Ausgabe 
18.12.1884 Zweites Blatt
 
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®ttrrott: Schulftraße 7.

Nx. 296 Zweites Blatt Donnerstag den 18. December

icbcncr Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

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Erscheint täglich mit Ausnahme bee> Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.

C,rp- in der Richiunq auf Rotti, südöstlich von dein jetzigen Hauptquartier Wvlselei/r, von Ambukol. Wann da« (Sro6 der englischen Expedition folgen wirb, ist noch unbekannt.

Universität- - Chronik.

c>n Göttingen hat am 3. d. M- der Licenttat der Theologie, Bvruemmm. sich alSPrwatdocmt für Ktrchengefchtchte habitttirt- Seine Probevorlesung handeUe »o» .OrigeneS und die kirchlichen Verhältnisse feiner Zett- . ...

8 Professor Mommsen in Berlin, der berühmte Histor ker deS römischen Reichs, ist soeben trüt einer neuen Auszeichnung seitens einer gelehrten österreichische« Gesell­schaft bedacht worden. Er ist daS erste Ehrenmitglied des vor Kurzem const-tutrtea Wiener Gelehrten»VereinsCarnuntum* geworden- Diese gelehrte Vereinigung hat sich die Aufgabe gestellt, die ehemalige römische Provinz Pannonien -- die Gegend um daS jetzige Preßburg herum archäologisch zu durchforschen und nennt sichnach dem alten römischen WaffenplatzCarnuntum-, besten Namen vielleicht noch keltischen U. svrunaS ist Carnuntum am DauubiuS (Donau) gelangte im ersten Jahrzehnt nach Christ! Geburt zu dem Range einer römischen Muniz'palstadt und war der Aufents haltSort der Donauflotte und einer römischen Legion. SeoeruS und Liclntus wurde« hier zu Kaisern proclamirt und auch Marc Aurel hielt sich iwahrend dn Markomanen krieae länaere Rett hier auf. Etwa Ende deS vierten Jahrhunderts nach Christus wurde die alte Colonie durch ein wildes Nomadeuvolk zerstört, ba^d jedoch wieder aus« aebaut und von Attila, derGotteSgeitzel-, von Neuem der Zerstörung preisgegebeu- Die aroße Ru.n-nstStte auf dem Felde von P-tr.nell, D-utsch-Altenburg und Hain- ^rgbezeichnet den Schauplatz deS einstigen römischen MilitärlebenS. Man hoM, be­deutende Resultate bet diesen Ausgrabungen zu erzielen. Gehetmerath Ritter v-Arneth, der bekannte Historiker und Archäologe, ist der erste Präsident deS neuen antiquarische« Verein«, und der RetchStagSabgeordnete und Millionär Dumba ist a®dtcr In der consttiutrenden Versammlung dieser gelehrien Vereinigung gelan^ MommienS »ur Verlesung, tu welchem der große Gelehrte sich in eingehendste. Weife über die Rtelc und Aussichten deS Vereins auStprach und allerlei wichtige Fingerzeige gab nach denen die gewaltige Arbeit, die diese Forschungen "fordern, angefaßt werd» müsse. Hierauf wurde dem Berliner Historiker unter allgemeinem Beifall die erwähnte Ehrenbezeigung^votstt. »^^^^nhetze ist in Pari« ausgebroch-n. Sie ist diesmal zur Abwechslung gegen die ausländischen Studenten gerichtet. Mehrere Blätter haben dtt Sache ist die Hand genommm und bringen ^gltchZuschrffteavonfi^ Studenten, welche sich von den BuSländeru behindert fühlen. Besonders die Studenten v,,. (Ä.tiFimhf nrrinnnen dast die Ausländer höhere Gebühren bei der Jmmatriku tatlon ich beiabün $afür foU<n fie befonberen Sblbeilungen lugewlefen werben, ch- n b.n 8a örat.d.n\ Ältniten/eec-rfaun ÄrauhnanRalten u f>. wg «ff« »Ä-ÄM» Ä»«» » SS«»

Ei dem andern.1-------n --------------

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Politische «ebeefkcht.

Gießen, 17. December.

