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Haus und ine Wirtschaftsgebäude waren ein Raub der Flammen geworden. Das Kind hatte schon Mer einmal auf ähnliche Weise eine Brandgefahr verursacht. Die Mutter wurde zu zwei Monaten Aefängnis verurteilt.
Kunst und Wissenschaft.
Korfiz Holm gestorben.
Am 5. August starb in München nach langem Lei, den der Dichter Korfiz Holm. Er hätte am 21. August seinen 70. Geburtstag begehen können. Als Fabrikdirektorssohn in Riga geboren, kam Korfiz Holm über Gymnäsiastenjahre in Lübeck und ein paar Semester Jura in Berttn zunächst als Student nach München. 1896 trat er als Volontär bei dem schon damals bekannten Münchner Verlag Albert Langen ein, bald gehörte er zu dem Stab des Unternehmens. Seme persönliche Herkunft und seine stets gepflegte Fühlung mit dem Norden ließ.ihn vor allem zum Mittler des nordischen Schrifttums in Deutschland werden durch Gesamtausgaben der Werke heidenstams, der Lagerlöf, Gunnarssons und Knut Hamsuns. Aber auch heute führende Deutsche wie Hanns Johst, Hans Grimm, Karl Benno von Mechow, Ludwig Thoma wurden durch K»rfiz Holms Verlegertätigkeit schon um 1916 im deutschen Schrifttum bekannt. Mit diesem Weg des Verlegers zugleich ist die Entwicklung des Schriftstellers Holm erfolgreich gewesen. -Sind Bücher wie „Herz ist Trumpf" oder Bühnenstücke wie seine Komödie „Marys großes Herz" allgemein bekannt geworden, so ist das tiefste Erlebnis seiner künstlerischen Art wohl das in „Thomas Kerkhoven" oder dem großen Vornan „Die Tochter", von dem eine Neuausgabe noch in diesem Monat erfolgen soll. In seinen autobiographischen Büchern „ich kleingeschrieben" und den in Druck befindlichen Jugenderinnerungen „Vom Lauser zum Leiber" steht mancherlei über das München der 9Oer Jahre und Holms verlegerische Tätigkeit.
Paul Apel 70 Jahre all.
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In diesen Tagen kann der Dramatiker Paul Avel seinen 70. Geburtstag feiern. Es sind jetzt 30 Jahre her, da erregte das Schauspiel „Hans Sonnen- 't ö ß e r s Höllenfahrt" Paul Apels bei seiner Uraufführung ebenso viel befremdetes Kopfschütteln wie begeisterten Beifall. Der Beifall ist geblieben und hat sich wieder heftia- geregt, als vor kurzöm pie Staatlichen Schauspiele in Berlin einen neuen fLersuch mit dem heiteren Traumspiel machten, in siner Bearbeitung von Gründ gen s. Dann brachten die Schauspiele auch Apels „Der goldene Dolch" heraus. Das find die beiden Grenz-
«ne Geschichte der Wilhelmshöhe.
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y. ™ und Schaffen des Unbekanntesten der berühmten femem hessischen Gelehrtenfamilie fruchtbar für die Gegen- vart, der zweite „Die Handzeichnungen von Johann
steine von Apels dramatischem Schaffen, dazwischen liegen die Tragödie „Oertrüb", das romantische ’ Spiel „Hansjörgs Erwache n", die Satire .,D e r häuptlin g". Apel war Schauspieler, ehe sr zu schreiben anfing, u,nd es waren zuerst philosophische Abhandlungen, die er geschrieben hat. Etwas vom Philosophen ist beim Dichter übriggeblieben, aber daß es keine trockene Buchweisheit ist, die
In einer neuen Buchreihe des Bärenreiter-Ver- ßages in Kassel „Lebendiges Erbe in h'esse n°Nas sau", die der Oberpräsident der Pro- oinz-hessen-Nassau begründet hat, sind bis heute zwei Bände erschienen. Der erste „Ludwig Emil Srimrn, ein deutsches Bilderbuch" macht das Leben
Heinrich Tischbein dem Aelteren" ist eine Arbeit des im September 1941 gefallenen jungen hessischen Kunstwissenschaftlers Eberhard Preime. Als Näch- les ist eine Huttenbiographie in Arbeit, ferner eine n der Bikdauswahl auf Hessen angelegte Ausgabe der Lebenserinnerungen Wilhelm Tischbeins. Es verden folgen ein Buch Heidelbachs über Bantzer, len jüngst verstorbenen Altmeister der Hessenmaler, ie Lebenserinnerungen Ludwig Emil Grimms und
uns Apel gibt, beweist das Lächeln,, mit dem wir Sonnenstößers Höllenfahrt immer wieder aufnehmen, ebenso, wie die innere Ergriffenheit, die uns bei feinen tragischen Gestalten anwandelt.
