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Nr. 175 Zweites Blatt

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(Nachdruck verboten.)

4. Fortsetzung.

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Dann begab er sich ans Fenster und schlug mit dem Nantelzipfel eine Brummfliege tot, die an der Scheibe Lärm machte. Dann begutachtete er noch­mal den Film und murmelte zufrieden:Wird schon wieder, wird schon wieder."

mentan auch nicht.

Anna machte unsicher die ersten Schritte vom Bett bis zum Lehnstuhl. Dann zupfte sie an ihrem Schlafrock herum, den sie zu bunt gemustert sand. Tr war billig gewesen, denn ein Mädchen in ihrer Ütge mutzte sparen. Dann nahm sie sich der ^inger- nögel an. Sie war nicht ganz zufrieden mit sich,

Seit Annas Unfall war nun eine Woche ver­flossen. Körperlich ging es ihr gut. Die Wunde heilte, das Kopfweh nahm ab und in ihr blasses Gesicht kam langsam wieder gesunde Farbe. Der entstellende Kopfverband war einem Heftpflaster gewichen, und Anna durfte heute zum erstenmal aufstehen.,Und dennoch wiegte Brügger manchmal bas Haupt. Die seelische Verfassung seiner Patientin beunruhigte ihn.

5,<5ic ist zu schwermütig, sie kann nicht drückte die Schwester das ganz richtig aus.Ich müßte mich sehr irren, wenn mit der nicht etwas

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Dr. Brüggers Patientin

Roman von Walter Klöpffer

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Dr. Brügger legte die Hand an die Wange und ^cl^e.Vielleicht, wenn sie Besuche bekäme? 1 Ablenkung, Schwester, Aufheiterung, Zerstreuung!

Bitte strengen 6ie Ihr Köpfchen an!"

Die Schwester tat, wie ihr befohlen. Sie nahm die erbaulichen Bücher vom Nachtkästchen und legte einen alten BandFliegende Blätter" hin. Dann zog sie die Vorhänge zurück und stellte eine Va,e irrt NarMen auf den Tisch. Mehr wußte sie mo-

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Siebener Docheumarktpreise.

: * Gießen, 1. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse^ das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, neue, 5 kg 1 RM., Wirsing, VA kg 12 bis 14, Weißkraut 9 bis 12, Rotkraut 25, gelbe Rüben 13 bis 15,rote Rüben 15, Römischkohi 10 bis 12, Erbsen 20, Tomaten 45, Himbeeren 46, Johannisbeeren 24, Salatgurken 25 bis 30, Blumenkohl, das Stück 30 bis 50, Salat 5 bis 10, Endivien 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 8, Radieschen, das Bund 8 bis 10.

*

* Vom Theater. Andreas Volpert, bis­her Ballettmeister und erster Solotänzer des Theaters der Universitätsstadt in Gießen, jetzt Bal­lettmeister des Apollo-Theaters in Köln, gastierte mit großem Erfolg an den königlichen Opernhäusern in Brüssel, Antwerpen und Gent.

** Einkaufsausweise für berufs­tätige Frauen. Die Deutsche Arbeitsfront hat im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung und der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel Einkaufsaus- weife für berufstätige Frauen ausgegeben, die der bevorzugten Abfertigung dieser Frauen beim Ein­kauf dienen sollen. In unserem heutigen Blatte wird nun eine Bekanntmachung an alle Geschäftsinhaber veröffentlicht, die die Einrichtung einer bestimmten Verkaufszeit für die Frauen mit den Ausweisen der DAF. bezweckt.

** Verkehrsunfall. In der Gießener Straße in Wieseck stieß am Donnerstag früh gegen 4.30 Uhr ein Kraftradfahrer in der Dunkelheit gegen einen unbeleuchtet stehenden Möbelwagen. Dabei wurde der Kraftradfahrer erheblich verletzt und das Kraftrad an der Lenkstange, am Vorderrad und an der Beleuchtungsanlage beschädigt.

Verdunkelungszeil:

1. August von 22.15 bis 5.12 Uhr.

2. August von 22.13 bis 5.14 Uhr.

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Aus der Stadl Gießen.

August letzter Sommermonat.

