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Montag, 7. September M2

Gießener Anzeiger

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192. Jahrgang Nr. 2(0 Erichemt täglich, außer Sonntags und feiertags

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vrühlfche UniversttStrdruckereiR. Lange General-Anzeiger für Oberhessen l4d.li8en^ieriStM

Sie Land- und Seefefluna Aoworossijsk gefallen.

DNB. Aus dem Fllhrerhauptquartier, 6. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Land- und Seefestung N o w o r o f f l j f k, der letzte Kriegshafen von Bedeutung, der nach dem Fall von Sewastopol der sowjetischen Schwarz­meerflotte noch verblieben war, ist gefallen. Würt- tembergische, badische, fränkische und hessische Divi­sionen unter Mitwirkung rumänischer Kavallerie­verbände haben in tagelangen harten Festungskämpfen unter schwierig st en Geländeverhältnissen diesen stolzen IDaf­fenerfolg errungen. Die Beute ist noch nicht zu über­setzen.

Oie letzten Kämpfe.

Berlin, 6. Sept (DNB.) Deutsche und rumä­nische Truppen hatten in harten Bunkerkämpfen die äußere Festungszone von Noworossijsk durchstoßen und näherten sich konzentrisch der Stadt. Line wichtige höhe wurde im Sturm genommen. Alle erbitterten feindlichen Gegenangriffe, unterstützt durch ununterbrochenen Einsatz von Schlachtfliegern, von Artillerie aller Kaliber ein­

grenze. Poti ist Verladehafen für die wertvollen Manganerze, die etwas landeinwärts bei Kutais ab- aebaut werden. Datum ist weltbekannt als Verschif­fungshafen für das Erdöl, das durch eine Rohr­leitung von dem 800 Kilometer entfernten Baku am Kaspischen Meer hergepumpt wird. Die sowjetische Schwarzmeer-Flotte, die arg zusammengeschlagen ist, aber noch über Schnell- und U-Boote verfiigt, ist nun nur auf diese wenigen Häfen angewiesen. Die Hafeneinrichtungen besonders für die Zwecke einer Kriegsflotte lassen überall zu wünschen übrig. Auch besitzen diese Häsen zwar Schiffsaus­besserungswerkstätten, aber keine größere Werft. Diese Mängel sind doppelt empfindlich, weil die Häfen gegenüber dem Meer nur beschränkten Schutz bieten und die im Schwarzen Meer an sich recht häufigen heftigen Stürme hier noch durch die Fall- .böen verstärkt werden, die vom kalten Hochgebirge gegen die ttopisch heiße Küste oft niedergehen.

Das Echo in London.

Stockholm, 7. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Fall von Noworossijff ist in England mit großer Besorgnis ausgenommen wor­den. Der Londoner Nachrichtendienst erklärte: Wenn die Einnahme von Noworossijsk bestätigt wer­

den sollte, würde der Verlust der Stadt einen fjf) to e r en Schlag für die^sowj etische Schwarzmeerflotte bedeuten. Sie könnte zwar Tuapse und Batum verwenden, aber weder der eine noch der andere Hafen ist so gut aus­gerüstet wie Noworossijsk." In einer Meldung aus Moskau wurde allerdings behauptet,zur Stunde" werde bei Noworossijsk noch gekämptf. Sehr leicht dürfte den Engländern und ihren bolsche­wistischen Verbündeten das Eingeständnis der neuen Niederlage auch nicht werden.

Oie Bolschewisten verloren 45000 BRT. im Schwarzen Meer.

Berlin, 6. Sept. (DNB.) Wie der Bericht des OKW. vom Sonntag meldete, versenkten .deutsche Schnellboote im Ostteil des Schwarzen Meeres abermals vier Sowjetdampfer sowie vier Leichter mit zusammen 9500 BRT. Damit haben seit Beginn der Kaukasus-Offensive die Bolschewisten im Schwarzen Meer rund 45000 BRT. Handelsschiffsraums durch Angriffe von Ueberwafferstreitkräften verloren. Bemerkenswert dabei ist, daß die zahlenmäßig starke bolschewistische Schwarzmeerflotte bisher kaum in die Kämpfe ein­gegriffen hat. Den bolschewistischen Kriegsschiffs­einheiten stehen nach dem erfolgreichen Vordringen der deutschen und verbündeten Trupepn nach Osten nur noch wenige Häfen und Stützpunkte zur Ver­fügung.

schließlich Schiffsgeschühen, von Eliletruppen und von zahlreichen Panzerkampfwagen, wurden abge- schlagen. Der Feind erlitt bei diesen Verfolgungs­kämpfen außerordentlich schwere Verluste.

