nahegelegenen Storchevapotheke nicht auf. Stellmacher klingelt und tritt ein. AIS der Provisor daS Recept mit dem Nameu eines fremden Arztes (SchultheS in Zürich) prüft und stutzig wird, dringt Kammerer ein, haut und sticht so lange auf Lienhard ein, b!S dieser röchelnd zu Bodrn sinkt. Die im Kampf abgerissene Uhrkette und der Vapierkragen Kammerer'S bleiben zurück. Stellmacher hat die Ladenkasse mit 20 („man kommt kaum auf die Kosten!') ausgeraubt, und nun eilt daS Triumvirat zum Spitalihor, wo keine Wacbe steht, dem Rhein-Rhone-Canol entlang zur nächsten Station der Bahn nach Basel. In der Hast rennen sie west über die erste Station Grafen- üaden hinaus und kommen Morgens um 5 Uhr nach FegerSheim; sie sind querfeldein über Graden und Hecken gelaufen und bet dem regnerischen Wetter bis über die Hüften wit Schlamm und Erde bedeckt: in der Aufregung haben zwei nicht einmal die falschen Bätte abgelegt. Um -1 Uhr Nachts war der Mord in der Storchenopotheke entdeckt; hätten die mit der Untersuchung betrauten Beamten sofort den Badnteleg-aphen zu Hülfe genommen und die nächstgelegenen Stationen von dem blutigen Drama in Kenntntß gesetzt, das anarchistische Triumvirat wäre sofort um 6 Uhr in FegerShrim dingfest gemacht worden, denn es erregte auf dem dortigen Bahnhof, von wo es un- gestört nach Bafel abreiste, großes Aufsehen. Auffallend bleibt als drittes Moment in der flrafpraceffualen Verfoloung der Mordthaten vom 22 October 1883, daß trotz der Mahnung zweier tüchtiger Criminalbeamten jener seltsame Auszug der drei Strolche in Fegeroheim nicht sofort zum Ausgangspunkt genauester Recherchen gemacht wurde; so tft erst nach 9 Monaten Dank Kammerer's Geständniß dem Staatsanwalt Popp die Ehre der Entdeckung dreier Verbrechen zu Theil geworden.
— En junger Raffe In Palermo, der von einer Schauspielerin eine Zurechtweisung wegen einer Unverschämtheit etngeheimft batte, wollte sich dadurch rachen, daß er ihr bet der nächsten Vorstellung ein an einem dünnen Bindfaden befestigtes Bouquet zuwarf und es in dem Augenblick, als die Künstlerin zugriff, zurückzog. Die junge Dame war aber flinker als der feine Herr, erwischte daS Bouquet und war im nächsten Augenblick auch schon im Parguttt und bearbeitete ihm mit dem Strauß den Kopf, daß ihm Hören und Sehen verging. Donn aber schwang sie sich behend wieder auf die Bühne unter einem Beifallssturm, wie ihn die bekannten ältesten Leute noch nicht in Palermo gehört hatten.
Aus dem Kreise Dieburg, 22. Juli. Zufolge einer freundlichen Einladung unseres Herrn Kreisraths machten die Bürgermeister des Kreises am vorverfloffenen Sonntag einen Ausflug nach dem Niederwald-Denkmal. Sowohl die Großartigkeit des Denkmals selbst, als die unvergleichlich schöne Rhetnaegend erz-ugten eine überaus gehobene Stimmung, in welcher die Gesellschaft die schnell dahin eilenden Stunden verbrachte. In Bingen, „Hotel Bellevue", nahm man, nach einer Dampfboot- fahrt auf dem schönen Strom, das gemeinsame Mittagsmahl, wobei manch' schwunghafter' Trinkspruch stieg und die „jungen Deutschen" zeigten, daß sie es den „alten" noch gleich zu thun wissen, denn Alle gingen nicht, bis sie nach dem letzten noch Einen getrunken. Die gelungene Tour wird gewiß Jedem der Theilnehmer eine schöne Erinnerung fein.
