1884
Sonntag den 30. November
Drittes Blatt
Nr. 281
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Darmstadt, 28. Novbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 26) enthält:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen Thal:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog Haden Allergnädigst geruht; dem Schiffer Johann Fey II. in Nackenheim in Anerkennung der von demselben om 3. d. Mts. unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des sechsjährigen Engelbert Schwarz von Nackenheim vom Tode des Ertrinkens das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Rettung von Menschenleben", sowie eine Geldprämie zu verleihen.
2. Uebersicht der für das Jahr 1884 genehmigten Umlagen zur Bestrei- tung der Bedürfniffe der israelitischen Religions-Gemeinden im Kreise Mainz.
3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Dieburg, die Nichterhebung eines Theiles der Umlagen der israelitischen Religions-Gemeinde zu Sickenhofen für 1884/85 betreffend.
4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen, die Erhebung von Umlagen der Gemeinde Rodheim pro 1884/85 betreffend.
5. Ordensverleihungen.
6. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen ftemder Orden.
7. Namensveränderungen.
8. AbwesenheitSerklärung.
9. Zulaffung zur Rechtsanwaltschaft:
Am 8. November wurde der Gerichtsaccesstst Karl Landmann aus Homburg a. d. Ohm zur Rechtsanwaltschaft bei Großherzogl. Amtsgerichte Nidda zugelaffen.
10. Ernennungen in Beziehung auf den Landtag.
11. Dienstnachrichten:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 7. Octbr. dem evang. Pfarrer Christian Bernhard zu Brauerschwend die evang. Psarrstelle zu Nieder-Weisel zu übertragen; an dems. Tage den Musiker Peter Dern zum Hosmusiker zu ernennen; am 14. Octbr. der Ernennung des SectionS- Ingenieurs Ludwig Frey bei der Hessischen LudwigS-Eisenbahn-Gesellschaft zum Betriebscontroleur die Landesherrliche Bestätigung zu ertheilen; an dems. Tage dem evang. Pfarrer Heinrich Neurath zu Dützenbach die evang. Pfarrstelle zu Griesheim, an dems. Tage dem evang. Pfarrer Friedrich Karl Möller zu Ranstadt die evang. Pfarrstelle zu Biebesheim zu übertragen; am 22. Octbr. den von dem Herrn Fürsten von Solms-Braunfels aus die erledigte erste evang. Psarrstelle zu Hungen präsentirten evang. Pfarrer Eduard Hainer zu Ober- Breidenbach für diese Stelle zu bestätigen; am 7. Novbr. dem evang. Pfarrer Hemrick Heintze zu Lißberg .die evang. Pfarrstelle zu Kirchberg zu übertragen; am 8. Novbr. die in Gemäßheit der Art. 2, 3 und 4 der Deklaration vom 31 Januar 1837 über die Rückgabe ver Verwaltung des dieffeitigen Kaufunger St'istssondS an die Althessische Ritterschaft des Großherzogthums Hessen von den beteiligten adeligen Familien zu den drei Obervorstehern gewählten und präsentirten Kammerherrn und Major z. D. Freiherrn Adolph v. Rotsman in Dannstadt,— Kammerherrn und Oberst a la suite Freiherrn Giesebert Riedesel zu Eisenbach in Lauterbach, Kammerherrn Freiherrn Karl Schenck zu Schweins- berg-Wäldershausen in Darmstadt — in der gedachten Eigenschaft Landesherrlich zu bestätigen.
Am 17. Octbr. wurden die Finanzaspiranten Andr. Wilh. Fillmger aus Vilbel und Philipp Koppler aus Butzbach zu Steueraufsehern ernannt; am 22. Octbr. wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Jacobi aus Nieder-Rosbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oberau, an dems. Tage wurde dem Schullehrer Georg Schlumpf zu Lichtenberg-Obernhausen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst, an dems. Tage wurde dem Schullehrer Peter Metzler zu Falken-Gesäß eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst übertragen ; an dems. Tage wurde der Musiker Philipp Schneider zu Offenbach zum AmtSgerichtSdiener bei dem Amtsgerichte Ulrichstein ernannt; am 24. Octbr. würbe der von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hassenroth präsentirte Schul- amtsaspirant Adam Willems aus Höllerbach für diese Stelle bestätigt; an dems. Tage wurde dem Schullehrer Joseph Adam Diehl in Dieburg die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mosbach, am 31. Octbr. wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Gruber aus Appenheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Aschbach, am 1. Novbr. wurde der Schulamtsaspirantin Magdalena Burk aus Lampertheim eine erledigte Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Finthen, am 7. Novbr. wurde dem Schullehrer Julius Eller zu Flonheim die Lehrerftelle an der evang. Schule zu Nierstein, an dems. Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Moritz Repp aus Gambach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Flensungen übertragen; am 12. Novbr. wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Mainz Philipp Glock zum Kanzleidiener bei dem Landgerichte der Provinz Rheinhessen ernannt; am 14. Novbr. wurde dem Schullehrer Heinrich Correll zu Hahnheim die Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Schornsheun übertragen. (Schluß folgt).
