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(Nachdruck verboten.)
7. Fortsetzung.
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Dr. Brüggers Patientin
Roman von Walter Klöpffer
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Einer der schönsten modernen Straßen Roms, die Via Panama, wird zu Ehren Japans in Dia J Viapane umbenannt und mit japanischen Kirsch- tL Itäumen bepflanzt, die die Stadt Tokio vor Aus- ,f " nbrud) des Krieges der Stadt Rom geschenkt hatte.
Die Via Panama liegt im neuen Stadtviertel Pa- rioli und verläuft parallel zum großen Park der königlichen Sommerresidenz, Villa Savoia. In dieser Straße wohnen viele Diplomaten und Mitglieder der japanischen Kolonie.
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btffer ,ur d»n nächsten als für den fesiqcn Krieg denken. Angesichts dieser Schwierigkeüen wurde nun em neues phantastisches Projekt dem zuständigen Senatsausschuß unterbreitet. Senator Simon forderte nämlich den Bau von Fracht- Unterseeschisfen. Der in Amerika weilende schwedische Korrespondent von „Aston Tidningen" meint, daß Mangel an Stahl und anderen Artikeln Herrsche. Man sei sich nicht klar darüber, ob es nicht doch besser wäre, den Schiffbau herabzusetzen und dafür große Transportflugzeuge zu bauen. Eine Anzahl von Schiffswerften hätte bereits in- folge Stahlmangels den Betrieb ein stellen müssen. Ganze Kriegsindustrien würden durch den Stöhlmanael bedroht. In diesem Jahre seien fünf bis sechs Millionen Tonnen Stahl weniger als im vorigen Jahr produziert worden.
Im Laufe dieser Unterhaltungen erfuhr Anna, laß Brügger Witwer war und daß er Kinder über alles liebte. Letzteres doppelt darum, weil sie feiner eigenen Ehe versagt geblieben waren. Nur ein er- chsener Stiefsohn war da, über den er im Ge- “: kurz hinwegglitt. Anna erfuhr weiterhin, day ruggers ganze Begeisterung dem Projekt einer inderHeilstätte galt, das der Vollendung entgegen«
Und daß sein Beruf die spärliche Freizeit fast Restlos verschlang. _
Alles in allem bekam sie im Laufe der Tage einen zwar knappen, aber ziemlich treffenden Einblick in die Verhältnisse des Trettauer Arztes Seine <khe erwähnte er kaum, sie war wohl nicht sehr glücklich gewesen. Anna mochte Brüggers Besuche nicht ungern. Wenn - er ging, war jedesmal wieder ein Stückchen jener Eisrinde abgeschmolzen, mit der |fie ihr Herz vor den Menschen abgekapselt hatte. ,ks lag in der Natur der Sache, daß Brügger den Löwenanteil solcher Gespräche bestritt, wahrend seine Patientin sich aufs Zuhören, aufs Nicken, aus Zwi- fhenrufe und später auf gelegentliche Bemerkungen I beschränkte. Erst in den allerletzten Tagen ging i^nna mehr aus sich heraus und schilderte «chwie- kigkeiten und Freuden ihres kleinen, unbedeutenden Mens. Brügger schlang dann seine Hande ums Snie oder besah seine Stiefelspitzen, um die scheue Erzählerin nicht befangen zu machen. Im übrigen gehörte er zu den Männern, die stets einen 21us- veg oder Trost oder ein gescheites Wort »ur red)3 hin Zeit wissen. Von der Ursache lener dunklen Schwermut wurde nie gesprochen, was Anna ihm h»ch anrechnete. .,
Brügger für seine Person war zuweilen l^rmunbert darüber, daß es ihn zu dieser Ann l^ubaf so binzvg. Er nahm enftchieb''n mehr zinteti
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Kunst und Wissenschaft.
Die Goethe-Medaille für Otto Erter.
Berlin, 4.2Iug. Der Führer hat dem Dichter Professor Dr. Otto Erler in Weimar aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres in Würdigung seines dichterischen Schaffens, die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Reichs- Minister Dr. Goebbels hat dem Dichter telegraphisch eine herzlichsten Glückwünsche übermittelt. Die stviedrich-Schiller-Universität Jena hat ihrer 23er« - kundenheit mit Otto Erler dadurch Ausdruck gegeben, daß sie ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannte.
