Ausgabe 
30.10.1884 Zweites Blatt
 
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unb beste die Versammlung die feste Erwartung, daß alle deutschen Blätter diesem ächt nationalen Unternehmen gern ihre Mithülfe leihen würden. 4) Berathung eines Planes für die Thätigkrit des Coarite's dieser neuen Aufgabe gegenüber. Nach längerer Debatte, an der sich die meisten der Anwesenden betheiligten, wurde beschlosien, daß das Localcomtte ferne frühere Thätigkett durch Sammeln von einmaligen ober jähr­lichen Beiträgen aufnehme, eine Aufforderung zu solchen an unser ganzes deutsches Volk erlasse und dann neben der zur erbittenden weiteren Unterstützung durch unser Land und das Reich, die noch nöthigen Mittel durch eine Silberlotterte aufbrtnge, deren Genehmigung von Setten sämmtltcher deutschen Regierungen bei dem schönen rrweck wohl keinem Zweifel unterliege. Rach einem tnftructioen Gang um und durch die Kirche unter erklärender Leitung des Herrn Pros. Schmidt trennte sich die Ver­sammlung in der festen Zuversicht, daß am 31. Mat 1889, als am 200jährtgen Jahrestage seiner Zerstörung, unser Gotteshaus ein Zeugniß gebe davon, daß deutscher Bürgersinn für das Schöne und Herrliche, deutsche Opferfreudigkeit zu ge­meinsamem nationalen Thun und deutsche Glaubenstreue noch nicht unter uns ver­schwunden ist.

Mainz, 24. October. Ein Bubenstreich, der recht ÜM hätte ablaufcn können, kam gestern vor Eingang deS Tunnels am Reuthor vor. Dort ließ ein Schuljunge tn dem Augenblick, als eine Locomottve unter dem Vtaduct durchfuhr, einen 4 Pfund schweren Stein aus dieselbe herabfallen, so daß er in den Rauchfang fiel. Die Loco- mottvr mußte in Folge dessen stillhalten, bi« der Stein wieder herausgehslt war. Heute Morgen wurde in den Schulen nach dem Thäter geforscht.

Rump en heim, 24. October. Al8 gestern der Schreiner Mönch und dessen Frau autzerbalb des Hauses beschäftigt war, stürzte deren bjährigeS Töchterchen lichter­lob brennend und mit furchtbarem Jammergeschrei auf die Straße. Eine zufällig vorübergehende Frau hatte die Geistesgegenwart, einen in der Nähe stehenden Eimer Wasser über das Kind zu schütten, wodurch das Feuer gelöscht wurde. Die Brandwunden deS armen Kindes sind jedoch so bedeutend, daß ärztliche Hülfe in An, fpruch genommen werdm mußte.

Essen, 23. October D'eFirma Krupp fertigt augenblicklich ein Riesengeschütz an, das nicht weniger als 130 000 Kg. wiegt und zu deffen Transport (nach Italien) zwei Eisenbahnwagen mit je acht Achsen und einer Tragfähigkeit von 75,000 Kg. ge­baut werden sollen.

Elberfeld, 23. October. Reinsdorff und die übrigen 7 wegen des Attentats am Niederwald verhafteten Anarchisten sind, derHamb. Börsenh." zufolge, an den letzten 3 Abenden in aller Stille unter starker Bedeckung nach Leipzig tranSportirt, wo ste nach dem gegenwärtigen nochmaligen Verhör bis zu der demnächstigen Verhand­lung tn Haft bleiben.

Die SanitätSpolizei in Moskau ist jetzt thätig in der Bekämpfung der alt­hergebrachten russischen Schmutzliebe. So hat die Sanitätscommission auch die Küche de« borttoen AdelSclubS inspicirt. Was die Commission dort fand, schildern die Mosk. Wcdom" wie folgt: Die Köche und ihre Handlanger haben keine eigenen Schlaf säume, sondern benutzen dieselben Tische, auf denen die Speisen für die Besucher des Clubs angerichtet werden, als Lagerstätten. Ihre nassen, schmutzigen und übelriechenden Juchtenstiefel trocknen sie tn den Brutschränken des Herdes rc.! Guten Appetit!

Wien, 25. October. Der bekannte hiesige Arzt Dr. Hebentanz, Besitzer der Traubenkuranstalt im Volksgarten, wurde verhaftet wegen betrügerischer HerauSlockung von 150,000 fl., zum Rachtheile deS Glastndustrtellen Lobmayer.