Line Schriftenreihe zur hessischen Heimatkunde.
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Neues vom Film.
Attila Hörbiger ist der Partner von Paula Kessely in dem neuen Wien-Film „Späte Liebe", en Gustav Ucicky nach einem Drehbuch von Gerard Menzel inszeniert. — Erich Claunigk hotographiert den Bavaria-Film „Der dunkle -ag", dessen Hauptrollen mit Marte harell, Willy llrgel und Ewald Balser besetzt sind. — Küche > yckhoff,»die in dem Ufa-Film „Illusion" debütierte und durch eine beachtliche schauspielerische Leistung auffiel, spiett jetzt eine größere Rolle in em neuen Ufa-Film „Liebesgeschichten", den Viktor Lourftmsky inszeniert. -
Aus der Gtadi Gießen.
Schadenverhütung im Haushalt.
heute, da die Beschaffung oder der Ersatz eines Haushaltgeräts mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. heißt es doppelt pfleglich mit chnen umgehen. Leichter ist es, Schäden zu verhüten, als beschädigte Dinge wieder gebrauchsfähig zu machen. Wenn wir aufmerken und auf uns selbst achten, werden wir gewiß noch manche Gedankenlosigkeit oder Nachlässigkeit im Umgang mit den verschiedensten Dingen des Haushalts feftfteilen.
Besen z. B. halten noch einmal so lange, wenn man sie nie auf die Borsten stellt' sondern stets aufhängt. Sind aber die Borsten durch falsche Behandlung schon zusammengedrückt, kann man ihnen wieder zur Frische verhelfen, indem man sie über starken Wasserdampf hält. Nach dem Trocknen sind sie wieder elastisch. Handfeger und Teppichbürsten müssen regelmäßig mit heißem Wasser und einer groben Bürste gereinigt werden. Haarbürsten taucht man zur Reinigung nur bis zum Holz in Salmiakwasser ein und läßt sie, auf die Borsten gestellt, trocknen. Kleiderbürsten reinigt man besser mit eingestreuter Kleie oder mit Kartoffelmehl, das wieder ausgeschüttelt und mit einer zweiten Bürste herausgebürstet wird. Zahnbürsten und Handbürsten finb für häufige Reinigung in starkem Salzwasser dankbar. Badeschwämme sollten einmal im Monat einige Stunden in eine Borax- oder Salzlösung gelegt und danach gut gespült werden, ehe sie zum Trocknen im Schatten aufgehängt werden, was besser in einem Netz als mit einem Schnürchen geschieht. Kämme müssen in mäßig warmem — nicht heiß! — Salmiakwasser gereinigt werden. Fensterleder bleibt geschmeidig, wenn man es pad) Gebrauch eine Stunde in Salmiakwasser legt (zwei Eßlöffel Salmiak auf 1 Liter Wasser) und es dann darin auswäscht. Im Schatten ttocknen, nachdem es nach allen Seiten ausgezogen worden ist.
Nach beend^er Arbeit sollten Bügeleisen, solange sie noch warm sind, mit einem Kerzenstümpfchen eingerieben werden, wodurch jede Rostbildung vermieden wird. Vor Gebrauch wird die Wachsschicht wieder abgerieben. Ein Ueberzug über das Bügeleisen empfiehlt sich, um die Luftfeuchtigkeit fernzuhalten. Gummiwaren, die längere Zeit nicht benutzt werden, sollen von Zeit zu Zeit ein lauwarmes Bad bekommen, damit sie nicht hart werden. Falsch ist es, sie mit Fett, Del oder dergleichen einzureiben; Fett greift Gummi an. Da wir das einzig verhütende Mittel, Glyzerin, heute nicht zur Verfügung haben, pflegt man die Gummiwaren mit den lauwarmen Bädern. Gummimäntel und Gummischuhe werden entweder mit kaltem Wasser oder, wenn sehr bespritzt, mit etwas lauwarmer Seifen- lösung abgewaschen. Gummischuhe kann man danach mit einem Petroleumlappen leicht abreiben. Nur an schattigem Platz an der Lust trocknen. Wachstuch wird am besten nur mit warmem Wasser gereinigt und mit einigen Tropfett Milch nachpoliert. Fleckige Stellen reibt man mit einem Seifenläppchen ab und spült mit lauwarmem Wasser nach.
