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7.7.1942
 
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192. Jahrgang Nr. 157

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Mhener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

An den Don.

ÄZarum kämpfen die Sowjets so erbittert um jeden Quadratkilometer? Warum nutzen sie nicht dieWeite des Raumes" für eine ganz bewegliche Taktik? Warum möchten sie im Gegenteil am lieb­sten zu dem Graben-Krieg von 1914/18 zurückkeh­ren? Sie wissen, daß sie mit dem Rücken gegen die Wand stehen. DieWand" ist dieser vielberu- seneweite Raum". Raum muß gestaltet sein, um Operationsfeld werden zu können. Seine Gestaltung ist seine Ueberwindung. Das kann primitiv durch Reiterhorden geschehen, weshalb Nomadenvölker in der Frühzeit der Kriegsgeschichte fast immer Bauern- i)Öttern überlegen waren. Heute ist die Ueberwin- «dung und Gestaltung des Raumes feine Verkehrs­erschließung. Das erste moderne Mittel' der Ver­kehrserschließung sind die Bahnen: sie sind auch heute angesichts des Riesenbedarfes an Nachschub non enormer Wichtigkeit. Zwei leistungsfähige Bah­nen führen hinter der Sowjetfront, wie sie sich seit Ende November 1941 entwickelt Hatz vom Norden nach Süden. Es sind im wesentlichen die letzten Nord-Süd-Derbindungen, die D;en Sowjets zur Ver­fügung stehen: für den Kriegs Nachschub, auch für die Versorgung mit Brennstoffen aus den in der Sowjetunion exzentrisch gelegenen Produktionsge­bieten. Andere Mittel der Verkehrserschließung und der Raumbewältigung sind Kraftwagen und Flug­

zeuge. Wir sind hier den Sowjets nach Zahl und Güte dieser modernsten Verkehrsmittel überlegen.

Immer war es sicher, daß, wenn die letzten sow­jetischen Stellungen und Riegel vor den letzten Bah­nen erst einmal durchbrochen waren, der Raum jener Partei zugute kommt, die den Raum meistert. Die Partei, die ihn nicht meistert, unterliegt. Darum kämpfen die Sowjets mit dem Rücken gegen die Wand. Sie wollen nicht in die Weite des Raumes abgedrängt werden, den sie nicht mehr beherrschen.

Im rohen Ungefähr hat der große deutsche Keil, der gegen den Don vorgetrieben wurde, die Naht­stelle zwischen den Armeen Dimoschenkos und Schu- kosfs aufgerissen. Timoschenko kommandiert den südlichen Abschnitt, Schukoff ist seit Oktober v. I. der Nachfolger Timoschenkos im mittleren und auch im nördlichen Abschnitt, wo früher Woroschilow den Befehl führte. Innerhalb dieses deutschen Keiles, der aus der ungefähren Ausgangsstellung Charkow Kursk in 300 Kilometer Breite erfolgte, sind starke sowjetische Streitkräfte eingekefselt. Sie stehen vor ihrer Vernichtung. Es ist selbstverständlich, daß die Sowjetführung auf die Seiten des deutschen Keils zu wirken sucht durch Flankenangriffe. Sie sind zusammengebrochen. Die Wucht des deutschen Vor­stoßes an den Don schreibt dem Gegner das Gesetz des Handelns in schärfster Weise vor. An eine eigene Strategie kann er nicht denken, alle seine Kraft ist in die Verteidigung gedrängt.

planmäßiger Verlauf der Operationen im südlichen Abschnitt der Ostfront.

Westlich des Don eingeschloffene starke feindliche Krästegruppen vor ihrer Vernichtung. Angriff starker Eowjetkräste nördlich Orel abgewiesen.

Oer Wehrmachtbericht.

DRV. Ausdem Führerhauptquartier, 6. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Operationen im südlichen Abschnitt der O st f r o n t verlausen planmäßig. Starke feind­liche kräGegruppen, die westlich des Don cin- geschlossen sind, stehen vor ihrer Vernichtung. Er­neute von Panzern unterstützte Entlastungsangriffe der Sowjets brachen zusammen. Die Luftwaffe unterstützte mit starken Kräften die Operationen und führte schwere Angüsse gegen den feindlichen Rachschubverkehr auf Straßen und Eisenbahnen.

