Japanische Truppenlandungen auf Lava.
Tokio. 2.März. (DNB.-Aunkspruch.) Japa- Nische Truppen sind, wie amtlich mitgeteilt wird, am Sonntag an verschiedenen Stellen auf der Insel Java gelandet. Weitere Einzelheiten über die erfolgreichen Landungen sind in absehbarer Zeil zu erwarten.
Das Kaiserliche Hauptquartier gab am Montag um 12.20 Uhr japanischer Zeit eine amtliche Mitteilung über die erfolgreichen Landungen auf der Insel Java bekannt, die folgenden Wortlaut hat: „Unter Deckung einer großen Alottenabteitung haben starke Einheiten japanischer Streitkräfte Landungen im ö st l l ch e n. mittleren und westlichen Teil Javas gegen hartnäckigen Widerstand des Feindes zur See, in der Luft und auf dem Lande, erzwungen. Die japanischen Streitkräfte dehnen den Umfang ihrer Operationen.ständig aus. Die von den japanischen Streitkräften erlittenen Verluste, die bis jetzt festgestellt wurden, umfassen einen Transporter, der versenkt wurde, und drei weitere, die strandeten. Der Verlust an Truppen ist jedoch praktisch gleich Null, da diese Schiffe nach der Landung verloren gingen.“
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Java, das Mittelstück des Sundabogens, zwischen dem Indischen Ozean und der Javasee gelegen, ist mit 126 000 qkm zwar die kleinste der großen Sunda-Juseln, aber mit 40 Millionen Einwohnern die volkreichste und dank seiner außerordentlichen Fruchtbarkeit der wertvollste Teil des niederländischen Kolonialbesitzes. Daher haben die Feinde auch den Versuch gemacht, die Insel mit Seestreitkräften zu verteidigen, die jedoch von den japanischen Flotteneinheiten zum großen Teil versenkt oder außer Gefecht gesetzt wurden.
Die langaestreckte Insel ist von vulkanischen Gebirgsketten durchzogen, die bis über 3000 Meter ansteigen. An der Nordküste, wo die Japaner an verschiedenen Stellen gelandet sind, sind dem Gebirge breitere Tieflanüebenen vorgelagert. Die Hauptmasse der Bevölkerung besteht aus Malayen. Ausfuhrprodukte der Insel, die hauptsächlich über die an der Nordküste gelegenen Häfen Batavia, Soerabaja und Semarang ausgeführt werden, sind Zucker, Gummi, Kaffee, Tee, Tabak und Gewürze. Reis, das Hauptanbauprodukt, reicht kaum für den Jnlandbedarf. Die Häfen Semarang und Rem-ban- liegen den im Innern der Insel befindlichen Erdölquellen am nächsten.
Große Geesiege der Japaner Fünf feindliche Kreuzer und sechs Zerstörer versenkt.
Tokio, 1. März. (Europapreß.) In den Gewässern vor Java ist, wie das japanische Hauptquartier am Sonntagnachmittag bekanntgibt, eine neue Seeschlacht geschlagen worden, in deren Verlauf die japanischen Marinestreitkräfte große Erfolge erzielen konnten.
Da» Kaiserliche Hauptquartier gab am Sonntag einen Ueberblick über die bisher erzielten Erfolge der Seeschlacht bei Java. Nach dieser amtlichen Darstellung versenkte ein japanisches Geschwader, das im Gebiet von Soerabaja operierte, am 27. und 28. Februar insgesamt drei Kreuzer und sechs Zerstörer. Bier feindliche Kreuzer wurden schwer beschädigt. Das Treffen der japanischen und feindlichen Seestreitkräfte wird in Zukunft die Bezeichnung „Seeschlacht von Soerabafa" führen.
Ein anderes japanisches Geschwader versenkte, wie es in der amtlichen Mitteilung weiter heißt, im Seegebiet um Batavia in den frühen Morgenstunden des 1. März einen großen USA. - Kreuzer und einen australischen Kreuzer. Dieser Kampf wird in Zukunft als die „Seeschlacht von Batavia" in der japanischen Kriegsgeschichte bezeichnet werden.