Jn erbittertem Ringen um Stalingrad.

*

Die kaukasische Küste von der Straße von Kertsch bis zur Landesgrenze südlich Batum ist arm an natürlichen Häsen. Die Zerneskaja- oder Nowo­rossijsk-Bucht wird an ihrer Westseite von niedrigen Sanddünen gebildet, während die lang­gestreckte Ostküste mit dem Leuchtturm mit Gipfeln bis zu 600 Meter höhe ansteigt, deren weißschim­mernde Anhänge teilweise von Laubwald bestanden sind. Die Bucht, deren schmaler Sttand mit Kieseln bedeckt ist, hat bis zu 27 Meter Wassertiefe und ist das ganze Jahr über eisfrei.

Wenn dem Hafen von Noworossijsk in normalen Zeiten auch nicht die überragende Stel­lung zukam, die er nach Verlust der Krimhäfen für die Sowjets hatte, so war er doch stets als Kriegs- und Handelshafen voll' großer Bedeutung. Gegenüber der Stadt, wo der Hafen eine Breite von 2% Kilometer erreicht, erstrecken sich ausge­dehnte Kaianlagen, hier befinden sich Ankerstellen für die gleichzeitige Ladung und Löschung großer Ozeandampfer, Elevatoren mit großer Aufnahme­fähigkeit und Naphtareservoire für die Verschif­fung Rohöl, Lager- und Kühlhäuser. Der Iab- resumschlag des Hafens betrug im Durchschnitt 2,5 Millionen Tonnen und setzte sich in der Haupt­sache aus Erdöl, Holz, Getreide und Ze­rn e nt zusammen. Ein Schiffsdock diente zur Vor­nahme von Reparaturen an Schiffen bis zu 3000 Tonnen. Mit der Inbesitznahme dieses wichtigen Hafens ist der sowjetischen Schwarzmeerflotte d i e letzte Basis entzogen worden.

Die Stadt Noworossijsk mit mehr als 100000 Einwohnern beherbergt eine umfangreiche Rü­stungsindustrie, in der namentlich Geschütze, Gra­natwerfer, Munition, Wasserflugzeuge und Flug­boote, Kraftfahrzeuge und Motore hergestellt wur­den. Don Bedeutung sind auch die Reparaturwerk­stätten für Lokomotiven, Waggons und Panzer­züge. Durch die in der Umgebung der Sadt offen zutage liegenden umfangreichen Zementmer­gellager hat sich in Noworossijsk eine bedeut­same Zementproduktion entwickelt, die etwa 30 v. h. der sowjetischen Gesamterzeugung darstellt. Von den , übrigen Zweigen der Industrie sind neben einer Baumwollspinnerei mit über 1000 Spin­deln Bekleidungs- und Schuhfabriken sowie Werke für Leder- und Pelzverarbeitung zu erwähnen.

Das überaus günstige Klima dieses Küstenstriches hat neben einer intensiven Landwirtschaft den Weinbau in größtem Umfang entwickelt. Außer zahlreichen Keltereien befindet sich in Nowo­rossijsk eine der größten Sektkellereien der Sowjetunion, in der jährlich etwa 50 000 Hekto­liter Sekt erzeugt wurden. Getreide- und Grütze­mühlen, Brotfabriken, Oelschlägereien, Makkaronie- werke, Molkereien, Brauereien und Fabriken für Fleisch- und Fischkonserven vervollständigen das in­dustrielle Bild dieser Stadt, deren verkehrsgünstige Lage durch die mehrgleisige Eisenbahnlinie nach Stalingrad und eine längs der Stiifte über Tuapse verlausende Autostraße gekennzeichnet ist

Im 13. und 14. Jahrhundert gehörte Noworossijsk den Oenuefern, im 16.Jahrhundert den Tür­ken, welche hier die Festung Ssundshuk-Kale er­bauten, die im Jahre 1808 von den Russen erobert wurde. 1838 wurde hier eine provisiorische Be­festigung unter dem Namen Zemeskoje erbaut, die bald danach den heutigen Namen Noworossijsk er­hielt. Während der Revolution 1918 versenkte sich im Hafen ein Teil der russischen Schwarzmeer- Flotte, um dem Zugriff der.Deutschen zu entgehen.

