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Roman von Walter Klöpffer

56. Fortsetzung.

tun?.

(Fortsetzung folgt.)

würde alles erfahren? Nicht nur das, was zu ihren Gunsten sprach, sondern yuch das andere. Und dar­über, daß sein Stiefsohn sie zur Geliebten gehabt hatte, würde er nie Hinwegkommen. Nie.

In der Nähe schlug ein Hund an und wurde mürrisch zur Ruhe verwiesen. Cyrus trabte natür­lich wieder hundert Meter voraus. Nie konnte man ihm das abgewöhnen. 3n den großen Hotels war lärmender Betrieb. Bäche von Licht fluteten auf die Straße. Gut gelaunte Sommerfrischler schlen­derten paarweise dahin. Ein Wegmacher schob sei­nen vollen Schubkarren heim. Es war ein Abend wie viele in Trettau. Endlich war Anna daheim. Sie schickte die Dienstboten ins Bett und durch­maß ruhelos die Wohnung. Ihr Blick schweifte ab­wesend und traurig über die vielen schönen Dinge, die ihr Eigentum waren. Plötzlich lachte sie auf. Eigentum"! Wie lange noch? Acht Tage, genau acht Tage hatte die Herrlichkeit gedauert. Wenn. Martin zurückkam, gab es nur eines wandern und Scheidung. Gerade weil sie. Martin liebte, mußte sie ihn freigeben.

Sie vergegenwärtigte sich sein reifes, kluges Ge­sicht, das so herzlich lachen konnte, sie besann sich auf kleine, unwichtige Einzelheiten, die das Bild von ihm abrundeten, auf seine unbeholfene Liebes­erklärung, auf seine Beschützergesten damals im Regina, auf seine Art, ihr über das Haar zu strei­chen. Sie seufzte. Franz hatte recht, die Hudale waren Pechvögel; was sie anpackten, mißlang. Ähre Wimpern wurden feucht. Dann schritt sie zaghaft weiter durch die großen Räume, nahm hier einen Gegenstand an sich, dort einen und landete endlich im Schlafzimmer, wo sie alles auf das verwaiste Bett gleiten ließ. Es galt, zu packen. Nur was sie in die Ehe mitgebracht hatte, wollte sie wieder mit­nehmen. Der Gedanke, daß Martin nach seiner Rückkunft nichts mehr von ihr würde wissen wollen, wurde bei ihr zur fixen Idee. Heute war der schwär­zeste Tag ihres Daseins. Sie kramte im Wäsche­schrank, sie räumt das Kleiderspind aus, immer

lich aus kohle gewonnen werden. Das Ergeb­nis der schweren Arbeit des Bergmannes darf nicht dadurch verschwendet werden, daß ihr gedanken­los Licht brennen oder eure Rundfunk­geräte laufen laßt und Warmwasser nutz­los verbraucht. Wenn alle Hausfrauen mithelfen, wird durch die kleinste Ersparnis im einzelnen haushalt im ganzen viel erreicht.

männer und Frauen in den Betrieben? Auch ihr könnt, jeder an seinem Arbeitsplatz, für Einsparung von Strom und Gas sorgen, wenn ihr unnützen Leerlauf bei den Maschinen ausschaltet, die Arbeit sorgfältig einteilt und die Geräte richtig bedient. Jeder einzelne soll mitdenken und mithef- fen, dann wird für die Rüstung viel gewonnen.

Deutsche Hausfrauen, Betriebsführer und Ge­folgschaftsmitglieder? 3n den Ländern unserer Geg­ner sind überall Aktionen zur Einsparung von Strom und Gas im Gange, bei denen Zwang an­gewendet wird. Ich verlasse mich auf eure frei­willige Mitarbeit. Der Appell an Einsicht und Hilfsbereitschaft des Deutschen wird auch hier ge­nügen. Alle Energie für den Endsieg?

gez. Göring, Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches."

