Oie Front im Polareis.
Von unserer Berliner SchrisLleitung.
Der amerikanische Geleitzug, der zwischen vpch- bergen und dem Nordkap nach Murmansk dampfte, ist furchtbar zerschlagen. Man kann den Doppelkampf der deutschen U-Boote und Flieger auf so weite Distanz in den wetterwendischen Polargebieten gar nicht hoch genug schätzen. Was ist das doch für ein großartiges Bild! Aus der rauhen See, über die Tag und Nacht — bald fahler, bad Heller — die Polarsonne scheint, zwischen treibenden Eisschollen und gewaltigen Eisbergen ein Massenaufgebot von Frachtern. Sie sehen nicht schr respektabel aus. Es sind alte Kähne, die da auf weite Fahrt geschickt wurden. Sie bahnen sich langsam den Weg: immer aus Furcht mit dem Eis unter der Wasseroberfläche zusammenzustoßen. RingZ um sie die Rudel der Zerstörer, leichte und schwere Kreuzer, und' sogar Schlachtschifle am Rande des Polareises. Das ist das Bild des Geleitzuges und seiner Sicherungsschiffe auf dem Mere.
lieber und unter dem Meer deutsche Kampfflugzeuge und U-Boote. So alt die ame- rikani chen Kähne sind — es sind riesige Schiffe gegenüber den Libellen in den Lüften, gegenüber den Seehechten unter dem Wasser. Nicht ln zwei Dimensionen, in drei Dimensionen spielt sich dieser Kampf am Rande des Polareises ab.
Seit Februar kamen die amerikanischen Verjchis- fungen Mach der Sowjetunion in Schwung. Sofort setzten die deutschen Versenkungsangriffe em Em Amerikaner nannte die arktische Route nach Mur
mansk und Archangelsk eine der helbesten Routen. Daß es am Rande des Polareises Hertz zugeht, hat der neue große Geleitzug zu spüren bekommen. Die Versenkungszahlen reden eine emdringuche Sprache» Die Schlffsraumnot der „Seemächte ist bekannt.
Sie haben den Krieg so lange ausgeweitet bis sie — dank unserer U-Boote und Flieger — nicht mehr genug Schiffe für ihre vielen, weit auselnander- liegenden Kriegsschauplätze .haben. Es fehlt an Schiffen auf der Route zwilchen den USA. und England: es fehlt an Schiffen zu der viel beredeten zweiten Front in Europa; es fehlt an schiffen im Mittelmeer, und es fehlt an Schiffen aus den Linien nach Australien und Indien. Längst sind die verfügbaren Schiffe aus dem Verkehr zwischen Nord- unb Südamerika herausgezogen. Die sudamerika- nischen Staaten zerbrechen sich den Kopf, woher sie Kohle und Petroleum, Eisen und Chemikalien nehmen sollen, während ihre eigenen Erzeugnisse verkommen oder verbrannt werden. Diese ununterbrochene vielsrontige Schlacht auf allen Weltmeeren hat neulich der „Daily Expreß" geschildert: „Die Deutschen haben auf der See eine-der gewaltigsten Offensiven eröffnet, denen wir uns jemals gegenüber gesehen haben. Ähre Wucht ist noch im Zunehmen. Seit Juni 1941 haben wir m England ausgehört, die Ziffern unsereer Schiffsverluste an- zuqeben. Der Gegner sollte sie nicht erfahren. Wir müssen sie jedoch bei uns selbst mit größtem Ernst in Rechnung stellen.
Fünf Lahre Krieg in Lhina.
