192. Jahrgang Nr. 157
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Mhener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
An den Don.
ÄZarum kämpfen die Sowjets so erbittert um jeden Quadratkilometer? Warum nutzen sie nicht die „Weite des Raumes" für eine ganz bewegliche Taktik? Warum möchten sie im Gegenteil am liebsten zu dem Graben-Krieg von 1914/18 zurückkehren? Sie wissen, daß sie mit dem Rücken gegen die Wand stehen. Die „Wand" ist dieser vielberu- sene „weite Raum". Raum muß gestaltet sein, um Operationsfeld werden zu können. Seine Gestaltung ist seine Ueberwindung. Das kann primitiv durch Reiterhorden geschehen, weshalb Nomadenvölker in der Frühzeit der Kriegsgeschichte fast immer Bauern- i)Öttern überlegen waren. Heute ist die Ueberwin- «dung und Gestaltung des Raumes feine Verkehrserschließung. Das erste moderne Mittel' der Verkehrserschließung sind die Bahnen: sie sind auch heute angesichts des Riesenbedarfes an Nachschub non enormer Wichtigkeit. Zwei leistungsfähige Bahnen führen hinter der Sowjetfront, wie sie sich seit Ende November 1941 entwickelt Hatz vom Norden nach Süden. Es sind im wesentlichen die letzten Nord-Süd-Derbindungen, die D;en Sowjets zur Verfügung stehen: für den Kriegs Nachschub, auch für die Versorgung mit Brennstoffen aus den in der Sowjetunion exzentrisch gelegenen Produktionsgebieten. Andere Mittel der Verkehrserschließung und der Raumbewältigung sind Kraftwagen und Flug
zeuge. Wir sind hier den Sowjets nach Zahl und Güte dieser modernsten Verkehrsmittel überlegen.
Immer war es sicher, daß, wenn die letzten sowjetischen Stellungen und Riegel vor den letzten Bahnen erst einmal durchbrochen waren, der Raum jener Partei zugute kommt, die den Raum meistert. Die Partei, die ihn nicht meistert, unterliegt. Darum kämpfen die Sowjets mit dem Rücken gegen die Wand. Sie wollen nicht in die Weite des Raumes abgedrängt werden, den sie nicht mehr beherrschen.
Im rohen Ungefähr hat der große deutsche Keil, der gegen den Don vorgetrieben wurde, die Nahtstelle zwischen den Armeen Dimoschenkos und Schu- kosfs aufgerissen. Timoschenko kommandiert den südlichen Abschnitt, Schukoff ist seit Oktober v. I. der Nachfolger Timoschenkos im mittleren und auch im nördlichen Abschnitt, wo früher Woroschilow den Befehl führte. Innerhalb dieses deutschen Keiles, der aus der ungefähren Ausgangsstellung Charkow— Kursk in 300 Kilometer Breite erfolgte, sind starke sowjetische Streitkräfte eingekefselt. Sie stehen vor ihrer Vernichtung. Es ist selbstverständlich, daß die Sowjetführung auf die Seiten des deutschen Keils zu wirken sucht durch Flankenangriffe. Sie sind zusammengebrochen. Die Wucht des deutschen Vorstoßes an den Don schreibt dem Gegner das Gesetz des Handelns in schärfster Weise vor. An eine eigene Strategie kann er nicht denken, alle seine Kraft ist in die Verteidigung gedrängt.
planmäßiger Verlauf der Operationen im südlichen Abschnitt der Ostfront.
Westlich des Don eingeschloffene starke feindliche Krästegruppen vor ihrer Vernichtung. — Angriff starker Eowjetkräste nördlich Orel abgewiesen.
Oer Wehrmachtbericht.
DRV. Ausdem Führerhauptquartier, 6. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Operationen im südlichen Abschnitt der O st f r o n t verlausen planmäßig. Starke feindliche kräGegruppen, die westlich des Don cin- geschlossen sind, stehen vor ihrer Vernichtung. Erneute von Panzern unterstützte Entlastungsangriffe der Sowjets brachen zusammen. Die Luftwaffe unterstützte mit starken Kräften die Operationen und führte schwere Angüsse gegen den feindlichen Rachschubverkehr auf Straßen und Eisenbahnen.
