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ttr. 185 Zweites Blati

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheften)

8./Y. August 1942

beschädigte der Wehrmacht.

1. die Versehrten davon zu überzeugen, daß sie trotz ihrer körperlichen Schäden doch noch in der Lage sind, alle Arbeiten in der Landwirtschaft verrichten zu können. Sie müssen in irgendeiner Form wieder an die Arbeit herangeführt werden, damit sie bei ihrer schweren Versehrtheit wieder Selbstvertrauen gewinnen und eine richtige Vorstellung von den Möglichkeiten für ihr weiteres berufliches Leben erhalten können. In den Umschulungs-Lehrgängen sollen diese Männer einen guten Wegweiser für ihre künftige Berufsentwicklung finden. 2. Gemeinsam mit den Versehrten ist von dem Schulungsleiter zu ermitteln, welche Berufe unter den veränderten Ar­beitsbedingungen, die sich durch die Versehrtheit er­geben, in Betracht kommen. Grundsätzlich wird zu­nächst versucht, jeden Versehrten seinem alten Beruf zu erhalten. Ist das nicht möglich, dann muß ge­prüft werden, für welche anderen landwirtschaft­lichen Berufe der Mann sich nach seinen Fähigkeiten und Anlagen, nach seiner bisherigen Berufserfah­rung sowie dem Grad seiner Versehrtheit eignet.

3. Den Versehrten sind alle technischen Möglichkeiten zu zeigen, die ihnen die Arbeit erleichtern können. Hierbei gilt es vor allem, Verbesserungen an Ge­räten und Maschinen praktisch vorzuführen, um dem einzelnen anschaulich den Weg zu zeigen, wie er trotz seiner Versehrtheit nötigenfalls auch vollkom­men selbständig weiter einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften kann. 4. Eine allgemeine Be­ratung mit dem Ziel, den Versehrten den Aufbau ihrer Existenz zu ermöglichen. Bei selbständigen Bauern und Landwirten kommt hier vor allem in Betracht, daß ihnen die erforderlichen Sonder­zuschüsse gewährt werden, die sie zur Beschaffung von arbeitserleichternden Geräten und Maschinen nötig haben, oder die z. D. bei einem schwer Arm- und Beinversehrten für eine dauernde Ersatz-Ar­beitskraft und deren Bezahlung erforderlich sind. Weiterhin ist bei der Beratung zu prüfen, inwie­weit ein schon vorhandener landwirtschaftlicher Be­trieb als ausreichende Ackernahrung angesehen wer­den kann oder ob eine Vergrößerung durch An­liegersiedlung notwendig ist oder die Uebernahme einer Naubauernstelle sich empfiehlt.

Jeder Lehrgang bringt während seiner drei­wöchigen Dauer die Teilnehmer systematisch dem Arbeitsziel näher. In der ersten Woche werden die Lehrgangsteilnehmer, nachdem sich der Schulungs- (eiter über die persönlichen Verhältnisse jedes ein­zelnen genau unterrichtet und damit ein klares Bild gewonnen hat, zuerst mit dem in Pommritz geschaffenen FilmDer Kriegsbeschädigte in der Landwirtschaft" bekanntgemacht, aus dessen Bildern wie wir selbst bei einer Vorführung des Films feststellen konnten klar ersichtlich ist, daß der Ar­beitseinsatz der kriegsversehrten Männer in der Landwirtschaft auf vielfältige Weise erfolgen und ihnen eine befriedigende Existenz bieten kann. Wer­ter werden mit den Männern die für jeden einzel­

anschauliche Vortragsart des Gelehrten außerordent­lich fesselnd und lehrreich gestaltet. Außerhalb des Kreises der Studierenden ließ Professor Bürker viele Jahre lang in selbstloser Weise im Rahmen seiner beliebten populärwissenschaftlichen Dortrage an den Sonntagvormittagen sein reiches Wissen und die lehrreichen Erkenntnisse seiner Forschungen den breitesten Kreisen unserer Volksgemeinschaft zugute kommen. Weitere volkstümliche Vorträge hielt er auf Wunsch der Gießener Hochschulgesellschaft, deren Verwaltungsrat er viele Jahre lang angehörte, wiederholt auch in anderen Städten. Mit diesen po­pulärwissenschaftlichen Veranstaltungen erwies er der Förderung der Volksgesundheit und zugleich der Vertiefung der physiologischen Wissenschaft in brei­testen Volkskreifen große Dienste. Der Universität selber und allen ihren Belangen war er allezeit ein eifriger Förderer und Wegbereiter. . .