Darmstadt, 27, November. An die zweite Kammer der Staude tst folgende Propofinon gelangt 1882—85 war für Erweiterung des Provivztal- arrest Hauses zu Gießen die Summe von 95,000 X eingestellt.
Bon dm Ständen wurde aber nur der Bettag von 85,000 X zu einer beschränkteren Ausführung der geplanten Erweiterung bewMigt.
Dadurch, daß man dem Wunsche beschränkterer AuSMHrung in ausgedehntester Weise nachkam und durch beträchtliche Abgebote bei der Vergebung der Arbeit find
3’ Unter Leitung J Koschat.
Ersparnisse erzielt worden, welche ^.möglich gemacht habxn, den Betrag von o500 X für die notwendige innere Mobiliarausstattung der neuen Anbauten, insbesondere zur Ausstattung der Hellen mit Betten und zur Ausstattung btr sonstigen Räume (Koch- und Waschküche, ReinigungSraum, Bodez-mmer, Z mmer für Köchin und Wärter und ArbestLräumr) und den erforderlichen Utensilien, zu verwenden.
Unter Viesen Umständen beehrt sich das unterzeichnete Ministerium, mit Allerhöchster Ermächtigung Er. Königl. Hoheit des Großherzog« an die Stände deS Groß- herzogihumö, zunächst an die zweite Kammer, daS Ansinnen zu richten:
Zur Verwendung deS bei der Erweiterung des ProvinzialarresthcmseS zu Gießen ersparten Betrages von 5500 X für die 'nothwendige innere MobiliarauSstattung der neuen Anbauten die verfassungsmäßige Zn. stlmmung zu ertheilen.
Darmstadt, am 26. November 1884.
Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz.
Univerft'tätS- Chronik.
— Der Geh. Ober-RegierungSrath a. SD., Mitglied der königl. Akademie, der Wtssenschaften zu Berlin, Dr. Max Duncker, ist vom Kaiser zum Historiographen der Brandenburgischen Geschichte ernannt worden.
— Professor Schwenninger hat, wie verlautet, über die Stellung, welche die medicinische Fakultät der Berliner Universität zu ihm eingenommen hat, bereits die Beschwerde beim CultuSminister erhoben oder ist im Begriff, dieselbe zu erheben.
— Am 24. ds. starb Professor Vterordt, langjähriger Vorstand deS physiologischen Instituts in Tübingen. m r
— In Göttingen hat sich Dr. SchönflieS als Privatdocent für Mathematik habilitirt; Dr. K. Dtlthey, ordentlicher Professor der klassischen Philologie, ist zum Zweck einer Studienreise nach Italien beurlaubt worden; Dr. ß. Brock, Privatdocent der Zoologie, hat Urlaub für dieses Semester und ein Stipendium von der Regierung erhalten, um in Indien zoologische Studien zu machen.