Berlin, 7. Sept. (DRV.) Reichsmarschall Göring hat als Beauftragter für den Vierjahres­plan den nachstehenden Aufruf erlassen:

>Spart Strom und Gas? Strom und Gas find unentbehrliche Hilfsmittel für Industrie, Landwirtschaft und haus­halt. Immer reichlicher und billiger wurden sie uns in den Friedenszeiten zur Verfügung gestellt. Jetzt sollen Strom und Gas vorweg der Rüstung dienen, denn sie gebraucht gewaltige Wengen davon. Für die Gewinnung der Rohstoffe der Rüstung in der Heimat wird Elektrizität und Gas in größtem Ausmaß eingesetzt. Diese Rohstoffe können wiederum nur mit Strom und Gas veredelt und zu panzern, Flugzeugen und sonstigen hoch­wertigen Waffen verarbeitet werden. Deshalb müssen alle, in erster Linie die Behörden und alle sonstigen Dien st stellen, die Betriebe und ebenso die privaten haushalte, spar­sam damit umgehen.

Deutsche Hausfrauen? Jede von euch kann durch freiwillige Einschränkung im Strom - und Gasverbrauch einen Beitrag für die Rüstung und damit für unseren Sieg leisten. Denkt daran, daß Strom und Gas fast ausschließ-

(Nachdruck verboten.) 15.

Spart Strom und Gas!

Ein Aufruf des Reichsmarschalls.

Sie brachte die Buben hinüber auf den Sonnen- tühel und wies ihnen einige Südzimmer an. Die Pimpfe hatten einen Riesenspaß daran, daß sie die ersten und derzeit die einzigen Bewohner dieses Neubaues waren. Ihre Nagelschuhe klapperten fröh­lich auf den Gangfliesen. Wenn einer dem anderen etwas zurief, erstarrte das Wort zu feierlicher Be­deutung wie in einer hallenden Kathedrale. Da die kleine Schar an unstillbarem Durst litt, ließ Anna > etliche Kästen Limonade herbeischaffen und schüttelte sich als sie das himbeerrote und waldmeistergrune Zeug gleich aus den Flaschenhälsen in die ausge­dörrten Kehlen rinnen sah. Gegen Abend kam sie nochmals herüber und hielt Nachschau, ob alles klappte und nichts mangelte. Der Glasl hielt gerade Appell im Gang und schimpfte wie ein richtiger Spieß, wenn er Anlaß zu haben glaubte. Dann kommandierte erWeggetreten" und sagte treuher­zig zu der ein wenig entsetzten Gastgeberin:

Mit denen muß man scharf fein, fonft tun sie mit einem grab* was sie mögen, die Konaken.

Die Pimpfe stürmten in die Zimmer, tobten auf die frisch bezogenen Betten los, fuhren aus den Schuhen und Hosen und fielen wie Mehlsäcke m Schlaf. Anna stand im Gang, spähte zu den Türen hinein und verhandelte mit Glasl wegen des Hau^-

I* ttöffels.

Am besten ist es, wenn ich euch einsperre unö den Schlüssel zur Pforte abziehe" sagte fieDamit kein Fremder hereinkommt. Es steht letzt to mel wertvolles Zeug herum, gläserne Schranke und ärzt­liche Apparate und dergleichen. Morgen früh schicke ich bann jemand zum Aufschließen."

Ist recht", nickte der Zugführer Glasl, und schönen Dank für alles, Frau Brügger. Angenehme Ruhe!"

Mit derangenehmen Ruhe" wird es so eine Sache sein, dachte Anna im Fortgehen. Sie spitzte die Lippen und pfiff Cyrus, der eine Katze an­bellte, die aus sicherer Höhe den dummen, dicken Hund auslachte. Dann schritt'Anna nachdenklich den Berg hinab. Ihr gefälteter Bäuerinnenrock schlug an die Waden. Rings um sie her war der Geruch der sonnenversengten Wiesen. Es war schwül, unb die jäh einfallende Nacht war ohne Erquickung. Der Himmel hatte sich mit stumpfem Bleigrau beschla­gen, in das giftiges Schwefelgelb gemischt war. Zuweilen regte sich ein Blatt, aber das Ohr ver­nahm keinen Windhauch. Manchmal zirpte ein Bogel im Schlaf ober es geigte eine späte Grille. Die Bäume ließen das Laub hängen, es sah aus, als bettelten sie um Regen. Die Berge standen als schwarze Klumpen gegen den helleren Hintergrund. Irgendwo gurgelte ein Wasser, aber es klang ver­sickernd und müde. Anna warf die zierliche Nase hoch.