Vördlich Orel griff der Feind mit starken Kräften. unterstützt durch zahlreiche Panzer und Verbände der Luftwafse an. Er wurde zum Teil >m Gegenstoß unter hohen blutigen Verlusten abgewiesen. Zahlreiche feindliche Panzer wurden ver- nichlet. Die Kämpfe sind noch im Gange.
Im Raum von Rfhew wurde der eigene An- . griff fortgesetzt.
In heftigen Luftkämpfen des gestrigen Tages schossen deutsche Jäger an der Ostfront bei nur drei eigenen Verlusten 12 7 feindliche Flug- zcug^e ab.
In Aegypten dauern die Kämpfe um die Ll-Alamein-Stellung an. Luftslreitkräfte bombardierten die Hafenanlagen von Alexan- d r i e n und Port Said und griffen britische Panzer und Kraftwagenansammlungen an.
Auf IN a l t a verursachten Tages- und Rachtan-
grisfe deutscher Kampfflugzeuge größere Brände in den Anlagen des Flugplatzes Ta Venezia.
3m Raum von Rfhew.
Berlin, 6. Juli. (DNB.) Im Roum von Rfhew haben deutsche Truppen trotz des durch starke Regenfälle grundlos gewordenen Kampfgeländes in morastigen Sumpf- und Buschgebieten beträchtliche Erfolge errungen. So erkämpfte sich die Spitze einer Kampfgruppe den Weg durch.'breite, tief gestaffelte Minenfejder und .starke Befestigungsanlagen hindurch. Sie erzwang den Austritt aus einem unübersichtlichen Wald gebiet, während eine andere Angriffsgruppe in wechselvollem Kamps weiter an Boden gewann und dabei zahlreiche Waldstücke von feindlichen Resten säuberte. Die Bolschewisten versuchten durch Gegenstöße, die pon Panzern unterstützt waren, das Vordringen der deutschen Truppen aufzuhalten. Nachdem diese Vorstöße unter schweren blutigen Verlusten für den Feind abgewiesen waren und eine örtliche Einbruchsstelle bereinigt war, erzielte der deutsche Angriff im Nachstoß weitere Erfolge, wobei ^in zähen Waldkämpfen mehrere Ortschaften durch umfassenden Stoß genommen wurden. Im Verlauf dieser Kampshandlungen würde eine eingeschlossene feindliche Kräftegruppe bei einem erfolglosen Durchs bruchsversuch vernichtet und eine deutsche Brückenkopfstellung in heftigem Kampf erweitert. Starke Verbände von Kampf- und Sturzkampfflugzeugen richteten ihre Angriffe gegen feindliche Panzerkräfte und motorisierte Kolonnen, lieber 70 Panzer und*zahlreiche Geschütze wurden außer Gefecht gesetzt, fast 200 Kraftfahrzeuge vernichtet, in heftigen Luftkämpfen 20 feindliche Flugzeuge abgeschossen.
Besorgtes Echo in London.
Australien zwischen Scylla und Lharybdis.
Von unserem Dr. L.-Korrespondenten.
Stockholm, Juli 1942.
Als die Regierung des englischen Mutterlandes am 3. September 1939 dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, folgten die Dominions diesem Beispiel schon nach kurzer Zeit. Mit Ausnahme der Südafrikanischen Union, wo die Kriegserklärung erst nach dramatischen Sitzungen des Parlaments von einer knappen Mehrheit angenommen wurde, entsprach diese rasche Gefolgschaft der Tochterstaaten den Erwartungen. Die wenigen ^Tage, welche die Regierungen in Montreal, Canberra und Wellington verstreichen ließen, dienten dazu, sich selbst zu bestätigen, daß man freiwillig und elbständig handele und in solchen Fragen nicht mehr von London abhängig sei. Mögliche innerpolitische Vorbehalte waren am wenigsten vielleicht in Australien vorhanden, welches von jeher den Ruf genoß, unter den britischen Töchtern d i e t r e u e ft e zu sein. ,
An dieser bedingungslosen Treue Australiens hat sich in der Zwischenzeit mancherlei geändert. Die Beziehungen zwischen London und Canberra waren zeitweilig sehr gespannt, und wenn in den letzten Wochen auch die scharfen Auseinander- etzungen zwischen Churchill und Curtin aufgehört haben, so sind damit die Gegensätze noch nicht aus dem Wege geräumt worden. Dieser scheinbar jähe Wandel in der Haltung Australiens hat in der ganzen Welt viel Aufsehen erregt, aber wenig Ver- tändnis gefunden. Er ist auch nur zu verstehen, wenn man etwas in die intimeren Familienangelegenheiten der englischen Staatenfamilie hineinleuchtet und die Streitigkeiten der letzten Wochen in einen größeren Zusammenhang stellt.
