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die Vertagung des Hauses erfolgt dem Vernehmen nach gegen Ende der nächsten Woche.

In Heidelberg hat am vorigen Sonntag eine Versamm­lung von Mitgliedern der liberalen Landesparteien Süddeutschlands stattge­funden, in welcher die Stellungnahme der süddeutschen Liberalen zu den wichtigsten Tagessragen der innern deutschen Politik erörtert wurde. Die gefaßten Beschlüsse sind meist in gemäßigt-liberalem Sinne gehalten und docu- mentiren in den wichtigsten Fragen die Zustimmung der süddeutschen Liberalen zu der Politik der Reichsregierung. Eine Verschmelzung mit andern Parteien erachtete die Versammlung zur Zeit für inopportun und werden demnach die gemäßigt-liberalen Parteien Süddeutschlands auch der deutsch-freisinnigen Partei gegenüber eine unabhängige Stellung einnehmen.

Im österreichischen Abgeordnetenhause bietet die Special­debatte über das Budget, mit welcher sich das Haus seit beinahe zwei Wochen beschäftigt, das Bild einer rhetorischen Steeple-Chase dar. Die einzelnen Posi­tionen werden von der Majorität wie im Sturmlauf durchgenommen, ohne daß sich doch das Ende der Debatte mit Bestimmtheit voraussagen läßt. Viel Interessantes ist indessen trotz der sich von Tag zu Tag forthaspelnden Debatte nicht herausgekommen und bot in dieser Beziehung die General-Discussion über das Budget viel anregenoere Momente dar. Interessanter ist ein Einblick in das Treiben der österreichischen Socialisten und Anarchisten. Es ist erwiesen, daß dieselben mit gemeinen Verbrechern in Verbindung stehen, denn dem ver­hafteten Kammerer ist die Theilnahme am Eisert'schen Raubmord nachgewiesen And aus Pesth wird jetzt die Verhaftung des früheren Buchhalters Fried, eines der gefährlichsten Agitatoren der Pesther Anarchisten, gemeldet, da gegen ihn der dringende Verdacht vorliegt, ebenfalls bei der erwähnten Affaire bctheiligt gewesen zu sein.

Die französische Colonialpolitik wird nach dem vorläufigen glücklichen Ende der Tongking-Expedition eine weitere Ausdehnun/er erfahren. Die Madagaskar-Angelegenheit soll nunmehr mit aller Energie artz^nommen werden. In der Sitzung der Deputirtenkammer vom Montag waren "alle Red- uer ohne Unterschied der Parteien darin einig, daß dieunbestreitbaren" Rechte Frankreichs in Madagaskar energisch gewahrt werden müßten und zur Unterstützung dieser Rechte soll ein Theil der in Tongking verwendeten Truppen demnächst nach Madagaskar abgehen. Bestimmte Pläne in dieser Beziehung scheint indessen die französische Regierung noch nicht gefaßt zu haben. Die Rechte der Deputirtenkammer hat in Folge des Kammer-Votums, wonach die wichtige Budget-Commission nicht im Plenum, sondern in den Abtheilungen zu -ernennen ist, beschlossen, sich an den bezüglichen Wahlen nicht zu betheiligen und werden die Monarchisten demnach in der Commission gar nicht vertreten sein.