Gut, daß die Buben versorgt waren. Nun kam ihre Stunde. Man konnte wieder nachdenken, ob­wohl alles Nachdenken zu nichts führte. Martin war also jetzt bei dem kranken Fender. Was würde dieses Zusammensein an neuem Unheil ausbrüten? Eine Beichte? Ober würde Fender schweigen? Wahrscheinlicher war das erstere. Wieviel wurde Fender beichten,z nur den Scheck oder auch bas anbere? Sik zog alle Möglichkeiten in Betracht, Narkosen, bie die Zunge lösten, Fieberphantasten, Zermürbung durch Schmerzen, die Geständnisbe­reitschaft eines Todkranken. Immer tarn fie zu dem Schluß: Fender würde reden. Vielleicht wurde er auch nur Andeutungen machen. Den Rest würbe bann ein mißtrauischer unb ans Ausfragen ge­wöhnter Martin mühelos aus dem Kranken her­auspressen. Als Anna bie Staketenzäune ber Wie­sen hinter sich hatte unb trüben Sinnes aus ben Ort zuschritt, war ihr eins ziemlich klar: ihr Mann

Oberbürgermeister Ritters Abschied von Gießen

Einführung des neuen Beigeordneten Bürgermeister Dr. Hill.

höher türmte sich der Haufen auf Brüggers Bett. Ihr Herz blutete bet jedem neuen Stück, das sie mit einer trostlosen Gebärde zu ben anderen warf.

Dann legte sie sich schlafen. Wie ein kleines Kind, die Fäuste an die Wangen gepreßt, ging sie in den Schlummer hinüber, in eine wohltätige Pause des Nichtwissens und Ausgelöschtseins. Zwei Stunden nach Mitternacht fuhr sie von einem krachenden Geräusch in die Höhe. Es hatte gedonnert. Ein Ge­witter! Endlich! Der ersehnte Regen! Die Fenster­flügel standen offen, unb bie Garbinen bewegten sich in sausendem Luftzug. Dann und wann fuhr ein greller Zickzackschein durch die Nacht. Das Un­wetter kam mit Riesenschritten näher. Es zog über bas Oytal her und über bas Widderhorn. Vor ben Fenstern war Samtschwärze unb Backofenhitze. Ein paar schwere Tropfen trommelten als Vorläufer auf bas blecherne Gesims.

Anna schlüpfte fyaftig in die Kleiber. Sie stammte vom Land unb war gewöhnt, baß man beim Ge­witter aufstand und sich anzog. Dann stellte sie sich ans Fenster. In ber Nachbarschaft war alles dun­kel. Der Sturm fuhr ihr mit groben Fingern über bas Haar unb in ben Ausschnitt des Webers. Anna war voll rebellischer Gedanken. Sie meinte, bas Leben nicht mehr ertragen zu können. Ich hätte gar nichts dagegen, wenn alles zu Ende wäre, dachte sie und starrte in ben Aufruhr der Elemente. Der Sturm benahm sich immer unfeiner. Er beu­telte die Bäume, riß Aeste ab und zauste die Dach­ziegel. Auch bie Blitze zuckten immer häufiger. Immer öfter wurde bas Samtschwarz von schauer­lichen Phasen der Helligkeit zerpflügt. Anna schloß jebesmal halb die Augen, als gelte es, einen Streich hinzunehmen. Plötzlich griff dicht über dem Sonnen- bühel ein roter Arm aus der Finsternis unb über­schüttete ben Hügel sekundenlang mit geisterhaftem Licht. Blitz unb Donner waren eins. Das bat eingeschlagen, bachte Anna in herzbeklemmender Angst. Ach Gott, bie Buben! Sein Haus! Was

Es tue ihm außerordentlich leid, daß er nun von Gießen weggehen müsse, aber ber Gauleiter habe ihn zu neuen und größeren Aufgaben berufen, bie er in Mainz zu lösen habe, und er sei froh unb glücklich, baß er dazu bas Vertrauen des Gauleiters unb des Reichsinnenministers besitze.