Tokio, 6. Juli. (Europapreß.)'Der fünfte Jahrestag des Kriegsausbruchs gegen China wird m diesem Jahr in Japan besonders feierlich begangen. Ministerpräsident To jo erklärte, Japan werde den Kampf bis zum Zusammenbruch des Tschungking-Regimes fortsetzen. Die Versuche Japans, eine friedliche Lösung herbeizuführen, seien an der Haltung der Tschungkchg-Regierung gescheitert, welche auf eine englisch-nordamerikanische Hilfe vertrauen zu können glaubte. Inzwischen habe sich die Abwegigkeit dieser Erwartung erwiesen. Tschungking sei von jeder Verbindung mit England sowie den USA. abgeschnitten und völlig isoliert. Die japanische Wehrmacht kontrolliere heute einen Raum von 50 Millionen Quadratkilometer. Der Ausbau des großasiatischen Raumes schreite .kräftig voran. Bei diesem Aufbau werde Japan mit der chinesischen National-Regierung in Nanking, mit Mandfthukuo und Thailand eng zusammenarbeiten. Der japanische Botschafter in Nanking, Schigemitsu, weist ebenfalls auf die zunehmende Einkreisung Tschungkings durch Operationen südlich des Yangtse im Süden und im Westen von Burma hm und kündigte an, daß Japans wahres Ziel eine enge Zusammenarbeit mit China sei zur Förderung der Geisteskultur des Ostens und der Herstellung eines wirklichen Zusammenlebens der asiatischen Völker.
Die Einstellung der C h i n e s en zu dem Konflikt geht aus verschiedenen Telegrammen hervor, welche Gruppen von Ausland-Chinesen an Tschi- a n g k a i s ch e k richteten und in denen die Be
endigung des China-Konfliktes gefordert wirb. China müsse wieder seiner wahren Aufgabe, der Mitwirkung bei der Schaffung eines einigen Groß- ostasiens zugeführt werden. Ein derartiges Telegramm richtete der Verband der 800 000 in Japan lebenden Chinesen an Tschungking, drei führende Persönlichkeiten aus Hanoi, Haiphong und Saigon namens der dort levenden 600 000 Chinesen sandten eine ähnliche Adresse an Tschiangkaischek. 400 000 in Burma beheimatete Chinesen veröffentlichten eine Erklärung, daß der Weg zu einem friedlichen Ausgleich nach dem japanischen Sieg im Südraum ofsenstehe. Diese Kundgebung der Auslands-Chinesen ist besonders deswegen bemerkenswert, weil diese Kreise noch bei Ausbruch des Ostafienkrieges entschieden auf der Seite Tschungkings standen und Tschiangkaischek finanziell unterstützten. Ihre Bekehrung zur willigen Mitarbeit am Aufbau des ost- asiatischen Großraumes zeigt, daß sie vor allem die großzügige Bereitwilligkeit der Japaner, alle aufbauwilligen Elemente zur Mitarbeit heranzuziehen, erkennen.
In scharfem Gegensatz zu diesen Stimmen steht jedoch eine Rundfunkansprache, welche Marschall Tschiangkaischek hielt. In der Botschaft, die auf einen sehr pessimistischen Ton abgestimmt ist, sagte Tschiangkaischek, daß die Chinesen sich selbst helfen müßten, und in den nächsten Monaten noch schlimmere Rückschläge erleiden könnten. Jedoch solle man nicht annehmen, daß die Alliierten „ohne Strategie vorgehen".
Kleine politische Nachrichten.
Eine Hafenschutzflottille der Kriegsmarine hat beim Einflug britischer Flugzeuge in das norddeutsche Küstengebiet von drei Kampfmaschinen zwei zum Absturz gebracht, darunter einen großen viermotorigen Bomber. Drei englische Flieger wurden ge- fängengenommen. Mit diesem Erfolg erzielte die Hafenschutzflottille ihren 20. Flugzeugabschuß.
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Der französische Staatschef Marschall Pötain hat den in Vichy weilenden Oberkommandierenden der französischen Streitkräfte in Nordafrika, General Iuin, empfangen.
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Wie „Exchange Telegraph" aus Kapstadt berichtet, hat die südafrikanische Regierung zahlreiche französische Seeleute und andere französische Staatsangehörige, die sich zu der Regierung von Vichy bekennen, interniert.
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Aus Bombay meldet die englische Zeitung „Eve- niitg Standard", daß Pandit Biswanath Das, der
frühere Premierminister der indischen Provinz Orrisa unter dem Verdacht des Landesverrats von den britischen Behörden verhaftet worden ist.
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Die bulgarische Nationalversammlung nahm einen Gesetzentwurf «an, durch den die Regierung Vollmacht zur Lösung, der jüdischen Frage erhält.
