vorliegenden besonderen Vnhältniffe erscheint etz btßhalb am »äihlichften, für die Nebenbahn einen eigenen Bahnkörper Herstellen -u lasten, auf die Milbenutzung der Staalö- stratze ganz zu verzichten und den Anschluß der Nebenbahn an die Matn-Ncckar-Bahn Im Badnhof Ebcrstadt selbst zu bewerkstcllrgen.
Die Kosten der Nebenbahn sind in der Unterstellung einer möglichst einfachen Anlage und der Anschaffung nur der zunächst unbedingt erforderlichen Betriebsmittel — 2 Tenderlocomottv.n und 2 combintrten Personenwagen nebst Bahnmeisterwagen — auf 218,000 A veranschlagt. Die Kosten des Grunderwerbs sind In dieser Dumme nickt einbegriffen. Dagegen ist nach Pos. 3 der Bemerkungcn aus Sette 190 der Schrift: ^Secundärbahn-Projecte im Großherzogthum Hessen" der Oberbau durchweg auf hölzernen oder eisernen Querschwellen mit Stahlschiene« angenommen. ES wird unterstellt, daß eigene Güterwagen für diese Nebenbahn nicht angrschafft, sondern daß solche Wagen von der Main-Ntckar-Bahn gegen Entschädigung geliehen werden, waS nach Ansicht der Direction dieser Bahn einem Anstande nicht unterliegt.
ES besteht die Absicht, den Betrieb der auf diesseitige Kosten hergestellten Bahn der Main-Neckar-Bahn zu übergeben und detzhalb mit der Verwaltung dieser Bahn einen Betriebövertrag abzuschlteßen.
Sckon jetzt soll darauf aufmerksam gemacht werden, daß nach Ablauf einiger BetrtcbSjahre die Nothwendigkett etntreten wird, eine dritte TenderlocomoNve und einen dritten Personenwagen onzuschaffen, sobald nämlich bei dem zuerst ongeschafften Be< triebsmaterial größere Reparaturen mit Außerdtenststellungen erforderlich werden. Die Anlagekosten werden sich dann um ca. 22,000 A erhöhen und somit auf 240,000 A stellen. Da die Bahn eine Länge von nur 2.6 Kilometer hat, so berechnen sich die Anlagekosten verhältnißmäßtg hoch, nämlich auf ca. 92,300 A für den Kilometer. Di S liegt darin, daß Bahnen von kurzer Länge verhältnihmäßig theurer zu stehen kommen als solche von größerer Länge, weil die Aufwendungen an beiden Endstationen und tue Betriebsmittel kürzere Bahnen mehr belasten als längere Bahnen; auch kommen hier noch die verhältnißmäßtg hohen Kosten des Anschlusses an die Main-Neckar-Bahn in Betracht.
Nack der angestellten Nentabtlttätsberecknung steht eine 4proc. Verzinsung des Anlag«capitals für die nächsten Jahre nicht zu erwarten. Wenn nun auch die Großh. Regierung die Bedeutung der Nebenbahn für die weitere industrielle Entwickelung von Pfungstadt in vollem Maße würdigt und nicht die Absicht hat. von der Gemeinde und den Interessenten der Bahn Deckung der Staatszubutzen zu den Betriebserträgcn dis zu 4vCt. zu beanspruchen, so erachtet man doch für billig, der Gemeinde Pfungstadt und den Bahn-Jnterlssenten außer der kostenfreien Gestellung des Geländes für die Bohn noch einen Gell.oettrag von 25,000 A anzusinnen. Hierbei bleckt die Verzinsung dtlses Geldbeitrags, die Amortisation od»r die Rückzahlung desselben nach Art. 5 des Gesetzes vom .... Vorbehalten, sobald die NettoerHägN'sse der Nebenbahn 4pCt. des Anlogecapitals überschreiten.
6. Nebenbahn von Reinheim, Station der Hessischen LudwigSbahn, nach RetchelSbeim.
Früher wurde ein Project für eine Vollbahn von Reinheim nach Weinheim Seitens der Hessischen Ludw«gs-Eiscnbahn»Gefellschaft bearbeitet. Diese« Project ist fallen gelassen worden: ein Bedürfniß zur Herstellung einer Hauptbahn für den durchgehenden Verkehr liegt für diese Strecke auck nicht vor. Unter Nr.22 und 23, S- 149 biS 157 tncl. der Schrift: „Sccundärbahn-Projecte im Großherzogthum Helsen" sind bezügliche frühere Proffcle und neue Anträge erörtert worden.