Noch steht der Sommer im Scheitelpunkt seines Wirkens. Die Landschaft zeigt farbige Bilder, und die Zeit des Hochsommers läßt keinen Gedanken daran aufkommen, daß sich das Jahr bereits wieder auf absteigender Linie bewegt. Wer könnte auch mit solchen Gedanken sich plagen, wenn weit und breit alles noch in vollem Laube steht, wenn in den Gärten die grüne Fülle sich deutlich zeigt, und wenn über Felder und Fluren hin der warme Atem des Sommers weht. Nein, noch flattern die lichten Banner der schönen Jahreszeit über jedem Wtesen- hugel und Heckenbusch. Doch schon ist auch der Augnst im Land, und mit ihm beginnen ganz sacht die spätsommerlichen Tage.

Allerdings gibt sich der August im allgemeinen gewöhnlich jegliche Mühe, den sinkenden Sommer mit schönen Tagen auszuzeichnen. Noch einmal ent­facht er alle Glut und Helligkeit, so daß es sogar manchmal zuviel des Guten wird und Empfindsame . über dieHundstage" stöhnen. Ungeachtet dessen ist die Landbevölkerung eifrig dabei, im Schweiße des Angesichts den Ertrag der Felder zu bergen, denn der August, der seinen Namen von dem römi­schen Kaiser Augustus hat, trägt nicht umsonst auch den Namen Ernting. Alles, was jetzt die Arme zu rühren vermag, ist auf dem Lande vom frühen Morgen bis in den späten Abend mit Erntearbeiten beschäftigt, damit der kostbare Segen der Erde in die Scheunen gebracht wird. So hart und anstren­gend aber auch die Tätigkeit sein mag, der Bauer vollbringt sie gern, denn er holt ja den Zins ein, mit dem ihm der Boden die Mühen des ganzen Jahres vergilt. Und im übrigen denkt er dabei an \ den alten Bauernspruch:Wer im Heuet nicht gabelt, in der Ernte nicht zappelt, im Herbst nicht l früh aufsteht, sehe zu, wie es ihm im Winter geht."

Mit der Zeit der hellen Nächte ist es im August wieder vorbei. Wer ein wenig aufmerkt, spürt beut» ।lich das Schwinden des Tageslichtes. Der Morgen kommt später und die Dämmerung zeitiger. Am Ende des. August hat der Tag seit Anfang Juli etwa drei Stunden von seiner Helligkeit eingebüßt. Um so schöner ist allerdings der Reiz der Abend­stunden, die aus Gärten und Anlagen die Kühle und den Duft der Reife bringen. Am Tage feiern die Kinder der Flora rauschende Feste: pastellfar­bene Gladiolen und leuchtend bunte Dahlien zeigen ihre Pracht. Sie leiten über zu dem Farbenzauber, den demnächst der September hervorbringt, wenn mit dem Ausklang des August der Abschied des Sommers nur noch eine Frage flüchtiger Tage fein

eirat enlentf- tifti lörte Brügger gab der Schwester etliche Anweisungen.

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Ketzener Anzeiger fSeneral-Anzeiger für fflbtrbcficn)

I./2. August I4-»2

Handwerker-Wünsche an die Kundschaft.

Eine Umfrage im Handwerk über Reparaiurarbeiien und ihre Begleiterscheinungen.

Das Handwerk sieht jetzt im Kriege eine besondere Aufgabe darin, gebrauchte Sachen oder Einrichtungen des dringenden Lebens- bebarfs durch möglichst rasche Reparatur­arbeiten wieder instandsetzen. Dadurch hilft es in anerkennenswerter Weise Punkte sparen, darüber hinaus unsere Vorräte an Rohmaterial strecken. Verbraucher und Hand­werker müssen hier an einem Strange ziehen. Manchen Verbrauchern sind in dieser Hinsicht aber nocheinige Lichter anzubrennen". Das ist der Eindruck, den wir in Unterredungen mit Gießener Handwerksmeistern über die FrageW iekann der Kunde dem Handwerksmeister bei Repara­turen helfen?" gewannen.

