Ausgabe 
20.7.1884 Zweites Blatt
 
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In Eckenheim riß das 3jähr!ge Söhnchen einrs dortigen Metzgers einen brennenden Spirttusapparat vom Tisch herunter, während sich die Mutter des Kindes einen Augenblick aus dem Zimmer entfernt halte. Der brennend? Spiritus lief dem Kinde über das Gesicht in den Mund und in ein Ohr. Das Kind fiel in Krämpfe und wurde, wie die »Franks. N." berichten, am folgenden Tage durch den Tod von seinen Qualen erlöst.

Göttingen, 14. Juli. Gestern Nachmittag wurde, w'e dem »Havn. (Sour.* berichtet wird, der Professor Dr- Hübner, der jetzige Leiter und Direktor des chemischen Laboratoriums, als er mit seiner Familie auf einem Spaziergänge begriffen war, vom Schlage gerührt und verstarb sofort.

Posen, 13. Juli. In der Nacht von gestern zu heute unternahmen es zwei Unterofficiere der hiesigen Garnison, den Wachtposten am Etchwaldthor, welcher sie beim Durchschreiten des letzteren nach ihren Urlaubskarten befragte, thätlich anzugretfen. Dennoch gelang es dem Posten, sein Seitengewehr aufzupflanzen, in Folge dessen beide Unterofficiere sich durch schleunige Flucht der Verhaftung zu entziehen suchten. Der Posten rief ihnen dreimal nach, zu stehen, lud aber gleichzeitig sein Gewehr und schoß, als sein Zurufen erfolglos blieb, nach den Flüchtlingen. Leider ging die Kugel durch den Kopf des einen Nnterofficiers und hatte den sofortigen Tod desselben zur Folge. Die gerichtliche Untersuchung Ist eingelettet worden. Der Wachtposten wird als ein durchaus ruhiger, besonnener und ordentlicher Mann, der im dritten Dienstjahr steht, geschildert.

sBienen-Chemie.) Es ist bekannt, daß der Bienenhonig der Gährung jähre» lang widersteht, wenn er in seinem Naturzustande aufbewahrt wtrd; daß er aber durch Abkochen und Abschäumen eine Veränderung erleidet, welche auch den baldigen Eintritt der Gährung zur Folge bot- Es unterliegt daher keinem Zweifel, daß der Naturhonig ein Schutzmittel gegen Fäulniß enthält, welches beim Kochen entweicht. Wer tm Stande ist, eine Biene oder WeSpe zum Stechen zu reizen und dabet sorgfältig zu beobachten, wird bemerken, daß an der Spitze ihres Stachels ein kleines, wafferhelles Tröpfchen düngt. Dieses Tröpfchen ist Ameisensäure. Die Eigenschaften der Ameisensäure sind btkannt, aber man hat nickt gewußt, daß die Bienen ihren Honig durch Ameisensäure gerade so vor Gährung und Fäulrnß schützen, wie jede Hausfrau ihr Einmache-Obst durch Essigsäure. Es ist aber so- Das im Zustande der Gereiztheit hervortretende Tröpfchen wird entweder in der durch den Stachel verursachten Wunde zurückgelassen, um dort Entzündung zu erzeugen oder es wtrd, wenn es nicht zum Stiche kommt, am Honig abgestretft. Dies erklärt auch, warum der Honig der sogenannten Bienen­völker, deren Kampfbegier viel öfter erregt wird, als die der ruhigen, einen scharfen Geschmack hat, welcher dem Honig der anderen Bienen nicht eigen ist. Dieser Geschmack kommt eben nur vom Uebermaß von Ameisensäure, dem DesinfectlonSmittel der Bienen.

sDas Ende eines Romans.) Wie seinerzeit gemeldet, hat vor ungefähr anderthalb Jahren die 16jährige Lady Florence Longfort, Tochter des Grafen gleichen Namens, von dem Schlosse ihres Vaters nächst London die Flucht erartffen, um ihren Reitknecht zu heirathen. Die junge Frau erschien am 23. Juni mit todtbleichem Gesichte, in zerfetztem Gewände vor dem Richter Mr. Flowers in London und bat um Schutz gegen ihren Gatten. Derselbe hat in der Zeit von sechszehn Monaten das Vermögen der Comtcsse im Betrage von 600.000 Gulden verspielt, vergeudet, an lüder- liche Frauen verschenkt, er hat ferner in trunkenem Zustande feine junge Gattin mißhandelt. Die Frau verlangte nichts mehr, als Schvtz gegen ihren Mann, der sie, obwohl er die eheliche Wohnung längst verlassen und mit einem verrufenen Mädchen gemeinsamen Haushalt führt, mit den gemeinsten Insulten überhäuft. Graf Longfort erklärt sich bereit, falls die Scheidung ausgesprochen würde, seinem Kinde eine Zufluchts­stätte zu bieten.