— Wie die Athener „Stoa" meldet, wurde vor einiger Zeit der griechische Kriegsdampfer „Paralos" anaewiesen, sich nach Nauplia zu begeben, um dort den Scharfrichter und seine Guillotine nebst einigen Soldaten an Bord zu nehmen und mit denselben dann eine Rundreise um das Königreich anzutreten. In Griechenland finden nämlich die Hinrichtungen, um das viele Hin- und Herfahren des einzigen Scharf- richtns im Lande und die damit verbundenen Auslagen zu ersparen, immer nur im Juli statt. Die Todescandidaten werden dann nach einigen schon dazu bestimmten Küstenftadten geschafft, in denen nun die Hinrichtungen stattfinden. Als die griechische Regierung vor einigen Jahren einen neuen Scharfrichter suchte, da wollte sich Niemand zu diesem traurigen Amte melden Sie begnadigte daher einen zum Tode verurtheilten Sträfling und ernannte ihn zum Scharfrichter. Damit derselbe jedoch nicht entfliehe,
wird er in Nauplia gefangen gehalten. Tritt er bann seine traurige Rundreise an, so wird er der Obhut einiger Soldaten anvertraut. So erzählt das „N. W. T"
— sÄbgeschoffte Polizei.) In Zell am See, einem herrlich gelegenen kleinen Kurorte bet Gastein, ist, wie em von dort zurückgckehrter Tourist erzählt, kürzlich — die Polizei abgeschafft worden! Da nämlich durch ein ganzes Jahr keine einzige Arrestation, überhaupt fein einziges Vergehen vorgekommen, so hat der Gemeinderath beschlossen, die e nzige Person, welche dort die Polizeigewalt und Exekution des Strafgesetzbuchs repräsenttrte — den Nachtwächter — adzuschaffen. Also geschehen im Jahre deS HellS 1884.
— Ein reich gewordener Bauer nimmt Platz in einem Coup6 zweiter Claffe, in dem bereits eine junge elegante Dame sitzt, zieht feine Pfeife heraus und stopft sie sich. „Können Sie den Tabaksrauch vertragen?" wendet er sich an seine Reisegefährtin. „O nein, gar nicht!" lautet dte Antwort. „Na, da steigcn's auS," erwidert der höfliche Bauer, „jetzt geht's los."
731) Ueber dte Höbe der Kosten, welche die ElDrtick'img einer Anzeige In eise oder mehre Zeitungen verursacht, wird man eich niemals enttiinsoht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von 1(1 A A & ER M'F E K «de mULÜK in Frankfurt a. M. (Kurlnruhe, Stuttgart oder München) zuvor Aookunft emfordert, dis auch hinsichta der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blatter auf Grund reicher Erfahrungen und rrundlieher Beobachtungen r.uverk’iwigoo Rath erthellt
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
7. Sonntag nach Trinitatis [27. Julij.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Katechismuslehre für die confirmirten Mädchen, Vormittags 11 Uhr, in der Friedhosskapelle — Pfarrer Dingeldey.
Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Die auf Sonntag Abend vorgesehene Bibelstunde fällt aus und soll am nächstfolgenden Sonntag, den 3. August, gehalten werden-
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 27.Juli bis3. August besorgt: Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
8. Sonntag nach Pfingsten.
Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmeste und Austbeilung der hl. Commu- nion. VrlO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Andacht für die Abgestorbenen.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 835 Uhr.
Temperatur am 2S. Juli (Mittags zwischen 11 und 12 Uhr). Wasferwärme her Lahn 16° R. — Luftwärme lo1/»0 R. tm Schatten.
Rübsamen-
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Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Karl Lange in Gießen ist durch Ausschüttung der Masse beendigt.
Gießen, den 22. Juli 1884.
Großherzogliches Amtsgericht.
Veröffentlicht
Neid hart, 4946 Gerichtsschreiber.
Die Arbeiten zu der Verlängerung der Wieseckbrücke vor Bahnhof Gießen einschließlich Lieferung der Zimmermaterialien, jedoch ausschließlich Lieferung der Maurermaterialien, veranschlagt zu 10742 «X sollen in öffentlicher Submission vergeben werden. Termin am L. August 1884, Vormittags 11 Uhr. Submissionsbedingungen 2C. sind zum Preise von 1 Jt. zu beziehen. 4880
Marburg, am 18. Juli 1884.