Im September 1939 glaulsten von zehn Australiern mindestens neun, daß der Krieg nicht lange dauern und jedenfalls auf Europa und allenfalls den Mittleren Osten beschränkt bleiben würde. Nun liegt aber nicht nur London, sondern auch noch Suez so weit von Brisbane, Sydney und Melbourne entern!, daß niemand diesen Krieg ernster nahm als der vorige Weltkrieg für Australien gewesen war. Man war im Grunde sogar so sehr von der Macht Englands überzeugt, daß eine wesentliche Unterstützung kaum notwendig erschien. Trotzdem wollten die Australier ihre Zugehörigkeit zum Empire gern beweisen und erklärten daher in London, sie wollten in jeder gewünschten Weise zum baldigen Sieg der britischen Sache beitragen. In London wiegte man sich zwar auch noch in Illusionen, rechnete aber immerhin etwas nüchterner und erbat daher die Entsendung eines Expeditionskorps 'n ad) Aegypten zum Schutz von Suez und vielleicht gar zum Angriff gegen Deutschland über den Balkan hinweg. So kam es, daß genau wie vor 25 Jahren wieder australische Truppen im Mittleren Osten erschienen.
Wenn in der australischen Heimat viele Leute geglaubt hatten, daß ihre Söhne und Brüder nur als Paradetruppen nach Aegypten geschickt worden waren, so wurden sie bald eines Besseren belehrt. Bis zum Ende der Katastrophe von Kreta und des mißglückten „syrischen Blitzkrieges" lag das Schwergewicht der Feldzüge im Mittleren Osten auf den Schultern australischer und neuseeländischer 'Truppen, und die langen Verlustlisten, die im Frühsommer 1941 in Australien eintrafen, roaren ein Zeugnis für die Härte der Kämpfe. Sie bewirkten aber auch, daß ein Urstschwung in der allgemeinen Einstellung Australiens zum Krieg, der unsichtbar schon in der Entwicklung begriffen war, sehr viel rascher ablief. Nach einigen erregten Parlamentssitzungen in Canberra verlangte die australische Regierung in London eine gerechtere Verteilung der militärischen Lasten auf englische und australische
Truppen, und vor allem forderte sie, daß australische Truppen nur noch dann eingesetzt würden, wenn ihnen, durch die ßuftnfaffe ausreichender Schutz gewährt werden könne.
Die militärischen Ereignisse allein hätten aber kaum genügt, um den Umschwung in Australien herbeizuführen, wenn nicht der innerpolitische Kampf zwischen der Labour-Partei einerseits und der in der derzeitigen Koalition führenden Vereinigten Australischen Partei anderseits allmählich zu einer Entscheidung gedrängt hätte. Premierminister Menzies vertrat die unbedingte Mitarbeit'Australiens im Empire, selbst auf die Gefahr einer Unterordnung australischer Interessen unter diejenigen des Mutterlandes. Pie Labour- Partei wünschte demgegenüber eine unabhängigere Politik zu verfolgen, und insbesondere ihr Lester Curtin setzte sich für eine Lockerung der Bindungen an London ein. Da beide Parteien, hie Vereinigte Partei allerdings nur unter Einbeziehung der von Sir Earl Page und F aD d e n geführten Landpartei, sich fast das Gleichgewicht im Parlament hielten, war die Regierung in allen wichtigen Fragen auf die wohlwollende Duldung der Sozialisten angewiesen. Das zeigte sich, als Menzies im Sommer 1941 infolge der schweren Verluste der australischen Truppen und wegen seines Eintretens für engste Zusammenarbeit mit England zurücktreten mußte, ohne daß die Regierung durch eine Abstimmung gestürzt worden wäre. Sein farbloser Nachfolger F a d d e n konnte sich nur wenige Monate halten und mußte dann das Ruder, an C u r • t i n und die Labour-Partei abgeben.