In einer Schuhmacherwerkstatt im Stadtilmern, (fine Viertelstunde Zeit widmet uns der emsig schaffende Meister, denn in dieser Woche sind wie übrigens in jeder Woche über zweihundert Paare Schuhinoaliden wieder wegfähig zu machen. Dabei steht dem Meister nur eine Hilfskraft zur Seite. Also heißt es täglich tüchtigin die Hand gespuckt und zugepackt". Wie kann der Kunde hier helfen? Knapp und überzeugend ist die Antwort des Schuh­machers. Bringt die Schuhe nicht erst dann zur Re­paratur, wenn es andauernd regnet und das Ober­leder und die Sohlen schon völlig zerfetzt sind; in diesem Falle dauert die Reparatur lange und er­fordert sehr viel Material und erhebliche Arbeitszeit. Wer dagegen die Schuhe zeitiger bringt, d. h. ehe sie an Sohlen und Oberleder allzu großen Schaden erlitten haben, der kann sie auch früher zurechtge- macht wieder erhalten, obendrein hilft er Material und Arbeitszeit für andere Kunden ersparen. Also: lieber öfter mit geringeren Schäden, als selten in halbverwüstetem Zustand zur Reparatur! Vor dem Wege zum Schuhmacher dieInvaliden" säubern und trocknen, denn der Schuhmacher ist kein Schuh putzer; dazu hat er auch gar keine Zeit. Niemand kann eine Schuhreparatur von heute auf morgen erwarten. Vielfach arbeitet der Meister allein oder er hat nur noch eine einzige Hilfe. Ver­langt jetzt keine Gummiabsätze, denn der Gummi wird für unsere Wehrmacht dringender gebraucht; auch ohne Gummiabsätze kann man laufen. Leder­sohlen sind nur für solche Kunden da, deren Schuhe bei der Eigenart des Berufs unbedingt Lederbesoh­lung haben müssen. Alle übrigen marschieren auch auf anderem Sohlenmctteridl mit im gleichen Schritt und Tritt zum Sieg, wenn sie nur verständig und guten Willens sind. Die festgesetzten Tage zur Ab­gabe der reparaturbedürftigen und zum Abholen der fertiggestellten Schuhe einhalten, damit die übri­gen Tage für die ungestörte Arbeit in der Werk­statt verfügbar sind. Die reparierten Schuhe nicht über die angegebene Zeit hinaus in der Werkstatt stehen lassen, sondern beizeiten abholen, damit für neueInvaliden" Platz gewonnen wird. Halbschuhe nicht 'bei zu geschnürten Bändern anziehen; wer gegen diesen Rat handelt, braucht sich nicht zu wun­dern, daß immer nach kurzer Zeit das Kappenleder heruntergerissen und zerfetzt ist; wer sich diese Sünde nicht zuschulden kommen läßt, hilft Material und Arbeit sparen. Größere Kinder, Jünglinge und Männer können zwecks Materialersparnis auch mit Eisen auf Absätzen und Sohlenspitzen marschieren. Und schließlich: das Material ist knapper als in Friedenszeiten, das sollte der Kunde immer be­denken.

Ein Schneidermeister bringt für sein Fach ähn­liche Wünsche vor. Vor allem ist es wichtig, jetzt im Sommer schon die Wintersachen zur Reparatur zu bringen und damit nicht zu warten, bis der Novem­ber gekommen ist oder die ersten Schneeflocken fal­len; sinngemäß sind die Frühjahrs- und 'Sommer­kleider im Winter bzw. im zeitigen Frühjahr zur Reparatur abzugeben. Kleinere Ausbesserungen mö­gen die Hausfrauen auch einmal an der Männer- und Knabenkleidung selber vornehmen, da die Schneiderwerkstätten mit größeren Reparaturarbei­ten bei wesentlich weniger Arbeitskräften viel­fach ist nur noch der Meister allein in der Werk­statt überhäuft sind. Hinsichtlich der Zeit heißt's natürlich auch hier Geduld haben; nur in wenigen, ganz besonderen Ausnahmefällen kann eine bevor­zugte Erledigung der Reparatur zugestanden wer­den. Und wenn einmal für einen Männer- oder Knaben-Hosenboden zur Ausbesserung kein gleicher