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen wird zunächst die Herstellung einer Nebenbahn von Reinheim nach Reichelsheim, unter thunlichster Mitbenutzung der Staatsstraße, in Betracht zu ziehen sein. Damit wird ein großer Thell des mittleren Oden- waldes dem Eisenbahnverkehr näher gebracht. Die Fortsetzung der Bahn könnte später erfolgen. Die fragliche Tbe Istrecke dürfte unter den für den Odenwald weiter in Antrag gebrachten Projecten in Rücksicht auf die bereits vorhandenen Verkebrsbcdürfnrsse vorzugsweise Berücksichtigung verdienen. Die Nebenbahn Reinheim-Reichelsheim wird ca. 18,5 Kilometer lang werden. Das Kilometer zu 54,000 A Baukosten tncl. Be- tliebsmaterialien und ohne Grunderwerbunaskosten veranschlagt, ergibt ein Anlagekapital von rund 1,000,000 A Genauere Pläne und Voranfck'äge liege« noch nicht vor. In dem gegenwärtigen Gesetzentwurf proponirt die Großherzogl'cke Regierung für den Bau dieser Nebenbahn einen Staatszuschuß ä fonds perdu von 290,000 A zu verwenden.
7. Nebenbahn von Osthofen, Station der Hessischen Ludwigsbahnen, nach Westhofen.
In der Schrift ^Secundärbahn-Projecte im Großherzogthum Hessen" ist unter Nr. 28, S. 198 bis 215 tncl., diescs Project näher erörtert worden. Die Bahn soll zum größeren Theil auf die Staatsstraße gelegt werden. Die Länge derselben ist zu 6 Kilometer und die Anlagekosten sind zu 260,000 A veranschlagt. In dem vorliegenden Gesetzentwurf werden 80.000 A als Staatszuschuß für den Bau dieser Nebenbahn vorgesehen.
8) Nebenbahn von Sprendlingen in Rheinhessen, Stat'on der Hessischen LudwigSbahnen, nach Wöllstein.
Früher war ein Nebenbahnproject von Flonheim oder ArmSheim über Wöllstein nach Kreuznach oder Münster am Stein in Antrag gebracht worden. Die Schrift Secundärbahnprojecte im Großherzogthum Hessen" enthält unter Nr. 31, Seite 218
und 219, eine Relut on über diese« Project. Irr jüngster Zeit hat daS Eisenbahn- comtte in Wöllstein der Großh Regierung daS Project einer Nebenbahn von Station Sprendlingen der Heff. LudwigSbahn nach Wöllstem vorgelegt, durch besten Ausführung die nächstliegenden BedÜrfnfffe von Wöllstein befriedigt werden würden. DaS vor-- gelegte Project ist im Allgemeinen nicht zu beanstanden. Die Länge der Nebenbahn beträgt hiernach 5.45 Km.; die Anlagekosten sind tncl. Grunderwerb zu 278,855 A und ohne Grunderwerd zu 245,000 A veranschlagt. Die Großh. Regierung erachtet die Ausführung dieses ProjrctS tm Interesse des bedeutenderen Orts Wöllstein und der Umgegend für empfrhlenswerth und hat in den vorliegenden Gesetzentwurf den Betrag von 80,000 A alS Staatszuschuß ä fonds perdu ausgenommen.
(Schluß folgt.)
Verwischtes.
Aus dem Kreise Kirchhain. Vor einigen Tagen begaben sich die Jagd- pächter St. und M. von Langendorf gegen Abend auf den Anstand, ohne daß einer von dem anderen wußte. St., welcher etwas früher in den Wald gegangen n?arr begab sich auf den Heimweg. M-, denselben von der Ferne sehend, glaubte, »s sei ein Wild, gab einen Schuß auf ihn ab und traf ihn in oas Oberbein. St. stürzte laut schreiend zusammen. M. eilte auf ihn zu und sah nun, was leider geschehen war. Der Getroffene wurde nach Marburg in das Landkrankenhaus gebracht. Die Wunde soll, da e8 ein Doppelschuß war, lebensgefährlich sein.
