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S8. Erstes Blatt. Sonntag den 27. April
WMkeanr Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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PreLS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerloh». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Gießen, 26 Avril. lSitzung dcr Stadtverordneten vom 24. April.) Anwesend : Herr Bürgermeister Bramm, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Georgi, Hoch, Hornberger, Kauf, Lüdektng, Ad. Noll Aua. No ll, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann. — Ein Schreiben des Kaiserl. Postamts zu Gießen, enthaltend die demnächstige Verlegung der Post- und Telegraphenbureaus von dem Strauß'schen Hause in der Wallthorstraße nach dem Spruck'schen Hause in der Schulstraße, wird vor gelegt und die darin weiter nachgesuchte Erlaubniß zur Leitung des Telegraphen durch die Brandgasse, über den Brandplatz» Kanzleiberg und Sonnenstraße nach dem neuen Bureau in der Schulstraße ertheilt.— Die Unterbringung der Polizetgefangenen und Schüblinge betr. hat auf diesbezügl. Schreiben Gcoßh. Ministerium geantwortet, daß die Unterbringung der Polizeigefangenen in dem Hastlocol in der Bachgasse noch so lange zu gestatten sei, bis der für Unterbringung von Gefangenen bestimmte Theil des Justiz geb aud es fertiggestellt datz aber bann die Stadt gehalten sei, für bte Unterbringung ber 9301^^0^6^^ Räume zu schaffen, indem es in der Absicht Großh. Ministeriums liege, dasGebäude in der Bachgasse zu veräußern. Den in dem Schreiben selbst gemachten Andeutungen auf Acqutrirung dieses Gebäudes Seitens der Stadt tritt die Versammlung auf Antrag
Telegraphische Depeschen.
Wolff'» telegr. Eorresporrdem-Brreea«.
Berlin, 25. April. Der Reichskanzler Fürst Bismarck und der Staattzsecretär Graf Hatzfeld sind durch Erkältung an das Zimmer gefesselt, erledigen jedoch von hier auS die Geschäfte. Der Unterstaatssecretär des auswärtigen AmteS, Dr. Busch, ist ebenfalls erkrankt; derselbe hat -u seiner Wiederherstellung um Urlaub nachsuchen müssen^ Abgeordnetenhause wurde heute die Wahl des Abg. v. Lyncker und der Wahlmänner deS Kreffes Angerburg für ungültig erklärt, sowie dem Anträge des Ab- peordneten Bachem gemäß beschlossen, die Regierung aufzufordern, die Beamten, welche sich eine Ueberschrcitung ihrer Amtsbefugnisse haben zu Schulden kommen lassen, zur Rechenschaft zu ziehen und dem Hause von den betreffenden Maßnahmen Mittheilung zu machen.
— Der Reichstag verwies das Rel ktengesetz an die für daS Pensionsgesetz bestimmte Commission und genehmigte den Rest des HülfskassengesetzeS tn zweiter Lesung vorwiegend nach den Beschlüssen der Commission. Der Antrag des Abgeordneten v. Hammerstein, wonach die Leiter der Kassen mit Geldstrafen bis zu 300 JL zu belegen sind, wenn sie nicht verhindern, daß in dm Versammlungen der Mitglieder der Kaffen öffentliche Angelegenheiten besprochen werden, wurde von der Rechten und vom Bundesrathstische aus zum Zweck der Verhinderung der socialtsttschen Agitation befürwortet, j doch mit 132 gegen 10O Stimmen abgelehnt.
Eisenach, 25. April. Die kronprwzlichen Herrschaften sind heute Nachmittag, von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, h^ec cingetroffen und von dem Großherzog, dem Erbgroßherzog und der Prinzessin Elisabeth empfangen worden. Seine K. K- Hoheit der Kronprinz und Se. K. Hoheit der Prinz Heinrich begaben sich mit dem Großherzog suf d.e^Wartburg. b{e P^t. Corr." mittheilt, ist die englische Note be
züglich dec Conferenz mit dem dazu gehörigen Annexe gestern Nachmittag der öster- reichisch-migarischen Negierung notificirt worben. In dem Annrxe seien keine positiven Vorschläge (ntbül'en, es werbe in demselben nur konftatirt, daß das Meritorische augenblicklich den Gegevstand von Erwägungen des englischen Cabinets bilde.
— Einer Meldung der „Polit. Corr." aus Varna zufolge ist die kaiserliche Aacht „Miramar" heute früh daselbst eingetroffen, am Ufer war zu Ehren des kron- xrtnzltchen Paares ein Feuerwerk veranstaltet; alle Dampfer waren illuminirt und ließen Raketen steigen. Das kronprinzliche Paar wurde vom Fürsten von Bulgarien, der die Uniform seines österreichischen Regiments trug, auf das Herzlichste empfangen und fuhr um 7 Ubr 20 Min. früh auf der E senbahn nach Rustschuk weiter.
