1881
Freitag den 14. November
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In dem am Montag abgehaltenen päpstlichen Consisto- rium sind die schon früher angekündigten Ernennungen vollzogen worden. Der Papst hielt hierbei eine kurze Ansprache, in welcher er von der peinlichen Lage und den Heimsuchungen der Kirche sprach, gleichzeitig aber auch die Ausbreitung des katholischen Glaubens betonte. Der Papst wies namentlich aus Amerika hin, wo zur Zeit ein Bischofs-Concil stattfinde, erwähnte Australiens, Indiens, des Orients, endlich auch Afrikas, wo der Bischosssitz von Karthago wieder hergestellt sei.
Am 4. December d. Js. wird Grover Cleveland, der Candidat der demokratischen Partei, von den Wahlmännern zum Präsidenten der Vereinigten Staaten proklamirt werden, da es jetzt keinem Zweisel mehr unterliegt, daß die Wahlmänner-Wahlen vom 4. November der Mehrzahl nach in demo- kratischem Sinne ausgefallen find. Bis zum 4. März 1885 wird Mr. Arthur den Präsidentenstuhl noch inne haben, um alsdann seinem demokratischen Nachfolger Platz zu machen. __________________________________________
England.
London, 11. Novembr. Bei dem gestrigen Lordmayors-Bankett in der Guildhall erwähnte Lord Granville den Streit zwischen Frankreich und China. Er glaube',' daß derselbe lästig für Frankreich und voller wirklicher Gefahren für das chinesische Reich sei; beide Staaten seien sich vollständig deffen bewußt, daß Englands gute Dienste zu ihrer Verfügung stehen, wenn beide dieselben ^wünschterr. Jedes der beiden Länder sei zu gewissen Zeiten bereit gewesen, diese guten Dienste anzunehmen, aber nicht zu gleicher Zeit. Die englische Regierung wäre gleich erfreut, wenn die Vereinigten Staaten oder Deutschland oder irgend ein anderes Land, welches weniger interessirt sei als England, in dem chinesischen Handel einschreiten und den Frieden wieder herstellen werden. Indem er Egypten erwähnte, sprach Lord Granville die aufrichtige Hoffnung aus, daß General Wolseley nicht nur Gordon. befreien, sondern daß es ihm auch gelingen würde, eine dauerhafte Regierung im Sudan zu begründen. Lord Northbrook sei zurückgekommen, nachdem er alle Autoritäten, englische und fremde, die competent waren, Auskunft über die egyptischen Finanzen zu geben, consultirt habe. Northbrook habe jedem seiner Kollegen einzeln das Resultat seiner Untersuchung mitgetheilt, da aber der Bericht dem vereinigten Cabinet noch nicht vorgelegt worden sei, hält Granville es für unmöglich, darüber eine Erklärung zu geben. In Betreff der Congo-Conferenz erklärte Granville, England sei nicht im mindesten eifersüchtig wegen der deutschen Colonisation. Die Regierung habe willig dem Vorschläge wegen Einberufung der Conserenz zugestimmt und sei froh, Deutschland und England in Übereinstimmung zu finden, hauptsächlich da Frankreich und Deutschland in dieser Ansicht einig sind.
KerrWkand.
Darmstadt, 12. November. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 1. November den Finanzaspiranten Heinrich Spaar aus Bersrod zum Oeconomen am Landeszuchtause zu Marienschloß und den Finanzaspiranten Heinrich Stroh aus Laubach zum Hausverwalter und Rechner des Landes- hospitales zu ernennen.
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Telegraphische Depeschen.
WöLH'H tsLese» GorrsWondem-BrrrsQ^.
Pari-, 12. November. Nach dem heutigen officiellen Choleraberichte sind am gestrigen Tage, m der Zeit von Mitternacht üis Mitternacht, in den Hospitälern 132 neue Cholera-Erkrankungen hinzugekommen und 51 Personen an der Cholera gestorben. Die Gesammtzahl der gegenwärtig in den Hospitälern befindlichen Cholerakranken beträgt 271. In der Stadt und den Hospitälern sind im Laufe des gestrigen Tages insgesammt 107 Personen an der Cbolera gestorben.
