KöKlirr, 21. October. Proeeß wegen LandsriedenSbruchs. Nach Feststellung der an tue Geschworenen zu richtenden Fragen begründet der Staatsanwalt die Anklage gegen jeden einzelnen Angeklagten, beantragt, alle Angeklagten der Thetlnahme an dem Landfrtedensbruch schuldig zu sprechen und Carl Patzwald, Raatz, Bechert und Bansemer als Rädelsführer anzusehen, welche theilweise auch Gewaltthäligketten gegen Personen begangen oder Sachen geplündert, vernichtet oder zerstört hätten. Die Verthetdtger plaidiren für Ntchlschuldig oder Nichtvorliegen des Landfriedensbruchs resp. Vorliegen groben UnsugS, oder wenigsten« für Annahme mildernder Umstände. Nach einer Replik des Staatsanwalts und DupUken der Verthetdtger beantragen letztere, die eventuelle Frage an die Geschworenen zu richten, ob nicht blo« grober Unfug oorliege. Der Genastshof beschließt, dem Anträge der Verthetdtger stattzugcben. Hierauf ziehen sich die Geschworenen in ihre Zimmer zurück.
— Nach dem Verdikt der Geschworenen sind Carl Potzwald und Raatz deS schweren Lavdfriedensbruchs, jedoch unter Annahme mildernder Umstände, Ptrsich und Bansemer deS einfachen LandsriedenSbruchs, Friedrich Patzwald und Bechert des groben Unfugs für schuldig, Kiabunde und Böhnke für nichtschuldtg erklärt. Der Gerichtshof sprach Klabunde und Böhnke frei, erkannte gegen Friedrich Patzwald und Bechert auf je öwöchentltche Haft, die durch die Untersuchungshaft al« verbüßt angesehen wird, die übrigen Angeklagten wurden zu Gefängntßstrafen verurthetlt und zwar Ptrsich zu 6 Monaten, Bansemer zu 9 Monaten, Carl Patzwald zu 2 Jahren und Raatz zu 3 Jahren. Jedem der vier letzteren werden je 3 Monate ihrer Untersuchungshaft auf ihre Strafen in Anrechnung gebracht.
Paris, 21. Octoder. Der Mintsterratv trat heute zu einer Sitzung zusammen, in welcher die schwebenden Fragen zur Berathung gelangten. Die Minister werden heute an den Sitzungen der Bureaux theilnehmen, da in denselben die Wahl für die Tongkmg'Commtssion stattfindet. Eine Erklärung wird jedoch seitens der Regierung über die Tongkingfrage noch nicht abgegeben werden, weil Ferry sich oorbehält, der Commission erst später die nöthigen Aufschlüsse zu geben. Die Nachricht, daß für den Feldzug von China ein ArmeecorpS modilisirt werden soll, wird alS unrichtig bezeichnet, da Briöce de l'Jsle keine Verstärkungen verlangt hat und auch, falls solche nöthig werden sollten, dieselben aus der afrikanischen Armee entnommen werden dürften, ohne daß ein? Mobilistrung in Frankreich erforderlich wäre.
Brüssel, 21. October. Sämmtltche Minister waren heute Vormittag zum Könige berufen. In Folge davon eircultrten Gerüchte von der Demission des ge- sammten Ministeriums, welche jedoch in unterrichteten Kreisen bezweifelt werden. Dagegen ve:lautet, daß die Minister des Innern und der Justiz, Jacobs und Woeste, auS dem gegenwärtigen Ministerium ausscheiden würden und daß der Ministerpräsident Malou mit einer Umbildung des Cabinets beauftragt werden würde.
— Von Seiten der Regierung werden alle Nachrichten über die Demission oder Umbildung des Ministeriums für unbegründet erklärt.
Triest, 21. October. Ihre K. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin ist von GierS ongekommen und im Grand Hotel Trento abgestiegen. Höchstdieselde besichtigte die Sehenswürdigkeiten der Stadt und vorzugsweise die Restaurirung des Domes und machte Ausflüge nach Arco und Riva.
London, 21. October. Der „Times" wird aus Amoy von heute gemeldet, Admiral CvUlbet hätte die Blockade aller Häfen der Insel Formosa erklärt. Eine französische Corvette wechselte bei Taiwan einige Kanonenschüsse mit den FortS und untersuchte die Dampfer, welche sich in der Nähe befanden.
