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Misere Souoeränetät und die Unabhängigkeit unseres Königreichs anerkannt haben in der Überzeugung, daß diese niemals Macht vor Recht gehen lassen werden.

AlS dann der Exkönig am 12. Zunt 1878 tu Paris gestorben war, richtete sein halsstarriger Sohn Ernst August, dem Rathschlage seiner weifisch-ultramontanen Rath­geber entsprechend, am 11. Juli 1878 von Gmunden auS an Kaiser Wilhelm und die andern Regierungen einen Pro est, in dem er den Tod seines Vater«, des Königs von Hannover, anzeigte und dann erklärte:

3n Folge dieses Todesfalles sind alle Rechte, Prärogative und Titel, welche dem König, meinem 93ater, überhaupt und insbesondere in Beziehung auf das Königreich Hannover, zustanden, Kraft der in meinem Hause bestehenden Erbfolgeordnung auf mich üdergegangen. Alle diese Rechte, Prärogative und Titel halte ich ganz und voll aufrecht.

So nahm damals der Prinz auch noch ausdrücklich den Fehdehandschuh gegen Preußen wieder auf und seitdem ist nichts geschehen, was diesen Zustand beseitigt hätte. DaS aber sollte doch Dr. Wmdihorst, der vor sechs Jahren rote heute in Gmunden olS Rathgeber weilte, feinem jungen Freunde klar machen köonen, daß ein Kriegs­zustand nicht durch eine einseitige Erklärung des einen Gegners, sondern nur durch einen -weiietttgen FrtedenSoertrag beseitigt werden kann und daß ein offener KriegS- fetnd des Königs von Preußen, so lange der Kriegszustand besteht, niemals Herrscher k neS deutschen Landes und Mitglied des deutschen BundesrathS zu werden vermag. Der Herzog von Cumberland hat jetzt die Saat zu ernten, die sein Vater und die er selbst, Dank der verderblichen Rathschläge deS Welfen Wmdthorst, gegen daS König­reich Preußen und damit gegen da« deutsche Reich ausgesät hat. Diesen Rathschlägen hat er eS auch zuzuschretben, daß die Welt dem neuen Patente keinen weiteren Werth deimessen wird alS den, den eS für Sammler von Raritäten besitzt, ein bedeutungsloses Papier, von dem schon nach wenigen Wochen nur Diejenigen reden werden, die eS ver­saßt und geschrieben haben. (Köln. Ztg.)

Berlin, 25. October. DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Wortlaut des Patents dkS Herzog« von Cumberland vom 18. d. M. und druckt zur Vergleichung auch den Wortlaut des Schreibens ab, wodurch der Herzog von Cumberland im Jahre 1878 den Tod seines VaterS dem Kaiser mitthetlt und worin eS heißt: In Folge dieses mich und mein Haus tief erschütternden Todesfalles sind alle Rechte, Prärogat've und Titel, welche dem Könige, meinem Vater, insbesondere in Bez'ehung auf do« Königreich Hannover zustanden, Kraft der in meinem Hause bestehenden Erb­folgeordnung auf mich übergegangen. Alle diese Rechte, Prärogative und Titel halte ich voll und ganz aufrecht. Da jedoch der Ausübung derselben in Beziehung auf daS Königre'ch Hannover thatsächliche, für mich selbstverständlich nicht rechtsverbindliche Hindernisse entgegenstehen, so habe ich beschlossen, für die Dauer der Hindernisse den TitelHerzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg mit dem Prädikat Königliche Hoheit" zu führen. Indem ich auch hiervon M'ttheilung mache, wird eS einer besonderen Erwähnung nicht bedürfen, daß meine und meine« in voller Selbst­ständigkeit verharrenden Hause« Gesammtrechte durch den zeitweiligen Nichtgebrauch der dieselben bezeichnenden Titel und Würden in keiner Weise aufgehoben oder ein­geschränkt werden können.

Braunschweig, 25. October. Von fürstlichen Personen sind heute früh ein­getroffen: Der Großherzog von Heffen und Prim» Heinrich von Heffen, der Erb- großherzog von Baden und der Prinz Wilhelm von Schaumburg-Lippe; Mittag« wird Se. König!. Hoheit der Prinz Albrecht erwartet.

Zur Einleitung der Leichenfeier wurden heute Vormittag von 10 bis 11 Uhr die Klocken de« Dom« und sämmtlicher Kirchen der Stadt geläutet. Tausende von Personen durchwogen die Straßen, namentlich in der Nähe der Residenz. Der Zufluß von auswärts Kommenden ist überaus groß.

