Deutschland.
—k Darmstadt, 26. März. [@rfte Kammer der Landstände.^ Dem Vernehmen nach tft der Ausschuß erster Kammer den sämmtltchen Beschlüssen 2. Kammer über die Vorlage Gr-ßh. Ministeriums der Finanzen, die Herstellung verschiedener Nebenbahnen betreffend, beigetreten, so daß bet der Brrathung keinerlei Weiterungen sich ergeben dürsten.
Berichterstatter ist Herr Commerzienrath Heyl.
—1. Darmstadt, 27. März. (Zweite Kammer der Landstände, j Die verschiedenen Ausschüsse der 1. Kammer haben nunmehr die meisten der ihnen vorliegenden Gegenstände zur Plenarberathung fertiggestellt.
Zunächst wird von Setten des 4. Ausschusses bezüglich des Antrags deS Abg. Arnold, die Erbauung einer Staatsstraße von Unter - Abtstetnach über Ober-Abt- steinach und Siedelsbrunn bis auf die Kretdacher Höhe betr., im Sinne deS letzten Beschlusses zweiter Kammer vorgeschlagen, Großh. Regierung zu ersuchen, die Noth- wendtgkeit der Erbauung dieser Straße, sowie die Räthlichkelt der Uebernahme der Kosten Settens des Staats einer erneuten Prüfung zu unterziehen, und eventuell dem nächsten Landtage geeignete Vorlage zu machen.
Wetter tritt derselbe Ausschuß den Beschlüssen 2. Kammer über die Anträge des Abg. Wasserburg: 1) die Erhöhung der Straße von Offenbach nach Bürgel betr., und 2) die Errichtung von Schutzdämmen gegen Mainüberschwemmungen oberhalb Offenbachs und Erhöhung der Straße von Mühlheim nach Rumpenheim betr., sowie über den Antrag deS Abg. Dittmar wegen Ertheilung von Pensionen und Unterstützungen an Gemetndeforstwarte und deren Hinterbliebenen betr., bei, welche Beschlüsse bekanntlich in den Anträgen günstigem Sinne außfielen.
Herr Dr. Dornseiff erstattet Bericht Namens des dritten Ausschusses fiber die Mittheilungen zweiter Kammer, das Gesuch deS Agenten Kayser von Darmstadt, Uebertretung des Reichßimpfgesetzes vom 8. April 1874 betr., und beantragt Beitritt zu den jenseitigen Beschlüssen, welche eine authentische Interpretation deS betr. Gesetzes befürworten.
Auch über den Antrag der Abgeordneten Schröder und Böhm, die Unterbringung verwahrloster Kinder betr., erstattet dasselbe Mitglied Namens des 4. Ausschusses Bericht, welcher auf Beitritt zu den Beschlüssen zweiter Kammer resultirt, jedoch der Regierung Freiheit der Wahl der verschiedenen zum Ziele führenden Wege vorbehält.
Bezüglich des Antrags der Abgeordneten Schade und Genossen auf Erhebungen über die Lage des kleinen und mittleren Grundbesitzes hat der Fürst zu SolmS- Lich Namens des 4. Ausschusses erster Kammer Bericht erstattet und wird ganz im Sinne der Verhandlungen in der 2- Kammer Beitritt zu dem jenseitigen Beschluß beantragt. der dahin ging: Großh. Negierung zu ersuchen, a. die in Aussicht gestellte Vorlage wegen Anforderung der Mittel zwecks Veranstaltung einer umfassenden Enquete über die Lage des kleineren und mittleren Grundbesitzes nach Anleitung der in Baden durchgeführten Erhebungen baldthunlichst und jedenfalls noch auf gegenwärtigem Landtag den Landständen zugeben zu lassen, und b. wegen besserer Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Interessen bei Bearbeitung der regelmäßigen statistischen Ueber- sichten über die Lage des Grundschuldenstandes das Erforderliche zu veranlassen.