Agraw, 21. October. In der heutigen Sitzung des Landtags veranlaßten die Starcskvicsianer beim Beginn der Sitzung eine tumultuarische Scene. Der Präsident beantragte die Ausschließung der Abgeordneten, welche die Abhaltung der Sitzung um möglich machten und schloß hierauf die Sitzung. Die Ausschließung von 12 Abgeordneten wird beantragt.
New-Aork, 21. October. In der Stadt Cartbago des Staats New»Aork hat ein Brand stattgefunden, durch welchen 160 Gebäude, darunter mehrere Fabriken und Kirchen, zerstört wurden. Die verschont gebliebenen Häuser genügen nicht zur Unter? drtnguna der Bevölkerung. Die Verluste werden auf nahe 1 Mill. Doll, geschätzt.
Washington, 21. October. In der Conferenz zur Feststellung des ersten Merid.ans wurve eine Resolution angenommen, daß der mittlere Sonnentag als gemeinsamer Tag gelten und für b*e ganze Erde mit dem Augenblick deS Eintritts der Mitternacht auf dem ersten Meridian beginnen solle; übereinstimmend mit dem Beginn des bürgerlichen Tages sollen die Stunden von Null bis 24 gezählt werden. Man hoff?, daß es bald gelingen werde, die Einrichtung zu treffen, daß die astronomische uuo nautische Zeitrechnung überall mit der mittleren Mitternacht beginne. Auf Vorschlag Janssen's wurde sodann noch eine weitere Resolution angenommen, welche der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die technischen Studien zur Regelung und Anwendung des metrischen Systems bei der Thetlung des Kreises und der Zeit wieder ausgenommen werden, damit man diescs System in allen Fällen, wo e8 thatsächliche Vortheile biete, anwenden könne.
Daris, 21. October. Nach hier eingegangenen Nachrichten sind in Oran 6 Personen an der Cholera gestorben.
Brüssel, 21. October. Der Bürgermeister berief zu Donnerstag das Comit6 vereinigter Gemeinden ein zur Berathung der Schritte Angesichts des Ausfalles der Communalwahlen.
Nischny-Nowgorod, 21. Octbr. Die Gerichts-Verhandlung gegen die an den Exceffen gegen die Juden in Kunomino Betheiligten wurde heute beendet. Verurthellt wurden wegen TodtschlagS 11 zu zwölf- bis zwanzigjähriger Zwangsarbeit, wegen Raubes 27 zu ein- bis dreijährigem Zuchthaus, 16 zu zweiwöchentlichem bis dreijährigem Gefängniß, einer zur Deportation nach Sibi- rien, 6 zum Arrest und 11 wurden freigesprochen.
Lokales.
G. Gießen, 22. October. sSterblichkeit in Gießen.) Im Laufe der 42. Jahres- woche (vom 12. bis 18. October) steigerte sich in Gießen die Zahl der Todesfälle wieder auf 10, wovon 5 bet erwachsenen Personen, 5 bet Kindern sich ereigneten Von den Erwachsenen starben 2 Personen an Lungenschwindsucht, je eine an Krebs, Leberentzündung, organischem Herzleiden. Drei der gestorbenen Kinder befanden fick noch im ersten Lebensjahre, eins von ihnen blieb in Folge angeborener Schwäche nur einige Stunden am Leben, das zweite erlag einer Bronchienentzündung, das brttte einem Darmcatarrh. Von 2 anderen, schon etwas älteren Kindern starb das eine an Stimm- rltzenkrampf, bas zweite an Tuberculose des Gehirn«.
Vermischtes.
Braunfels, 18. October. Verganaene Nacht erschoß sich hier ein seit einigen Tagen weilender holländischer Cavallerie-Offizier Namens Edler Herr von der Putt- Derselbe hatte noch eine größere Summe Geld bei sich Motive noch unbekannt.
Heppenheim, 19. October. Heute Nacht wurde mittelst Einbruch in belebtester Straße der Goldlaben bes Herrn Aug. Dubs dahier ausgeraubt. Die Diebe hatten allerdings beim Erbrechen der Läden keine schwere und geräuschvolle Arbeit- Den Thätern ist man noch nicht aus der Spur. Die gestohlenen Golbsachen, besonders Ketten und Ringe, sollen einen Werth von 2000 X repräsmtiren.
