Operationen geschaffen haben. Ohne sie wäre die Besetzung Singapurs, der Philippinen und Nie- derländisch-Jndiens fraglich gewesen. Die Operationen auf Malaya bilden den Höhepunkt des Ost- asienkrieges, weil Singapur die führende Schlüsselstellung einnimmt. Bei diesen Operationen hat Japan nur fünf Divisionen eingesetzt; der Oberkommandierende war Generalleutnant Barna- f h i t a, der von Januar 1941 bis kurz vor Ausbruch des russischen Krieges als Chef der japanischen Militärmission in Deutschland weilte und Strategie, Taktik und Ausrüstung der deutschen Wehrmacht im Westfeldzug eingehend studieren konnte.
Es wird behauptet, die Malaiische Halbinsel, die mit Dschungel bedeckt ist, lasse keine großangelegten Operationen ou. Di? dortigen Operationen haben aber eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Maas-Durchbruch, wo der A r d e n n e r Wald großzügigen Operationen hinderlich sein konnte. Dennoch hat die deutsche Wehrmacht hier zahlreiche Panzeroivisionen eingesetzt. Die japanischen Streitkräfte haben während der vierjährigen Kämpfe im Gebirge, dichten Wald und Sumpfgelände des chinesischen Hinterlandes eine besonders harte Schulung erhalten, daher bildete der malaiische Dschungel kein Hindersnis für sie. Daß diese Truppen zwei Wochen nach ihrer Landung auf- der Insel Singapur die gesamte Insel und Festung besetzt hatten, mag dennoch getrost als „Wunder" gelten.
Durch die völlige Besetzung Niederländisch- Indiens konnte Japan das riesenhafte natürliche Rohstoffvorkommen, insbesondere das Erdöl sicherstellen und so die unerschütterlichen Grundlagen für den Aufbau Großostasiens schaffen. Von diesem Gesichtspunkt betrachtet, kommt den Operationen in Niederländisch-Jndien dieselbe Bedeutung zu wie dem deutschen Vorgehen in Norwegen, der Ukraine und dem Kaukasus.
Der Feldzug in Burma hingegen ist bemerkenswert wegen des zu bezwingenden ungeheuren Raums, der geringen Zahl der zum Einsatz gelangenden japanischen Streitkräfte — rund 4 Divisionen —, der Schwierigkeiten des Geländes und der großen Hitze. Dieser Operation kommt ein großes Verdienst in der Sperrung der Burmastraße, und der Schließung des östlichen Zugangs nach Indien zu. Die Tatsache, daß dar burmesische Volk unter japanischer Führung sehr eifrig für seine Selbständigkeit und Freiheit kämpft, wird früher oder später eine entscheidende Rückwirkung auf das Dreihundertmillionenvolk der Inder haben.
Wenn die Eroberung der Bataan- Halbinsel und der Festung Corregidor sich etwas verzögert hat, so darf hierfür eine Erklärung General MacArthurs, der mit feiner Frau im Flugzeug nach Australien floh, als Begründung angesehen werden: „Daß die von allen Verstärkungen und Zufuhren abgeschnittenen amerikanischen Streitkräfte in Corregidor sich so lange halten konnten, wurde auf die Kampfkraft dieser Truppe zurückgeführt; dies ist völlig verfehlt. Daß Corregidor erst im April in japanische Hand fiel, kommt vielmehr daher, daß die japanischen Streitkräfte aus strate- giscken Gründen den Angriff verzögerten." Aus demselben Blickwinkel wollen auch die japanischen Operationen im Gebiet der Salomoninseln, die seit dem August des Jahres im Gange sind, betrachtet werden. Die Salomonen sind für die Verteidigung Australiens von großer Bedeutung, doch ist es für die Japaner, welche die Seeherrschast in diesem Raum besitzen, nicht schwer, die 15 000" Mann amerikanischer Truppen, die sich noch auf Guadalcanar befinden, zu vernichten. Wenn sie nichtsdestoweniger diese Verachtung nicht mit einem Schlage durchführen, so geschieht das in der Absicht, die Salomonen als einen Köder zu benutzen, mit dem der Feind aus seinem Bau gelockt werden kann. Auf diese Weise bleiben die Salomoninseln für die amerikanische Marine eine stets offene Wunde, die ihre Schwächung herbeiführt. In diesem Sinne dürfte es auch die Absicht der deutschen und italienischen Streitkräfte sein, die amerikanischen und britischen Trupven, die jüngst in Nordafrika gelandet sind, als Köder zu verwenden, um die noch vorhandenen britischen und USA.-Schiffe her- anaufocfen und zu vernichten.