— In Königsberg starb dm 22. b- M. der ordentliche Professor der Physiologie Geh. Med.,Rath Dr. W. v. Wittich, 64 I. alt
Marburg, 27. November. Aus Leipzig trifft heute die Nachricht von dem Ableben des Professors der Chemie, Geh. Hosrath Dr. Kolbe, hier ein; derselbe starb in Folge eines Schlaganfalle«. Professor Kolbe war von 1843 an etwa 3 Jahre Assistent unter Bunsen am hiesigen chemischen Institut, war dann längere Zeit in Braunschweig literarisch thätig und wurde von da, als durch Professor Bonsen's Berufung nach Breslau der Lehrstuhl für Chemie an hiesiger Universität erledigt war, hierher als ordentl chrr Professor in der philosophischen Fakultät und zum Director des chemischen Instituts im März 1851 berufen. Im August 1865 folgte er eine» Rufe nach Leipzig. Der Verblichene zählte zu den bedeutendsten Gelehrten seines Faches und seine Arbeiten und Erfindungen, wie z. B- die der Salicylfäure, werden ihm einen hervorragenden Namen w der Nachwelt erhalten.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Hießen, 29. November. sSitzrmg der Stadtverordneten vom 27. November.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Georgi, Hoch, Homberger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Petri, Scheel, Schopbach. Simon, Vogt und Wortmann.
Die Feuerlöschordnung für die Stadt Gießen, wie solche auS der Berathung der Stadtoerordnetensitzungen heroorgegangen, erhält auf Antrag des Herrn Petri bezüglich der Beretthaltung der Gteßfässer die vom Antragsteller gewünschte Ergänzung. — Das Gesuch des BierbrauereibesttzerS Friedrich Textor um käufliche Heber* lassung städtischen Geländes links deS WegS nach der Hardt wird genehmigt, vorbehältltch der Bewilligung des hierfür geforderten Preises von 100 X — Dem Gesuch des Bier- brauereibesitzerS Anton Klostermann um pachtweise Ueberlassung eines Stück» städtischen Geländes in der Nähe des Philosophenwaldes zum Zwecke der Herstellung eines EiSteicheS wird stattgegeben und zwar auf die Dauer von 3 Jahren und geg«a Entrichtung einer jährlichen Pacht von 25 X pro Viertel und die Verpflichtung zur Wiederherstellung des betr. Zufuhrweges. — In Betreff der zwischen der Stadt und Herrn Grubendirector Christian Bansa bereits gepflogenen Verhandlungen wege« Erwerbung von Gelände zu Straßenanlagen in der Nordanlage wird mitgetheilt, daß Herr Bansa die geforderte Entschädigung für Niederlegung von Gebäuden, Versetzung einer Mauer re« auf daS seiner Forderung von 7000 X gegenübergestcllte Gebot der Stadt von 4000 X auf 5500 X herabgesetzt und bezüglich Geländeabtretung einen Tauschvertrag vorgeschlagen hat. Es wird dteserhalb beschlossen, an Ort und Stelle vorerst Augenschein zu nehmen. - Einem diesbezüglichen Gesuch entsprechend, wird die AnbUngung einer Gaslaterne am Hause des Herrn Oeconom Heß beschlossen. — Den Weg von der Frankfurter Chaussee nach dem Güterschuppen der Cöln-Mmdener Eisenbahn betreffend, wird auf Grund erhobener Beschwerden und zwischen der Stadt und der früheren Eisenbahngesellschaft bestehender Verträge beschlossen, der Verwaltung genannter Bahn das Ansinnen zu stellen, den Weg in Stand zu erhalten, entgegengesetzten Falles soll gegen die Lahnverwaltung Klage erhoben werden. — Der die Pflasterung der Bahnhofstraße, vom Postgebäude bis zum Bahnhof betreffende Voranschlag bedarf wegen verschiedener Canalisirungsarbetten einer Umarbeitung, womit das Stadtbauamt beauftragt werden soll. — Nachdem in Betreff der Erbauung eines Schlachthauses Seitens Großh. Ministeriums in Bezug auf Lage und Entwässerung Einwendungen nicht erhoben wurden, beschließt die Versammlung Entgegennahme weiterer Vorlagen, nach Besichtigung der Schlachthäuser zu Frankfurt, Marburg und Wiesbaden. — Die beantragte Anschaffung von 9 neuen Schulbänken für eine Knabenklasse der Stadtschule wird genehmigt.
— Die herbstlich und winterliche Zeit — die Zeit der Catarrhe — rückt Hera« und richtet unwillkürlich unsere Aufmerksamkeit auf ein bewährtes Heilmittel gegen dieses lästige Leiden — auf die Emser Pastillen. Daß diese Emser Pastillen und zwar die von den König Wilhelm's Felsenqucllen in den Handel gebrachten und mit einer Bleiplombe versehenen viele Freunde im Reich und im Auslande haben, beweist die von Jahr zu Jahr steigende Versandtziffer.


