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Im schnellen Vordringen über Tichorezk hinaus.
® e r I i n ' Das Oberkommando
der Wehrmacht teilt zu den Kämpfen am Mittwoch folgendes mit: An der Faukafusfront sind die deutschen und rumänischen Truppen im weiteren schnellen Vordringen. Die ostwärts des Asowschen Meeres kämpfenden Verbände haben die Bolschewisten über die Stadt Tichorezk hinaus zuruck geworfen. An diesem wichtigen Kreuzungspunkt der von Jeisk nach Armawir und von Krasnodar nach Stalingrad verlaufenden Eisenbahnen kam es zu heftigen Häuserkämpfen, in denen der feindliche Widerstand gebrochen wurde. Vergeblich versuchten die Bolschewisten durch Gegenstöße, die von einem Panzerzug unterstützt wurden, die Stadt zurückzugewinnen. Die deutschen und verbündeten Truppen behaupteten aber nicht nur ihre Geländegewinne, sondern stießen mit ihren beweglichen Teilen unaufhaltsam weiter nach Süden vor. Trotz des sehr heißen Sommertages und trotz der andauernden Gefechtsberührung mit den zurückgehenden Bolschewisten erreichte die Infanterie Marschleistungen bis 50 Kilometer.
Äm Raum nördlich Woroschilowsk versuchte eine von ihren Verbindungen abgeschnittene feindliche Kräftegruppe nach Osten auszubrechen. Die bolschewistischen Truppen wurden jedoch im zu- farnmengefaßten Feuer aller Waffen zerschlagen. Weitere versprengte feindliche Gruppen wurden im Raum nördlich Armawir vernichtet oder gefangen. Südlich Woroschilowsk stießen schnelle Truppen, von Zerstörerverbänden wirksam unterstützt, weit über den Kubanfluß vor und unterbrachen die große Eisenbahnverbindung zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer. Hierdurch wurde der Feind in seinen geringen ihm noch verbliebenen Bewegungsmöglichkeiten weiter erheblich eingeschränkt. Der Verlust der Bahn ist für die Bolschewisten deshalb so bedeutungsvoll, weil sie die wichtigste Trans- Portverbindung zwischen dem Erdölgebiet von Maikop und den das Rohöl verarbeitenden Raffinerien in den nordkaukasi
schen Städten darstellt. Luftangriffe zur Bekämpfung der rückwärtigen feindlichen Verbindungen richteten sich gegen die Bahnhofsanlagen von Kurganaja, westlich Armawir, und gegen die Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer, wo eine Straße, eine Eisenbahnstrecke und eine Erdölleitung, die von Nordosten her über den Kaukasus kommen, die Küste treffen.
Auch die zwischen unterem Don und S a l vordringenden deutschen und rumänischen Truppen machten .weitere Fortschritte. Zusammen- hangloser Widerstand der Bolschewisten wurde im Zusammenwirken mit der Luftwaffe schnell gebrochen. Im großen Donbogen schossen deutsche Truppen bei der Abwehr feindlicher Gegenstöße 13 feindliche Panzerkampfwagen ab. Zwölf weitere bolschewistische Panzer wurden durch Bomben deutscher Schlachtflugzeuge vernichtet. Bei Luftangriffen gegen Eisenbahnen im Roum westlich von Stalingrad wurden 17 Transportzüge des Feindes schwer beschädigt. Am nördlichen Teil des Donbogens wurde bei Serafimowitsch eine über den Don gesetzte feindliche Kräftegruppe aus- gerieben.
Im Kampfgebiet nördlich Woronesch zerschlugen Angriffe deutscher Sturzkampfflugzeuge feindliche Panzer und Truppenbereitstellungen. Im Raum von Rschew hielten die Abwehrkämpfe an. Nördlich von Rschew wurden bei diesen Kämpfen 28 feindliche Panzer obgeschossen. Die Luftwaffe vernichtete zahlreiche weitere Panzer, Geschütze und Kraftfahrzeuge. Durch deutsche Jäger und Flakartillerie wurden 47 feindliche Flugzeuge abgeschossen. An der Wo l ch o w f r o n t brori) ein erneuter feindlicher Angriff unter schweren Verlusten für den Feind zusammen. Don 15 angreifenden Panzern wurden 12 ab geschossen. Auch an der Einschließungsfront von Leningrad blieben vereinzelte Vorstöße der Bolschewisten im zusammen- gefaßten Abwehrfeuer liegen. Insgesamt verloren die Bolschewisten am Mittwoch an dör Ostfront 108 Flugzeuge. /
Am Horizont der Kaukasus.