Den Veröffentlichungen über die deutsche Colonial-Politik in West- afrika find jetzt Mittheilungen des Berliner auswärtigen Amtes über die deut­schen Interessen in der Südsee gefolgt. Dieselben sind in einem Heft Schrift- stücke, welches dem Reichstage noch in voriger Woche zugegangen ist, enthalten und sind diese Schriftstücke größtenteils Consularberichte des deutschen General- Consulats-Verwesers Dr. Stuebel in Apia. Es erhellt aus diesen Berichten, welch' bedeutenden Aufschwung der deutsche Handel auch in der Inselwelt der Südsee genommen hat, wobei indessen zugleich auf die Beeinträchtigungen, dte der deutsche Handel dort von englischer Seite zu erleiden hat, hmgewlesen roirb. Mehrfach findet sich in den Berichten auch die Andeutung, daß bie deutschen Handels - Unternehmungen noch besser gedeihen und namentlich mit größerer Sicherheit betrieben werden könnten, wenn geordnete staatliche Zustande herge­stellt würden So heißt es in der Denkschrift über die Handels- und Plantagen- Gesellschast auf den Samoa-Jnseln, Die überhaupt den Mittelpunkt der deuts chen Unternehmungen in der Südsee bilden:Es wird gegenwärtig von der Ge­schäftsleitung in Apia wie von den Einzelnen Alles gethan, um Tüchtiges zu leisten Der Erfolg wird nicht allein von ihnen abhängen, sondern hauMchlich von einer größeren Sicherheit und Stabilität der staatlichen Verhältnisse aus Samoa." Die Reichsregierung scheint indessen vorläufig nicht die Absicht zu haben, diese oder jene Insel oder auch Inselgruppen förmlich unter deutsches Drotectorat zu stellen, wie aus den Antworten und Anweisungen des Fürsten Bismarck hervorgeht. Dagegen steht eine Verstärkung des deutschen Consular- Dienstes in der Südsee in sicherer Aussicht und ist auch eine solche jetzt schon in dem Etat für 1885/86 beantragt.

QU den antipreußischen Aeußerungen des Erbgrafm Reipperg in der württembergischen ersten Kammer bei der Berathung des Postsparkassen- Gesetzes macht dieRordd. Allg. Ztg." folgende Bemerkung:Die Auslassungen des Erbgrafen Reipperg finden eine Erklärung darin, daß derselbe semer ganzen Erziehung und seinen Gewohnheiten nach weit mehr nach Wien als nach Stutt­gart hin gravitirt. Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß bie Erklärungen des Grafen der Reflex gewisser feindlicher Gesin mmgen sind, welche m Wien trotz der guten Beziehungen und der freundschaftlichen Haltung zwi­schen der dortigen und der unserigen Regierung in gewissen Kreisen noch immer gegen d»^s°Av?r^KriN^ welche über die böhmische Zuckerindustrie her- einaebrocken ist, erscheint als keine unverdiente. Die böhmische Zuckermdustne bat mit Wuchergeldern gearbeitet, um die möglichst hohe Production zu erzielen. Die Bücher der Firma Weinrich und Tschinkel und demnächst auch der Brunner Zucker-Rasfinerie beweisen Unglaubliches. An dieser Speculation haben sich auch eine ganze Reihe böhmischer CreditinftUute mrtbetheiligt Um fich die Mittel zu diesen Engagements zu verschaffen, wurde von der Erlmrbniß, Kassen- rx ausruaeben ein geradezu bedenklicher Gebrauch gemacht. Ein Pfandbrief- 3n^t?93 $iiä Sfiominal-Rapital .wie die Boden-Kredit-Gesellschaft hat heute über 3 Mill. Kassenscheine ausstehen, bet denen derRun selbstverständ­lich schon begonnen hat und nun kommen erst die kleinen Sparkaffen-Emleger, und die Kassen sind geschlossen! Natürlich wirkt das Mißtrauen mel ra cher als Virgil's berühmte Fama, und rote sich die !or9enhÄ

hpufß Niemand auch nur ahnen. Der Prager Krach steht vor der ^hür. Be qreiflich ist daher, daß diesmal deutsche und czechische Abgeordnete gememsam die Staatshülse urgiren. Soll der Finanzminister oder der Handelsmm.ster, an welchen^ man sich in letzter Stunde gewendet hat. dte Raffenscheine einer ialliten Bank einlösen? Dies wüte die einzige Rettung vorläufig.

