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Irr. 302 Erstes Blatt Donnerstag den 25. December 1881
Gießener Anzeiger
Amts- imb Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags
«urean: Sch'.llstraße 7.
Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Telegraphische Depeichm.
»oi«'S talrar. Torrrspo»ve«L-»«lerav.
Berlin, 23. December. In Bezug auf d'.e Stiftung emeS Fonds zur Dottrung des von "m Reichskanzler Fürsten B.Smarck als unentbe^rltcö beietcftnexcn^irenoztaU beamten faat die ,Nsrdd. Allg. Ztg": „So anerkennenswerth die Opferwilltgkett ist, möchtm wir doch zur Erwägung geben, daß eS weder tbunllch "^ctz erforderlich sein wird, die auf diesem Wege aufgebrachten Gelder zur Besoldung von RetchSbeamten zu verwenden. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die nur durch gemeinsamen Haß gegen den Kanzler verbündeten Fraktionen den Muth baben ^rden, ihr Votum b«i der dritten Lesung zu wiederholen, und wenn das d-nnoch geschähe, so würde die Abwehr der darin liegenden Schädigung des Reiches doch wohl auf anderem Wege zu suchen sein, als durch Deckung der versagten Mittel auf dem Wege der Pnoatwohl- tiäUgteit" ®(cember Stute Nachmittag wurde eine von 8855 Personen
aller StäÄt hk.sigen BÜ gerschast unter,-,chn->-Adr.,se an d-n ReichSknn.ter ob gesandt, in welche? ontöbtt» des ReichStagSdeschlusseS vom 15. d s. M er unver- Änhprten trenrn fMnaebuno für den großen Staatsmann, der mit freudigem stolze LetvÄs Ebrenb^aer fcnannt wird, Ausdruck gegeben wird. Die Adresse mißbilligt dos Vor geh en* ber ^unn atü% d? ^n Coalition gegen den Reichskanzler und spricht die Ueberzengung aus, daß dem Fürsten BtSmarck, wie in früheren Kämpfen, auch dies, 0101 1>ee^att?'I23.,®ecen>bet. Noch amtlicher Feststellung erhielt bei der R'ichs^ taasnawwobl Im »weiten Llegnitzer Wahlkreise (Sogan - Sprollau) v. gorck-nd-ck (deuttch?rtts.) 8152 / Gios Kanitz (eonservaliv) 5599 Stimmen. Ersterer ist somit gewählr Deeember. Die Rettungsstation .Norderney" der deutschen Gi-
sellschast mr Rettung Schiffbrüchiger telegraphlrt: Am 23. D-e-mber von der deutscher. M tr-e K brüder- CopitSn Kovpe. mit Stückgut von Leer nach Norderney de. u mmt weich- ans der hohen Platte strandete, drei Personen gerettet durch das Rettungsboot »Barmen- der Station Westland. Starker Nordostwind. Rettungsboot 9 StUwa«»?bur«",S' 23. December. D-S A-ltesten - Collegium der hiestgen Raub mannlchatt veschioS etnstimmrg. eine Petition an den Reichstag zu richten um nn- gesSumte Annahme der Damysersuboevt onsvorlage. Zugleich sandte dassttde rmr
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vertagt und ein Kanonenboot zue Verhaftung des angeklagten, noch auf See befindlichen SW'l“ ®,«m6er!n®t?$olilel entdeckte gestern tnNen-Pestb tn der Wohnung einet ÄÄcÄSe ®“utfe e "»“we nebst zahlreichen soctattsttschen Schriften und LüscrLten beschlagnahmt wmde. Der Schrl'tsetzer Fran, Spttlmann und die Vermietherin der Wohnung stnd verhaftet roordcm
Weihnachten 188 4.
