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24.12.1884 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

(Saffet, 19. D crmber. DerMagdrb, Ztg " wird geschrieben: Als Ker Courier,ug Frankfurt-Berlin heute früh gleich nach >/z2 Uhr die Etat on Treysa un­gefähr seit 5 Minuten verlassen hatte, wurden w'r im Wagen 3 Classe in Folge des heftigen Schüttelns und EmporsprtngenS des Wagens durcheinander geworfen, die Gasflammen verlöschten plötzlich und wir waren mit einem Schlage in Ulfe Flnsterniß bet fortgesetztem Auf- und NiederspeMgm unseres Wagens versetzt. Der Locomotiv-

Oarrdel nnd Versehr.

Giessen, den 23. December. An- dem heutigen Markt kostet» Butter per Pfund *- 0.90-105, Hühnereier pr. Sttick 78 4, Käse St. 48 Käsematte 23 Erbsen pr- Viter 20 Linsen 28 Tauben per Paar 0,600,70 A, Hühner per Stück 0 901.20, Hahnen pr. Stück X 1.001.40, Enten per Stück /L 1501 SO

Gänse per Pfund 4570 Welsche JL 9.5012.00, Ochsenfleisch per Pfund 6670 Kuh- und Rindfleisch 5460 Schweinefleisch 5060 3,. Hammelfleisch

6068 Kalbfleisch 5000 H, Kartoffeln per 100 Kilo 3.003.50, Milch per

Liter 12 16 Zwiebeln per Ctr. JL 4.000.00, Weißkraut pr. Stück 47 4

Eingesandt.

. , Die Festfreude der Weihnachten hat schon ihren ^na^g^baUe^un^'nVcb^ nur M den Kleinen, so.»dern auch bet den Eltern. Dies konnten wir am Sonntag Abend s hen, als der Kindergarten der Frau Clara Rothe dahier im Saale des fSnf r ^ nho'n seine BesLeerung hielt. Der groß- Saal des (Sinborn war m.t Zuschauern Ütfüllt, besonders zahlre.ch war der Besuch der Eltern der Zöglinge der Frau Rothe Im Hintergründe des Lokals war ein prachtvoll geschmückter Christbaum ausgestellt urw um d^nselbm waren die festlich g-kle.dtten Schüler und Schülerinnen grupont Die Dortrage der Kinder war.n sämmtUch gelungen und legten beredte« Zeugn-ß ab kJ die Schlagferttgkeit der Kinder, aber nicht minder für die Hingabe und das Ber- Itanon tz brr Lehrerin.

. Die Kinder waren alle gut geschult, beantworteten jede Frage mit Präc sion ui d bl-eb fast keines die Antwort schuldig. Gedachte und Erzählungen waren gm emgele ur und wurden gut wiedergegeben. b 0 cau

Nach den Voitragen der Kinder wurden die Arbriten der einzelnen ^öalin^e v-^heilt und waren w»r überrascht, zu s hen, w!e schön und verständig fast alle Arbeiten ausgeführt waren. Die K'nder werden j-denfalls noch Lnge an diesen gelungenen unt> Prüfung zugleich war, gedenken, aber auch d:rErwachsene M nicht ohne Befriedigung geschted.m und war namentlich auch damit einverstanden daß die Eltern ihrerseits der Lch-erin ein namhaftes Weihnachtsgeschenk machten E.

Dle Eingänge wurden zur Kenntniß gebracht und the 13 den Akt n überwiesen, theils zur Ctrkulatton bestimmt.

Die vom Ausschuß der Verkehrsinteressenten in der Eisenbahntarifcomwissicn zu Berlin an die Kammer gerichteten Fragen, betreffend die LKseitigun: dis Fracht- zuschlags für sperrige Güter, brschloß man nach Anhörung von Juten ssenten dahin zu beantworten:

». die Handelskammer hält die Beseitigung de« Frachtzuschlags füc sperrige Güter für etne crh-bl.che und dringend würschrnswerrhe VetkehrSerleichtelung und beschließt, für die Beseitigung b=ffdbtii einmtreten.

b. DaS Intercssr an der V-nkehrSerlcichterung läßt den etwaig n Ausfall der Einnahmen vet den Bahnen, Insbesondere bet den Vtaatse'sendahnen, in den Hintergrund treten. Aus der andern S-ste wird die Möglichkeit, sperrige Güter ohne besonderen Aufwand auf wettere Strecken zu oeifenben, eine Ver­mehrung dcs Verkehrs und somit Mehreinnahmen der Bahnen, herbeiführen.

o. Die sperrigen Güter sind :n d'.e Stück^utS- b.zw. ta die Wagenlodungs- klasse eMzurechen, in welche dieselben fi l n, wenn sie nicht als Sperrgut behandelt würden.

