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mittelbar Gegenständlichen zum umfassenden Ge­danken zu gehen. Was wir eben sagten, ist nichts anderes als das, was der Führer am 8. November 1941, als er in München über die Ostkämpfe des Vorjahres berichtete, mit folgenden Worten aus­sprach:Unser großes Ziel im Osten ist im Grunde genommen nur die letzte Auswertung unseres Pro­gramms, nach dem wir einst angetreten sind, dieses nüchternen Programms, das die menschliche Arbeit und damit den Menschen s e l b st in den Mittelpunkt des handelns, des Strebens und auch des Erfüllens rückt. Wir haben damals gegen die Begriffe von Gold und Kapital den Begriff Menschen, Volksgenosse und Arbeit gesetzt und wir setzen heute gegen diese Begriffe wieder den Men­schen und seine Arbeit."

Dieser Ausgangspunkt hat das deutsche Volk aus dem grausam-lächerlichen Kampf der Interessen­haufen und der ihnen hörigen Parteien heraus­geführt. Wenn das deutsche Volk sich im Kriegs­winterhilfswerk zu einer großartigen Totgemein­schaft zusammenfindet, so überwindet es damit die Brüchigkeit einer Zeit, die an sich selbst irre gewor­den ist. Das ist der Zusammenklang zwischen Heimat und Front.

In seinem Aufruf zum Kriegswinterhilfswerk schreitet der Führer wieder vom unmittelbar Gegen­ständlichen zu einem umfassenden Gedanken. In diesem Sinn sagt er:Aus diesem Völkerringen muß und wird das Deutsche Reich als ein durch und durch nationalsozialistischer Staat in den Frie­den zurückkehren ... Es ist die Aufgabe der Front und des arbeitenden deutschen Volkes zu Hause, den internationalen Geldhyänen und bolschewisti­schen Bestien ... klarzumachen, daß dieser Krieg nicht mit der Möglichkeit der weiteren Ausbeutung durch die besitzenden Nationen, sondern m i t e i n e m weit entscheidenden S i e g der Habe­nichtse enden wird."

Der Sinn dieser Worte ist: Du opferst, damit die Habenichtse wahrhaft frei werden. Die Habenichtse sind wir. Aber das ist nicht der ganze Sinn. Der weltentscheidende Sieg der Habenichtse ist ein Ziel, aber zugleich ein Mittel zu einem ferneren Ziel. Die Millionen deutscher Menschen, die vor dem Feinde stehen, wissen alle den Wert des Geldes zu schätzen. Aber um das Geld schlagen sie ihr Leben nicht in die Schanze. Sie wollen die Freiheit des Denkens und Arbeitens, jenes Schaffens, in der der einzelne Mensch sich wahrhaft auslebt und kommenden Ge­schlechterfolgen ein großes Erbe an geistigen und sittlichen Werten weiterreicht. Unsere Gegenwart ist verpflichtet der Vergangenheit und verantwortlich für die Zukunft. Ein Volk ist die Gemeinschaft aller derer, die da waren, die da sind und die da werden. Bei anderer Gelegenheit sagte der Füh­rer:Wenn wir an die Opfer unserer Soldaten denken, an ihren Einsatz, dann ist jedes Opfer der Heimat gänzlich belanglos Und unbedeutend. Wenn wir aber die Zahl all jener uns überlegen, die in den Generationen schon v o r u n s für des deutschen Volkes Bestehen und Größe gefallen sind, dann wird uns erst recht die Größe der Pflicht bewußt, die auf uns selbst lastet." Dr. Ho.

Gorge und Enttäuschung.