Die glänzenden Erfolge der japanischen Marine im ersten Kriegssahr — bis zum 15. November — werden aus der folgenden Aufstellung ersichtlich.
Die feindlichen S ch i f f s v e r l u ft e betrugen: Versenkt: 10 Schlachtschiffe, 13 Flugzeugträger, 34 Kreuzer, 42 Zerstörer, 89 U-Boote, 391 Frachtschiffe mit zusammen 2 200 000 BRT.
Schwer beschädigt: 7 Schlachtschiffe, 3 Flugzeugträger, 14 Kreuzer, 18 Zerstörer, 39 U-Boote.
Stark befestigte Bergstellung nördlich Tuapse von deutschen Jägern gestürmt
Oer Wehrmachiderichi..
DTlB. Aus dem Führerhauptquartier, 7. Dez. Das Oberkommando der Wehrmacht gib! bekannt:
Nördlich Tuapse stürmten deutsche Jäger unter schwierigsten Gelände- und Detterverhältnissen eine stark befestigte Bergstellung und nahmen über 65 Kampfstände. Anter Einsatz frischer Kräfte rannte der Feind nördlich des Terek zwischen Dolga und D o n und im g r o ß e n D o n b o g e u erfolglos gegen die deutsch-rumänischen Stellungen an.
Auch im Mittel- und Nordabschnilt griff der Feind wie bisher vergeblich an. An mehre- een Stellen wurde örtlich eingebrochener Gegner in Gegenangriffen geworfen, an anderen Abschyittep feindliche Bereitstellungen schon durch Artillerie- feuer zerschlagen, 37 Panzer und Panzerfahrzeuge vernichtet.
In der L y ren aika verstärkte sich die Artillerie-
und Spähtrupptätigkeit. Britische Bereitstellungen und ein Versorgungslager wurden mit Bomben bekämpft.
In Tunis waren Panzer- und Kraftfahrzeugansammlungen des Feindes das Ziel schwerer Luftangriffe. Kampsfliegerverbände bombardierten nachts die Häfen Bone und Philippeville. Deutsche Jäger schossen im Mittelmeerraum ohne eigene Verluste sechs feindliche Flugzeuge ab.
Die britische Lustwaffe griff tagsüber unter Wolkendeckung die besetzten Weslgebiete, in der vergangenen Vacht west- und Südwestdeutschland an. Die Bevölkerung hatte Verluste. Bei diesen Angriffen über dem Kanal und im deutschen Küstengebiet schossen Jagdflieger, Flakartillerie der Luftwaffe und Kriegsmarine am Tage 30 britische Jagd- und Bombenflugzeuge, bei Rächt fünf Bombenflugzeuge ab. Drei eigene Flugzeuge gingen verloren.
Jagdflugzeuge griffen am Tage Ziele im S tib- o ff en Englands mit guter Wirkung an.
Die japanischen Verluste betrugen dagegen:
Versenkt: 1 Schlachtschiff, 2 Flugzeugträger, bret Kreuzer, etwa 10 Zerstörer, 5 U-Boote.
Schwer beschädigt: 1 Schlachtschiff, 2 Flugzeugträger, etwa 5 Kreuzer, etwa 10 Zerstörer.
Das Verhältnis ist, wie ersichtlich, em für Japan außerordentlich günstiges und beträgt im Durchschnitt 10:1. Aehnliche Resultate erbrachten die Operationen der Land- und Luststreitkräfte.
Die glänzenden japanischen Frfolge im Ostasien- krieg haben zusammen mit denjenigen Deutschlands und Italiens in Europa eine weltgeschichtliche Bedeutung. Fragt man nach der Ursache der japanischen Erfolge, so ist es mit einem Wort zu beantworten: Die Tenno treue, die den hauptsächlichen Wesenszug des japanischen Soldaten ausmacht. Diese hohe Eigenschaft erzeugt die hervorragende Führung und den unbedingten Kampfes- mut der Mannschaften, sie läßt den japanischen Soldaten sein Leben freudig für den Tenno hingeben.