Weit über den Kreis der Alma mafer Ludoviciana hinaus werden dem verdienstvollen^Gelehrten und liebenswürdigen Menschen große Sympathie und Verehrung entgegengebracht. Daher nehmen weite Bevölkerungskreise in Stadt und Land herzlichen Anteil an dem kommenden 70. Geburtstage Professor Bürkers, dem auch wir unsere herzlichen Wünsche für seinen Lebensabend darbringen.

stellen und den Einfluß von Alter, Geschlecht, Er­nährung, Klima usw. exakt zu untersuchen. Aus seinen vielen physiologischen Forschungsergebnissen, die zu finden ihm vergönnt waren, ragt vor allem tragen seiner allgemein-biologischen Bedeutung das Hämoglobin -Derteilungsg es etz hervor. Den Einfluß des Höhenklimas auf das Blut hat Prof. Bürker in den Jahren 1904, 1910 und 1928 bei Unternehmungen im Hochgebirge untersucht, wo­bei es ihm gelang, wichtige Grundlagen für seine Forschungen- zu gewinnen. Zu dem gleichen Zwecke hat er schon Versuchsaufstiege über der Stadt im Flugzeug gemacht zu einer Zeit, als noch niemand an die Luftfahrtmedizin dachte und die deutsche Luft­waffe noch nicht wiedererftanden war. Auf dem Ge­biete der Blutuntersuchungen im Hinblick auf die Einwirkungen des Höhenklimas arbeitet er auch jetzt im Kriege rastlos weiter. Bei seinen wissen­schaftlichen Arbeiten legte Professor Bürker stets großes Gewicht auf enge Verbindung mit den Na­turforschern, deren Forschen und Wirken auch heute noch sein starkes Interesse gilt.

Neben seiner Forschungstätigkeit hat sich der Ju­bilar auch als Hochschullehrer in hervorragendem Maße um die gute Ausbildung des ärztlichen Nach­wuchses bemüht. Seine Vorlesungen waren stets mit reichem Vorweisungsmaterial belebt und durch die

ihn und Anna angingen. Als keine Antwort tarn, räusperte er sich und bat:Ich wäre Ihnen dank­bar, liebe Frau Purgftaller, wenn Sie hier im Haus alles Nötige veranlassen müssen. Die Trau­ung soll so bald wie möglich sein."

Die Purgstaller blieb stumm. Es sah in ihr aus wie nach einem Taifun. Alle Berechnungen zer­stört, alle Hoffnungen geknickt, ein volles Jahr ver­tan na, der Junge würde sich ja schön irren, wenn er annahm, sie würde für diese Person auch nur einen Finger rühren. Womit sie diesen ver­liebten Narren wohl kirre gemacht hatte? Man kannte solche Manöver. Herrgott, ließ sich denn gar nichts tun, um die beiden auseinanderzubringen? Alwine, streng' dein Köpfchen an--

Alwine Purgstaller, die zwei Ehemännern das Leben sauer gemacht hatte der eine war ihr durchgebrannt, der andere hatte sich zu Tode ge­trunken, dachte große Worte, Kabale, Intrige, Gegenmine, und sie legte sich wie ein Schütze auf die Lauer. Alwine Purgftaller war keine Frau, die kampflos den Schauplatz räumte.

Da werden die Leute hier ja hübsch was zu tuscheln haben. Bei so einer jungen Frau! Haben Sie das bedacht, Herr Doktor?"

Ach, die Leute", sagte er wegwerfend,wenn man sich immer nach den Leuten richten wollte, käme man weit!"

Eklig bleibt es doch, wenn sie hinter einem her­reden und sich die Mäuler zerreißen. Der Alters­unterschied ist eben ein bißchen zu groß. Da wird es heißen: Sein Geld und seine Stellung haben bei ihr den Ausschlag gegeben. Sie wissen ja, wie die .irettauer sind."