Die Ostküste des Schwarzen Meeres ist eine wenig gegliederte Küste, zum weitaus größten Teil Steil­küste, nur im Mündungsgebiet des Rion flacht sie sich ab und wird weites Sumpfland. Mit Nowo­rossijsk an einer großen, sturmgeschützten Bucht Laben die Sowjets den best ausgebauten Hasen der Ostküste verloren. Biel offener ist der Hafen des südlicheren Tuapse. Noworossijsk und Tuapse sind Endpunkte von Oelleitungen. Sie sind von dem nördlichen Kakasien durch Berge geschützt, die aber über die höhen großer Mittelgebirge nicht hinaus­gehen, allerdings durch Straßen und Bahnen nur beschränkt erschlossen sind. Noch weiter nach Süden liegen Sotschi und Such um. Der Kaukasus bricht hier so jäh ins Meer ab, daß beide Städte erst spät Bahnverbindung erhielten. Jn der südöst­lichsten Ecke des Schwarzen Meeres liegen Poti und Datum, schon ganz nahe der türkischen Ost­

Berlin, 6. Sept. (DNB.) Zu dem erbitterten Ringen um Stalingrad teilt das Oberkommando der Wehrmacht ergänzend mit: Der Feind versucht nach heranftihren frischer Reserven im Festungs­kampffeld von Stalingrad verzweifelt Widerstand Zu leisten. Aber der Angriff deutscher Truppen gewann nach Ausräuchern mehrere Bunker-und Ab­wehr starker feindlicher Panzerangriffe weiter an Raum. Eine starke feindliche Artilleriegruppe wurde durch eigene Artillerie erfolgreich bekämpft, wobei in den feindlichen Artilleriestellungen heftige Explosionen beobachet werden konnten. Panzerver­bände wehrten mehrere von starkem Artilleriefeuer unterstützte feindliche Gegenangriffe zum Teil in erbittertem Nahkampf ab.

Nachdem ber Feind weitere Infanterie- und Panzerunterstützung herangeführt hatte, setzte er an der Nordfront zwischen Wolga und Don seine Angriffe zur Entlastung der Stadt Stalingrad fort. Die Bolschewisten führten hierbei zehn Schützendivisionen und sieben Panzerbrigaden in den Kamps. Alle mit äußerster Erbitterung geführten Gegenangriffe des Feindes wurden unter Vernichtung von insgesamt 84 Panzerkampfwagen zerschlagen. Einige Pan­zervorstöße scheiterten im Bombenhagel von Kampf­und Sturzkampfflugzeugen. Die bolschewistischen Panzerkampfwagen blieben in dem von unzähligen Bombenkratern zerwühlten Kampfgelände im Nor­den und Westen der Stadt und an den besonders hart umkämpften Uebergängen verschiedener klei­nerer Flußläufe vernichtet liegen.

Einige am Vormittag von den Bolschewisten er­zielten örtlichen Einbrüche wurden bis zum Nachmittag im Gegenstoß wieder berei­nigt. Die eigene Truppe schlug sich in diesem vom Feind erbittert geführten Ringen hervor­ragend. Rumänische Truppen nahmen nach harten Kämpfen eine Häusergruppe und drangen nach Einnahme feindlicher Bunkerstellungen ttotz starken feindlichen Abwehrfeuers in eine zu einem Stütz­punkt ausgebaute Ortschaft ein.

Der Wehrmachtbericht vom Sonntag.