Oberbürgermeister Ritter teilte sodann mit, daß der neue Erste Beigeordnete Dr. jur. Hillan Stelle des noch im Felde stehenden Oberbürgermeisters Vogt bis zu dessen Heimkehr bie Geschäfte ber Stadt führen werde. Dr. Hill sei Rheinhesse wie er, und er könne sich leicht in andere Verhältnisse hin- einfinden. Er habe lange Jahre eine der schwierig- ten Gemeinden -Rheinhessens (Alzey) geleitet. Er )abe dort mit großem Geschick die Interessen der Bevölkerung wirksam vertreten, als aufrechter Deutscher immer auf nationalem Boden gekämpft, und er sei auch vor dem Terror der Franzosen in der Besatzungszeit nicht zurückgewichen, so daß er damals von den französischen Machthabern ausge­wiesen worden fei. Das spreche nur'für ihn. Mit dem gleichen Eifer und Pflichtbewußtsein werde Dr. Hill auch sein hiesiges Amt zu erfüllen bestrebt fein.

Zu Dl Hill gewandt betonte Oberbürgermeister Ritter, daß er in Gießen ein geordnetes Gemein­wesen vorfinhe, dessen Vermögens- und Finanzlage gut sei, somit eine gedeihliche Basis zum wetteren Aufbau biete. Allerdings fei auch hier mit den Schwierigkeiten der Kriegszeit zu rechnen, aber er fei überzeugt, daß Bürgermeister Dr. Hill diese Schwierigkeiten meistern und Gießen auf guten Wegen weiter voranbringen werde. Mit herzlichen Wünschen für den neuen Beigeordneten und sein Wirken im Interesse der Stadt Gießen führte Ober­bürgermeister Ritter damit ben neuen Mit­arbeiter der Stadtverwaltung in sein Amt ein.

Kreise die Kreisleitung habe immer neue An­regungen gegeben unb neue Ziele gezeigt, die in ber Zusammenarbeit mit der Verwaltung verwirk­licht bzw. angestrebt wurden und dazu geführt hät­ten, daß unsere Stadt in ben verflossenen ^acht Jahren seiner Amtsführung ein bebeutenbes Stück vorwärts gekommen fei.

Die von der Regierung gestellten Aufgaben feien immer frisch unb energisch angepackt worden. Bei ihrer Losung habe er bei ben Ratsherren immer Verständnis unb alle Mithilfe gefunden; dafür sei er besonders dankbar. Die Beamten, die in guter Kameradschaft mit ihm zusammengearbeitet hätten, an ber Spitze die Leiter ber verschobenen Aemter, hätten ihn immer vertrauensvoll unterstützt und in guter Zusammenarbeit mit ihm der Stadt ge­dient; auch ihnen gelte sein herzlicher Dank. Daß er in ben acht Jahren seines hiesigen Wirkens so viel habe schaffen können, sei nicht zum wenigsten auf die Mitarbeit einer guten Beamtenschaft unb deren wackeres Mitmarschieren zurückzuführen.

eingefunden.

Oberbürgermeister Ritter

erinnerte in seiner Ansprache zunächst daran, daß er auf Anordnung des Gauleiters vor acht Jahren aus Rheinhessen hierher gekommen sei, um die Ge- i schicke unserer Stadt zu leiten, aber schon nach einem Jahre hiesigen Wirkens sich entschlossen habe, end­gültig in Gießen zu bleiben. Für diesen Entschluß sei ihm maßgeblich gewesen, daß es für ein Ge­meinwesen nicht von Vorteil ist, wenn fein Leiter öfter wechselt, sondern nur dann eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet werden könne, wenn er seine Pläne unb Gebanken selber durchführe und gestalte. Schon nach einem Jahre habe er sich in Gießen sehr wohlgefühlt. Mit den Ratsherren und mit ber Be­völkerung habe er rasch enge Fühlung gewonnen unb überall bereitwilliges Verständnis und auf­richtiges Entgegenkommen gefunden; die schone alte Stadt Gießen mit ihren hohen Kulturwerten und ihrer aufgeschlossenen Bevölkerung habe es ihm leicht werden lassen, ben Entschluß zurtt Hierbleiben zu fassen. Dazu kam, daß er . hier ein außerordentlich fruchtbares und dankbares Arbeitsfeld mit reichen Wirkungsmoglichkeiten gefunden habe. Er bedauere nur, baß er nicht alle Pläne, die er zum Nutzen der Stadt Gießen hegte, in die Tat habe umfetzen kön­nen; aber der Ausbruch des Krieges habe ihn daran gehindert. Nunmehr werde es Sache seiner Nach­folger sein, die von ihm hinterlassenen Pläne und Projekte in die Tat umzusetzen.