Von Kriegsberichter Rudolf Bruening.
DRB.... 6. August. (PK.) Wir hocken in unseren Flugzeugen. Bei einigen find die Motoren schon, angelassen. Da kommt ein Auto übers Rollfeld gejagt, aus dem ein Mann uns lebhaft zuwinkt: „Noch nicht starten, das Ziel hat sich geändert!" Donnerwetter, heute geht es gut vorwärts. Vor einer Stunde hatten wir den Befehl bekommen, die Strecke von X. nach L. anzugreifen. Es wurde zunächst nicht gestartet, weil deutsche Truppen auf dieser Straße im zügigen Vorgehen waren. Jetzt war sogar R. von ihnen erreicht worden, und noch immer stoßen sie weiter vor.
Schon seit einer Stunde ziehen die weiten Ebenen unter uns hin. Längst find wir südlich des Don. Auf den Karten des Schulatlas. Müßten in dieser Gegend die grünen Töne mit gelboraunen wechseln. Aber noch ändert sich nicht die Bodenoberfläche. Aus großer Höhe kann man sich nur aus den Farbtönen ein Bild von der Bodenbedeckung machen. Es ist die gleiche wst in den anderen Gebieten auch. Die gelben Flächen verraten Stoppelfelder, aus den verschiedenen Abstufungen des Grünen kann man auf Sonnenblumen* und Klee f eld er, auf Weiden und Oedland schließen. Wie eintönig werden die Flüge in dieser Unendlichkeit.
Endlich wird es unten etwas lebendiger. Aus den Fäden, die sich als Straßen meistens von Nor- den nach Süden ziehen, wachsen 'die «Staub f atmen. Kolonnen! Im dichten Pulk ziehen die Fahr* zeugkolonnen nach Süden. Das find unverkennbar Deutsche. Die Sowjets find vorsichtiger. Sie fahren immer mit großen Abständen, denn die Luftwaffe klebt ihnen auf den Fersen. Die deutschen Kolonnen ziehen auf R. und verlieren sich dort in den rauchüberdeckten Straßen der Stadt. Große Brände kennzeichnen auch hier den Rückzug der Sowjets. Am anderen Ende des Ortes werden die Kolonnen wieder sichtbar, die sich wie ein langes Bdnd immer weiter nach Süden ziehen, in Richtung auf unser jetziges Ziel.
Das vielarmige Bett des Kuban taucht unter uns auf. Die' Landschaft wird welliger, man erkennt es an den Schatten der Hügel, die die Sonne zeichnet. Reliefartiq heben sich die Rücken nnzelner Hügel heraus. Vielfingeriqe kleine Querster geben ihnen ein eigentümliches Aussehen. Das sind die ersten Ausläufer des Kaukasus, der sich dort zu voller Größe emporrecken Nuß. wo sich die Wolkenmassen stauen. Aus diesem Lulst von Wolken ragen majestätisch einige chneebedeckte Berge. Man kann sie kaum >on den Wolken unterscheiden. Dort herrschen die Apfel, die die unserer Alpen um mehrere hundert Dieter überragen. Sie blicken schweigend über das weite Land und wundem sich vielleicht über das Islten-e Geschehen zu ihren Füßen.
In der Bordverständigung wird es lebenmg. ^Otto-Heinz" hat bereits das Ziel gemeldet. „Em Flugplatz am Ostrand der Stadt!", ruft er den anderen zu. Sekünden später kommt es weiter inrch die Bordverständigung: „Er ist stark belegt!'. i?ür uns kommt dieser Bescheid zu spät. Wir fliegen »eiter über den Platz. Weiß leuchtet die Startbahn herauf. Und dort stehen sie: 10, 20, 25, 30 tfiug* senge! In einer anderen Ecke fallen dem Beobachter •tnige große Transporter auf.