England am Ende des dritten Kriegsjahres

Stockholm, 1. Sept. (DNB.) Der Londoner Korrespondent derNew Port Times" gibt über die englische Stimmung am Ende des dritten Kriegsjahres folgende bemerkenswerte Schilderung: Uöber zwei Kriegsschauplätzen steht gegenwärtig für englische Begriffe ein Fragezeichen: über der Front in Aegypten und über der Front im Osten. Die öffentliche Meinung in England be­trachtet beide Kriegsschauplätze mit steigender Sorge und. st ä n d i g wachsender Enttäu­schung. Aus der allmählichen Erkenntnis heraus, daß Großbritannien in den entscheidenden Stunden dieses Krieges unfähig ist, wirklich einzugreifen und militärisch etwas für den Sieg zu tun, hat sich diese schlechte Stimmung entwickelt.' Es entgeht den Eng­ländern auch nicht, daß die Achsenmächte gegen­wärtig große Risiken auf sich nehmen, um militä­rische Positionen zu erobern, deren Einnahme sie unbesiegbar machen würde. Viele Engländer ver­lieren langsam die Geduld, wenn sie stets und ständig die abgedroschene Phrase von der helfenden Zeit hören. Die Oeffentlichkeit ist durch das jahre­lange Warten auf eine eigene Offensive ermüdet. Die Unentschlossenheit der politischen Führung rettet sich in Ausschuhberatungen, die zu keinem Ziel kommen,"

jm August über808000BRT. versenkt

0er Wehrmachtbericht.

DJIB. Aus dem Führerhauptquarkier, 1. Sept Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Südlich des unteren Kuban brachen deutsche und rumänische Truppen zähen Widerstand und stießen an die Ostküste des Schwarzen Weeres durch. Stadt und Hafen Anapa wurden von rumänischen Truppen genommen. Deutsche Schnellboote griffen im Schwar­zen 7N e e r einen gesicherten Geleitzug an und versenkten zwei Schiffe mit zusammen 4500 BRT., darunter einen Tanker. 3n der Kertschstraße beschoß eigene Küstenartillerie einen Verband feindlicher Motorboote, von denen zwei liegenblieben.

Südlich von Stalingrad erweiterten In­fanteriedivisionen und Schnelle Verbände in harten Kämpfen den Einbruch in die feindlichen Befesti­gungsanlagen und nahmen im raschen Vorstoß in Richtung auf die Stadt ein wichtiges Höhengelände in Besitz. Ein feindlicher Panzerzug wurde ver­nichtet. Starker Einsatz der Luftwaffe trug zur Zer­mürbung des feindlichen Widerstandes bei. Schwere Bombenangriffe wurden in der vergangenen Rächt gegen Stalingrad und mehrere Flugplätze ostwärts der Wolga geführt.

Die Zahl der seit dem 11.August südwestlich Ka­luga in schweren und erfolgreichen Abwehr­kämpfen vernichteten Sowjetpanzer hat sich auf 868 erhöht.

Nordwestlich Medyn und bei Rschew scheiterten neue von Panzern unterstützte Angriffe des Feindes. Kampf- und Slurzkampffliegerverbände brachten den in harten Kämpfen stehenden Truppen wirksame Entlastung. Die gestern genannte Sturm- geschühabteilung schoß wieder 3 0 feindliche Panzer ab.

Südlich des Ladogasees halten die Kämpfe an. Mehrere Angriffe des Feindes wurden zum Teil im Gegenstoß abgewiesen. Auf dem See wurde ein sowjetisches Kanonenboot durch Luft­angriff vernichtet.

Ein deutsches Minensuchboot versenkte in der Ostsee ein sowjetisches Unterseeboot.

Im hohen Norden wurden in der vergan­genen Nacht militärische Anlagen von Archangelsk bombardiert und mehrere große Brände ausgelost.

Die Sowjelluftwaffe verlor im verlaufe der beiden letzten Tage in Luftkämpfen und durch Flakartillerie 182 Flugzeuge, 15 weitere wur­den am Boden zerstört. In der gleichen Zeit gingen 11 eigene Flugzeuge verloren.

In den letzten beiden Nächten belegten deut­sche Kampffliegerverbände mehrere bri­tische Flugplätze südlich Alexandria und nordwestlich Kairo mit Bomben schweren Ka- libers sowie Tausenden von Brandbomben. In den Flugplahanlagen und, zwischen abgestellten Flug­zeugen wurden Explosionen und starke Brände be­obachtet.

Die deutsche Kriegsmarine versenkte im Moüat August insgesamt 699100 BRT. hiervon wurden 106 Schiffe mit 667184 BRT. durch Unterseeboote und 5 Schiffe mit zusammen 32 000 BRT. durch Schnellboote vernichtet; weitere 23 Schiffe mit über 130 000 BRT. wurden torpe­diert.