Stoffrest vorhanden ist und der Schneidermeister nur einen ähnlichen Rest einsetzen kann, so ist das auch kein Unglück, die Hauptsache ist, daß die Hose wieder eine ordentliche Sitzfläche hat; im Kriege sehen wir alle über so kleine Schönheitsfehler hin­weg, denn sie sind nicht kriegswichtig. Die Kund­schaft muß auch Verständnis dafür haben, daß der Schneidermeister Flickstoff und Futter nicht ohne Punkte hergeben kann; Textilien sind eben auch in kleinen Stücken so wichtig, daß es wertlose Abfälle nicht geben kann. Im übrigen gilt es auch hier, mit den Reparaturen nicht erst dann zu kommen, wenn die Jacke oder die Hose bereits stark zerfleddert ist, sondern bereits bei guter Zeit erscheinen, da Schä­den in bescheidenem Maße natürlich schneller und mit geringerem Material- und Arbeitsaufwand re­pariert werden können.

*

Mit Reparaturarbeiten überhäuft ist auch der Uhrmacher. Unser Besuch bei einem Uhrmachermei­ster in der Innenstadt, der als Bezirksinnungsmei- fter einen Ueberblitf weit über feinen eigenen Ge­schäftskreis hinaus hat, zeigt uns, daß 'wohl nir­gendwo von unkundiger Hand an dem Material mehr gesündigt wird als gerade bei der Uhr. Meist wird die stehengebliebene Uhr erst einmal zu Hause ,/in Behandlung" genommen, ehe sie total verkorkst zum Uhrmacher gebracht wird. Das Schlagen der Uhr gegen die Handfläche oder an die Tischkante ist eine beliebteMethode", mit der die Uhr daheim repariert" werden soll; ein anderes oft gebräuch­liches Mittel ist das Deien, wobei nicht zu knapp Del in das außerordentlich empfindliche Gehäuse hineingeschmiert wird. Alle diesePferdekuren" hel­fen natürlich nichts, und nun wandert man mit der Uhr zum Uhrmacher, dem in der Regel ein ganzer Roman von Ursachen des Schadens erzählt wird,

wobei der Kunde aber nicht daran denkt, daß der Fachmann sofort erkennt, woran er ist. Wer seine Uhr sorgfältig behandelt sehen will, muß' sie nicht nur selber nach bester Möglichkeit vor Schaden (auch vor starken Erschütterungen!) bewahren, sondern sie bei Reparatur notwendig kett sofort zum Uhrmacher bringen. Man darf auch nicht glauben, unter den heutigen Verhältnissen in wenigen Tagen die Uhr wieder abholen zu können. Denn erstens ist jetzt in der Uhrmacherwerkstatt der Meister in den meisten Fällen völlig allein, zweitens wird mit dem in der Läienwelt ganz zu Unrecht vermutetenDurchpu­sten" keine Uhr in Gang gebradjf und drittens kann man in der Uhrmacherwerkstatt nicht nur ein paar, sondern gleich ein oder zwei Dutzend reparaturbe­dürftige Uhren aller Altersklassen, Systeme und Grö­ßen antreffen. Die Taschenuhr, die schon1870 mit- gemacht hat", oder die Uhr, die um die Jahrhundert« wende modern war, harrt hier neben dem neuzeit­lichen Chronometer der Wiederherstellung; daß bei dieser Vielfältigkeit oft nicht alles Material gerade zur Hand sein kann, liegt auf der Hand. Vor allem muß aber eine reparaturbedürftige Uhr völlig aus» einanbergenommen und auf alle Fehler und Schä­den untersucht werden, wobei nicht nur die Fehler zu beseitigen, sondern auch zerbrochene Teile zu er­neuern sind. Dann wird die Uhr sorgfältig gereinigt, zusammengesetzt, geölt und einreguliert. Hierauf muß sie natürlich noch einige Tage zur Kontrolle in der Werkstatt bleiben. Daraus ergibt sich von selbst, daß Geduld auch bei e para tu r arbeiten in der Uhrmacherwerkstatt am Platze ist. Vor allem sollte sich niemand bei einem Schaden an feiner Uhr alsverhinderter Bastler" fühlen, denn dabei kommt doch nichts anderes heraus als Pfuscherei und Ver­größerung des Schadens. Die außerordentlich zahl, reichen und meist sogar winzig kleinen Einzelteilchen