, So Mein Geld und meine Stellung , wieder­holte er gekränkt.Und ich ich bin wohl gm: nichts? Sollen sie klatschen, wenn es ihnen Spaß macht!"

Die Purgstaller hob die runden Schultern. Ihr Gesicht war verkniffen und feindselig. Brügger be­schwichtigte:

Ich weiß, ich weiß, liebe Frau Purgstaller. Auch für Äe diele Neuerung nicht gerade angenehm,

Zwei können nicht gut nebeneinander regieren. Aber ich werde schon Rat schaffen. Ich habe mir die Sache so gedacht: Sie übernehmen die wirt­schaftliche Leitung in der Heilstätte drüben. Bei Ihrer Tüchtigkeit bieten sich Ihnen dort noch grö­ßere Möglichkeiten."

Tüchtigkeit, haha das habe ich gern? dachte sie erbittert. Ein rundes Jahr habe ich in diesem Haushalt verloren, ein rundes Jahr habe ich diesem Leimsieder schöngetan, habe chm alle Steine aus dem Weg geräumt und Interesse für seinen Beruf geheuchelt jetzt nennt er mich tüchtig"! Und eine andere heimst den Lohn ein! Ein schönes Ergebnis. Nee, mein Junge, so billig kommst du mir nicht davon! Wir werden ja sehen. Sie bekam eine steile Zornesfalte zwischen den Brauen und rief:

Möglichkeiten? Das muß ich mir noch sehr über­legen. Und nun kann ich ja wohl gehen." Sie er­hob sich brüsk und rauschte aus dem Wohn­zimmer.

Brügger sah ihr verständnislos nach. Er war kein großer Frauenkenner und grübelte: Was hat sie denn? Was hat sie denn? Er beschloß, chr Gehalt zu erhöhen. Vielleicht war das der richtige Weg.

Alwine Purgstaller lief in den Garten, riß zornig ein Fliederblatt vom Strauch und suchte den Gärt- ner Hingerl auf. Hingerl war ihr Widersacher, gewiß, aber Hingerl war besser als gar niemand, und sie brauchte setzt einen Menschen, mit dem sie die Neuigkeit brühwarm besprechen konnte.

Der Gärtner bewohnte allein für sich em Ge­bilde, das sichHaus" betitelte. Es bestand aus zwei Stockwerken, aus Erd- und Obergeschoß, ent­hielt aber nur zwei Zimmer oder besser Kammern. Die obere enthieU Hingerls Feldbett und einen kleinen Kleiderschrank, den Boden be­deckten Haufen von getrockneten Zwiebeln und Sämereien. Die untere besaß einen Tisch, einen Stuhl, einen Kachelofen und eine Kuckucksuhr, von der bleierne Gewichte herobhingen.

(Fortsetzung folgt

Kriegsversehrte in landwirtschaftlichen Berufen.

Eine landwirtschaftliche Gchulungsstätte des Reichsnährstandes für Versehrte und Einsatz

Der Doktor klopfte eine Zigarette auf dem Dau­mennagel zurecht, steckte sie unangezundet m den Mund und betrachtete angestrengt die eigenen Knie. Dann begann er zögernd:

Was ich sagen wollte ich bin gekommen, well Sie werden etwas erstaunt sein also, ich habe mich verlobt. Ich bin heute hier wegen der Vorbereitungen zur Hochzeit."

Bums! Neben der Purgstaller hatte eine Gra­nate eingeschlagen. Eben noch sinter Dinge und voll lockender Hoffnungen, war es ihr plötzlich, als habe sie eins über den Kopf bekommen.

Verlobt?" stotterte sie, während ihr Herz einen tollen Wirbel schlug. ,

Nun ja, es ist ein bißchen rasch gegangen, es ist "mir selber erstaunlich eine Patientin aus der Helmreichschen Klinik - da sind ein paar Bilder - ich glaube, sie sind ganz ordentlich gewordem Da­mit fischte er aus seiner Brieftasche etliche »tos. Anna im Botanischen Garten unter einem Riesen- kakcvdu aus NymphenburgLk Porzellan, Anna aus einer Bank im Hofgarten Anna, Großausnahme, nur Gesicht, sehr apart, mit schrägen Brauen und lustig gereckter Nase.Ich glaube, das ist alles.