Er wandte sich an den neuen Beigeordneten Bür­germeister Dr. Hill mit der Bitte, in der Zett der Vertretung des neuen Oberbürgermeisters besonders bie kulturellen Einrichtungen unserer Stadt zu pfle­gen und damit der Gießener Bevölkerung, die man lieb haben müsse, und die es verdiene, zu dienen. Besonders die Universität als einen aus Gießen nicht wegzudenkenden Bestandteil habe er (ber scheidende Oberbürgermeister) stets zu fördern sich bemüht. Er konnte in diesem Zusammenhänge darauf hm- weisen, daß alle eifrige Arbeit im Dienste unserer Universität unter Mitwirkung des Rektors Professor Dr Kranz bisher von schönen Erfolgen begleitet gewesen ist. Im letzten Jahre sei die Universität Gießen mit ihrer Studentenzahl an die achte Stelle der deutschen Universitäten aufgerückt, gegenüber früheren Jahren habe sie eine wesentlich höhere Zahl von Studierenden aufzuweisen; darüber hinaus habe sie jetzt noch zwei neue Dozenturen erhalten. Niemand brauche mehr um ben Bestaub der Univer­sität zu bangen, sie stehe vollkommen sicher da. Ferner habe er sich immer bemüht, auch mit der Garnison unb mit allen übrigen Kreisen der Ver­waltung und der Bevölkerung eng zusammenzu­arbeiten, und er glaube sagen zu können, daß dabei gute Erfolge erzielt worden seien.

Ein außerordentlich gutes Verhältnis habe immer zwischen ihm und der Kreisleitung bestanden. Die polittsche Leitung des Kreises habe stets Verständnis dafür gezeigt, daß es in der Verwaltung aus ge­setzlichen unb verwaltungsmäßigen Gründen nicht immer so schnell gehen könne, wie es den An­regungen der Partei entsprechend zu wünschen märe; auch ihm selbst sei manchmal manches zu langsam gegangen. Jedoch seien die gesetzlichen Voraussetzungen für schnelleres Handeln nicht immer vorhanden. Gar manche Forderung, die von ber Partei gestellt wurde, sei einige Monate : ober auch ein Jahr später Gesetz unb damit Tat geworden. Die Partei und in unserem engeren

Am gestrigen Montagnachmittag versammelten sich die Ratsherren ber Stadt' Gießen zum letzten Male im Sitzungssaale des Stadthauses, Berg­straße, um Oberbürgermeister Ritter, der sich in dieser Stunde von ben Vertretern der Gießener Bevölkerung und damit von der Stadt insgesamt verabschiedete. Gleichzeitig nahm Oberbürgermeister Ritter als letzte Amtshandlung in Gießen bie Einführung und Verpflichtung des neu berufenen hauptamtlichen Ersten Beigeordneten Bürgermeister Dr. jur. Hill vor. Zu der Sitzung hatten sich als Vertreter der Landesregierung Ministerialrat Weiffenbach, der Sachbearbeiter der Gemeinde- angelegenhetten, Regierungsdirektor Dr. Groß, der persönliche Referent des Reichsstatthalters in Hessen, Kreisleiter Backhaus als Hoheitsträger ber Partei im Kreise Wetterau, ferner als Gäste Gauamtsletter Fuchs von der NSV. im Gau Hessen-Nassau, Dr. G ö b von ber Dienststelle Frank­furt a. M. des Deutschen Gemeindetages und die Amtsvorstände der städtischen Verwaltung sowie als Vertreter der Gefolgschaft der Stadtverwaltung ber stellv. Fachschaftsleiter Stadtinspektor F e y h

Aus der Stadt Gießen.

Gebannte Gorgen.