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"Als einen besonderen Zweig der Polizei hat Bulgarien jetzt eine Wirtschaftspolizei ins Leben gerufen, die die strenge Durchführung der durch den Krieg bedingten Wirtschaftsgesetze zur Aufgabe hat.
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In Berlin traf ein Transport der zurückgekehrten Mitglieder der deutschen Gesandtschäft und der deutschen, Konsulate aus Paraguay, geführt von dem ehemaligen Geschäftsträger' Botschaftsrat von Le- oetzow, ein. Er wurde von Staatssekretär von Weizsäcker im Bundesratssaal des Auswärtigen, Amtes begrüßt.
lier anzutreffen seien. Die Amerikanisierung Australiens macht rasche Fortschritte. Von der Berufung General MacArthurs bis zur Einführung der amerikanischen Währung neben der australischen reicht eine lange Kette von Maßnahmen und Verordnungen, die alle dazu beitragen, Australien aus einem britischen in ein amerikanisches Dominion zu verwandeln.
Die Australier selbst schienen zunächst restlos glücklich über die Veränderung ihrer Lage zu sein. Curt in und andere Politiker sprachen von der engen Verwandtschaft zwischen dem australischen und amerikanischen Volk und von dem Wunsch, die durch die harte Notwendigkeit des Krieges geschaffene Allianz zwischen beiden Ländern auch nach dem Friedensschluß fortzusetzen. Die Verstimmung gegenüber dem englischen Mutterlande hielt weiter an. Die australischen Truppen im Mittleren Osten wurden in demonstrativer Weise zurückgerufen, nur ein kleiner Verband blieb in Syrien, um wenigstens den Schein zu wahren. Den Höhepunkt der Verstimmung bildete der Streit zwischen Churchill und Curtin um die Ernennung des damaligen australischen Gesandten in Washington, Richard Casey, zum britischen Staatsminister für den Mittleren Osten in Kairo. *
Diesmal jedoch konnte sich Curtin nicht auf Roosevelt stützen, sondern mutzte erleben, daß dieser in vorsichtiger Form Churchill rechtgab und die Entsendung Caseys nach Kairo guthieß. Erst die Veröffentlichung von Akten und Mtzmoiren werden darüber Klarheit bringen, ob die Haltung Roosevelts im Falle Casey die Ursache dafür war, daß Curtin plötzlich vorsichtiger und weniger enthusiastisch in den Beziehungen zu den Amerikanern wurde. Es kann natürlich auch sein, daß das allzu selbstherrliche Auftreten der amerikanischen Soldaten im eigenen Lande den australischen Premierminister darüber nachdenken ließ, ob er nicht vielleicht nur die britische Vorherrschaft mit der amerikanischen vertauscht habe. Jedenfalls wurde die Welt von der Nachricht überrascht, daß General MacArthur noch gar nicht zum Oberbefehlshaber endgültig ernannt und außerdem sein Befehlsbereich und seine Befugnisse nicht einbeutig geklärt wären. Das peinliche Aufsehen, welches diejer Zwischenfall erregte, bewirkte bann, baß bie enbgüUige Ernennung sofort ausgesprochen würbe. In bie gleiche Zeit fallen bie ersten Steuerungen Curtins, daß Australien nicht baran benke, aus dem britischen , Staatenverbanb auszuscheiben, kurze Zeit später dankte Curtin sogar dem ihm verhaßten Churchill in einem betont herzlichen Telegramm für die Unterstützung der britischen Flotte beim Rücktransport des australischen Expeditionskorps aus dem Mittleren Osten.
So treibt das australische Staaienschiff heute zwischen der britischen Scylla und Der amerikanischen Charybhis-in den gefährlichen, Strudeln des ersten wirklichen weltumspannenden Krieges der Menschheitsgeschichte. Ob Curtin gleich dem sagenhaften Odysseus imstande sein wird, sein Schiff zwischen den beiden drohenden Gefahren hindurchzusteuern, ist ungewiß. In einer Rundfunkrede an das australische Volk sprach er von der Aufgabe Australiens, die von den Japanern besetzten Gebiete in Südost- asien den Alliierten zurückzugewinnen. Sollte sich hinter dieser — angesichts der derzeitigen strategischen Lage bestenfalls programmatischen — Erklärung der Hintergedanke verbergen, daß Australien sich ein eigenes Imperium schaffen könnte, welches ihm soviel Stärke verleihen würde, daß es den alten Ansprüchen Englands und den neuen Forderungen Roosevelts erfolgreich widerstehen könnte?
