Ausgabe 
30.3.1884 Erstes Blatt
 
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Das von der höheren Töchterschule ausgegebene Programm, bas uns auf Privatem Wege zugegangen ist, enthalt eine Abhandlung dcsLehrers Herrn vr. Molly: «Sind regelmäßige Körpermessungen in den Schulen nothwendig?" und eine Zu­sammenstellung der im Geschichtsunterricht in jeder Klasse zu lernenden Zahlen. Die Frequenz betrug am Schluß des Schuljahres 549 Schülerinnen. Hiervon besuchten die höhere Mädchenschule 197, die Vorschule 204 und die erweiterte Mädchen- Ichule 148. Der Unterricht wurde von 18 Lehrern und 6 Lehrerinnen ertheilt.

Die unter derselben Aussicht stehenden Stadtschulen wiesen folgenden Bestand aus: Knabenschule 619 (in 8 Klassen), Mädchenschule 706 (in 8 Klassen) und Fortbildungsschule 197 Schüler in 8 Abtheilungen.

Gießen, 28. Mär,. (Theater) »Der Bettelstudent' sttzt in der Gunst de? hiesigen Publikums fest, davon gab die letzte Aufführung der Operette, welche vor völlig auSverkauftem Hause stattfand, genügendes Zeugnitz. Mtüöcker's frische, thetl- weise piquavten Melodien, welche stark den Charakter modernster französischer Musik tragen, erfreuen sich gegenwärtig einer Sympathie, wie man sie bisher xur den Stücken Osfenbach'S, des genialen Gründers der Operette, entgegengebracht hat.

Ueber die einzelnen Leistungen und das Ensemble können wir heute nur daS be­stätigen, was wir schon bei früheren Gelegenheiten aussagten.

Frl. Sophie König fesselte als Träger der Titelrolle wie sonst durch Humor unb Leben. Den Oberst Ollendorf fang uns Herr Schreiner zu Dank. Die localen harmlosen Anspielungen, mit welchen er seine Couplets würzte, fielen aus fruchtbaren Boden. Den Beneficianten lohnte ein Lorbeerkran, und reicher Applaus. Frl. Hoff­mann beherrschte im gesanglicher und schauspielerischer Hinsicht die Partie der Bronis» lawa, welche einen echt polnischen Charakter, wenn schon nicht ohne leichte Garricatur wie dies das musikalische Lustspiel, alias Operette, mit sich bringt zur Schau tragen soll. Die Couplets der Damen (3. Act) wurden 5 Mal da capo verlangt. Orchester und Chor wirkten den Verhältnissen angemessen.

Die Passionsmusik von Heinrich Schütz.