An feindlichen Kriegsschiffen wurden versenkt: der FlugzeugträgerEagle", ein Hilfskreuzer mit 12 000 BRT., zwei Zerstörer, ein Unterseeboot, zehn Schnellboote, drei Bewacher und drei kleinere Fahrzeuge. Beschädigt wurden zwei Zerstörer und zahlreiche Schnellboote.

Im gleichen Zeitraum versenkte die Luft­waffe: 14 Handelsschiffe mit 109 000 BRT. und beschädigte weitere 12 Handelsschiffe ohne Größen- angabe.

An feindlichen Kriegsfahrzeugen versenkte die Luftwaffe einen Kreuzer, vier Zerstörer, ein Unterseeboot, ein Torpedoboot, ein Schnellboot, einen Bewacher und ein Äeleitboot; beschädigt wur­den zwei Flugzeugträger, zwölf Kreuzer bzw. Zer- störer, vier Schnellboote, ein Sturmlandungsboot, ein Geleilboot.

Außer den empfindlichen Kriegsschiffsverlusten verlor die feindliche Schiffahrt somit im Monat August insgesamt 125 Schiffe mit zusammen 808100 BRT. Weitere 35 Schiffe mit zusammen etwa 200 000 BRT. wurden torpediert bzw. durch Bombentreffer schwer beschädigt.

Drei Fahre autonome Mongolei.

Tokio, 1. Sept. (Europapreß.) Anläßlich der Wiederkehr des Gründungstages der autonomen- mongolischen Regierung vor drei Jahren weist die ZeitungPomiuri Hotschi" in einem Bericht aus Kalgon auf den ständig wachsenden Einfluß der Japaner in der Mongolei hin. Während vor dem Ausbruch des Chinakonfliktes 1937 nur 200 Japaner in der Mongolei ansässig waren, sei ihre Zahl inzwischen auf 50 000 gestiegen. Prinz Tey, der wieder zum Präsidenten der autonomen Regierung der Mongolei gewählt wurde, erklärte, er sei fest entschlossen, eng mit Japan und Mon- dschukuo im Kriege für das große Ostcrsien zusam­menzuarbeiten. Dieser Krieg sei der große Krieg um die Selbständigkeit ganz Ostasiens. Prinz Teh forderte die Beamten und das Volk der Mongolei auf, .für das Ideal Großostostens zu kämpfen.

Nach einer Massenversammlung in Anwesenheit mongolischer und japanischer Militär- und Zivil­beamten versammelten sich die Bürger Kalgans vor dem Mensching-Schrein, um ihrem Dank cm . die japanischen Truppen und-die Regierung Ausdruck zu geben. Hierauf folgte eine Parade von 10 000 Schulkindern, welche Fahnen der Mongolei und Japans trugen.

USA.-Truppen auf Neu-Guinea

1 eingekreist.

Berlin, 1. Sept. (DNB.) Nach der japanischen Landung auf der äußersten Spitze Neuguineas, in der Milne-Bucht, sind die auf den Kleinen Salomon- Inseln kämpfenden amerikanischen und" kanadischen Truppen völlig eingekreisL DieChinastraße" zwi­

schen Neuguinea und dem südöstlich gelegenen Loui- siade-Archipel wird von den Japanern beherrscht, die mit ihren See-, und Luftstreitkräften jeden Ent­satz der abgeschnittenen Amerikaner auf den Salo­mon-Inseln unmöglich machen. Bei Luftkämpfen über Nord-Australien und dem Korallen-Meer wur-. den 21 feindliche Flugzeuge bei nur drei japanischen Verlusten abgeschossen. Townsville am Korallen­meer und Port Darwin wurden erneut von der ja- janischen Lustwaffe bombardiert. Drei feindliche Handelsschiffe, darunter zwei größere Transporter, werden im Seegebiet der Neuen Hebriden von ja­panischen Kampfflugzeugen versenkt, ein viertes von etwa 8000 BRT. brannte aus ustd kenterte in der Nähe der Rennell-Jnsel.