*
Erler ist als Sohn eines Arztes in Gera geboren, studierte in Marburg, Berlin, Paris und Greifswald, war Gymnasiallehrer in Plauen und Dresden und lebt feit 1930 in Weimar im Ruhestand.
Stattlich ist die Zahl der Erlerschen Bühnenstücke, die wegen ihrer zeitlosen elementaren Problemstellung sowie ihres Willens zur Wahrheit und Gerechtigkeit und wegen ihres Ringens um letzte Erkennt- nisie zum Spielplan deutscher Theater von Rang gehören. Seine Komödien „Die Hosen des heiligen Bartolus", „Der Galgensttick" und „Die Gewissenhaften" sprudeln von Herz und Humor. Seine Dramen „Zar Peter", der rassische Folgerungen fordernde „Struensee", die den DemetÄus-Stosf behandelnde Tragödie „Maria", das sich von Dresden und Weimar aus die deutschen Theater erobernde, germanische Westanschauung idealisierende Drama „Thors Gast" sind Höhepunkte seines dichterischen Könnens. „Thors Gast" war der I.Teil einer Trilogie „Thor und der Krist", der zweite Teil „Not Gottes" wird Ende November im Dresdener Staatstheater feine Uraufführung erleben, und das Schlußwerk „Die Blutsfreunde" demnächst zusammen mit den beiden anderen Teilen in Buchform erscheinen. Es besteht in Weimar der Plan, int nächsten Jahr die Trilogie am Nationaltheater geschlossen herauszubringen.
(Eine „Eugen-Bracht-Gedächtnisausslellung' in Darmstadl.
NSG. Am 3. Juni waren es 100 Jahre, daß der große Landschaftsmaler Professor Eugen Bracht in Morges am Genfer See geboren wurde. Don 1850 an war Darmstadt die Heimat des Künstlers, hier ist er auch im Jahre 1921 gestorben. Die Landeshauptstadt Darmstadt, deren öffentliche Sammlung, eine stattliche Reihe schönster Werke Eugen Ärachts besitzt, will ihm eine würdige Ausstellung widmen. Auch die Darmstädter Bevölkerung, in deren Besitz sich zahlreiche Werke von Eugen Bracht befinden, wird sich durch Ueberlassung dieser Bilder beteiligen. Die Aussteltting wird auch ein Bild seiner großen Zeichenkunst bieten. Sie findet vom 13. September bis 18. Oktober in der Städtischen Kunstsammlung auf der Mathildenhöhe statt.
Aus aller Wett.
Lin bekannter Pharmazeut gestorben.
In Darmstadt ist im Alter von 76 Jahren Ministerialrat i. R. Geh. Obermedizinalrat Prozessor Dr. Georg Heyl gestorben. Heyl war vier Jahrzehnte Lehrer für pharmazeutische Chemie und Pharmä- lkvgnosie 'an der Technischen Hochschule Darmstadt mnd nahezu drei Jahrzehnte Referent für das Apothekenwesen im hessischen Innenministerium. Er I bat sich um die Errichtung der Hessischen Apotheker- Ipmmer verdient gemacht.
(Eine „Japan-Straße" in Rom.
Aus der Stadt Gießen.
Bunte Sommergärten.
Jetzt stehen die Gärten auf der Höhe ihrer Pracht. Aus aller Herren Länder versammeln sich auf unseren Beeten die Blumen und Gewürze, die Gemüse und Früchte, die die Luft mit Düften und Farben erfüllen.
Die prächtigen Blumenkohlstauden stehen üppig, als seien sie hier beheimatet. Aber sie stammen aus Kleinasien und erst im 16. Jahrhundert kamen ihre Samen aus Kreta und Zypern nach Europa.
Dort die Lilie ist eigentlich in Persien beheimatet, lebt aber nun schon drei Jahrhunderte bei uns. Der Rettich jedoch, der ebenso dekorativ wie prosaisch ihr Beet einrahmt, ist ein echter Deutscher, ursprünglich ein Wildling, aber schon seit Karls des Großen Zeiten gärtnerisch veredelt.
Die stolze Reihe hoher Sonnenblumen, deren Kerne so besonders ölhaltig sind, sind Einwanderer aus Mexiko. Um 1600 tarnen sie nach Europa und erregten berechtigtes Aussehen.
