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fit. 64. Samstag den 15. März 1S84

Gießener Anzeiger

Amts- Md Anzeigeklatt für den Kreis Gießen.

Vrrreau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontaaS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf

Amtlicher HHeiü Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß an Stelle des in Gemäßheit des Art. 22 des Gesetzes vom 21. Juni 1869, die Einkommen­steuer betreffend, zum Mtgüede der Landescommission für die Einschätzung der Einkommensteuerpflichtigen für 1884 gewählten Jacob Wießler zu Butzbach, welcher dre auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hat Bierbrauer Melchior in Butzbach in der heutigen Sitzung des Provinzialausschuffes zum Mitglrede der genannten Commrsffon gewählt worden ist.

Gießen, am 10. März 1884. Großherzogliche Provinzialdirection Oberheffen.

.. vr. Boek mann.

Politische Ueberficht.

Gießen, 14. März.

Wie es heute keinem Zweifel mehr unterliegt, daß russische, englische, amerikanische, französische, deutsche Mordbrenner in directen Berbin- düngen stehen und sich gegenseitig auf jede Weise unterstützen und in die Hände arbeiten, so darf nicht länger mit dem Aneinanderschließen und dem gemein­samen Vorgehen aller Staaten gegen den gemeinsamen Feind gezögert werden." So wird derPetersb. Zeitung" aus Wien geschrieben und diese Betrachtung hat sich mehr und mehr auch denjenigen aufgedrängt, die zu Polizei- maßregeln nur im äußersten Falle schreiten möchten. Die Fenier wollen die von ihnen geforderte fernere Beraubung der irischen Gutsbesttzer durch Dynamit unterstützen, und es hing an einem Zufall, daß der Prinz Heinrich von Preußen nicht durch eine solche irische Dynamituhr auf der Paddington-Station in Lon­don in die Luft gesprengt wurde. Es sollen, so wird derKöln. Zeitung" aus Berlin berichtet, Verhandlungen der Mächte im Gange und dem Abschlüsse nahe sein, welche bezwecken, um alle Bewegungen der Verdächtigen zu überwachen, eine unmittelbare Verhandlung der Polizeibehörden untereinander ohne Rücksicht auf die Landesarenze anzuordnen. Bis jetzt hat eine solche Vereiniguna der Mächte nicht stattgesunden, Dagegen yaden Die preußischen tucyuiuert nm uw russischen auch schon bisher Fühlung gehabt und ihnen manche schätzenswerthe Nachricht zukommen laffen. Aus Rußland haben wir hier wenig erfahren, nicht aus Mangel an gutem Willen in Petersburg, sondern weil die russische Polizei eine weniger stramme Ueberwachung auszuüben scheint. Auch mit Frankreich unterhielten wir selbst nach 1870 solche Beziehungen, namentlich während der Zeit, als Andrieux Polizeipräfekt von Paris war. Seitdem haben keine Mit­theilungen staltgefunden. Man erinnert sich, daß Herr Windthorst in seiner Rede gegen die Aufwendungen für Kunst- und Museumszwecke davon sprach, daß in Berlin viel Dynamit lagern solle und die Polizei wohl daran thun werde, darüber strenger zu wachen. Es erschien hierauf ein höherer Polizeibeamter bei Herrn Windthorst und bat ihn in höflichster Weise, der Polizei doch einige nähere Auskunft zu geben. Es ergab sich indessen, daß der Abgeordnete für Meppen sich nur auf Gerüchte berufen konnte. Dynamit darf ohne polizeiliche Erlaubniß weder eingesührt noch ausgeführt, noch gelagert werden. In ganz kleinen Mengen mögen vielleicht Chemiker sich Dynamit verschaffen, größere Vor- räthe sind in Berlin schwerlich zu finden. Das ist aber nicht sehr trostreich, denn Nitroglycerin vermag sich Jeder leicht herzustellen oder anzuschaffen, und diese Flüssigkeit ist gefährlicher als Dynamit, wenn auch nicht so handlich rote letzteres. Die gehäuften Explosionen und abscheulichen Greuel, die von allen Seiten berichtet werden, müssen wohl die öffentliche Meinung für strengere Maß­regeln gegen die Anarchisten stimmen. Was insbesondere das Socialistengesetz betrifft, so ist an dessen Verlängerung bis zum 30. September 1886 kaum noch zu zweifeln, und auch das Centrum, das sich einstweilen noch in Schweigen hüllt, wird nach verschiedenen Anzeichen schließlich für die Verlängerung stimmen.

DieNordd. Allg. Zeitung" schreibt:Die in mehrere Blätter übergegangene Notiz, daß seit einer Unterredung, mit welcher der Großherzog von Hessen gelegentlich der Enthüllungsfeier des Niederwald - Denkmals den Minister der öffentlichen Arbeiten beehrt habe, Verhandlungen über die Abtre­tung der Hessischen Bahnen (dabei scheint ganz besonders an die Hessische Lud- wigsbahn gedacht zu sein) an Preußen nicht geführt seien, ist nach bester Quelle dahin richtig zu stellen, daß nicht erst seit jener Zeit, sondern überhaupt niemals solche Verhandlungen gleichviel in welcher Form gepflogen sind. Auch das, was über jene Unterredung in der Presse mitgetheilt ist, entspricht, soweit wir unterrichtet sind, nicht der Wirklichkeit."

Nach fast zweijähriger Abwesenheit von der Heimath ist Prinz Heinrich von Preußen in Kiel wieder auf deutschem Boden gelandet, wo am Donnerstag die CorvetteOlga" eingetroffen ist. Der Kronprinz und Prinz Wilhelm begrüßten hier den Sohn und Bruder auf's Herzlichste und ge­dachten am Freitag in seiner Begleitung nach Berlin zurückzukehren.