Die Anfrage der E-senbahndirection Hannover, betreffend Einführung von AuS- nahmctartfsätzrn für E-smartiAl des Spcc'.allarifS IIII nach Frankreich und Spanien (via Elsaß-Loth-tagen), wie sie bereits im Veikehr mit Italien bestehen, beschloß man tn dem Smne zu beantworten, d.itz für den Bezirk der Handelskammer ein diesbezüg­liches Verkchrsdedüefntß nicht vorlieg?.

Die Erhebung der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz ge­nehmigten Umlagen für die Kanzlckkosten der Handelskammer soll erfolgen.

Herr F C. B Koch therlt mit, daß er in der Sitzung des BlzirkLeisinbabn- beirath« zu Köln bet der Berathung zur Vorlage, belrffend Ermäßigung der Frachten für Kohlen aus Westfalen nach dem Stegerland und E nführung von Exporttarifen für Roheisen und Fabrikate der Puddel- und Walzwerke des Siegerlar-des sich füc die Gewährung nur unter der Voraussetzung erklärt hab--, daß gleiche VergÜnstrgungen auch den benachbartrn Beziken, dre sich in ganz gl-'cher Lag? befänden, zu Theil würden. Er habe daher den Antrag gestellt und tn das Sitzungßp otokvll auf- nehmen lassen:

Die von der Siegener Handelskammer verlangte Ermäßigung der Frachten von Kohlen aus Westfalen nach dem Siege»land und Einführung von Exporttarifen für Roheisen und Fabrikate der Puddel- und Walzwerke im Falle der Annahme auch auf das Lahngeb'ct auszudehnen."

Der Präsident des Beztrksetscnbahnbeiratbs, Herr Offermann, Hobe jedoch darauf hingew'.efen, daß im ständigen Ausschuß dckchlossen worden s i die Frage, ob und in welchem Umfange diejenigen Frachiocreünsttgungen. welche für das Siegerland e:ma g-währt werden möchten, auch auf die benachbarten Bezirke auszudebn-n säcn. voiläufig unerörtert zu lassen, nachdem seitens der Etsenbahndtr'ct'onen di- E klmung abg-gedeu worden wäre, daß nach Eatschetdung über die Antrag? des Siegeilandes alsbald tn dte Prüfung jener Frage etngetreten werden solle.

Gießen, 22. December. Das Wethnachtsfest wird auch in diesem Jahre nicht vo.übergehen, ohne daß der hiesige evangelische Krr cdg es ang veretn d-r G meinde feinen Weih^achtßgruß t-ndct. Abgesehen von der Mitwirkung dieses Ver» ein« tn einem Gottesdienste am 1. Feik-tage, wird am sog. 3. Feiertage, Nachmittags 5 Uhr, in der Stadlkirche eine Aufführung von Wethnachtschören statifinden, der en reichhaltiges, aus 17 Nummern bestehen^'« Programm zu Grunde l-egt.

Neben den von früheren Aufführungen b.kannten Weihuachtsliedein kommt der ergreifende fünfstimm'ge Choral:Ich lag in tiefer Todesnachl", sowie das wunder­bar zacke und doch mächtig wirk adeEt incarnatus estu (aus ctnrr Mcksr von Jesguins dr Poes) zum Vortrag.

Während mit düsen und ähnlichen Compositionen der älteren K!rch?nm - sik Rech­nung getragen ist, werden auch etn'ge ganz neue, roch wenig gehörte Tondichtungen dargeboten. So z. B-Gelobt set der da kommt" von F. Brenner tn Dmpat und W'e lieblich sind dte Boten" von F. Mengner tn Heckbro.m, vo r denen du- elftere Nummer durch ihre Frische, d'e andere durch ihre Za theit arspltch-m, beide möglichst im guten al'.kuchl ch-n Stile gehalten.

Auch die Ocgeloorträge, ausgesührt von dem c>ls tüchtiger Organist bckannttn Cantor Simon aus Wctzlar, bieten mit einem Präludium, sowie mit etn«n Satz überVom Himmel hoch" von I. S. Bach u. A. den Freunden, dieser Munk ck.clfliche Composittonen. Die ganze Aufführung endlich, in d>r auch di- ollen Wcih«ochtS0t-der: Es ift ein Ros entsprungen" undStille Rocht, chcküge Nacht" wieder neue Freude machen werden, erhält dann mck Mendelssohn's mächt>g-.m achlstimmigea Cto-:Froh, locket ibr Völker auf Erden" dnen erhebenden Schluß.