Dem Jubel der englischen Blätter über die Erfolge General Graham's haben die aus dem West-Sudan über General Gordon einlaufenden bedenklichen Nachrichten einen raschen Dämpfer aufgesetzt. Diese Nachrichten lassen über das Scheitern der Friedens-Mission ©orbond keinen Zweisel mehr zu; General Gordon ist in Khartum nebst den dort befindlichen egyptischen Truppen von den Aufständischen vollständig eingeschlosseu und in Anbetracht der bisherigen barbarischen Kriegsführung im Sudan kann man nur mit Schaudern an das Loos denken, welches den Belagerten zu Theil werden würde, falls die Stadt in die Hände des Mahdi fiele. Nur von Osten her, vom -General Graham, kann Gordon Rettung werden und es wird denn auch ge­meldet, daß das Corps Graham's mit zahlreichen Mannschaften der befreundeten Stämme Suakim am Dienstag in der Richtung auf Tamanieb verlassen hat. Es ist dies jedenfalls als ein Versuch Graham's zu betrachten, Khartum über Berber nordöstlich von Khartum am Nil gelegen zu entsetzen. Da der Weg von Suakim nach Berber größtentheils durch Wüsteneien führt, so wird der Marsch Graham's auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen, vorausgesetzt natür­lich, daß Graham wirklich Khartum zu entietzen beabsichtigt. Von General Gor­don selbst fehlt seit dem 15. d. Mts. jede Nachricht. Dem französischen General- consul in Kairo zugegangene Meldungen vom 20. d. Mts. bestätigen, daß Khartum fast vollständig von den Aufständischen eingeschlossen ist und daß auf beiden Seiten des Nil südlich von Shendy sich große Haufen Aufständischer befinden.

Durch das Entgegenkommen der spanischen Regierung ist Deutsch­land ein, wenn auch nur winziger, Anfang eines Colonialbesitzes ermöglicht worden. Die spanische Regierung hat der deutschen Regierung, einer Meldung berAgence Havas" aus Madrid zufolge, die Anlegung einer Proviant- und Äohlenstation für die deutschen Kriegsschiffe in der Bai von St. Isabella auf Fernando-Po gestattet. (Fernando-Po ift eine an ber Westküste von Afrika gelegene und den Spaniern gehörige Insel. Sie bildet ein 43 Kilom. langes And 27 Kilom. breites Viereck, ist äußerst fruchtbar und ein höchst wichtiger Stationsort für die westafrikanischen Dampfer und für die zahlreichen Handels­schiffe an den Niger-Mündungen. Die Zahl der Eingeborenen wird auf circa 20,000 Köpfe geschätzt)._____________________________________

Rußland.

Petersburg, 23. März. Der Kaiser empfing gestern den aus Wien eingetroffenen Botschafter Fürsten Lobanow, sowie den Generaladjutanten v. Nosen- bach. Fürst Dondukoff-Korsakoff ist nach Tiflis abgereist. DasJournal de St. Pätersbourg" reproducirt die Meldung kaukasischer Blätter, wonach Transkaspien in ein besonderes General-Gouvernement umgewandelt werden müsse, das den Hauptzweck hätte, die Beziehungen mit Khiwa zu unterhalten. Das Amudarjagebiet würde bis zu den Sprdarja-Sandwüsten in dieses General- Gouvernement einbezogen werden.

Aegypten.

Kairo, 26. März. Aus Suakim vom heutigen Tage wird gemeldet: Die Truvpen werden die Nacht im Lager, 8 Meilen von Suakim, bleiben und sollen morgen den Vormarsch gegen den Feind beginnen. Die Kavallerie machte heute eine Recognoscirung bis auf eine Entfernung von 7 Meilen vom Lager aus und stieß auf feindliche Abtheilungen, welche das Feuer eröffneten und ein Vftrd ber Recognoscirungs-Abtheilung tödteten; letztere erroieberte das Feuer, die Aufständischen verloren mehrere Tobte. Nachdem das Gewehrfeuer etwa 2 Stunden gedauert hatte, zog sich der Feind, über dessen Stärke nichts bekannt ift, zurück.

Amerika.

New-Uork, 26. März. Depeschen aus Luisiana melden, daß die

Hülfe ^des Staats für die von der Überschwemmung im Thale des Mississippi Betroffenen nothwendig sei, damit sie nicht Hungers sterben.

Washington, 26. März. Der Senat hat die Ernennung Sargent's zum Vertreter der Vereinigten Staaten in Petersburg bestätigt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» telrgr. Eorrrsponverrz^Srrrea«.