Die Gerüchte von einer beabsichtigten diplomatischen Vermittelung Englands in dem französisch-chinesischen Conflict sind voll- stündiq verstummt und werden zur Stunde in Peking wie m Pans wieder dte kriegerischen Töne angeschlagen. Die französische Regierung wird zetzt zuvorderst Alles ausbieten, um mit möglichster Schnelligkeit den Chinesen zu beweisen, daß die Franzosen im Stande sind, mit Gewalt sich zu holen, was ihnen gutwillig nicht gewährt wird. Wie Herr Ferry jüngst im Parlamente zu verstehevgab, wttd nunmehr in erster Linie daraus Bedacht genommen werden , dte Provinz Tongking vollständig von den Chinesen zu säubern und die von den jieegn Trugen noch besetzten festen Plätze an der Grenze zu erobern. E« scheint nicht nothwendig zu fein, daß vor Beginn des Vormarsches das Eintreffen der Verstärkungen, die noch in Vorbereitung begriffen find, abgewartet wird. Etwa oooo Mann welche feit Anfang November bereits unterwegs sind, werden rechtzei^ eint'reffM um an der Expedition theilzunehmen, im Uebr.gen ha^ w. aus den bezüglichen Mittheilungen des Marineminister« zu entnehmen ist, General Sriäre be in seiner jüngsten Depesche versichert er bedürse keiner Ver- Mirkimoen um bis an die Grenze von China zu rnarschiren.

stärkunze , m Hauptstadt ist wieder einmal durch em versuchtes - t sifn.ntn8* in Aufreanna versetzt worden. Eine Londoner Depesche mel- zems^s Attenta. 'n Aufregung ve^ietzd Bogen der London-Brücke

----i iwt. Arzt in Frankfurt früher Aasiit.

Dr. med. H. Gensch, h°nr. Sffi

Haut. u. Goschlacbtskrankhoiten (Syphilis) nach ebener Methode. Bprechetuuden 1(>-1 und 3-b. btiftslr.iBee 22 I. Auswärts bneflteh.

Literarische

18851 Ärster-nb-S Werk

LUu^bmlVrn unbbXn ®wfel4e jung-n Mädchen b-n WeihnachtS- lisch zu schmücken haben, dringend »u empfehlen. cvnfirmirte

Eine bessere Lectüre junge Mädchen - ^dütten^ «uroiro

lein wüßte ich kaum zu siaden. Das M ry snannende" Situation, weiß aber junge Gemüther. Es bietet keine ner»enretzenwanne o bfl8 Interesse für ntchtSdestoweutger die Leser von AufangbisruEndezumi em erhalten. Da» dte liebenswürdige Fam lte, in bem Lebm S uns W « ttefen wt, fröhliche Leben und Treiben in diesesFamilie erhevt W bewährenden, baß ltchen Ernstes und einer nicht in Worten, sondern M Lyaren nm bfl6 c9 ber ganze Leben durchdringenden aufrichtigen 8"mmtgk t- Ich z @runb fflr eine Verfasserin gelungen ist, darzuthun, wie ein solcher Geist der req»re «r gesunde, auf wahre getMgeFretheitabrtelLnde chr ft Frische ?hrer Schilderung, gelungen, nickt durck lange Erörterung, sondern d ch le Fr' iro 9 yor un8 herstellt, dte Lebenswahrheit ihrer Zeichnung. Dasi sind Fehlern- Man

durchaus individuelle Gestalten, mit ^seuthüml^en T gin Ktnderlebeu belauscht

merkt, daß die Verfasserin .^tt psychologischem Scharfbua va Würze des

hat und nicht weniger beweist sie feinen Pädagog sch n Ta bcp ba9 Puch z«

Humors fehlt nickt- Kurz und gut: es find olle Bedingung^ ö m(r eine große einem Liebling unserer lesebegierigen fugend zu mack Eingang in recht viele

Freude sein, wenn meine Empfehlung dazu helfen würde, iym ^^chlosser.

Häuser zu verschaffen- . ______________