Die leuchtend grüne Rabatte Kopf« und Pflücksalat, aus deren Mitte sich eine Reihe der aus Südafrika stammenden Gladiolen erhebt, zeigt uns einheimische Gemüsepflanzen, die wahrscheinlich von den Lattichgewächsen abstammen und ein Triumph veredelnder Gartenkultur sind.
Die grünen Reihen der Puffbohnen am Zaun haben altes Heimatrecht. Puffbohnen — auch Sau-, Pferde« ober Dickbohnen genannt — wurden schon zur Jungsteinzeit im mittleren und nördlichen Europa angebaut. Das duftende Resedakraut zu ihren Füßen aber ist ein Einwanderer und tarn vor rund 200 Jahren aus Nordafrika zu uns.
Entfernt verwandt mit den Puffbohnen find die Stangen- und die Buschbohnen. Aber sie stammen aus Amerika, aus seinen ttopischen und subtropischen Zonen; sie eroberten Europa lange vor der Kartoffel und haben sich glänzend auf unser Klima umgestellt.
Als stärkste Duftspender aber melden sich nun die Reihen der Gewürzkräuter auf ihren sonnigen Bee- ten. In der Mittagshitze heben sich ganze Wolken von Duft aus ihren Stauden empor. Da ist der Majoran, der aus Nordafrika zu uns einwanderte; da ist der Thymian, der heute noch feine wilden Vettern in Feld und am Rain hat: da ist das Bohnenkraut, beheimatet in den Mittelmeerländern: die Minze, unser eingeborenes Kind, die aus Südost- europa zugewanderte Petersilie, der aus Südeuropa stammende Schnittlauch, der aus gleicher Gegend stammende Dill, — sie alle versammeln sich hier, und ihr gewürziges Aroma überdeckt sogar die starken Duftwolken, die vom Levkojenbeet herüberwehen, den hundertfarbigen Levkojen, die einst nur am Mittelmeer heimisch waren.
Unser Rundgang ist beendet. Als letzten Gruß sehen wir noch am Zaun die bunten Astern, die jetzt ihre ersten Blüten aufschließen. Sie kamen von China her, aber sie wurden mit zur volkstümlichsten Blume unserer Gärten. E. Sch.
Deutsches Kreuz in Gold
für Leutnant Heinrich Beith.
NSG. Leutnant Heinrich Deith ckus Reichelsheim (Wetterau) erhielt als Führer etn^r Schützenbatterie das Deutsche Kreuz in Gold als Anerkennung für feine stete Einsatzbereitschaft und vielfältigen Beweise besonderer Tapferkeit. Leutnant Deith, der sich bereits in vielen Gefechten ausgezeichnet hatte, nahm ein sowjetrussisches Dorf im Handstreich und stürmte mit seiner Schützenbatterie zwölf hinter dem Dorf gelegene Bunker. Bei der Erstürmung des 12. Bunkers erhielt er einen Unterschenkelsteckfchuß.
Anläßlich der Verleihung der hohen Auszeichnung hat der Reichs bauernsichrer Leutnant Heinrich Veich ein Glückwunschschreiben übermittelt, in dem er dem Wunsche Ausdruck gibt, daß es ihm vergönnt fei, siegreich in die Heimat zurückzukehren, und seine Arbeitskraft auch weiterhin zum Wohle ber deutschen Landwirtschaft einzufetzen.
Sprechstunde des Kreisleiters.
Die Sprechstunde des Kreisletters's findet am Donnerstag, 6. August, nachmittags von 15 bis 17 Uhr in Gießen, Alieenstrdße 10, statt.
Amt für Agrarpolitik.
Die Sprechstunde des Amtes für Agrarpolitik findet am Donnerstag, 6. August, nachmittags von 15 bis 17 Uhr in Gießen, Al.icenftraße 10, statt.
Von der Ludwias-UniversitcU.
Der Reichserziehungsmin'ister hat mit Wirkung vorn 14. Juli 1942 ■Öen Dr. med. habil. Hans Peter Rusch in Gießen unter Zuweisung an die Medizinische Fakultät der Universität Gießen zum Dozenten für bas Fach Geburtshilfe und Frauenheil«
an dem Fall, als medizinisch berechtigt war. Zuerst hatte es ihn gereizt, die Kranke aus ihrer Lechargie, aus ihrer unerwünschten Interesselosigkeit hervor« zulocken, — schließlich war jeder Arzt auch ein biß- chen Psychiater. Aber dann, als die ersten zutraulichen Antworten einsetzten und ein Bild von dem Charakter der kleinen Lehrerin vermittelten, war ein Neues hinzugekommen, über das er sich noch nicht recht klar war.