Der ev. Kirchengesangverein beabsichtigt demnächst die Passionsmusik von Hein­rich Schütz zur Aufführung zu bringen. Es sei uns in Bezug hierauf vergönnt, an dieser Stelle auf das aufzuführende Werk und die Bedeutung seines Componisten mit wenigen Worten hinzuweisen.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts entstand, von Italien ausgehend, in der musi­kalischen Welt eine reformatorische Bewegung. Gegenüber der künstlichen Contra- punktik, die einen unmittelbaren Gefühlsausdruck nicht auskommen lassen konnte, strebte man darnach, für jede Gemütsbewegung auch den treffendsten musikalischen Ausdruck zu finden und so eine gewisse Einheit des Tones und Wortes zu erreichen. Das Recitativ, die Arie, die Oper und das Oratorium verdanken dieser Bewegung ihre Entstehung und Ausbildung. Einer der ersten, die jene Richtung nach Deutschland verpflanzten, war der Director der kurfürstlich sächsischen Kapelle in Dresden, Hein­rich Schütz (15851672). Er suchte das Altbewährte mit dem Neuen zu verbinden und gerade mittelst contrapunktischer Stimmverflechtung dem einzelnen Wort die ihm zilkommende Kraft zu geben. Heinrich Schütz war eine durch und durch musikalisch angelegte Natur. Als 13 jähriger Knabe kam er seiner schönen Stimme wegen in die Hofkapelle des Landgrafen Moritz von Hessen-Cassel, studirte spater in Marburg, wurde dann von seinem künstlerisch gebildeten Landgrafen nach Italien gesandt, wo er bei dem berühmten Meister Johannes Gabrieli in Venedig sich ausbildete; später wurde er zur kurfürstlichen Kapelle nach Dresden als Directorverliehen", unternahm noch Reisen nach Dänemark, Italien und durch Deutschland und blieb dann ständig Director der Dresdener Hofkapelle bis zu seinem Tode. Eine Reihe werthvoller Hauptwerke im Sinne jener Richtung waren das Resultat seiner Studien und seines Talentes, so z. B. die symphoniae sacrae, dieSieben Worte" und seine Chöre zu den 4 Passionen. Durchgreifende Geltendmachung der Form des Einzelgesangs, des geistlichen Concerts, der selbständigen Instrumentalbegleitung, besonders aber die heutige Form des Oratoriums sind auf seine Einwirkung zurückzuführen. Der Händel - Biographe Chrysander sagt darum über ihn:Schütz wirkte für die deutsche Musik wie ein Heiliger für die Kirche, doppelt verdienstlich, da es in dem schrecklichen dreißigjährigen Kriege geschah. Er züaelte den eigenen Geist, daß er nicht unstät wurde, noch verzagte, erschöpfte die Kunst und verkündigte sie in erhabenen Werken, die der Unsterblichkeit geweiht sind, obgleich man sie heutzutage fast vergessen hat; saß in der Heimath fest, so lange es die Umstände gestatteten, dachte aber auch in der Fremde immer zunächst an das Vaterland und die heimischen Kunstgenossen: ein fester, großer Mann, der sicher stand, als alles wankte und durch 60 Jahre!" Sein Ruhm war der eines Kunst- Heros, auf den seine Kunstgenossen mit dem Ehrgeize blickten, seine Nachfolger zu werden. So ward in Deutschland durch Schützder Tonkunst in aller Stille ein fester Grund gelegt, auf dem viele geschäftige Hände weiter bauten und Alles soweit bereiteten, daß Händel und Bach die Vollendung bringen konnten. Heinrich Schütz ist der Vater der deutschen Musik!"

Dem Musikkenner wird es darum von nicht geringem Interesse sein, und dem Freunde kirchlicher Musik wird es eine besondere Freude bereiten, die Art der Musik kennen zu lernen, in der der Vorläufer Bach's im 17. Jahrhundert biblische Er­zählungen, vor Allem die Leidensgeschichte Christi dargestellt hat. Darum hat auch die Aufführung der Schütz'schen Passions musik in Leipzig, wo sie fast jährlich durch den Rieoelschen Verein wiederholt wird, stets das regste Interesse hervorgerusen. Der hiesige ev. Kirchengesangverein hat nun seine Kraft und nicht unbedeutende Opfer darangesetzt, um dieses Werr, über das speciell wir in nächster stummer berichten werden, der Gemeinde demnächst vorführen zu können-

Vermischte-.

Gießen, 27. März. Die Oberhesstschen Bahnen haben unter dem von Preußen durchgeführten Ausschluß von Transitverkehr fortwährend schwer zu leiden und erklärt dieses Verhältniß, daß im Rechnungsjahr 1882/83 diese Bahnen, für die Hessen einen Betrag von beiläufig 39 Mill. auszuwenden hatte, nur einen Reinertrag von 81.236 X geliefert. ES betrugen nämlich die Einnahmen 909,986 X. die Ausgaben trotz der durchgeführten wyhrhaft peinlichen Sparsamkeit 828,750 X. Der Personen­verkehr erbrachte 406,566 X und hatte die bedeutendste Frequenz naturgemäß die hiesige Station mit 231,286 Personen aufzuweisen, ihr folgt Alsfeld mit 55,712 und Nidda mit 52,078 Personen. Im Güterverkehr stehen wteder die Eisensteine mit 42,573 Tonnen obenan, bann folgt Bau-, Nutz- und Werkholz mit 28.981 Tonnen und erst in dritter Linie Steinkohlen und CoakS mit 22,165 Tonnen. So wenig befriedigend die Betrtebsergebniffe auch sind, so steht doch mit Zuversicht zu erwarten, daß die nunmehr gesicherte Erbauung einer Anzahl Secundärbahnen dem Verkehr einen mächtigen und nachhaltigen Aufschwung verleihen wird. (N. H. V)

