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Nr. 49.

Mittwoch den 27. Februar

1884

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Amts- und Anzergeblstt für den Kreis Gießen.

»«au, Echulstrah. 7. <»»<«. mit -u.nahm. b« Man.ags.

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Amtlicher Hheil.

Betreffend: Frühjahr-- Control-Versammlungen. Gießen, am 25. Februar 1884.

Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen

an die Grossherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden aus ortsübliche Weise veröffentlichen lasten.

Dr. Bookman n. Gießen, den 23. Februar 1884.

Bekanntmach u n g.

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Die diesjährigen FrühjahrS-Control-Versammlungen werden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden:

1. Im Bezirke der I. Compagnie (Gießen).

1) Zu Giessen am 1. April 1884, Bormittags, im Oswald'schcn Garten

und zwar um 7V2 Uhr für särnrntliche Reservisten der Infanterie, sowie särnrntliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 83/t Uhr für särnrntliche Wehrleute der Infanterie, um 10 Uhr für särnrntliche Reservisten und Wehrleute der übrigen Waffen.

Hierher gehören die Orte: Annerod, Burkhardsfelden, Gießen (mit Schiffenberg und Herrnwald), Heuchelheim, Klein-Linden und Oppenrod.

2) Zu Lollar am 2. April 1884, Vormittags, neben dem neuen Bahnhofsgebäude,

und zwar um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 10 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen.

Hierher gehören die Orte: Mendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Dauhringen (mit Hof Heibertshausen), Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck.

3) Zu Grünberg am 2. April 1884, Nachmittags, an dem Bahnhose,

und zwar um IV4 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenthelle und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um l3/< Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen.

Hierher gehören die Otte: Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsrnühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle), Hattenrod, Harbach (mit der Kolbenmühle, Sommermühle), Kesselbach (mit der Rabenau'schen Papiermühle), Lauter (mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle), Lindenstruth, Londorf (mit der Burg Rabenau, Ktrrgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte), Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen (mit Appenborn-Hof), Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, flwddingshaufen, Saasen (mit Bolln- bach, Veitsderg und Wirberg), Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain (mit dem Hainer-Hof) und Winnerod.

lie Im Bezirke der II« Compagnie (Lich).

1) Zu Hungen am 8. April 1884, Mittags 12 Uhr, am Friedhose,

für sämmtliche Reservisten und Wehrleute, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

Hierher gehören die Orte: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Ronnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen (mit RmgelShausen), Rodheim (mit Hos Graß), Röthges, Steinheim, TraiS-Horloff, Utphe und Villingen.

2) Zu Lich am 8. April 1884, Nachmittags, am Bahnhose,

und zwar um 3 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppenthelle und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 4 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen. ,

Hierher gehören die Orte: Albach, Allendorf a. d. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt (mit Arnsburg), Ettingshausen, Garbenteich, Groß-Linden, Grüningen, Hausen, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Lich (mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Rkühlsachsen), Münster, Hof-Gill, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg.

Es haben aus den genannten Otten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden Bezirke wohnenden Offiziere und Mannschaften des Beurlaubten­standes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve und Landwehr gehören, zur Di-pofttion der Truppentheile beurlaubt oder zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassen find. Die Ett'atz-Reservisten haben nicht zu eycheinen.

Dispensationen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche spätestens 8 Tage vor den betreffenden Control- Versammlungen auf dem Dienstwege eingereicht werden.

Die ohne Entschuldigung fehlenden Riannschasten haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen. .

Es wird noch bemerkt, daß die Leute mit dem Militär-Paß und Führungs-Attest vett'ehen in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen haben, und vor dem Beginn der Control-Versammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen rc. fortzulegen sind. k

Oberst z. D. und Bezitts-Commandeur.

Politische Ueberfkcht.

Giefien, 26. Februar.

Am kaiserlichen Hose fand am Donnerstag ein großes Ballsest statt, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen waren. Der Kaiser, dessen AuS- iehen vortrejslich war, bewegte sich in sichtlich heiterer Laune durch die Reihen seiner Gäste und verweilte unter ihnen bis zu dem gegen 1 Uhr erfolgten Schluß des Festes.

^Die längst jignalisirte Ernennung des Fürsten Orlow j ^'russischen Botschafter in Berlin ist nunmehr erfolgt, zugleich neben den orrbem schon angekündigten Veränderungen in der diplomatischen Vertretung Rußlands im Auslande. Es ist schon zum Oesteren darauf hingewieien worden, Welch. Bedeutung diese Ernennung für die Beziehungen zwischen Deutschland pid Rußland hat und nicht nur bei uns, sondern gewiß auch in denjenigen russischen Kreisen, in denen man ein aufrichtiges Einvernehmen mit dem deut­schen Reiche wünscht, hegt man die Erwartung, oaß die auf die Berufung des Fürsten Orlow auf den Berliner Botschafterposten gesetzten Hoffnungen in Er­füllung gehen werden. An diese Berufung aber wie an den Besuch des Fürsten Dvlgorucki in Friedttchsruhe knüvst sich fast unmittelbar em neuer fast demon­strativer Freundschaftsbeweis Kaiser Alexander III. für das greife Oberhaupt des deutschen Reiches. Eine Depittation, an deren Spitze Großfürst Michael, bei Oheim des Czaren, stehl, wird in diesen Tagen pon Petersburg in Berlin Eintreffen, um Kaiser Wilhelm zu dessen 70jährigem Jubiläum als Ritter des mlsischen St. Georgsordens im Namen und Auftrag des Kaisers Alexander

zu beglückwünschen. Besonders bemerkenswetth erscheint hierbei der Umstand, daß die Deputation aus dem Grenadier-RegimenteKaluga" gewählt ist, in dessen Reihen Kaiser Wilhelm vor nun gerade 70 Jahren (27. Februar 1814) die Schlacht von Bar-sur-Aube mitmachte.

Die Rückkehr des Prinzen Heinrich von Preußen in die Hei- math nach fast zweijähriger Abwesenheit wird binnen Kurzum erfolgen. Am Donnerstag ist die CorvetteOlga" mit dem Prinzen an Bord in Plymouth eingelaufen; doch scheint es noch nicht festzustehen, wenn bie Weiterreise nach Kiel erfolgt. p L M

Die Einberufung des Reichstages auf den 6. Marz legt die Frage nach den bis dahin noch fertigzustellenden Vorlagen nahe. In dieser Beziehung herrscht aber selbst in parlamentarischen Kreisen noch große Unsicher- hext, namentlich was die Vorlegung des Arbeiter-Nnfallversicherungs-Gesetzes anbelangt. Es hieß zwar, daß dasselbe dem Reichstage bei seinem Zusammen- tdtte zugehen solle, indeß unterliegt der Entwurf gegenwärtig noch den Be- rathungen der Bundesraths-Ausschüsse und ob dann das Plenum des Bundes- rathes zu dem angegebenen Zeitpunkte mit der Vorlage fertig fein wird, ist ziemlich fraglich. Heber die parlamentarischen Dispositionen der Reichsregierung ist überhaupt bis jetzt wenig bekannt, auch hinsichtlich des Antrages auf Er­neuerung des Socialisten-Gesetzes. Hoffenllich werden die nächsten Tage die nöthige Aufklärung bringen.

In den Arbeiten des österreichischen Abgeordnetenhauses ist eine längere Pause eingetreten, indem sich dasselbe am Freitag bis zum.