H aaen in Westfalen, 19. October. Der Telegraph wird Ihnen bereits die Schreckenökunde gebracht haben, daß in der Nacht vom Freitag zum Samstag hierselbst ein großes Unglück stattgefundm hat, indem eine Anzahl Personen den Flammen zum Opfer gefallen sind. Der Telegraph meldete Ihnen jedoch nur sechs Opfer, es sind deren aber acht. In dem in der Elberfelder Straße belesenen Colonialwaaren- Gffchäfte von Vogel brach in der genannten Nacht, höchst wahrscheinlich tm Keller, Feuer aus, das sich so schnell über die eine Seite des Hauses verbreitete, daß die Eheleute Vogel, deren 17jährige Tochter, der 11jährige Sohn, die betagte, auf Besuch anwesende Schwiegermutter und ein Kind (beide letzteren aus Deutz) wahrscheinlich in dem Qualme erstickt sind, ehe das Feuer cn sie herangekommen war. In demselben Hause, auf der anderen Seite, befand sich das Weitzwaaren-Geschäft von C. Elsbach. Diese Familie ist nur dadurch vom Tode gerettet worden, daß ein Kind plötzlich laut aufschrie und nach Nahrung verlangte. Zwei junge, in dem genannten Geschäfte beschäftigt gewesene Damen sind ebenfalls zu Tode gekommen; eine derselben war Dtrectrice, die andere Lehrmädchen. Das Dienstmädchen hat sich durch einen Sprung aus dem Fenster des dritten Stockes gerettet, hierbei aber erhebliche Verletzungen erlitten. Als die Feuerwehr ankam, stand bereits das ganze Haus in Flammen, Miemand ahnte, daß sich noch Leute darin befänden. Die Familie Vogel, die ganz
vernichtet ist, glaubte man bei Verwandten. Die Leichen find aus dem Schutte hervor-- I geholt. Das über die Entstehung des Feuers schwebende Dunkel wird wohl nicht I gelichtet werden.
Bremen, 18. October. In vergangener Nacht gerieten in der Korsischen Petroleum-Raffinerie 600 Centn er Oel in Brand. Das dreistöckige Maschinenbaus war um 6 Uhr vollständig zerstört. Das tapfere Eingreifen der Feuerwehr verhütete das weitere Umsichgreifen der Flammen, die bet Dem heftigen Nordwest-Winde die übrigen Fabrikräume, namentlich den nur 4 Meter entfernten Benzinkeller schwer bedrohten.
Köln, 21. October. Vor dem Hahnenthor kam es gestern Abend, wie man uns m ttheilt, zu einem großen Streu zwischen Arbeitern. Messer und Revolver wurden als Waffen gebraucht, vier Schutzleute stürzten mit blanfrr Waffe zwischen die Streitenden und es gelang ihnen, die Ruhe w eder herzustellrn, obgleich dte Zahl der Streitenden 70 bis 100 betrug. Mehrere Leute wurden verwundet.
— (Prinz und Referendars Nach dem neuesten „Militär-Wochenblatt" ist der Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, bisher Scconde-Lieutenant im 2. Garde-Regiment zu Fuß, ä la suite dieses Regiments gestellt. Die Mittheilung, daß der junge Prinz, der zweite Sohn des regierenden Herzogs und der erste aus zweiter Ehe, in Kürze beim Amtsgerichte in Charlottenburg als Referendar eintreten werde, gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit. Der Prinz hat feine juristischen Studien zuletzt in Straßburg betrieben und dort auch schließlich ein recht gutes Examen gemacht.
Frankfurt a. M., 18. October. In der „Rosenau" wurde heute hier die Bildung eines Vereins hessischer Realschulmänner beschlossen, welcher als Zweigverein sich dem allgemeinen deutschen Realschulmänneroerein anschließen wird. Director Dr. Steinbart von Duisburg sprach über die Reallchulfcage. Ec theilte dabei mit,, daß der Erlaß von Nocmativbestimmungen für die Realschulen unmittelbar zu erwarten sei, wodurch voraussichtlich auch den Realschulen dieselbe Freizügigkeit wie den Gymnasien gewählt würde. Auch werde dann wohl die Ungleichheit beseitigt werden, doß in Hessen den Realschul-Abiturienten das Recht, Cameralia zu ftubtren, eingeräumt sei, aber nicht das Recht zum Studium der neueren Sprachen, während die Abiturienten der preußischen Realgymnasien zwar das letztere, aber nicht daS elftere besaßen. Dem neu gegründeten Verein traten die Anwesenden mit wenigen Ausnahmen sofort bei, sodaß derselbe gleich mit 80 Mitgliedern ins Leben tritt. Im Vorstände sollen sämmtliche (12) hessischen Realschulen vertreten sein.
