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1684

Samstag den 26. April

Nr» 97

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

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Darmstadt, 24. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 12. April den provisorischen Lehrer an dem Gycknasium zu Mainz, Dr. Ludwig Schaum, zum Lehrer an dieser Anstalt zu ernennen.

Darmstadt, 24. April. Ihre Maj. die Königin Victoria von Eng­land unternahmen gestern Nachmittag eine anderthalbstündige Spazierfahrt in das Mühlthal. Mit Ihrer Majestät fuhren Se. K. H. der Erbgroßherzog, Ihre Gr. H. die Prinzessin Victoria und die Marquise of Ely. Die Herr­schaften kehrten über Eberstadt um 61/* Uhr hierher zurück.

Ihre Kaiser!. Hoheit die deutsche Kronprinzessin, J.J. K.K. H.H. die Erbprinzessin von Meiningen und die Prinzessin Victoria von Preußen treffen morgen Abend 9 Uhr 10 Mn. dahier ein-

Lord Carlingford, Königl. Großbritannischer Minister, wird mor­gen hier erwartet; derselbe steigt im Hotel zur Traube ab.

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gestellt worden und heißt es, daß die Negierung diesem Drucke auch nachgeben und wahrscheinlich einen neuen Zolltarif ausarbeiten lasten werde.

Der am Montag nach der Osterpause erfolgte Wiederzu­sammentritt des englischen Parlaments hat sofort wieder zu einer für die englische Negierung durchaus nicht angenehmen Erörterung der Sudanfrage ge­führt. Mr. Gladstone selbst sah sich genöthigt, dem Unterhause die neuerdings aus Shendy und Berber eingegangenen ungünstigen Nachrichten zu bestätigen. Bezüglich der Lage Gordon's in Khartum machte der Premier einen Versuch, dieselbe in optimistischer Weise darzustellen, er wird aber hiermit selbst bei seinen eigenen Parteigenosten schwerlich Glauben gefunden haben. Ist es doch rasch allseitig bekannt geworden, in welch' bitterer Weise sich General Gordon sich in seinen letzten Telegrammen an General-Consul Baring darüber ausläßt, daß er von der englischen Regierung preisgegeben worden sei. Wie precär sich die Lage Gordon's gestaltet hat, beweist auch die Nachricht, daß die größte, bei der egyptischen Armee verfügbare Streitmacht schleunigst nach Khartum entsendet werden soll, ein Unternehmen, besten Gelingen jetzt schon mehr als zweifelhaft erscheint. Endlich sollen auch die Verhandlungen Admirals Hewett mit dem Könige Johannes von Abyssinien, welche den Zweck hatten, die Abyssinier für den Entsatz Khartums zu gewinnen, gescheitert sein, da dieselben durch die Ent­sendung eines Specialgesandten des Mahdi an König Johannes durchkreuzt worden sein sollen.

Die griechisch - orientalische Christenh eit wird gegenwärtig durch die Wahl eines neuen griechischen Patriarchen in Konstantinopel in Bewegung gesetzt. Der seitherige Inhaber dieser Würde, Joachim HL, hat bekanntlich demissionirt, da der ökumenische Kirchenrath das von Joachim III, mit der Pforte getroffene Abkommen nicht genehmigte. Die Wahl selbst ist ein sehr complicirter Act unb wird daher noch nicht so bald beendigt sein. Das österreichische Kronprinzen­paar ist am Mittwoch früh von Konstantinopel nach Brusta (Klein-Asien) abgereist.

Die neuesten Nachrichten aus dem Sudan besagen, daß es 8000 Personen gelungen ist, Khartum vor der Einschließung durch die Rebellen zu verlassen und sind 600 von ihnen in Korosko angekommen.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Lorresporrdenr-Brrrearr.

Berlin, 24. April. Die Reise des Kaisers nach Wiesbaden ist wegen deS Un* wohlseins der Kaiserin bis zum Mat verschoben worden. Vor der Abreise wird Seine Majestät der Grundsteinlegung zum Reichötagsgebäude beiwohnen. DaS Befinden deS Kaisers ist fortdauernd vortrefflich. t f n vr . ., m