Außenminister Togo zurückgetreten.

Tokio, 1. Sept. (Europapreß.) Der japanische Außenminister Togo ist aus persönlichen Grün­den zurückgetret^n. Der "Tenno beauftragte Minister­präsident To jo, das Amt des Außenministers ebenfalls zu übernehmen. Damit sind nunmehr die Aemter des Ministerpräsidenten, des Außen- und des Kriegsministers in der Person Tojos vereinigt. Außer Außenminister Togo trat auch der stellver­tretende Außenminister Nif hi zurück. Zum Nach­folger wurde der Leiter der vstasiatischen Abteilung des Außenamtes, Kumaichi P a m a m o t a, er­nannt.

Waffenlager der Ira von der britischen Polizei entdeckt.

Stockholm, 2. Sept. (Europapreß.) Von der britischen Polizei sind in Belfast, der Hauptstadt Nordirlands, zwei Waffen- und Munitionslager der Ira (Irische Republikanische Armee)' beschlag­nahmt worden. Die Lager, in denen neben Ge­

wehren, Handgranaten und anderen automatischen Waffen mit Munition viele Fässer mit Explosiv- ftoff entdeckt wurden, werden von der britischen Polizei als die größten jemals in Nordirland mis- gehobenen Geheimarsenale bezeichnet. Die britischen Behörden befürchten, daß bereits ein Teil Der Waffen unter die Mitglieder der Ira verteilt wor­den ist. Mit der Entdeckung der Waffenlager will die britische Polizei einer großangelegten irischen A u f st a n d s b e w e g u n g auf die Spur gekommen sein. Die Ursache zu diesem Aufstandsversuch sieht man in der Hinrichtung eines wegen Beteiligung an der Ermordung von Polizisten in Belfast zum Tode verurteilten Iren. Um Unruhen vorzubeugen, hatte sich die britische Regierung bereits zur.Be­gnadigung der fünf anderen zum Tode verurteilten Iren verstehen müssen.

Attentat auf den indischen Dizekönig.

Tokio, 2. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Sen­der Neu-Delhi berichtet über ein Revolverattentat auf den indischen Vizekönig Lord Linlithgow durch einen Inder. Der Attentäter konnte verhaftet werden und wurde auf der Stelle erschossen.

Willkie in Kairo.

Ankara, 1. Sept. (Europapreß.) Am Montag traf der Sonüergesandte Roosevelts Wendel! Will* kie, der eine Reise durch den Nahen Osten und die Sowjetunion unternimmt, in Kairo ein und wurde auf dem Flugplatz Almaza durch den britischen Botschafter, sowie den nordamerikanischen Gesandten und durch Beamte des ägyptische» Außenministe­riums begrüßt.

putsch in Ecuador.

Buenos Aires, 2.Sept. (DNB. Funtspruch.) Ein gegen die Regierung Ecyadors neuerlich unter­nommener Putschversuch wurde vereitelt. Mehrere Verhaftungen wurden in Quito und Guayadil vor­genommen. So wurde Oberst Moli na festgesetzt, der als Parteigänger des früheren Staatspräsiden­ten bekannt war. Es sind schon mehrfach Versuche unternommen worden, den Staatspräsidenten Ar- royo del Rio zu beseitigen, da die in Ecuador nicht befriedigende Grenzregulierung mit dem Nach­barstaat Peru und die Auflehnung weiter Teile der Bevölkerung gegen die von dem Staatspräsidenten durchgeführte Abhängigkeit von den USA. den pyli- tischen Einfluß der Gegner Arroyo bei Rios stärk« ten. Bisher jedoch war die Regierung stark genug, die Aufstandsversuche niederzuschlagen.

Ein Jahr Seneralbezirk Weißruthenien.