Pari-, 25. April. Das Gerücht, daß Frankreich die Absicht habe, Canton zu blokiren, wird von der „Agence Havas" als unbegründet bezeichnet. General Millot halte für ausreichend, Thai-Ngnuyen und Philanthnan zu besetzen. .
— Admiral Lespes tetegraphirte, er sei von den chinesischen Behörden in Futschü freundlichst empfangen worden.
London, 25. April. Dem „Standard" zufolge sind die gestrigen Erklärungen des Premiers Gladstone im Unterhause allgemein dahin gedeutet worden, daß die Negierung entschlossen sei, eine Expedition nach dem Sudan zu entsenden, falls sich dies als nothwendig erweise. Gegenwärtig verhandle die englische Negierung mit den egyptischen Behörden darüber, ob die nach dem Sudan zu entsendenden Streitkräfte nur englische Truppen oder auch ein Con- tingent indischer Truppen umfassen solle.
— Nach einem Telegramm des „Daily Telegraph" aus Kairo vom 24. b. Mts. leidet das 35. Regiment in Assiout bereits stark an Fieber, Hitze und Sonnenstich.
Der Staatsrath in Preußen.
Da bereits vor einigen Wochen bekannt würbe, baß der Reichskanzler Fürst BiSmarck m t feinem Rücktritt von der preußischen Mimsterprüsidentfchaft den Plan verbinde, den Staatsrath in Preußen wieder in's Lehen zu rufen und ihn neben Ministerium und Landtag eine bedemsame Rolle spielen zu lassen, liegt es nahe, über die Institution des preußischen Staats: aths, von der bb* Meisten wohl nichts wissen dürften, einige Aufklärungen zu geben. D<r Staats: ath oder das Staatscollegium ist in Preußen, resp. Brandenburg, sehr alten Ursprungs und entstand bereits im Jahre 1604 unter der Regierung des Kurfürsten Joachim Friedrich. In dieser ganzen Periode bis zur Z it des Ministers Stein verirat ber Staatsrath die Stelle des Staatsministeriums. Unter ber Herrschaft Friedrich Wilhelms II. hatte sich aber bereits das Bedürfnitz nach einer Organisation herausgestellt, welche die Autorität der Minister vor Einmischungen anderer Personen schützte, und auch unter Friedrich Wilhelm III. machte sich für den patriotischen und staatsmännischen Geist Stem s schon vor der Niederlage von Jena dieses Bedürfniß geltend, und er schlug zuerst im Jahre 1808 ein von ihm General-Departement benanntes Collegium neben bem Ministerium vor. Dieses Collegium sollte unter dem Vorsitze des leitenden Ministers stehen und alle wichtigeren Gesetze und Verordnungen zu begutachten baden. Aber die Umgestaltung erfolgte erst durch Verordnung vom 27. October 1810, die wir gliche Einrichtung und Einführung erst unter Hardenberg mit 6en Verordnungen vom 2b. Marz unb 3,^°^^e^onb*ren Heurig und Einfluß konnte sich aber der Staatsrath gar nicht entwickeln, weil die Stellung unb gute Entwickelung des Staatsministeriums den Staatsrath überragte. Derselbe ist indessen in Preußen b s auf den heutigen Tag bestehen geblieben unb soll zur Begutachtung von Gesetzentwürfen functiontren. Diese Begutachtungen des Staatsraths haben aber weder für das Staatsminlfterium, noch für den Landtag eine bindende Kraft, genießen aber bU Beachtung, die man dem Utt heile hochgestellter, einflußreicher unb erfahrener Personm betmeffen muß. Der StaatsE, bestehend aus den majorennen Prinzen des königlichen Hauses, den Udmarschallen, den Staatsministern, dem Präsidenten der Oberrechnungskammer, den ChefS des Militär- unb Civilkabinets des Königs unb einer Anzahl hervorragender Beamten, die sich auf verschiedenen Gebieten eine Autorität erworben hadm. 'st also eine Instanz zwischen dem Ministerium unb ber Krone unb offenbar deßhalb geschaffen worden, um einseitige Einflüsse der Minister auf den König zu paralysiren. Fürst Bismarck bat nun auch die Absicht, eine Anzahl hervorragender Personen, die nicht Beamte sind , in den Staatsrath aufnehmen zu lassen und soll dann der Staatsrath ein commissarischetz Organ des Gesammtministcriums werden, welches die Vorschläge der Fachminiflerim zu prüfen hätte. , „
Dublin, 25. April. Es wurde festgestellt, daß das heute verhastete Individuum nicht Sheridan ist und wurde der Verhastete sreigelassen.