Dar liebe, wonnige Weihnachtsfest ist wieder da. wieder ist es mit seinem ganzen Glanze und seiner strahlenden Herrlichkeit erschienen! So tönt es von den Lippen der Menschen und es tönt freudig und dankbar, wie der Jubelgruß «n einen längst erwarteten lieben Freund. Das Fest, das Jahrhunderte und aber Jahrhunderte in allen Gauen der Erde, wo Christen wohnen, mit Freude und Dankbarkeit gefeiert worden, es hat für unsere Tage eine noch größere, weitere Bedeutung erlangt, denn je. Immer härter, strenger und gewaltiger hat sich in unserer schnelllebigen Zeit der Kampf um's Dasein gestaltet, immer größer und heißer ist das Ringen nach materieller und geistiger Wohlfahrt auf unserer Erde geworden und immer weitere Kreise ergreift die fieberhafte Aufregung und nervöse Unruhe, die in unserer Zeit mit dem politischen Leben verknüpft ist. Da erscheinen denn jene Feste, die allen Menschen, allen Christen, ob hoch oder niedrig, gegeben und deren jedes allen Christen zuruft: Wir sind Alle nur Menschen und Alle gleich viel werth vor den Augen des Höchsten — da erscheinen jene Feste als liebliche Ruhepunkte in dem wilden Sturm und Drang des Lebens. Und vor Allem das Weihnachtsfeft, das Fest der allerbarmenden Liebe, muß uns mit diesem Gedanken erfüllen. In diesem Jahre aber noch viel mehr, als in jedem anderen mag das Weihnachtsfeft mit feinem Friedens- schimmer hinein strahlen m des täglichen Lebens Hast und Mühe; möge es glätten die hochgehenden Wogen des öffentlichen Lebens, die fast überall tm deutschen Reiche durch die Wahlen und die mit ihnen verknüpften Agitationen aufgewühlt worden, möge es mit seiner versöhnenden Kraft die deutschen Man- ner aller Parteien vereinen in dcm Wirken zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes. , ym , c
Der Stern, der über der kleinen Herberge des verachteten Bethlehem auf- qegangen war, er strahlt noch heute mit himmlischem Lichte in des Daseins Dunkel; der Ruf, der beseligend vor mehr denn achtzehnhundert Jahren auf Bethlehems Fluren erklang, ertönt noch heute fort, der Ruf: Ehre fei Gott . tn der Hohe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlge- fallen! Die unüberwindliche Kraft jenes welthistorischen Ereignisses von Bethlehem, sie wird noch heute wie früher empfunden, noch heute leuchtet der Weihnachtsbaum mit unvergänglichem Glanze, erwärmend, tröstend und kräftigend, mahnend und führend. - Und worin besteht denn der Zauber des Weihnachtssestes für Alle, die noch einen Funken von Gemüth sich zu erhalten aewubt haben? Er besteht darin, daß von diesem Feste das «aus. die Familie mit einem hehren Schimmer verklärt wird, mit jenem Schimmer der Liebe, wie ihn dieses Fest uns spendet. Denn das Weihnachtsfeft ist vor Allem das Fest der Liebe, jener großen allgewaltigen Liebe, mit der des Erlösers Herr die ganze Menschheit umfaßte, jener urewigen Liebe, die das Lebens- Element der ganzen Menschheit bildet, und ohne die es fern -eben, kem Werden und Vergehen gäbe. Jene Liebe, die vor Jahrtausenden, um mit des Dichters Worten zu reden, „den Menschen zum Menschen gesellt", sie kommt am Schönsten und Holdesten zum Ausdruck am Weihnachtsfeste. Unter ihrem belebenden Hauch erstehet der Weihnachtsbaum, und unter ihm breiten sich die Gaben aus , die die Liebe bescheert, die sorgende Liebe, die da sorgt und schafft um der geliebten Personen willen, die glücklich ist, wenn sie Andere glücklich und zufrieden machen kann. Jene selbstverleugnende Liebe, die das ganze Jahr hindurch im Busen genährt, sie flammt auf im schönsten Schimmer an dem Feste, da wir die Kerzen des Christbaums entzünden. „ t ,,, . _ . .
