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Dienstag den 6 November
Nr. 260 Zweites Blatt
Vierteljähriger
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren
chratisöeitage: Hießener Kamikienkkäller
Volk,
zeiwache.
Frau mehr
Das Reich und die Bundesstaaten.
Der jüngste Wechsel aus dem Reichskanzleramte gibt in mehr alS einer Hinsicht Gelegenheit, die geschickte Behandlung der Reichsgeschäfte durch das Königreich Preußen und die Verstärkung des Reichsgedankens durch die gebührende Rücksichtnahme auf die übrigen Bundesstaaten zu beleuchten. Die historische und weltberühmte Thatsache, daß Preußen unter König Wilhelm I. unter Mitwirkung Fürst Bismarcks, Feldmarschalls Graf Moltke, Kriegsministers Graf Roon und Anderer, in erster Linie das Deutsche Reich gegründet hat, erweckte nicht selten in den anderen Bundesstaaten das Gefühl, daß das mächtige Preußen mit seinen tonangebenden Staatsmännern und Generälen wohl wenig Lust haben würde, wirklich im Deutschen Reiche aufzugehen, zumal wenn man in dieser Hinsicht an einen Ausspruch des genialen Fürsten BiSmarck dachte, welcher bezüglich der Hochhaltung und Durchführung der Reichsidee einmal sagte, daß von allen particularistischen Strömungen im Deutschen Reiche der preußische ParticularismuS der gesährlichste sei. Indessen muß man jetzt zugeben, daß durch die erleuchtete Staatsweisheit der preußischen Könige und Kaiser von Deutschland diese Klippe für den Ausbau des Reiches vollständig beseitigt wurde und daß an höchster Stelle in Berlin nicht der Wahlspruch gilt, Preußen ist das Reich, sondern die Bundesstaaten sind das Reich und jeder Bundesstaat und vor allen Dingen Preußen selbst, hat in der Reichsidee aufzugehen. Die früher in den mittel- und süddeutschen Staaten so oft gehegte Befürchtung, daß Preußen und seine tüchtigen Beamten alle be- deutenden Reichsposten an sich reißen und die Staatsmänner der übrigen Bundesstaaten zur Einflußlosigkeit herabdrücken würden, ist deshalb auch nicht im Geringsten in Erfüllung gegangen, und wir sehen nicht erst jetzt, sondern bereits seit langen Jahren Staatsmänner aus den übrigen deutschen Bundesstaaten hohe Reichsämter bekleiden. Schon der Nach- solger Delbrücks im Präsidentenposten des Reichskanzleramtes war seiner Zeit der Großh. hessische Minister Hoffmann noch unter dem Fürsten Bismarck. Damals war auch der srühere bayerische Ministerpräsident Fürst Hohenlohe deutscher Botschafter in Paris.