Haben wir nicht alle bangend der jetzigen Ernte eittgegengesehen, bangend, weil Winter und Früh­jahr mit ihrem anormalen Wetter manche gute Hoffnung erschütterten? Hier schienen Bauernfleiß unb Bauernkönnen machtlos. Aber der deutsche Sauer rang mit dem Schicksal Genau so wie der Soldat draußen mit dem Feind. Nicht unterliegen lassen, noch fester anpacken, hieß die Losung. Der Ltädter ahnt nicht, welcher Arbeitseinsatz des deut­schen Landmannes notwendig war, um trotz allem die Voraussetzung für eine erträgliche Ernährungs­lage zu schaffen. Und nicht oeraeffen: Die Kern- Mannschaft ber deutschen Bauernschaft trägt den feld­grauen Rock, steht an der Front; ihre Frauen, ihre im Altenteil lebenden Väter unb Mütter mußten die Lücken schließen unb der deutschen Scholle ihre Sorgen, ihren Schweiß und ihre Hoffnungen neu anvertrauen.

Heute sehen wir den Erfolg: Die Ernte ist, soweit es sich um die Getreide frucht handelt, zum größten Teil eingebracht. Die deutsche Scholle hat besonders für das Sommergetreide diese zusätzliche Arbeit ge­lohnt. Millionen freiwilliger Arbeitskräfte, die sich aus den Reihen der Jugend, aber auch der Aelteren, iereitftellten, haben die deutsche Körnerernte bis auf kleine Reste geborgen, gut geborgen; in Kürze wird Brot der neuen deutschen Ernte dem deutschen Volk beschert werden. Die Stelle von der alten zur neuen Ernte ist geschlossen, da unb dort aufgetauchte Vrotsorgen sind gebannt.

Dieser Erfolg unb das ist ein bedeutsamer Er­folg ist ein Sieg der deutschen Scholle unb all ier Menschen, die sie liebevoll und sachverständig betreuen. Er ist gleichzeitig ein Sieg der großen deutschen Volksgemeinschaft und die Voraussetzung und die Gewißheit des großen deutschen Sieges über Autokratie, Bolschewismus unb Judentum. Für jeden ergibt sich aus dem Sieg der deutschen Scholle bie eine verpflichtende Erkenntnis: Das tägliche Brot will verdient, erkämpft, nicht ermectert wer­ben. Auch die beste Organisation muß versagen, venn nur ein Teil schafft und der andere klug- schnackt!

Professor Dr. Kliewe.

Der außerplanmäßige Professor für Hygiene unb Bakteriologie an der Universität Gießen und Leiter les Hessischen Untersuchungsamtes für Infektions­krankheiten Obermedizinalrat Dr. Heinrich K l i e ro e wurde am gestrigen Montag, 7. September, 50 Jahre alt. Seit 1928 ist er Leiter des Hessischen Unter- fuchungsamtes für Infektionskrankheiten in Gießen, wo er 1931 zum a. o. Professor ernannt wurde. So­wohl durch seine Arbeiten in dem Institut als auch in der Ausbildung des Nachwuchses unb auf dem Gebiete des Fachschrifttums hat sich Professor Kliewe vielfältige Verdienste erworben, deren man sich im Hinblick auf feinen 50. Geburtstag gern erinnert. 8n breiten Kreisen der Gießener Bevölkerung unb barüber hinaus kann sich Professor Kliewe großer Wertschätzung erfreuen.

Ratsherr Or. Wolkewih

als Sprecher der Ratsherren würdigte bas Werk des scheibenden Oberbürgermeisters unb übermittelte ihm zugleich mit dem herzlichen Dank ber Ratsherren unb ber Gießener Bevölkerung die besten Wünsche für fein weiteres Leben unb Wirken. In ben acht Jahren feiner hiesigen Tätigkeit habe sich Oberbür­germeister Ritter sowohl durch sein Wirken als auch durch sein freundliches unb für jebermann ver­bindliches Wesen die Hochachtung unb Wertschätzung ber gesamten Bevölkerung erworben. Durch seine Arbeit, bie ber Redner in großen Zügen und an be- sonders markanten Beispielen schilderte, habe er sich in Gießen für alle Zeiten ein bleibendes Denkmal gesetzt unb seinen Namen für immer mit ber Ge­schichte der Stadt Gießen verknüpft. Im national­sozialistischen Geiste habe Oberbürgermeister Ritter auch stets die Volksgemeinschaft in unserer Stabt ge­pflegt und geförbert. Mit Stolz unb Genugtuung könne er auf fein erfolgreiches Wirken in Gießen zurückblicken unb babei gewiß sein, baß ihn die Liebe und Verehrung der Gießener Bevölkerung mit besten Wünschen in seinen neuen Wirkungskreis be­gleite.