Es versteht sich, daß wir Japaner einen großen Stolz über die Erfolge des vergangenen Jahres empfinden, doch heißt es anderseits bei uns: „Nach dem Sieg binde den Helm fester"; und wir sind uns wohl bewußt, daß die bisherigen Erfolge n u r das Vorspiel zum Ostasienkrieg bilden. Die Welthegemonie der angelsächsischen Mächte, die im Laufe von zwei Jahrhiyiderten aufgebaut wurde, können wir nicht in kurzer Frist vernichten. Wir unterschätzen auch nicht die verbleibende britische Seemacht und die industriellen Kräfte der Vereinigten Staaten, doch besitzt Japan seinerseits durchaus die materiellen Voraussetzungen für die Durchführung des Krieges, ebenso wie Deutschland im Osten in der ukrainischen Ernährungsbasis in der Hand hat.
Der Krieg des 20. Jahrhunderts ist in gewissem Sinne e-inWettkampfderVolksenergien und erschöpft sich nicht in homerischen Waffentaten wie es der Westfeldzug oder die Malaya-Operation waren. Erste Vflicht eines jeden Angehörigen der Dreiermächte ist es, die Losung Adolf Hitlers „Nie kapitulieren" zu beherzigen bis zum Tage des Endsieges. Beim unbedeutenden Wechsel des Kriegsglücks gleich nervös zu werden, bedeutet in die ^e'mtückilche Falle des Feindes geraten, denn wer sie im Osten in der ukrainischen Ernährungsbasis in wahrt, geht als Sieger hervor.
Auch Ostkarelien feiert.
Helsinki, 7. Dez. (DNB.) Der 25. Jahrestag der finnischen Selbständigkeit wurde auch an der Front überall feierlich begangen. In den von den finnischen Truppen besetzten Teilen D ft t a r e * liens versammelte sich die Bevölkerung, um des Tages zu gedenken. In der Hauptstadt Ostkareliens Aeänislinna fand eine Kundgebung statt. In den Ansprachen wurde auf die Schreckensherrschaft der Bolschewisten hingewiesen. Die Redner gaben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß Ostkarelien an der Seite Finnlands einer glücklicheren Zukunft entgegengehe.
England findet keinen neuen Vizekönig für Indien.
Stockholm, 7. Dez. (Europapreß.) Die Wahl eines neuen Dizekönigs für Indien ist auf beträchtliche Schwierigkeiten gestoßen. Churchill kann nie- mand finden, der zur Uebernahme des schwierigen Poftens bereit ist. Unter diesen Umständen hat sich Lord Linlithgow einverstanden erklärt, noch bis zum nächsten Oktober in seinem Amte als Vizekönig von Indien zu bleiben.
Kleine politische Nachrichten.
Nach der vom Reichsfinanzministerium herausge- gebenen Uebersicht über den Stand der Reichsschulden belief sich am 30. 9. 1942 die Summe der fundierten Schuld auf 80 772,8 Mill. RM. gegen 76 720,5 Mill. RM. am 30. 6. 1942. Die schwebende Schuld des Reiches war am 30. 9. 1942 auf 86 928,7 (76 014,8) Mill. RM. gestiegen. •
Der von Berlin aibberufene bisherige spanische Botschafter Don Jose Finat y Escriva de Romani, Graf von Mayalde, verließ die Reichshauptstadt. Zu seiner Verabschiedung hatten sich im Auftrage des Führers der Chef der Präsidialkanzlei des Führers, Staatsminister Dr. Meißner, und im Auftrage des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop Staatssekretär von Weizsäcker eingefunden.
Der Führer hat dem, Botaniker Professor Joseph B o r n m ii l l e r in Weimar aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste um die botanische Orientforschüng die Goethe-Medaille für Kunst- und Wissenschaft verliehen.
Aus dem Reich.
Vormilitärische Winterausbildung durch die SA.