Wer seine Wethnachtsfeier schön und würdig beschließen will, den sollen darum diese Zecken zu der Aufführung einlaben. Der Eintritt ist frei für Jedermann, etn Grundsatz, den der Klrchengesargverein immer befolgt. Wir sind übrigens überzeugt, daß jeder Bemittelte, dem durch dte Aufführung eine genußreiche Stunde geboten wurde, gern aus freien Stücken eine Gabe in die beim Ausgange bereckstlhenden Büchsen zur Föcherung des Vere-ns spmden wird. Auch P ozramme werden beim Eingänge gratis vrithrilt.

Gießen, 23. December. Die kläglichen Zustände her Frankfurter Straße und der Verbindungen mit dem Bahnhof veranlaßten gestern Abend eine große Anzahl von Interessenten zu einer Zusammenkunft im Saale d.s Lenz'schen Felsenkellers. Allgemein war dte Klage über den Bahnübergang an der katholischen Kirche, lauter noch wurde aber geklagt über den unerhört grundlosen Zustand der Straße nach dem Güterschuppen der Deutz er Bahn und den Uebergang, der nach dem Stadttbetl jenseits der Bahn führt. Während man in anderen Städten den Verehr nach der Bahn durch Elöffrung von neuen Straßen möglichst erleichtert, wird hier eine Straße, die einen Haupttheck des Fuhrwerkoerkehrs abnahm, plötzlich gesperrt. Mensch und Zugvieh leiden unter diesen Zuständen in cletd) m Maße und ist Abhülfe dieser Mißstände dringend geboten Es wurde beschlossen, nochmals sich mit einer Eingabe an den Stadtoorstand zu wenden. Ohne Zweifel wird dieselbe zihlreiche Unterschriften finden, denn die »Zahl derjenigen die unter diesen M ßständen leiden, ist sehr groß; es sind nicht blos Bewohner der Frankfurter Vorstadt, sondern auch zahlreiche Bewohner der inneren Stadt und der Umgegend dabet wesentlich bethe ltgt.

Wie uns mitget&ellt wird, beabsichtigt die hiesige Rudergesellschaft für diesen Winter bereits die zweite Festlichkeck zu arrangiren: die Sylvckternacht wird diesmal die Ruderer nebst ihren Damen vereinigen und w-rden musikalische, sowie komische Vortröge und Tanz abwechselnd für Unterhaltung der Thcklnehmer So^ge tragen -h.

führer, welcher die Gffahr wahrg-nommrn, brachte nach wenigen Sekunden den Qn« jum Stehen. Die Reihenfolge der Wagen war: ein P.ckwogm, ein Postwagen ein 3. Glafp, cm Schlafwagen, zw t Wagen 1. und 2. Classe Das Unclürf' nn- am fflagen 3. (Hafte burd) Radbluch g'!ch°!>m. Unser Wa-en 3 CI°ss- ülSfen Jammt SRibün etnotbüftt unb mar somit ungefähr 150 b(8 200 Stbriit fort, BeWIelft worben, bitte doch die $<rbinbunfl mit dem Postwagen behott-n. Daaea/n war der Schlafwagen 150 big 200 Schritt hinter unb um9 ftärjt, bott- j.doch tbSa Verbindung mit den Wagen 1 und 2 Classe, weiche auf dem (Seiet« steben aebliebm waren, bebalten. D'e Poss 'giere in diesen b-.den Wagen batten nur e nen Hetnm Suef g soürt, dag-gm waren die Jasoss n d.s Schlaswagens plötzlich untereinander gewotsen und ein äUerer Herr hatte eine ziemlich lange, doch nicht gesährliche Kops- p-unde erhalten. Sammtltche P-fsogiere und das Zugpersonal wurden In dem $acf- maßen und dem Postwagen mit säwmtlichem Gepäck untergedracht Nachdem e n. Maschrn- mit b.m Bahnhossinspeeior van Trepsa und einigen Beamten am Orte d a UnglücfS ang.kommen war und die nölhigen Vaistchtsmotzregeln getroffen hatte setz,. HD unser Zug, b-stehend aus ßocomotioe, Pack- unb Postwagen, tn Bewegung und Unefam fuhr derselbe nach Kassel wo wir mit einer Verspätung von etwas über zwei Ltunden eintrofm. Hier war bereits ein Am anwesend, welcher dem verwundeten Herrn die Wunde, die er für nicht aefährlich erklärte, zunähte. Em aus telearanbifch: Nachricht in Kassel bereiistehender Zug brachte die Passagiere nach kurzem Ausenth^t ihren Bestimmungsorten entgegen. l9au