Seine Ehe mit Brigitte Sommerfeld war niv,t glücklich gewesen. Er war einsam neben ihr hergegangen, neben dieser schönen, launischen und anspruchsvollen Frau. Und mit der Zeit war der Beruf seine einzige Geliebte geworden. Der Arzt hatte ihm über vieles hinweggeholfen.
Anna schrak zusammen und legte den Kamm weg. Fernes Getrappel wurde vernehmbar. Professor Helmreich mit seinem Gefolae näherte sich. Schließlich riß ein Praktikant beflissen die Tür auf.
„Guten Morgen, Fräulein Hudal!" Helmreichs Gesicht, seine Figur, seine Stimme hatten etwas von einem gut gelaunten Bacchus. Er ließ sich die Fieberkurve geben und schnupperte darin herum, dann beklopfte er Annas Narbe und nickte.
„Na, wie geht's?"
„Gut, Herr Professor!"
„Das höre ich gerne. Das Aussehen ist ja tadellos. Bücken Sie sich mal! Noch tiefer. Kopfweh, Schwindel?"
„Keines von Beiden", lächelte Anna Hudal.
,',Ja, dann könnten wir sie eigentlich entlassen", wandle Helmreich sich an Dr. Brügger. „Etwas einzuwenden?"
„Es dünkt mich ein bißchen früh —"
„Ach was. Sie soll nur raus und viel an die frische Luft. Das ist besser als dieser muffige Kasten. Also, Fräulein Hudal: die Wunde ist verheilt. Nicht dran kratzen, bitte! Die Härchen wachsen wieder nach, keine Sorge. Das Köpfchen wird schöner als vorher. Und nicht wieder in so ein Töft'töfs Tau;en! Das nächste geht's nicht mehr so glimpflich cf.
Gießener Haushaltsplan für 1942 verabschiedet.
Beratung des Oberbürgermeisters mit den Hatsherren.
Oberbürgermeister Ritter hatte die Ratsherren der Stadt Gießen am gestrigen Dienstagnachmittag zur Beratung des Haushaltsplanes der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 194 2 und der Haushaltssatzung im Sitzungssaale des Stadthauses Bergstraße versammelt. Zunächst gab der Oberbürgermeister einen Ueberblick über die städtische Haushaltswirtschaft seit 1940, danach behandelte er verschiedene Aenderungen im neuen Haushalt. Die Ratsherren stimmten den Darlegungen des Oberbürgermeisters in vollem Umfange zu. Der Haushaltsplan für 1942 und die Haushaltssatzung wurden daraufhin vom Oberbürgermeister zum Beschluß erhoben.
Die Stadtverwaltung hat darauf verzichtet, von der Möglichkeit, den alten Haushaltsplan zu ergänzen, Gebrauch zu machen: sie hat den Haushaltsplan nach den vorliegenden Erfordernissen aufge- stellt. Der Haushaltsplan gleicht sich, wie in den Vorjahren, in Einnahme und Ausgabe aus.
Zu dem Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1942, dem dritten Kriegshaushaltsplan der Stadt Gießen, ist zu sagen, day auch er durch die Kriegsverhältnisse maßgeblich beeinflußt ist. Unter Heranziehung von Resten aus früheren Jahren wird es möglich fein, auch das Rechnungsjahr 1942 ohne Fehlbetrag abzuschließen. Die früheren Rechnungsjahre konnten sämtlich ohne Fehlbettag abgeschlossen, ja es konnten sogar noch erhebliche Zuweisungen an die Rücklagen gemacht und besonders im Rechnungsjahr 1941 neben der planmäßigen Schuldentilgung eine etwa lOprozentige weitere Tilgung von Schulden vorgenommen werden. Im laufenden Rechnungsjahre 1942 ist beabsichtigt, weitere, insbesondere höher verzinsliche Schulden zu tilgen und soweit möglich Beträge zur Rücklagenbildung bereitzustellen. Diese Rücttagenbildung ist ein dringendes Erfordernis, da die günftigen Abschlüsse der letzten Jahre nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, daß ein erheblicher Bedarf an Ausgaben, insbesondere für Instandsetzungen, bisher unerfüllt bleiben mußte, alles Aufgaben für die Nachkriegszeit.