Jrn Rahmen der SA.-Wehrerziehung wird der vormilitärischen Ausbildung für den W.nterkrieg und im Schneeschuhlauf auf Grund der Erfahrungen des Winterfeldzuges 1941/42 besonderes Augenmerk gewidmet. Zu diesem Zweck veranstaltet die Oberste SA.-Führung auf dem SA.-Schi-Haus Valepp-Alpe fortlaufend 14tägige Lehrgänge, die von einem SA.- Führer geleitet werden, der schon mehrfach bei der Wehrmacht für die Winterausbildung der Truppe eingesetzt war. Zu den Lehrgängen sind die Ausbildungsleiter der Gruppen kommandiert.
Oie zwischenvölkische Ehe.
Professor Dr. Groß, der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., erklärte, die eine Berührung aller europäischen Völker habe vor allem das Problem der zwischenvölkischen Ehe akut werden lassen. Grundsätzlich sind Ehen Deutscher nur mit Angehörigen unseres eigenen Volkes erwünscht und zulässig. Außerdem hat die Erfahrung gezeigt.
daß Ehen zwischen Ausländern und Deutschen wenig harmonisch verlaufen. Besonders wandte sich Dr. Groß gegen die Auffassungen, in denen analog zu der wirtschaftlichen und militärischen Gemeinsamkeit Europas auch eine, rassisch-völkische Einheit behauptet wird. Sie widerspricht dem nationalsozialistischen Prinzip, welches die Besonderheiten der Kulturvölker als unantastbare Gegebenheit betrachtet, deren rassisch-völkische Zerstörung einen Verlust für die europäische Kultur bedeuten müßte. Für di- Rassenforschung gilt es, die Kräfte und Richtung der Fortpflanzungs- und Auslesevorgänge unseres eige nen Volkes zu ergründen und die rassische Artung und erbliche Beschaffenheit der Völker im eur^ päischen Raum zu studieren. Die an den einzelnen Deutschen zu stellende rassenpolitische Forderung verlangt die Nachordnung der persönlichen Neigungen gegenüber der Pflicht unserer Zukunft.
Oer Friedensspruch kostet keine Gerichtsgebühren.
Der Friedensspruch wird berufen sein, die Fülle der Bagatellprozesse zu beseitigen. Gerichtsgebühren werden nicht erhoben, wenn die Privatklage durch Friedensspruch oder durch Vergleich erledigt wird. Auch ein Gebührenvorschuß wird vom Privatkläger, Widerkläger oder Nebenkläger nicht erhoben werden. Im Privatklageverfahrey stehen dem Rechtsanwalt für die Mitwirkung in einer zur gütlichen Erledigung oder zur Fällung eines Friedensspruchs bestimmten Verhandlung keine weiteren Gebühren zu. Dasselbe gitt für seine Mitwirkung beim Abschluß eines Vergleichs in ober außerhalb der Hauptverhandlung. Mit dem Friedensspruch wird also auch der Vergleich kostenmäßig begünstigt.
Kunst und Wistenschast.
Die erstmalige Verleihung des Grazer Kunstpreises.
Der Kunstpreis der Stadt der Volkserhebung, der jährlich einmal in Höhe von 10 000 RM., aufgeteUt auf drei Einzelpreise zu je 5000, 3000 und 2000 RM., vergeben wird, kam in diesem Jahr zum erstenmal zur Verteilung. Er wurde in der Höhe von 5000 RM. dem Steirischen Tondichter Professor Dr. Joseph Marx, in Höhe von 3000 RM. dem Steirischen Graphiker und Maler Professor Karl Mader, und in der Höhe von 2000 RM zu je 1000 RM. den Bühnenbildnern der Grazer Städtischen Bühnen Hans Hamann und Paul M e h n e r t zuerkannt.
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Der BühnenibiUmer Hans Hamann ist ein Sohn unserer Stadt. Er hat seine Ausbildung auf der Frankfurter Kunstgewerbeschule erfahren, wurde dann Assistent des bekannten, jetzt in München wirkenden Bühnenbildners Professor Ludwig Sievert an den Städtischen Bühnen in Frankfurt. Seine erste selbständige Stellung hatte er an den Städtischen Bühnen in Münster. Von dort wurde er vor einigen Jahren an die Städtischen Bühnen nach Graz berufen.