Ebenso ist der erste Ausschuß dem Beschluß zweiter Kammer bezüglich der Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Neuregulirung der Beitragspflicht der Gemeinden zu den Kosten der Realschulen des Landes betr., beigetreten, wonach also Bingen 9000 JL, Friedberg und Alzey je 8600 X, Groß - Umstadt und Oppenheim je 7500, Alsfeld 6000 und Michelstadt 4300 Jt. zu bezahlen haben und wonach dann der Ausfall gegen früher im Betrage von 7165 A auf die Staatskasse zu übernehmen ist.
Freitag den 28. März
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Betreffend: Gang des Deknnatsboten. Lang-Göns, den 26. März 1884.
Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen
an fämmtliche Pfarrämter des Dekanats.
Der Dekanatsbote wird wegen der Charwoche Montag den 31. März und die folgenden Tage gehen. Sie wollen daher die Sachen für denselben parat halten. Dr. Strack.
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Politische Ueberfkcht.
Gießen, 27. März.
Am Montag hielten der Reichstag und die beiden Häuser des preußischen Landtages gleichzeitig Sitzungen ab, ohne daß dieser Umstand die Verhandlungen in einer dieser drei parlamentarischen Körperschaften beeinträchtigt hätte. Die Sitzung des Reichstages, in welcher die Vorlage über das Actiengesetz zur ersten Lesung stand, war nur schwach besucht, was den Abg. Perrot unter Hinweis auf die Wichtigkeit dieses Gesetzes veranlaßte, die Auszählung des Hauses zu beantragen; der Antrag wurde jedoch, als unvereinbar mit der Geschäftsordnung, vom Präsidenten v. Levetzow zurückgewiesen. Sämmt- liche Redner gaben ihr "Wohlwollen für die Vorlage zu erkennen und allseitig wurde das dringende Bedürfniß einer Reform in unserer Actiengesetzgebung anerkannt. Die Vorlage wurde schließlich einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen. Für die nächste Sitzung am Mittwoch standen eine Reihe von Anträgen und Interpellationen auf der Tagesordnung. — Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte an dem genannten Tage in der Hauptsache Petitionen Ton nur localer Natur und wurden die meisten derselben der Staatsregierung zur Kenntnißnahme überwiesen. In der nächsten Sitzung am Mittwoch trat das Haus in die zweite Lesung der Jagdordnung ein. — Was endlich das Herrenhaus anbelangt, so genehmigte dasselbe am Montag die Hannöversche Kreis- und Provinzial-Ordnung in der Fassung des Abgeordnetenhauses, nachdem Minister v. Puttkamer für dieselbe eingetreten war.
Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg, der älteste Bruder des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, hat für sich und seine Nachkommen auf die Erbfolge in Mecklenburg verzichtet. Der Herzog trat vor einiger Zeit zur katholischen Kirche über und zwar allem Anschein nach in Folge des Einflusses seiner Gemahlin, einer geborenen Fürstin Windischgrätz. Neben ihm sind noch vier Brüder des regierenden Großherzogs vorhanden und außerdem hat Letzterer einen im Jahre 1882 geborenen Sohn.
Der internationale Feldzug gegen die Anarchisten ist von der Schweiz durch die Ausweisung der Anarchisten Kennel, Schultze, Falk und Llsia eröffnet worden. Es scheint, daß die österreichisch-ungarische Diplomatie diesem Vorgehen nicht fern steht, da die Ausgewiesenen in enger Verbindung mit den in Oesterreich verhafteten Anarchisten Kammerer und Stellmacher gestanden haben. In den Wiener Regierungskreisen ist man von der zugleich correcten und würdigen Haltung der Berner Bundesregierung in dieser Angelegenheit in hohem Grade befriedigt und diese Befriedigung wird man auch anderwärts empfinden. Denn die Schweiz beweist durch ihr energisches Auftreten, daß sie den Mißbrauch ihres politischen Asylrechts durch die abgesagten Feinde der xesellschastlichen und staatlichen Ordnung nicht länger mehr gestatten will.