Einen bedeutenden Anteil am Erfolg der Seeschlacht von Java hatten Flugzeuge der japanischen Heeresluftwaffe, die Volltreffer auf zwei Kreuzern und einem Zerstörer erzielten. Weitere drei Schiffe der gegnerischen Seestreitkräfte wurden schwer beschädigt und ein Kriegsschiff von etwa 3000 Tonnen durch Bombentreffer in Brand gesetzt.
Mit diesen jüngsten Erfolgen hat die in den holländisch-indischen Gewässern operierende japanische Flotte die Hauptkraft der feindlichen Seestreitkräfte im südwestlichen Pazifik vernichtet. Ein in den Kämpfen leicht
beschädigter japanischer Zerstörer nimmt an den weiteren Operationen gegen die feindlichen Kriegsschiffe, die sich auf der Flucht befinden, teil.
Domei meldet von einem Luftstützpunkt: Japanische Marineflugzeuge trafen am 27. Februar in den Gewässern um Batavia auf einen britischen Flottenverband, wobei sie zwei Bombenvolltreffer auf einem Kreuzer der „Exe -- t e r"° Klasse erzielten. Das Schiff wurde in Brand gesetzt und blieb manövrierunfähig liegen.
Verfolgung
bis zur endgültigen Vernichtung.
Tokio, 2. März. (DNB. Funkspruch.) Zu der See-sch lacht, die seit dem 27. Februar in der Java-See im Gange ist, wird laut Domei von unterrichteter Seite betont, daß die feindliche Flotte ihrer völligen Vernichtung entgegengeht. Dieser Verlust sei für den Feind um so größer, als es sich um schnellste Flotteneinheiten handele, nämlich Kreuzer und Zerstörer. Dadurch werde der Gegner außerstande sein, seinen See-Guerillakrieg weiter durchzuführen. Besonders wird auch hervorgehoben, daß damit erstmalig gegnerische Hauptstreitkräfte in direkten Kampf mit der japanischen Marine traten. Die unbestreitbare Ueberlegenheit Japans zur See, die sich bereits in der Schlacht bei Java vom 4. Februar, in der der Schwere USA.-Kreuzer „Houston" versenkt wurde, und am 20. Februar, wo sieben Kriegsschiffe bei Bali durch zwei japanische Zerstörer erledigt wurden, gezeigt habe, sei in der jetzigen Seeschlacht erneut bewiesen worden. Abschließend wird fest- gestellt, daß der Gegner keine Möglichkeit mehr habe, ohne weitere Verluste zu entkommen, und daß die japanische Marine die Reste des Feindes b i s zur endgültigen Vernichtung verfolgen werde.
„Viel Gorge und Kummer." Holländisch-Jndien fühlt sich von den USA.
verraten.
G e n f, 1. März. (DNB.) Wie die „Daily Mail" vom 25. Februar berichtet, hat der stellvertretende Gouverneur von Holländisch-Jndien, van M o o k, in einer Unterredung die Feststellung gemacht, daß alle Lieferungen, auf die Java zur Zeit aus den USA. warte, schon im voraus bezahlt worden seien. Trotzdem träfe dieses versprochene und von den Amerikanern bereits verkaufte Kriegsmaterial nicht ein. Es sei ein Verbrechen, so meint van Mook, daß die USA. dem zur Zeit von den Japanern hart bedrängten N i ederländi s ch - Indien ihre Unterstützung versagen. Niederländisch-Jnien wolle doch nichts anderes als das, was es gekauft und bezahlt yabe. Wenn Java erst einmal in die Hände der Japaner falle, dann seien die Japaner später auch in der Lage, aus dieser Insel eine uneinnehmbare Festung zu machen. Einige Menschen schienen aber zu glauben, daß man nur Java aufzugeben brauche, um Burma besser verteidigen zu können. Das sei Unsinn, denn man könne einen Krieg nicht durch dauernde Rückzüge gewinnen. Auch eine ausschließlich defensive Kriegführung verspreche keinen Erfolg. Abschließend hob van Mook noch hervor, daß die von den USA. eingenommene Haltung in Niederländisch-Jndien sehr viel Sorge und Kummer mache, insbesondere was die versprochenen Kriegsmateriallieferungen angehe. Man habe ihm in den USA. ganz bestimmte Zusagen in dieser Hinsicht gelegentlich seines Besuches gemacht, und nun erwarte Nieder- ländisch-Jniden, daß die Versicherungen auch ein- gehalten würden.