Hinsichtlich der Steuern sind Aenderungen der Hebesätze nicht eingetreten, lediglich in den Vororten Klein-Linden und Wieseck ist eine unbedeutende Erhöhung der Grundsteuer-Hebesätze für Gebäude zur Erfüllung der in den Ein^meindungsverttägen vorgesehenen Angleichung an die Hebesätze der Stadt Gießen notwendig gewesen. Die Burgersteuer fällt, wie bekannt, ab 1. Januar 1943 fort, dafür werden die Gemeinden in voller Höhe vom Reich entschädigt.
Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1942 schließt im ordentlichen Haushalt in den Ausgaben mit rund 11 Millionen RM., im außerordentlichen Haushalt in den Ausgaben mit rund 850 000 RM. ab. Die Steuerausschlagsätze sind wie folgt bestimmt worden:
I. G rundsteuer. •
1. Stadt Gießen und Schiffenberg: a) für land- unö forstwirtschaftliche Betriebe auf 280 v. H., b) für Grundstücke auf 135 v. H. der Steuermeß- beträge. Für steuerbegünstigte Wohngebäude in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ist die Grundsteuer nur mit 50 v. H. der sich hiernach errechnenden Steuerschuldigkeiten zu entrichten.
2. Stadtteil Gießen-Wieseck: a) für land- und forstwirtschaftliche Betriebe auf 280 o. H., b) für die Grundstücke auf 125 v.H.der Steuermeßbeträge.
3. Stadtteil Gießen-Klein-Linden: a), für land- unb forstwirtschaftliche Betriebe auf 230 v. H, b) für die Grundstücke auf 125 v. H. der Steuer« meßbeträge.
II. ©emerbefteucr.
Stadt Gießen und eingemeindete Vororte: a) vom Gewerbekapital auf 280 v. H., b) vom Gewerbe- ertrag auf 280 o. H., c) Zweigstellensteuer auf 360 v. H. der Steuermeßbeträge.
III. '3 ür ge r ft c u er.
Stadt Gießen mit eingemeindeten Vororten auf 600 v. H. des Reichtzsatzes.
IV. Hunde steuer.
1. Stadt Gießen: a) wenn der Beginn des Hundebesitzes in die Zeit vor dem 1. Oktober fällt, auf 36,— RM., b) vom 1. Oktober ab auf 18,— RM.
2. Stadtteile Gießen-Wieseck, Klein-Linden sowie Schisfenberg: auf 24,— bzw. 12,— RM.
Trotz erheblicher Beschränkunaen im Personal haben sämtliche städtischen Dienststellen und Aemter auch im abgelaufenen, Haushaltsjahr in vorbittllicher Weife ihre Aufgaben erfüllt. Besonders die Dienst- stellen, die mit unmittelbaren Kriegsaufgaben befaßt sind (Ernährungsamt, Wirtschaftsamt, Stelle für Familienunterhalt) hatten oft erhebliche Schwierigkeiten zu bestehen, um allen Anforderungen gerecht zu werden.
Es besteht begründete Aussicht, daß auch im laufenden Jahre die Verwaltung aller Schwierigkeiten Herr werden wird und so zu ihrem Telle zur siegreichen Beendigung des gewaltigen Ringens um den Bestand unserer Nation beiträgt.
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Aus den Beratungen des Oberbürgermeisters mit den Ratsherren ist noch folgendes hervorzuheben: Nach den Eingemeindungsverträgen zwischen^ Gießen und Wieseck und Klein-Linden waren die S t e ue r h eb e s ütz e in den Vororten den Hebesätzen der Stadt Gießen anAugleichen. Soweit diese Sätze in den Vororten höher lagen als in der Stadt Gießen, wurden sie im ersten Rechnungsjahre nach der Eingemeindung bereits gesenkt. Die Kanalaebühren lagen” in Wieseck und Klein-Linden bisher erheblich höher als in Gießen. Nunmehr hat Oberbürgermeister Ritter nach Anhören der Ratsherren in der gestrigen Sitzung beschlossen, mit Wirkung vom 1. April 1943 ab für Wieseck und Klein-Linden die Kanalgebühren auf den bisher in Gießen gültigen Satz z u ermäßigen. Dementsprechende Aenderungen der Poli- zeiverordnungen, Ortssatzungen und Gebührenordnungen wurden vom Oberbürgermeister zum Beschluß erhoben.