Vördlich Orel griff der Feind mit starken Kräften. unterstützt durch zahlreiche Panzer und Verbände der Luftwafse an. Er wurde zum Teil >m Gegenstoß unter hohen blutigen Verlusten ab­gewiesen. Zahlreiche feindliche Panzer wurden ver- nichlet. Die Kämpfe sind noch im Gange.

Im Raum von Rfhew wurde der eigene An- . griff fortgesetzt.

In heftigen Luftkämpfen des gestrigen Tages schossen deutsche Jäger an der Ostfront bei nur drei eigenen Verlusten 12 7 feindliche Flug- zcug^e ab.

In Aegypten dauern die Kämpfe um die Ll-Alamein-Stellung an. Luftslreitkräfte bombardierten die Hafenanlagen von Alexan- d r i e n und Port Said und griffen britische Panzer und Kraftwagenansammlungen an.

Auf IN a l t a verursachten Tages- und Rachtan-

grisfe deutscher Kampfflugzeuge größere Brände in den Anlagen des Flugplatzes Ta Venezia.

3m Raum von Rfhew.

Berlin, 6. Juli. (DNB.) Im Roum von Rfhew haben deutsche Truppen trotz des durch starke Regenfälle grundlos gewordenen Kampfgeländes in morastigen Sumpf- und Buschgebieten beträcht­liche Erfolge errungen. So erkämpfte sich die Spitze einer Kampfgruppe den Weg durch.'breite, tief ge­staffelte Minenfejder und .starke Befestigungsan­lagen hindurch. Sie erzwang den Austritt aus einem unübersichtlichen Wald gebiet, während eine andere Angriffsgruppe in wechselvollem Kamps weiter an Boden gewann und dabei zahlreiche Waldstücke von feindlichen Resten säuberte. Die Bolschewisten versuchten durch Gegenstöße, die pon Panzern unterstützt waren, das Vordringen der deutschen Truppen aufzuhalten. Nachdem diese Vor­stöße unter schweren blutigen Verlusten für den Feind abgewiesen waren und eine örtliche Ein­bruchsstelle bereinigt war, erzielte der deutsche An­griff im Nachstoß weitere Erfolge, wobei ^in zähen Waldkämpfen mehrere Ortschaften durch umfassen­den Stoß genommen wurden. Im Verlauf dieser Kampshandlungen würde eine eingeschlossene feind­liche Kräftegruppe bei einem erfolglosen Durchs bruchsversuch vernichtet und eine deutsche Brücken­kopfstellung in heftigem Kampf erweitert. Starke Verbände von Kampf- und Sturzkampfflugzeugen richteten ihre Angriffe gegen feindliche Panzer­kräfte und motorisierte Kolonnen, lieber 70 Panzer und*zahlreiche Geschütze wurden außer Gefecht ge­setzt, fast 200 Kraftfahrzeuge vernichtet, in heftigen Luftkämpfen 20 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Besorgtes Echo in London.

Australien zwischen Scylla und Lharybdis.

Von unserem Dr. L.-Korrespondenten.

Stockholm, Juli 1942.

Als die Regierung des englischen Mutterlandes am 3. September 1939 dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, folgten die Dominions diesem Beispiel schon nach kurzer Zeit. Mit Ausnahme der Südafrikanischen Union, wo die Kriegs­erklärung erst nach dramatischen Sitzungen des Par­laments von einer knappen Mehrheit angenommen wurde, entsprach diese rasche Gefolgschaft der Toch­terstaaten den Erwartungen. Die wenigen ^Tage, welche die Regierungen in Montreal, Canberra und Wellington verstreichen ließen, dienten dazu, sich selbst zu bestätigen, daß man freiwillig und elbständig handele und in solchen Fragen nicht mehr von London abhängig sei. Mögliche inner­politische Vorbehalte waren am wenigsten vielleicht in Australien vorhanden, welches von jeher den Ruf genoß, unter den britischen Töchtern d i e t r e u e ft e zu sein. ,