Berlin, 24. April. Im Abgeordnetenhause stand heute die Prüfung der Wahl deS Abgeordneten v.Lyncker und die damit verbundene Affaire des Regierungspräsidenten Stetnmann auf der Tagesordnung Der Abgeordnete Hahn erklärte tm Namen der conservativen Mitglieder der Commission und der Mitglieder der conseroativen Fraction, daß dieselben für die Gültigkeit der Wahl des Abgeordneten Lyncker stimmen würden. Der Abg. v. Lücken gab die Erkärung ab, daß die Namen der conservativen Com- missionsmitglieder nicht irrthümltch unter den Commissionsantrag gerathen seien, rote der Abgeordnete Hahn behauptet habe, sondern irrthümltch unter den auf Gültigkeit der Wahl gerichteten Antrag der Conservativen gesetzt seien. Der Minister üt Putt- kamer vertheidigte den Regierungspräsidenten Steinmann gegen die heftigen Angriffe von Seiten des Abgeordneten Richter, wobei er zugab, daß die Form des Eingreifen« des Präsidenten Stetnmann nicht ganz correct gewesen sei. Die Unerträglichkeit der Verhältnisse in dem Regierungsbezirk Gumbinnen habe ihre Ursache in gewissen Poli- tikeln, welche ohne Conflicte mit der Regierung schlechterdings nicht ex stiren könnten. Die weitere Diskussion wurde auf morgen vertagt.

Die Commission des Reichstags für das Actiengesctz hat den Artikel der Vorlage, welcher den Minimalbetrag für Actien auf Namen auf 2000 JL und für Actien auf Inhaber auf 1000 JL testsiellt, angenommen.

Die Commission für das Gesetz, betreffend den Feingehalt von Gold- und Silberwaaren, hat beute Vormittag die Generaldebatte beendet und den Referenten mit der Ausarbeitung bestimmter Anträge gegenüber der Regierungsvorlage beauftragt. Morgen wird die Commission in die Specmlbcratbung Eintreten.

Im Reichstage wurde in der heurigen Sitzung das Militärpensionsgesetz in die Commission verwiesen. Im Laufe der Debatte wies der Kriegsminister, General­lieutenant Brcnsart von S 6 ellendorff, auf die Schwierigkeit hin, die Frage der Heran­ziehung der Osficiere zur Communalsteuer gelegentlich der gegenwärtigen Vorlage zu lösen: dagegen sei die Regierung gern zu einer Verständigung über die Frage bereit, der Vorlage über die Kampfgenossen von 187071 hinaus eine rückwirkende Kraft zu geben. Die Behauptung des Abgeordneten Richter, daß der Adel in der Armee bevor­zugt werde, wies der Kriegsminister mit vollster Entschiedenheit zurück. Dem Abge­ordneten Windthorst gegenüber wiederholt er, daß er den Widerspruch gegen die Com-^ munalbesteuerung des Privatvermögens der Osficiere aufrecht erhalten müsse. Morgen findet die Fortsetzung der Berathung über die Vorlage statt.

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Politisch- U-b-rficht.

Gießen. 25. April.

Mit der am Dienstag erfolgten Wiederaufnahme der Ar- weiten des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses sind die parla- meutarischen Verhandlungen wieder zum Mittelpunkte des politischen Interesses geworben. Mit ungewöhnlicher Spannung wurde diesmal der Fortsetzung der Arbeit des parlamentarischen Apparates entgegengesehen, denn der neu begonnene Sessions-Abschnitt soll ja in Reichstag wie Landtag wenigstens eine theilweise Lösung all' jener Rathsel bringen, die sich während der letzten Zeit in unserer inneren Politik gebildet haben. Die ganze parlamentarische Situation wird aber vorläufig noch durch die Frage nach dem Schicksale der Socialistengesetz-Vorlage beherrscht, hinsichtlich welcher spätestens die nächste Woche die Entscheidung bringen wird. Am Donnerstag ist die Reillistags-Commission zur Vorberathung der Vorlage, bett, die Verlängerung des Socialistengesetzes, wieder zusammen« getreten und wird sich u. A. auch mit den Windthorst'schen Anträgen, die eine theilweise Milderung der zur Einengung der soeialdemokratischen Bestrebungen bestehenden Verbote bezwecken, zu beschästigen haben. Im Uebrigen wird jetzt versichert, daß der größere Theil des Centrums für die bedingungslose Ver­längerung des Soeialistengesetzes stimmen werde. Was nun die ersten Sitzungen des Reichstages und des preuß. Abgeordnetenhauses nach der Osterpause anbelangt, so beschäftigte sich der erstere am Dienstag mit der zweiten Lesung der Novelle zum HülfSkaffengesetz. Artikel 2a wurde mit dem Zusatz, wonach auf Antrag der Kassen die höhere Verwaltungsbehörde bei der Zulassung zugleich bescheinigen muß, de.ß das Statut den Vorschristen in § 75 des Krankenversicherungsgesetze« genügt, weiter Artikel 8 mit dem Zusatz, wonach decentralisirte Verwaltungs­stellen einzurichten sind, welche die Berechtigung haben, Gelder bis zur halben Höhe des Jahresbeitrages selbstständig zu verwalten, genehmigt. Die übrigen Artikel bis Artikel 11 wurden nach den Commissions-Anträgen angenommen. Bei der namentlichen Abstimmung über den ersten Satz des § 33 (Art. 11) stellte sich die B-schlußunsähigkeit des Hauses heraus, so daß die weitere Be- rathung der Vorlage vertagt werden mußte; am Mittwoch warSchwerinstag." Das preußische Abgeordnetenhaus genehmigte in der Dienstags-Sitzung> nächst noch einige kleinere Gesetzentwürfe in dritter Lesung und verwies hieraus in erster Lesung die Vorlage, betreffend die Verstaatlichung der Berlin- Hamburger Bahn, der Bremischen Bahnen, der Tilsit - Jnsterdurger Bahn und der Oels-Gnesener Bahn an die Eisenbahn-Commission. Der hierzu gc hörige Nachtragsetat wurde der Vudget-Commifsion überwiesen und die lieber- sicht über die Verwaltung der fiskalischen Bergwerke, Hütten und Salinen pro 1882/83 für erledigt erklärt; zum Schluß wurden noch mehrere kleinere Gegenstände erledigt.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck empfing am Dienstag den Frankfurter Ober-Bürgermeister Dr. Miquel, wodurch die Gerüchte über den Eintritt Dr. Miquel's in das preußische Ministerium wieder neue Nahrung erhalten haben. Etwas Näheres über diesen Besuch Miquel's beim Reichskanzler ist jedoch noch nicht bekannt.