Sicherlich sind die dort unten genau so erstaunt »ie wir, die wir hier keine Belegung me^r vermuteten, da unsere Truppen sich schon in Dauermärschen der Stadt bis auf 20 km genähert haben bchon längst ist die Flak munter. Sie fd)ief5t nia>t hlecht. Dem Kettenhund werden einige Dinger urekt vor die Nase gesetzt, er muß es in der Kabine rachen gehört haben. Die Bombenketten fallen, ’iuerft stürzen sie senkrecht hinunter, und dann
nähern sie sich wie eine Parade der Erde. Die erste schlägt ins Dorf, auch die zweite. Dann fressen sich die Bombenreihen in das Bahnhofsgelände. Zwei Züge werden getroffen. Rötliche Wolken zeigen die $t*effedage irr den Güterwagen. Die kommen nicht mehr weg. Bis die Züge wieder zusammengestellt sind, stehen deutsche Panzer im Dorf. Die letzten Bombe kleckern noch in die Flakstellungen neben dem Bahnhof, aus denen eben noch munter ge- r jofferj wurde.
Das Ritterkreuz für rumänischen. General.
Berlin, 6. Aug. (DNB.) Vom' Führer wurde dem Kommandierenden General eines rumänischen Armeekorps. Generalleutnant Dragalina, in Anerkennung der großen Verdienste, die er sich an der Spitze seiber tapferen Truppen erworben hat, als drittem Offizier des rumänischen Heeres das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.
Generalleutnant Dragalina entstammt einer alten Soldatenfamilie. Nachdem er an ^verantwortlicher Stelle im rumänischen Großen Generalstab tätig gewesen war und eine Infanterie-Division gesührt hatte, würde er 1941 zum Kommandierenden General eines rumänischen Armeekorps ernannt. Bereits zu Beginn des Winterfeldzuges 1941/42 zeichnete er sich auf der Krim durch Tapferkeit und persönliches Eingreifen an den Brennpunkten des Kampfes aus. Im weiteren Verlauf des Winterfeldzuges bewährte er sich in den schweren Abwehrkämpfen am D o n e z und führte sein Korps i n der Kessel sch lacht von Charkow zum Er- folg. Auch hierfür war sein persönlicher Einsatz ausschlaggebend. Im Rahmen der neuen großen Offensive traten mit den deutschen Truppen in erprobter, undk bewährter Waffenkameradschaft auch die Divisionen des Generals Dragalina an. Ihre Leistungen wurden bereits im Wehrmachtbericht hervorgehoben.
Von entscheidender Bedeutung war die Tatkraft des Generals vor allem bei den Kämpfen Anfang Juli nördlich des Donez. Nachdem befehlsgemäß der eine rechte Flügel feines Korps den Einbruch in die feindlichen Stellungen erzwungen hatte, entschloß er sich sofort, diesen Erfolg auszunutzen und riß seine Divisionen auf der ganzen Breite des von ihm besetzten Abschnitts zum Sturm vor. Dieser kühne Entschluß erbrachte dank der straffen Führung durch Generalleutnant Dragalina und dank der Tapferkeit seiner Rumänen einen vollen Erfolg. Die bolschewistischen Verbände wurden vernichtend geschlagen. Dem raschen Zupacken des Generals war es zu danken, daß diese Feindkräfte rechtzeitig daran gehindert wurden, sich gegen die Flanke der in diesem Frontabschnitt zum Angriff vorgehenden Armee zu wenden und deren Vorgehen zu verzögern.
Mit der Auszeichnung an Generalleutnant Dragalina wird zugleich auch der tapfere Einsatz der rumänischen Perbände gewürdigt, die opferbereit und in treuer Waffenkameradschaft mit den deutschen und verbündeten Truppen für ein neues Europa kämpfen.
Oer Wehrmachtbericht.
DltB. Aus dem Fährerhauplquartler, 6. Aug. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Kaukasusgebiet wurde der (Eifern bahnknolenpunkl Tichorezk genommen und die Bahnlinie nordwestlich der Stadt in breiter Front erreicht. Bewegliche verbünde der Infanteriedivisionen
stoßen nach Süden weiter vor. Zerstörerverbände unterstützten in hoch- und Tiefangriffen die Panzer- truppen bei der Erweiterung der Brückenköpfe über den Kuban. Südlich Woroschilowsk unterbrachen Schnelle Verbände im raschen Vorstoß über den Kuban die große Eisenbahnverbindung zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer.