Der Maler rNüller-Larssel f.
Adolf Müller-Cassel, ein mit seiner hessischen Hei« mat eng verbundener Maler, ist in Kassel im 79. Lebensjahr gestorben. Müller hatte feine große Zeit vor dem Weltkriege, als die romantisierende Land- fdjaftsauffaffung feines fruchtbaren Schaffens viel Widerhall fand. Damals erwarben die Nationalgalerie in Berlin und viele andere Sammlungen Bilder des Künstlers. Die poetisch-versponnene Mal- weife Müllers hatte es schwer, sich in der Zeit des künstlerischen Verfalls durchzusetzen. Erst im hohen Alter gelangte er wieder zur Anerkennung. Müllers künsllerischer Werdegang begann auf der Kasseler Akademie und führte über Rom nach Berlin, wo er feine besten Schaffensjahre verbrachte, und endete in Kassel. « G. M. Vonau.
„Shibia Humanltatls".
In der alten Aula der Berliner Unioerfität fand eine Feier zur Eröffnung des der Schirmherrschaft der Kgl. Akqademie Italiens unterstellten Jnstttuts „Studia Humanitatis" statt. Das Institut wird der Erforschung der italienischen Geistesgeschichte in gemeinsamer Arbeit deutscher und italienischer Gelehrter dienen. Die Feier wuroe mit einer Begrüßungsansprache des Reichsministers Rust eingeleitet. Der italienische Unterrichtsminister B o 11 a i hob sodann in einer in deutscher Sprache gehaltenen Rede hervor, daß ebenso wie die Italiener gerade auch die Deutschen sich mit dem Wesen der Antike ausein» andergesetzt haben in einer Weise, die wesensverwandt sei, weil von beiden Völkern die Antike als Aufgabe und nicht als Stoff begriffen wurde. Das
Kampf gegen Batterien.
Von Dr. I. Schwanke.
Bakterien, welche ein Gift ausscheiden und mit diesem die Zellengewebe des menschlichen Körpers angreifen, lassen sich seit fast zwei Menschenaltern mit der Serumtherapie bekämpfen, die dem Kranken Gegengifte zuführt oder ihm hilft, solche Gegengifte rascher selbst zu bilden. Gegen die Eitererreger aber, gegen die Bakterien, die auch bet der schweren Angina und vor allem beim Kindbettfieber die Schuldigen sind, wußte man kein solch spezifisches Mittel. Mit Serum und den in ihm erzeugten Gegengiften ließ sich hier offenbar nichts ausrichten. Man wußte doch gar nicht, wie diese Krankheitserreger angreifen. Als junger Medizinalpraktikant in Kiel wurde seinerzeit der Schöpfer der heute unter dem Namen „Sulfonamide" weltbekannten neuen chemischen Heilmittel, Professor Dr. D o m a g k von dem physiologischen Chemiker, Prof. Hoppe-Seyler auf die Zusammenhänge hingewiesen, die zwischen den Vorgängen im menschlichen Körper und der Chemie bestehen. Er untersuchte daraufhin den Eiweißstoffwechsel bei gesunden und kranken Menschen und es fiel ihm auf, daß bei Lungenentzündungen die Kranken vielfach Leberschwellungen zeigten, die durch nichts anderes als durch vermehrt abgebautes und in der Leber gesammeltes Eiweiß gebildet wurden. Wie kommt das? Lagern sich hier gleichsam die aus Eiweiß bestehenden Leichen überwundener Bakterien ab oder die Ueberrefte zerstörter Körperzellen? Das waren Fragen, die er sich vorlegte.
An den Wänden der feinsten Blutgefäße, der sog. „Kapillaren" besonders in der Milz, der Leber, der Lunge, aber auch afn Knochenmark und an den Lymphdrüsen fand nun Prof. Domagk das Schlachtfeld, auf dem sich der Kampf zwischen Körper und Krankheitserreger abfpielt: Dort gibt es ein System von Körperzellen, die die Aufgabe haben, die eingedrungenen Keime „zu fressen". Diese Beobachtungen eröffneten zwei Wege, für die Krankenbehandlung. Entweder mußte man die Körper- Zellen zum stärkeren Fressen anregen, oder man mußte die Bösartigkeit der eingedrungenen Bakterien abschwächen, damit die Zellen sie leichter fressen konnten. Daß es kaum möglich sein würde, die Eindringlinge im Körper selbst direkt zu töten, weiß
man schon seit Robert Koch. Aber die Versuche z. B., aus dem Gewebe von Tieren Stoffe zu ziehen, welche die Freß- und Derdauungstätigkett der Kapillarzellen verstärken könnte, waren vergeblich.