Frankfurt, 19. December. Etne heilere Scene spielte sich gestern Abend nm Hanauer Bahnhof ab. Ein etwas angesäusilteß Bäuerlein aus dem Odenwald^kam knapp vor Abgang d'S 6 Uhc-AbmdzugeS. Der Schaffner rief dem Bäueckein ,u schon abgeläutet war:Beeilen, becklcn!" Das Bäuerlein glaubte in sckn m^auten Rechte zu sein und rief-Ihr müßt warten, .ch hab' mein B'lletl" De Antwort erfolgte dadurch daß der Zug abfuhr, ohne den Od-nwälder mckzunehmen. Nun ama? =*« l°s.,n allen Bureaus wurde rrclamlrt, es bals aber nichts, er muhte sich "?s Uno^mckd che fügen. Nachdem sich unser Bauer Mutb in einer benachbarten Wirtb ^Cf ^bolk. erschien er zuletzt in der Restauration des Hanauer Bcthnhofs und ver- langte daS Bi.schcserdebuch. Es rouibe tbm dock nun statt dcS letzter.n die W inkarle Mlae B.schwrV/^ eIaUbiRb' t6 ld t03 »-'»w-rdtbu-h, mit vieler für a«u7ttS3»!i%^e;7tS^Ä

Die MünchenerNeuesten Nachrichten" vom 20. December schreiben über den Conrad Gaiitsch'ichen Christbaum-Schnee:

Von Jahr zu Jahr scheint sich das Bedürfniß, den Christbaum möglichst reich zu schmucken, zu erhöhen, und in der That finden mir in den seltensten Fällen da^ Genügen, den Baum wie in den Tagen unserer eigenen Jugend - nur mit Aepfeln, goldenen und silbernen Nüssen, Marzipan und, menn'S hoch kam, mit etlichem Zuckergebäck zu behängen.

9tun ist es eine auffällige Erscheinung, daß der heilige Christabend, das Fest der großen und kleinen Kinder, alljährlich regelmäßig eine erhebliche Vermehrung der Brand- unb Unglücksstatistik mit sich bringt so daß es sich wohl der Mühe verlohnt der Ursache auf den Grund zu gehen. Mehr wie früher ist heute der Christbaun! bestimmt, außer der oben erwähnten erfreulichen Augenweide der Kinder, allen mög­lichen und unmöglichen Flittertand zu tragen, welcher wie wir uns täglich in d'n betrefrenben Geschäftsauslagen überzeugen können häufig der feuergefährlichsten

Kaum, daß eines dieser rasch feuerfangenben Schmuckobjekte in Brand auf­gegangen ist, geräth auch schon der Zweig und durch die starke Gasentwickeluug der brennenden Nadelspitzen alle über diesem befindlichen Aeste des Baumes in lichterlohcn Brand. Wie fährt da nicht der Schreck in das kleine Kinderherz, das eben noch ge­jubelt und in wie seltenen Fällen verhütet Geistesgegenwart und rasche Entschlossenheit weiteres Unglück!

Es darf daher ein glücklicher Gedanke genannt werden, wenn unser Mitbürger Conrad Gautsch, der verdienstvolle Forscher auf dem Gebiete des chemischen Feuer­schutzwesens, diesen Christbaumbränden schon seit einigen Jahren durch ein Mittel zu begegnen sucht, dem gleichwohl daS PrädikatSchmuck" znerkannt werden kann, und welches darin besteht, daß die Zweige des Baumer, mit feuersicher imprägnirter, schnee­weißer flockiger Wolle belegt werden, welche daS Dnrchbrennen eines entzündeten Zweiges thatsächlich verhütet. Diese Wolle,Christbanmschnee" genannt, giebt dem damit geschmackvoll dekorirten Saume einen für Groß und Klein erbebenden tranlichen Anblick, der die ganze Poesie dieses alten germanischen Festes verkörpert. Im Hin­blicke auf die feuerverhütende Eigenschaft des Gautsch'schen Christbanmschnees können wir dessen größtmöglichste Verbreitung nur wünschenswerth halten-

Atkgemeiner Anzeiger.

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