Nördlich des S a l schreitet der Angriff deutscher und rumänischer Truppen gut vorwärts. An den Erfolgen in diesem Raum haben die rumänischen Verbände besonderen Anteil. 3m großen Donbogen wurden in heftigen Abwehrkämpfen 25 feindliche Panzer abgeschossen. Während der Nacht setzte die Luftwaffe ihre Angriffe auf Bahnhofsanlagen im rückwärtigen Gebiet des Feindes fort.
3m Raum von Rschew dauern die schweren Kämpfe an. Nördlich der Stadt verloren die Sowjets bei vergeblichen Angriffen 28 Panzer. Auch am Wolchow brach ein von panzern unterstützter feindlicher Angriff zusammen.
Au der Ostfront wurden gestern 108 feindliche Flugzeuge abgeschossen, sechs eigene Flugzeuge werden vermißt.
Nach Tagesstörflügen einzelner feindlicher Flugzeuge über westdeutschem Gebiet führte die brittsche Luftwaffe in der vergangenen Nacht militärisch wirkungslose Angriffe gegen das rheinisch-westfälische Industriegebiet. Der in Wohnvierteln einiger Städte angerichtete Schaden ist gering. Fünf der angreifenden Bomber wurden durch Nachtjäger zum Absturz gebracht.
An der Süd- und Ostküste Englands belegte die Luftwaffe am gestrigen Tage und in der letzten Nacht zum Teil im Tiefflug kriegswichtige Anlagen mit Bomben schweren Kalibers.
Hitler-Jugend und Wehrmacht.
Zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Heer und Hitler-Jugend trafen auf Veranlassung des Chefs des OKW., Generalfeldmarschall Keitel, 15 Ritterkreuzträger des Heeres zum Besuch der Wehrertüchtigungslager der HI. von der Ostfront in Berlin ein. Reichsjugendführer Axmann gab ihnen eine Darstellung von der vormilitärischen Ausbildung der HI. Reichsminister Dr. Goebbels ließ sich von ihnen, die überwiegend der Infanterie angehören, über ihren Einsatz an der Ostfront, insbesondere im vergangenen Winter, Bericht erstatten.
Oie Wacht im Westen.
Von unserem mllitärischen Mitarbeiter.
Es ist stets das Bestreben der deutschen Führung gewesen, ungeachtet der Kühnheit, der eigenen Entschlüsse, stets überall dort, wo es nötig war, die Sicherungen zu schaffen, die jede Ueberrafchung aus- schlossen. Während in diesen Monaten im Osten um die Hauptentscheidung des Krieges gerungen wird, hat unsere Führung den Westen keineswegs aus den Augen verloren, und hier ist alles geschehen, was geschehen konnte, um unliebsame Ueberraschungen fernzuhalten. Sofort nach dem Waffensttllstandsver- trag mit Frankreich hat der Führer den Befehl gegeben, die Atlantikküste und die Kanalküste auf französischem, belgischem und holländischem Gebiet aus- zubauen und zu -chern. Das war einmal notwendig, weil unsere Kriegsmarine und insbesondere unsere U-Boote durch die Schaffung von Stützpunkten weitreichende Aktionsmöglichkeiten bekommen hatten, aber auch den leichten Verbänden deutscher Seestreitkräfte boten sich bei einer ausgebauten und gesicherten Küste neue Aktionsmöglichkeitön. Für den Ausbau der Äüfte lagen die Erfahrungen des Westwall- Baues vor. Die Festungspionierstäbe stellten auch jetzt wieder die Pläne auf und in Verbindung mit dem zu früh verstorbenen Reichsminister Dr. Todt wurde dann die Durchführung mit Hilfe bewährter Fachkräfte und mit Hilfe der Organisation Todt vor- genommen. So entstand in fast zweijähriger Bauzeit ein tiefgestaffeltes Befestigungssystem, das der Sicherung des Kontinents diente. Gerade in diesen Tagen wurden die weit ausgedehnten Befestigungsanlagen an der Kanalküste in Nordfrankreich durch den technischen Stab des deutschen Oberbefehlshabers in Frankreich befichttgt. Wie diese Besichtigung ergab, sind alle Bunkerstellungen und Gräben, die automatischen Tankfallen und Sperren größtenteils fertiggestellt und wurden von der Truppe übernommen. Auf Grund der Besichtigung ergab sich, daß diese Befestigungen die größten und modernsten in ihrer Art sind und daß nach menschlichem Ermessen eine Bezwingung unmöglich ist.