Riga, l.Sept. (DNB.) Der Generalkommisfar für Wdißruthenien, Wilhelm K u b e, gibt einen Ueberblick über die Arbeit der Zivilverwaltung in diesem Teil des Ostlandes. Das Gebiet des General­bezirks Weißruthenien umfaßt rund 90 000 Quadrat­kilometer, die überwiegend von Weißruthenen be­wohnt werden. Wirtschaftlich ist das Land ein Bauernland geblieben. Der größte Teil der von den bolschewistischen Kommissbryn in die Großstadt Mt n f k gepreßten Landbewohner ist nach dem Ein» zug unserer Truppen auf das Land zurückgeströmt. Schon einen Monat nach Einführung der Zioilver» waltung wurden im gesamten Generalbezirk die Volksschulen wieder eröffnet Ferner wurden Fach­schulen, insbesondere für die Landwirtschaft, einge­richtet. In Minsk, Baranowicze und anderen Städten konnten in Kunstausstellungen weißruthenischer Künstler und Kunstgewerbler gute Erfolge gezeigt werden. Das gut geführte weißruthenische IHeater in Minsk war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der kulturellen Arbeit Das weißruthenische Selbst­hilfswerk setzte sich erfolgreich für die von der deut­schen Verwaltung gestellten Ziele ein. Diese Auf­gaben konnten nur gelöst werden mit einer einsatz­bereiten Beamtenschaft Zu diesen Pionieren des Ostens gehören nicht zuletzt die Männer der deut­schen Land- und Forstwirtschaft, von denen mancher bolschewistischen Banditen zum Opfer gefallen ist und die dafür gewirkt haben, daß die Felder Weiß, rutheniens bestellt werden konnten.

Pioniere und Reichsakbeitsdienst.

Berlin, l.Sept. (DNB.) Bei dem schnellen Vordringen der deutschen Truppen im Süd ab- schnitt der Ostfront haben Pioniere, Brückenbau- und Bautruppen einer Panzerarmee in drei Mo­naten 215 Brücken mit einer Gesamtlänge von 7000 Meter errichtet Darüber hinaus würben von biefen Truppen über 200 Brücken mit einer Ge-

Neuaufführung von Filmen.

Zur Frage des NepriseneinsatzeS.

Am 11. September wird der große Jan- nings-FilmDer zerbrochene Krug" erneut im Berliner Ufa-Palast und darnach allge­mein in den deutschen Lichtspieltheatern an- gesetzt. Aus diesem Anlaß veröffentlichte der Reichsfilmintendant Dr. Fritz Hippler einen Aufsatz imV. B.", dem wir nachfol­gende Ausführungen entnehmen.

Wenn heutzutage auch kaum noch jemand dem Film grundsätzlich seinen Kunstcharakter bestreiten kann, so gehen doch in sehr vielen Einzelfällen die Meinungen hierüber sehr weit auseinander. Oft hört man aus dem Munde selbst derer, die einen Film als Kunstwerk anerkennen, es sei gänzlich unmög­lich, ihn mehr als einmal zu besichtigen. Diese Mei­nung ist indessen nur bann richtig: wenn der Film so alt ist, daß er bei einer Vorführung gegenwär­tig etwa genau so stärkt wie ein antiker Streit­wagen im Zeitalter des motorisierten Krieges. Ob­gleich auch hier die Meinungen sogar von Fach- Icnten, die diese Erfahrungen noch nicht am eigenen Leibe gemacht haben, stark auseinander gehen, kann dennoch mit Sicherheit gesagt werden, daß selbst der größte und beste Film aus der Stummfilmzeit heute selbst bei denjenigen nur noch Erstaunen, Kopfschütteln oder gar Heiterkeit Hervorrufen würde, die ihn damals noch für die größte film- künstlerische Offenbarung gehalten haben.

5n den letzten Jahren hat sich hier nun zweifels­ohne eine Wendung vollzogen. Die Filme der- letzten Jahre sind nicht nur technisch, sondern auch drama­turgisch und in bezug auf ihre Gesamtwirkung besser geworden. Sie sind fast in keinem Fall einfach nur als indiskutabel abzulehnen und veralten auch nicht mehr so rasch. Ost sogar handelt es sich um unbestreitbare Kunstwerke, daß man es be­dauern müßte, wenn sich ihre Lauf- und daher Lebenszeit nur auf ein bis zwei Jahren beschränken würde. Diese mehr theoretische Betrachtung ist im Verlaufe der letzten Jahre durch die praktische Ent­wicklung bereits bestätigt worden.

