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Str. 270. Dienstag den 18. November 1884

Kießmer Anzeiger

; : Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

- , 7 «rei» vierteljührlich 2 Mar! 20 Pf. mit Brintznkch^

gfrZW-nt Schvkftraße 7. Erscheint ILglich rmt D«8n^n- dvL Durch die Post bezogen vierteliähriich 2 Mark 56 P).

Amtlicher Z 8 ei l.

Bekanntmachung.

Briese Gordon's und vier anderen chiffrirten Briefen angekommen. Childerr zeigte an, er werde wegen der Beschaffung der Mittel zur Deckung der gestern geforderten Kredite am nächsten Montag Vorschläge machen. Aus Befragen gab Fitzmaurice an, das egyptische Haussteuergesetz sei wegen der Schwierigkeiten, die sich bei der Ausführung ergeben hätten, einstweilen außer Wirksamkeit gesetzt; dasselbe werde abgeändert und solle dann den Einheimischen wie den Ausländern gegenüber angewendet werden.

Lord Kimberley sprach gestern Abend in einem Bankete in Coulstow, nahe bei Bristol, und verurtheilte die Haltung der Conservativen in der Frage der Wahlresormen. Die Negierung sei bereit, alle nur möglichen Concessionen einzuräumen, aber wenn die Opposition die Regierung bis ans Aeußerste drängen würde, so würden immer mehr Fragen, welche die constitutionellen Grundlagen berühren, aufgeworfen uno nicht zur Zufriedenheit der Opposition gelöst werden. Kimberley sprach ferner über Afghanistan und meinte, die Lage der Dinge sei jetzt eine neue und einigermaßen beunruhigende; zum erstenmale habe England eine europäische Macht an der Grenze Afghanistans; er schreibe Rußland keine geheimen Absichten zu, er halte Rußlands Gefühle gegen Eng­land für freundliche und theile die Ansicht Lord Dufferin'S, daß die russische Regierung jeden Zwist zu vermeiden wünsche; - auch England trage Verlangen, die guten Beziehungen mit den Nachbarn aufrecht zu halten, aber man müsse e3 in den Stand setzen, seine Streitkräfte in Indien mit einer so großen Rasch­heit wie möglich und mit den größten Chancen auf Erfolg zu verwenden.

London, 15. November. DerStandard" meldet gerüchtweise, Lord Carlingford werde aus Gesundheits-Rücksichten demissioniren und Lord Rose­berry wahrscheinlich sein Nachfolger werden. Parlamentarische Kreise glauben, die Regierung werde dem Parlamente vorschlagen, eine beträchtliche Vermehrung der Marine 'zu genehmigen, sowie ferner die Erbauung mehrerer stark bewaff­neter Kreuzer und einer großen Anzahl von Torpedo-Booten beantragen. Die bezüglichen Ausgaben sollen aus mehrere Jahre vertheilt werden.

DieMorning Post" meldet aus Dongola vom 14. ds.: General Wolseley erhielt einen Bries Gordon's vom 4. ds., worin dieser mittheilt, daß Stewart, Power und der französische Consul, welche mit einem Dampfer nach Berber gesandt wurden, ermordet worden sind. Gordon fügt hinzu, daß er sich noch gut halten könne.

TeiMsphische Depeschen.

WE'ü L?res«. «SLvespondems-GkSLea«.

Berlin, 16. November. Der Kaiser ertheilte heute Vormittag dem Vorstande der Brandenburgischen Generalsynode (o. Levetzow, die Höfprediger Stöcker, Rogge, Consistorialrath Stahn, General v. Redern, Geh. Ober-Regie­rungsrath Wiese und Rittergutsbesitzer Sacke) Audienz und empfing Nachm. die Delegirten Rußlands und Belgiens zur Congo-Conserenz, Grasen Kapnist und den Minister v. Lambermont.

Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf, betr. Aufnahme einer Anleihe bis zu 10,550,000 JL für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichs-Eisenbahnen zugegangen.