Betten nie zum Lüften in die pralle Sonne legen; sie schmilzt die feine Wachsschicht des Jnlets und mackt die Federn brüchig. Lüftung am offenen Fenster genügt; fleißiges Ausschütteln der Federn ist nötig. Betten nicht Hopfen! Auch dadurch brechen die Federn und leidet der Stoff. Schütteln, Lüsten und Abbürsten genügt für die tägliche Reinigung. Wenn möglich, sollten Betten einmal jährlich in der Federnreinigungsanstalt völlig entstaubt und so aus- gefrischt werden. ,
ärzeugerfeffpreise für Speikekartoffeln
NSG. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Für Speisekartoffeln werden folgende Erzeugerfestpreise je 50 kg netto ausschließlich Verpackung frachtfrei Empfangsstation festgesetzt:
für weiße, für runde für lange
in der Zeit rote, blaue gelbe gelbe vom Sorten Sorten Sorten
3.8.— 9.8. 42 5,— RM. 5,50 RM. 6,— RM.
10.8.—16.8.42 4,25 „ 4,75 „ 5,25 „
17.8.-23.8.42 4,— „ 4,50 „ 4,50 „
24.8.—31.8.42 3,50 „ 4,— „ 4,— „
Für Speisekartoffeln, die unter der Bezeichnung „Königsberger Blaublanke" und „Weißblanke" in den Verkehr gebracht werden, kann vom 24. August bis 31. August 1942 der für weiße, rote und blaue Sorten festgesetzte Festpreis bis zu —,50 RM. je 50 kg überschritten werden. Für die Sorten „Juli (Nieren)", „Frühe Hörnchen", „Sieglinde", „Viola" und für Speisekartofsein, die unter der Bezeichnung „Königsberger Gelbblanke" in den Verkehr gebracht werden, kann vom 24. August bis 31. August 1942 der für gelbe Sorten festgesetzte Festpreis bis zu —,50 RM. je 50 kg überschritten werden.
Arbeitsschutz ist Lebensschutz.
Ein ernstes Wort an die Frauen und Mädchen in den Betrieben.
NSG. Als bei Ausbruch des Krieges Millionen Frauen zusätzlich in den Arbeitsprozeß eingegliedert wurden und die Stellung der Männer einnahmen, die anderweitig dringender gebraucht wurden, ergab sich zwangsläufig eine Erhöhung der Unfallgefahr. Seitens der Betriebsführungen wurde alles getan, ynö die Deutsche Arbeitsfront überwacht immer wieder, ob und welchen Unfallgefahren vorgebeugt werden kann.
Durch die Tatsache, daß beispielsweise an Maschinen jetzt Frauen stehen, die vor allem nicht über die notwendige Erfahrung und Routine verfügen, mit der die früher hier beschäftigten männlichen Gefolgschastsmitglieder zu arbeiten in der Lage waren, aber auch durch die Eigenart der weiblichen Bekleidung kamen immer wieder Betriebsunfälle vor. Die verschiedensten Stellen von Staat und Partei ließen es sich angelegen fein, diese Unfallquellen und Gefahrenfaktoren durch Schaffung artgemäßer Arbeitskleidung zu beseitigen oder wenigstens auf ein erträgliches Maß zu mindern. Besonders an Bohrmaschinen und Drehbänken er
eignen sich immer wieder Unfälle dadurch, daß die Kopfhaare der hier beschäftigten Frauen und Mädchen in laufende ober sich drehende Wellen geraten. Schmerzhafte Verletzungen der Kopfhaut und oftmals sogar grundlegende Entstellung des Gesichtes waren und sind die Folae.
