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Der bisherige Gesandte in Karlsruhe, Graf o. Flemming, ist in Florenz gestorben.

Das Abgeordnetenhaus ermächtigte in seiner heutigen Sitzung zunächst das Präsidium, Seiner Majestät dem Kaiser zu seinem Geburtstage die Glückwünsche des Houses darzubringen. Alsdann wurde eine Reihe, die Revision der Gebäudesteuer bc- tr.ffende Petitionen der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Der Regierungs- Commssar erklärte hierbei, daß die Regierung die Entlastung des Grund- und Gebäude- besitzcs lebhaft wünsche, sobald die Lage der Staalsfinanzen dies gestalte. Eine weitere Reihe von Petionen ohne allgemeines Interesse wurde nach den Commissionsanträgen erledigt. U-ber den Antrag des Abg. Drawe, den Unterricht in den Elementarschulen aus die BormtttagSstunden zu beschränken, wurde zur Tagesordnung übergegangen. Die nächste Sitzung findet Freitag statt-

Dresden, 19. März. Ein anfangs als ganz unbedeutend bezeichnetes Unwohl­sein des Prinzen G<org hat einen etwas ernsteren Charakter angenommen- Ein heute früh ausgegebenes Bulletin lautet: Prinz Georg ist an einem nervösen Fieber n = krankt, die einzelnen Krankheilserscheinungen treten aber so mild aus und daS Fieber ist so gering, daß der Zustand des Kranken gegenwärtig zu keiner Besorgniß An« Infi gibt.

Die zweite Kammer hat das Gesetz, betreffend die Befugn'ß zur Ausschließung säumiger Abgabenpflichtiger von öffentlichen VergnügungSorten mit den von der Gesetz- gebungscommisston vorgeschlagenen Abänderungen tn der Schlußberathung debattenlos angenommen. Die erste Kammer berteth über die wegen Erbauung von Eisenbahnen etngegangenen Petitionen und überwies dieselben sämmtlich, auch die von der zweiten Kammer zur Erwägung vorgrschlagenen, der Regierung zur Kenntntßnahme.

Hamburg, 19. März. An Bord des gestern Abend von London eingetroffenen DampfersGemma" wurde Mittags nach dem Oeffnen des Schiffsraumes Feuer entdeckt. Eine Anzahl Juteballen, welche in der Nähe der Donkeymaschtne gestaut waren, hatten sich entzündet. Das Feuer wurde durch drei Dampfspritzen in vier Stunden gelöscht. Ein Theil der Ladung ist unversehrt gelandet; ein großer Theil hat starken Brandschaden und Wasserschaden erlitten durch Hineinpumpen von sechs Fuß hohem Wasser in den Schiffsraum. DaS Schiff selbst hat wenig Schaden erlitten.

Bern, 19. März. Der Bundesrath hat sich dahin schlüssig gemacht, die Hand­lungen, wegen welcher die Anarchisten zur Untersuchung gezogen sind, als gemeine Berdrechen anzusehen, deren Erledigung in das Gebiet der kantonalen Strafrechts- -Pflege falle.

Bern, 19. März. Der Beschluß des Bundesrathes betr. daS gerichtliche Ver­fahren gegen die Anarchisten ist dadurch hervorgervsen worden, daß in jüngster Zeit seitens der österreichischen Polizei an verschiedene KantonSbehörden in vertragsmäßiger Weise Begehren um Vornahme von Untersuchungshandlungen gestellt worden sind, welche sich aus Verbrechen beziehen, die in Wien und anderen Orten von den Anhängern der Anarchistenpartei begangen worden sind. Der Bundesrath hat von den Requisitionen und der Erledigung derselben Kenntniß genommen und thetlt den betreffenden Kantons­regierungen mit, daß die Handlungen, welche Gegenstand der Untersuchungen bilden, gemeine Delikte seien und den Charakter politischer Verbrechen in keiner Weise an sich tragen. Die Erledigung gehöre demnach in das Gebiet deS Strafrechtspflege und falle der kantonalen Justiz anheim- Abgesehen von der strafrechtliche» Seite liege auch ein großes Interesse für den Bund vor und der Bundesrath könne in die Lage kommen, die Frage zu prüfen, ob nicht von BundeSwegen Maßnahmen zum Schutze der inneren und äußeren Sicherheit in der Eidgenossenschaft zu treffen seien. Die Kantone werden daher eingeladen, den Bundesrath von allen an die kantonalen Polizeibehörden ge­richteten Gesuchen und den Ergebniffcn der in der Schweiz geführten Untersuchungen aufs Genaueste zu unterrichten.