— Ein osficieller Bericht der Seine-Präfektur constatirt, daß von Mitternacht den 10. ds. bis zur gleichen Zeit des 11. os. 89 Personen, davon 34 in der Stadt und 55 in den Hospitälern, an der Cholera gestorben seien. — Ein weiteres Bulletin giebt an, daß von Mitternacht bis heute Mittag 28 Cholera- Todesfälle, davon 9 in der Stadt und 19 in den Hospitälern, vorgekommen seien.
Kairo, 12. November. (Telegramm des „Reuter'schen Bureaus.") Der Khedive hat auf Antrag des Minister-Conseils ein Decret erlassen, durch welches die Erhebung der Steuern auf die Häuser der Ausländer, die mit Genehmigung der Mächte auserlegt war, aufgehoben wird. Das Decret ist von einem Schreiben des Finanzministers begleitet, in welchem erklärt wird, daß diese Maßregel erforderlich gewesen sei in Folge der Weigerung der europäischen Hausbesitzer in Alexandrien und Kairo, bei der Repartition der Steuern in Gemäßheit der Bestimmungen des Decrets über die Besteuerung der Häuser zu verfahren.
Hongkong, 12. November. (Telegramm des „Reuter'schen Bureau».") Die Chinesen griffen die französischen Truppen bei Keelung an, wurde« aber mit großen Verlusten vollständig zurückgeschlagen. Die Franzosen erlitten nur geringe Verluste. Das chinesische Kanonenboot „Feihoo" wurde von den Franzosen genommen. r t u _ ..
Pest, 12. November. Die östrrretch sche ^egit'o.i q^eümtgte in der bmttgea Plenarsitzung ohne D-vatte die Voranschläge des gemeMsamm FManzmmtsteriums,
Votttische Ueberfkckt.
Gießen, 13. November.
Erst der kommende Samstag wird uns den Abschluß der Stichwahl-Campagne bringen und wird bis dahin das Bild derselben noch immer ein lückenhaftes sein.
Als der Termin für die Einberufung des Reichstages ist der 20. November festgesetzt worden.
Die braunschweigische Erbsolgefrage ist plötzlich von Neuem Gegenstand eingehender Preßbetrachtungen geworden. Den Anlaß hierzu hat das Cirkular gegeben, welches der Herzog von Cumberland an die deutschen Fürsten, mit Ausnahme des Kaisers und der freien Städte, am 4. d. Mts. gerichtet hat. Dasselbe enthält die mit dem braunschweigischen Ministerium geführte Correspondenz des Herzogs betreffs der Contrasignirung und Veröffent- lichung seines bekannten Regierungs-Antritts-PatenteS. Weiter sagt der Herzog in dem Cirkular, die Ausübung seiner Regierung in Braunschweig sei zwar zur Zeit aus Hindernisse gestoßen, aber nach der LandeSversaffung und nach fürstlicher Familienordnung sei sein Nachsolgerecht unbestreitbar. Das Reich könne nicht in seine Erbfolge eingreisen, ohne gegen die Rechtsordnung zu verstoßen, auf welche die Reichsverfassung und das Reich selber gegründet seien. Der Herzog widerspricht ferner dem, daß Art. 71 der Reichsverfassung, betr. die Verfassungs-Streitigkeiten, im vorliegenden Falle zutreffe und betont, daß auch aus Art. 11 und 17 der Reichsverfassung, von den Machtbefugnissen des Kaisers handelnd, das Recht des Reiches zur Entscheidung von Fragen der Erbfolge- ordnung oder Erbfolgesähiakeit in den einzelnen Bundesstaaten nicht gegründet werden könne. Am Schlüsse spricht Cumberland sein Bedauern aus, daß er nach Ablehnung seines NotificationS-SchreibenS vom 18. October durch den Kaiser habe Bedenken tragen müssen, ein entsprechendes Schreiben zur Zeit auch an den Kaiser zu richten. Aus die Antwort der „Nordd. Allg. Ztg." darf man in Anbetracht der hierbei mit in's Spiel kommenden ziemlich verwickelten Rechtsfragen gespannt sein.