DNB. Aus dem Führerhauptquarlier, 6. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Auf der Taman-Halbinsel wurde in raschem Nachstößen nach Süden der letzte feindliche Widerstand gebrochen und damit die gesamte Halb­insel ostwärts der Straße von Kertsch genommen. Zahlreiche Gefangene wurden eingebracht und u. a. 37 leichte und schwere Geschütze erbeutet. Vor Noworossijsk arbeiteten sich deutsche und ru­mänische Truppen gegen stark ausgebaute Bunker- stellungen in hartem Kamps immer näher an die Stadt heran. Deutsche Schnellboote stießen in den

Oslteit des Schwarzen Meeres vor. Sie versenkten vier Dampfer und vier Leichter mit zusammen 9500 DRT. 3 m Kaukasus nahmen Gebirgstruppen nach mehrtägigen Kämpfen gegen zähen feindlichen Widerstand einen weiteren Hochgebirgspaß.

Die erbitterten Kämpfe im Raum von Sta­lingrad halten an. Auch gestern scheiterten unter Mitwirkung der Luftwaffe Entlastungsangriffe sehr starker feindlicher Kräfte von Norden. Hierbei wur­den 84 Panzer vernichtet. Stalingrad, Flugplätze ostwärts der Wolga und Nachschubverbindungen der Sowjets wurden bei Tag und Nacht bombardiert. Zwei Wolgaschlepper wurden durch Bombenwurf beschädigt.

3m Raum von Woronesch wurden bei feind­lichen Luftangriffen auf deutsche Flugplätze 27 Flugzeuge in Luflkämpfen ohne eigene Verluste ab­geschossen. Südwestlich Kaluga und südostwärts Rschew brachen wieder feindliche Angriffe zusam­men. Mehrere Flugplätze des Feindes wurden über­raschend angegriffen und dabei 20 sowjetische Flug­zeuge am Boden zerstört.

An einem Wolchow-Brückenkopf südlich des Ladogasees und an der Einschließungsfront von Leningrad scheiterten wiederholte feindliche An­griffe. Marineartillerie versenkte bei Kronstadt ein sowjetisches Minensuchboot und einen Schleppkahn. Ein weiteres Minensuchboot wurde im Finnischen Meerbusen durch Bombentreffer beschädigt. An der Eismeerfront bombardierten Kampfflugzeuge den Kriegshafen Murmansk sowie Eisenbahn­anlagen mit guter Wirkung.

3n der Zeit vom 25. August bis 4. September verlor die Sowjetluftwaffe 1062 Flug­zeuge. Davon wurden 812 in Luftkämpfen. 175 durch Flakartillerie und 33 durch Verbände des Heeres abgeschossen, die übrigen am Boden zerstört. 3n der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 49 eigene Flugzeuge verloren.

3n Nordafrika bekämpfte die deutsche und italienische Luftwaffe britische Stellungen, Panzer­ansammlungen und Flugplätze. Nach Volltreffern wurden Explosionen und Brände beobachtet. Heber dem nordafrikanischen Kampfraum sowie über Kreta wurden durch deutsche und italienische 3äger und durch Flakartillerie 20 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Bei Einflügen in die besetzten Westgebiele wur­den in Luftkämpsen 10, in der Nordsee und im Kanal durch Einheiten der Kriegsmarine zwei bri­tische Flugzeuge zum Absturz gebracht. Deutsche Flugzeuge griffen gestern Industrie- und Verkehrs­anlagen an der englischen Südküste und in Ost­england an.

Zwischen Don und Wolga.

Oer Kampf um die Feldbefestigungen von Stalingrad. Von Kriegsberichter Oswald Zentner.

PK. ... An einem einzigen Tage sind starke Panzerverbände aus dem Brückenkopf im großen Donbogen, bis an die Wolga nördlich Sta­lingrad durchgebrochen. Das ist nur ein neuer Be­weis für die Ueberlegenheit der deutschen Panzer­waffe; diese schneidige Attacke zeigt auch, wie sehr das Verteidigungssystem in diesem kriegsentschei­denden Abschnitt zwischen Don und Wolga durch den fortschreitenden deutschen Angriff desorgani­siert worden ist.

