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Rr. 213. Freitag den 17. October ; 1881

Meßmer Anzeiger

Amts- und

für den Kreis Gießen.

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Amtlicher Hheit.

Betreffend: Wahl der Commissionen für die Veranlagung der Einkommen- und Kapitalrentensteuer.

Bekanntmachung.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen zu Mitgliedern der Landescommission für die Einkommen- und Kapitalrentensteuer pro 1885/86 die Herren

Rechtsanwalt vr. Dorn sei ff in Gießen,

Bürgermeister Bopp in Bellersheim,

Georg Steinhäuser in Friedberg und zu Ersatzmitgliedern die Herren

Bürgermeister List in Lauterbach,

Müller W. Erk in Nidda ernannt hat.

Gießen, am 13. October 1884, Großherzogliche Provinzialdirection Oberheffen.

___________________________________________Pr* Boekmann._______________________________

Lang-Göns, am 13. October 1884.

Betreffend: Gesuch des Comit^s der Misstonsgesellschast zu Basel, dem Missionar Jakob Thumm zu gestatten, in den evang. Gemeinden des Großherzogthums Missionsstuuden und Missionsvorträge zu halten.

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen an sämmtliche Pfarrämter deS Dekanats.

Im Auftrage Großherzoglichen Oberconsistoriums (laut Verfügung vom 26. Septbr.) benachrichtige ich Sie, daß dem zum Nachfolger des Missionars Bergfeldt zu Frankfurt berufenen Missionar Jakob Thumm gestattet ist, nach vorheriger Einladung durch die evang. Geistlichen Missionsstunden und bei Missionsfesten Vorträge und Predigten zu halten. Dr. Strack. . »

Politische tteberficht.

Gießen, 16. October.

Das Project der signalisirten Congo-Conserenz ist von allen betheiligten Mächten sehr sympathisch ausgenommen worden und kann man nunmehr der Verwirklichung dieses Gedankens mit Sicherheit entgegensetzen. Der Zusammentritt der Conserenz soll Ende October oder Anfangs November erfolgen ; Ort derselben ist bekanntlich Berlin. Gegenstände der Verhandlungen sind: 1) Handelsfreiheit im Becken und an den Mündungen des Congo; 2) Anwendung des Wiener Vertrages, betr. die freie Schifffahrt auf den inter­nationalen Strömen, auf dem Congo und dem Niger und 3) Definition der Formalitäten, welche nöthig sind, damit neue Operationen an den afrikanischen Küsten als effectio angesehen werden. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt bezüg­lich dieser Angelegenheit: Der Gedanke, die westafrikanischen Fragen auf einer Conserenz zu regeln, habe wie in Frankreich, so auch unter den übrigen hierbei direct interessirten Mächten, bisher bei Belgien, Spanien und Holland, und unter den Mächten, denen Mittheilung von der beabsichtigten Conferenz gemacht worden, bei Oesterreich und Rußland, lebhafte Zustimmung gefunden.

Von derKoblenzer Zeitung" wird ein an den commandirenden General des 8. Armee-Corps, Generallieutenant Freiherr v. Loö, gerichteter kaiserlicher Erlaß veröffentlicht. In demselben giebt der Kaiser seine volle Zu­friedenheit mit den Leistungen des genannten Armee-Corps bei der Parade und dem Corps-Manöver zu erkennen und dankt speciell dem General für dessen so erfolgreiche Commandoführung. Als Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung ist dem General v. ßoe der Rothe Adler-Orden 1. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe und dem Emaillebande des königlichen Kronen-Ordens verliehen worden.

Das den nächsten Reichstag erwartende Arbeitspensum beginnt sich allmälig übersichtlicher zu gestalten. Neben dem Etat wird sich der Reichstag mit der Einführung des Postsparkassen-Systems für das ganze Reich, der wieder erneuerten Dampfer-Subventions-Vorlage und einer hiermit in engem Zusam­menhang stehenden weiteren Vorlage, betr. die Errichtung einer überseeischen Bank, zu beschäftigen haben. In sicherer Aussicht steht sodann noch eine den projectirten Nord-Ostsee-Kanal betr. Vorlage und was die socialpolitischen Auf­gaben anbelangt, so wird sich der Reichstag neben der Ausdehnung des Unfall­versicherungs-Gesetzes auf die land- und forstwirthschaftlichen Gebiete auch mit der Altersversorgung der Arbeiter zu beschäftigen haben.