Im Gegensatz zu den meisten Australiern empfindet Curtin starke Abneigung gegen die Engländer. So ist es fein Wunder, daß es zwischen ihm und Churchill keine Brücke des Verstehens gibt. Gleichwohl hätten Curtins persönliche Gefühle wohl keinen so großen Einfluß auf die australische Politik gewinnen können, wenn nicht der Pazi- fikkrieg ausgebrochen uiid Australien damit unmittelbar in die Gefahrenzone gerückt wäre. Kam schon die Tatsache des Ostasienkrieges überhaupt als eine sehe unliebsame Ueberraschung für die meisten Australier, so rief fein bisher unerwarteter Verlauf ein wahrhaft panisches Entsetzen hervor. Nur zwei Monate nach dem Schlag von Pearl Harbour waren außer der Malaiischen Halbinsel und Singapur auch Java mit den übrigen Inseln des Malaiischen Archipels in japanischer Hand und damit die letzte Bastion außerhalb Australiens gefallen. Schon landeten die Japaner auf den Salomon-Inseln nördlich von Neu-Guinea und die ersten feindlichen Flieger- bpmben fielen in Port Darwin auf das australische Festland. In dieser Stunde höchster Gefahr fühlte sich Australien von dem im Stillen Ozean hilflosen England verlassen und wandte sich daher um Hilfe an Den „großen Bruder" jenseits das Pazifik.
Der Hilferuf der ausstralifchen Regierung' fand in den Vereinigten Staaten bereitwillig Gehör. Roosevelt sah hier nicht nur eine Front, an welche amerikanische Truppen entsandt werden konnten. Roosevelt dachte nicht nur in Wochen und Monaten militärischer Planung, sondern in Jahren und Jahrzehnten imperialistischer Expansion. Für die allmähliche Verdrängung des englischen Einflusses in den Gliedstaaten des britischen Weltreiches und seine schließliche Ersetzung durch den amerikanischen ergreift Roosevelt jede Gelegenheit, die ein Vordringen in dieser Richtung ermöglicht. So kam es, daß schon wenige Wochen nach dem Appell Curtins b e r erste amerikanische Geleitzug in Marsch gesetzt wurde. Seit Mitte Februar senden die USA. Truppen und Material nad) Australien. Britische Berichte sprechen davon, daß in manchen Dörfern und kleineren Städten mehr Amerikaner als Austra»
Gens, 7. Juli (DNB. Funkspruch.) In der Londoner Möntagspresse findet der deutsche Vorstoß zum Don besondere Beachtung. „Daily Mail" schreibt unter der Ueberschrift „Timoschenko in Gefahr", zur Zeit träfen recht 'beunruhigende Nachrichten aus der Sowjetunion in London ein. Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit n den letzten Tagen ständia auf Rommels Siege in Aegypten gelenkt worden fei, habe Rommels Kol- ; lege Generalfeldmarschall von Bock an der Ostfront nicht still gesessen. Selbst Moskau stellte den deutschen Vorstoß zum Westufer des Don nicht in Abrede und verheimliche auch nicht die Tatsache, daß eine für" die Truppen Timoschenkos ernste Lage entstanden sei. — „Daily Herald" meint, das Tempo des deutschen Vormarsches an der Kursk— Charkow-Front fei plötzlich in geradezu alarmierender Weise beschleunigt worden. Es sehe ganz danach aus, als hätten die deutschen Panzerkolon- ien die sowjetischen Verteidigungszonen an diesem Abschnitt i n b r e i t e r Front überrannt und tatsächlich den Don erreicht. Durch das Don-Tal aber laufe die H ajj p teisenbahnlinie von Moskchl roch Rostow. Im Ganzen gesehen sehe die Lage für die Sowjets so trübe aus wie zu keinem Zeitpunkt in diesem Jahre.