Berlin, 27 März. Dem hiesigen Magistrat ist auf die an Ee. Maj. den Kaiser aus Anlaß AUerhöchstdrsien Geburtstags gerichtete Glückwunsch - Adresse das folgende Schreiben zugegangen:

In der Adresse, mit welcher Mich der Magistrat zu Meinem Geburtstage erfreut hat, gibt sich wiederum eine so warme und innige Theilnahme kund, daß Ich von diesen Gefühlen der Treue und Anhänglichkeit tief gerührt bin. Die Glückwünsche, welche Mir bet diesem Anlaß dargebracht worden sind, haben Mich daher sehr wohlthuend au- gesprochen. Indem Ich dem Magistrat Meinen aufrichtigen Dank dafür sage, erfüllt Mich insbesondere die Erinnerung an die bedeutsamen Ereignisse deS verflossenen Jahres mit hoher Genugthuung. Ich preise vor Allem des Allmächtigen Güte, daß es Mir vergönnt gewesen ist, die Schwelle Meines neuen Lebensjahres mit einer Rüstigkeit und Frische zu überschreiten, wie sie In solchem Alter nur Wenigen beschieden ist. In dieser göill'chen Lage, welche Ich in so reichem Maße erfahre, finde Ich um so mehr den Muth, den Pflichten Meines fürstlichen Berufs unentwegt und mit festem Willen gerecht zu werden, als Ich aller Orten, wohin Ich nur den Fuß fetze, der Liebe Meines Volkes begegne. Sie ist es, welche Mich nicht nur in der Erfüllung Meiner ernsten Aufgabe stärkt und festigt, sondern Mir auch die gesegnete Freudigkeit des Schaffens und Wirkens erhält- Sind nun auch Meine Bemühungen dem Wohle der ganzen Nation gewidmet, so nehme Ich doch an der fortschreitenden Entwicklung Meiner voupt- und Residenzstadt besonderen Antheil und Ich weroe Mich freuen, wenn das unverkenn­bare Streben der städtischen Verwaltung die Einrichtungen der großen Stadt mit ihrer unaufhalisam wachsenden Ausdehnung und Bedeutung in Einklang zu setzen, stets von glücklichem Erfolge begleitet ist.

Berlin, den 26. März 1884.

gez. Wilhelm.

$8erlitt, 27. März Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner heutigen S tzung bei der zweiten Lesung der Jagdordnung die SS 2242, welche nach den Commissions­vorschlägen angenommen wurden. In gleicher Weise wurde auch der 8 42», durch welchen an Sonn- und Festtagen alles Hetz- und Tretbjagen, sowie während des Gottesdienst's eine jede Jagdausübung untersagt wird, angenommen.

DaS Herrenhaus nahm die LandgÜterordnung für die Provinz Schlesien nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses an, genehmigte einige kleinere Vorlagen und erledigte eine Reihe von Petitionen nach den Commissionsanträgen.

Der Reichstag genehmigte die Marinevorlage bet der zweiten Lesung debatte­los. Der die Prisengerichtsbarkeit betreffende Gesetzentwurf wurde in erster und zweiter Lesung angenommen und ebenso gelangte die Literatur-Convention mit Belgien ohne Debalte zur Annahme. Die nächste Sitzung ist auf morgen anberaumt.

DerReichs - Anzeiger" macht bekannt, daß durch Beschluß des StaatS- mintsteriums für den Umfang des Sprengeld des ErzbisthumS Köln die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen von Neujahr 1884 ab angeordnet ist.

Wie dieNeue Preußische Zeitung" mitihetlt, werden die Deutsch - Conser- vativen dem Reichstag eine Resolution vorschlagen, durch welche der Bundesrath zur daldmöglichsten Vorlegung eines Börsengesetzes und eines wirksamen Börsensteuergesetzes aufgeforbert wird.