Das Weihnachisiest, cs ist auch das Fest der Familie, der Hauser und vor Allem der Kinder/ Wer möchte sie misten, di- freudestrahlenden Kmder. Mienen, wer mochte dar Jauchzen, dar Dankesstammeln der Klemen, das wre ein Sonnenblick selbst das dunkelst- Herz erfüllt, hinwegwunAen aus der Wech. nachtrfeier! Werden wir doch selbst wieder jung bei dem Anblick dieses ui^e> luchten unbewußten Glückes, welches die kleine Welt empfindet, bei der kindlichen Naivität, die eine Welt der Zufriedenheit und Freuds findet m jenen Kleinigkeiten, die an und für sich gerwgwerthig, ihren hohen Werth erca^en dadurch, daß sie von liebender Vater- und Mutterhand b-jche-r worden Der Deutsch-, der sein Haus und Heim und das trauliche Familienleben vielleicht mehr als j-d- andere Nation zu schätzen weiß, für ihn ist auch dar Weihnach sfest die Krone aller Feste. Denn an diesem Feste entfaltet dar Haus alle seine Reize und führt uns zu uns selbst, zum Frieden des häuslichen Heerdes zuruck. Die wohlthuende Wärme des Familienzimmers, die der Unbilven des Wetters da draußen spottet, der lichterstrahlende Christbaum, welcher der Dunkelheit da draußen wehrt, sie sind hie Symbole der Segnungen, welche eine geordnete Häuslichkeit dem Menschen zu gewähren vermag. Während an anderen seiet- taaen die Menschen je nach Zufall ober Laune sich zu zerstreuen vfiegen, rucken sie am WMnachtsseste enger aneinander und find bestrebt sich gegenseitig LL machen Dieses Leben mit Anderen und für Andere, welches uns das Christfest in’S Gedächtniß ruft, ist es, was dem Leben überhaupt seinen Werth und s-me Weihe „ Mögen dessen alle Jene am, h-utig°n
erflehend für die spätere Zeit.
Und Friede auf Erden! Auch jene Ruhelosen, die ewig und immer ohne Rast den harten Kampf um'S Dasein kämpfen, sie mögen am heutigen Feste das Beil und den Hammer, die Feder und den Meißel aus der Hand legen und sich freuen mit den Ihrigen; sie mögen sich schaaren um den immergrünen deutschen Tannenbaum und zu Kindern werden unter Kindern.
Und den Menschen ein Wohlgefallen! Auch Jener sei am heu» Ligen Feste nicht vergessen, die von des Schicksals rauher Hand getroffen, das Jahr hindurch mH Kummer, Armuth und Elend zu kämpfen gehabt; es sei ihrer in Liebe gedacht und mH hülfsbereitem Mitleid. Denn erst dadurch, daß wir an dem Tage, der für uns selbst ein Tag der Freude ist, auch nicht der Freudelosen, der Armen und Darbenden vergessen, erhält das hehre Christfest seine volle Weihe. , r. _..rx
Und in diesem Sinne werden wir ganz theilhastig werden der göttlichen Weihnachtskunde, die freudig von den Lippen heute tönt:
Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!___________
Darmstadt, 23. December. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 24 enthält Ausschreiben an die Gerichte und Staatsanwaltschaften d. d. Darmstadt, den 10 December, betreffend: Die Ausführung des Nahrungsmittel-Gesetzes vom 14. Mai 1879. Dasselbe bringt eine den Bundes-Regierungen Seitens des Reichskanzlers mitgetheilte Instruction zur Kenntnißnahme und lautet wörtlich;
„Bei bet chemischen Untersuchung der Nahrungsmittel ist vielfach als ein Uebelstand empfunden worden, daß die einzelnere Chemiker sich verschiedener, zu abweichenden Ergebnissen führender Untersuchungs-Methoden für einen und denselben Gegenstand bedienen nnb bei ihren gutächtlichen Aeußerungen die Eigenschaften der NntersuchungSobjecte nicht immer nach übereinstimmenden, unterem* ander vergleichbaren Kriterien bezeichnen. Dieser Uebelstand hat sich namentlich bei der technischen Beurtheilung der Weinsälschungen auf Grund des Nahrungs- mittelgesetze? in hohem Grade geltend gemacht. .
Es schien daher angezeigt, auf eine Verständigung der Wem-Chemiker binzuwirken. Zu diesem Zwecke ist eine Anzahl hervorragender Fachmänner im Kaiserlichen Gesundheitsamte unter dem Vorsitze des Directors dieser Behörde zusammengetreten. Dieselben haben sich zunächst für den Erlaß einer Instruction über das Erheben, Aufbewahren und Einsenden von Wein behufs Untersuchung durch den Sachverständigen und über die Weinuntersuchung selbst ausgesprochen.
Nachdem der Reichskanzler Anlaß genommen hat, diese Instruction den Bundesregierungen mit dem Ersuchen um entsprechende weitere Veranlassung mitzutheilen, bringen wir dieselbe in dem nachstehenden Abdruck zu Ihrer Kenntnißnahme." ___________________