[®in Bier ausschenkender Aristokrat ) Bis vor Kurzem fungstte ein junger Mann von aristokratiscken Aeußeren und einnehmenden Manieren, welcher sich Melz nannte, in der Restauration von Henry Dorr in Albany, N.--A, als Schankwärter. Vor einigen Tagen stellte es sich heraus, daß Melz ein Sohn des sächsischen Barons Steubendorf ist und im Jahre 1877 gezwungen war, in Folge eines Duells, welches

er als Student an der Heidelberger Un versität mit einem Osficlcr ausgesochten und in welchem der letztere tödtl'ch verwundet wurde, nach Amerika zu entfliehen. Der Baron-Schankwärter hat jcht von seinem Vater 250,000 JL geerbt und ist nach seiner Heimath zurückg^kehrt-

sCalffornische Riesen-Weinrebe) In Monterito befindet sich der größte Weinstock Californiens. Der Stamm dieser Riesenrebe, welche 25 Jahre alt ist, hat dickt über der Erde einen Umfang von 3 Fuß und 3 Zoll und in einer Höhe von 3 Fuß über der Erde einen solchen von 5 Fuß. In einer Höbe von 3 Fuß und drei Zoll entwickelt der wahrhaft merkwürdige Baum einen großen Reicbthum an Zweigen. Emer derselben mißt an feiner Wurzel I8V2 Zoll im Umfang und behält diese Stärke bis zur Höhe von 6 Fuß und 6 Zoll, von der Erde aus gemessen, dann lehnt er sich horizontal über ein zu diesem Zwecke angefertigtes Geländer und zweigt sich auf demselben ab, und zwar in fünf prächtigen schweren Arsten, die nacheinander 16, 22, 33, 18 und 15 Zoll im Umfange messen. Die Zweige and Aeste des Weinstocks, welch? sich an einem freistehenden Geländer htnzieben, haben folgende Ausdehnung: Gen Norden 32 Fuß, gen Süden 43, in östlicher Richtung 34 V? und in westlicher end­lich 25Vz Fuß. In diesen Ziffern sind neue Ausschüsse von diesem Jahre nicht in­begriffen. Jrn Jahre 1882 wurden von der Riesenrebe mehr als 3 Tons Trauben gewonnen, welche als außerordentlich wohlschmeckend geschildert werden.

[Der Scharfrichter von Madrid.) Die »Jtalie* berichtet: Vergangenen Dienstag begab sich der Scharfrichter von Madrid, Francisco Rutz Caftellanos, der feine Gebühren bezogen batte, tn Gesellschaft mehrerer Personen von zweifelhaftem Rufe in einer Schänke. Von da besuchten sie noch mehrere Weinausschänken und die Lrbationen wurden ununterbrochen fortgesetzt, bis sich die Köpfe erhitzten. Da sagte auf einmal einer der Gefährten Castellanos' zu ihm:Du bist ein Feigling, das war Dir schon recht, daß man Dir in Teres sieben Unglückliche übergeben hat, um ihnen das Leben zu nehmen, weil sie gebunden waren. Wären sie frei gewesen, so würdest Du es nicht gewagt haben, sie zu berühren."Geh'n wir hinaus", erwiderte der Scharfrichter,Du wirst sehen, ob ich einen Menschen umbringen kann, ob er gebunden ist oder nicht." Und ein Pistol aus der Tasche ziehend, feuerte Caftellanos einen Schuß auf feinen Gegner ab, der schwer in der Brust getroffen wurde. Auf das Krachen deS Schusses und das Geschrei der Dabeistehenden erschiene« Sicherhettswachen und machten die ganze saubere Gesellschaft dingfest. Als Castellanos im Gefängnitz ankam, beklagte er sich nur, daß ihm seine Gefährten, denen er die Zeche bezahlt hatte, noch überdies sein Geld weggenommen hätten.

Das Fest der Hetrathsfähtgkeit, das singhalesische Bittie Hoodain-fteft das ist das Neueste aus der Rotunde in Wien, wo die Singhalesen augenblicklich weilen. Das 11jährige Mädchen Paustina Hunu, Tochter des William Sapoc und der Frau Louisa Nona, war die Heldin des Festes; die junge Dame wurde nämlich für hetrathsfähtg erklärt. Die 11jährige Jungftau war fett sieben Tagen unter der strengsten Bewachung ihrer Mutter und der andern jungen Singhalesinnen im Bangolo der Eltern abgeschlossen von Allem, was an den irdischen Jammer erinnert, etngesperrt gehalten worden. Endlich schlug ihr nach der siebentägigen Gefangenschaft ihre Frei­heitsstunde. Bekleidet mit einem einfachen Gewände, das schwarze Haar aufgelöst Über die Schultern herabhängend, erschien Paustina vor der Thür der elterlichen Wohnung, vor welcher sich zum jubelnden Empfange der Jungfrau alle übrigen Singhalrsen ver­sammelt hatten. Zur Beglückwünschung überreichte ein Jeder dem jungen Mädchen zwei indische Rupies, die Gabe mit der linken Hand in die linke Hand der Empfängerin drückend, als Zeichen, daß daS Geschenk von Herzen kommt. Nach dieser Beglück­wünschung wurden die Eingeladenen von den glücklichen Eltern mit Reiskuchen, Arrac rc. bewirtbet, während die Frauen durch eine beständige Bearbeitung der großen Trommel,rabanna* genannt, für die musikalische Unterhaltung der Gäste sorgten. Erft das Erscheinen des Publikums und die begtnnenbm Vorstellungen machten dem Feste ein vorläufiges Ende. Zu Mittag ließen es sich die Eltern nicht nehmen, nach­dem dem jungen Mädchen sowohl von Herrn Karl Hagenbcck, wie von dessen Familie, Geschäftsleiter Bingusz und den Beamten Geschenke überreicht worden, alle diese zu einem echt singhalesischen Festmahl einzuladen.

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