Für die Panzerkräste, die 50 Kilometer vor der Jnfanteriespitze ganz auf sich gestellt sind und deren Nachschubsttaße, einem dünnen Darm vergleichbar, jederzeit von den Bol­schewisten unterbrochen werden kann, werden schwere und kampfreiche Tage kommen. Aber es ist ja nicht das erstemal in diesem Kriege, daß Panzerverbände die Bresche in die Front des Fein­des schlagen, dann abgeschnitten werden und in vor­geschobenen Stellungen solange ausharren, bis sich die Infanterie herangekämpft hat. Viel schwieriger

ist die Aufgabe, die den Infanteriedivi­sionen vor Stalingrad gestellt ist.

Die Landbrücke zwischen dem Don- und dem Wolgaknie ist wie ein Riegel zwischen Zen­tralrußland und dem unteren Don- und Wolgage­biet, dem Kubangebiet und dem Kaukasus. Die Stadt Stalingrad (früher Zarizyn), die einschließlich der Vorstädte in 20 Klometer Länge am rechten Wolgaufer liegt, ist der letzte st r a t e g i s ch e Eckpfeiler der bolschewistischen Süd- fr o n t. Fällt die Stadt, dann bricht die Haupt­verbindung zwischen der Mitte und dem Süden zusammen, die direkten Bahnverbindungen zum Kaukasus werden unterbrochen und der ganze Unterlauf der Wolga wird der sowjetischen Nut­zung und Kontrolle entzogen.

Es ist heute eine ähnliche Lage eingetretrn wie 1918. Damals hinderten Zarizyn und die Land­brücke zwischen Don und Wolga die Vereinigung der weißrussischen Armeen in Mittel- und Süd- rußland; heute ist es das letzte Bindeglied zwischen

Die sowjetische Seemacht.

Das Verhalten der sowjetischen Flotte in diesem! Krieg läßt an die zahlreichen Fehlschläge der ruffi- schen Seemachtsgeschichte denken. In merkwürdiger Wiederholung ziehen sich derartige Katastrophen durch die Geschichte des Ostreiches.

Bekannt ist die geographisch ungünstige Lage der Sowjejtunion zu den warmen Meeren. Während sie über eine lange arktische Küste verfügt, die ihr wenig nützt, hat sie an den warmen Meeren nur Zutritt zu den innersten Winkeln der Nebenmeere. Die Ostsee ist ein geschlossenes Meer, dessen Aus­gang früher von den nordischen Mächten, heute von Deutschland kontrolliert wird. Das Schwarze Meer wird abgeschlossen durch die türkischen Meerengen, die ttotz aller Mühen nicht zu erreichen waren. Wladiwostok, dieBeherrscherin des Ostens", sollte zwar Ausgangspunkt einer See» machtentwickluntz am Stillen Ozean werden, wird aber durch den japanischen Inselbogen vom hohen Pazifik abgeschlossen. So blieb eigentlich nur Archangelsk, das aber im Winter fünf Monate zufriert, oder das.eisfreie Murmansk am freien Meer, das nur durch seine abseitige Lage nördlich des Polarkreises verkehrsmäßig problematisch erscheint. Im übrigen ist die Bahn­verbindung nach Murmansk heute bereits von deutsch-finnischen Truppen unterbrochen und bamti der Hafen strategisch lahmgelegt worden.

Der Bewohner der Sowjetunion selbst ist ein Mensch des Landes und der Steppe, der die an» dersgearteten Gesetze des Meeres nicht versteht. Der Franzose sagt:Das Meer liebt den Russen nicht." Ueberdies verlangt das Wesen des See» Krieges individuelles Führertum, Entschlußfreudig» feit und Selbständigkeit des Handelns, alles Cha» raktereigenfchafen, die dem kolletiv denkenden Be­wohner der Sowjetunion fremd sind. So ist es er» klärlich, daß in feinem Verhältnis zum Meer raffen» psychologische Schwierigkeiten bestehen, die ihn zu Unsicherheit und Untätigkeit in Dingen des See­wesens verleiten.

