Kasse!, 17. Juni. Man schreibt dem „Hann. Cour.": Ein eigenthümlicheS Mißgeschick widerfuhr m der vorgestrigen Vorstellung von „Robert und Bertram« unftrm beliebten Baßbuffo, Herrn Schulze, welcher den Gefüngntßwärter Strambach spielte. Infolge der drückenden Hitze löste sich die eine Spitze des aufgeklebten martialischen Schnurrbarts los, rutschte bei der nächsten Fermate, als der Sänger Athem holte, in den Schlund und blieb vor der Luftröhre hängen, so daß Herr Schulze einen förmlichen Erstickungsanfall bekam. Der Vorhang fiel selbstverständlich und die Aerzte stürzten auf die Bühne, während das Publikum in Aufregung und Angst peinlich verharrte. Der Patient mußte dann rasch einige Brodkugeln nehmen, mehrere Mas Wasser thaten das Uebrige und der vermaledeite Schnurrbart war hinuntergeschluckt, wenn es auch einige Anstrengungen kostete. Die ganze Operation hatte nur kurze Zeit erfordert, und da das Uebelbefinden rasch beseitigt war, nahm der beliebte Sänger mit dem ihm eigenen unverwüstlichen Humor seine Rolle wieder auf und führte sie ungestört durch, selbstverständlich mit besonders lebhaftem Beifalle ausgezeichnet.
— In der Schweiz hat das Unwetter des 14. Juni arg gehaust. Die „Neue Züricher Zeitung" berichtet aus Andelftngen: „Es fielen nebst starkem Regenwetter eine Masse Hagelkörner bis zur Größe von Baumnüffen; der Ertrag der Felder, Weinberge rc. ist fast zur Häste vernichtet- Noch liegen die Schlossen in Haufen und es sieht aus, als ob Schnee gefallen wäre." Auch in St. Gallen tobte ein furchtbares Gewitter, die Straßen waren mit Schlossen bedeckt. Durch die großen Wassermassen wurden Balken fortgeschwemmt, ja, ein Knabe, der über die Straße springen wollte, wurde eine Strecke weit vom Wasser fortgerissen. Die von Appenzell kommende Post war beschneit und an andern Orten hatte man am folgenden Morgen einen starken Reif. Am 14 ds, Abends 6 Uhr, noch war es der Wassermasien wegen unmöglich, vom Bahnhof zur Post zu gelangen.
Bern, 17. Juni. Vorige Woche, schreibt man dem hiesigen Stadtblatt, hat sich in Luzern ein Fall ereignet, der so eigenthümlich ist, daß man glauben könnte, er sei einem Sensationsroman entlehnt und doch beruht derselbe auf Wahrheit. Zwei be- freundcte Engländer, von denen der eine der englische Consul Brandt war, der seit 26 Jahren eine Villa am Vierwaldstättersee besitzt, feierten ihr Wiedersehen nach kurzer Trennung. In heiterster Stimmung gingen beide auseinander, Herr Brandt, um seine Wohnung, der Freund, um seinen Gasthof aufzusuchen. Dort angelangt, läßt er sich eine Tasse Kaffee auf sein Zimmer bringen und schickt sich an, es sich recht gemüthlich und bequem zu machen. Der K-llner bringt den Kaffee, der Engländer will die Taffe zum Munde führen, als er plötzlich von einem Herzschlage getroffen todt in den Sessel -mücksinkt- Sofort wird der Portier abgesandt, um Herrn Brandt die Trauernachricht von dem eben erfolgten jähen Hinscheiden des Freundes zu melden. Auf der Hälfte des Weges begegnet der Portier dem ihm bekannten Diener des Herrn Brandt und hat kaum angefangen, seine Botschaft auszurichten, als der Diener ihn mit den Worten unterbricht: „Mein Gott! auch ich komme zu Ihnen mit einer Trauernachricht, denn soeben ist Herr Brandt von einem Herzschlage betroffen todt zusammengesunken." Beide Freunde waren in der nämlichen Minute verschieden.