Königliche Eisenbahn-Bauinspection.
Oeffentliche Aufforderung.
Die Erbschaft des am 19. Mai l. I. verstorbenen Karl Straub von Gießen ist von dem Vormunde dessen minderjährigen Kindes erster Ehe 'Namens dieses ausgeschlagen, von der Mutter dessen minderjähriger Kinder zweiter Ehe Namens dieser aber nur unter der Nechtswohlthat des Erb- verzeichnisses angetreten worden.
Alle, welche Ansprüche an fraglichen Nachlaß zu bilden haben, werden daher aufgefordert, solche bis zum 12. August I. I. dahier in der Gerichtsschreiberei anzumelden, widrigenfalls sie bei Ordnung des Nachlasses Berücksichtigung nicht finden können.
Gießen, den 15. Juli 1884. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.
Stammler 4804
4950 Ein in noch sehr gutem Zustand I erhaltener, stehender Flügel ist billig zu verkaufen im Schützenhof. I
Bekanntmachung.
Der Plan über die von der Stadtverordneten-Versammlung festgestellte Baufluchtlinie für die südliche und westliche Seite der Caplaneigasse liegt 14 Tage auf dem Bureau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen, während welcher Zeit Einwendungen bei Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde vorzubringen sind.
Gießen, den 24. Juli 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _______________________A. Bramm.___________________4954
Bekanntmachung.
Der Plan über die von der Stadtverordneten - Versammlung festgestellte Baufluchtlinie für die westliche Seite der Erlengasse liegt 14 Tage auf dem Bureau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen, während welcher Zeit Einwendungen bei Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde anzubringen sind.
Gießen, den 24. Juli 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 4953
Bekanntmachung.
Wegen Räumung des Stadtbaches wird dessen Wasserzufluß von nächster Woche an auf einige Zeit gesperrt.
Gießen, den 25. Juli 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
________________________A. Bram m.____________________4952
Bekanntmachung.
Der Plan über die von der Stadtverordneten-Versammlung festgestellte Baufluchtlinie für die Wetzsteingasse liegt 14 Tage auf dem Bureau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen, während welcher Zeit Einwendungen bei Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde anzubringen sind.
Gießen, den 24. Juli 1884.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 4955
Fichlenlmuhoh bester Qualität und in allen Dimensionen billig abzugeben.
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Rüschen 4859 weiß und farbig, 5)ameib u. Kinderkragen, farbige Spitzen rc.
zu billigsten Preisen
Arbeits- Versteigerung.
Montag den 28. Juli l. I.,
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf hiesigem Nachhause nachverzeichnete Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden: Caussirung eines Weges an! Eichweg: Steinfahren, veranschl. zu 165 Jk
Steinsetzen, „ „ 14 „
Chaussirungsarbeiten „ 168 „ Ueberkiesung „ „ 12 „
Mainzlar, am 23. Juli 1884. Großh. Bürgermeisterei Mainzlar.
Vogel. 4925
Samstag den 2. August,
Vormittags 11 Uhr,
soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Weißbinder Karl Euler II.
Flur 1/1249 169 Meter Hofraithe in der Neustadt,
Flur 1/1250 94 Meter Grabgarten daselbst
meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 27. Juni 1884.
Großh. Ortsgericht.
4332 Müller.
Auf freiwilliges Anstchen des Herrn Jirstnö BLrrn dahier werden in dessen Wohnung, Hammstraßc,
nächsten Montag den 28. d. M.,
Nachmittags 2 Uhr,
verschiedene Mobiliargegenstände gegen Baarzahlung versteigert, als:
5 vollständige Betten,
1 Buffet,
3 Wirthstische,
5 Wirthsbänke,
2 noch gute Hobelbänke,
verschiedenes, gut erhaltenes Schreinerwerkzeug, insbesondere sehr schöne Kehlhobel,
eine große Parthie Schraub- u. Dcckel- zwingen,
Schreinerabfallholz, Nußbaumbohlen rc.
Die Gegenstände können Sonntags eingesehen werden.
Gießen, den 25. Juli 1884.
Bühner,
4956 Gerichtsvollzieher.