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Die Eitererreger lassen sich zur Untersuchung unter dem Mikroskop färben. Das wußte man schon länger. Diese Bakterien hatten also wohl die Neigung, chemische Stoffe anzuziehen. Sollte man ihnen da nicht Substanzen aufpacken können, die ihnen wie „ein Klotz am Bein" bei ihrem Angriff auf den Körper hinderlich sein mußten? Von den Farbstoffen ging die Arbeit aus. Bei den Versuchen, zunächst im Reagenzglas, schwächten eine Reihe chemischer Verbindungen die Erreger stark. Aber im Körper unserer Versuchstiere blieb die Wirkung aus! Eine bestimmte Gruppe aus Farbstoffen zeigte endlich auch Andeutungen von Wirkung auf die Erreger innerhalb des Körpers lebender Tiere. Stickstoff- und Schwefeloerbindungen waren hier im Molekülaufbau in ganz bestimmter Stellung zueinander gelagert. Es ist das große Verdienst der Mitarbeiter Prof. Domagks, Dr. Klarer und Dr. M i e tz f ch, daß sie bei Hunderten von Reihenversuchen, bei immer erneuten Rückschlägen nicht verzweifelten.
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Rot-gelb-ftichig sahen die Farben meist aus, die dann einen Erfolg brachten, Streptokokken wurden von kranken Menschen auf Tiere überimpft und die kranken Tiere dann mit den Chemikalien behandelt. Als man so die wirksamsten Substanzen gefunden hatte, und sich keine schädlichen Nebenerscheinungen mehr zeigten, übernahmen es vor einigen Jahren namhafte Aerzte, in ihren Kliniken die neuen Mittel ZU erproben. Die Erfolge waren wunderbar. Die' Sterblichkeit bei Kindbettfieber sank nach Einführung der Sulfonamid-Behandlung von 20 auf 4 v. H. Sie ging noch weiter zurück nach Behandlung mit verbesserten Sulfonamid-Präparaten bis auf 1 v. H. So lösten gerade auch im Ausland die Erfolgsberichte bald die Stimmen ungläubigen Staunens und tiefsten Mißtrauens. Bei der Hirnhautentzündung durch Streptokokken, die früher bei 90 v. H. tödlich verlief, konnten schon 1937 in mehreren Kliniken vier Fünftel der Kranken gerettet werden. Aber da gegen die Staphylokokkenkrankheiten z.B. Furunkel und- gewisse Knochenmarkentzündungen, die Erfolgs noch ausblieben, wurden piebet rem
chemisch jene Stoffverbindungen verändert,, und der Schwefelanteil darin verdoppelt. Diese neue chemische Zusammensetzung schwächte im Körper die Staphylokokken Jo, daß nun auch sie und auch die Kolibazillen — die Erreger mancher Nierenbecken- und Blasenentzündungen — ja selbst eine Virusart von Zellengeweben gefressen werden können. Allerdings müssen alle biefe Mittel möglichst früh gegeben werden, sonst sind die Freßzellen selbst schon zu sehr geschwächt und können die Verdauung der Erreger nicht mehr leisten. Selbstverständlich gehören alle diese Mittel nur in die Hände des erfahrenen Arztes. Was die neuen Mittel, die in den letzten Jahren ununterbrochen weiter verbessert wurden, für alle durch Kugelbakterien verursachten Krankheiten bedeuten, läßt sich auch heute noch nicht im ganzen Umfang übersehen. Sie bedeuten eine Wende.
Lücherfisch.