Heilkräutersammlung im KreiseWetterau

= In der Goetheschule in Gießen fand am ge­strigen Freitag eine Arbeitstagung der Reichsar- beitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heil­pflanzenbeschaffung (RsH.) für den gesamten Kreis

etter au unter Leitung des. Kreis'sachbearbeiters RfH. Lehrer Dßwald, Bad-Nauheim, statt. In einer Besprechung mit den Bezirkssammelstellenlei­tern der 14 Heilkräuter-Bezirkssammelstellen des Kreises Wetterau wurden wichtige Fragen der dies­jährigen Sammelarbeit und des Ferieneinsatzes der Erzieher und Schüler in der Heilkräutersammlung eingehend beraten. Gausachbearbeiter RfH. Apothe­ker Rip perger, Frankfurt a.M., gab wertvolle und aufschlußreiche Erläuterungen zur laufenden und zur kommenden Arbeit. Direktor A n s el m ann von der KonservenfabrikHelvetia" Groß-Gerau machte mit den Richtlinien für die diesjährige Hagebutten­ernte vertraut, die wieder höchsten Einsatz von den Schulen erfordert, da jede Frucht des hochwertigen Ditamin-E-Spenders der Verwendung für unsere tapfere Wehrmacht zugeführt werden müsse.

Am Nachmittag fand eine öffentliche Veranstal­tung statt, die von Lehrer D öhn in Stellvertretung des NSLB.-Kreiswalters, Dberstudiendirektor Dr. W o l k e w i tz , mit herzlicher Begrüßung, die ins­besondere Gausachbearbeiter Ripperger galt, er­öffnet wurde. Apotheker Rip perger dankte dem $ reis fad) bearbeit ter und den Bezirkssammelsfellen- leitern für ihren vorbildlichen Einsatz und für ihre mühevolle Arbeit und sprach seine Anerkennung da­für aus, daß der Kreis etter au mit seiner Ge­samtleistung führend im Gau Hessen-Nassau fei. Sein vorjähriges Ergebnis an getrockneten Heil- und Teekräutem hat ein Sechstel des Gauergebnisses und 1 v. H. der gesamten Reichsernte betragen. Daß der Kreis Wetterau auf feinen Lorbeeren nicht aus­ruhen will, beweist eindeutig das bisherige Sam­melergebnis von 1942, das mit über 19 000 Kilo­gramm Trockengut das Gesamtergebnis von 1941 bereits erreicht hat. Schulen und HI. unseres Krei­ses haben den Auftrag, der ein Mehrfaches des Vor­jahres fordert, recht verstanden und werden, wie die erste Zwischenbilanz bereits zum Ausdruck bringt, unfern Kreis auch heuer wieder zu einem traditio­nellen Erfolge führen. Für die in den Jahren 1939 bis 1941 geleistete hervorragende Arbeit überreichte der Gausachbearbeiter im Namen der Gauleitung und des Gauamtes für Volksgesundheit einer Reihe

von Mitarbeitern eine kunstvoll gefertigte Urkunde, die der Kreissachbearbeiter und der Bezirkssammel­stellenleiter Lehrer Im m e l, Gießen, schon im Vor­jahre erhalten haben. Den Ausgezeichneten gehören aus dem Kreise Gießen Rektor Häusel (Grün­berg) und der verstorbene Rektor Jnderthal (Großen-Buseck) an, für den der Gausachbearbetter in treuem kameradschaftlichen Gedenken besonders herzliche Worte dankbarer Anerkennung sprach.