Die Purgstaller faßte betäubt und mit spitzen Fingern nach den Bildchen.

Noch sehr jung", begutachtete sie nach einer Weile. Groll zerfraß ihr Herz.

Dreiundzwanzig", erklärte Brügger und strei­chelte die Bildchen mit den Blicken.

Beruflich tätig?"

Ja, Lehrerin. Halbwaise.

2(Ho keine Moneten dachte die Purgftaller. Was manche Weiber für ein Glück haben! Wie das Biest das nur angestellt hat?

Am meisten gefällt mir ihre Natürlichkeit", iaaie Brunner versonnen.Alles ehrlich, sauber, offen'. Wir haben uns sehr gern", setzte er nach einer Pause hinzu, als wäre er der Purgstaller diese Erläuterung schuldig. Dann schwieg er. Es dünkte ihn, er hätte dieser fremden Frau nun genug Einblick m jene Bezirke gewährt, die nur

nen Fall in Betracht kommenden Berufsmöglich­keiten in der Landwirtschaft besprochen, wobei sich immer wieder ergibt, daß keiner der Versehrten, die früher in der Landwirtschaft tätig waren, wegen der Versehrtheit für die landwiickschaftliche Arbeit verloren ist. Neben dem Beruf als selbstän­diger Bauer und Landwirt können Versehrte auch als Landarbeiter, Melker, Schlepperführer, Ma- schinenwart, Gärtner, Gespannführer usw. ihre Existenz finden; in einer anderen Berufsgruppe können sie, je nach ihrer Vorbildung und ihren Fähigkeiten, einen Arbeitsplatz in der Verwaltung des Reichsnährstandes oder in größeren landwirt­schaftlichen Betrieben, Genossenschaften, Verbänden u|id. als Verwalter, Inspektoren, Rechnungsführer, Buchhalter usw. finden; wieder eine andere Gruppe umfaßt die Sonderberufe der Landwirtschaft, wie z. B. Milchkontrollbeamte, Pflanze nzuchtwart, Der- suchstechniker, Wirtschaftsberater, auch in landwirt­schaftliche Lehrberufe, z. B. als Landwirtschafts­lehrer ober auf landwirtschaftswissenschafllichen Ar­beitsgebieten, steht der Weg in eine neue Zukunft offen. Dies alles sind nur Andeutungen der viel­gestaltigen, neuen Berufsmöglichkeiten, die den Ver­sehrten in der Landwirtschaft offenstehen. Dabei werden die bisherigen Kenntnisse und Berufserfah­rungen in vollem Ausmaß berücksichtigt.

Am ersten Tage des Aufenthalts in der Schu- lungsftätte findet eine orthopädische Beratung aller Versehrten statt, um festzustellen, inwieweit die Prothesen der Männer für den Zweck der ange­strebten Arbeitsmöglichkeit umgeändert werden müs­sen, damit der Versehrte mit Erfolg an die Arbeit gehen kann. Dann werden die Männer mit den praktischen Arbeitsstätten in den Versuchsgütern Unterer und Oberer Hardthof bekannt gemacht. Im Laufe der folgenden Tage wird die Allgemeinbil­dung des einzelnen Mannes durch Diktat, Rechen­aufgaben, Aufsatz, Schreiben des Lebenslaufes und ähnliche Aufgaben ermittelt. Gleichzeitig sollen sie sich über ihre Derufswünsche äußern. Anschließend erfolgt die Heranführung an die praktische land­wirtschaftliche Arbeit, wobei der Einsatz in verschie- denen Gruppen erfolgt. Daneben läuft die Einzel­beratung der'Lehrgangsteilnehmer durch den Schu­lungsleiter, wobei sich bisher schon in den meisten Fällen ergeben hat, welchen Entschluß der Mann für feinen späteren Beruf in der Landwirtschaft gefaßt hat. Aus der Grundlage dieses Entschlusses erfolgt npn die weitere Ausbildung für den erwählten Be­ruf; z. B. werden Männer, die Rechnungsführer ober landwirtschaftliche Buchhalter werden wollen, in der Buchhaltung des Universitäts-Versuchsgutes Unterer Hardthof beschäftigt; künftige Milchkonttoll- asfistenten erhalten Gelegenheit, im Betrieb des Unteren Hardthof bei der Gewinnung von Vorzugs­milch Erfahrungen zu sammeln; wer selbständiger Bauer oder Landwirt werden will, erhält vor allem die Möglichkeit, durch Arbeiten an arbeitserleichtern«

Dr. Brüggers Patientin Roman von Walter Klöpffer

10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Was wohl der Chef plötzlich hier wollte?