MehrTaisachenstaitGeschwätz Kritik an der englischen Nachrichtenpolitik.
Genf, 6.Juli. (DNB.) Unter der Ueberschrift „Laßt das kindische Geschwätz, gebt uns Tatsachen" schreibt der Lissaboner Korrespondent des „Daily Mirror": In alliiertenfreundlichen Kreisen des neutralen Auslandes fei man über den bisherigen Ausgang der Kämpfe in Nordafrika erschüttert. Sei es nicht höchste Zeit, daß das britische Kriegsministerium endlich' damit aufhöre, die Oeffentlichkeit „wie ein geistig zurückgebliebenes Kind" zu behandeln und ihr „nur so viel Intelligenz wie einem kopflosen Aal" beizumessen. Es sei nicht nur für die britische Oeffentlichkeit beleidigend, wenn sie die Wirklichkeit durch eine rosarote Brille betrachten müsse, sondern es sei auch den englischen Soldaten gegenüber in höchstem Maße unfair, von ihren KcnnpHandlungen in irresührenderWeise zu berich
ten. Großbritannien sei von seinem Premierminister Schweiß, Blut und Tränen vorausgesagt worden, aber die amtlichen Stellen scheuten sich, die britische Oeffentlichkeit damit bekanntzumachen. Das britische Volk sei in drei Kriegsja'hren klug geworden und wolle nichts mehr von dem Geschwätz angeblicher militärischer Sachverständiger hören, deren .Voraussagen 'sich zu 90 v. H. im Endergebnis als falsch herausgestellt hätten.
Auch die USA. erwarten neue deutsche Triumphe.
Madrid, 7. Juli. (DNB.-Funkspruch.) Der E'FE.- Korrespondent drahtet aus Neuyork, daß-der deutsche Vormarsch an der Ostfront in USA. e r n st e Besorgnis hervorgerufen habe. Die Neuyorker Abendpresse vom Montag bringe die Meldungen vom Vorrücken der deutschen Truppen mit großen Schlagzeilen. Der Militärkritiker der „New Port Times" erklärt, man müsse neue deutsche Triumphe gegen die Sowjets erwarten. Hitler verzichte auf alle Sensatiönssiege, vielmehr leite er den Vorstoß seiner Truppen auf Gebiete, die ihm solide und unzweifelhafte Gewinne einbringen. Es sei nicht abzuleugnen, daß Deutschland die große Sommeroffensive begonnen habe und daß es den Alliierten militärischweitüber- I e ge n sei. x
Oer Kampf um die Felshöhlen von Sewastopol.
Berlin, 6. Juli. (DNB.) Bei der Schlacht um Sewastopol spielten sich besonders heftige Kämpfe um die großen natürlichen Höhlen ab. Sie waren von den Bolschewisten als Wohnungen und Kampf st ellungen eingerichtet. In den großen Felsenhöhlen waren die Kommissare mit ihren Familien untergebracht, während die Bevölkerung in ausgedehnten einfachen Höhlen Platz gefunden hatte. Die von den Kommissaren bewohnten Höhlen besaßen Schlafzimmer und Küchen. Andere Felsen- tunnels waren als Schlächtereien, Bäckereien, Lazarette, Lager und so weiter eingerichtet. Obwohl diese Höhlen fast alle eine Naturfelsdecke von
hundert bis zweihundert Meter Dicke aufwiesen, gelang es der schweren deutschen Artillerie und den schwersten Bomben der Sturzkampfflugzeuge, einige Eingänge ganz ober teilweise zuzuschütten. Das Ausräumen der unterirdischen Befestigungen blieb im wesentlichen den Pionieren und Infanteristen überlassen. Verschiedentlich sprengten die Bolschewisten durch Fernzündungen ganze Höhlensysteme in die Luft, wenn sie glaubten, daß die deutschen Angreifer nahe genug herangekommen waren. Bei einer solchen Sprengung fanden etwa eintausend Rotarmisten und etwa dreitausend Zivilisten den Tod. Bei einem anderen Höhlensystem wurden durch eine Sprengung sämtliche Eingänge verschüttet. Die Eingeschlossenen versuchten Darauf, von innen her mit Artillerie gegen die herabgestürzten Felsbrok- fen zu schießen, um sich freizumachen. Nach Auslagen von Gefangenen waren in diesem Bunker außer Geschützen, Panzerabwehrkanonen und Granatwerfern etwa achthundert- Sowjetsoldaten und fünftausend Zivilisten, Frauen und Kind^-, eingeschlossen. Daraufhin wurden gefangene Bolschewisten an gesetzt, um den Eingang wieder freizumachen. Ein Teil der Eingeschlossenen konnte im letzten Augenblick befreit werden. Ebenso wie die Bolschewisten Stellungen, die gegen' den Ansturm der Angriffstruppen nicht mehr zu halten waren, sprengten, haben sie auch in der Stadt alles, was Artillerie und Sturzkampfflugzeuge noch nicht vernichtet hatten, zerstört.