Im Jahre 1883 kamen im Großherzogthum Hessen 217 Selbstmorde vor, während die Zahl der durch Verunglückung Getödteten 303 betrug. Durch Mord und Körperverletzung verloren 10 Personen das Leben, wovon auf die Provinz Starkenburg allein 6 entfallen.

Garrdel und Derksbe.

Gießen, den 29. März. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.051.08, Hühnereier 2 Stück 900 H, Enteneier per Stück 56 Gänse­eier per Stck. 1000 H, Käse Stck. 59 Käsematte 3 H, Erbsen per Liter 20 Linsen 30 H, Tauben per Paar 851,00 H, Hühner per Stück X 0-901.20, Halmen pr. Stück X 1.001.50, Enten per Stück X 2.002.50, Ochsenfleisch per Pfund 6600 H, Kuh- und Rindfleisch 4856 H, Kalbfleisch 4550 Schweinefleisch 5860 H, Hammelfleisch 6070 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 3.004.00, Milch per Liter 1318 H, Gänse per Pfd. $ 0000, Zwiebeln per Ctr. X 1820, Weiß­kraut per Hundert X 00. .11----'---!. ' J.?1... . . ,.11IJI____JMlgl-' J

731) Ueber die Hfthe der Kosten, wilche die Einrückung einer Anzeige in eu:y oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von SäAA in

Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, dio auch hinsichta der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlieher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Auszug aus den Standesamtsregisteru des Staudesamls Gießen

Aufgebote.

März: 25 Kaufmann Feis Ellmger zu Gießen mit Henriette Katz, Tochter des Handelsmanns Meyer Katz II. zu Laubach. 25. Kürschner Johann Philipp Schlotthauer zu Gießen mit Ellsabetha Fritz, Tochter des Leinwebers Peter Fritz zu Homburg v. d. H. 25. Cigarrenmacher Karl Balser zu DurkbardSfelden mit Margarets Pfeffer, Tochter des verstorbenen Landwtrths Eberhard Pfeffer von Annerod. 27. Schauspieler LomS Friedrich Hugo Heygster mit Minna Eweline Hedwig Kniffe, Tochter des Mustklehrers Johann Daniel Kniffe zu Gießen. 28. Der Sergeant im II. Großh. Hessischen Infanterie- Regiment (Großherzog) Nr. 116 Johannes Gontrum mit Katharine Neuberger, Tochter des Bahnwärters Peter Neuberger zu Gießen.

Eheschließungen.

März: 22 Spengler Georg Stoffer mit Johannette Henriette Spengler, Tochter des verstorbenen Schneidermeisters Andreas Spengler zu Gießen. 23. Schneidermeister Wernhard Martin Georg Karl Brück mit Wilhelmine Phtlipptue Henriette Buch, Tochter des verstorbenen Lehrers Johannes Buch zu Gießen.

Geborene. e

März: 16. Ein Sohn von auswärts, Jacob. 17. Dem Kutscher Heinrich Hardt eine Tochter, Margaretha. 17. Ein Sohn von auswärts, Wilhelm. 18. Dem Dreher Johannes Rohrbach ein Sohn. 18. Eine Tochter von auswärts, Bertha Pauline. 19. Dem Kutscher Heinrich Hofmann ein Sohn, August. 20. Dem Post-Assistenten Christian Christoph Löwer ein Sohn, Otto Karl Heinrich. 21. Dem Glasermetster Georg Luh ein Sohn, Georg. 21. Dem Schuhmachermeister Friedrich Löber eine Tochter, Margarethe Marie Karoline. 21. Dem Gastwtrth Louis Hormann ein Sohn, Karl Gustav Wilhelm. 22. Eine Tochter von auswärts. 22. Dem Schuhmacher Heinrich Strack ein Sohn, Karl Heinrich. 22. Dem Reallehrer Christian Albach ein Sohn, Wilhelm Philipp Konrad Christian. 23. Eine Tochter von auswärts. 27. Dem Arbeiter Gottfried Henze eine Tochter. 27. Eine Tochter von auswärts, Louise.