Bremerhaven, 16. November. Der SchoonerMinna" Kapitän Nijahr, mit 800 Barrel Petroleum nach Stralsund bestimmt, ist gestern auf der Rhede in Brand gerathen. Die Mannschaft wurde gerettet. Das Schiff brennt noch.

Kiel, 16. November. Der Kronprinz von Schweden traf in der ver­gangenen Nacht, von Amsterdam kommend, hier ein und nahm, einer Einladung Sr. K. Hoheit des Prinzen Heinrich folgend, im königlichen Schlosse sein Absteige­quartier. Zu Ehren desselben sand heute Nachmittag bei Sr. Hoh. dem Prinzen Heinrich ein Galadiner statt. In der kommenden Nacht wird der Kronprinz mit dem DampferSkirner" seine Reise nach Korsör sortsetzen.

Paris, 16. Novbr. Nach dem Bericht der Seine-Präfektur kamen gestern 72 Cholera-Todesfälle und zwar 22 in der Stadt und 50 in den Hospitälern vor. Von heute Mitternacht bis zum Mittag sind 12 Personen und zwar 5 in der Stadt und 7 in den Hospitälern an der Cholera gestorben. Aus Nantes werden 2 Cholera-Todesfälle gemeldet.

Kairo, 16. November. Es heißt, es sei ein zweiter Brief Gordon's hier eingegangen, in welchem er sich günstig über die Lage in Khartum ausspreche. . .

London, 16. November. DemReuter'schen Bureau" wird aus Don­gola von gestern telegraphirt: General Wolseley erhielt Freitag Abend ein Schreiben des General Gordon, worin derselbe sein lebhaftes Bedauern über den Schiffbruch des von ihm nach Dongola abgesandten Dampfers und die Tödtung aller an Bord befindlichen Personen ausspricht, nämlich des Obersten Stewart, der Consuln Power und Herbin und 30 Anderer. In dem Schreiben

Durch kriegsgerichtliches Erkenntniß vom 4. November d. I, bestätigt:am »0 November d. I., wurden in contumgoioin für fahnenflüchtig erklärt und zu 160 Mark verurtheilt: die Rekruten aus dem Bezirke des Neserve-LaiLwehr-Batmllons (Frankfurt a. M.) Nr. 80. Rudolf Wertzel von Gießen und Johann Conrad Pracht von Lich. i r m , n. ...

Frankfnrt a. M., den 14. November 1884. imiiiiiwimmmbmmm»»

Deutschland.

Berlin, 15. November. Die afrikanische Confercnz, welche am Samstag in Berlin zusammengetreten ist, besteht aus folgenden Mitglie­dern. Bevollmächtigte: für Deutschland Se. Durchl. Fürst Bismarck; Se. Ercellenz Gras Hatzseldt, Staatssecretär des Auswärtigen Amtes; Busch, Unterstaatssecretär; v. Kusserow, Geh. Legationsrath. Oesterreich-Ungarn: Se. Excellenz Gras Szechenyi. Belgien: Gras von der Straeten-Ponthoz; Baron Lambermont, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister, Generalsecretär des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten; als Bei­geordneter: Baming, Generaldirector des Ministeriums der auswärtigen Ange­legenheiten. Dänemark: de Bind. Spanien: Graf Benomar; Beigeordneter: Francisco Coello, Ingenieur-Oberst a. D., Ehrenpräsident Der Geographischen Gesellschaft in Madrid. Vereinigte Staaten: John A. Kasson; Beigeordneter; Henry S. Sanford, früherer Minister der Vereinigten Staaten. Frankreich: Se. Excellenz Baron v. Courcel; Beigeordnete: Ballay, Desbuiffons, Engel- Hardt. England: Se. Exc. Sir Edw. Malet; Beigeordnete: Hon. Robert H. Meade, assistirender Staatssecretär; H. Percy Anderson, Vorsteher der afrikanischen Abteilung im Auswärtigen Amt; Archer-Crowe, Handels-Attachö für Europa; A. W. Hemming, Beamter im Colonial-Ministerium. Italien: Graf de Launay; Beigeordnete: Baron Regri, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister; Mantegazza, Senator, Professor und Director des Anthropologisch- Ethnographischen Museums in Florenz. Niederlande: van der Howen; Bei­geordnete : de Bloeme, Hauptagent der neuen Niederländisch-Afrikanischen Gesell­schaft am Congo und in Angola. Portugal: Marquis de Penafiel de Serpa Pimentel; Beigeordneter: Luciano Corduno, ständiger Secretür der Geographi­schen Gesellschaft zu Lissabon. Rußland: Gras Kopnist, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister bei Sr. Maj. dem König der Niederlande. Beigeordnete: Domojirow, Lieutenant zur See und Marine-Attache an der kaiserlich russischen Botschaft zu Berlin. Schweden und Norwegen: General Baron de Bilde. Türkei: Se. Excellenz Said Pascha.