Nach dem Rücktritte de§ Fürsten BiSmarck im Früh- iahre 1890 trat ferner der preußische Staatsmann Freiherr von Marschall als StaatSsecretär in den Reichsdienst, und vor wenigen Tagen ist der vorhergenannte ursprünglich bayerische Staatsmann Fürst Hohenlohe-SchilltngS- fürst sogar Reichskanzler geworden, während sein Vetter, der württembergische Staatsmann Fürst Hohenlohe- Langenburg kaiserlicher Statthalter für Elsaß-Lothriugen
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aus dem Wasser gezogen, die aber kein Lebenszeichen von sich gab. Der sofort herbeigeeilte Bezirksarzt Dr. der Belebungsversuche anstellte, konnte schließlich nur den Tod der Frau feststellen. Der von den Grenzaufsehern estgenommene Mann wurde darauf vom Bürgermeister Schützinger verhört. Er gab an, Ernst Raupach zu heißen, 40 Jahre alt und Handelsmann aus Triebelwitz, Kreis Jauer in Schlesien zu sein. Die ins Waffer Gefallene sei seine Frau uud heiße Karoline, geborene RabiS auS Schwarzburg- Rudolstadt. Seit dem 4. Juli seien sie verheirathet und noch auf der Hochzeitsreise. Seit mehreren Wochen weilten sie schon am Bodensee und in Lindau und wohnten im Gast- Hof „Zum Lamm". Das Verhör des Mannes, deffen Papiere zum Theil gefälscht waren, sein auffallendes Benehmen, sowie sonst verdächtige Anzeichen, insbesondere srische, starke Kratzwunden an seiner rechten Hand, ließen die Vermuthung berechtigt erscheinen, daß nicht ein Unglücksfall, sondern ein Verbrechen vorliege. Raupach ließ sich ruhig verhaften und ins Gefängniß führen. Seine 56 Jahre alte Frau brachte ein Heirathsgut von 4000 Mk. mit in die Ehe. Auf dieses Geld scheint es der Mann abgesehen zu haben. Oft machte er mit seiner Frau von Lindau auS Ausflüge, besonders mit dem Schiff nach Rorschach. Dort am Hafen kaufte er öfter» Automaten Unfallversicherungskarten - solche fanden sich bet ihm, aber sie trugen auffallender Weise nicht seinen, Indern den von seiner Hand geschriebenen Namen seiner Frau. Auch einige Aufzeichnungen in seinem Tagebuch lassen darauf schließen, er habe schon länger den Plan gefaßt, seine Fran zu ertränken. Die arme Frau scheint sich lange unter heftigem Schreien gewehrt zu haben. Als Raupach am andern Tage mit der Leiche seiner Frau consrontirr wurde, gestand er sein Verbrechen ein.
* Ehen von heute. Zwischen einem jungen Ehepaare, welches am Dienstag Morgen soeben erst daS Standesamt in der Rosenthaler Vorstadt zu Berlin nach stattgehabter Civiltrauung verlassen hatte, entstand auf der Straße ein heftiger Wortwechsel, der alsbald in Tätlichkeiten überging, und auch die Trauzeugen nahmen an der Prügelei theil. Die Braut hatte eine schwere Kopfwunde erlitten und mutzte später die Hilfe eines Heilgehilfen in Anspruch nehmen, während dem jungen Ehemanne von seinem Schwiegervater die Vorderzähne ausgeichlagen worden sind. Ein Schutzmann machte der widerlichen Kampfesscene ein Ende und brachte die ganze saubere Hochzeitsgesellschaft zur nächsten Pott-
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zieht fein Notizbuch raus un bleibt vor ene schtehe. Wie des unser zwee Schlaumeier sehe, bleiwe se aa schtehe.
„He, Ihr da!" fangt d'r Schandarm an, „habt Ihr einen Erlaubnißschein?"
„Nee," sächt d'r Peter do.
„So!" meent d'r Schandarm, „daS ist schön! — Wie heißt Ihr da?" frogt 'r dann zuerscht de Knortze-Peter.
Un ohne e Mien zu verziehe, sächt der:
»Ich heeß Hannes Zapp."
„Und Ihr?" frogt jetzt d'r Schavdarm den Zappe- $QntUn d'r Hannes sächt ewenso kaltblütig wie d'r Peter:
cy* heeß Peter Knortz!"
"Gut, das Weitere werdet Ihr schon sehen," schließt druff d'r Schandarm, schteckt sei' Notizbuch ein un geht fort. D'r Knortze-Peter un d'r Zappe-Hannes awer hawe alle »wee a'schmunzelr un sin heem.
1 E paar Dag schbäder bringt 'n de Amtsdtener e Dor- Übung weg- Holzfr-n-l. J°ss°», »«= bie zw« v-r,chr°ck-.
Du!" Hot d'r Knortze-Peter g sagt, „Hannes, des Ding "iS doch korjos, wir hawe doch alle zwee en falsche Name angewe un doch kriehe mer jeder e Vorladung. Ich alaab als, d'r Schandarm Hot unS doch gekeuut.
„Wahrscheinlich," sächt d'r Zappe-HanneS, „wann er nor die Kränk hätt!"