Ein Ritterkreuzträger der Waffen-^ gefallen.
Bei den harten Frühjahrskämpfen südwestlich des Ilmensees starb der Ritterkreuzträger ^-Oberscharführer Ludwig Köchle, Stoßtruppführer in einer Division, der Waffen-^, den Heldentod. Er war 1921 als Sohn eines Maurerpoliers rn Nofels (Vorarlberg) geboren. Nach seiner Schulzeit meldete er sich im Alter von 17 Jahren zur Waffen-^ und zog bereits ein Jahr später in den PolenseldzUg. Als MG.-Schütze kämpfte er im Westen. Auf den Schlachtfeldern des Ostens bewährte er sich als Führer von mehrmals 100 Stoß- und^Spähtruppun- ternehmen, wurde mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet und mehrfach in den Tages-, befehlen seines Regimentes erwähnt. Als es ihm gelang, in die Flanke einer die eigenen Stellungen gefährdenden Sowjetstellung einzudringen, mit Handgranaten sechs feindliche Bunker und ein SMG- Nest zu nehmen und sich gegen die heftigen Gegenangriffe der Bolschewisten zu behaupten, wurde er als kaum 21jähriger mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. ____________________________________________
Bussard und Kreuzotter.
Von Kurt Knaak
Auch am Steinbruch lacht der Sommer. Der Huflattich auf der Grubensohle ist bereits verblüht und sichert sich die Feuchtigkeit des Bodens unter einem frischen Blätterteppich. In den Nischen des Quarzgesteins grünt der Birkenanflug, und die Habichtskräuter winken mit zierlichen Rosetten.
Gerina ist der Pflanzenwuchs im Bruch; denn das Quarzgestein ist hart und gibt den Wurzeln und Würzelchen nur wenig Raum. Die Nahrung zwischen den Ritzen und Schrunden ist nur mager, darum meidet die Tierwelt den Ort. Tagaus, tagein hallen zudem seine Wände vom Rattern der Preßluftbohrer, vom Donner der Sprengschüsse und vom Niederschlag der Felsbrocken wider. Wenn Rodehaue und Brecheisen scharwerken, flüchten Hase und Steinmarder, Rotschwanz und Rüttelfalk, und selbst den Zitronenfaltern und bunten Pfauenaugen ist die Unrast der Menschen im Quar.zbruch verleidet.
Wenn es aber still ist, bann regt sich die Kreatur ringsum und genießt den Feierabend der harten Arbeitsstätte, und noch inniger entfaltet sie ihr Leben an den Tagen, wo der Bergwerksbetrieb völlig ruht.
Heute am Sonntagmorgen, wo die Arbeiter daheim geblieben sind, jubilieren die Dorngrasmücken in den Brombeerhecken oben am Rande fies Bruches so laut wie in der ganzen Woche nie. Filislaub- oögel schwirren plaudernd um die Wipfel der mannshohen Birken und Silberpappeln, die die tiefe Bergausschachtung als ein dichter Wall umgeben, und die Rotschwänzchen wagen manchen Flügelfprung nach den Insekten, die sich an den steilen Felswänden wärmen.
Fliegen entschlüpfen im verrotteten Laub ihren Puppenhüllen, und während sie ihre noch feuchten Leiber auf dem Grunde erstarken lassen, laufen die kräftigsten von ihnen eiligst auseinander und schwirren auf und davon; denn die Streu unter ihnen erbebt, bewegt sich mit einem Male hin und her, und siehe da, wo noch soeben dürre Blätter rascheln, züngelt es verdächtig zwischen ihnen hindurch, und ellenlang schiebt M ein daumendicker Körper aus
der Erde hervor. Eine Kreuzotter! Das kastanienbraune Kainszeichen auf ihrem Kopfe und Leih bezeugen es. •
Bis an den Gehölzrand windet sich die Schlange. Dort ringelt sie sich zusammen; denn hier wirken die Lichtstrahlen am besten, und vor allem wechseln die Feldmäuse vom nahen Acker oft aus und ein. Auf sie hat es die Otter abgesehen, sie ist hungrig.