Wurde früher ein bereits gelaufener Film wieder eingesetzt, so diente diese sog.Reprise" zur Ueber- brückung besuchsschwacher Sommermonate ober

ogar zur Füllung von Programmlücken. Aber chon vor etwa zehn Jahren begannen einzelne Theater, aus der Not eine Tugend zu machen und ganze Zyklen von Filmen wieder aufzuführen.

Das durch den Krieg bedingte zahlenmäßige Ab- inken der für die deutschen Filmtheater zur Ver- ügung stehenden Filmanzahl bestärkte selbstoer- tändlich die Notwendigkeit Derartiger Reprisenein- ätze; und es verstärkten sich Damit gleichlaufend auch )ie und da gewisse kritische Stimmen aus der Be- ucherschaft. Diese gründen sich oft auf die Be- chaffenheit der gezeigten Kopien, die, wie man zu agen pflegt, durch häufiges Zeigenverregnet" sind oder in denen häufig aus verschiedensten Gründen Schnitte Dorgenommen worden sind, die Ton- oder Bildsprünge ergeben. Indessen werden solche Un­ebenheiten, so bedauerlich sie sind, dann und wann in Kauf genommen werden müssen, da der unbe­schränkten Anfertigung neuer Kopien arbeits- und rohstoffmäßige Schwierigkeiten entgegenftehen, ob­gleich selbstverständlich laufend mit allen Mitteln dafür gesorgt wurde und gesorgt wird, besonders fehlerhafte Reprisenkopien zu ersetzen.

Sofern sich aber diese kritischen Stimmen dar­auf beziehen, daß mangrundsätzlich" ältere Filme nicht noch einmal sehen wollte oder sehen könne, so ist dies falsch. Niemand, und selbst der Fach- mann nicht, ist imstande, sich nach einmaliger Be­trachtung eines Filmes ein so lückenloses Vorstel- lungsbild zu schaffen, daß es nicht bei einer Be­trachtung selbst nach ganz kurzer Zeit noch eine unzählige Summe völlig neuer Eindrücke erhalten könnte.

Das gilt, wie gesagt, bereits für eine nach gan,} kurzer Zeit wiederholte Besichtigung eines Films. Wieviel stärker aber ist das alles gültig, wenn schon ein längerer Zeitraum vergangen ist' Es liegt un Wesen der menschlichen Erinnerungs­funktionen, daß sie im ganzen unvollkommen sind. Und es ist ein Segen der Natur, daß das mensch­liche Unterbewußtsein unangenehme Eindrücke leich­ter aus der Erinnerung hinauswirft chs ange­nehme. Diese allgemeine Erkenntnis gilt natürlich auch für die Spiegelung eines wahrgenommenen Kunstwerkes also auch eines Films im Be­reich ber menschlichen Erinnerung. Bestimmte Bruchstücke und Höhepunkte, die dem Beschauer als besonders markant ins Bewußtsein getreten

inck, werden noch schärfer profiliert und umgewan- belt; die Beziehungen ber Einzelteile zueinanber verblassen unb verlieren sich; am Ende aber ergibt ich ein Erinnerungsbild, bas sich mit dem wirklichen }ilm kaum noch deckt: bei der Wieberbegegnung ieht bann der Beschauer nur noch in den seltensten Fällen einenguten Bekannten", fonbern zu seiner eigenen Ueberraschung etwas Neues.

Zauberkünstler des Barock.

Znm25v.Geburtstage vonEgrdQuirinAsam

Künstlerfamilien mit erblicher Begabung hat es zu allen Zeiten gegeben und überall da, wo die Kunst auf dem soliden Boden des Handwerks ruhte, nie aber in größerer Fülle als in Süddeutschland während des 18. Jahrhunderts. Ganze Schulen, familienmäßig gebunden, sorgen für den Förttauf ber Heberlieferung, geben die Talente von einer Generation an die nächste weiter. So ist es auch bei den Asam s. Aus dem bayrischen Alpenvorland stammend, steigt das Geschlecht in den Brüdern Cosmas Damian und Egid Quirin zu einer Be­deutung auf, die uns berechtigt, in ihnen Hen Kul­minationspunkt ber altbayrischen Barockkunst zu sehen. Zahllose von ihnen erbaute ober neu deko­rierte Kirchen in ber ersten Jahrhunderthälfte zeu­gen von ihrer erstaunlichen Fruchtbarkeit. Fast immer treten sie gemeinsam auf, so daß es oft nicht leicht ist, den beiberfeltigen Anteil deutlich zu unter­scheiden, auch wenn man weiß, daß Cosmas Da­mian Asam vorwiegend Architekt und Maler war, während Egid Quirin dem Bruder als Bildhauer zur Hand ging. ,