Er hatte zuweilen seltsame Anwandlungen. Wo­zu diese Geheimniskrämerei? Na, schon, wenn es ihm Spaß machte! Alwines Blicke glitten befriedigt über Einzelheiten des vornehmen Hauses, über die Vitrinenschätze, über den englischen Kamm, uberdas delbild des Prinzen Louis Ferdinand, der verbinb- !ich aus dem Rahmen lächelte... n.

Endlich heulte draußen das Boschhorn. Cyrus, der lehmgelbe Boxer, spitzte d^e Ohren und bekam Kummer satt en auf der Stirn. Sem Sch wanzs tu m^ welchen vibrierte unsicher. War es das Herrle . 3a. Nein? Ja? Ja! Dann gedampfter Lärm m der Diele, halblautes Fragen. Brügger trat ms Zim­mer, gut gelaunt, mit blitzenden Augen. Er schien ierte die Autobrille und sah (ungenhast aus.

Die Purgstaller entstieg ihrem Pfuhl wie die Göttin Aphrodite. Sie streckte lächelnd eine Hand

'Guten Tag, liebe Frau Purgstaller!^ grüßte Brügger herzlich.Ist etwas Besonderes?

Gar nichts Besonderes. Es läuft alles wie am Schnürchen. Der Sanitätsrat macht seine Sache w rnimer. Nett, daß Sie wieder ^ sind! Cyrus du machst das Herrchen schmutzig! schattsievergnug.

Ich komme euch überraschend, wie? Na, Cyru , !riß mich nur nicht auf! Ja, du bist to0" jin . f ter Hund. Aber jetzt Platz! Hlnmrel die vielen Blumen! Kinder,da habt ihr euch aber mächtig Tie*purgftaller strahlte. Sie warf dem Hnus- lerrn einen Blick zu, der einen Manch aus berrt Gleichgewicht gebracht hätte. Als sie sich f Ö e k darauf bedacht, daß das an sich schon kurze köckchen die Knie frei ließ. Es kam ihr Nicht darauf M, wenn ec galt, anderen eine Freude zu m ch . tyre Arme lagen lässig auf der Polsteru g, Schlangen! ätschuhe wippten neckisch.

Aus der Stadi Gießen.

Gute Nachbarn.

Es mag sich seltsam anhören, aber wahrhaftig gibt heute viel mehr Nachbarn als es sie vor vier, fünf Jahren gab. Das hat nichts damit zu tun,, daß |id) unsere Nachbarschaft vergrößert hat. Doch da­mals waren alle diejenigen, die in unserer nächsten Umgebung wohnten, keineswegs auch unsere Nach­barn. Zu einem Nachbarn gehört denn doch mehr, als daß er zufällig mit uns in einem Haufe oder einer Straße wohnt. Wer ein richtiger Nachbar ist, her nimmt Anteil an uns und unserem Dasein, so wie wir Anteil an ihm nehmen, immer bereit, ein­zuspringen und zu helfen, wenn es nottut.

Wie war es denn damals? Wir wußten, daß die­ser ein Herr Inspektor und jener ein Oberkassierer mar, und das war seine Frau und dies waren seine Kinder. Möglich, daß wir voreinander die Hand zum Gruß erhoben, aber wir gingen aneinander vorbei. Das ist 'es: Wir gingen aneinander vorbei, gewiß, einige waren darunter, die kannten wir besser, und wir wechselten wohl ein paar unver­bindliche Worte.