München, 27. März. Die Kammer der Abgeordneten genehmigte mit 131 gegen 2 Stimmen ben Neubau einer Kaserne für ein Infanterie-Ba­taillon in München. Den Nachweisungen des Kriegsministeriums würbe bie Genehmigung ertheilt und ebenso wurde auch der Gesetzentwurf, betr. ben außerorbentlichen Crebit für bie Kriegskosten von 1870/71 angenommen. Bei den Nachweisungen entspann sich eine längere Debatte über die Cadetten-Corps. Der Abg. Crämer bedauerte bas fortwährende Hineinziehen ber Consessions- Verhältnisse ; bie Protestanten seien im Laube nicht lediglich geduldet. Der Kriegsminister erklärte, baß die bayerische Geschichte in dem Cadetten-Corps, wie in ben Gymnasien im Anschluß an bie brutsche Geschichte gelehrt werbe. Die Angriffe der Preffe seien schmachvoll; man bcrathe die Nothwenbigkeit von Ausnahmegesetzen gegen die Socialisten, vielleicht seien aber Gesetze gegen bas Preß-Banditeuthum nicht minder nothwendig. Der Cultusmimster Lutz be­stätigte bie Erklärungen des Kriegsministers. Die Prüfungs-Commission sei angewiesen, bei ber Absolutorial-Prüfung eingehend den Stand ber bayerischen Geschichte zu prüfen, und er, der 'Cultusmimster, erstatte unter Zusammen­stellung der dabei gefunbcnen Ergebnisse dein König alljährlich Bericht.

Paris, 27. März. Die türkische Botschaft bementirt formell bie beun­ruhigenden Gerüchte über ben Gesunbheitszustand bes Sultans.

Der Ministerrath hat die Ernennung General Saussier'L zum Militär- Commandanten von Paris, des Generals Davoust zum Commanbanteu des Armee-Corps in Algier und des Generals Billot zum Commandanten des Armee- Corps in Lille bestätigt.

London, 27. März. Eine Depesche Graham's an das Kriegsmini­sterium aus Heriba bei Tamanieb von heute früh 5 Uhr meldet: Heute früh um. 3 '/z Uhr formirten sich die Truppen zum Vormarsch auf Tamanieb, die Kavallerie bildet die Spitze, die Infanterie ist in zwei Carröes formirt, zwischen beiden Carräs befindet sich bie Artillerie.

Unterhaus. Hartington verlas eine Depesche, welche bestätigt, baß die Araber in die Flucht geschlagen und zerstreut seien und die Engländer keine Verluste hätten. Das Haus fuhr sodann in ber zweiten Lesung ber Reformbill fort.

Nom, 27. März. In dem heutigen Consistorium verlieh der Papst dem Erzbischof von Neapel bie Kardinals-Insignien, präconisirte verschiedene Bischöfe, namentlich Frankreichs und Spaniens. Eme Allocution wurde vom Papste nicht abgehalten. Die im Consistorium am vorigen Diontag abgehaltene Allocution war ausschließlich dem Lobe der beiden neuernanuten Karbinäle gewidmet.

Kairo, 27. März. Die telegraphische Verbindung zwischen Shendy und Berber ist wieder hergestellt, das Gebiet jenseits Shendys befindet sich indessen noch tn den Händen der Aufständischen.

Eine Depesche des Admirals Hewett meldet, die englischen Truppen seien heute Morgen über Tamanieb hinaus vorgerückt, bis sie den Feind tn Sicht gehabt hätten, letzterer sei aber sofort, nachdem die englischen Truppen das Feuer eröffnet hätten, in die Berge geflohen. Die englischen Truppen hätten keinerlei Verluste gehabt, er Balte den Feldrua für beendet.

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Gießen, 28. März. Entgegen dem vielfach verbreiteten »Gerücht, daß der des Mordes an den Eheleuten Wolf zu Nordeck verdächtige Schmied Hedderich von Roßbach sich wieder auf freiem Fuße befände, wird uns die Mitthellung, daß dieses Gerücht allen Grundes entbehre, im Gegentheile die Jndtcten sich gegen denselben so gehaust hätten, daß an der Schuld nicht zu zweifeln sei.

Vermischte».

Darmstadt, 26. März. lMilitärdienstnachrtchtens o. Mülmann, Sccond- Ueutenant vom 5. Bad. Jrff.-Rgt. Nr. 113, tn daS 1. Großh. Inf - (Leibgarde-) Rgt- Nr. 115, Becker, Secondlieutenant vom 2. Großh- Jnf--Rgt. (Großherzog) Nr- 116,

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