Den neuen Beigeordneten Bürgermeister Dr. Hill begrüßte ber Sprecher ber Ratsherren mit herz­lichem Willkommengrutz unb besten Wünschen für feine hiesige Amtsführung. Er erinnerte daran, daß Dr. Hill schon als Student unb in den ersten Jahren seiner Iuristenlaufbahn hier gelebt und die Gießener Verhältnisse tennengelernt hat, in zwanzig Jahren seiner Bürgermeisterzeit in Alzey reiche kommunale Erfahrungen sammeln konnte unb sich dort hervor­ragend bewährte, so daß er sicherlich auch die Aus­gaben in Gießen in vollem Umfange werde meistern können. Die Ratsherren unb bie Gießener Bevölke­rung brächten ihm für feine Arbeit volles Ver­trauen entgegen.

Kreisleiter Backhaus

als Hoheitsträger der Partei im Kreise Wetterau sprach ebenfalls mit hoher Anerkennung von dem Wirken bes scheidenden Oberbürgermeisters Ritter unb wies babei auf bas volle Vertrauen der Gie­ßener Bevölkerung hin, bas diese Oberbürgermeister Ritter allezeit entgegengebracht hat. Weiter hob ber Kreisleiter hervor, daß die Zusammenarbeit zwischen dem Oberbürgermeister und der Kreisleitung alle­zeit sehr eng unb vertrauensvoll gewesen ist unb der Forderung des Wohles der Bevölkerung gedient hat. Mit herzlichen Dankesworten an Oberbürger­meister Ritter erinnerte ber Redner auch daran, daß er als alter Gefolgsmann bes Führers bei bem alten Kampfgenossen Ritter stets burch Rat und Tat For­derung bei der Erfüllung feiner Aufgaben gefunden unb Oberbürgermeister Ritter in den letzten Wollen während seiner (des Kreisleiters) Erkrankung auch

* Goldene Hochzeit. Die Eheleute Schuh- Eiachermeister Valentin R ö h r i ch und Frau Bar­ara, geb. Fleckenstein, in Gießen, Auf ber Bach 8, önnen am morgigen 9. September das Fest der ooldenen Hochzeit feiern. Dem Jubelpaar unsere herzlichen Glückwünsche.

** 95 Jahre alt. Am morgigen Mittwoch, tz. September, wird Fräulein Emmy Mettenhei­mer, Hofmannstraße 8, 95 Jahre alt. Der Jubi­larin gelten auch unsere herzlichen Wünsche.

I ** Neue Lehrgemeinschaften der DeutschenArbeitsfront, KreiswaltungWet- lerau, Abteilung Berufserziehungswerk, find auch ür das kommende Winterhalbjahr 1942/43 vorge- ehen. Im Anzeigenteil unseres gestrigen Blattes ind alle Schaffenden zur Teilnahme daran aufge­rufen worden. Hoffentlich findet diese Aufforderung ein sehr starkes Echo.

** Nähmittel bei Fälligkeit. Während bisher die Menge ber abzugebenden Nähmittel von Fall zu Fall festgesetzt würbe, wird nach einer reuen Bekanntmachung des Reichsbeauftragten für Werbung unb verwanbte Gebiete, die am 1. Sep­tember 1942 in Kraft getreten ist, eine generelle Siegelung getroffen. Auf bie bereits fällig geworbe­nen noch gültigen Nähmittelabschnitte ber 2. unb 3. Reichskleiderkarte sowie auf bie in Zukunft gültig werdenden Nähmittelabschnitte der Reichsklei- derkarten dürfen nunmehr bis auf weiteres jeweils bei Eintritt ber Fälligkeit Nähmittel im Gegenwert von 0,30 RM. Einzelhandelspreis abgegeben wer­den unb zwar mit der Maßgabe, daß bei Abgabe von Nähseiden und Seidenglanznähgarnen (letztere in den Längen bis 100 Meter einschl.) nur bie Halste des Wertes auf den Abschnitt anzurechnen ist.