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Dienstag den 25. November

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Gießener Anzeiger

Amts- und Arrzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

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ireis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bnngerlobn. urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Vs.

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Darmstadt, 22. November. Der auf nächsten Montag einberufene 25. Landtag wird, nachdem sich an eben diesem Tage die beioen Häuser gebildet haben, am 25. d. MtS. durch den Großherzog im Nesidenzschloffe eröffnet wer­den. Gegen Abend findet Hostafel im Schlosse statt, zu welcher die Mitglieder der beiden Kammern Einladungen erhalten. Andern Tags werden in der Zweiten Kammer, nach Feststellung des Voranschlags für letztere, Die üblichen Vorträge des Finanzministerial-Präsidenten über den Hauptvoranschlag u. s. w. unb ferner die Verkeilung der Einläufe an die zu wählenden Ausschüffe statt­finden. Voraussichtlich dürfte das Zusammensein der Zweiten Kammer nur kurze Zeit währen.

Das Ministerium des Innern und der Justiz, Section für Justizver­waltung, hat aus Veranlassung des bekannten Bundesraths-Beschluffes wegen Einführung von Normalgrößen für das zum Amtsgebrauch erforderliche Papier sämmtliche'n Justizbehörden und Notaren empfohlen, in künftigen Bedarfsfällen, unbeschadet der Bestimmung, wonach für den Verkehr unter Behörden ein Papierformat von 33/21 cm eingeführt ist, bei Bestellungen von Papier thun- lichst eines der näher bezeichneten Normalsormate auszuwählen; diese Normal- sormate werden hauptsächlich bei Anschaffung von Druckpapier zur Anwendung gelangen.

Berlin, 21. Novbr. (Die Verhandlungen der afrik. Conferenz). In der heutigen Sitzung des Conferenz-Ausschusses wurden weitere Vorträge von den Sachverständigen und technischen Beiräthen gehört. Ganz besonderes Interesse erregte die Rede Herrn Stanley's, der eine ausführliche Auseinandersetzung über die Verhältnisse des Congo-Gebietes gab. Er gelangte zu dem Schluffe, daß für das Gebiet, mit dem sich die Conferenz zu beschäftigen habe, eine Seelen­zahl von etwa 49 Millionen in Frage komme, wenn man das Gebiet der Zlußufer aus beiden Seiten mit den sehr bedeutenden Nebenflüffen, die rund gerechnet die Länge von 16,000 km betragen möchten, in Anschlag bringe.

Stanley erwähnte insbesondere zwei Nebenflüsse des Congo, die von Süden kommen und von denen der eine nach den Aussagen der Eingeborenen Io lang sei, daß man einen vollen Monat fahren muffe, um bis an die Quelle zu gelangen; die Quelle des andern liege nach denselben kindlichen Aussagen der Eingeborenen in unerreichbarer Ferne.

Was unter dem Congo-Becken geographisch zu verstehen sei, brauche er nicht zu erörtern, das könne jeder Schüler mit der Karte Afrikas in der Hand gerade so gut wie er. Es handle sich aber seines Erachtens auch gar nicht um die bloße geographische Feststellung, vielmehr müsse man sich bei der Ent­scheidung der aufgeworfenen Frage vor Allem auf den handelspolitischen Stand­punkt stellen. Demgemäß müsse das ganze Mündungs-Gebiet des Congofluffes nördlich der eigentlichen Congomündung mit hinzugerechnet werden, das eine Strecke von etwa 5000 Quadratmeilen betrage, dazu rechne er also Ozowe und Quilou.

Er äußert sich noch über die Möglichkeit, das Congo-Gebiet auch von der Ostküste her dem Welthandel zu erschließen; dort seien vier bis fünf Wasser­straßen, die sich dazu eignen würden. Außerdem wäre die ganze Ostküste nörd­lich vom Zambesi viele Hundert Meilen hinaus ohne Ansiedler der Culturstaaten; er habe keine Spur der Meißen-Herrschaft gefunden, er sei blos auf Eingebo­rene gestoßen, mit denen sich eine Einigung unschwer erzielen lassen würde. Nach seinem Dafürhalten würde eine Eisenbahn, die nach Umgehung der Fälle Les Congo von Wiwi nach Stanleypool führen würde, nicht übermäßig kost­spielig werden; er glaube sogar, daß eine solche Eisenbahn, wenn man die jetzigen Gebührensätze für Waarenbeförderung in Anwendung bringe, einen Ge­winn von mehr als 5 pCt. abwersen würde.