Eine von socialdemokratischer Seite ausgestellte Wahlbilanz ergiebt, daß am 28. October 1884 550,000 socialdemokratische Stimmen abgegeben wurden. Bei den Wahlen von 1877 wurden nach amtlicher Statistik 493,477, 1878 437,158, 1881 311,961 socialdemokratische Stimmen abgegeben, gegen den höchsten Stand vor Erlaß des Ausnahmegesetzes hat also die Socialdemo­kratie 50,000 Stimmen mehr erzielt. Die Stimmenzahl vertheilt sich auf die einzelnen Länder wie folgt: Preußen 253,000 socialdemokratische Stimmen, 1881 132,000, also jetziger Zuwachs 121,000; Bayern 36,500 (Zuwachs 14,740), Württemberg 10,000 (Zuwachs 4000), Sachsen 120,000 (Zuwachs 32,000), Baden 10,000 (Zuwachs 5300), Hessen 20,000 (Zuwachs 6200), Elsaß-Lothringen 3000 (Zuwachs 2400), Mecklenburg 2300 (Zuwachs 1300), beide Reuß 9500 (Zuwachs 4500), Braunschweig 7700 (Zuwachs 1700), Sachsen-Weimar 1800 (Zuwachs 1100), Sachsen-Coburg-Gotha 8050 (Zu­wachs 6500); in Sachsen-Meiningen sind die socialdemokratischen Stimmen um 3450, in Sachsen-Altenburg und Schwarzburg zusammen um 2100, in den anderen kleinen monarchischen Staaten um 300 Stimmen gewachsen. Hamburg weist eine Zunahme der socialdemokratischen Stimmen um 14,300, Bremen um 200, Lübeck um 1700 auf.

Krankreich.

Paris, 14. November. Die Commission für Zolltarife lehnte die Regie­rungs-Vorlage, betr. den Zoll aus ausländisches Vieh, mit 6 gegen 5 Stimmen ab.

Nach Montceau-les-Mines, wo in letzter Nacht abermals Drohbriefe an die Häuser geschlagen wurden, ist zur Verstärkung der dortigen Gensd'armerie ein Truppen-Commando abgesendet.

In Bessiges wurden wegen der dortigen Dynamit-Explosion drei Anarchisten verhaftet.

Temps" dementirt das Gerücht von einem Scheitern der Verhand­lungen zwischen Frankreich und der afrikanischen Association über Die Abgren­zung ihrer bezüglichen Gebiete am Congofluß. Die Verhandlungen seien nur bis nach der Berliner Conferenz vertagt.

England.

London- 14. November. (Unterhaus). Fitzmaurice theilte ein Tele­gramm des Generalkonsuls Baring aus Kairo von heute mit. Derselbe meldet: Oberst Swaine telegraphirt aus Dongola, daß von Gerüchten über den Tod Gordon's dort nicht das Geringste verlaute und man den bezüglichen ander­wärts verbreiteten Gerüchten absolut keinen Glauben beimeffe. In Debbeh sei ein vom Oberst Kirchener an Gordon abgesendeter Bote mit einem langen