Braunschweig, 25. October. Die BetsetzungSfeier wurde durch eine Trauer- paradr auf Dem Schloßplatze eingeleitet, an welcher das herzogliche Husarenregiment, eine Compagnie de« Braunschweigischen Infanterieregiment« Nr. 92 au« Metz, die Braunschweigische Batterie au« Wolfenbüttel und das 4. Magdeburgtsche Infanterie- Regiment Nr. 67 theilnahmen. Nachdem sich das Trauergefolge versammelt hatte, be- gab-n sich die fremden Fürstkichkeiten au« der Bel. Etage des Schlosses nach dem Gattensolon, wo die Leiche de« Herzogs aufgestellt war. Der Sarg wurde durch die dazu bestimmten Hofchargen unter Assistenz von 18 Unterofficieren aufgehoben und auf den Leichenwagen gestellt. Darauf setzte sich der Zug um 2 Uhr unter dem Geläute sämwtlich r Glocken nach dem Dome in Bewegung. Voran marschirten die Trupv?n der Trouerparade, sodann folgten in verschiedenen Abtheilungen die Beamten der nerroaltung. Hieran schlossen sich höhere Regierungsbeamte, welche die Krone und da« Scepter, sowie den HauSorden Heinrich des Löwen auf florumhüllten Kiffen trugen. Der Leichenwagen wurde von 8 schwarzbehangenen Pferden gezogen, der Sarg stand unter Palmen und war mit einem schwarzsammtnen, durch Silberbesatz geschmückien Leichentuche bedeckt, besten in silbernen Quasten bestehende Zipfel von Hofchargen ge­tragen wurden. Hinter dem Sarge schritten die hier anwesenden Fürstlichkeiten, sodann die Vertreter der fremden Höfe, die Mitglieder des Regentschaftsrath« und General v. Hilgers die Generale au« dem Gefolge der fürstlichen Herrschaften, die Mitglieder der Landesversammlung, des Magistrats, die Mtlitärdeputattonen, die Spitzen der Be­hörden rc in p ogrammmäßiger Reihenfolge. Da« DefilirendeS sehr im potenten Rug§ dauerte etwa dreiviertel Stunden. In den Straßen, durch welche sich der 8ug be> wegte, bildeten Kriegervereine, Corporationen und andere Vereine Spalier; die Fenster der Hauffr waren dicht besetzt und auf den Straßen war eine große Menschenmenge versammelt. Ueberall herrschte ehrfurchtsvolle« Schweigen. Die Häuser waren mit Trauerdraperien dekorirt, die brennenden Gaskandelaber mit Flor umhüllt- . _ ~ .um 23/4 Uhr langte der Zug am Dome an. Der Abt Thiele sprach, al«

der Sarg dem Domportale sich näherte, einen kurzen SegenSspruch, hierauf wurde der Sarg, unter Vorantritt der gesummten Geistlichkeit, in die Kirche getragen und auf dem vor dem kleinen Altar errichteten, mit einer großen Anzahl von Kandelabern um- gereuen Katafalk niedergesetzt. Der Herzog von Cambridge nahm in der Nähe des Katafalks Platz, neben ihm befanden sich die andern hier anwesenden Fürstlichkeiten, der Erzh-rzog Franz Ferdinand von Este, der Großherzog und der Prinz Heinrich von Hesten, Prinz Albrecht von Preußen, Prinz Georg von Sachsen, der Erbgroßherzoa von Baden, Prinz Wilhelm von L-vpe-Schaumburg, daran schioffen sich die Mitglieder des RegentschaftsrothS, der General v. Hilgers und die übrigen Theilnehmer am Leichenzuge. Ein Gesangverein trug eine Cantate vor, hierauf hielt Abt Thiele die

an welche er in bewegten Worten einen Nachruf an den verstorbenen Herzog knüpfte. Nach der Einsegnung der Leiche, die hierauf erfolgte, wurde der Sarg, gefolgt von den anwesenden Fürstlichkeiten, den Mitgliedern deS RegentschaftSraths und dem General v. Hilger«, in die Gruft getragen. Während der Überführung des Sarge« nach der Gruft ertönte das volle Geläute der Glocken des Domes, von der auf dem Burgplatze aufgestellten Trauerparade wurden drei Gewehrsalven abgegeben in welche sich die Trauersalutschüste der Artillerie mischten. Nachdem die Begleitung der Leiche aus der Gruft zurückgekehrt war, schloß Abt Thiele die Feier mit Ertheilung d?S mrließ^'n vorauf die Fürstlichkeiten und das ganze übrige Trauergefolge die Kirche . -?"rEmund, 25. October. Heute früh ist bei der Station Dortmund der Koln-Mndener Personenzug aus einen im Fahrgeleise stehenden Güterzua gefahren. Es wurde Niemand verletzt, aber eine sehr große Zerstörung an Materral verursacht. 9

Irarrkreich.