Amerikanische Schlappe vor Wake.
Tokio, 28. Febr. (DNB.) Die japanische Besatzung auf der Insel Wake schlug am 24.2. einen amerikanischen Angriff unter schweren Verlusten für den Gegner a b. Hierzu meldet das kaiserliche Hauptquartier, daß javanische Artilleriebeobachter auf Wake in der Dämmerung einen feindlichen Flugzeugträger, zwei Kreuzer und sechs Zerstörer entdeckten, auf die sofort das Feuer eröffnet wurde. Ein feindlicher Kreuzer wurde in Brand geschossen und am Heck eines Zerstörers Treffer erzielt. Weiter erzielten japanische Marineflieger am Heck eines großen feindlichen Kreuzers mehrere direkte Treffer. Sie schossen ferner fünf feindliche Flugzeuge ab. Die feindlichen ^Kriegsschiffe ergriffen die Flucht. An den militärischen Einrichtungen auf der
zu stand verkündet worden. Glelchzeittg wird be-
Indien flüchtenden Burmesen die Be-
nach Kalkutta führt.
Schanghai, 1. März. (Europapreß.) Nach Meldungen aus Neu-Delhi ist in den ö st l i ch e n Provinzen von Indien der Ausnahme-
(Assam) an der indischen Grenze, die zweite von Prome nach Akayab, von wo aus die Landstraße
Insel Wake wurde nur geringer Schaden angerich-.zustand verkündet worden. Glelchzeittg wird betet. Es waren einige Tote und Verwundete zu bfr-1 könnt, daß die Regierung von Burma für die nach klagen. Indien flüchtenden Burmesen die Be-
im »fflich.» 3ni>ien, Kix SÄ’ L.A
Freiheit für Indien!
„Oie Stunde der Erlösung ist für Indien gekommen *
Berlin, 1. März. (DNB.) Subhas Chandra Bose, einer der hervorragendsten Führer des indischen Nationalismus, der im Vorjahr ans einem britischen Gefängnis entkam, hat sich mit einem Freiheitsaufruf an das indis-che Volk gewandt. Das Manifest, das erstmalig am Freitag über einen ungenannten Sender gehört werden konnte, hat folgenden Wortlaut:
„Etwa ein Jahr lang habe ich schweigend und geduldig den ßauf der Ereignisse abgewartet. Nun, da die Stunde geschlagen hat, trete ich hervor und spreche.
Der Fall Singapurs bedeutet den Zusammenbruch des britischen Reiches, das Ende des Regimes der Ungerechtigkeit, dessen Symbol es war, und das Heraufdämmern einer neuen Aera der indischen -Geschichte. Das indische Volk hat lange unter der Demütigung eines fremden Joches gelitten. Es ist geistig, kulturell, politisch und wirtschaftlich ruiniert worden, so lange es unter britischer Herrschaft stand. Jetzt muß es dem Allmächtigen in Demut danken für das glückliche Ereignis, das Indien Leben und Freiheit verheißt.
Der britische Imperialismus ist in der modernen Geschichte der teuflischste Feind der Freiheit, das furchtbarste Hindernis des Fortschritts gewesen. Seinetwegen hat ein sehr großer Teil der Menschheit in Sklaverei gelebt. In Indien allein ist etwa ein Fünftel des Menschengeschlechts rücksichtslos unterdrückt und verfolgt worden.
Für andere Rationen mag der britische Imperialismus der Feind von heute fein — für Indien ist er der e w i g e F e i n d. Zwischen beiden ist weder Frieden möglich, noch ein Kompromiß. Und die Feinde des britischem Imperialismus sind die natürlichen Verbündeten Indiens, genau so wie die Verbündeten des britischen .Imperialismus heute unsere natürlichen Feinde sind.