— fDas elektrische Licht im Dienste der Armee.j Donnerstag Nacht sand bet dem Vergnügungslokal „Pichelsberge" im Grünewald bei Berlin ein höchst interessantes Manöver statt. Gegen 11 Uhr unternahm das Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regtment Nr- 2 eine Attaque auf einen mark rten Feind und kurz nach Beendigung des Gefechtes ging das hier zu Reserve-Uebungen befindliche 3. Corps der Sanitäts-Colonne vor,
3U recogrrosciren. Zu diesem Behufe kam zum ersten Male das ^ktrffche Lichtin Anwendung. Auf einem mit Pferden bespannten Wagen, ähnlich wie der Exttnkteur bei der Feuerwehr, befand sich der Motor zur elektrischen Beleuchtung und auf neun hohen Stangen waren Bogenlichtlampen angebracht, welche durch diesen Apparat gespeist werden konnten. Um diese Stangen nach beliebigen Richtungen transportlren zu können, wickelten sich Drähte, ähnlich wie Schläuche bei Spritzen, von einer Rolle ab, um den Lampen den elektrischen Strom zuzuführen. Der Erfolg war ein ungemein günstiger. Die Aerzte, Krankenwärter und -Träger, 318 an der SflpL konnten ganz deutlich die an den scheinbar Verwundeten, resp. Tobten anae- Meten auf Marken verzeichneten Blesiuren lesen und demnach den ihnen obliegenden Dienst verrichten. Dem militärischen Schauspiele wohnte trotz der vorgerückten Rett eine große Zuschauermenge bei und der Reflex des Lichtes auf der von 2§ald umsäumten Ebene machte einen imposanten Eindruck. Erst gegen 7 Uhr früh ruckten die Mannschaften über Wilmersdorf und Schöneberg in ihre Quartiere
— Prinz Alexander von Holland, welcher am Samstag in Parts gestorben ist, war durch und durch ein Sonderling und diese Sonderheiten dürsten auch seinen Tod wesentlich beschleunigt haben, wenn er auch von Kindheit an sehr leidend und eS gewiß war, daß er kein hohes Alter erreichen würde. Der Prinz hielt in seinem Krankenzimmer 60 Papageien und der schlechte Geruch, den diese Thiere verbreiteten und die dadurch bewirkte Luftoergiftung war nach Ansicht der Aerzte die Ursache eines typhösen Fiebers, dem der Prinz vorschnell erlag.
Verkäufe und Verpachtungen, Betheiligungen, Stcllen-Vakanzen re. werden am sichersten durch Annoncen in zweckentsprechenden Zeitungen zur Kenntniß der. bez. Reflektanten gebracht; die einlaufenden Offerten werden den Inserenten im Origlnal zugesandt. Nähere Auskunft ertheilt die Annoncen-Expedition von Rudolf A^^r-°Eurt a. M-, Noßmarkt Nr-3. Vertreter in Gießen: Heinrich Wallach, Marktplatz 8. 3975
Dr. med. H. Gensch, EÄÄaÄ 2U2
10—1 und 3—5. btiftßtrasse 22 I. Auswärts brieflich.
731) Heber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige fn eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von IS AAS SYSTEM VOQL.L8L in
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grand reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
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Rübsamen.
Bekanntmachung.
In dem Concurse über das Vermögen des Bäckers Johannes Rühl von Homberg a/Ohm, jetzt wohnhaft in Gießen, wird Termin zur Gläubiger-Versammlung, in welcher über Genehmigung einer stattgehabten freiwilligen Immobilien- Veräußerung beschlossen werden soll, bestimmt auf
Montag den 14. Juli 1884, Vormittags 8 Uhr.
Gießen, den 18. Juni 1884.
Großherzogliches Amtsgericht.
Veröffentlicht: Neidhart, ___________Gerichtsschreiber. 4296
Bersteigerungs-
Anzerae.
Donnerstag den 26. Juni,
Nachmittags 2 Uhr, werden in der Nathhaushalle dahier 6 Körbe mit Gemüse versteigert.
Gießen, am 25. Juni 1884.
4314 Moll, Marktmeister.
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4304 Das zu dem Nachlaß des Hofgerichtsadvocaten Psannmüller II. gehörige
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