Von der Mosel. Trotz des fortgesetzt hüben dunkeln Wetters wollen unsere Winzer von einem baldigen Herbste doch noch nichts wissen, wenigstens die Mehrzads da man, wie ausgezeichnet auch die Traube ausgereift sein mag, doch glaubt, daß fie besser noch etwas hänge, weil die Beeren, namentlich des Riesling, noch markig befunden werden. Auch ist durch Fäulniß noch kein Abgang zu verzeichnen, selbst in Weinbergen von vorwiegend mit Kleinberger bepflanzt, nicht. Haben wir von Frost nichts zu befürchten, dann wird man ruhig Allerheiligen herankommen lassen — und bann, wenn der Allerheiligensommer seine Einflüsse noch geltend gemacht hat, wird man wohl von einer allgemeinen Lese ernstlich sprechen. Die Qualitäisausstchten haben heute sichere und bestimmte Gestalt angenommen; man kann mit aller Sicherheit der Behauptung Ausdruck geben, daß die 84er Crescenz gut — und sehr preiSwÜrdig werden wird. Die Ergebnisse der bisher abgehaltenen Traubenversteigerungen geben den klarsten Beweis dafür ab, daß der 84er gut wird, denn dte Preise, welche erzielt werden, ergeben nach oberflächlicher Schätzung schon in mittleren Lagen einen Fuderwerth von 600 JL an. In einigen Lagen, wie z B. in Uerztg, wo z'emlich Kleinberger noch vertreten ist, spricht man von der Lese etwas um den 25.; inwieweit man darüber einig geworden, ist bis heute noch nicht bekannt Eine Vorlese in den Lagen Graach, Berncastel und Brauneberg dürfte in den nächsten acht Tagen wohl nicht ausgeschlossen fein; doch auch darüber liegt noch nichts Bestimmtes vor. Gewicktsproben, welche man mit Gartentrauben bisher anstellte, ergaben ein Minimalgewicht von 65° nack Oechsle, was immerhin schon ein ganz günstiges Gewichtsergebniß genannt werden kann. Im eigentlichen Weinhandel ist noch immer große Panse; es wird weder gefragt noch gekauft; aller Augen scheinen dem 84er sich zuzuwenden.
Straßburg, 18. October. Für die Feier der E nweihung der neuen Uni- veisiiätsgebäude ist laut der „Straßb. Post" Folgendes festgesetzt: Sonntag den 26. October früh Empfang der geladenen von auswärts kommenden Ehrengäste, Frühschoppen in her Festhalle, im Volksmunde „alte Douane" genannt. Sonntag Abend Fackelzug der Srudentenschaft vom Münsttrplatz aus. wobei dem Statthalter, dem Rector, Professor Sohm und dem Curator der Universität Ehrungen gezollt werden. Auf dem SLloßplatze werden die Fackeln zusammengeworfen. In diesem Augenblick beginnt die Beleuchtung des Münsters. Ebenso wicd als am letzten Tage, an welchem die Universität die Räume im Schloß benutzt, das alte Scklotz bengalisch beleuchtet erscheinen. Montag Vormittag V2IO Ubr Uebernahme der Fahne, welche die Damen der Kaiser.Wilhelms-Unioeisität der Studentenschaft gewidmet haben. IOV2 Uhr Fcstzug au« dem alten Schloß zum allgemeinen Collegiengebäude, vor besten Eingänge die Schlüssel zu dem Gebäude dem Rector überreicht werden. Gleich darauf begeben sich Rector und Prorector zum kaiserlichen Statthalter, den sie zu dem allgemeinen Collegiengebäude geleiten. Unterdessen nehmen die Tbeilnehmer des Festzuges im großen Lichthofe des allgemeinen Collegiengebäudes Aufstellung. Nach dem Erscheinen des kaiserlichen Statthaltei s im Lichthofe beginnt der Festactus mit einem Weihegesang, der zu diesem Zwecke gedichtet und componirt worden ist und welcher von einem durch Professor Dr. JacobSthal zusammengestellten Chor mit Begleitung des städttschen Orchesters gelungen werden wird. DaS städtische Orchester ist von der Stadtverwaltung freundlichst zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt worden. Der Rector hält die Weiherede, worauf Gesang die Feier schließt. Da« Festessen beginnt um 4 Ubr. Nach dem Schluffe des Essens, den eine festliche Beleuchtung der neuen Universiiätsgebäude anzeigt, begeben sich die Theilnehmer zur Festhalle. wo inzwischen der Festcommer« seinen Anfang genommen haben wird. Am andern Tage findet das übliche Katerfrühstück und Abends 8Vr Uhr der von der Stadt Straßburg gegebene Festball im oberen Stockwerk des Stadthauses statt.