Lebhaftes Interesse sand dann der Vortrag von Gausachbearbeiter Rip perger überHeil­kräfte aus Wald und Flur". Im allge­meinen Teil führte der Redner etwa aus: So sehr die Beschaffung von Heilkräutern und weiterhin großer Mengen von Hausteekräutern und Wild­früchten im Rahmen der gegenwärtigen Notwendig­keiten eine wichtige Kriegsaufgabe darstellt, im Sinne der Lösung einer Rohstofffrage, liegt dock) von Haus aus die Bedeutung der Heilpflanzenfrage auf gesundheitspolitischem Gebiet. Anhand von Bei­spielen veranschaulichte der Redner überzeugend, daß die Heilpflanze in ihrer Ganzheit, als biologische Einheit wieder gleichberechtigten Eingang und Platz gesunden hat in der Heilkunde neben den modernen Mitteln der chemisch-pharmazeutischen Industrie, sei es, daß dieses Stoffe sind, die aus Heilpflanzen iso­liert werden und damit einen wesentlichen Teil von deren Wirkung einschließen, ober sei es, daß es rein auf dem Wege der Synthese gewonnene Mittel sind. Diese Anschauung, die sich heute durchgesetzt hat, paßt in den Rahmen der Synthese einer neuen deutschen Heilkunde, wie sie von der Reichsgesund­heitsführung angestrebt wird. Ihr Grundsatz ist, alles zu prüfen und zum Wohle des Kranken und zur Pflege des Gefunden zu erhalten.

In längeren Ausführungen Zeigte dann der Red­ner anhand ausgezeichneten Driginal-Farbaufnah- men die wichtigsten Heilkräuter und einheimischen Teekräuter und wies u. a. auf die Dringlichkeit der Sammlung der Wildfrüchte, besonders der Hage­butten, hin. Die hervorragenden Leistungen des Ein­satzes deutscher Erzieher an der Spitze der deutschen Jugend sanden die besondere Würdigung des Gau­sachbearbeiters.

Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall, den Lehrer Dähn im Auftrage des NSLB. nochmals mit besonderen Dankesworten bekundete.

denn sie war an peinliche Dränung und Gepflegt­heit gewöhnt.

An den Unfall konnte sie sich noch immer nicht erinnern. Das Zerwürfnis mit Kaspar Fender war noch da, wenn schon ein wenig verschwommen, aber dann klaffte ein breiter Spalt in ihrem Gedächtnis. Ihre Gedanken schweiften zu dem Manne, der sie betrogen hatte. Wie Meltau lag diese Enttäuschung auf ihrem Wesen, das im Grunde trotz starker Be­sinnlichkeit zu? Fröhlichkeit neigte.

Arzt und Schwester gaben sich zwar Mühe, sie aufzuheitern und dem Anlaß ihrer Verschlossenheit auf die Spur zu kommen. Aber Anna wollte feine Teilnahme und kein Mitleid und sperrte sich scham­voll zu. Trotzdem sah sie den Besuchen Dr. Brüggers jedesmal mit einer gewissen Neugier entgegen, die angenehm erregend war. Er pflegte ihr harmlose Geschichten zu erzählen, aus seiner Praxis, aus dem Leben seiner Bauern, Geschichten, an deren Ende immer eine witzige Pointe oder eine tiefe Weisheit wartete. Brügger war für Anna eine Respekts­person, deren Zuverlässigkeit außer Zweifel stand. Das ergab schon der Unterschied des Alters. Denn Anna war erst dreiundzwanzig. Brügger legte Wert auf feine Kleidung, war stets frisch rasiert und hatte ehrliche, gütige Äugen. Mehr fiel Anna an dem Mann Brügger nicht auf.

Die Schwester kam und meldete, ein Herr Hudal wolle Anna sprechen.

Es ist mein Vetter. Ich lasse bitten", sagte Anna darauf. .. , ,

Franz Hudal, ein junger Mensch mit rötlichen Haaren und einer leichten Verkrümmung der Wir­belsäule, trat ins Zimmer.

Das ist schön, daß du mich besuchen kommst, Franzel", empfing Anna den Eintretenden, der eine linkische Verbeugung machte und ihr ein paar Tul­pen überreichte. Seine Kleidung war bürftig, aber sorgsam instandgehalten.

Guten Tag, Anna. Entschuldige, daß ich erst heute kommen kann. Ich war verreist und habe so­

eben erst von deinem Unfall gehört. Wie deftndest du dich?"

Man muß zufrieden fein, Franzel. Manchmal habe ich noch Kopfweh."