Paris, 25. October. General Millot ist gestern von Ferry, Peyron Campenon empfangen worden und legte denselben Rechenschaft über seine mili­tärische und diplomatische Mission in Tongking ab, welche er wegen Krankheit unterbrechen mußte Die Minister sprachen General Millot ihre vollständige Befriedigung für die als Oberbefehlshaber des Expeditions-Corps geleisteten Dienste aus.

England.

. London, 25. October. Heute früh wurde von verbrecherischer Hand der Versuch gemacht, ein Thor bei der Schifffahrts-Schleuße des Muffes Bann Mand) mittelst Dynamit in die Lust zu sprengen. Die Polizei glaubt dem Thater auf der Spur zu sein. Es ist dies bereits der zweite Versuch, der im

Lause diese« Jahres gemacht wird. Man nimmt an, daß Privatrache aeaerr die Fluß-Direction das Motiv der That sei.

Retzien.

Brüssel, 25. October. Wie verlautet, ist dem König von dem bis­herigen Minister der Landwirthschaft und Industrie, Bernaert, für die Umbil­dung^ des dermaligen Cabinets folgende Ministerliste vorgelegt worden: Bernaert Präsident und Finanzminister, be Beider Justiz, Thoniffen Inneres und Unter­richt, de Moreau Auswärtiges, Pontus Krieg, van den Peereboom Eisenbahnen de Bruyn Landwirthschaft. Eine Entscheidung des Königs ist noch nicht erfolgt

In Löwen sind wegen der Ruhestörungen, die am Donnerstag dort stattfanden und bei welchem einige Personen verwundet wurden, mehrere Ver­haftungen vorgenommen worden.

Italien.

Rom, 25. October. Die Eisenbahn-Commisston genehmigte gestern die Tarife des stcilianischen Netzes. De Pretis und Genala werden der heutigen Sitzung der Commission beiwohnen.

Gestern kamen in 7 von der Cholera inficirten Provinzen 51 Erkran­kungen und 37 Todesfälle vor, davon entfallen auf die Stadt Neapel 14 Er- krankunqen und 12 Todesfälle.

Neapel, 25. October. In den letzten 24 Stunden sind hier 7 Erkran­kungen und 10 Todesfälle an der Cholera vorgekommen.

Mßlavd.

Petersburg, 25. October. Da« Ministerium für Wege und Communicattonen macht bekannt, daß, obgleich der regelmäßige Verkehr von Seeschiffen auf dem neuen d^erSburger Seecanal erst mit dem Beginn der Schifffahrt im Jahre 1885 eröffnet werde, schon jetzt Seefahrzeugen bi« zum Tiefgänge von 20 Fuß gestattet sei, in den Canal elnzulauffn und daselbst zu löschen und zu laben. Diejenigen Schiffe, welche

Canal in die Newa bi« zum Zollamte passiren wollen, dürfen nicht tiefer als 18 Fuß gehen.

«Aegypten.

Kairo, 25. October. Auf Ersuchen Lord Northbrook's wird Blum Pascha sich demnächst nach London begeben.

Telegraphische Depeschen.

Lvolsf'S tetlsgr. Torrewvrweaz-Vusesu.

Darmstadt, 26. October. Der hessische Landtag ist auf den 24. November etnberufen.

ix« d*attnschweig, 26. Oktober. Der Herzog von Cambridge hat heute Nach- mittag bie Rückreise nach England angetreten, bte anbern Fürstlichkeiten, welche brr Beisetzung be« Herzog« brtgewoht hatten, find bereits gestern Abend oder heute früh wieder abgereist.

.c^dartS, 26. Octeber. (Telegramm herAgence Havas".) General Briere de lJSle atbt In den Utzten Depeschen, bte von demselben hier eingangen find, nicht die geringste Unruhe über die Sicherheit des Delta kund, von der Seite von Konangfi der. wo der Rothe Fluß ströme, sei selten« der Chinesen nicht« zu befürchten, da« befifittßtVon0^oa von den Chinesen belagert werde, sei bis jetzt ganz un-

London, 26. Oktober. Dem englischen Botschafter Malet in Berlin ist zur Bethülie bet den Verhandlungen der Congo - Conferenz der Specialattachö für HandelSangelegenheiten bei der englischen Botschaft in Part«, Crowe, beigeordner worden.