Ein Weilchen hat die heimliche Jägerin bereits ge- wartet. Die Sonne hat ihr gut getan und ihr Blut beweglich gemacht. Jetzt wäre es der Lauernden schon recht, wenn sich ein Frosch, eine Maus oder eine Eidechse nähern würde, aber nichts rührt sich..
Doch halt! Am Feldrain zirpt es, trappelt es von flinken Läufchen hin und her. Das mögen wohl die Mäuse fein.
Leicht hat sich die Otter entrollt, und schon ist sie im fußhohen Grase verschwunden. Dort, wo die Halme sich neigen, wo vorhin die Blütenkolben des Spitzwegerichs erschütterten und jetzt die .Kuckuckslichtnelken sich »erneigen, spürt sie heimlich dahin.
Die Lerchen auf dem Felde erheben sich. Der Sonne zum Gruß erklingen ihre Liederstrophen. Wildtauben schwingen sich zur Körnersuche ein, und der Bussard, der im Horste seine hungrigen Jungen weiß, rüttelt in großer Höhe über dem Acker. Ihn lockten auch die Mäuse auf den weiten Plan, aber so oft er mit feinen kristallscharfen Augen die Saat- rillen absucht und Grasbüschel und Erdschollen mustert, so oft läßt ihn die Leere unbefriedigt. Seine starkzehigen Fänge mit den lang baumelnden Federhosen krampfen sich stets wieder im Fluge an den Leib, und so rudert, so segelt er gegen den Luftzug und mit dem Winde dem Steinbruch näher, rüttelt und äugt und stürzt plötzlich mit angezogenen Schwingen zum Gehölzrand herab. Die Fänge weit voraus, bremst fein breiter Schwanzfächer dicht über dem Boden die Wucht seines Sturzes. Sein spitzer Krummschnabel hackt zu, und während der Raubvogel in dem Grase völlig verschwindet, fährt er auch schon wieder empor, in feinen Krallen die Kreuz- otter haltend.
Eilig tragen ihn die Schwingen über Birken und Pappeln hinweg dem Horste zu. Aber die Otter wehrt sich. Wild reckt sic den Kops nach dem Leibe des Mausers, sperrt weit den Rachen auf und sucht ihn mit ihren Giftzähnen zu beißen. Das märe sein
Tod. Doch der Bussard hält sie fest, als wüßte er um die Gefährlichkeit seiner Beute. Allein die Schlange gibt den Kampf nicht auf. Unversehens ist es ihr plötzlich, gelungen, einen schwachen Zeh en- druck ihres Peinigers zu nutzen und den Brustteil frei zu bekommen. Blitzschnell zielt sie nach seinem Herzen. Run scheint sein Schicksal besiegelt, aber ebenso schnell hat der Vogel seine Fänge geöffnet. Mitten über dem Quarzbruch läßt er sein Opfer fallen. Mit den Augen den tödlichen Aufschlag der Beute verfolgend, stößt er im Gleitflug hinab und packt von neuem das blutende Gewürm, auf dqß seine Brut daran den Hunger tilge. —
In der Ferne entschwindet sein Flugbild, und es jubilieren noch lange ?ne Domgrasmüden in der Sonnenfrühe rings um den Bruch.
Schwerer Tag.
Von Michael Molander.
Obwohl ich mit^ gespielter Gleichgültigkeit verberge, was in mir vorgeht, wundere ich mich doch darüber, daß niemand mir anmerkt, was heute für ein besonderer Tag ist. Ein überaus wichtiger Xag — allerdings nur für mich, trotzdem braucht mir Kollege Berthold nicht ausgerechnet jetzt seine Sonntagserlebnisse zu erzählen, die mich-heute gar nicht interessieren. „... da müssen Sie unbedingt mal hin, idyllisch, sage ich Ihnen, und so bequem ZU erreichen! Sie fahren am besten mit der 26 bis Endstelle, von dort ist es dann eine gute dreiviertel Stunde, immer durch den Wald. Und dann die Badegelegenheit, herrlich, sage ich Ihnen —"
So redet Berthold auf mich ein, während ich ihn am liebsten unterbrechen möchte: „Hören Sie doch auf, wissen Sie denn nicht, daß heute ..." Doch ich will mir nichts anmerken lassen, heuchle den aufmerksamen Zuhörer und nicke ab und zu beifällig.