Die Außenwelt vernimmt von Zeit zu Zeit Stimmen, die aus Indien kommen und den Anspruch erheben, entweder im'Namen des Indischen Nationalkongresses, oder in dem des indischen Volkes zu sprechen. Diese Stimmen gehen aber durch die Kanäle der britischen Propaganda hindurch, und es sollte niemand den verhängnisvollen Fehler begehen, sie als charakteristisch für das freie Indien anzusehen. Wie es in einem Lande, das unter Fremdherrschaft steht, natürlich ist, haben die britischen
Unterdrücker sich bemüht, im indischen Volk Spaltungen hervorzurufen. Infolgedessen gibt es in Indien Menschen, die den britischen Imperialismus offen unterstützen, und andere, die, fei es absichtlich oder unabsichtlich, der britischen Sache helfen, ihre wahren Beweggründe aber oft dadurch verschleiern, daß sie von Zusammenarbeit mit Tschungking-China, Sowjetrußland und anderen Verbündeten Englands sprechen.
Diesen gegenüber steht aber die ungeheure Mehrheit des indischen Volkes, die keinen Kompromiß mit dem britischen Imperialist mu s will, sondern weiterkämpfen wird, bis die volle Unabhängigkeit erreicht ist. Wegen der Kriegsverhältnisse in Indien kann die Stimme dieser freiheitsliebenden Inder nicht über die Landesarenzen hinausdringen; wir aber, die wir mehr als zwei Jahrzehnte um unsere nationale Emanzipation gekämpft haben, wissen genau, was die ungeheure Mehrheit unserer Landsleute heute denkt und empfindet.
An diesem Kreuzweg der Weltgeschichte, an dem wir stehen, erkläre ich feierlich im Namen aller freiheitsliebenden Inder in Indien wie im Ausland, daß wir weiter gegen den britischen Imperialismus kämpfen werden, dis Indien wieder selbst Herr über seine Geschicke ist. In diesem Kampf und in der Zeit des Wiederaufbaues, die darauf folgen wird, werden wir von ganzem Herzen mitalldenen Zusammenarbeiten, die uns helfen, den gemeinsamen Feind niederzuringen.
Ich bin überzeugt, daß in diesem heiligen Kampf die ungeheure Mehrheit des indischen Volkes mit uns gehen wird. Keinerlei Machenschaften, Intrigen ober Verschwörungen der Agenten des anglo-arneri- konischen Imperialismus, an welch hervorragendem Platz sie auch stehen und welcher Nationalität sie auch angehören mögen, können dem indischen Volke Sand in die Augen streuen oder es vom Wege der patriotischen Pflicht abbringen.
Die Stunde der Erlösung ist für Indien gekommen. Jetzt wird Indien aufstehen und die ketten der Knechtschaft zerbrechen, die es so lange gefesselt hielten.
Und durch die Befreiung Indiens werden auch Asien und die ganze Welt fortschreiten auf dem Wege zum größeren Ziel der Emanzipation der Menschheit."
Der Rundfunk Hilst den Krieg gewinnen.
Zur Neugestaltung des Rundfunkprogramms.
Reichsminister Dr. Goebbels veröffentlicht einen Aufsatz unter dem Titel „Der treue Helfer", der erläutert, warum die Soldaten leichte Musik haben wollen und die Gestaltung des Programms in erster Linie ihren Wünschen und denen der in den Kriegsbetrieben schaffenden Arbeiter gerecht werden müssen. Er verkündet u. a., daß nunmehr wieder zwei Sendefolgen ausgestrahlt werden. Die Gestaltung des Rundfunkprogramms ist feit einigen Monaten ein das deutsche Volk immer wieder interessierendes Diskussionsthema. Reichsminister Dr. Goebbels hat jetzt grundsätzlich zu allen damit zusammenhängenden Fragen Stellung genommen. Wir müssen daran denken, daß, wie der Minister ausführte, heute für die Abwicklung eines vielseitigen und sich an alle wendenden Programms der Deutsche Rundfunk nicht mehr 14 oder 15 Sender zur Verfügung hat, die den einzelnen Wünschen eher Rechnuna tragen könnten, sondern daß alle Reichssender zusammengeschlossen sind und in einem einzigen Darbietungsoblauf folglich nur noch einem Teil des deutschen Volkes in seinen Wünschen entgegenkommen können. Sonderwünsche werden demnach nur bann berücksichtigt werben, wenn sie so gehalten sind, baß wirklich ber Mehrzahl aller Deutschen Freube unb Entspannung geboten werben kann.