Die italienischen Beiräthe Negri und Montegazza machten auf die Schwie­rigkeiten, welche die Feststellung der Grenzen in jenen Gebieten mit sich bringen werde, aufmerksam.

Der Beigeordnete Englands, Anderson, schloß sich den Ausführungen Stanley's an, während der portugiesische, Cordeiro, im Gegensätze dazu auszu- sühren suchte, daß das geringe Küstengebiet des Congo genüge, um dort die Grundsätze der Handelsfreiheit zur Anwendung zu bringen.

Stanley will von der streng geographischen Abgrenzung nichts wissen und vertritt die Ansicht, daß das große Gesammtgebiet, das handelspolitisch von dem eigentlichen Mündungsgebiet des Congo nicht zu trennen sei, als ein zusam­mengehöriges Ganzes betrachten werden müsse und daß die Conferenz sich mit Liefern größeren Gebiet zu beschäftigen habe.

Die Rücksprache mit den Sachverständigen hat damit ihr Ende erreicht.

Berlin, 22. November. Ueber das in den letzten Tagen erwähnte Ge­rächt über eine allgemeine Quittungssteuer erfährt dieNat.-Ztg." von zuver­lässiger Seite, daß aus den leitenden finanziellen Kreisen Niemand bei dem Pro­jekt betheiligt sei; dagegen werde der Gedanke, aus der Mitte der Börse selbst Vorschläge für eine erhöhte Börsensteuer zu machen, in den leitenden Kreisen lebhaft erörtert und dabei auch die Contingentirung des von jeder Börse auf­zubringenden Betrages wieder erwogen.

Der Reichstag wählte in {einer heutigen Sitzung zum ersten Prasi- ibenten: v Wedell-Piesdorf mit 261 von 333 Stimmen, wobei 71 weiße Zettel abgegeben' wurden. Zu Vice-Präsidenten wurden auf Vorschlag des Abg. w. Benda die Abgg. Frhrn. v. Franckenstein und Hoffmann per Acclamation nviedergewählt. Die nächste Sitzung wurde auf Mittwoch anberaumt,

Bremen, 22. November. Die Rettungsstation Warnemünde der deut­schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 21. November von der norwegischen BriggNissen", Kapitän Stendal, gestrandet bei Nien­hagen, mit Holz von Riga nach Lübeck bestimmt, 8 Personen gerettet durch das RettungsbootVorwärts."

Arankrerch.

Paris, 21. November. Heute sind Hierselbst in der Zeit von Mitter­nacht bis 6 Uhr Abends 23 Personen an der Cholera gestorben, und zwar 8 in der Stadt und 15 in den Hospitälern. In Oran starben gestern 14, in Nantes 1 Person an der Cholera. DerLiberte" zufolge wären gestern in Compiegne 18 Cholera-Todesfälle vorgekommen.

Karis, 22. November. Der Ministerrath hat seine Entscheidung über die Sätze, um welche die Importzölle auf Getreide und Mehl zu erhöhen sind, verschoben. Eine Depesche des Admirals Courbet meldet, daß eine Truppen- Abtheilung von 400 Mann die chinesischen Werke auf dem Wege von Keelung nach Tamsui zerstört habe.

Gestern sind Hierselbst im Ganzen 26 Cholera-Todesfälle vorgekommen und heute von Mitternacht bis Mittag 7.

Von heule Mitternacht bis heute Abend 6 Uhr starben 18 Personen an der Cholera. Aus Oran von gestern werden 2 Cholera-Todesfälle gemeldet.

Die vom Admiral Courbet gemeldete Zerstörung der chinesischen Werke aus dem Wege von Keelung nach Tamsui hat am 14. ds. stattgefunden, die französijchen Truppen hatten dabei 3 leicht Verwundete. Heule wurden in Algier und Philippsville 2000 Mann nach Tongkmg eingeschifft, weitere 2000 Mann sollen denselben in nächster Woche folgen.

Ueber den Platz für die im Jahre 1889 stattfindende Weltausstellung ist noch kein definitiver Beschluß gefaßt, man nimmt aber allgemein an, daß dieselbe wie im Jahre 1878 auf dem Marsfeld und Trocadero, unter Hinzu­nahme der Jnvaliden-Esplanade und des Industrie-Palastes, stattfinden werde.