Ay Hinweisen und Aufforderungen, Kopfhauben zu tragen, fehlte es von keiner Stelle. Zweckmäßige und schöne Muster wurden bereits herausgebracht. Leider aber spielt die weibliche Eitelkeit hier eine verhängnisvolle Rolle. Die Tätigkeit des Arbeits- fchutzwalters im Betrieb ist sinnlos, wenn seine Maßnahmen zur Verminderung der Gefahren am Arbeitsplatz durch Eitelkeit und Nichthörenwollen sabotiert werden. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Nicht Zwang ober nachdrückliche Belehrung, sondern eigene Erkenntnis über den Wert des Lebens und der Gesundheit müssen die Haupttriebfedern sein, viele durch Leichtsinn bedingte Gefahren am Arbeitsplatz zu verhüten, denn Arbeitsschutz ist Lebens» schütz. Das gilt besonders für die schaffenden Frauen.
Die:
anderung am Sonntag.
Gießen—Hangelstein—Daubringen — Staufenberg— Lollar. !
Wir beginnen unsere Wanderung am Justizgebäude und folgen blaue» Dreiecken, die uns über die Wiesen am Rande bes Philosophenwaldes entlang nach unferm Vorort Wieseck führen. Wir durchschreiten den Ort, gehen ein Stück die Alten-Busecker Straße entlang bis zur Ludwigsburg, hinter der das Zeichen in den Wald geht. Auf Kreuz- und Duermegen kommen wir auf die höhe des hangel- steins, berühren alle sehenswerten Punkte, wie schöne Aussicht, Ausblick über den Steinbruch und Felsenkanzel, hinter der wir hinabsteigen und an der Teufelskanzel und Unionslinde vorüber zum Daubringer Paß gelangen, hier verlassen wir das Zeichen, gehen die breite Straße abwärts nach Daubringen, überschreiten das Lumdatal und wandern hinauf zur Burg Staufenberg. Nach Besichtigung der wohlerhaltenen Burganlag? und Besteigung des Turmes, um den prächtigen Rundblick zu genießen, steigen wir auf aussichtsreicher Straße hinab nach Lollar, von wo wir heimfahren. Wanderzeit etwa 3V- Stunden, bei Benutzung der Straßenbahn nach Wieseck a/< Stunde weniger.
Bieber — Dicke Eiche — Blasbach — Allenberg — Bieber.
Mit der Bahn fahren wir nach Bieber, gehen van hier durch Hof Haina, später am Forsthaus Haina vorbei nach dem anmutigen, mit schwarzen Drei
ecken bezeichneten Schwalbenbachtal. In der Mitte des Tales weist uns ein Schild in wenigen Minuten hinauf nach der unter Naturschutz stehenden Dicken Eiche. Gelbe Striche leiten uns jetzt in südlicher Richtung zunächst durch Wald, hierauf durch einen Wiesengrund bis zur nächsten Waldspitze, wo wir das Zeichen verlassen und auf einem Feldweg einen Höhenrücken übersteigen, auf dessen Kamm sich ein prächtiger Blick auf das Blasbachtal und das •311 unfern Füßen malerifd) gelegene Blasbach erschließt. Bold darauf erreichen wir den Ort, wo wir rasten können. Wir gehen nun das liebliche, viel« gewundene Tal aufwärts, kommen zum Altenberg, ergötzen uns auf der Plattform des neu hergerichteten Turmes an dem herrlichen Panorama und folgen gelben Andreaskreuzen, die uns auf aussichtsreichen Wegen nach merftünbiger Wanderung wieder nach Bieber zurückbringen.
Dandervorschlag des DHL. Gießen.
Gießbn — Seemühle — Gleibachtal — Wald- Haus — Schmelz — Friedelhausen. Abmarsch: Neu- ftäbtertor. Die Krofdorfer Straße entlang bis zur 'Seemühle. Von hier gelber Punkt (VHC.-Markie» rung), dem Gleibachtal aufwärts am Waidhaus vorbei, zum Sauwafen (2 Stunden). Nach Ueber= schreiten eines Höhenrückens zur Schmelz (eine Stunde); jetzt ohne Zeichen durch das Salz- böbetal nach Ddenhausen ünb Station Friedel- Hausen (eine Stunde). Gesamtwanderzeit vier Stunden.
Auf jeden einzelnen Güterwagen kommt es an!