Aktuelle Geographie.
Der Don scheidet in seinem Mittel- und Süd- lauf das eigentliche Ackergebiet von der Steppe. Sein Name ist tatarischen Ursprungs. Die früher im Süden und Osten des Zarenreiches herrschenden Turko-Völker nannten ihn Duna. Dieser nächst Wolga und Dnjepr drittgrößte Fluß Osteuropas entspringt in 176 Meter Höhe und hat eint Gesamtlänge von 2134 Kilometer, also ein sehr geringes Gefälle, jvas die Schiffbarkeit durch Bildung von Sandbänken stark herabmindert. Darauf gehen auch die vielen Krümmungen, insbesondere der große Oftbogen des Don zurück, der sich bis auf 75 Kilo
meter der Wolga nähert, dann aber wieder nach Südwesten abbiegt. Die Luftlinie von der Quelle bis zur Mündung bei Rostow in das Schwarze Meer beträgt nur 750 Kilometer.
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Der Name Woronesch bezeichnet drei verschiedene Dinge: den Fluß Woronesch, auf dessen von Schluchten zerschnittenem hohen Westufer recht anmutig die Stadt Woronesch liegt, die zugleich Hauptstadt der Provinz Woronesch ist. Die Stadt Woronesch liegt auf einer schmalen Landzunge zwischen Don und dem Fluß Woronesch, der knapp unterhalb der Stadt in den Don fließt. Diese geschützte Lage gab auch Anlaß zu der Gründung der Stadt um 1586 als befestigter Grenzort gegen Die Damals noch mächtigen Tataren. Der Don teilt die Provinz Wyronesch, die etwas kleiner als Bayern ist, in zwei Teile, die sehr unterschiedlich, sind. Am Westufer des Don wiegt der Ackerbau entschieden vor, am Ostufer beginnt die Steppe, wenn sich auch noch einige Streifen- der berühmten „schwarzen Erde" Dort finden. Unter zaristischer Herrschaft war Damit Die Eigenart Der Provinz Woronesch bestimmt: Am Westufer Roggen, Hiese, Zuckerrüben, Hanf- und Tabakanbau, am Ostufer eine sehr hochentwickelte Pferde- und Schafzucht. Unter sowjetischer Herrschaft setzte eine starke Industrialisierung (Motoren- und Flugzeugindustrie) ein, die die Einwohnerzahl der Stadt Woronesch auf rund 325 000 im Jahre 1939 in die Höhe trieb.
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Das in den Wehrmachtberichten genannte Rsh e w (oder Rschew) ist eine Kreisstadt von 54 000 Einwohnern im Bezirk Twer und Dampferstation der Wolga-Schiffahrt mit reger Verarbeitungsindustrie. Es ist auch wichtiger Knotenpunkt der Bahnen Moskau—Riga und Wjasma—Twer. Von Moskau liegt es etwa 230 Kilometer westlich, 181 Meter hoch auf dem Höhenrücken, der das linke Ufer der oberen Wolga begleitet. Zur bekannten Waldai-Höhe hin nach Nordwesten zu dehnt sich in etwa 120 Kilometer Länge der große Wolakonski-Wald. Rfhew ist eine Gründung des 13. Jahrhunderts, die später zu Litauen gehörig»