Jetzt aber sind wir uns näher gekommen, ganz zwanglos hat es sich ergeben. Die Frau des Jn- ipektors hat eine roichtige Arbeit übernommen, da versteht es sich von (elbft, daß wir anderen ihr manche häusliche Besorgung abnehmen. Der Ober­kassierer hat seine beiden Söhne im Feld, und wir wissen, ob sie geschrieben haben und wie es ihnen geht, ja, wir haben ihnen Päckchen geschickt, wir Nachbarn. Das sind wir nun geworden. Wir gehen und leben nicht mehr aneinander vorbei, wir wissen von den kleinen Freuden und Sorgen der anderen und haben unseren Anteil daran. Die Frauen reden untereinander davon, daß die kleine Frau im drit­ten Stock es nicht leicht hat, drei Kinderchen und das vierte wird bald da sein! Die Frauen reden nicht lange, sie gehen hin und nehmen ihr den einen itber anderen Weg ab und helfen chr auch bei der Mrbeit.

So ist das. Wir, die wir nahe beieinander woh­nen, wissen nun mehr voneinander als Beruf und Hamen. Nicht weil wir neugierig sind, sondern weil wir zusammengerückt sind, wie es sich gehört in solcher Zeit und wie es sich gebührt für gute Nach­barn. Nachbarn ja, die Leute von nebenan und gegenüber sind Nachbarn geworden.

Professor Or. Bürker 70 Jahre alt.

Der langjährige Ordinarius für Physiologie und Direktor des Physiologischen Instituts der Ludwigs^ Universität Professor Dr. scient. nat., Dr. med., Dr. med. vet. h. c. Karl Bürker wird am kommen­den Montag, 10. August 1942, in aller Frische 70 Jahre alt. Dieser Tag lenkt erneut die öffentliche Aufmerksamkeit auf das außerordentlich fruchtbare Wirken des um unsere Universität und die deutsche Wissenschaft hochverdienten Gelehrten.

Professor Dr. Bürker flammt aus Zweibrücken. Nach dem Studium der Medizin und der Naturwif- jenschaften auf den Universitäten Tübingen, Heidel­berg und Berlin ab 1892 promovierte er 1897 in Tübingen zum Dr. scient. nat. und drei Jahve spä- ler ebenfalls in Tübingen zum Dr. med. mit einer größeren experimentellen Arbeit über den Elektro- :onu£. 1901 habilitierte er sich für Physiologie in Tübingen, wo er schon 1904 außerordentlicher Pro­zessor wurde. Im ersten Weltkriege war er lange Zeit Regimentsarzt bei der Infanterie, dann Chef­arzt eines Feldlazaretts. Mr feine Verdienste <m Felde wurde ihm das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse verliehen. ,

Am 1. April 1917 kam Professor Dr. Bürker als ardentlicher Professor für Physiologie und Direktor bes Physiologischen Instituts nach Gießen. Hier stand er 1925/26 als Rektor an der Spitze der Lud­wigs-Universität. Im Jahre 1925 wurde er zum Mitglied der Kaiserlich Leopoldinisch-Karolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle a. S. ernannt. 1920 und 1933 war er Dekan der Medi­zinischen Fakultät der Universität Gießen. Jahre­lang wirkte er unter außerordentlich beengten und schwierigen räumlichen Verhältnissen in bem alten Physiologischen Institut in der Senckenbergstraße, biß ihm im Februar 1928 das dank feiner 3nitia= lioe und nach seinen Vorschlägen errichtete Gebäude les Physiölogischen Instituts in der Friedrichstraße ils Arbeitsstätte übergeben wurde. 1932 wurde er 3on der Veterinärmedizinischen Fakultät gelegentlich les hundertjährigen Bestehens der veterinarrnedizl- üschen Doktorpromotion an unserer Universität in dankbarer Anerkennung feiner Förderung der vete-

Jn der Gießener Jugendherberge beim Un­teren Hardthof (Hardt-Terrasse) ist seit Mitte Juni dieLandwirtschaftliche Schulungsstätte Unterer Hardthof des Reichsnährstandes für Versehrte und Einsatzbeschädigte der Wehr­macht aus landwirtschaftlichen Berufen" ein­gerichtet, die den im Kampfe für Führer, Volk und Vaterland schwer versehrten Sol­daten aus landwirtschaftlichen Berufen zu neuer fruchtbarer und befriedigender Arbeits­möglichkeit in den landwirtschaftlichen Berufen verhelfen soll. Nach einer Unterredung mit dem Schulungsleiter können wir über diese vorbildliche Einrichtung, die im Einverneh­men mit der Wehrmacht geschaffen wurde und arbeitet, folgendes berichten.