Drüben in der Zentrale rasselt das Telephon. Ich erschrecke jedesmal über das mir sonst so vertraute Geräusch...... ich verbinde!" sagt das nette Fräu-
lein Bergmann, mein Dischapparat bleibt jedoch stumm, — es war also nicht für mich.
Wenn doch endlich die Nachricht käme! Diese-Un- gewlßhett ist scheußlich, das Warten und die bau-
Kunst und Wissenschaft.
Professor krieck 60 Jahre alt
In Heidelberg begingen Partei und NS.-Leh- rerbund gemeinsam den 60. Geburtstag von Professor Dr. Ernst Krieck, der schon früh für die nationalpolitische Erziehung sich eingesetzt hat. Der Rektor der Universität, Staatsminister Dr. Schmitt- Henner, konnte mitteilen, daß Dr. Krieck die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten habe. Weiter gab er bekannt, daß die badische Staatsregierung ihm die Silberne Hans- Thoma-Plakette verliehen habe. Ein von dem Heidelberger Künstler Graß gemaltes Bild von Professor Krieck werde in der Senatshalle der Universität aufgehängt werden. Die Universität Heidelberg verlieh ihm den Kuno-Fischer-Preis. Ein Vertreter der Reichsstudentenführung überbrachte ein Bild. Ministerialrat Gärtner überbrachte herzliche Grüße der deutschen Erzieherschaft und überreichte Holzschnitte oberrheinische^ Köpfe und Landschaften. Professor Krieck dankte in bewegten Worten für die Ehrungen. — Krieck, ein geborener Badener, war seit 1908 Hauptlehrer an einer Mannheimer Volksschule, wurde im 1933 ordentlicher Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Frankfurt, deren Rektor er' im gleichen Jahre war. 1934 kam er an die Universität Heidelberg. Er hat sich durch zahlreiche staatspolitische, philosophische und pädagogische Schriften einen Namen gemacht.
Der Josef-Görres-Preis für Prof. Paul (Siemen.
In der Aula der Universität Bonn wurde der Josef-Görrer-Preis der Johann-Wolfgana-von- Goethe-Stiftung dem Nestor der rheinischen Kunstgeschichte und langjährigen Provinzialkonseroatm: der Rheinprovinz, Prof. Paul C l e m e n verliehen. Clemen war es, dem schon früh die Jnventari- fation der rheinischen Kunstdenkmäler übertragen wurde. Noch heute, als 75jähriger, ist er der Herausgeber der „Kunstdenkmäler der Rheinprovinz", zu denen noch jüngst ein Band über Eupen und Malmehy hinzugefügt werden konnte. Während des Weltkrieges übernahm er den Schutz der Kunstdenkmäler in Belgien ynd Nordfrankreich, in Warschau und Wilna,, im Süden und auf dem Balkan. Seiner Initiative verdankt der rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz fein Entstehen, der ebenso wie das, kunsthistorische Institut der Bonner Universität zu einem Mittelpunkt der kunstgeschichtlichen Forschung und der Betreuung der Bodenaltertümer und Kunstschätze wurde. In vielen wissenschaftlichen Werken warb er für die Schönheit und den künstlerischen Reichtum des Rheinlandes.
Prof. Dr. Verthold haendcke 80 Jahre all.
Der in Berlin-Grunewald im Ruhestand lebende frühere langjährige Ordinarius der Kunstwissenschaft an der Königsberger Universität, Geh. Rat Prof. Dr. Berthold Haendcke,' feierte seinen 80. Geburtstag. Prof. Haendcke ist zu Altona geboren. Er promovierte in München und habilitierte sich 1888 in Bern. Später kam er als Extraordinarius nach Jena und 1896 als Nachfolger Konrad Langes nach Königsberg.