Die Reichsbahn hat von sich aus alles getan, um neben der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensrnitteln, Kohle unb anderen Dingen des notwendigsten Bedarfes die starken Verkehrsbedürfnisse der Wehrmacht und der Rüstungsindustrie zusätzlich zu bewältigen. Alle ihre Vorkehrungen blieben aber erfolglos, wenn nicht alle Verkehrstreibenden die Reichsbahn in der Erfüllung ihrer Aufgaben weitestgehend unterstützen. Auch auf die tätige Mitwirkung und Hilfe des Landvolkes kommt es wieder an. Soweit es nur irgend möglich, sind Transporte auf den Wasserweg zu verlagern, zumal die deutsche Binnenschiffahrt zusätzlich Verfrachtungen übernehmen kann. Im übrigen sind aber nur so viele Migen anzufordern, wie gerade noch benötigt werden. Jeder Verlader und Empfänger hat die Pflicht, jeden Wagen sofort bei Bereitstellung' zu beloben und bei Ankunft zu entladen. Auch an Sonn- und Feiertagen dürfen diese Arbeiten nicht ruhen. Die Wagen sind sorgsam und pfleglich zu behandeln. Unbedingt nötig ist es auch, daß jeder Wagen bis zum letzten ausgelastet wird. Dabei dürfen jetzt reichsbahneigene Wagen im innerdeutschen Verkehr bis zu 2 t, belgische unb französische Wagen bis zu 1 t über bie Tragfähigkeit hinaus beloben werben. Für den einzelnen Verfrachter bedeutet dies auch ' eine wesentliche Frachteinsparung, da die Frachtsätze je Gewichtseinheit für die Hauptklasse niedri- | ger als jene für die 5-t- ober lO-t-Nebenklasse lie- | gen. Frachtbriefe und sonstige Begleitpapiere sollen vollständig und forgfältig vom Verlader ausgefüllt
sein. Auch von dem Bahnpersonal mit seinen Hilfskräften kann in Zeiten einer UeberÄeanspruchung des Güterverkehrs nichts Unmögliches verlangt werden.
Nicht leichtsinnig werden!
NSG. Die Erfahrungen bei den letzten Luftangriffen besagen, baß Verluste an Menschenleben immer wieder in der Hauptsache dort zu beklagen sind, wo man, anstatt rechtzeitig den Luftschutzraum aufzusuchen, leichtsinrngerweise in der Wohnung verbleibt ober sich gar trotz aller Warnungen aus Neugierde auf der Straße aufhält. Man bedenke, daß das Leben dieser Volksgenossen nicht allein durch Bombeneinwirkuna unmittelbar bedroht wird, sondern daneben bei Flakbeschuß auch durch Flaksplitter gefährdet ist. hingegen ist der vorschriftsmäßig — wenn auch behelfsmäßig — heraernhtete Luftschutzraum bei Luftangriffen zweifellos der sicherste Aufenthalt. Jeder, der so seiner Familie und damit seinem Volke gegenüber pflicht- und verantwortungsbewußt handelt, begibt sich deshalb bei Fliegeralarm rechtzeitig in den Luftschutzraum, wobei das Luftschutzraumgepäck und andere notwendige Dinge nicht zu vergessen sind. Frauen, Kindern, Kranken und Gebrechlichen gebühren alle Bequemlichkeiten! Ruhe im Luftschutzraum ist selbst« verständliches Gebot. Soweit noch nicht geschehen, sorge jede Hausgemeinschaft für wohnliche Ausgestaltung bes Luftschutzraumes, um auch längere Fliegeralarme ohne Gefährdung der Gesundheit und ohne allzu lange Unterbrechung der Nachtruhe überstehen zu können. Im übrigen befolge man die Anordnungen bes^Luftschutzwartes und unterstütze freiwillig feine Maßnahmen.
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Dr. Brüggers Patientin
Roman von Walter Klöpffer
9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Vorausgesetzt, daß» Sie nicht müde sind. Ich würde gern wieder einmal tanken und ein bißchen Vwsik hören. Wir könnten ins Hotel Regina gehen. Er fäh sie bittend an.
„Liegt Ihnen viel daran?"
„Ich möchte furchtbar gern!
„Gut, dann gehen wir', nickte sie.
