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14.12.1879 Drittes Blatt
 
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Nr. 292. Drittes Blatt. Sonntag den 14. December 1879

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/ Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vrertelMrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

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Amtlicher Hheil.

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Betreffend: Die Liquidation der Entschädigungsansprüche für der bewaffneten Macht geroä&rteV1^o^urttI1qu«^CkrmbCr Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

flrftornrte^^i yLriLhuL /b68, die Naturalleistung für die bewaffnete Macht im Frieden betreffend, müffen Entschädigunas-

spruche, bet Vermeidung der Verjährung, spätestens im Laufe des Kalenderjahres, welches auf dasjenige folgt, in welchem die Hablunasvervllicktuna

Ä WJV6e,n G-m-.nd°v°rstand b-zw. bei uns angemeibet fein. - Da häufig in SinqS'rtierunggfäßen b?» baDu.rttart?

® u ®c,r^ " cht zur Auszahlung gelangt, weil die Liquidation dieser Servtsvergütungen zu spät erfolgt so macken wir Sie im

aehahter 2^r°0 beS Innern unh her auf die angezogene Bestimmung mit der Weisung aufmerksam, jedesmal nach statt­

gehabter Einquartierung die Quartierträger tu geeigneter Weise zur Anmeldung der ihnen zukommendm Entschädigungen zu veranlassen. 1

. Dr. Boekmann.

Uolitifcher Hheil.

Lebensmittel ist gar nicht ohne Vorthetl für die arbeitende Klasse, bei der Genußsucht und übertriebene Ansprüche durch Schuld des Liberalismus von höchst schädlicher Wirkung geworden sind. Wird diesen Uebelständen eln Zügel angelegt,so wird nicht nur das für Lebensmittel zu zahlende Mehr reichlich eingebracht, sondern cs wird auch die nothwendig gewordene Sparsamkeit von bestem Einfluß auf das Familienleben und den sittlichen Zustand des Volkes sein." Diese conservativen Bekenntniffe verdienen in den weitesten Kreisen bekannt und insbesondere den übrigen Schutzzöllnern mit dem Ersuchen um ihre Ansicht unterbreitet zu werden.

In Ansehung der Verwendung von Surrogaten bei der Tabaksfabrt- cation hat der BundeSrath beschlossen: 1) Bei der Herstellung von Tabaks­fabrikaten ist die Verwendung von Kirsch, und Weichselblättern gestattet; 2) die Abgabe von den zu 1 genannten Tabakc-surrogaten beträgt 65 Mk. für 100kg nach Maßgabe ihres Gewichts in fabrikationsreifem Zusta de- 3) für die Verwendung der gedachten Surrogate treten die im Entwürfe bei- gefügten Eontrolvorschrtften, jedoch mit folgenden Abänderungen in Geltung: a. in § 1 daselbst haben die Absätze 3 und 4 wie folgt zu lauten:Die Ver­wendung ist der Controle der Beamten der Steuerverwalturg unterworfen. Dieselben sind berechtigt, die Fabrtkations- und Lagerräume in den Geschäfts­stunden zu betreten und alle diejenigen Ermittlungen vorzunehmen, welche zur Ausübung der Conirole erforderlich sind. Die Einsicht der über den Bezug und den Verbrauch der Surrogate geführten Fabrik - Handels­bücher darf jedoch nur von den Oberbeamten der Steuerverwaltung vorge­nommen werden. Die genannten Surrogate dürfen von den Fabrikanten nur in fabrikattonsreifem Zustande nach der Fabrik bezogen werden." Es folgt dann eine Reihe redacrioneller Abänderungen. Auf Antrag des fünften baye­rischen Bevollmächtigten wurde das Einverständmß dahin festgestellt, daß die in den Conirolvorschrtften dem Bezirks Obekcontroleur zugewiesenen Befugniffe und Verpflichtungen in denjenigen Staaten, in welchen die Einrichtung einer Bezirks Obercontrole unter dieser Bezeichnung nicht bestehe, von denjenigen Oberbeamtkn der Steuer- und Zollverwaltung auszuüben seien, welchen die­selben von der betr. obersten Landesfinanzbehörde zugewieseu werden würden. Endlich bestand auch darüber Elnverständniß, daß unter dem gesetzlichen Ver­bote der Verwendung von Surrogaten solche, welche lediglich als Hülfsmtttel für die Fabrikation dienen und einen Ersatz deS Tabaks nicht herbeiführen, nicht einbegriffen seien.

Hesterreich.

Pesth, 9. December. Die Hochwassergefahr bedroht noch immer mehrere von den bedeutendsten Städten Ungarns. Auch der Maros ist aus­getreten und die Stadt Arad schwebt noch immer in Gefahr; Neu-Arad soll bereits unter Wasser stehen. Uebrrall herrscht Mangel an Kähnen und Arbeits- k: ästen. Die Comitalsherren hatten nirgends Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Behörde verlieren den Kopf, die Leute lausen rathlos umher und die Ver­wirrung ist allgemein. (Telegraphischer Mitthellung zufolge hat der Körösfluß den Mark fl cken Brod und theilweise die Stadt Karlsburg, überschwemmt, wobei auch Menschenleben verloren gegangen sind.)

Frankreich.

Paris, 11. Decbr. Im Senat gab Marschall Canrobert Ausschlüsse über seine Wahl und über die Gerüchte, zu denen dieselbe Veranlassung ge- geben. Er irklärte, er habe nicht geglaubt, die Candidatur und nach seiner Wahl diese letztere ablehnen zu können, zunächst weil seine Erwählung eine der Armee erwiesene Huldigung gewest» und dann, weil er, da er der konser- vatlven Majorität des Senats angehört, glaubte, es sei nicht tapfer, der konservativen Minorität nicht angehören zu wollen. Als Präsident der Com­mission für die OificierS - Beförderungen habe er steis unparteiisch gehandelt und die Politik absolut bei Sette gelassen. Marschall Canrobert ergriff die Gelegenheit, die Anschuldigungen zu widerlegen, deren Gegenstand er seit langer Zett in Bezug auf den 2. December gewesen sei. Er erkläre, er wiss^durtz-.