Stockholm, 19. März. Der Kronprinz ist zum Vicekönig von Nor­wegen ernannt worden.

Paris, 19. März. In den äußeren Stadtbezirken baden gestern Abend zur Feier M Jahrestags des Commune-Aufstandes einige Banketts stattgesunden, wobei heftige Reden gehalten wurden, eine Störung der öffentliche» Ordnung aber nicht vorgekommen ist.

Bei der bereits gemeldeten Gasexplosion in der Rue St. DentS sind 2 Per­lenen getödtet, 21 verwundet worden.

DieRepublique francaise" bezeichnet als unter gegenwärtigen Umständen allein annehmbare Grundlage für Verhandlungen mit China eine Kriegsentschädigung und den vorherrschenden Einfluß Frankreichs in ganz Tonaking.

Eine Depesche des Generals Millot tn den Marineminister auS Bacninh vom 17. dS. sagt, er habe die chinesischen Truppen, deren Deroute bei dem Rückzüge eine immer größere geworden sei, auf der einen Seite bis Thainguyen, aus der andern biS halbwegs Langson zurückgetriebev, einen weiteren Vormarsch halte er für unnütz. daS Fort Phulong werde er als eine Art Vorposten besetzt halten, die Verluste der französischen Truppen seien äußerst unbedeutende.

London, 19. März. Gladstone ist Nachmittags nach Coombe abge­reist, woselbst er bis Montag bleibt, um absoluter Ruhe zu pflegen.

Newcastle, 19. März. Das vor einigen Tagen hier angekommene chinesische gepanzerte Widderschiff ^Nanking", welches Armstrong-Geschütze an Bord nehmen sollte, ist auf Anordnung der Behörden angehalten worden, wie es heißt, im Hinblick auf den Conflict zwischen Frankreich und China.

Rom, 19. März. Deputirtenkammer. Bei der heutigen Präsidentenwahl er­hielten bet 434 Votanten Coppino 228, Cairoli 145 Stimmen; etz wurden 54 unbe­schriebene Wahlzettel abgegeben; 7 Summen zersplitterten sich. Coppino ist gewählt. Die Errichtung eines Monuments für Sella wurde in geheimer Abstimmung mit 267 gegen 130 Stimmen genehmigt.

Kairo, 19. März. Telegramm desReuter'schen Bureaus". Die Verbindungen über Derber hinaus sind unterbrochen. Beduinen sammeln sich an den N lufern und halten den Katarakt von Saboo, wo der Fluß nur 11 Meter breit ist, besetzt. Der Verkehr auf dem Flusse ist dadurch vollständig unterbrochen. Der Stamm der Batak bereitet einen Angriff auf Shendy vor.

Sirakim, 19. März. Graham machte heute mit dem Stabe und einer Eßcadron Cavallecte eine RecognoScirung nach Handub. Dort wurde alles ruhig gefunden. Spione versichern, Osman stehe gegenwärtig 8 Meilen von Handub; seine Armee sei demorallstrt und es sei nicht wahrscheinlich, daß er den Kamps wieder auf­nehmen werde.

Lokale».

Gieße«, 20. März. Die Schwmgerichtssitzungen vom I. Quartal 1884 werde« am 24. Mär» l. I. unter dem Vorfitze des Großh. LanogertchlSraths Herrn Dr. v. Schmalkalder beginnen.

Zur Verhandlung kommen:

Montag den 24- März, Morgens 9 Uhr, die Anklage gegen Martin Wagner von Geilshausen wegen Raubs. Vertheidtger: RechtsanwaltDr. Schwarz. Staatsan- waltsgeschäfte: 1. Staatsanwalt Z tmmermann.

DienStag »en 25. März dre Anklage gegen Leonhard Hübner, Landbricsträger zu Vilbel wegen Verbrechen und Vergehen tm Amte. Vertheidtger: Rechisanwalt Wetdig. Siaatsanwaltsgeschäfte: Staatsanwalt Jäckel.