An dieser bedingungslosen Treue Australiens hat sich in der Zwischenzeit mancherlei geändert. Die Beziehungen zwischen London und Canberra waren zeitweilig sehr gespannt, und wenn in den letzten Wochen auch die scharfen Auseinander- etzungen zwischen Churchill und Curtin aufgehört haben, so sind damit die Gegensätze noch nicht aus dem Wege geräumt worden. Dieser scheinbar jähe Wandel in der Haltung Australiens hat in der ganzen Welt viel Aufsehen erregt, aber wenig Ver- tändnis gefunden. Er ist auch nur zu verstehen, wenn man etwas in die intimeren Familienange­legenheiten der englischen Staatenfamilie hinein­leuchtet und die Streitigkeiten der letzten Wochen in einen größeren Zusammenhang stellt.

Im September 1939 glaulsten von zehn Austra­liern mindestens neun, daß der Krieg nicht lange dauern und jedenfalls auf Europa und allenfalls den Mittleren Osten beschränkt bleiben würde. Nun liegt aber nicht nur London, sondern auch noch Suez so weit von Brisbane, Sydney und Melbourne ent­ern!, daß niemand diesen Krieg ernster nahm als der vorige Weltkrieg für Australien gewesen war. Man war im Grunde sogar so sehr von der Macht Englands überzeugt, daß eine wesentliche Unter­stützung kaum notwendig erschien. Trotzdem wollten die Australier ihre Zugehörigkeit zum Empire gern beweisen und erklärten daher in London, sie woll­ten in jeder gewünschten Weise zum baldigen Sieg der britischen Sache beitragen. In London wiegte man sich zwar auch noch in Illusionen, rechnete aber immerhin etwas nüchterner und erbat daher die Entsendung eines Expeditionskorps 'n ad) Aegypten zum Schutz von Suez und viel­leicht gar zum Angriff gegen Deutschland über den Balkan hinweg. So kam es, daß genau wie vor 25 Jahren wieder australische Truppen im Mittleren Osten erschienen.

Wenn in der australischen Heimat viele Leute geglaubt hatten, daß ihre Söhne und Brüder nur als Paradetruppen nach Aegypten geschickt worden waren, so wurden sie bald eines Besseren belehrt. Bis zum Ende der Katastrophe von Kreta und des mißglücktensyrischen Blitzkrieges" lag das Schwer­gewicht der Feldzüge im Mittleren Osten auf den Schultern australischer und neuseeländischer 'Trup­pen, und die langen Verlustlisten, die im Früh­sommer 1941 in Australien eintrafen, roaren ein Zeugnis für die Härte der Kämpfe. Sie bewirkten aber auch, daß ein Urstschwung in der allgemeinen Einstellung Australiens zum Krieg, der unsichtbar schon in der Entwicklung begriffen war, sehr viel rascher ablief. Nach einigen erregten Parlaments­sitzungen in Canberra verlangte die australische Re­gierung in London eine gerechtere Verteilung der militärischen Lasten auf englische und australische

Truppen, und vor allem forderte sie, daß austra­lische Truppen nur noch dann eingesetzt würden, wenn ihnen, durch die ßuftnfaffe ausreichender Schutz gewährt werden könne.

Die militärischen Ereignisse allein hätten aber kaum genügt, um den Umschwung in Australien her­beizuführen, wenn nicht der innerpolitische Kampf zwischen der Labour-Partei einerseits und der in der derzeitigen Koalition führenden Ver­einigten Australischen Partei anderseits allmählich zu einer Entscheidung gedrängt hätte. Premier­minister Menzies vertrat die unbedingte Mit­arbeit'Australiens im Empire, selbst auf die Gefahr einer Unterordnung australischer Interessen unter diejenigen des Mutterlandes. Pie Labour- Partei wünschte demgegenüber eine unabhän­gigere Politik zu verfolgen, und insbesondere ihr Lester Curtin setzte sich für eine Lockerung der Bindungen an London ein. Da beide Parteien, hie Vereinigte Partei allerdings nur unter Einbe­ziehung der von Sir Earl Page und F aD d e n ge­führten Landpartei, sich fast das Gleichgewicht im Parlament hielten, war die Regierung in allen wichtigen Fragen auf die wohlwollende Duldung der Sozialisten angewiesen. Das zeigte sich, als Menzies im Sommer 1941 infolge der schweren Verluste der australischen Truppen und wegen seines Eintretens für engste Zusammenarbeit mit England zurück­treten mußte, ohne daß die Regierung durch eine Abstimmung gestürzt worden wäre. Sein farbloser Nachfolger F a d d e n konnte sich nur wenige Mo­nate halten und mußte dann das Ruder, an C u r t i n und die Labour-Partei abgeben.