Die Tongking-Frage hat durch die raschen Waffenerfolge der Franzosen ihre militärische Lösung gefunden, mit der diplomatischen Lösung steh! es aber noch dahin. In Frankreich will man partout eine Kriegsentschädigung von China im Betrage von 6 MA. Pfd. Sterl. (ca. 120 Mill, jtf.) haben, vorläufig ist es jedoch noch sehr zweifelhaft, ob sich die chinesische Regierung aus freien Stücken zur Zahlung dieser immerhin bedeutenden Summe entschließen wird. Die französische Regierung scheint dies auch nicht zu glauben denn es heißt, sie habe dem Admiral Courbet Befehl ertheilt, die Insel Hainan zu besetzen, deren Occupation als „Unterpfand" von Frankreich bekanntlich seit längerer Zeit geplant wird. — Der französische Historiker, Mitglied der Akademie franyaise, Mignet, ist am Montag früh in Paris gestorben.
Die katholische Welt wird wieder einmal von der vatikanischen Presse und den ihr nahestehenden Blättern durch den Allarmruf in Bewegung versetzt, daß der Papst möglicherweise Rom verlaßen werde. Auch der „Osser- vatore Romano", eines der als osficiös geltenden päpstlichen Blätter, hot jetzt in dieser Angelegenhert das Wort genommen. Er erklärt, daß der Papst an dem Tage, an welchem er sich allzusehr comprimittirt sehen würde, dm ihn beengenden Kreis durchbrechen und wie so viele seiner Vorgänger andeuvärts ein freieres und sicheres Asyl suchen werde. Der Ort, wo er sich dann nieder« ließe, würde sich zum Mittelpunkt der Welt gestalten, Rom aber durch b:e Abreise des Papstes seine ganze Größe einbüßen. Das römische Blatt zählt dann die Hauptbeschwerden des Papstes gegen die italienische Regierung auf und schließt mit dem Hinweise darauf, daß nur der Wunsch Leo XIII., Ron und Italien die ernsten moralischen und materiellen Schädigungen zu ersparen, welche aus einer Verlegung der päpstlichen Residenz resultiren würden, ihn brwegen könnte, noch in Rom zu bleiben. Vorläufig scheint sich demnach der Prpst in letzterem Sinne entschieden zu haben uno ist auch kaum anzunehmen, das er je Rom verlassen werve, da die Folgen dieses Schrittes sich gar nicht berechnen lassen würden, — Die Neubildung des italienischen Cabinets begegnet großen
Schwierigkeiten, auch die Versuche des Königs, de Prelis hierzu zu gewinnen, drohen an der Hartnäckigkeit desselben zil scheitern, de Pretis will nur unter der Bedingung die Bildung des Cabinets übernehmen, wenn der Arbeitsminister Gemala in demselben verbleibt; letzterer hat aber erklärt, daß er nicht wieder in das neue Ministerium eintreten würde.
Das Reichsgericht zu Christiania arbeitet feit der Verurteilung und Amtsentsetzung des Ministers Selmer mit großer Schnelligkeit, denn es ist seitdem vier weiteren Mitgliedern des norwegischen Staatsministeriums dasselbe Schicksal widerfahren. Die drei übrigen angeklagten Minister werden ver- muthlich mit Geldstrafen davon kommen. Bis jetzt sind die Versuche zur Bildung eines neuen Ministeriums gescheitert, jedenfalls wird sich aber nur ein liberales Cabinet der radikalen Northings-Majorität gegenüber halten können-
In Griechenland ist eine parlamentarische Krisis eingetreten , welche möglicherweise zu einer Demission des Cabinets Tricoupi's führen wird. Die von Delyannis geführte Opposition in der Deputirtenkammer hat wegen verschiedener Differenzen mit der Regierungspartei einen parlamentarischen Strike inscenirt und gedenkt ihr Verhalten in einem Ausrufe an die Bevölkerung zu rechtfertigen.
Immer drohender zieht sich das Verhängniß über dem Haupte General Gordon's zusammen, Die ganze Gegend zwischen Berber und Khartum ist im Ausstande, letztere Stadt selbst wird bereits von den Insurgenten belagert und haben dieselben alle Verbindungen abgeschnitten. Zwar soll die Lage Gordon's noch keine hoffnungslose sein, jedenfalls ist sie aber ernst genug, um schwere Besorgnisse hervorzurufen. General Gordon in den Händen des Mahdi — es würde dies der tragische Schluß der Mission des tapferen General» fein — und einen solchen Schlag würoe das Cabinet Gladstone schwerlich aushalten.