Mittwoch den 26. März die Anklage gegen Wildelm Spangenberger von Unter- Schmitten wegen Körperverletzung mtr lödtlichem Erfolg. Vertheidtger: Rechis­anwalt Dr. Reatz. Staatsanwaltsgeschäfte: 1. Staatsanwalt Zimmermann.

Donnerstag den 27., Freitag den 28. und SamStog den 29. März die Anklage gegen Wilhelm Heyer II. und Genossen von Wölfersheim wegen Lavdfrtcdensbruchs. Vertheidtger: Rechtsanwälte Hirschhorn, Dr. Rosenberg, Dr. Dittmar Dr. Muhl, Windecker. Staatsanwaltsgeschäfte: 1.Staatsanwalt Zimmermann'

Gießen, 20. März. Ein allseitig beliebter Offizier unserer hiesigen Garnison, Herr Hauptmann Ronneberg, ist gestern Abend nach kurzem schwerem Leiden ver­schieden- Wie man uns mittheilt, soll der blühende, bis vor Kurzem kerngesunde Mann sich eine kleine Wunde am Kopfe zugezogen haben, zu welcher dann die Kopsrose htnzugetreten ist, welche leider einen so tragischen Ausgang herbeiführte.

Gieße«, 19-März. sTheater.) Der heutige Abend brachte uns das Moser'sche Lustspiel:Ein moderner Barbar", hierauf das Genrebild Adelaide, indem Fräulein Wohlgemuth zum ersten Male als Clärchen auftrat, einer Rolle, die zur Beurtheilung ihrer schauspielerischen Eigenart nur einen geringen Beitrag liefert und «ine Novität auS der Feder unseres geschätzten Schauspielers Herrn I. M. Schreiner- Johannes-, Charakterbild tn 1 Akt. *

In diesem Charakterbilde spricht sich ein schönes Talent aus, das zur wahren Kunst strebt. Das dauernd Schöne wurzelt in jeder Kunst im Einfachen Diese« Gesetz ist Herrn Schreiner Richtschnur gewesen. Er gibt uns eine äußerlich ruhige innerlich bewegte Fabel, die stch zwischen drei Personen abspielt. Die geistvolle romantisch angehauchte Salondame Gräfin Vera hot den an Seele und Leid ver­kommenen Johannes tn ihr Haus ausgenommen, sie kleidet und pflegt thn, gibt ihn der Menschheit wieder und empfindet etwas wie Liebe für den genialen Schützling. Aber als ihr Verehrer, der Geh. Rath Freiherr von Schwarzenfels ihr mittheilt, waS die medisante Welt über dieses Verhältnitz urtheilt, als er ihr die Perspective zeigt tbre Stellung in der Gesellschaft zu verlieren, da gibt sie ihren Schützling auf, sie stößt ibn wieder ins Elend hinaus und er selbst stirbt am gebrochenen Herzen. Die Vor­züge diese« fesselnden Charakterbildes sind feine Jndividualisirung und eine edle fast nie über die Grenzen des Geziemenden hinausgreifende Sprache. Indessen, wenn auch Anfang und Mitte uns anmuthen und in Spannung erhalten, der Schluß ist »on schriller Dissonanz, trotz des aus dem Munde Schwarzenfels' kommenden- Wohl ihm 1"

_ , Fräulein Pögner I. (Gräfin), Herr Schreiner (Johannes) und Herr Schölermann (Freiherr v. Schwarzenfels) führten ihre Aufgabe tn meisterhafter Weife durch. Der Autor wurde verdientermaßen hrrvorgerufen-

Handel und Verkehr.

Limburg, 19. Märr. Rother Weizen X 16.85, weißer Weizen X 00.00 Kor» X 12.20, Gerste X 9.55, Hafer X 7.80, Erbsen X, Kartoffeln X.

Zur gefl. Beachtung

Schrifüiche Anfragen wegen AuSkunftserthoilung über Inserate ic. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt ist. lieber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die Erp dltion zo keinerlei Aus'nnftserthciluugen befugt. Offertenbriese sind soweit keine bestimmten aeaentbeiliaev Abmachungen getroffen wurden in der Erveditian abrubolen.

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