Sie ließen den Wagen vor dem Hotel stehen unb Begaben sich in die Diele. — Ein gutes Paar, — dachte Brügger, als sie gemeinsam vor einem Spie- tel standen. Sie gaben die UeberHetber ab unb schritten in den großen Raum, wo getanzt wurde. Ls traf sich, daß irgendwo noch zwei passende Plcche frei waren. Gut angezogene Menschen, ein ovales Parkett und einschmeichelnde Musik. Als der be- pellte Wein kam, stieß Brügger mit Anna an, die ihm sreuttdlich-dankbar in die Augen sah- Ms sie ben kreisenden Paaren eine Zeitlang zugesehen bat* kn, und die Kapelle einen Tango intonierte, stu- fcrte Anna:
„Jetzt? Ich glaube, das ist etwas für uns.
„Ja", stimmte er fröhlich zu. Er sprang auf unb kgte den Arm um sie. „Eigentlich habe ich setzt Ge- »issensbisse. Wenn es Ihnen zuviel wird, Horen wir auf. Außerdem bin ich ein ziemlich mäßiger «Lanier --
Anna entgegnete nichts. Sie bog besn .«‘JP1 Wenig zurück, so daß man ihre We, ^t,IPP?er2^ Kehle sah, unb machte ein glückliches Gesicht. Ihr schlanker Körper schmiegte sich jeder
Partners an. — Eigentlich benehme ich wich Ia schamlos, — dachte sie flüchtig. — Erst ^afpar p6”’ b»r und jetzt schon wieder ein Mann, — als 00 nichts gewesen wäre--ach was, morgen ist 1
; Mo wieder alles grau. Und der Doktor ist^gena
fo ein armer Kerl wie ich, man muß ein .mtzchen ; litt zu ihm fein, — unb er hat es um mich verdient —
Brügger benahm sich zu Anfang etwas steif, aber bald wurde er mutiger und gab dem Locken der Melodie nach. Unb mit der Sicherheit des Tanzens kam das Selbstverttauen. — Herrgott, so alt bin ich eigentlich gar nicht! — ging es ihm durch den Kopf. So ein feingliedriges, anmutiges Geschöpf wie Anna im Arm zu halten, war schon etwas Wunderbares. Und das liebe Gesichtei, aus dem er die Traurigkeit weggezaubert.hatte ... Schade, daß man während des Tanzens keine Erklärung machen konnte, — jetzt wäre es gegangen!
Als er Anna an den Tisch zurückführte, war er lebhaft wie schon lange nicht mehr. z
„Wie fühlen Sie sich, Fräulein hudal?"
„Vorzüglich."
„Kopfschmerzen?" .
„Keine Spur. Ich wundere mich selber.
„Prosit, Fräulein Anna!"
Sie tat ihm Bescheid. „Ich muß langsam:, trin- ken, sonst bekomme ich einen Schwips. Ich vertrage nämlich nicht viel. Ach, das war ein wunderschöner Tag heute! Ich danke Ihnen, Herr Doktor!"
„Wollen wir ihn wiederholen?" fragte er munter. „DJtir hat er auch gefallen. Einverstanden, Fräulein Anna?"
„3a", antwortete sie nur ganz leise.
Nach einer Weile brachen sie auf. Als sie auf die Straße traten, empfing sie ein milder Abmd mit wenig Passanten, mit Blattgefläster und on glimmenden Sternen.
„Ich glaube, wir gehen besser zu Fuß, wenn es Ihnen nichts ausmacht? Den Wagen lasse ich hier stehen, es wird ihn nicht gleich einer mitnehmen. Bummeln wir noch ein Stückchen durch den hof- garten", schlug er vor.
Annas Kopf füöte ein zarter, sausender Schwindel. Vielleicht war es der Wein, die Musik, vielleicht aui nur der Frühling, der chr in den Gliedern lag. Sie griff nach Brüggers Arm, der ihr Einhängen falsch beutete und den Arm leicht an sich drückte. Der Schwächeanfall ging rasch vorüber, aber Anna mochte ben Arm nicht fortnehmen. Sie hatte plötzlich eine starke Sehnsucht nach männlichem Schutz, nach Rückhalt und Geborgenheit.
Brügger war selig, daß die fremde kleine Hand von selbst zu ihm gefunden hatte. Nun war alles viel leichter. Sie schritten durch den 5)ofgarten, aber der war ihm zu bevölkert. Sie gingen die Maximi- lianstraße hinunter bis zw der Brücke, die ihren steinernen Bogen über die Isar schwingt. Anna blieb stehen.
„Sehen Sie nur — wie schön! Der Fluß und die Silhouette der Stadt. Das erinnert mich immer an Florenz. Auf Bildern natürlich. Denn ich war nie dort."