Westhofen, 11. Februar. [Sie werden nicht nlle.J Eine ältere Frau hier wollte ihren Ofen reinigen und dachte dies am bequemsten fertig zu bringen, wenn sie das in einem Gläschen befindliche Pulver (Sprengpulver, der Mann ist Steinbrecher> ins Feuer schütte. Gedacht, gethan, Krach! Die Frau Ist am Arme schwer verwundet und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, der Ösen gesprungen, sämmtliche Fensterscheiben der Stube zertrümmert. Zum Glück bet diesem Unglück konnte der bofe Feind durch die offene Ofenthüre entfliehen: wä-e letztere geschlossen gewesen, so würde sicherlich der Ofen in Fetzen gegangen und die Frau getödtet worden fein.
Frankfurt, 11. Februar. Eine Metzgcrssrau in der Schustergasse wollte gestern Adend für einen Kunden eine Cervelatwurst abhängen, sie nahm deshalb einen Stuhl, flieg auf denselben, hängte die Wurst ab, gerieth aber dabei mit ihrem Trauring unbemerkt in den eisernen Haken, sprang, ohne etwas zu ahnen, ab, blieb hängen und riß sich factisch den Goldfinger aus der Hand. Die junge Frau liegt schwer krank darnieder.
Frankfurt, 12. Februar. Auf der Strecke Mainz-Frankfurt der hessischen LudwigSbahn, auf dem Zuge Nr. 50, welcher gestern Abend von Mainz um 7 Uhr 20 Min. abfuhr, geritih der Schaffner Backes, ein noch junger Mann, unterhalb Bischofsheim unter die Räder, so daß ihm beide Beine abgefahren wurden. Wahr- sckeinlick batte er das Trittbrett verfehlt. Dcr Verunglückte wurde alsbald aufgefunden und nach Mainz in daS Spital verbracht, wo er gegen 11 Uhr starb.
— Beim Mahdi sind die Avancements-Verhältnisse sehr günstig. W>'enämlich dieser Tage die „Polst. Corr." schrieb, ist der Bursche eines deutschen Artillerie-Offiziers, welcher dem Mahdi in die Hände fiel, wegen feiner artilleristischen Kenntnisse zum General ernannt worben.
— In Folge vielfacher Wünsche und Anfragen aus allen Theilen des Reiches haben die Unterzeichneten, unterstützt von gemeinnützigen Gesellschaften, eine Vereinigung zum Zwecke unentgeltlicher Rath sertheilung an freie Hülfskassen gebildet.
Die in Berlin errichtete Centralstelle wird sowohl den Vorständen bestehender eingeschriebener ober anderer Hülfskassen behufs Unterstellung unter das neue KrankenverstchcrungS-Gefetz — welche schleunigst erfolgen muß — als auch den Unternehmern neu zu gründender Hülfskassen behufs Statutenabfaffung durck mündliche und schriftliche Auskünfte, sowie durch Normalstatuten, Formulare und Anweisungen zu Diensten stehen. — Dieselbe wird andererseits allen Vorständen von Kranken- imb Begrävnißkassen für baldige Einsendung ihrer Statuten, Jahresberichte und statistischen Uebersichten febr verbunden fein, um eine Zusammenstellung der in Deutschland bestehenden freien Hülfskassen zu veranstalten.
Alle Anfragen und Einsendunaen wolle man unter Beifügung der vorhandenen Statuten a* den mitunterzeichneten Rechtsanwalt Dr. Edmund Friedemann zu Berlin W., Potsdamerstraße 26b, abreffiren.
Berlin, im Februar 1884.
BÜchtemann, Heinrich Flinsch,
Mitglied des Reichstages u. Mitglied des preuß.
preuß. Abgeordnetenhauses. Abgeordnetenhauses.
Dr. Max Hirsch, G. Lipke,
Mitglied des Reichstages. Mitglied des Reichstages.
Rickert,
Mitglied des Reichstage« u. preuß. Abgeordnetenhauses.
F. Schenck, Mitglied des Reichstages.
F. Waltz, General-Director.
Dr. Edm. Friedemann, Rechtsanwalt.
Ludwig Loewe, Mitglied des Reichstages u. preuß. Abgeordnetenhauses.
K. Schrader, Mitglied deö Reichstages.
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