London, 17. October. Heute früh ereignete sich im Londoner Stadtviertel Bermonsty eine furchtbare Gasexplosion. Ein Haus ist eingefallen, wobei ein Kind tobt blieb und zwei tödtlich verletzt wurden. Sechszehn Personen sind schwer verwundet.
— (Eingeschmuggelte OdaliSken ) Die Pforte hat zwar den Sklavenhandel abgeschafft, nichtsdestoweniger wird derselbe in einigen türkischen Provinzen, zumal in Arabien, noch sehr eifrig betrieben und würde dieser Handel nicht existiren, so hätten die türkischen Großen schon längst ihre Harems schließen müssen. Während der heurigen Wallfahrt nach Mekka traf nun vor dem dottlgen Stadtthor auch ein Kaufmann aus ©Übarabien ein, der zehn bis fünfzehn hübsche Mädchen mit sich führte, von denen er vorgab, daß sie alle zu seiner Familie gehören und nun in feiner Gesellschaft die Pilgerfahrt mitmachen wollten. Man ließ daher diese niedlichen Pilgerinnen ungehindert passtren. Wenige Tage nachher verließ dieser Mann wieder Mekka und gab bann beim Stadtthor an, daß er feine Reisegefährtinnen in der heiligen Stabt zurückgklaffen habe, damit sie dort noch weiter ihrem Seelenheile obliegen können. Wie groß war jedoch das Erstaunen der Behörden, als dieser Kaufmann bald daraus neuerdings mit einem Troß von Pilgerinnen in Mekka eintraf. Es stellte sich nun heraus, daß derselbe seine Sclav nnen für Pilgerinnen auSgab, um sie so ungehindert in b!e Stadt bringen und dort verkaufen zu können.
— D-e „Deutsche Studenten-Zeitung" erläßt ein Preisausschreiben für Gedichte, welche sich als allgemeine Deutsche Studentenlieber eignen. Dieselben müssen leicht sangbar und noch nie veröffentlicht sein. Die concurrtrenben Gedickte müssen bi« spätestens 30. November 1884 an die „Redactton der Deutschen Studenten-Zeitung in Heidelberg" gelangen. — Zur Uebernahme des Preisrichter-AmttS haben sich die Herren Geh. Hofrath Prof. Dr. Bartsch (Heidelberg), Prof. Dr. Felix Dahn (Königsberg), der Schriftsteller Julius Wolff (Berlin), Dr. Johannes Trojan (Berlin) und Dr. Konrad Küster (Berlin) bereit erklärt. Als Preise kommen ein kunstvoller Majolika-Humpen mit Silberdeckel und mit Widmung und drei ehrende Anerkennungen zur Vertheilung.
— Ein neugieriger Weichenwärter in Zürich hatte den Einfall, während Heizer und Maschinist beim Mittagsbrote saßen, einige Probemanipulationen an einer Loco- motive vorzunrhmen. Die Locomotioe verstand aber wenig Scherz und setzte sich ganz ernstlich in Bewegung. Dem Weichensteller erging es wie dem Zauberlehrling: „die ich rief die Geister, werd' ich nicht mehr los!" Der geängstigte Mann brachte die Maschine nicht mehr zum Stehen und mußte eine kleine unfreiwillige Fahrt mitmachen, bis eine Entgleisung auf einer Drehscheibe dem Abenteuer ein Ende setzte. Der langjährige pflichttreue Angestellte soll sich aus Furcht vor Bestrafung geflüchtet haben.
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