Aus dem Gebiete der hohen Politik wird das Jntereffe durch die bevorstehende Londoner Conferenz und durch die Gerüchte über eine angeb­liche Drei> Kaiser > Zusammenkunft in Anspruch genommen. Dem Vernehmen nach haben bereits alle Großmächte ihre Theilnahme an der Conferenz zuge- sagt, die sich lediglich mit der Regelung Der egyptischen Finanzlage beschäftigen wird Was die in österreichischen Blättern signalisirte Drei-Kaiser-Zusammen- kunst anbelangt, so soll dieselbe im Lause dieses Sommers in Warschau statt- finden, wohin sich Kaiser Alexander nach der Großjährigkeits-Erklärung seines ältesten Sohnes zu begeben gedenkt. Eine greifbarere Gestalt hat jedoch das an und für sich nicht unwahrscheinliche Projeet noch nicht angenommen.

Die Preßburger Viehmarkts-Affaire läßt die österreichische Hauptstadt noch immer nicht zur Ruhe kommen. Im Wiener Gemeinderathe hat sich eine lebhafte Opposition gegen die von der Regierung für Wien erlassene neue Marktordnung erhoben, die ihren Ausdruck in der Forderung findet, daß die Regierung einige der mißliebigsten Bestimmungen der Markt- ordnung wieder zurücknehmen solle. Ferner wird die Wiener Bevölkerung auch durch die Nordbahn-Frage erregt. Anläßlich der Verhandlungen, welche zwischen der Regierung und der Nordbahn über die Verstaatlichung derselben stattfinden, fand am Montag in der Volkshalle De« neuen RathhanseS eine tumnlkuarische Versammlung statt, die einen stark antisemitischen Charakter trug und welche einstimmig die unbedingte Verstaatlichung der Nordbahn forderte, welche Forde­rung in einer Resolution niedergelegt wurde. Am Dienstag früh hat im fjofe de« Wiener Landgerichts-Gebäudes die Hinrichtung Hugo Schenk's und Karl Schloffarek'S mittelst des Stranges stattgefunden und sind somit zwei Scheusale in Menschengestalt weniger auf der Welt vorhanden.

In Frankreich steht augenblicklich die am Montag erfolgte Eröffnung her Session der Generalräthe im Vordergründe der Ereigniffe. Nur die General- räthe der Departements der Seine, Korsikas und Algeriens werden erst zu einer späteren Zeit zusammentreten. Die gegenwärtige Session der Generalräthe ist dadurch bemerkenswerth, daß in ihr die schutzzöllnerische Bewegung, welche in Frankreich immer mehr um sich greift, zu einem scharf accentuitten Ausdruck Belangen dürfte. Beinahe in sämmtlichen Departements sind Anträge auf Er­höhung des Eingangszolles für Getreide, für Schlachtvieh, für Jnduftriewaaren rc.

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