— Behring zum Gedächtnis. Unter diesem Titel hat der Verlag Bruno Schultz, Derlin- Grunewald, die Reden und wissenschaftlichen Vorträge, die auf der Behring-Erinnerungsfeier zu Marburg Anfang Dezember 1940 gehalten worden waren, zu einem stattlichen Bande vereinigt, dem der damalige Rektor der Philipps-Universität, Professor Theodor Mayer, ein Geleitwort vorangestellt hat. Ausgenommen sind auch, zum Teil in Faksimiledruck, die zahlreichen Huldigungsadressen ausländischer Universitäten und gelehrten Gesellschaften, ein ein- drucksvolles Zeugnis von der Weltgeltung der deutschen Wissenschaft.
— Mit dem ganz aus eigenem Erleben geschriebenen Buch „Die Kinderfarm", das mit dem Preis des NS.-Lehrerbundes ausgezeichnet wurde, bat E r n st L u d w i g C r a m e r sich die Herzen der Jugend im Sturm gewonnen. Der beste Beweis dafür ist ein neues Buch „Kinderfarm- Briefe", in dem er nun alle die vielen Anfragen beantwortet, in denen sich begeisterte kleine Leser bei ihm nach dem weiteren Schicksal der Kinder- farm-Familie erkundigt hatten. Und dabei erzählt er auch von seinem Ergehen als Arbeiter und Soldat fern von seiner Familie, und dabei kommen Erinnerungen an die eigene Jugendzeit und das Farmerleben im afrikanischen Busch. Eingestreut sind Siele Kinderbriefe, ganz unoerbesjert, wie sie ihm
zugegangen sind. So ist wieder ein rechtes Jugendbuch entstanden ganz aus unserer Zeit und für eine Jugend, die im Leben einmal ihren Mann stehen möchte. (Verlag Rütten & Loening, Potsdam. Preis geb. 4,80 RM. fr. W. Lange.
— Walter Bauer: Bis zum Hahnenschrei. Erzählung. 140 Seiten. Geb. 5,— RM. Karl Rauch Verlag zu Dessau. — Das Thema des jungen Menschen, feiner Erziehung, Bildung und Entwicklung, gehört zu den alten, nie veraltenden Gegenständen der Literatur. Walter Bauer, dessen „Tage* buchblätter aus Frankreich" und dessen Bildnisse europäischer Maler (unter dem Titel „Das Lichte und das Dunkle") wir früher hier besprochen haben, bemächtigt sich des beliebten und zu allen Zeiten aktuellen Stoffes, indem er dessen eigentümliche Anziehungskraft mit einer bereits bewiesenen Vorliebe für Themen aus dem Bereiche der bildenden Kunst zwanglos in Beziehung setzt: wir lernen in der Erzählung „Bis zum Hahnenschrei" die von schmerzlichen und beglückenden Erschütterungen bewegte Geschichte eines jungen Menschen kennen, der, einer kleinen und ungeistigen Umwelt entwachsend, Schritt für Schritt die Voraussetzungen für ein neues, seiner unabweisbar starken Begabung gemäßes, der Malerei verschriebenes Dasein gewinnt. HansThyriot.
— Herbert Grünhagen: Klein.e Wette r p r a k t i k. Vom Spähen und Schauen — vom Wind und den Wolken. 448 Seiten. Geb. 9 RM. Karl Rauch Verlag zu Dessau. — Dieses Buch, das von Wind, Wolken und Weiter handelt, verarbeitet eine erstaunliche Fülle von Fachliteratur und ist trotzdem auch für den Laien ohne weiteres verständlich und mit praktischem Nutzen und vielfälttger Anregungen lesbar. Das Thema ist ja auch für den fachlich ungeschulten und unvorbereiteten Leser jederzeit interessant und aktuell. Nicht umsonst handeln — im Kriege wie im Frieden — so viele, wenn, auch meist unverbindliche Gespräche vom Wetter. Das Gespräch, das Grünhagen mit dem Leser führt, wird in einer zugleich unterhaltsamen und unaufdringlich belehrenden Form geführt und befaßt sich in den Hauptabschnitten mit der Kunst der Beobachtung, mit dem Wind, den Wolken und den Wetterregeln. Die beiden, sehr übersichllichen Tafeln der Wetterregeln werden durch die Beilagen in der Falttasche ergänzt, wo men Wolkentafeln, Windstärketafel, eine Tafel der Niederschläge und eine europäische Wetterkarte findet»___ Hans Thyrk*
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