Im Gegensatz zu den meisten Australiern emp­findet Curtin starke Abneigung gegen die Eng­länder. So ist es fein Wunder, daß es zwischen ihm und Churchill keine Brücke des Verstehens gibt. Gleichwohl hätten Curtins persönliche Gefühle wohl keinen so großen Einfluß auf die australische Politik gewinnen können, wenn nicht der Pazi- fikkrieg ausgebrochen uiid Australien damit un­mittelbar in die Gefahrenzone gerückt wäre. Kam schon die Tatsache des Ostasienkrieges überhaupt als eine sehe unliebsame Ueberraschung für die meisten Australier, so rief fein bisher unerwarteter Verlauf ein wahrhaft panisches Entsetzen hervor. Nur zwei Monate nach dem Schlag von Pearl Harbour waren außer der Malaiischen Halbinsel und Singapur auch Java mit den übrigen Inseln des Malaiischen Archipels in japanischer Hand und damit die letzte Bastion außerhalb Australiens gefallen. Schon lan­deten die Japaner auf den Salomon-Inseln nördlich von Neu-Guinea und die ersten feindlichen Flieger- bpmben fielen in Port Darwin auf das australische Festland. In dieser Stunde höchster Gefahr fühlte sich Australien von dem im Stillen Ozean hilflosen England verlassen und wandte sich daher um Hilfe an Dengroßen Bruder" jenseits das Pazifik.

Der Hilferuf der ausstralifchen Regierung' fand in den Vereinigten Staaten bereitwillig Gehör. Roosevelt sah hier nicht nur eine Front, an welche amerikanische Truppen entsandt werden konnten. Roosevelt dachte nicht nur in Wochen und Monaten militärischer Planung, sondern in Jahren und Jahr­zehnten imperialistischer Expansion. Für die allmäh­liche Verdrängung des englischen Einflusses in den Gliedstaaten des britischen Weltreiches und seine schließliche Ersetzung durch den amerikanischen er­greift Roosevelt jede Gelegenheit, die ein Vordringen in dieser Richtung ermöglicht. So kam es, daß schon wenige Wochen nach dem Appell Curtins b e r erste amerikanische Geleitzug in Marsch gesetzt wurde. Seit Mitte Februar senden die USA. Truppen und Material nad) Australien. Britische Berichte sprechen davon, daß in manchen Dörfern und kleineren Städten mehr Amerikaner als Austra»

Gens, 7. Juli (DNB. Funkspruch.) In der Lon­doner Möntagspresse findet der deutsche Vorstoß zum Don besondere Beachtung.Daily Mail" schreibt unter der UeberschriftTimoschenko in Gefahr", zur Zeit träfen recht 'beunruhigende Nachrichten aus der Sowjetunion in London ein. Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit n den letzten Tagen ständia auf Rommels Siege in Aegypten gelenkt worden fei, habe Rommels Kol- ; lege Generalfeldmarschall von Bock an der Ost­front nicht still gesessen. Selbst Moskau stellte den deutschen Vorstoß zum Westufer des Don nicht in Abrede und verheimliche auch nicht die Tatsache, daß eine für" die Truppen Timoschenkos ernste Lage entstanden sei.Daily Herald" meint, das Tempo des deutschen Vormarsches an der Kursk Charkow-Front fei plötzlich in geradezu alarmie­render Weise beschleunigt worden. Es sehe ganz danach aus, als hätten die deutschen Panzerkolon- ien die sowjetischen Verteidigungszonen an diesem Abschnitt i n b r e i t e r Front überrannt und tatsächlich den Don erreicht. Durch das Don-Tal aber laufe die H ajj p teisenbahnlinie von Moskchl roch Rostow. Im Ganzen gesehen sehe die Lage für die Sowjets so trübe aus wie zu keinem Zeitpunkt in diesem Jahre.