Die Landwirtschaftliche Schulungsstätte Unterer Hardthof ist nach dem Muster der ersten Einrichtung dieser Art, der vor zwei Jahren eingerichteten Lehr- und Forschungsanstalt für bäuerliche Werkarbeit in Pommritz in Sachsen geschaffen worden. Im Reichs­gebiet bestehen noch einige dieser Schulungsstätten. Die Gießener Einrichtung dient den Versehrten und Einsatzbeschädigten der Wehrmacht aus den land­wirtschaftlichen Berufen. Da der Reichsnährstand hier keine geeigneten Räumlichkeiten für diesen Zweck besitzt, hat die Wehrmacht die Hardt-Terrasse (Ju­gendherberge) für die Dauer des Krieges als Unter­kunft für die Schulungsstätte eingerichtet. Die dort für die Dauer der Kurse untergebrachten Soldaten unterstehen dem Wehrmachtfürsorgeoffizier, der Un­terricht und die Leitung der, Schulungsstätte sind Sache des Reichsnährstandes. Die Kurse dauern je­weils drei Wochen und sind stets mit 25 Teil­nehmern, bisher nur Soldaten, künftighin auch be­reits von der Wehrmacht Entlassene, belegt. Auch Versehrte aus dem ersten Weltkriege, die den land­wirtschaftlichen Berufen angehören, sind zu den Kursen zugelassen. . ,, x t c.

Der theoretische Unterricht wird m der Unterkunft (Jugendherberge) erteilt, während für die praktische Schulung der Kursusteilnehmer die Versuchsgüter der Ludwigs-Universität Unterer Hardthof und Oberer Hardthof, die Versuchsfelder des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, außerdem reichhaltiges Anschauungsmaterial zur Verfügung stehen. Der Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Professor Dr. Sessous, hat es außerdem übernommen, für jeden Lehrgang eine Führung zu veranstalten, ferner hat er zugesagt, vor den Lehrgangsteilnehmern auch über Vererbungs­fragen im Rahmen seines Fachgebietes sprechen zu wollen; die bisherigen Führungen haben sich bereits als sehr lehrreich erwiesen und sind von den Teil­nehmern mit großer Dankbarkeit ausgenommen worden. n . . ,

Grundsätzlich müssen sämtliche aus der Landwirt­schaft stammende Versehrte der Wehrmacht diese Umschulungslehrgänge durchlaufen. Ihr Zweck

rinärmedizinischen Wissenschaft er hat stets auch Physiologie für die Studierenden der Veterinärme­dizin gelesen zum Dr. med. vet. h. c. ernannt. Am 1. April 1938 wurde er von seinen Aemtern ent- pflichtet, aber auch nach seiner Emeritierung wirkte er noch längere Zeit auf dem Lehrstuhl für Physio­logie und als Leiter des Physiologischen Instituts, bis 1940 fein Nachfolger, Professor Dr. Koch, das Amt übernehmen konnte. Die Vorlesungen über Geschichte der Medizin" werden von dem Jubilar jetzt noch gehalten

Theoretisch und experimentell hat Professor Bür­ker zunächst etwa zehn Jahre lang das schwierige Gebiet der Thermodynamik des Muskels von Grund auf bearbeitet, und es gelang ihm, die Methddik bis an die damals möglichen Grenzen vorzutreiben. Seit 1903 widmete er sich dann bis in die Gegen­wart, also vier Jahrzehnte lang, der Forschung und Lehre über das Blut. Durch diese wissenschaftliche Arbeit ist er und mit ihm die Universität Gießen weichin im Reich und darüber hinaus in der medi­zinischen Fachwelt bekannt und berühmt geworden. Durch seine Forscherarbeit auf diesem Gebiete wurde er zum Begründer der exakten Häma­tologie. Erst auf Grund seiner Arbeiten war es den Aerzten möglich, die für die Kliniken so wich­tigen Normalwerte meßbarer Blutgrößen auszu-