Prof. Dr. Otto lllaüfer gestorben.^
Im 62. Lebensjahr starb in München der o. Professor für germanische Philologie an der Universität Königsberg, Dr. Otto Mauser. In Grafenau (Bayer. Wald) geboren, studierte er in München, promovierte dort 1906 und war dann zunächst als freier wissenschaftlicher Schriftsteller tätig. 1912 kam er als Leiter der Wärterbuchkanzlei zu der Bayer. Akademie der Wissenschaften. Im Weltkrieg war er Vorsitzender der Kommission zur Sammlung der deutschen Soldatensprache. 1915 habilitierte er sich in München und erhielt dort 1936 einen Lehrauftrag für altnordische Philologie und Rassenkunde. 1938 wurde er nach Königsberg berufen. Die zahlreichen Arbeiten Mausers betreffen vor allem die germanische und vergleichende Sprachwissenschaft, besonders Urgermanisch, ferner Wortforschung und Mundartenkunde sowie Volkskunde. Wir erwähnen seine Veröffentlichungen über die Geschichte des Klosters Tegernsee. Geschichte der Predigt der Barock-, zeit und des Oberammergauer Passionsspiels. Mauser war auch Uebersetzer altisländischer und altnor« wegischer Sagas.
Die Preisträger der Deutschen Akademie.
In Wien wurde durch den Präsidenten der Deutschen Akademie, Ministerpräsident Siebert, die Gesellschaft der Freunde der Deutschen Akademie gegründet, und die Preisträger der Deutschen Akademie für 1941/42 verkündet. Es sind Prof. Dr. Georg Baesecke für sein Werk „Vor- und Frühgeschichte des deutschen Schrifttums"; Prof. Dr. Dietrich von
ernde Spannung werden immer unerträglicher, je weiter die Zeiger an der -großen ' Bürouhr vor- rucken. Cs ist wirklich ein schwerer Tag!
Mit meinen Gedanken bin ich nicht bei der Kalkulation und nicht bei der dringenden Kostenausstellung, obwohl meine Hand die Zahlen niederschreibt.. Ab und zu werfe ich einen Blick aus dem Fenster. Wie oft hatte ich beim Betrachten der alten Linde, deren Wipfel mein Fenster erreicht, gedacht, wenn du mir wieder die Aussicht versperrst, dann ist es soweit! Endlich war der Schnee, der wie Watte auf den schwarzen Aesten lag, in der warmen Frühlingssonne zerronnen, und dann dauerte es nicht, mehr lange, bis das erste zarte Grün aus den Zweigen brach' Jetzt war schon die Zett der Lindenblüte, süßer Duft strömte durchs weit geöffnete Fenster, und bisweilen verirrte sich eine Biene auf meinen Schreibtisch. —
Die Mittagspost! Schon? Wie doch die Zeit.vergeht, wenn man ein Weilchen träumt. Und immer noch keine Nachricht! Ich sehe die eingegangenen Briese und Karten durch, auf einem Umschlag ist eine nicht häufig vorkommende Marke. Einer plötzlichen Eingebung folgend, schneide ich die Marke aus: vielleicht sammelt der Junge später mal ...? Bisher gab ich besondere Briefmarken immer dem Kollegen Berthold.
Mein Telephon rasselt. Schon am Klang weiß ich, daß es kein Hausgespräch sein kann. Meine Hand zittert ein wenig, als ich den Hörer abnehme. „... Sie werden verlangt, ich verbinde!" höre ich dad Fräulein an der Zentrale sagen. Ich melde mich und dann antwortet eine fremde Frauenstimme. —
Als ich den Hörer wieder auflege, schaut der mir gegenübeiflitzende Arbeitskamerad prüfend herüber. Er sieht mir wohl die groß- Freude gn, ober hat er aus meinen Worten entnommen, ba’fc ... Was habe ich denn gesagt? Ich weiß es wirklich nicht mehr? Doch jetzt will und brauche ich mein Geheimnis nicht länger zu hüten. Herzlich reiche ich Berthold die Hayd hinüber: „Sie können mir gratulieren, ich bin soeben Vater eines gefunden Mädels geworden!" Mein Blick fällt auf die ausgeschnittene Briefmarke, die noch vor mir liegt. Ich werfe sie mit der anderen Hand hinüderr .Äaben Sie die schon?"