MehrTaisachenstaitGeschwätz Kritik an der englischen Nachrichtenpolitik.

Genf, 6.Juli. (DNB.) Unter der Ueberschrift Laßt das kindische Geschwätz, gebt uns Tatsachen" schreibt der Lissaboner Korrespondent desDaily Mirror": In alliiertenfreundlichen Kreisen des neu­tralen Auslandes fei man über den bisherigen Aus­gang der Kämpfe in Nordafrika erschüttert. Sei es nicht höchste Zeit, daß das britische Kriegsministe­rium endlich' damit aufhöre, die Oeffentlichkeitwie ein geistig zurückgebliebenes Kind" zu behandeln und ihrnur so viel Intelligenz wie einem kopf­losen Aal" beizumessen. Es sei nicht nur für die britische Oeffentlichkeit beleidigend, wenn sie die Wirklichkeit durch eine rosarote Brille betrachten müsse, sondern es sei auch den englischen Soldaten gegenüber in höchstem Maße unfair, von ihren KcnnpHandlungen in irresührenderWeise zu berich­

ten. Großbritannien sei von seinem Premiermini­ster Schweiß, Blut und Tränen vorausgesagt wor­den, aber die amtlichen Stellen scheuten sich, die bri­tische Oeffentlichkeit damit bekanntzumachen. Das britische Volk sei in drei Kriegsja'hren klug gewor­den und wolle nichts mehr von dem Geschwätz an­geblicher militärischer Sachverständiger hören, deren .Voraussagen 'sich zu 90 v. H. im Endergebnis als falsch herausgestellt hätten.

Auch die USA. erwarten neue deutsche Triumphe.

Madrid, 7. Juli. (DNB.-Funkspruch.) Der E'FE.- Korrespondent drahtet aus Neuyork, daß-der deut­sche Vormarsch an der Ostfront in USA. e r n st e Besorgnis hervorgerufen habe. Die Neuyorker Abendpresse vom Montag bringe die Meldungen vom Vorrücken der deutschen Truppen mit großen Schlagzeilen. Der Militärkritiker derNew Port Times" erklärt, man müsse neue deutsche Tri­umphe gegen die Sowjets erwarten. Hitler ver­zichte auf alle Sensatiönssiege, vielmehr leite er den Vorstoß seiner Truppen auf Gebiete, die ihm solide und unzweifelhafte Gewinne einbringen. Es sei nicht abzuleugnen, daß Deutschland die große Sommeroffensive begonnen habe und daß es den Alliierten militärischweitüber- I e ge n sei. x

Oer Kampf um die Felshöhlen von Sewastopol.

Berlin, 6. Juli. (DNB.) Bei der Schlacht um Sewastopol spielten sich besonders heftige Kämpfe um die großen natürlichen Höhlen ab. Sie waren von den Bolschewisten als Wohnungen und Kampf st ellungen eingerichtet. In den großen Felsenhöhlen waren die Kommissare mit ihren Fa­milien untergebracht, während die Bevölkerung in ausgedehnten einfachen Höhlen Platz gefunden hatte. Die von den Kommissaren bewohnten Höhlen be­saßen Schlafzimmer und Küchen. Andere Felsen- tunnels waren als Schlächtereien, Bäckereien, Laza­rette, Lager und so weiter eingerichtet. Obwohl diese Höhlen fast alle eine Naturfelsdecke von