Es ist zum Beispiel ungerecht, wenn jemand sich heute darüber beschwert, daß er in den Abendstunden keine belehrenden Vorträge ober Symphonien hören kann; ungerecht gegenüber dem schwer- schaffenden Volksgenossen, der nach einem mit Arbeit überladenen Tag gar nicht mehr die Konzentrationsfähigkeit besitzt, sich von Beethoven ober einem noch so interessanten literarischen ober wissenschaftlichen Thema ansprechen zu lassen. Wenn es trotzbem nach vielen Vorbereitungen gelungen ist, in ben Hauvtsendestunden wieder zwei P r o g r a m m f o I g e n au senden, dem Deutschlandsender also künftighin die Aufgabe zu stellen, die ernste, gehobene, klassische M u s i k zu pflegen, so ist das eine Leistung, die gerade diejenigen anerkennen sollten, die mit bisherigen Rundfunksendungen nicht zufrieden waren. Denn nach wie vor bleibt es die Aufgabe des Rundfunks im allgemeinen, seine Hörer zu entspannen, ihnen ein Gegengewicht zu schäften gegen die harten Anforderungen des Alltags. Allen kann es ber deutsche Rundfunk nicht recht machen. Daß er es aber recht vielen recht machen wird, dafür garantiert die einheitliche Leitung bes gesamten deutschen Rundfunkwesens. Durch die Konzentration roitb Leerlauf vermieden und eine von höchster Verantwortung getragene Ausgewogenheit aller Wünsche gewährleistet.
(Nachdruck verboten.)
28. Fortsetzung.
ihn ihbebingt in ber Gutsbezirkskommission haben wolle — unbebingt! Frau Gräf erfunbigte sich nach Doktor Wulflam, den sie hier zu treffen gehofft — er hatte sie einmal, in Vertretung ihres eigenen Arztes, behanbelt, unb feitbem war sie, was man auf allen Gütern bespöttelte, bis über die Ohren verliebt in ihn. Fontana unb Marion unterhielten sich über bie neue Operette, unb er versprach ihr leise, nachher etwas baraus zu spielen, um bas neue Musikzimmer einzuweihen.
Man speiste Ochsenschwanzsuppe, Forelle, gefüllte Mastgans, Eisbombe, Butter unb Käse und trank dazu Schwarzen Herrgott und Beaujolais in Gläsern aus ber Sophienau. — „Das nächste Mal bekommen Sie ben Rotwein aus einer Retorte", sagte Marion neckenb zu Abbeg, ber ihr schräg gegenüber .saß unb sich mit Frau Demblin mäßig unterhielt. 'Er hob sein Glas und schaute lächelnb zu ihr hinüber. Sie manbte sich roieber Fontana zu unb fragte, ob er etwa ben Filmregisseur Grelling kenne ...
Nach Tisch würbe Kaffee unb Kognak im Gartensalon gereicht. Fehr lotste bie „Schlote", wie er sich ausbrückte, ins Herrenzimmer hinüber, wo Zigarren unb Zigaretten zu haben waren.
Forstmeister Koch nahm ihn einen Augenblick beiseite, um zu fragen, ob er Anzeige gegen ben jungen Glumm erstatten solle — einer ber Jäger hatte ihn heute auf frischer Tat beim Wilbern ertappt ...