Madrid, 25. April. Die hiesige nordamerikanische Gesandtschaft zeigte an, die Negierung habe den Abgang einer neuen Freischaaren-Expedition, welche in Cuba die Baude des Agueros verstärken wollte, verhindert.
Bukarest, 25. April. Das österreichische srronprinzenpaar, welchem der König und die Königin bis Eomaua entgegenfuhren, traf Abends 73/4 Uhr ein und wurde auf der Fahrt durch die festlich geschmückte und glänzend erleuchtete Stadt von der Bevölkerung mit lautem, unmtterbrochenem Jubel begrüßt^ von allen Balconen und Fenstern wurden Blumen geworfen. Kurz nach der Ankunft im Palais brachten 9 Militär-Musikcorps ein Fackelfländchen.
Kairo, 25. April. Telegramm des „Reuter'schen Bureaus." Das Gerücht, daß die englische Negierung sich entschloffen habe, eine Expedition nach Berber zu entsenden, findet bis jetzt keine Bestätigung. Das englische General- Consulat hat noch keine Instruction in diesem Sinne erhalten.
Shanghai, 25. April. Die Reuter-Meldung über Gerüchte vom Tode des Vicekönigs Dunnan und des Prinzen Kung wird dementirt. Unter bett Chinesen geht das Gerücht, Trotfungtang, Mitglied des großen Secretariats^ der als Ausländer feindlich gesinnt ist, habe eure Mission nach dem Süden erhalten.
Port-Said, 25. April. Das von den Arabern bewohnte Viertel von Port-Said ist heute durch eine Feuersbrunst zur Hälfte zerstört worden. Gegen 4000 Araber sind obdachlos. Das Feuer war am Nachmittag in dem Kohlen- Depot ausgebrochen. Die hier anwesenden englischen Matrosen leisteten bri den Löschungsarbeiten Hülfe. ~ ~ r.-_
Deutschland.
Darmstadt, 25. April. Ihre Maj. die Königin Victoria, Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Beatrice von England, Se. Königl. Hoheit der Großherzog und Ihre Großh. Hoheit die Prinzessin Elisabeth unternahmen gestern ^Nachmittag eine Spazierfahrt nach Dem Jagdschloß Kranichstein.
Vormittags fuhren Ihre Majestät mit der Prinzessin Beatrice nach der Nosenhöhe.
Am Mittwoch fuhren Se. Königl. Hoheit der Großherzog um o Uhr Nachmittags von Frankfurt nach Alsfeld und von dort die Nacht zu Wagen nach Grebenau. Nachdem Morgens die Auerhahnbalz nicht vom Glück begünstigt war, reisten Hochdieselben wieder zurück und trafen Donnerstag um 11 Uhr 20 Min. Vormittags wieder hier ein.
Darmstadt, 24. April. Der Verein der hefsischen Fortschrittspartei hielt gestern Abend im Rttfen'schen Garttnsaal: eine zahlreich besuchte Versammlung ob zur Aufstellung eines Canbibaten für die Reichstaaswohl. Da die Herren Dr. Osann und Otto Wolfökehl die Uebernahme einer Candidatur entschieden ablehnten, einte man sich dahin, Herrn Brauereibesitzer Ullrich tn Pfungstadt, welcher völlig unabhängig, entschieden r.at‘onaatberal gesinnt, im Wahlkreis bekannt unb populär ist, auch die nöthige oratorischc Begabung besitzt, als Candidat aufzustellen, selbstverständlich vorbehältlich der Genehmigung einer aus bem ganzen Wahlkreis zu berufenden größeren Versammlung. Wennschon der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Metz I. Namens deS Herrn Ullrich erklären konnte, daß Herr Ullrich auf dem Boden des Heidelberger Programms stche und sich im Reichstag ber nationalliberalen Fraction anschließen werbe, so beschloß man dock, bei Herrn Ullrich inzwischen durch ben durch die Herren Oberbürgermeister Ohly, Buchhändler Bergsträßer und Kaufmann W- Diefenbach verstärkten Borftand über dessen Stellung gegenüber den wirthschaftlichen Fragen Auskunft ein- wboLm. _ _
Gesunden: Ein messingenes Einsatzgewicht, 1 Maßstab, 1 schwarzer Handstauchen, 1 Mesflngkrahnen, 1 Portemonnai mit Inhalt, 1 seidener Regenschirm (auf der Stadtpost stehen geblieben), mehrere Schlüssel. ,
Gießen, den 26. April 1884. Großherzoglrcheü Poltzeramt Gießen.
_________________Fresenius.