hundert bis zweihundert Meter Dicke aufwiesen, gelang es der schweren deutschen Artillerie und den schwersten Bomben der Sturzkampfflugzeuge, einige Eingänge ganz ober teilweise zuzuschütten. Das Ausräumen der unterirdischen Befestigungen blieb im wesentlichen den Pionieren und Infanteristen überlassen. Verschiedentlich sprengten die Bolsche­wisten durch Fernzündungen ganze Höhlensysteme in die Luft, wenn sie glaubten, daß die deutschen Angreifer nahe genug herangekommen waren. Bei einer solchen Sprengung fanden etwa eintausend Rotarmisten und etwa dreitausend Zivilisten den Tod. Bei einem anderen Höhlensystem wurden durch eine Sprengung sämtliche Eingänge verschüttet. Die Eingeschlossenen versuchten Darauf, von innen her mit Artillerie gegen die herabgestürzten Felsbrok- fen zu schießen, um sich freizumachen. Nach Aus­lagen von Gefangenen waren in diesem Bunker außer Geschützen, Panzerabwehrkanonen und Gra­natwerfern etwa achthundert- Sowjetsoldaten und fünftausend Zivilisten, Frauen und Kind^-, einge­schlossen. Daraufhin wurden gefangene Bolschewisten an gesetzt, um den Eingang wieder freizumachen. Ein Teil der Eingeschlossenen konnte im letzten Augen­blick befreit werden. Ebenso wie die Bolschewisten Stellungen, die gegen' den Ansturm der Angriffs­truppen nicht mehr zu halten waren, sprengten, haben sie auch in der Stadt alles, was Artillerie und Sturzkampfflugzeuge noch nicht vernichtet hat­ten, zerstört.

Aktuelle Geographie.

Der Don scheidet in seinem Mittel- und Süd- lauf das eigentliche Ackergebiet von der Steppe. Sein Name ist tatarischen Ursprungs. Die früher im Süden und Osten des Zarenreiches herrschenden Turko-Völker nannten ihn Duna. Dieser nächst Wolga und Dnjepr drittgrößte Fluß Osteuropas ent­springt in 176 Meter Höhe und hat eint Gesamt­länge von 2134 Kilometer, also ein sehr geringes Gefälle, jvas die Schiffbarkeit durch Bildung von Sandbänken stark herabmindert. Darauf gehen auch die vielen Krümmungen, insbesondere der große Oftbogen des Don zurück, der sich bis auf 75 Kilo­

meter der Wolga nähert, dann aber wieder nach Südwesten abbiegt. Die Luftlinie von der Quelle bis zur Mündung bei Rostow in das Schwarze Meer beträgt nur 750 Kilometer.

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Der Name Woronesch bezeichnet drei verschie­dene Dinge: den Fluß Woronesch, auf dessen von Schluchten zerschnittenem hohen Westufer recht an­mutig die Stadt Woronesch liegt, die zugleich Hauptstadt der Provinz Woronesch ist. Die Stadt Woronesch liegt auf einer schmalen Landzunge zwischen Don und dem Fluß Woronesch, der knapp unterhalb der Stadt in den Don fließt. Diese ge­schützte Lage gab auch Anlaß zu der Gründung der Stadt um 1586 als befestigter Grenzort gegen Die Damals noch mächtigen Tataren. Der Don teilt die Provinz Wyronesch, die etwas kleiner als Bayern ist, in zwei Teile, die sehr unterschiedlich, sind. Am Westufer des Don wiegt der Ackerbau entschieden vor, am Ostufer beginnt die Steppe, wenn sich auch noch einige Streifen- der berühmtenschwarzen Erde" Dort finden. Unter zaristischer Herrschaft war Damit Die Eigenart Der Provinz Woronesch be­stimmt: Am Westufer Roggen, Hiese, Zuckerrüben, Hanf- und Tabakanbau, am Ostufer eine sehr hoch­entwickelte Pferde- und Schafzucht. Unter sowjeti­scher Herrschaft setzte eine starke Industrialisierung (Motoren- und Flugzeugindustrie) ein, die die Ein­wohnerzahl der Stadt Woronesch auf rund 325 000 im Jahre 1939 in die Höhe trieb.

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Das in den Wehrmachtberichten genannte Rsh e w (oder Rschew) ist eine Kreisstadt von 54 000 Ein­wohnern im Bezirk Twer und Dampferstation der Wolga-Schiffahrt mit reger Verarbeitungsindustrie. Es ist auch wichtiger Knotenpunkt der Bahnen MoskauRiga und WjasmaTwer. Von Moskau liegt es etwa 230 Kilometer westlich, 181 Meter hoch auf dem Höhenrücken, der das linke Ufer der oberen Wolga begleitet. Zur bekannten Waldai-Höhe hin nach Nordwesten zu dehnt sich in etwa 120 Kilometer Länge der große Wolakonski-Wald. Rfhew ist eine Gründung des 13. Jahrhunderts, die später zu Litauen gehörig»