„Der auch?" fragte Christian Fehr. „Feine Familie — biese Mischung aus Verrücktheit unb Wilb- bieberei ...! Denken Sie, ich reite neulich burch ben Walb — wer steht plötzlich vor mir? Vater Glumm, eine Flinte in ber Hanb — Gott weiß, wo er bie her hat! — und auf bem Buckel einen Rucksack, in bem ganz unverkennbar ein Hase steckt ...! Der Gute hatte sofort ein morbsschlechtes Gewißen unb fing darum gleich an, mir seine Vorträge über bas Jüngste Gericht zu halten, bie Sie ja zur Genüge kennen. Ich sage: Na, Glumm, wie wirb's benn beim Jüngsten Gericht ben Wildbieben gehn? Aber er hört gar nicht barauf, sondern beginnt zu prebigen, baß es zu allererst bie Reichen treffen wird, bie arme Teufel auf bie Straße setzen — was glauben Sie, er rebete direkt drohend und fuchtelte
Der feurige Ofen
Boman von Hans von Hülsen
Markusplatzes gekauft. Und um ihren Hals hing der alte Schmuck aus böhmischen Granaten, ben schon Generationen von Baroninnen Fehr getragen. Als Fehr sie verliebten 2Iuges unter ben Agrarierfrauen sah, kam sie ihm wirklich so vor, wie er sich's gewünscht hatte: ein bunter frember Vogel, ben ber Winb hierher in bie schlesischen Berge geweht ...
Man saß ein Weilchen bei Cherry in ben Sesseln des weiten, von zwei kristallenen Lüstern erhellten Raumes, ben ber große Ofen mit ben grünen Doppelablerkacheln aus Schlesiens vorfriberiziani- scher Zeit wohlig burchwärmte; und als Direktor Abbeg als letzter gekommen war, erschien ber alte Fabian — schwarze Livree, mit weißen Wollhanb- schuhen in ber Tür und melbete, baß angerichtet sei.
Festliches Dämmerlicht strahlte von ben pompe- janischroten Wänden bes Speisezimmers nieber. Auf bem runben Tisch brannten bie Kerzen. Fehr führte bie ßanbrätin, Marion hatte ben Landrat zu ihrer Linken unb Arnolb Fontana zur Rechten. Abbeg war — ein wenig stiefmütterlich — mit Frau Demblin bebacht worben. Unter all ben Herren im Smoking machte nur Forstmeister Koch mit seiner grünen Uniform eine Ausnahme. Rittmeister Demblin hatte bas Eiserne Kreuz angelegt.
Die Unterhaltung würbe rasch sehr lebhaft: ber fürchterlich schneereiche Winter und sein Gegensatz, ber sonnige ©üben, aus bem Baron unb Baronin Fehr, bie Glücklichen, tarnen; natürlich bie neuesten Verlobungsgeschichten von ben Gütern im Kreise, unb allerlei Sachliches über bie bevorstehenbe Aufhebung ber Gutsbezirke, das ßanbrat Ollenbahl beisteuerte: bie Umstellung auf ber Sophienau — wobei Abbeg Gelegenheit bekam, seine Rationalisierungsthese vorzutragen. Fontanas einsames Leben auf der Jagdhütte, das bie Damen begeisterte — Frau Manzel, im ganzen Kreis als strenge Pietistin bekannt, musterte ben Komponisten mit einem unverhohlenen kritischen Blick, ber alsbann ungemitbert zu Marion hinüberglitt; Holzpreise unb Getreibepreise; unb roieber ber ungewöhnlich schneereiche Winter, der im Walb mit Winb unb Schneebruch so viel Verwüstungen angerichtet hatte.
Ollenbahl rief Fehr über den Tisch zu, daß er
Fehr war zart unb rücksichtsvoll, nicht rote bie anderen Männer, bie sich je und je einmal für kurze Zeit in bem magnetischen Kreis ihrer Schönheit verfangen. Hatte sie ihn nicht bamals im Gespräch mit Abbeg einen „guten Menschen" genannt? Sie bachte oft baran, ja, bas war er — ein Mensch voller Güte unb Rücksicht, einer, ber bie Frau nicht als Beute betrachtete, sonbern als ein Stück seiner selbst. Nie bisher hatte sie einen solchen Mann kennengelernt, unb barum tat ihr sein Wesen so wohl: an ben gleichmäßig lichten unb gut temperierten Tagen, wie in ben Stunben ber Selben- schäft, ba er sich hemmungslos an sie verlor.