Ehre genug sein und ißt sich vorher satt. Wein trinkt die Königin jetzt gar nicht mehr. Früher nippte sie an Bur- gunder oder Portwein. Champagner hat ihr niemals ge- schmeckt: dagegen trinkt sie, wenn Andere ihren Champagner bekommen, ein Gläschen Whisky mit Apollinaris. Der Prinz von Wales ist kein Kostverächter- doch zieht er jeder anderen Speise die belegten Brödchen vor. Caviar-Brödchen, Gänseleber-Pasteten, geräucherter LachS rc. dürfen bei keiner Mahlzeit fehlen. Dabei trinkt der Prinz zwölf bis sechzehn Tassen Thee täglich; doch verachtet er im Gegensatz zu seiner Mutter auch den Wein und den Champagner keineswegs. Der Czar liebte ein einfaches Mahl und nahm dasselbe stets im Kreise seiner Familie ein, meist ohne daß irgend ein Diener dabei war. Um 7 Uhr wurde das Frühstück genommen, um 1 Uhr daS zweite Frühstück und um 6 Uhr wird diuirt. Der Czar aß verhältnißmäßig wenig, und sein Getränk beschränkte sich auf ein Glas Burgunder. König Humbert von Italien ist weit bescheidener als sein Vater Victor Emanuel. Er liebt es, „alla cacciatora“ zu essen, nach Jägerart, eine kräftige, ausgiebige Fleischspeise und schwarzes Brod dazu. Alle Süßigkeiten find ihm verhaßt. Ein Feinschmecker und Vielesser ist der König von Portugal, dessen Leibesfülle in Folge dessen ganz bedenklich zunimmt. Einen wahrhaft königlichen Appetit entwickeln auch die Könige von Schweden und Dänemark, der König von Griechenland und der König von Württemberg, der sich auch lieber an derbe Kost halt und jeden französischen Koch durch seinen „plebejischen Ge- schmack" in Verzweiflung bringt. Kaiser Franz Josef von Oesterreich ist ein mäßiger und einfacher Esser- dagegen hält sein Bruder Erzherzog Karl Ludwig viel auf einen guten Tisch. Kaiser Wilhelm endlich ist ein gesunder Esser mit kräftigem Appetit und unverwöhntem Geschmack, ein Tischgast, an dem jeder gute Wirth seine Freude haben muß.
• Wie Röntge effen. °>°g tnterenant ein inmal Umschau zu halten, wie Könige esien. Die Kanigm Bi-tor - non Englanb entwickelt beim Esten einen fast -tgensinmg zu nennenben Geschmack. Selten ist ihr eine Speise rech^unb was ihr heute schmeckt, da« rührt sie beim nächsten Mahle nicht an. Die Etikette verlangt nun aber, daß man gleichzeitig mit der Königin zu .esien aufhört. Wer daher zur königlichen Tafel gezogen wird, der laßt fichs an der
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Amemt-Anzeiger.
Feuilleton.
Pie zwee Schlaumeier.
Von Jose pH Lutz.
Nee, mar sollt's nit glaawe, waS 'S for Schlaumeier uff d'r Welt gibt! Mir Pälzer sin zwar schuu alS die ge- fcheidtschte Lait bekannt, was ich awer do aus — no, ich will sage — T'em, g'hört hab, des geht doch noch iwer die Neuschtädter, die seiner Zeit, wie d'r Kurferscht g'sagr bot er dhät de G'scheidtschte in Neuschtadt uffhenke, weil se aeaen en rebellirt hawe, all minanner, bis uff de letschte Mann, auSgeriffe sin, weil e jeder Angscht g'hatt Hot, er dhat gehenkt werre.:
In L'em also fahre de Knortze-Peter un d r Zappe- Hannes mit eme Wägele in de Wald un hole Holz, was zwar verbotte iS, awer die zwee Schlaumeier denken, no, s werdS grad Niemand sehe.