®cm wObferoer" wird au8 Kairo vorn heutigen Tage aemelbet, daß der Ministerpräsident Nubar Pascha in einem Rundschreiben an bte Machte bte Wieder­aufnahme bet regelmäßigen Zahlungen an bie Staatsschuldenkasse ongezetgt habe.

UuiverfitätS - Chronik.

.. 27. October. Herr Profeffor Gottschick hat einen ehrenvollen Ruf

an die Universität Heidelberg al« Professor der Dogmatik erhalten. Wie wir hören, ist eS den energischen Bemühungen unserer Regierung gelungen, den verdienten Lehrer unserer Hochschule zu erhalten.

DaS Dekanat der theologischen Fakultät der Universität Göttingen ist am 15. October von Herrn Consistortalrath Professor Reuter auf Herrn Consistorialrath Professor Dr. Schulz übergegangen. Die am 17. dS. in Eisenach versammelten Reformbmschenschaften beschlossen v. A., diesen Namen inBurschenschaft" umzuändern. DerAllg. D. Burschenbund" (A. D. B.) besteht zur Zeit aus Neo-Germania. Longo- bardia und Alante in Berlin, Longobardia in Leipzig, Teutonia in Tübingen, Burschen­schaft auf dem Fürstenkeller Jena, Germania in Heidelberg und Arminia in Greifs­wald. Se. König!. Hoheit der Prinz Leopold von Preußen ist am Dienstag zum Beginn seiner Studien in Bonn eingetroffen. Der bisherige Professor an der Universität Prag, Dr. Carl Friedrich Stumpf ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Friedrichs-Universität Halle-W-ttenberg ernannt. Der bisherige Privatdocent an der Universität Berlin, Dr. OSkar Döbncc, ist zum außer­ordentlichen Professor der philosophischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg ernannt. In Marburg starb am 19. dS. Mts. eine« der angesehensten Mitglieder der dortigen Hochschule, da« ständige Mitglied des Univ.'sitätS - Curatoriums und ordenilichrr Professor in der juristischen Fakultät, Geh. Justtzrath Dr. K. Fuchs, 63 Jahre alt.

Gießen, 27. October. Auf mehrfach ergangene Aufforderung bezüglich eine« Zither-Concetts wird der Zither-VereinAlpenröschen" Sonntag den2.November, Abends 8 Uhr, auf dem Lenz'schen Felsenkeller ein Concert veranstalten, wo auch Nichtmitglieder Zutritt haben. Freunde und Gönner deS Vereins dürfen ein recht hübsche« und abwechselndes Programm erwarten.

Theater.

zn n k r d. Gießen, 27. October.

Gestern wurde das französische LebensbildMuttersegen" gegeben. Das Stück ifi voll effectreicher, theils tief ergreifender, theils kom'scher ©eenen. Mit der Heldin Marie werden wir auS dem Stillleben savoyischer Berge in daS aufregende Treiben der französischen Hauptstadt versetzt. Nur die reine Liebe, die sie im Herzen tragt, gibt der hübschen Savoyardin die Kraft, allen Gefahren und Versicherungen zu widerstehen; und als ihr Ruf leidet, als selbst ihr alter Vater ihr. der vermeintlich Entehrten, seinen Fluch entgegenschleudert, als ihr Geist sich umnachtet, da ist es die Stimme der Mutter, die ihre Sinne wieder weckt, und der Segen der Mutter tröstet und erhebt sie und führt ihr den verloren geglaubten Geliebten wieder zu.

Von den Darstellern nennen wir in erster Linie Fräulein Anna Eng (Marie); sie spielte ihre dankbare aber schwierige Rolle mit einer Wärme und Innigkeit, die besonders in den beiden letzten Acten volles Lob verdient. Eckt künstlerisch war wieder die Leistung de« Herrn Hendrich (Bauer Loustalot); er brachte namentl ch die Scene, in der der alte arme Vater seine mit Gold und Diamanten geschmückte Tochter ver- flucht, zu ergreifender Wirkung. Herr Halm (Arthur de Sivry) zeichnete sich aus durch ein edles, von warmer und ungekünstelter Empfindung getragenes Spiel. Die immer luftige, immer schwatzende und immer hungrige grisettenhafte Chonchon wurde durch Fräulein Sommer mit einer Fertigkeit wiedergegeben, die kaum durch französische Actrtcen übertroffen wird. Herr Voigt (Commandeur von Boisflemy) spielte den lüsternen alten Gecken ganz vorzüglich. Das Spiel des Herrn Herrmann marin den komischen ©eenen sehr gut, fiel aber im letzten Acte etwas ab. Frau Größer