Einen Begriff über die deutsche Stärke in diesem Gebiet hat das deutsche Volk durch die Wochenschau erhalten. Hier wurde auch sichtbar, wie stark die Artillerie ist, die hier den meisten Schutz durchzuführen hat. "Batterie recht sich an Batterie, und besonderes Staunen erwecken naturgemäß die deutschen Fern kämpf ge schütze und die Eisenbahngeschütze, die wahre Giganten darstellen. Jeder Versuch, am gesichts dieser Feuerschlünde zu landen, ist von
Balkan-Banditen.
Vou unserem ss.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Bukarest, August 1942.
Im Bukarester Anatomie-Museum des Gerichtsärztlichen Jnstttuts am Kai des Flüßchens Dambo- vitza, nach Dudesti zu, befindet sich ein streng verschlossen gehaltenes Zimmer, das nur einer ganz kleinen Schicht von Psychiatern und Sachverständigen, Gerichtsärzten und Studenten, die es werden wollen, offen steht: d i e Kopfsammlung rumänischer Banditen. Da sind die abgeschnittenen Häupter nicht eines Ali Baba's und seiner vierzig Räuber, sondern viermal soviele, über 150 mit Alkohol gefüllte Glasbehälter, die groß genug sind, eines Menschen Kopf aufzunehmen. Es ist wohl die gruseligste Kammer, die dennoch der Wissenschaft unersetzlich ist, im Hinblick auf die Schädelkunde. Hier spreche« Physiognomien und werden Schädelknocken gemessen, Stirnen und Hinterköpfe führen zu oen verschiedensten Schlüssen und unter all dieser Symvhonie des Grauens erzählen -kurze Hinweise das Leben von Banditen, von denen in vereinzelten Fällen nur noch der Volksmund weiß.
Und noch eines verraten zusätzliche Ziffern in ihrer toten, allzu nüchternen Sprache: die Zahl der Morde, die das Haupt dort oben in seinem gläsernen Käfig erdachte und die seine schon längst zu Staub gewordenen Hände einst vollbrachten. Da ist T e r e n t e, der Räuberkönig des Donau-Deltas zwischen Galatz-Braila uyd Ismail, in den Jahren 1925, 1926, 1927 der Schrecken der rumänischen Behörden und in den Jahren seiner Uniaten bei der ärmeren ländlichen Bevölkerung ein halber Heiliger mit sagenhaftem Glorienschein um das Haupt, weil er das Gut der beraubten Reichen zum kleineren Teil an arme Bauern Und Fischer verteilte. Sein Gegenüber ist Kollege Burdohoß, zu Lebzeiten Räuberhauptmann in der nördlichen Moldau, wo er um 1932 in der Nähe der alten Fürstenstadt Botoschani und in den urwaldähnlichen Revieren um Kimpolung Schweinehändler und inspizierende Minister überfiel und durch Jahresfrist hindurch den Zeitungen seitenlang Stoff gab zum Schildern seiner Blut- und Missetaten.
Nie war es bei all diesen Bandenführern reine Mord- und Raubgier; bei dem einen mögen soziale Erwägungen im Handeln enthalten sein, beim anderen Blutrache, beim dritten politische Faktoren. Mit Schaudern und Schadenfreude, je nach dem eigenen Bekenntnis, denkt Griechenland noch an den letzten Wahlfeldzug des Premiers Veni- z e l o s seligen Andenkens, der zur polittfchen Eroberung des Wahlbezirkes Janina an der albanischen Grenze zwei seiner fähigsten politischen Kandidaten, Melas und M y l o n a s , zum Epirus entsandte, um hier in der wildesten Gegend bei Florina grie» chischen Banditen in die Hände zu fallen, in deren Mitte sie eine ganze Odyssee des 20. Jahrhunderts erlebten, ehe sie gegen ein sündhaftes Lösegeld nach Durchführung des Wahlganges wieder in Saloniki auf freien Fuß gefetzt wurden.