Die nordschleswigasche Frage macht jetzt wieder einmal von sich reden. Es geschieht dies hauptsächlich in Folge eines Hetzartikels derTimes", in welchem Dänemark der Rath ertheilt wird, wegen der Zustände in Nord- Schleswig einen Appell an Europa zu richten, da die Klagen der 250.000 Dänen in Nord-Schleswig ein Schmerz und ein Leiden (a pain and affiction) für die Ohren Europas seien. Von derNordd. Allg. Ztg." wird dieser Angriff der Times" sehr geschickt abgewiesen, indem sie auf die Zustände in Irland und die Leiden der 9 Millionen Irländer hinweist, mit Irland würde die Bevölke­rung Nord-Schleswigs keinenfalls tauschen. Der betr. Artikel des englischen Weltblattes ist eben wieder einmal ein Beweis von jener Unverfrorenheit, mit welcher man in England die Splitter in Anderer Augen hervorhebt, ohne den Balken im eigenen Auge zu gewahren.

In dem Befinden des Herzogs von Braunschweig ist keine wesentliche Veränderung eingetreten; nach Aussage der Aerzte ist der Zustand

des Patienten, in Berücksichtigung des hohen Alters desselben, ein im Allge­meinen befriedigender.

Die am vorigen Samstag in Wien stattgesundene feierliche Schlußsteinlegung zum neuen Universitäts-Gebäude war für die Wiener alma mater ein bedeutungsvoller Act. Die größte und wichtigste Hochschule des österreichischen Kaiserstaates hat nunmehr ihren Sitz in einem wahren Palast aufgeschlagen, der ebenso ihrem Range entspricht, als auch von dem Ver- ständniß Zeugniß ablegt, welches alle Faktoren des politischen und culturellen Lebens in Oesterreich der Bedeutung des Universitäts-Studiums entgegenbringen. Dieses Verständniß manifestirte sich in deutlichster Weise in den Worten, mit denen der Kaiser bei der Feier die Begrüßungsrede des Rectors erwiderte und welche in der Mahnung an die studirende Jugend gipfelten, immer mehr in allen Zweigen wissenschaftlicher Erkenntniß, wie in der Liebe zum gemeinsamen Vater­lande zu erstarken.

In Frankreich hat mit dem am Dienstag erfolgten Zusammentritt der Kammern das parlamentarische Leben wieder seinen Anfang genommen. Die Wiedereröffnung des Parlaments fällt mit einem partiellen Wechsel im Cabi- net Ferry zusammen, indem Rouvier an Stelle Heriffon's das Handelsmini­sterium übernommen hat. Herrn Ferry wäre es begreiflicher Weise sehr ange­nehm gewesen, wenn er vor die Kammern mit der Nachricht hätte hintreten können, daß die Dinge in Ostasien eine für Frankreich entschieden günstige Wendung genommen hatten. Dies ist nun aber bis dato noch nicht der Fall, zumal nach neuerlichen Meldungen von privater Seite die jüngsten Wasftn- Erfolge der Franzosen in Ostasien keineswegs so ausschlaggebend erscheinen, wie die officiellen Nachrichten besagen. In Tongking hat das französische Expedi- tions-CorpS trotz der Niederlage der Chinesen bei Lochnan keine bemerkens- werthen Fortschritte gemacht und erheischt die leichte Verwundung, welche General Nögrier in dem Gefecht davongetragen hat, außerdem eine mehrtägige Pause in den militärischen Operationen. Anderseits hat sich bis jetzt auch die Nachricht von der Besetzung von Keelung und Tamsui durch die Franzosen noch nicht bestätigt. Es ist vielmehr dem Admiral Lespös noch nicht gelungen, die Torpedokette, welche den Hafen von Tamsui schützt, zu durchbrechen und sind die Franzosen bei einem derartigen Versuch mit blutigen Köpfen heimgeschickt worden. Es scheint, daß sowohl die Flotte vor Formosa, wie auch das Expe- ditions-Corps in Tongking neuer Verstärkungen bedürfen, um größere u:d nachhaltigere Erfolge zu erzielen.

Während "die Cholera in Frankreich fast gänzlich erloschen ist und auch jenseits der Pyrenäen nur in sehr vereinzelten Fällen austritt, steht Italien von den Alpen bis tief hinab in den Süden noch immer unter ihren Bann. Speciell in Neapel ist die Seuche plötzlich wieder im Zunehmen begriffen, was man dem übermäßigen Genuß von jungem Wein zuschreibt. Der Leicht­sinn der neapolitanischen Bevölkerung scheint die furchtbaren Lehren, welche ihr die Cholera gegeben, schon wieder vergessen zu haben. Für die in Catania Verunglückten, resp. deren Hinterbliebenen, hat der König 10,000 Lire gespendet. In den Trümmern der vom Cyclone zerstörten Gebäude sind bis jetzt 32 Todte vorgesunden worden.

Die Situation in Kairo scheint dem Ministerium Nubar Pascha allgemach unheimlich zu werden. Daraufhin sind wenigstens die Gerüchte von der beabsichtigten Demission desselben zurückzusühren und führt man als äußer­liches Motiv für dieselbe die Weigerung des Khedive an, die jüngsten finanziellen Maßregeln seines Cabinets durch ein besonderes Decret gutzuheißen. Indessen