Der Herzog von Cambridge soll dem Kaiser angeboten haben, er wolle von En^and 'aus die Regierung für Cumberland's Sohn führen, wenn Letzterem der braunschweigische Thron gewährleistet würde; vom Kaiser soll indessen ein ablehnender Bescheid erfolgt [ein. Wir geben diese Nachricht unter allem Vorbehalt wieder.
Die Ausschuß-Berathungen der österreichischen und ungarischen Delegationen nehmen jetzt, nachdem in den betr. Ausschüssen die Angelegenheiten der hohen Politik zur Genüge erörtert worden sind, einen rascheren Verlaus. Am Samstag erlevigte der Budget-Ausschuß der österreichischen Delegation das Ordinarium des Kriegsbudgets und begann die Generaldebatte über den Marine- Etat. Der Marine-Commandant Baron Sterneck leitete die Debatte mit ein* gehendem Exposö ein, worin er als Aufgabe der österreichischen Marine die Vertheidigung der Küsten und den Schutz des Seehandels hinstellte. Er entwickelte hierauf seinen Reorganisations.Plan und begründete das Mehrerfor- dernih von 3/10 Millionen Gulden. In der sich daran knüpfenden Debatte ergriff auch der Kriegsminister das Wort; die Verhandlungen wurden am Montag fortgesetzt. 7
Zu den Sorgen und Verdrießlichkeiten, welche dem Ministenum Fern) die chinesische Affaire, die gedrückte wirthschaftliche Lage in Frankreich und neuerdings auch das Auftreten der Cholera bereiten, gesellt sich jetzt eine abermalige Verwickelung nach Außen. Wie erinnerlich, wurden in Tanger mehrere französische Untertanen von Marokkanern gemißhandelt, ohne daß die marokkanische Regierung der französischen bis jetzt eine ausreichende Genug- thuung dafür gewährt hätte. Da dem Anschein nach die Entsendung des franz. Panzerschiffes „Suffren" nach Tanger ohne besondern Eindruck aus die marokkanische Regierung geblieben ist, so soll dem Vernehmen nach von Toulon aus eine Expedition nach Marokko in See gehen. Was den Conflict mit China anbelangt, so sollen die neuerdings eingeleiteten Verhandlungen mit China einen günstigen Verlauf nehmen, was die französische Negierung in ihrem Entschluß, Verstärkungen nach Ostasien abzusenden, vielleicht wieder wankend machen wird. — Die Cholera breitet sich in Paris rasch aus und hat fast alle Stadtviertel ergriffen. Von Sonntag Mitternacht bis Montag Abend 11 Uhr kamen 152 Cholera-Erkrankungen und 33 Cholera-Todesfälle zur Anzeige, außerdem starben im Hospital in der Avenue Breteuil 17 Cholerakranke.
Im englischen Unterhause hat Mr. Gladstone dieser Tage in der Angelegenheit der Wahlreform-Bill einen entscheidenden Erfolg davongetragen, indem in der Nachtsitzung vom Freitag zum Samstag die Bill in zweiter Lesung abstimmungslos angenommen worden ist. In der vorangegangenen Debatte machte sich auf conservativer wie auf liberaler Seite wieder eine versöhnlichere Stimmung bemerkbar und sprechen deshalb die Londoner Blätter die Hoffnung aus, daß'es wegen der Bill und wegen der Neueintheilung der Wahlsitze doch noch zu einer Verständigung kommen würde.
In Dänemark ist eine dem conservativen Ministerium Estrup günstige Verschiebung der Partei-Verhältnisse eingetreten. Innerhalb der vereinigten Linken des FolkethingS hat eine Spaltung stattgesunoen und hat sich etwa die Hälfte derselben unter der Führerschaft Berg's. des Präsidenten des FolkethingS, oen Gemäßigten angeschloffen, die andere Hälfte unter der Führung Hörup'S hat eine neue Partei gebildet. In Folge dieses Vorganges find die Radikalen im dänischen FolkethingS in die Minorität gekommen.
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