Unb nicht zuletzt waren es bie in jeher Weise behaglichen Verhältnisse auf Schloß ßappersborf, bie sie so glücklich machten. Sechs Jahre hatte sie wie eine Zigeunerin gelebt, in möblierten Zimmern vieler Stäbte, und immer aus der Hand in ben Munb: alles, was sie jetzt umgab, erinnerte sie an ihre Kinbheit in Düsseldorf, als bas Hcrus des Bankiers von Brakel noch wirklich gefestigt unb sicher bageftanben hatte, als das reiche elegante Elternhaus noch nicht zur mühsam aufrechterhaltenen Kulisse geworben war, hinter ber sich ber Verfall unb die Grimasse bes Enbes verbargen. Zum ersten- mal seit ihrer Kinbheit hatte sie roieber alles, wonach ihr Herz begehrte: Geld, schone Kleider, Schmuck, Pferde unb Wagen, einen reich bestellten Tisch, kurz, ben Rahmen zu ihrem Bilbe. Unb sie träumte davon, dies neue Leben immer reicher unb bunter zu machen.
An ber Seite Fehrs, ber in seinem Smoking sehr schmal wirkte, empfing Marion im Gartensalon ihre Gäste. Sie trug ein langes, in ber Taille ganz eng anliegenbes Kleid aus teerofenbarbener Spitze, bas ihr Gatte für sie auf ber Rückreise in Venebig in einem der Luxusläden unter den Arkaden des
habet immerfort mit bem Schießprügel herum, baß mir beinahe bie Gebuld riß! Ich habe ihm gesagt: Glumm, wenn ich Sie noch einmal so treffe, mach ich kurzen Prozeß — Sie wissen genau, was auf Wilbdieberei steht! Und bann ritt ich weiter — aber glauben Sie mir, ich hatte lange bas ekelhafte Gefühl, ob ber bir nicht von hinten ein paar Lot Blei zwischen bie Rippen pfeffert."
„Man sollte wirklich einmal ein kräftiges Exempel statuieren, Herr Baron!"
„Sollte man, lieber Forstmeister. Jedoch auf der andern Seite — es sind allzumal arme Teufel, sie sind ja gewissermaßen durch mich brotlos geworden, da bin ich denn geneigt, ein Auge zuzubrücken. Aber natürlich hat alles feine Grenzen. Unb wenn Sie bie eble Kumpanei roieber einmal auf bem Kriegs- pfabe treffen, bann fragen Sie mich nicht erst, sonbern veranlassen Sie bas Nötige ..
Er brach ab, denn im Musikzimmer klang bei* Flügel auf.
Er ließ bie Agrarier, die sich's mit einer Zigarre in ben Klubsesseln bequem gemacht hatten, ruhig sitzen und fachsimpeln, empfahl ihnen die Kognakflasche und ging hinüber in ben roeißgolbenen Raum, wo nur an ben Wänden die messingnen Blaker im Kerzenlicht funkelten.
Am Flügel saß Arnold Fontana, die Hande auf den Tasten, ben Kops mit bem zurückgebürsteten Haar und der schwarzen Hornbrille in ben Nacken geworfen. Sein auffaüenb kleiner Fuß im Lackschuh bebiente bas Pebal. Was spielte er? Fehr wußte es nicht, aber Frau Ollenbahl wußte es: es war ein Foxtrott aus ber „Donaunixe", sie erkannte ihn gleich wieder. Sie hatte bie Operette in Breslau gehört, unb1 es ging ihr jetzt erst auf, baß sie heute die persönliche Bekanntschaft des berühmten Komponisten machte. Direktor Abbeg machte sie flüsternd darauf aufmerksam — er saß neben ihr im kleinen Empiresofa zwischen den beiden hohen Fenstern der Schmalseite. Und bann klatschte sie ein wenig übertrieben in bie Hänbe, allgemeinen Beifall ent« feffelnb, unb rief burch bie Weite bes Zimmers zum Flügel hinüber: „Fortsetzung folgt!"
(Fortsetzung folgt.)