(fgib Quirin wurde als ber Jüngere am 1. Sep­tember 1692 in Tegernsee geboren. Dort und in Benediktbeuren hatte ber Vater die Klosterkirchen mit Deckenmalereien geschmückt, die eine gute Werk­technik, boch fern Genie verraten. Das Genie war bei den Söhnen. Es hätte sich aber kaum entfalten können, hätte ber Abt von Tegernsee das von nun an unzertrennliche Brüberpaar nicht 1713 nach Rom gefdjirft, wo sie sich bas Rüstzeug für ihre künftigen Ausgaben holten, ohne baß man sagen könnte, 'bie m 1 Schulung habe ihren Stil bestimmt, x Hurückgekehrt, arbeiten sie zunächst in

öcr Ob er pfalz, bis der glänzend ausgeführte Auf­

trag, den alten Freisinger Dom auszumalen und -n stukkieren, ihren Nomen mit einem Schlage be­rühmt macht. Seit etwa 1725 sitzt bieFirma" Asam so fest im Sattel, daß man sich verwundert fragt, wie es möglich mar, so viel,Arbeit in so kurzer Zeit zu vollenben. In rascher Folge wird eine unübersehbare Menge von Kirchen teils aus* geführt, teils neu ausgestattet: Weingarten, Mariä Einsiedeln, Prag, München, Osterhofen, Straubing, Ingolstadt, Weltenburg, Sandizell um mir die wichtigsten zu nennen.

Meist arbeiten sie Hand in Hand, wobei Egid Quirin regelmäßig die Stukkaturumrahmungen von Eosmas Damians Gewölbemalereien und die pla­stische Ausstattung der Kanzeln und Altäre zufallen, fast durchweg in Holz ober Stuck, meist farbig belebt. Nicht genug zu bewundern, wie Architekt, Maler und Bildhauer zusammengehen, jede ein­zelne Figur des an Phantasie schier unerschöpflichen Bildhauers nichts weiter fein will als ein Klang" in dieser betäubenden Symphonie von Räumen, Raumausschnitten, Färbern und Formen. Aus dem organischen Zusammenhang gelöst und in ein Mu­seum versetzt, wirkt die einzelne Figur wie ein vom Körper losgerissenes Glied, sinnlos, funktionslos. viel zu laut, um noch gehört zu werden. Ganz an* ders hingegen ist der Eindruck an Ort und Stelle, wo die Formbeziehungen auch die tollsten Achsen­drehungen, bie höchste Gefühlstemperotur rechtferti­gen und die aufs feinste berechnete Beleuchtung dem beabfichtiaten Effekt vorarbeitet. So etwa in der Klosterkirck)e in Rohr, die ber Meister selbst entworfen und mit bem Wagestück eines Marien- altars geschmückt hat, ber in ber ausfahrenden Go- tif seiner überlebensgroßen Gestalten bis an bie äußerste Grenze des plastisch noch Möglichen geht, io auch in Osterhofen, so vor allem in Welten bürg wo ein silberner St. Georg, von hinten her magisch beleuchtet, selbst aber von Schatten umspielt, aus ber Glanzwelt des Chors in den Kirchenraum fymem reitet.

Das sind nur einige Beispiele eines unerhörten Dekorattonsgenies, die sich leicht vermehren ließen. Sagen wir es kurz: Egib Quirin Asam bedeutet Den absoluten Höhepunkt einer Plastik, die in dem Augenblick, wo die Architektur, bie sie allein mag- stch machte, hinfällig wurde, gleichfalls ihrs Erl- stenzberechtigung verlieren mußte. urU