er Krähe ben Briefumschlag zu.
Der Alte hob ben Umschlag auf, trat ans Fenster unb ließ 'bie Hand, die den Umschlag hielt, sinken»
„Stendal", sagte er in einem Ausdruck, als fei er persönlich dadurch beleibigt worben.
„Ja, Stenbal", wieberholte ber Kriminalrat, „und es ist ziemlich auffällig, baß ber Mann nicht einmal ben Namen bes Ortes, wo er sich aufhält, schreiben kann. Was schließen Sie daraus, Krähtze