Gestorbene.

März: 22. Kaufmann Konrad Arnold. 24 Jahre alt, Sohn deS GastwirthS Georg Arnold. 22. Phillppine Senßselder, geb. Petri, 77 Jabre alt. Wtttwe des CorpSdienerS Johann Balthaser Senßselder. 23. Anna Leo, 24 Jahre alt, Tochter deS Uhrmachers Christian Leo. 25. Heinrich Stehr, Actuar in Pension, 82 Jahre all. 25. Johannes Julito Wilhelm, 1 Monat alt, von auswärts. 25. Taglöhner Heinrich Fink, 32 Jahre alt. von Babenhausen, Kreis Schotten. 25. Flaschenbierbändler Emil Christian Noll HL, 34 Jahre alt. 26. Wilhelm, 1 Jahr alt, Sohn deS GastwirthS Johann Georg Jang. 27. Karoline Steiper, geb. Schmidt. 38 Jahre alt, Wlttwe des Schuhmachers August Steiper von Ossenheim, Kreis Friedberg.

Auszug aus dm Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 22. März. Georg Stoffer, Spenglermeister und Johannette Henriette Spengler, Tochter des verstorbenen Schneiders Andreas Spengler zu Gießen.

Den 23. März. Wernhard Martin Georg Karl Brück, Schneidermeister, du Wittwer und Wilhelmine Philippine Henriette Buch, Tochter des verstorbenen Lehrers Johannes Buch von Stadecken.

Getaufte.

Den 22. März. Dem Fabrikanten Adolf Busch eine Tochter, Elisabeth Luise Anna Marte Margot Ellen, geboren den 13. Februar.

Den 23. März. Dem Kaufmann Wilhelm Schuchard ein Sohn, Georg, geboren den 1. März.

Denselben. Dem Metalldreher Georg Kreiling eine Tochter, Luise, geboren ben 8. Februar.

Denselben. Dem Oeconom Georg Ockel ein Sohn, Georg Martin, geborm dm 12. Februar.

Denselben. Dem Schuhmacher Heinrich Krug eine Tochter, Katharine Wilhelmine Ida Johanna Karoline Elisabeth, geboren den 24. Februar.

Denselben. Dem Metzger Adam Dietz ein Sohn, Karl Adolf, geb. den 1. März.

Denselben. Dem Kapellmeister Alfred Searle ein Sohn, Victor Richard Wiby, geboren den 8. März.

Den 24. März. Dem Apothekenbesitzer Theodor Lommel eine Tochter, Anna Käthe, geboren den 1. März.

Beerdigte.

Den 23. März. Marie Pfaff, ledige Tochter des verstorbenen Schuhmacher Meisters Philipp Cbrtstiau Pfaff, alt 25 Jahre, starb den 21. März.

Denselben. Johannes Hoffmann, Landbrtefdote zu Grünberg, alt 37 Jabre, fieü den 20. März.

Den 24. März. Conrad Arnold, Kaufmann, alt 24 Jahre, starb den 22. Märt

Den 25 März. Anna Johannette Leo, ledige Tochter des Uhrmachers Christiar Leo, alt 24 Jahre, starb den 23. März.

Denselben. Philippine Sensfelder, geb. Petri. Wtttwe des CorpSdienerS Jobam. Balthasar Sensfelder, alt 76 Jahre,'starb den 22. März.

Den 27. März. Christian Noll, Wirth, alt 34 Jahre, starb den 25. März.

Denselben. Heinrich Stehr, Actuar t. P., alt 82 Jahre, starb den 25. März.

Berichtigung.

In der gestrigen Nummer muß es in dem Schreiben Sr. Majestät deS Kaiser! auf die Geburtstags-Glückwunschadresse des Berliner Magistrats heißen:In diesc göttlichen Gnade" (nicht Lage).

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