Wie häufig baumelten bei Sonnenaufgang am Brückenkopf der großen Brücke zwischen Pera und Galata in Konstantinopel die mit weißen Säcken überworfenen Körper einstiger Räuber, die die Häscher der Gerechtigkeit erfaßt 'und kurzerhand vor Tagesanbruch an dieser meistbegangenen Stelle des türkischen Reiches so aufknüpften, daß sie der zur Arbeit eilenden Bevölkerung als Warnfanal galten. Diese Serie ließe sich in den Jahren seit Beendi
gung des ersten Weltenrrngens in Europas Süd- often beliebig fortsetzen. Räuber sein war ein Eigener Beruf, und gar mancher unentdeckte Räuber führt auch heute noch in diesen Ländern unter der Maske des wohlhabenden Biedermannes ein geordnetes und an irdischen Schätzen reiches Leben, ohne daß der liebe Nachbar auch nur im entferntesten ahnt, auf welche Art und Weife er zu seinen Silberlingen kam.
In djtzser Spezies von Räuber- und Banditenwesen, das so lange lebt, wie es den Begriff „Balkan" gibt, und das so lange bestehen wird, wie der gleiche Begriff Balkan in den Atlanten zu finiten ist, gesellt sich nun seit der Beendigung des Feldzuges gegen das frühere Jugoslawien eine neue Form von Räuber- und Banditentum, das eine ganz andere Richtung läuft, und dessen Hirn in Moskau und London zu finden ist. Das unheimliche Tempo, mit dem das deutsche Schwert mit dem Belgrader Berschwörernest fertig wurde, brachte es mit sich, daß ein nicht unwesentlicher Teil des jugoslawischen Heeres und der serbischen männlichen Bevölkerung in der außerordentlich schwer zugänglichen Weite des serbischen und bosnischen, montenegrinischen und kroatischen Raumes Unterschlupf fand. Englische und russische Offiziere ver- fuchten, auf kommunistischer Basis hier Banden zu organisieren und anzusetzen. Zuerst galt es einmal, das Moment der fortgesetzten Beunruhigung in diesen Raum hineinhubringen, und zum andern beabsichtigten die hier eingesetzten Agenten des Secret Service und der GPU. mit Hilfe dieser Banden den Boden reif zu machen für die Beeinflussung des gesamten europäischen Südostens. War in den Jahren des ersten Weltkrieges gerade doch Serbien der Vorposten be'r Politik des zaristischen Rußlands, so sollte jetzt diese gleiche Rolle in bedeutend gesteigertem Maße, nur nach der kommunistischen Seite hin, Jugoslawien zufallen.
Hier spielt ein neues Moment der Bandenbildung nun hinein: die Banden der Komitadschis, die einst in der Frage eines autonomen Mazedoniens eine so wesentliche Rolle spielten und die jetzt wiederum in Bulgarien von sich reden machen. Denn für Kenner der Verhältnisse auf dem Balkan besteht kaum ein Zweifel, daß ein Sieg der Alliierten in Bulgarien einen Umschwung im sowjetischen Sinne nach sich ziehen würde. Eine Niederlage der Achsenmächte würde auch eine solche Verschiebung der Machtverhältnisse im Mittelmeer nach sich ziehen, daß die Sowjets dann ernstlich der Lösung des Problems ihres Ausganges in das Mit« telmeer näher treten könnten. Eine solche Lösung wäre der Durchgang" durch Bulgarien, das somit zum Vorposten Moskaus werden müßte, während das früher schon englandhörige Griechenland vollends eine britische Kolonie werden würde.
Diese gesamten englisch-sowjetischen Absichten wurden auf der äußeren Front durch das Achsen-Schwert erledigt, während auch nach innen hin jetzt ein Abschluß dadurch erzielt wird, daß besonders im östlichen Bosnien die Widerstands- und Zufluchtsnester der Räuber- und Rebellenbanden des Landes mit Stump f und Stiel ausgerottet werden. Nur wer die auch im Sommer schneebedeckten Gebirge dieser Landstriche kennt mit ihren schwarzen Bergen, undurchdringlichen Waldungen, Schluchten und Sümpfen, kann sich ein Biild von den schwierigen Kämpfen machen, die hier geführt Verde«. v