Die neueste Spielerei, die von Leipzig auch wohl bald ihren Weg, gleich dem Cri-Cri unseligen Andenkens, machen wird, erscheint ebenso überflüssig und sinnlos wie dieses, wenn sie auch nicht mit so nervenzerstörendem Geräusch auftritt. Sie präfentirt sich in Form einer mit einer Busennadel geschmückten Herrencravatte. Durch einen Gummischlauch steht der mit einer winzigen Oeffnung versehene Kopf der Nadel mit einem wossergefüllten Ballon, der in der Hosentasche placirt ist, in Verbindung. EM Druck auf diefln und aus der Nadel steigt ein fast unsichtbarer Wasserstrahl, der sich in feinem Sprühregen auf die Umstehenden ergießt. Natürlich ahnt Niemand, woher der plötzliche Regen kommt und der heimtückische Attentäter amüsirt sich königlich mit seiner kindischen Spielerei.

(Guter Trost.) Bauer (auf dem Krankenbett):Du, Katherin', wenn ich sterb', dann heirat' unfern Knecht Martin; der is brav und fleißig und hält Dein Sach' zesamme.^ Frau:Ich hab auch schun dran gedenkt. Awwer sterb nur erst emool, unser Herrgott werd bann schun Alles zum Gute füge!*

Universität- - Chronik.

Der orbentliche Professor Dr. Lubimar Herrmann in Zürich ist zum ordent­lichen Profeffor in der medicinischen Fakultät der Universität Königsberg, sowie der bisherige außerordentliche Professor Dr. Sommer in Greifswald zum ordentlichen Professor tn der medicinischen Fakultät der dortigen Universität ernannt worden.

Von der Centraldirection des archäologischen Instituts in Berlin ergehen an die theologischen und philosophischen Fakultäten deutscher Hochschulen von Neuem Aufforderungen, Bewerbungen um die mit dem Institut verbundenen Rrisestipendien im Betrage von je 3000 JL zu veranlassen. Die Stipendien haben den Zweck, die archäologischen Studien zu beleben und die anschauliche Kenntn'ß des klassischen Alter- thums möglichst zu verbreiten, insbesondere aber auch für archäologische Korrespondenz leitende Kräfte, dem Institut und den vaterländischen Universitäten Lehrer der Archäo­logie heranzubilden. Zur Bewerbung um vier her gedachten Stipendien wird der Nachweis erfordert, daß der Bewerber an einer deutschen Ur. v^sitäi, bezw. an bet Akademie zu Münster die philosophische Doctorwürde erlangt ober die Prüfung pro facultate docendi bestanden und in derselben für den Unterricht in den alten Sprachen tn der obersten Gymnasialklasse die Befähigung nachgewiesen hat und dotz zwischen dem Tage der Promotion oder der abgelegten Prüfung und dem Tage, an welchem das fragliche Stipendium für den Inhaber fällig werden würde, höchstens ein dreijähriger Zwischenraum liegt. Für daS fünfte Stipendium, welches in erster Reihe bestimmt ist, die Erforschung der christlichen Alterthümer der römischen Kaiserzeit zu fördern, wird erfordert, daß der Bewerber den Cmsus der proiestanttschen oder der katholischen Theo­logie absolvirt und das 30. Lebensjahr roch nicht überschritten hat. Die Gesuche um Ertheilung deS Stipendiums sind an den derzeitigen Vorsitzenden der Centraldirection des archäologischen Instituts, Prof. Conze, Berlin, königl. Museum, vor dem Februar eines jeden Jahres einzusenden.

Oesfentliche Zustellung.

Der Rechtsanwalt Ludwig Lauer za Gießen klagt gegen den Simon Noseuberg von Groß-Buseck, jetzt unbekannt wo abwesend, aus Darlehn mit dem Anträge auf Verurtheilung des Beklagten zur Zahlung von 150 Mark Zinsen aus 2000 Mark Kapital vom 14. April 1883 bis 14. October 1884 und vorläufige Vollstreckbarkeitserklärung und ladet den Beklagten zur mündlichen Ver­handlung des Rechtsstreits vor das Großherzogliche Amtsgericht zu Gießen auf

Freitag d. 3. Dezember 1884, Vormittags 9 Uhr.

Zum Zwecke der öffentlichen Zu­stellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht.

Gießen, den 17. October 1884.

Neidhart, Gerichtsschreiber des Grobherzoglichen

Amtsgerichts. 6845

Versteigerung.

Mittwoch den 12. November l. I., Vormittags 10 Uhr, soll das lebende, so­wie tobte Inventar auf dem Hofgute in Staden öffentlich meistbietend versteigert werden:

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2 Faselochfen, ostfriesische und Berner Race,

10 Pferde,

7 Zuchtschweine,

1 Eber,

eine complette große Brennerei neuesten Systems,

eine Grasmähmaschine, Ringelwalze, Ackerwagen, Wirthschaftsgeräthe, Betten ?c-

Es wird hierbei ausdrücklich bemerkt, daß die herrschaftlichen Wagen, Schlitten und Geschirre rc. mitversteigert werden.

Staden- Die Freiherrlich v. S t e i n'sche 7053 Gutsverwaltung.

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