Sie packe also ihr Wägele voll un fahre uffem körzeschte Weg Widder heem. DeS Ding is aa so weit ganz gut oanae, so lang se noch im Wald selwer wäre- wie se awer ewe uffs freie Feld rauSkummen, jeffeS, fin die zwee ver- fchrocke, wie fe en Schandarm grad uff sich zukumme sehe! Ausweiche hawe se nimmehr gekennt, umkehre aa nit, dann so'n Schandarm sieht gut un seller Hot se aa merklich schun g'sehe g'hatt. Was also dhun? Do uff eenmol kummt dem Knortze Peter en famose Gedanke.
„Du, Hannes," sächt 'r, „weescht was, wann uns der Schandarm uffschreibt, gewe mer falsche Name an, meenscht
Du hoscht recht," sächt der Hannes druff, „d'r Schandarm kennt uns jo doch nit." v
Des g'sagt, fahre se weiter, direct uff den Schandarm zu. Der beguckt sich die zwee mit ihrem Wägele voll Holz,
wurde. Bedenkt man ferner, daß Freiherr von Marschall | auch Rang und Amt eines preußischen Staatsministers er- | halten hat und der neue Reichskanzler Fürst Hohenlohe ebenfalls preußischer Ministerpräsident und Minister deS Auswärtigen geworden ist, so wird man zugeben müssen, daß Preußen seine Macht und Stellung vollständig im ReichS- interesse hat aufgehen lassen, und daß zumal durch eine glückliche Besetzung vieler wichtiger Reichsämter der bundesstaatliche Charakter des Reiches in der besriedigendsten Weise zum nothwendtgen Ausdruck kommt. Bei dem verhältniß- mäßig jugendlichen Alter des erst vor 23 Jahren neu gegründeten Reiches ist diese Entwickelung in der Behandlung der deutschen Angelegenheiten mit großer Freude zu begrüßen, denn wenn auch jeder Bundesstaat das Recht ha^ seine Stellung und Eigenart zu behalten, so ist doch auch die Pflege des Reichsgedankens durch die Bundesstaaten un- bebingt not^roenbtg, unb die« ist in loyaler unb patriotischer Weise geschehen.
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* Stettin, 30. October. (£tne größere Anzahl Häuser- Makler und andere Personen wurden in den letzten Tagen durch den Besuch von Beamten der hiesigen StempelfiScale überrascht, welche auf Beschluß der Staatsanwaltschaft Haussuchungen nach Urkunden vornahmen, sür welche die gesetzlich vorgeschrtebenen Stempel nicht verwandt waren. Die Haussuchungen wurden unter Mitwirkung von Gerichtsvollziehern bei einer Anzahl von 30-40 Personen gleichzeitig und zu einer bestimmten Stunde vorginommen und lieferten ein überraschendes Ergebniß, denn es wurden eine Menge Urkunden, besonders Kauf-, Lieferungsverträge und Wechsel vorgesunden, denen der gesetzlich erforderliche Stempel fehlte- einzelne der Betheiligten dürften in schwere Stempelstrafen verfallen, da die hinterzogenen Stempelgebühren sich in einem Falle sogar auf 17000 Mk. belaufen.
♦ Lindau, 27. October, lieber einen hier verübten Gat- t en mord erfährt die „Augsb. Abendztg." Folgendes: Am Freitag Abend gegen 8% Uhr hörten die am Seehafen ftat «nirten Grenzaufseher und einige andere Personen laute, anu ende Hilferufe aus der Gegend des „Löwen an der Ha'tnausfahrt und bald darauf einen starken plätschernden Fall. Sofort eilten einige Männer zum Molo, der zum „Löwen" führt, und begegneten einem zur Stadt zuruck- kehrenden Mann, der lebhaft erregt schnell vorübereilen wollte, aber von den Aufsehern angehalten wurde. Er sagte aus, seine Frau sei inS Wasser gesallen. Wirklich wurde bald darauf von den übrigen zur Hilfe gekommenen Aufsehern eine