Das Interesse der Stadt an der weiteren Förderung des Wohnungsbaues fand seinen erneuten Ausdruck in dem Beschluß des Oberbürgermeisters, eine höhere Beteiligung der Stadt an der G e - meinnützigen Baugenossenschaft 1894 Gießen zu nehmen. Nach Anhören der Rats- Herren beschloß ber Oberbürgermeister, die Stadt Gießen mit 100 Geschäftsanteilen an der Baugenossenschaft 1894 zu beteiligen, um dadurch deren Wohnungsbautätidkeit künftighin noch mehr als bisher fördern zu können. Es wurde bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß nach einer EntscheidunA des Gau-Wohnungskommissars die weiteren im Stadtkreis Gießen bestehenden Baugenossenschaften in die Baugenossenschaft 1894 Gießen eingegliedert werden sollen.
Mit Dankesworten an die Ratsh«rren für ihre rege Mitarbeit -bei der Haushaltsberatung und mit dem Gruß an den Führer, unsere siegreiche Wehrmacht und an die Partei schloß der Oberbürgermeister die Sitzung. x
künde ernannt. Dozent Dr. Rusch hat in Gießen studiert, war dann in der Frauenklinik Medizinalpraktikant, hierauf Assistent und später zweiter Oberarzt in ber Univensitäts-Frauenklinik. Er steht zur Zeit als Oberarzt bei der Wehrmacht.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Viehverftei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 37 bis 48, Bullen 33,5 bis 46, Kühe 20 bis 46, Färsen 37 bis 47, Kälber 28 bis 57, Schafe 25 bis 49 Rpf. je V2 kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,25, bl (135 bis 149,5 kg) 1,25, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,26, c (100 bis 119,5 kg) 1,24, d (80 bis 99,5 kg) 1,16, e—f (unter 80 kg) 1,12, gl (fette Specksauen) 1,26, i (Altschneider) 1,26, g2) andere Sauen) 1,16 RM. Marktoerlauf: Alles zugeteilt.
verbunkelungszeil:
5. August von 22.08 bis 5.18 Uhr.
alte Erfahrung. Sie können also gehen, heute, morgen, wie es Ihnen paßt."
„Heute, Herr Professor", sagte Anna forsch.
„Recht so. Alles Gute!" Er gab ihr die Hand. Daß sie „heute" gesagt hatte, gewann ihr sofort Helmreichs Sympathie. Die meisten Patienten waren nicht mehr aus der Klinik herauszukriegen, wenn sie einmal drin waren. „Sckön, nach dem Mittagessen also. Wir wollen nodj acht Tage Schonung geben, Brügger. Teile das ber Kasse mit. Und noch eins, Fräulein Hudal! Keine Grübeleien, kein Stubenhocken, sondern 'raus an die Frühlingsluft, Spaziergänge, Zerstreuung! Mit Maß und Ziel, natürlich. Werden Sie bas machen?"
„Sicher, Herr Professor."'
„Dann ist es ja gut." Er winkte ihr mit der Hanb freundlich zu und verschwand mit dem ganzen Troß.
Später kam Brügger noch einmal alleins ins Zimmer und sagte unzufrieden: „Gar so sehr hätte es denn doch nicht geeilt, sollt' ich meinen. Oder war ich etwa nicht nett zu Ihnen?"
„O doch, sehr. Ich danke Ihnen herzlich für alle Mühe und für die Plauderstunben, lieber Herr Doktor", ermiberte Anna und streckte Brügger impulsiv ihre Hand hin.
„Apropos, Zerstreuuyg. Ich habe einen Vorschlag. Ich bin heute nachmittag bienftfrei. Wollen wir mit meinem Wagen ins Isartal? Es tut uns beiben gut, ein wenig ins Grsine zu kommen."
„Aber gern. Ich fipbe das reizend von Ihnen", entgegnete Anna ohne Befangenheit.
„Wirklich?" fragte er erfreut.