1879:

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Keutschland.

Berkin, 11. Decbr. Die Nachrichten aus Oberschlefien weichen in dem einen Punkte gar nicht mehr von einander ab, nämlich, daß ein großer Nothstand vorhanden ist, der mit gewöhnlichen Mitteln nicht zu bewältigen ist und jedenfalls ganz bedeutende Anstrengungen Seitens der Privatwohlthättg« keit erfordert. Hier sind Sammlungen denn auch tm besten Gange. Allen voran geht natürlich, wie stets bei solchen Gelegenheiten zum Aerqer der Kreuz-Ztg." die Börse, die an zwei Tagen zwischen 70- und 80,000 Mk. gezeichnet hat. Nebenher geht die Sammlung durch die Zeitungen. Die Nat.'Ztg.", die mit derVoss. Ztg.", derKreuz-Ztg.", derNordd. Allg. Ztg." undPost" eine gemeinschaftliche Sammlung eröffnet hat, macht Gaben- listen bekannt, welche sich heute schon auf 32,201 Mk. 90 Pfg. belaufen. In ewigen anderen größeren Städten des Reiches wird auch gesammelt, andere nnd noch zurückgeblieben, werden jedoch gegenüber diesem allgemeinen großen ' Nothstande schwerlich hinter ihrer herkömmlichen Wohlthätigkeit zurückbleiben wollen. Ueberdies ist es nicht Oberschlisien allein, wo die bittere Noth, Hun- i ger, Kälte und Typhus den Leuten zum Fenster hereinschaut. Die Moor- egenden der westlichen Landeslhüle, die hochgelegenen Thäler im Spessart und Rhön sind tm Einzelnen ebenso schlimm daran und auch sie harren der Hülfe durch ihre Mitbürger. (Wes.-Ztg.)

Berlin, 11. December. DiePost" regt den Gedanken an, ote vor ! Jahresfrist gelegentlich der Rückkehr des Kaisers in seine Hauptstadt zum Zwecke i rer Errichtung eines Denkmals auf dem hiesigen Potsdamer Platze gesammelte ' Summe von etwa 100,000 «X zur Linderung der Noth in Oberschlesien zu ! verwenden. Bekanntlich war der Bau eines steinernen Obelisken in Nach : bildung des aus Anlaß der Einzugs-Feierlichkeiten ad hoc errichteten hölzernen in Aussicht genommen, doch gelang es trotz aller Anstrengungen, infolge der schlechten Zeitverhältnifle nicht, die nöihige Summe (ca. 300 000 X) sofort zusammenzubringen. Der Vorschlag verdient jedenfalls in ernste Erwägung Mögen zu werden. Auch sonst gibt sich hier eine erfreuliche Freigebigkeit für die nothleidenden Oberschlesier kunv. Au der heutigen Börse wurden zum ersten Male Sammlungen zu diesem Zwecke veranstaltet. Die betreffende Liste füllte sich rasch mit Zeichnungen, welche bd Schluß des Geschäftsverkehrs be- letts die ansehnliche Summe von 37,000 JL ergaben. Auch in den Bezirks- Vereinen, Gemeindevertretungen und anderen Eorporationen zeigt sich rege Thell- nahme für unsere bedrängten schlesischen Landsleute.

Berlin, 11. December. Ueber den Mordanschlag in Moskau ver­lauten noch Einzelheiten, die von Interesse sind. Die Mine war so verdeckt gelegt, daß, wenn die Polizei selbst am Vorabend der Catastrophe eine Unter­suchung aller an der Bahnlinie liegenden Häuser, also auch dieses Hauses oer- anstaltet hätte, dieselbe bei einer oberflächlichen Durchsicht nichts gefunden haben würde, so gewandt war Alles maskirt worden. Wem wäre es denn auch ein­gefallen, den in einem Winkel stehenden gewöhnlichen rothen Kasten in Art derer, in welcher Kleinbürger ihr Hausgeräih aufbewahren, zu öffnen? Der Deckel dieses Kastens war inwendig mit Ex mplaren der Polizeizeitung beklebt und die Batterie in demselben mit allerlei Lumpen verdeckt. Nur indem man dem Drahte folgte, der zu diesem Kasten führte, entd-ckte man, was in dem­selben verborgen war. Die in der Scheune gefundene Batte, ie ist allen Anzeichen nach, erst einige Stunden vor der Explosion daselbst aufgestellt worden.

Berlin, 11- Decbr. Anfangs behaupteten die Schutzzoll-Interessen­ten, es sei an eine Verteuerung der Lebensbedürfnisse nach Inkrafttreten der i neuen Wtrthschafttpolitik nicht zu denken. Als sie dann die thaisächliche Ver- l theuerung der wichtigsten Lebensbedürfnisse zugeben mußten, suchten sie nackzu- weisen, daß billige Lebensbedürfnisse für Den Arbeiter keineswegs von Vor- ihetl seien und derselbe in Folge her neuen Wirthfckastspolitik um so mehr uerbfenen würde, mehr als die Vertheuerungeii ausmachteu, wovon thatfächlich Belege noch nirgend beigebracht werden konnten. Ter conservativenBad. ' Landpost" war es Vorbehalten, der Vertheidigung der LebenSmittclverthcuerung Ifine neue Seite abzuaewinnen. Di-t-a Rl^te

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