„Ja, ja", entgegnete Brügger, aber er war nicht ganz bei der Sache.
Sie gingen weiter, bis die sanfte Dunkelheit der Jsaranlagen sie aufnahm. Hier war es still, hier verebbte der Lärm der großen Stadt. Und in den Kronen der Bäume rauschte es leise. Hier war es einsam. Sparsam standen die Laternen und warfen mild ihre Lichtkreise. Brügger zog Annas Hand dichter an sich und stammelte:
„3d) muß Ihnen etwas sagen, Anna, was ich schon den ganzen Tag mit mir f)erumtrage. 3ch liebe Sie. Wollen Sie meine Frau werden?"
Anna wurde es ein bißchen schwach in den Knfen, — mit einer solchen Erklärung hatte sie nicht gerechnet. Sie senkte den Kopi und schwieg.
„Ich bin zwar ziemlich viel älter als Sie", fuhr Brügger fort, „aber das kommt öfter vor. Wenn Sie Bedenken haben- —."
„Es ist nicht das", erwiderte sie leise. Sie hatte sich jetzt wieder fest in der Hand. ,Jhr Anttag ist eine große Ehre für mich--ober ich bin nicht
die Frau, auf bie Sie Anspruch erheben können. Es war da einmal etwas mit einem anderen, der meine Unerfahrenheit ausgenugt hat — —. Nun wissen Sie auch, was mich die ganze Zett über bedrückt hat..." Sie schluckte, ihr Rücken krümntte sich, dann wandte sie sich ab.
Brügger stand mit einem Schritt vor ihr und hob ihr nasses Gesicht empor. Dann küßte er sie auf den Mund.
„Nicht mehr daran denken, Anna. Du gehörst jetzt zu mir. Willst du?"
Da schlang sie die Arme um seinen Hals und sah unter Tränen zu ihm auf.
„Ich will dir eine gute Frau werden, Martin. So wahr mir Gott helfe!"
♦
Frau Purgstaller und die Köchin Resi hatten ein wortreiches Palaver wegen des Mittagessens. Rahmschnitzel ober Ochsenlende, das war hier die Frage. Brügger hatte vorhin aus der Klinik telephoniert, er werde auf einen Sprung nach Trettau kommen, alles weitere werde er von Angesicht zu Angesicht erklären. Als die Sache mit dem Menu entschieden war, und zwar zugunsten von Rests Schnitzel, sauste die Hausdame zu Hingerl, der Blumen, viel Blumen für die Vasen schneiden sollte. Blumen machten immer Eindruck.
Hingerl nahm die diesbezüglichen Wünsche der Hausdame ohne Aufregung zur Kenntnis und brummte: „Ich werde sehen, was sich machen läßt." Eine halbe Stunde später schleifte er einen Korb heran, dessen Inhalt den Purgstallerschen Bedarf weit überstieg. 3a, wenn Hingerl wollte! Darauf hetzte die Hausdame das Dienstmädchen Zenzi durch sämtliche Zimmer, um den Dingen den letzten Glanz zu geben. Und ganz zuletzt dachte sie an die eigene Aufmachung.
Das Haar, dieses verrückt blonde und modisch aufgebäumte Haar konnte so bleiben. Auch die Fingernägel brauchten nur wenig Nachhilfe. Ein anderes Kleid und andere Strümpfe mußten natürlich her. Als Alwine Purgstaller, ziemlich ausgezogen, sich vor dem großen Ankleidespiegel musterte, hatte sie selber die Empfindung, eine prachtvoll gewachsene ' Frau zu fein. Auf hohen, gut gedrechselten Beinen ruhte ein Oberkörper, der sich wahrlich sehen lassen konnte. Alwine nickte ihrem Spiegelbild zu und legte ein bißchen Rot auf die Lippen, was nie schaden konnte. Dann kam bas Kleid an die Reihe. Unten im Wohnzimmer zupfte sie spielerisch an den Blumen herum, rückte hier eine hoher, dort eine niedriger, um dann ehrlich erschöpft in einen Sessel zu fallen. Sie hatte sich eine kleine Pause verdient. Sie war jgfct gerüstet wie ein Oberst, der den Höchstkom- mandlerenden zur Besichtigung erwartet. 3hrettve- gen konnte es losgehen.
"Fortsetzung folgt.