Sie nickte.
„Um zwei Uhr hole ich Sie ab. Ich nehme an, daß Sie zunächst einmal in Ihre Wohnung wollen?"
„Allerdings. Ich muß mich doch ein bissel zu- rechtmachen."
„Also bann auf Wiedersehen um zwei Uhr!"
In gehobener Stimmung eilte er aus dem Zimmer. Großartig! Einen ganzen langen Nachmittag mürbe er mit ihr plaudern können. Wie gut, daß er ;;:i Wagen hier #;ntte! Seit er Anna Hubal kannte
Gloria-palast: »Kleine Residenz.--
Das ift eine der hochsommerlichen Jahreszeit angemessene, vor dem ersten Weltkriege spielende, ganz verschollene Geschichte, deren Fabel übrigens nicht vom seligen Freiherrn von Schlicht stammt, wie man vermuten könnte, sondern das Drehbuch schrieb der Spielleiter Hans H. Zerlett unter freier Benutzung des Bühnenstückes „Mein erlauchter Ahn- Herr" von Alfred Schmieden. Der regierende Herzog Albrecht von Lauffenburg hat, um dem von ihm gepflegten Hoftheater einen würdigen Stoff zu- zuführen und zugleich der Ehre seines Hauses und feines Ländchens zu dienen, inkognito ein historisches Schauspiel verbrochen, in welchem sein erlauchter Ahnherr Otto der Eiserne samt der angeblich von ihm gewonnenen Schlacht bei Lauffenburg verherr- licht wird. Die Geschichte dieses Stückes und feiner Uraufführung bilden den eigentlichen Inhalt eines stellenweise possenhaften, stellenweise grotesken Filmlustspiels. Die komische Pointe beruht auf dem hanebüchenen Umstande, daß bei dieser durchaus ungewöhnlichen Gelegenheit eine historische Legende
hatte er plötzlich ein ungeheures Bedürfnis nach Aussprache uhb Zweisamkeit. Aber nun rasch ins Laboratorium. Er mußte noch den Rachenabstrich ber kleinen Rampp untersuchen.
Zur festgesetzten Stunde hielt Brüggers großer Sechssitzer, zartgelb mit schwarzen Zierstreifen, vor dem Klinikportal. Anna wurde mit der Sorgfalt, die man sonst nur auf Prinzessinnen verwendet, darin verstaut, und fort ging 5 nach ber inneren Stadt. Der Tag war von frühlingshafter Wärme. Die Anlagenbäume hatten sich mit dem ersten Grün drapiert, und heftig pfiffen die Stare. Der Friedensengel leuchtete golden im Blau. Die Isar rauschte und erzählte endlose Geschichten aus ber Dorder-Riß.
Vor Annas Wohnung in der Gabelsbergerstraße hielten sie. Brügger trug ihr den Koffer nach oben. — Muß doch, mal schen, wo sie haust, dachte er. Das Wohnzimmer war geräumig, sauber und altmodisch möbliert. Die Wirtin fand er erträglich. In einem Käfig konzertierte ein ausgeplusteter Ka- narienhahn. Arn Fenster standen Blumenstöcke. Einige Photos zierten die Wände, bekannte Schauspielerinnen und ein alter Herr mit sorgenvollem Gesicht. Anna zog sich mit einer Entschuldigung in das angrenzende Zimmer zurück, um sich schön zu machen.
Brügger lächelte verbindlich und trat ans Fenster. Er»hatte plötzlich bas starke Verlangen, zu rauchen, aber bezwang sich. Er blickte in einen Hof, wo ein Mann Limonadenflaschen spülte. Auf bem Küchenbalkon gegenüber lehnte eine blecherne Kind erb adc» manne. Rußflocken riefelten aus das graue Fenster- brett. — Armes Kerlchen — dachte Brügger —, also so wohnst du! — Er ließ die Aussicht im Stich und wandte sich dem Kanarienvogel zu, ber aufgeregt von Stange zu Stange hüpfte. Dann üb er flog er die Buchrücken, die sich auf einer Etagere aneinanber« drängten: Sturm, Keller, Raabe, Ludwig Thoma. Aus einer offenstehenden Schublade lugte Wäsche, weiß, ordentlich gebündelt, mit seidenen Bändchen verschnürt. (Fortsetzung folgt.)