Das läßt sich denken, nach so einer Sache. Du tust mir so leid, Anna!" Hudal hatte schöne, ernste Augen, die jetzt schwärmerisch auf seine Base ge­richtet waren. Er verehrte Anna auf seine schüchterne jungenhafte Art, er hatte überhaupt eine gute Mei­nung von den Frauen. Er war zwei Jahre jünger als Anna und stand im zweiten medizinischen Se­mester. Eine harte Kindheit und frühes Verwaist­sein hatten seine Züge vor der Zeit älter geprägt.

Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Franz. Es ist ja noch leidlich abgelaufen. Vielen Dank trotz­dem für die schönen Tulpen, aber du solltest dir feine solchen Äusgaben machen." Ihre Stimme klang vorwurfsvoll.Ja so, du willst wissen, wie es zugegangen ist? Sieh mal, bas weiß ich selbst nicht. Wahrscheinlich habe ich nicht aufgepaßt."

Kann ich etwas für dich tun, Anna?"

Danke, ich habe alles. Man ist hier sehr gut zu mir. Trotzdem möchte ich gern bald wieder heraus. Und wie geht es dir?"

Mir geht es großartig, Anna. Medizin ist ein fabelhaftes Studium. Wenn man nur nicht so viele Bücher und Instrumente brauchte! Aber ich schlage mich schon durch. Ich gebe jetzt einige Nachhilfestun­den, die meiner Kasse sehr zupaß kommen. Und denke dir, Anna, ein Mikroskop habe ich auch schon! Mit Delimmersion und Abblende. Ein Gelegenheits­kauf."

Das freut mich, Franzel. Und was ich noch sa­gen wollte wenn du mal knapp bist, na ja, du weißt ja, wo ich zu finden bin."

Du bist ein guter Mensch, Anna. Hast du denn so viel übrig?"

Ein bißchen. Frag' nicht."

Aber jetzt möchte ich gehen. Man hat mir drau­ßen gesagt, ich solle es kurz machen. Weil du bas erstemal auf bist. Also gute Besserung ich komme wieder." Er gab ihr die Hand und ging.

Draußen stieß er auf Dr. Brügger, der Anna ge­rade besuchen wollte. Er stellte sich vor.

Ich bin der Vetter von Fräulein Hudal. Es be­steht doch hoffentlich keine Gefahr?"

Gefahr? Nein. Aber die junge Dame gefällt mir seelisch nicht. Immer deprimiert. Was ist denn los? Hat sie einen Kummer?" forschte Brügger.

Kummer? Nicht daß ich wüßte. Vielleicht hat der Schock sie so mitgenommen. Und ein bissel schwer­blütig sind die Hubais alle. Das liegt in unserer Familie. Ach, Anna ist ein so guter Mensch!"

Na schön, Herr Hudal. Kommen Sie nur öfter. Die Kranke kann Ablenkung gebrauchen."

Während sich Hudal empfahl, kam der kleine Glasl um die Ecke. Er hielt diesmal ein wahres Wagenrad von Sttauß in der Hand und fragte Brügger:

Kann ich jetzt das Fräulein sprechen?"

Du kannst, mein Junge. Komm, ich begleite dich." Merkwürdig, dachte Brügger, alle haben sie gern. Er öffnete die Krankenzimmertür.

5)eute geht es ja wild zu bei Ihnen. Da bringe ich schon wieder einen. Der kleine Mann war schon zweimal vergeblich da. So, und nun gib deinen Sttauß ab. mein Sohn", lächelte Brügger und reichte Anna die Hand.

Der Schüler Glasl tat, wie ihm geheißen. Dann bohrte er in feiner Hosentasche und forderte zwei Aepfel zutage, die er Änna in den Schoß legte.

Die Blumen sind von der Klasse, die Aepfel von mir, und ich soll Sie grüßen", berichtete er treu­herzig.

Ich danke euch schön. Da habt ihr euch ja sehr angestrengt. Was gibt es denn Neues?"

Was ganz Pfundiges! Ich darf zum Hochland- lager ins Allgäu", berichtete der Bub voll Stolz.

Dh, das ist aber fein", freute sich Anna.

Und der Hofstetter hat die Masern. Vielleicht kriegen sie noch mehr", erzähtte Glasl hoffnungs­voll.Wann kommen Sie denn wieder, Fräulein?"

Da mußt du den Herrn Doktor fragen, Schorchi." (Fortsetzung folgt.)