Die General-Debatte im österreichischen Abgeordnetenhause über das Budget, welche das Haus am vorigen Samstag bis zum Mittwoch in Anspruch nahm, hatte das mit den Etatsdebatten in andern Ländern gemeinsam, daß in ihr von allem Möglichen, nur nicht vom Budget, gesprochen wurde. Fast alle inneren Fragen, welche zur Zeit das Donau-Kaiserreich bewegen, kamen hierbei zur Sprache und der Nationalitätenstreit spielte unter ihnen wie­der eine Hauptrolle. Von liberaler Seite wurden abermals die alten Klagen über die auf Kosten des Deutschthums sich vollziehende Durchführung der Taaffe'schen Gleichberechtigungs-Theorie, hinsichtlich der Völkerstämme Oesterreichs,

Deutschland.

- 12. März. Nach einer Unterbrechung von 4 labten fanb r Ä« ' ctne musikalisch-dramatische Aufführung nebst Ball zum Besten &?aTULmen' °er°nstall-t von Siudirenden der technischen Hochschule llatt Das Haus war vollständig gefüllt, als Seine Königliche Hohett dkr Grokb^oa S^ner Grobherzoglichen Hoheit dem Prinzen Heinrich , geführt von der Mutation, erschienen und, begrüßt durch die Nationalhymne, Jh« Mätze .^erakademffche Musikoerein, unterstützt von dem hiesigen Dilettantenver-i» he. .salart m, dem Concert. Daran schloß sich die Aufführung m hfeta?

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n0, der die Th-iln-hm-r bis zum frühen Morgen zusamm-nhi-lt

Arankreich.

i man erwähnen, daß fast alle Blätter über d-r7n friedlichen. Frank«-ch ntcht be? senden Charakter einig sind und den hierauf bezüglichen Worten der deutschen

laut und 5er Deutschböhme Plener brachte in dieser Beziehung allerdings recht drastische öeispiele. Die Regierungskunst des Grafen Taaffe läßt sich freilich durch alle diese Remonstrationen nicht beeinflussen, glücklicherweise liegen aber bie Verhältnisse so, daß über das Deutschthum in Oesterreich trotz alle- und alledem sicht zur Tagesordnung übergegangen wird.

Die französische Regierung bereitet wieder eine Campagne gegen tiie orlemistischen Prinzen vor. Es ist wenigstens viel von bevorstehenden Ausnahne-Maßregeln" gegen die Prinzen die Rede und die der Regierung nahesteheiden Blätter schlagen gegen dieselben einen äußerst scharfen Ton an, doch muj man das Weitere noch abwarten. Ueber das angebliche Dynamit- Attentat gegen den Grafen von Paris schwebt noch immer ein gewisses Dunkel. Daß die Anarchisten in Paris für kommenden Sonntag abermals eine große Kundgebung vorbereiten, ist keine besonders überraschende Nachricht, denn anarchistsche Versammlungen und Meetings sind in der französischen Hauptstadt nachgercde zur Tagesordnung geworden. Man kann aber nie wissen, nach welcher Seite hin derartige Zusammenkünfte der modernen Weltverbesserer um-- schlaget und die Pariser Polizei hat denn auch für das angekündigte anarchi­stische Meeting ihre Vorkehrungen getroffen. Was die Ereignisse in Tongking bte^n0t S^en^/tiP111 ieben Dag der Einnahme von Bacninh entgegen, ob Regürungskreisen anzumhnun^°! 8 gehen wird, wie man in den Pariser

2»r. ©(abfione, ber greife Sifie B

niomntanen llnpäßlichleit befallen, die indessen auf den Gang der Regierung^ hÄLtI\retner 28616 ^inbernb einwirkt. Das Unterhaus beschäftigt sichtn von 70 000 m STt U bCTr dachen Nachtragskredit im Betrage matihe und Ä,ft 65 Erdings nicht zweifelhaft, daß der diplo»

mattye und militärische Feldzug im Sudan England noch schwere finanzielle k^f^ger- wird. Die Action General Graham's am Rothen Meere ist roiöbafhÄnr"' Digma durchaus keine Raison annehmen

aonii b Ä der Engländer gegen ihn am Montag wieder be-

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°r,uf bie Ministerkrisis eine merkwürdige Krisis in der Annstderaeleat °9?"uein angesehene Kammerpräsident Farini hat fein Sm h?,'rar»/mkem 9iei!contre zwischen ihm und dem Deputirten N 9aft6^bnun3 b,e Kammer zu Gunsten des Letzteren ent»

aude?Msirist»?^ustags-Srtzung schlugen die Redner aller Parteien, sowie erto rnprLm Q^Ctni T' Jarini um Zurücknahme seiner Demission zn nJ hMpa R lch-r ®inn!L bie Kammer eine Tagesordnung annahm. Unge- EAufse $ 165 öon $ertrauen beharrt ber Kammerpräsident aus seinem «^»»^h^erikanischen Repräsentantenhause ist derLasker» St nun ebenfalls zur Erörterung gekommen. Am Montag wurde ein An- S, ar ^ne Resolution emgebracht, welche das Bedauern des Hauses über

T*9"9' Zugleich aber auch dem deutschen Reichstage nochmals heuern des Repräsentantenhauses über das Ableben Lasker's ausspricht.

r k be~ Ausschüsse für auswärtige Angelegenheiten überwiesen wor- buud >rnd tm Falle seiner Annahme diplomatische Weiterungen zwischen dec ln und dem deutschen Reiche nicht ausgeschlossen.