Im Krim krieg 1854/55 erfolgte der erste große Rückschlag, als die Schwarzmeer-Flotte trotz gün­stiger Verhältnisse nicht den Versuch machte, die ver- bündeten Engländer, Franzosen, Türken und Pie­montesen an der Landung auf der Halbinsel Krim zu hindern. In völliger Verkennung der Erforder­nisse des Seekrieges zag man die Flotte von der See zurück und degradierte sie zur Hafenverteidi- aung, indem man eine Doppelreihe von Kriegs­schiffen vor Sewastopol legte, um die Ein­fahrt zu sperre«.' Sieden Schiffe wurden sogar im Fahrwasser versenkt und ihre Geschütze und Be­satzungen den Landstteitkräften zugeteilt. Ein Bei­spiel von verkehrter Ausnutzung der Seekriegs- mittel, das sich noch öfter wiederholen sollte. Die Folge war die Belagerung und Kapitulation von Sewastopol und der Pariser Vertrag von 1856, der

der mittleren und der südlichen Front der Sow­jets. Heute wie damals werden die Bolschewisten der Versuch machen, diese Stadt, die den Namen Stalins trägt, mit allen Mitteln zu halten. Sie müssen es schon aus Gründen der Selbsterhaltung tun, auch wenn Stalin nicht den Befehl gegeben hätte, keinen Fußbreit Boden kampflos mehr gus- zugeben.

Das Land zwischen Don und Wolga ist von den Bolschewisten zu einer einzigen Festung ausgebaut worden. Taufende FeDstellungen, Feldbefestigungen, Erdbunker, Schützenlöcher, MG.» und Kampfstände sind als westlicher Verteidigungs» gürtet Stalingrads über das ganze Gelände ver­teilt worden. Wo der Infanterist auch antritt im­mer stößt er auf diese Feldbefestigungen, die so gut getrarnt sind, daß sie zuweilen auf nächste Entfer­nung nicht erkannt werden.

Sibirische Scharfschützen-Regimenter der sowjeti­schen Fernost-Armee, die in wochenlangen Mär­schen an den Don herangeführt worden sind, ver­teidigen den Abschnitt. Die deutschen Infanteristen, die durch die pausenlosen achtwöchigen Gewaltan­strengungen der großen Don-Offensive kampferprobt sind, stoßen hier auf einen zäh kämpfenden Gegner, dem sie durch täglich härtesten Einsatz Kilometer um Kilometer abringen müssen.

Die Ueberminbung der 60 Kilometer zwischen Don und Wolga war für die deutschen Panzer ein ver­wegener Husarenritt. Die operativen Folgen dieses Durchbruches werden nicht ausbleiben. Der Infan­terist aber wird dadurch der Notwendigkeit nicht ent­hoben, sich in täglich neuen, ost verlustreichen, immer schwereren Kämpfen durch diesen tiefgeglieder­ten und breiten Gürtel der Feldbefestigungen durch­zukämpfen. Die eigene Artillerie und die schweren Infanteriewaffen machen Abschnitt um Abschnitt sturmreif. Die Panzerjäger halten den Infanteristen die sowjetischen Tank vom Halse, die immer noch zu Dutzenden herumfahren oder aus Rampenstellungen als Artillerie wirken. Die Luftwaffe zertrümmert in rollenden Tageseinsätzen eine Stellung nach der anderen, greift die feindlichen Panzerbereitstellungen an und hält die schweren Waffen der Sowjets nie­der. Die bolschewistischen Bomber fliegen nur nachts und richten entsprechend geringfügigen Schaden an.

Vor Stalingrad ist eine Schlacht im Gange, die auf beiden Seiten unter Einsatz aller Waffen ge­führt wird. Die Vorentscheidung wurde bereits mit dem Uebergang im großen Donbogen erkämpft, den die Sowjets trotz verzweifelter Gegenwehr nicht verhindern konnten. Nun wird im Jnfanteriekamps Tag um Tag ein Teil stück nach dem an­deren aus dem westlichen Verteidigungsgürtel vor Stalingrad herausgebrochen. Die Anariffswalze der deutschen und verbündeten Truppen schiebt sich täg­lich bedrohlicher an die Wolgastadt heran. Die In­fanterie-Divisionen aber, die an dem Angriff betei­ligt sind, krönen mit diesem heldischen Einsatz, der der Führung mutigste Entschlüsse und den Feld­soldaten das Opfer stündlicher Selbstüberwindung abverlangt, die gigantische Donschlacht, bei deren Ende die deutschen Soldaten nach einer Serie dra­matischer, aufreibender und beispielloser Kämpfe zum ersten Male in der Geschichte an der Ostgrenze des europäffchen Kontinents stehen werden.