Der Präsident der Akademie für Wissenschaften hat den Kaiser von Brasilien telegraphisch um Rücknahme des gegen französische Provenienzen erlasse­nen Verbotes ersucht, weil dasselbe auf irrthümlichen Informationen über die in Paris herrschende Cholera beruhe.

Paris, 22. November. Die Protokolle der Tongking-Commission sind heute an die Deputlrten zur Vertheilung gelangt- Nach denselben erklärte der Minister­präsident Ferry in der am 6. dss. MtS. abgeholtenen Commissionssitzung, in Betreff TongktngS sei mit den Mächten kein Schriftstück gewechselt worden, etz hätten nur freundschaftliche, vertrauliche mündliche Aeußerungen stattgefunden. Eine Mediation Deutschlands sei weder erbeten noch angeboten worden. Von England habe die französische Regierung auch nichts verlangt, mehr könne er nicht sagen. In Bezug auf die Blokade der Insel Farmosa erklärte der Ministerpräsident, im Einverständnitz mit England sei die Blokade eine friedliche, wie diejenige, die im Jahre 1827 an den Küsten Griechenlands ausgeübt worden sei. Die französische Regierung werde nicht von dem Rechte Gebrauch machen, Schiffe auf hoher See durchsuchen und wegnehmen zu lassen, sie habe aber das Recht, die Zugänge zu den blocfirten Häfen hermetisch zu verschließen und jedes Schiff in den Grund bohren zu lassen, welches dem Verbot zu­wider versuchen wollte, zu passtren. Auf die von Mazö an ihn gerichtete Frage, wie die Regierung CH na zur Nachgiebigkeit zu nöthlgen gedenke, antwortete der Minister­präsident: Dadurch, daß die französischen Streitkräfte auf Formosa blieben und sich dort befestigen. China habe die Japanesen nicht auf Formosa geduldet und werde die französischen Truppen daselbst ebenso wenig dulden. Watz die Kriegsentschädigung ongehe, so gebe es dafür Aequivalente, cs würden z. B. die Bergwerke von Keelung und die Zölle von Tamsui auf 15 oder 20 Jahre an Frankreich abgetreten werden können, ohne daß Tongking und Formosa von den französischen Truppen geräumt zu werden brauchten- Eine Verstärkung und Befestigung der Garnisonen halte die Rest gierung vom militärischen wie vom politischen Gesichtspunkte aus für vorthetlhaft.

ßngland.

London, 22. November. Ein Telegramm desReuter'schen Bureaus" aus Tientsin von gestern meldet, Marquis Tseng sei zum ersten Vice-Präsidenten des Kriegsamtes ernannt.

London, 22. November. DenDaily NrwS" wird aus Dongola vom 21. dS. gemeldet: Gutem Vernehmen nach habe General Gordon ein Geschütz des Feindes ge­nommen; 500 Anhänger des Mahdi hätten sich mit Gordon verbündet.

Einer Meldung desDaily Telegraph- aus Suakim vom 21. dS. zufolge ist Berber von den Aufständischen wieder besetzt worden.

Wußland.

Petersburg, 22. November. DasJournal de St. PeterSbourg" schreibt, daß die bet der Eröffnung des deutschen Reichstags gehaltene Thronrede nicht verfehlen könne, eine neue feierliche Bestätigung der Politik des Friedens und deS gegenwärtigen Vertrauens zu geben, welches durch die Entrcvue in Sknierniewice eine neue Wethe er­halten habe; sie habe dies in Ausdrücken gethan, deren innerer Werth noch erhöht werde durch die Persönlichkeit dessen, der sie verkündete, benn es sei der ehrwürdige Kaiser Wilhelm, welcher das Ergebmß der Entrevue in Skicrnievice dahin zusammen- gefaßt habe, daß er seine Freundschaft mit den Kaisern von Rußland und Oesterretch- Ungarn für lange Zeit als gegen alle Angriffe gesichert ansehen dürfe.

Von den Studenten der Universität in Moskau, welche an den im October stattgefundenen Unruhen theilgenommen haben, sind 17 von der Universität ausgeschlossen und 51 zu Arrest im UniversitätS-Carcer verurtheilt worden.

Der durch seine Reise in China 1874 bekannte Forschungsreisende Piasecki wird mit Bewilligung des Kaisers und unter Protection d-s Großfürsten Wladimir wiederum eine Expedition nach China unternehmen.